Ausgabe 
13.9.1932 Erstes Blatt
 
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l i ch müde geworden sind, ihren Eindruck nicht verfehlen.

DieVoss. Ztg." (dem.), die dem Reichs- tagspräsitenten Göring den Vorwurf macht, der Lage nicht gewachsen gewesen zu sein und die guten Verven und rasche Entschlußkraft" der Reichsregieruna anerkennt, meint, daß die Er­klärung des Kanzlers in ganz Deutschland mit einer Begleitmusik gehört worden sei, die den dramatischen Effekt nur gesteigert habe. Das Werk der Regierung sei kein Erzeugnis des alt­neuen autoritären Staatsgeistes, fentern die Frucht ter vorausgegangenen entsagungsvollen Jahre, die es ermöglichten, jetzt das Steuer Her­umzuwersen und ohne Gefährdung der Währung ter Schrumpfung ter Wirtschaft entgegenzuwir­ken. DasBerl. Tagebla11" (demokr.) spricht von einem gut gespielten Theater, von dem sich die Vationalsozialisten offenbar eine

hervorragende Propagandawirkung versprächen. Die Vationalsozialisten könnten gewiß nicht für sich in Anspruch nehmen, daß sie die Sieger des gestrigen Tages seien. Sie spielten nur, wieder einmal, ein bißchen Theater und verletzten die Verfassung, als deren Hüter sie sich neuerdings so gerne aufspielen. 2Der auch die Regierung habe nicht gerate staatsmännisch geglänzt.

DerVorwärts" bringt einen ganzseitigen Aufruf der SPD., in dem zum Kampf gegen Hitler und Papen aufgefordert wird. Das Blatt ist der Auffassung, daß Nationalsozialisten und Zentrum die volle Verantwortung dafür trü­gen, daß ein rechtsgültiger Beschluß zur Aufhebung der Notverordnung nicht zustande gekommen sei, da der Kanzler in der halbstündigen Pause die Auf­lösungsorder beschaffen konnte. Die Programmrede des Kanzlers fei eine außerordentlich scharfe Kampf­ansage an einen großen Teil des Volkes.

Frankreichs Antwort auf die deutsche Nüstungsdenkschrifi.

Berlin, 12. Sept. (WTB.) In der Ant­wort, die die französische Regierung auf die deutsche Denkschrift zur Gleichberechtigungsfrage erteilt hat, heißt es u. a.:

Vach der Mitteilung an unseren Botschafter wünscht die Berliner Regierung zunächst in eine vertrauliche Aussprache mit uns ein­zutreten. Sie gibt einem Wunsche nach Offen­heit Ausdruck, dem die französische Regierung rückhaltlos und ohne Hintergedanken zu ent­sprechen beabsichtigt. Die deutsche Regierung be­ruft sich darauf, daß der Verlauf der Abrüstungs­konferenz möglicherweise unbefriedigend bleiben wird. Es bedarf kaum eines Hinweises darauf, daß diese Auffassung den Ereignissen vvr- greift und sich bei gerechter Bewertung des be­reits Geleisteten nicht rechtfertigen läßt. Die Regierung ter französischen Republik ist sich bewußt, alles getan zu haben, was in ihrer Macht lag, um ein ordnungsmäßiges Fortschreiten ter Arbeiten der Konferenz zu ermöglichen. Sie hat die von ihr aufgestellte These hinsichtlich der Sicherheit für einen späteren Zeitpuntt zu­rückstellen lassen; sie hat sich damit einver­standen erklärt, daß die Prüfung dieser These ebenso lange verschoben wurde, wie dies von Deutschland für die Prüfung seiner Forderung auf Gleichberechtigung verlangt wurde. Sie hat überdies ihren Willen zur Herabsetzung ter Rüstungen dadurch bewie­sen, daß sie im französischen Parlament einen Antrag auf Herabsetzung der Wehr­ausgaben um etwa 1500 000 000 Franken zur Annahme brachte. Diese Herabsetzung entspricht dem Iahresbetrage an Reparationen, auf den sie verzichtet hat.

wenn die deutsche Regierung sich für berechtigt erklären wollte, ihren eigenen- fiungssiand unter Berufung darauf zu an­der n, daß von dem jetzt in Vorbereitung stehenden Abkommen nur unzureichende Ergeb­nisse zu erhoffen seien, so würde sie nicht nur den klaren Verpflichtungen aus dem von ihr unterzeichneten ver­trage zuwiderhandeln, sondern sie würde durch ihre Haltung auch die künftige ver- wlrNichung der allgemeinen Abrüstung, wie sie ste ihrer eigenen Erklärung nach wünscht, un­möglich machen.

Man hat Frankreich einen Vorwurf aus der Art gemacht, wie es den Sicherheits­gedanken und das Wort Sicherheit verwendet. Es handelt sich um dieselbe Votwerckrigkeit, auf die die deutsche Regierung sich mit Recht beruft, wenn sie schreibt, Deutschland habe ein Recht a u fs e i n e n a ti onale Sicherheit". 3n Erklärungen ter jüngsten Zeit, denen wegen der amtlichen Eigenschaft chres Urhebers Bedeutung beizumessen war, wurde gesagt, Frankreich wolle durch die Vertretung dieser Sicherheitsthese einen verschleierten Imperialis- mus verdecken. Vichts ist falscher als das. Frankreich nimmt für sich keinerlei Vorrechte ^Anspruch. Es fordert nur seinen recht- mäßigen Anteil an einer für alle geltenden Sicherheit. Frankreich ist nicht nur bereit, etwaige Anregungen Deutschlands zu prüfen, sondern es bittet um solche Anregun­gen ebenso wie um die der übrigen Staaten.

3m Abschnitt VII sagt die deutsche Vote,es komme dabei einmal auf organisatorische Aenderungen an, wie z.B. Abschaffung der aktiven Dienstzeit der Langdienenden und Frei­heit m der Gliederung der Wehrmacht, zum anderen auf die kurzfristige Ausbildung einer

besonderen wehrpflichtigen Miliz für Zwecke der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung sowie des Grenz- und Küstenschutzes".

Hm sicher zu sein, daß sie diesem Text keine irr­tümliche Auslegung gibt, hat die französische Re­gierung sich an die eingehenden Angaben ge­halten, die ter Herr Reichswehrminister in derVew Times" vom 8. August, der Zeit­schrift der .^eimatdienst" vom 1. September und gegenüber dem Berichterstatter der ZeitungResto del Carlino" am 31. August gemacht hat. Es handelt sich demnach darum, dah für Deutschland auf dem Gebiete des Heeres. Luftstreitkräfte, Kampfwagen, schwere Artillerie sowie Luft- abwehrgeschütze und auf dem Gebiete der Ma­rine. Unterseeboote, Flugzeugmutterschiffe und Panzerschiffe gefordert werden.

kein Zweifel: Es handelt sich hier um eine Ausrüstung. Schon jetzt muß darauf hingewiesen werden, daß diese Aufrüstung sich unabwendbar auf alle die Staaten aus- dehnen würde, die durch Verträge an ein ähnliches Regime gebunden sind wie Deutschland. Eine Aufrollung des ganzen mittel- und osteuropäischen Problems wäre also die unmittelbare (folge, und auf dieser breiten Grundlage würde das Wettrüsten von neuem beginnen. An der (frage, die Frankreich vorgelegt worden ist, ist also ganz Europa unmittelbar interessiert und Frankreich kann sich nicht darauf einlassen, auf ein Problem von solchem Umfange f ü r

s i ch allein eine Antwort zu erteilen.

Wenn also Deutschland auf seinen Absichten besteht, so mutz eine allgemeine Aktion durchgeführt werden, aber nicht auf dem Doden der Abrüstungskonferenz; und zwar zurlächst deshalb, weil die Forderung Deutschlands dem Ziel dieser Konferenz seinem Wesen nach direkt zuwiderläuft und ferner deshalb, weil an dieser Konferenz Vertreter von Vationen teilnehmen, die an den Friedensver­trägen nicht beteiligt waren. Die französische Antwort zitiert dann Artikel 164 des Versailler Vertrages und das Antwortschreiben des Präsi­denten der Friedenskonferenz auf die deutschen Bemerkungen. 3n diesem Schriftstück heißt es, es ist keinerlei Aenterung in dem durch den Vertrag bestimmten Rüstungsstande gestattet, be­vor Deutschland nicht in den Völkerbund ausgenommen worden ist. Dieser kann etwa wünschenswerten Abänderungen zustimmen.

So liegt also die Entscheidung allein beim Völkerbund. Frankreich kann den Ver­pflichtungen, die es ihm gegenüber eingegangen ist. nicht zuwiterhandeln, und wir behalten UNS vor, vor dem Völkerbund gegebenenfalls die Grünte darzulegen, die uns hindern, einer Wiederaufrüstung Deutsch­lands jujuffimmen^'

Lllles in allem macht die französische Regierung angesichts des deutschen Wunsches nach Befrie­dung, den wir teilen, auf die Gefahr aufmerksam, die sich für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft aus Maßnahmen ergeben würde, die früher oder später zu einer Wieder­aufnahme des Militarismus führen können. Frankreich glaubt, daß es bei Wahrung ter eingegangenen Verpflichtungen ihm möglich llt. mit Deutschland nach einem neuen zu suchen, jedoch nicht durch Rückkehr auf den alten Weg ter Vorbereitung jum Kriege, sondern durch Fortschritte in der Organisatio n des Friedens.

Aus aller Welt.

Zwei Dörfer eingeäschert.

F i e s ch (Kanton Wallis), 13. Sept. (WTB. Funk- pruch.) Das Dorf Blitz in gen steht seit heute früh 1.45 Uhr in Flammen. Zur Zeit brennen 20 der größten Wohnhäuser. Das 240 Einwohner zählende Dors bildet rechts und links der Hauptstraße ein riesiges Fl a mm e n m e e r. Der Hauptteil des Dorfes gilt als verloren. Die Feuerwehren des ganzen Oberwallis weilen am Drandort. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

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Wie aus Klagenfurt (Kärnten) gemeldet wird, ist die Ortschaft Oberdorf! im Rosental durch einen Brand fast gänzlich vernichtet worden. Das Feuer hatte, durch starken Wind begünstigt, so rasend um sich gegriffen, daß die Bewohner kaum alarmiert waren, als bereits das ganze Dorf in Flammen stand. Die Feuerwehren konnten nicht viel ausrichten, weil außer dem Dorfbrunnen kein Wasser zur Verfügung stand. Insgesamt sind 15 Gebäude niedergebrannt und nur ein einziges Wohnhaus ist notdürftig erhalten ge­blieben.

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Wie aus Ettlingen (Baden) gemeldet wird, ist in ter Gemeinde Mörsch in einer ter vergangenen A^chie das Oekonomiegebäude des pensionierten Straßenwarts Josef Gerstner niederge­brannt. Der alleinstehende Besitzer hat dabei den Erstickungstod gefunden.

Gandhi droht mit Hungerstreik bis zum Tote.

Die englische Regierung veröffentlicht einen Brief­wechsel mit Gandhi, der sich auf die Anord-

nung der Regierung bezieht, den Unterdrückten in», dlichen Klassen, den Parias, ein gesondertes Wahlrecht zuzugestehen. Gandhi befürchtet da­durch eine religiöse Spaltung der Hin»

5 ""d fordert für die Parias das gleiche Wahlrecht, wie es den Hindus gegeben wurde. Auch der Hinweis Macdonalds, daß die englische Negierung diese Regelung getroffen habe, um den Marias die Bestimmung ihres Geschickes selbst in oie Hande zu legen, kann Gandhi nicht überzeugen. In seinem Schreiben drückt er sein Bedauern über fSn Anlegung der englischen Regierung aus und halt seinen Entschluß, denH unger st reit bis bc durchzuführen, aufrecht, falls die eng- sische Regierung ihren Beschluß nicht ändern sollte. Gandhi wird vom 20. September ab jegliche Nab- (rUÄU-fna^r «rroei9ern- Wie er erklärt, könnte elbst seine Entlassung aus dem Gefängnis ihm in feinem Beschluß nicht umstimmen.

Hutchinsons gerettet

Aus Tromsö wird gemeldet, daß Hutchinsons sich nach ter norwegischen Funkstation Finsbu in Ost­grönland gerettet habe.

Schweres Erdbeben in holländisch-Indien.

In Amboina (Holländisch-Jndien) ereignete sich in ten letzten Tagen ein schweres Erdbeben, das als das heftigste seit dem Jahre 1898 bezeich­net wird. In Kampong stürzten 60 Häuser e i n. Die gesamte Bevölkerung hat den Ort ge­räumt, da das Eintreten eines weiteren Erdbebens befürchtet wird. Der Ort Piree auf der Insel Cerarn ist bereits von einer Flutwelle heimgesucht worhen. Bisher sind keine Menschenver­luste zu verzeichnen.

I Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, ten 13. September 1932.

Mittwoch, 14. September: Mondfinsternis.

Wenn das Wetter keinen üblen Streich spielt, werten die Freunde der Himmelskunde am Abend des 14. September das Schauspiel einer fast totalen Mondfinsternis bewundern können; die Deobachtbarkeit wäre umsomehr zu wünschen, als diese Mondfinsternis für über ein 3ahr die letzte sichtbare sein wird. Kurz vor Vollmonds­termin (22.06 Llhr) taucht ter Mond zunächst in den Halbschatten ter Erde um 19.05 Llhr. Von dieser Verfinsterung ist allerdings kaum etwas bemerkbar, da die Mondoberfläche immer noch von ziemlich viel Sonnenlicht getroffen wird, so daß wir es nicht zu bedauern brauchen, daß ter Mond erst wenige Grate über dem Horizont steht.

Um so besser ist dagegen die erste Berührung des Kemschattens der Erde mit dem Mondrand um 20.18 Ähr zu beobachten. Dann wandert die dunkelschwarz gefärbte Schattengrenze immer wei­ter über den Mond hinweg; wer ein Fernrohr hat, kann das Eintrauchen ter Mondkrater in den Schatten gut beobachten. So wird nach Vor­ausberechnung um 20.39 älhr das Ringgebirge Thcho" am Schattenrand liegen, um 20.46 Albt Copemicus", etwa 21.18 AlhrPlato"; dann tritt um 22.01 älhr die größte Phase der Finster­nis ein: 0.98 Teile des Monddurchmessers sind vom Erdschatten verhüllt, die Finsternis ist also partiell, ihr Eindruck für den nicht ganz exakten Beschauer kommt einer totalen fast gleich. Dann wird der am stärksten verfinsterte Teil des Mon­tes (nahe dem Zentrum des Erdschattens) in rötlichem Glanz leuchten, da in der Erdatmosphäre gerochene und wie bei Abendrot rötlich gefärbte onnenstrahlen durch eben diese Brechung noch in den Schattenkegel der Erde gelangen; es ist also hier gar nicht wirklichfinster". Dann wan­dert ter Erdschatten wieder von der Mondscheibe weg, um 22.26 AIHr wirdPlato" frei, um 22.49 AlhrCopemicus", um 23.15 AlhrThcho" und um 23.43 Alhr tritt der Mond völlig aus dem Kemschatten ter Erde aus, während der Aus­tritt aus ihrem Halbschatten erst am Morgen des 15. September um 0.56 Llhr erfolgt.

Gießener Wochenmarktpreise.

* T ieß en, 13. Sept. Es kosteten auf dem heu­tigen Wochenmarkt: Süßrahm- und Landbutter je 130 Pfennig das Pfund, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing, Rotkraut, Gelbe Rüben, Rote Rüben, Römischkohl und Zwiebeln je 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Spinat 20, Alnter-Kohlrabi Kürbis und Fallapfel je 5 bis 6, Bohnen (grün und gelb) 20 bis 25, Tomaten 10. bis 15, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 31/, (der Zentner 3 Mark), Frühäpfel 15 bis 30, Dirnen 15 bis 25, Dörrobst 30 bis 35, Zwetschen 10 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Reineclauden 20, Pfirsiche 30 bis 40, Brombeeren 20 bis 25, Preißelbeeren 30 bis 35, Honig 40 bis 45, Suppenhühner 60 bis 80, junge Hähne 80 bis 90; Tauben 50 bis 70 Pfennig das Stück, Käse 5 bis 10, Eier 9 bis 10, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20, Blumenkohl 30 bis 60, Endivien 10 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 8. Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 12, Sellerie 10 bis 25; Radieschen 10 Pfennig das Bündel.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Reichs« kurzschrift-Gesellschaft, 19 Uhr, Pestalozzischule, Er­öffnung eines Anfänger-Lehrgangs in der Einheits» kurzschrist. TV., im Augustiner, Monatsver« fammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Emil und die Detektive" undDer Schuß im Tonfilm­atelier".

Schülervorstellung im Licht« spielhaus. Morgen, Mittwoch, 16 Uhr, findet im Lichtspielhaus eine Schülervorstellung statt, rrt ter ter lustige TonfilmEmil und die Detektive" gezeigt wird. Der Film, in dem einige forsche 3ungens einem Verbrecher nachspüren und ihn nach aufregender 3agd stellen, wird jedem rechten 3ungen das Herz begeistert höher schlagen lassen. 2lber nicht nur für die Jugend, sondern für alle, bie sich ein junges Herz bewahrt haben, wird dieses Filmabenteuer eine lustige unterhaltsame Stunde bedeuten. Väheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.

* * i n S iebzigjähriger. Herr Heinrich P e t e r, Gießen, wohnhaft Anneröter Weg 30, rann heute seinen^ 70. Geburtstag begehen.

Preisträger der Gartenbau­ausstellung. Mit der Gartenbau­ausstellung des Obst- und Gartenbauvereins Gießen war eine Prämiierung verbunden. Das Preisgericht fitzte sich aus den Herren Obstbau- rnspektor Enkler und Gärtnereibesitzer Karl Decker zusammen. Folgende Aussteller (es handelt sich um Liebhaber und Privatgarten­besitzer) konnten mit Preisen bedacht inertem 1. Preise erhielten: Amtsgerichtsrat Gros, 3unker, Pempfer, Rehnelt; 2. Preise: Dechers E i n h ä u s e r, Fischer, Helfen- dein, V ö l s i n g. Mit 3. Preisen wurden Pfar­rer Decker, Göbel und H a u b a ch ausge­zeichnet. Anerkennungen für gute Leistungen er­hielten die Aussteller: Cloos, Cornus, Glagvw, Grünewald, Leonhard und Werner.

** Großstadtmenschen verkehrssiche­rer als M ittelstä dter. In 81 deutschen Mit« tel- und Großstädten wurden im Jahre 1931 ins­gesamt 114 710 Straßenverkehrsunfälle gezählt. Da« bei sagen die Statistiker, daß in den letzten Jahren in allen deutschen Großstädten die VerkehrRinfälle im Rückgang begriffen seien, nur in Breslau, Frank­furt a. M. und Stuttgart haben die Verkehrsunfälle in dem letzten Jahre etwas zugenommen. Beachtens­wert ist die Tatsache, daß die Großstädte eine kräf­tigere Abnahme der Unfallzahlen des Verkehrs zu verzeichnen haben als die Mittelstädte. Diese Er« scheinung kommt nicht von ungefähr, sie ist auch nicht zufällig, denn die Erziehung zum Verkehrs- Menschen, der mit allen Gefahren des heutigen Straßenlebens vertraut fein muß, vollzieht sich am schnellsten in ten Großstädten mit ihrem täglichem Getriebe. Auch die schulische Einwirkung auf die Jugend findet in diesem langsamen, aber steten Ab­nehmen ter Verkehrsunfälle ihren erfolgreichen Niederschlag. Gerade die Erziehung des Fußgängers ist ein schwieriges Kapitel, und die vielen Verkehrs- Unsitten sind zähe liebel, die nur langsam ausge­rottet werden können. Die Bedeutung des leicht­verständlichen und anregenden Verkehrsunterrichts, wie er von der Derkehrsschulwacht in ganz Deutsch­land vertreten wird, hat dieser praktischen Er­ziehungsmethode den Weg geebnet.

Tagung der hessischen Lndustrie- und Handelskammern.

Die jüngste gemeinsame Sitzung ter hessischen Industrie- und Handelskammern, die dieser Tage in Mainz stattfand, beschäftigte sich unter dem Vorsitz des Herrn Ludwig Meyer (Mainz) in eingehender Weise mit dem Wirtschafts­programm der Reichsregierung. Die­ses Programm wurde einstimmig als ter Aus­druck des ernstesten Willens der Regierung, die Wirtschaftskrise und damit die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, angesehen. Es geht von der Er­kenntnis aus, dah ohne die Möglichkeit der Entfaltung der Privatwirtschaft- l ich en Initiative die jetzigen krisenhafte Zustände nicht überwunden werden können. Es bedeutet daher eine erfreuliche Abkehr von den staatssozialistifchen Tendenzen ter Vergangenheit. Die hessischen 3ndustrie- und Handelskammern fordern daher alle Wirtschaftskreise auf,

diese grundsätzliche Bestrebung ter Reichsregie­rung ihrerseits zu unterstützen und nach Kräften zur Diedererstarkung des wirtschaftlichen Lebens beizutragen.

Sie begrüßen auch die Ablehnung der Destre- bungen, die eine Autarkie Deutschlands durch das Verbot ter Einfuhr ausländischer Waren zum Ziele haben. Die Bedeutung des Exports für das gesamte deutsche Wirtschaftsleben sei so groß, baß'eine Politik, die der Ausfuhrförderung Äutoiterlaufe, nicht eingeschlagen werten dürfe. Leiter sei die Erkenntnis darüber noch nicht all­gemein verbreitet, daß ein großer Teil ter in ter deutschen Wirtschaft beschäftigten Erwerbs­tätigen nur vom Export existierten. So beschäftige allein die deutsche Fertigwarenausfuhr auch heute noch mehr als eine Million Erwerbstätige.

Weiterhin wird die

Dringlichkeit der baldigen Aufhebung der Hauszinssteuer

betont. Die Bedeutung dieser Steuer, deren Be­seitigung die hessischen Industrie- und Handels­kammern schon feit Jahren gefordert haben, für die öffentlichen Finanzen werte immer geringer. 3f)re baldige völlige Aufhebung müsse dazu führen, daß bis jetzt unterbliebene Re­novierungsarbeiten in großem Llm- fange durchgeführt würden und so eine erhebliche Zahl von Arbeitskräften Defchäftigung fände.

5>ie Versammlung beschäftigt sich weiterhin mit ten Vorschlägen, durch entsprechende Bestimmun­gen eine größere Möglichkeit für die Untersagung te^ Gewerbebetriebs zu schaffen, wenn deren In­haber wiederholt wegen Betrugs oder Wuchers testraft Worten sind. Einem vorliegenden Antrag auf Ermäfjigung der Telephongebüh- die bedauerlicherweise bei ter letzten ©e- ouyrensenkung von ter Reichspost ausgenommen waren, wird zugestimmt.

r o. des Hantelsklassengesetzes, des-

sen Ziel die Standardisierung ter landwirtschaft­

lichen Produkte ist, sollen Gutachterstellen für diese Produkte errichtet werden. Die Versamm­lung stellte sich auf ten Standpunkt, daß bei ter Eigenart ter hessischen Landwirtschaft für Hes­sen keine besondere Veranlassung vorliege, die Durchführung dieses Gesetzes zu beschleunigen. Rachdem nunmehr aber das Reichsgesetz einge- führt sei, bleibe nichts anderes übrig, als eine solche

Gutachterstelle auch für Hessen einzuführen. Die Versammlung beschloß, inten Vorstand der Gutachterstelle für Hessen je einen Vertreter des Handels aus ten drei Provinzen zu entfenten. Heber ten Sitz ter Stelle soll dem­nächst mit ter Landwirtschaftskammer für Hessen verhandelt werden.

Der Versammlung lag ferner ein Antrag teS Rhein°Main°Gastwirte°Verbandes vor, den dieser bei der hessischen Regierung eingebracht hat und ter dahin zielt, dah die hessische Regierung die Sonderregelung, wie sie für Rheinhessen und Starkenburg seinerzeit bei ter Durchführung der Dierpreissenkung getroffen worden war, aufhebt. An Hand von statistischem Material wurde nachgewiesen, daß die Beibehaltung dieser Sonderregelung für die genannten Gebiete nach wie vor geboten erscheint. Darüber hin­aus wurde beschlossen, der hessischen Regierung gegenüber zum Ausdruck zu bringen, daß

künstliche Eingriffe in die Preisgestaltung und die behördliche Festsetzung von preisen zu immer neuen Unzuträglichkeiten führen müsse.

Zur Behandlung stand weiterhin die Lage ter Schaumweinindustrie, deren Absatz durch einen außerordentlich starken Rückgang des Konsums und die steuerliche Belastung auf ein Minimum zuruckgegangen sei. Während die Schaumwein- ihrer Wiedereinführung im Jahre 1926 33Va Proz. des Herstellungswertes ausgemacht habe, betrage sie heute 66*/z Prozent des Durchschnittserlöses und 100

Aro.öntt des Erlöses in der billigsten

Preislage. Da bei der Aufrechterhaltung die- fer steuerlichen Belastung für ten Schaumwein, ten man infolge der Preisentwickluirg heute nicht mehr als Luxusgetränk ansprechen könne und für testen Herstellung ein sehr starker Prozentsatz von deutschen Weinen verbraucht würde, mit einem milbigen vollständigen Erliegen der Schaumweinindustrie gerechnet werben könne, wirb beschlossen, den Antrag der Schaum­weinindustrie, die Sektsteuer von 1 Mark auf 50 Pfennig die Flasche zu senken, zu unterstützen.

3m Hinblick auf die neue gesetzliche Regelung tes Ausverkaufswesens beschlossen die Kammern, ein Merkblatt über diese neuen Bestimmungen für die beteiligten Kreise heraus- zugeben, sowie einheitliche Anmeldungsformularq zur Einführung zu bringen.