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Die süddeutschen Staatschefs beim Reichspräsidenten.

Befriedigendes Ergebnis der Besprechungen.

Berlin, 12. 3unl. (WTV.) Der Herr Reichs­präsident empfing heute in Gegenwart des Reichskanzlers v. P a p e n den bayerischen Rlinister- präsidenten Dr. Held, den würllembergischen Staatspräsidenten Dr. Volz und den badischen Staatspräsidenten Dr. Schmitt zu einer eingehen­den gemeinsamen Besprechung der politischen Lage. Die Aussprache berührte das Verhältnis des Reichs zu den Ländern, den Finanzaus­gleich, die Wirtschaftspolitik und eine Reihe von innerpolitischen fragen.

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In wohlunterrichteten Kreisen glaubt man als Er­gebnis der heutigen Aussprache eine weitere Entspannung der Beziehungen zwi­schen Ländern und d c m R e i ch sehen zu können, die bereits am Samstag durch die Verhand­lungen in der Reichskanzlei eingeleitet wurde. Der Empfang beim Reichspräsidenten vollzog sich natür­lich in der verbindlichen Form, die bei einer Aus­sprache mit dem Reichspräsidenten selbstverständlich ist. Was die Ländervertreter vorzutragen hatten, wurde trotzdem mit allem Freimut gesagt. Die Staats- und Ministerpräsidenten brachten noch­mals ihren Standpunkt geaen die Einsetzung eines R e i ch s k o m m i s s a r s in Preußen und gegen die Aufhebung des SA.- und SS.-Verbotes vor. Ferner wurde allgemein die Frage des Verhältnisses zwischen Reich und Ländern und vor allem die Frage des Finanzaus­

gleichs erörtert. Die Besprechungen, die bereits am Samstag zwischen dem Reichskanzler und den süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten hier­über geführt worden sind, dürften wohl im wesent- lichen schon Klarheit darüber geschaffen haben, daß die Reichsrcgicrung keinerlei Pläne gegen die verfassungsmäßige Selbständig- keit der Länder hat. Auch die Bedenken der süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten gegen die Aufhebung des SA.- und SS.-Verbotes dürften im wesentlichen zerstreut worden sein, da die Verbände künftig keinen militäri­schen Charakter mehr h a b e n sollen und außerdem eine fortlaufende lieber- wachung durch daszu ständige Mini st e - rium geplant ist. Rach Lage der Dinge dürften demnach die geplanten Maßnahmen der Reichsregie­rung durch den Besuch der süddeutschen Staats- und Ministerpräsidenten eine grundsätzliche Aen- derung nicht erfahren. Die Besprechung ging im übrigen in durchaus freundschaftlicher Form vor sich. Man trennte sich in ziemlichem Einverständnis. Da die süddeutschen Staats- und Ministerpräsiden­ten bekanntlich alle dem Zentrum einge­boren, vertreten sie in den Einzelfragen entspre­chend der augenblicklichen Oppositionsstel- l u n g der Zentrumspartei naturgemäß einen a b - weichenden Standpunkt. Das bezieht sich aber nicht auf das staatsrechtliche Verhältnis der Länder zum Reich. In dieser Frage dürften alle Meinungsverschiedenheiten ausge- glichen worden sein.

Was werden die neuen Notverordnungen des Reiches enihalien?

Kürzungen in allen Zweigen der Arbeiislofenfürforge. - Gestaffelte Abgabe jur Arbeitslosenhilfe für alle Lohn- und Gehaltsempfänger. Verlängerung der Krifensteuer.

Frankfurt a. M., 13. Juni. (CAD.) Die Frankfurter Zeitung" will aus dem Inhalt der bevorstehenden Aotverordnungen der Reichsregierung folgende Einzelheiten er­fahren haben, die wir m i t a l l e m D o r b e h a I t wiedergeben:

In der Arbeitslosenfürsorge solle em« Gesamtersparnis von 520 Millionen Mark durch eine Senkung der Leistungen er- reicht werden, und §war sollten bei der Ar­beitslosenversicherung die Sätze durch­schnittlich um 23 Prozent gesenkt wer­den: außerdem werde die Hilfsbedürftig- keitsprüfung statt bisher nach 20 künftig schon nach 6 Wochen stattfinden. Dadurch erhoffe man eine Einsparung von 188 Millionen Mark. In der Krisenunterstützung sollten die Llnterstühungsleistungen durchschnittlich um 10 Prozent gesenkt und eine unbe­schränkte Hilfsbedürftigkeitsprü» fung eingeführt werden. Die Gesamtersparnis hieraus wird auf 184 Millionen Mark errechnet. In der Wohlfahrtserwerbslosen­unter st ützung sollten die Unterstützung um durchschnittlich 15 Prozent gesenkt werden, was eine Ersparnis von 148 Millionen Mark bedeute. Durch diese Maßnahmen wür­den die Leistungen der öffentlichen Hand für di? gesamte Crwerbslosenfürsorge um 520 Millionen Mark gesenkt.

Da aber auch diese Einsparungen noch nicht genügten, um den Etat auszugleichen, plane die Reichsvegierung eineAllgemeine A b - gäbe zur Arbeitslosenhilfe" für die Zeit vom 1. Iuli 1 932 bis 31. März 1 9 3 3. Ihr sollen alle Lohn- und Ge­haltsempfänger unterliegen mit Ausnahme der Lehrlinge und eines gewissen Personen­.kreises, der Arbeitsentgelt für nur vorübergehende Dienstleistungen und für geringfügige Deschäf-

tigungen im Sinne der Sozialversicherungsgesetze bezieht. Die Abgabe solle bei einem Arbeitslohn bis zu 1500 Mark jährlich 1,5 Prozent betragen, bei einem Arbeitslohn von 1500 bis 3600 Mark 2,5 Prozent. Einkünfte über 3600 Mark jährlich werden unter Fortfall der Krisenlohnsteuer mit 5,75 Prozent belastet. Die höheren Gehalts­bezieher, die bisher 5 Prozent Krisenlohnsteuer zahlten, sollen zu 6,5 Prozent Deschäftigtenabgabe herangezogen werden.

Di« Beamten, die der Krisenlohnsteuer bis­her nicht unterlagen, sollen künftig 1,5 Prozent Deschäftigtenabgabe bezahlen. Derjenige Per­sonenkreis, dessen Einkommen nicht aus Ar­beitslohn besteht, soll noch zu einer bei* terenRatederKrisen-Deranlagte ii- st euer herangezogen werden. Man glaube, daß dieAbgabe zur Arbeitslosenhilfe" für den in Frage kommenden Zeitraum von neun Monaten im ganzen 400 Millionen Mark erbringen werde.

Außerdem würde auch bei den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung (In­validen-, Unfall» und Angestelltenversicherung) anBrinen Abbau der Lei stungen gedacht, dessen Höhe jedoch noch nicht feststehe. Zu diesen Einnahmen komme auch noch eine Wiederein­führung der Salz st euer vom 1. Iuli 1932 bis 31. März 1933 (Ertrag 40 Millionen Mark) und eine Deseitigung der Freigrenze von 5 0 0 0 Mark bei der Erhebung der Umsatz st euer. Was endlich die A e u g e st a l- tung der Gemeindefinanzen anlange, so sei geplant, daß die Gemeinden selb st für die Wohlfahrtsunterstühung der Erwerbslosen im ganzen 680 Millionen Mark a uf- bringen und dazu noch einen Reichszu- schuh von 867 Millionen Mark erhalten sollen, wobei gleichzeitig eine Aenderung des bis­her kg en Verteilungsschlüssels ins Auge gefaßt sei.

Der Wahlkampf in Hessen.

Hitler spricht in Worms.

Worms, 12. Juni. (Lpd.) Vor einer vieltausend­köpfigen Zuhörerschaft sprach Adolf Hitler am Sonntagnachmittag in einer großen Kundgebung der NSDAP, im Wormser Stadion. In den gleichen großen geschichtlichen Dimensionen, so führte er aus, wie der Zusammenbruch erfolgte, müsse sich der Aufbau der deutschen Nation voll­ziehen, der nur erfolgen könne, wenn die notwen­digen Voraussetzungen für den Wiederauf­stieg gegeben seien. Wenn man auf die vergangenen 13 Jahre zurückblicke, so müsse man sagen, daß ent­weder Ideen falsch waren, oder die Führer Men­schen von ungenügendem Format gewesen seien. Alles, was sie getan und unternommen hätten, sei zum Unheil ausgeschlagen. Es genüge nicht, daß man eine Sache mechanisch in Angrif nehme, son­dern das Entscheidende sei die innere E i n st e l° lung, der zuversichtliche Glaube an die Idee und ihr schließlicher Erfolg. Zu den beiden Faktoren Glück und Unglück gehöre die innere Tüchtigkeit des Menschen, seine eigene Zuversicht und sein'Glaube, die ihm Selbstvertrauen geben. Die Nationalsozia­listische Deutsche Arbeiterpartei habe seit den ersten Tagen ihres Bestehens diese innere Zuversicht ge- habt, so daß von ihr Millionen Menschen ergriffen worden seien. Das sei, was jeder einzelne Mensch, das ganze Volk, im Herzen tragen müsse. Die Na- tion müsse ihr ganzes Handeln von einer Idee b e st i m m t wissen und müsse alles Trennende aus­schalten, was die tragende geistige Kraft verbrauchen würde.

Hitler zeigte barm auf, wie zwischen So­zialismus und Nationalismus die Drücke geschlagen werden müsse. Es sei undenkhar, daß in einem Volk zwei Seelen in einer Drust lebten. Im Kampf der beiden Ideen müsse Deutschland langsam zerfleischt werden, denn mit einem Volk, das sich selbst zerfleische, könne man keinen politischen Erfolg erzielen. In dieser Erkenntnis müsse die Millio- Cdn-Armee der deutschen Arbeiter und Dauern Fusammengeschweiht werden. In den Ländern, in

denen Nationalsozialisten regierten, hätte sich die Stimmenzahl verdreifacht, und wenn das Schicksal auch in Hessen der nationalsozialistischen Be­wegung die Macht gebe, würde es auch da nicht anders sein.

Eine Strasser-Versammlung in Friedberg.

Friedberg, 12.Juni. (WEN.) Vor 5000 bis 6000 Personen sprach Sonntagnachmittag Reichs- üagsabgeordneter Straßer auf der Seewiese. Straßer führte u. a. aus, daß die Geschichte keine Bewegung kenne, die einen derartig starken fana« Aschen Willen und Opferbereitschaft beweise wie die nationalsozialistische nach ihrem zwölfjährigen Kampfe. Dieses Ringen habe zu dem ersten Punkt &c£j?QCWtenun9 geführt, das, so hoffe die NSDAP., am 31. Juli durch die endgültige Er­greifung der Macht gekrönt werde. Dort, wo die Nationalsozialisten die Macht ergriffen haben, sei man bestrebt, den Begriffen: Ehre, Freiheit, Vaterland und Volkstum zur Herrschaft zu verhelfen. Die NSDAP, sei i n k e i n e r W e i s e mit dem Kabinett Papen zu identifi­zieren. Zudem habe die Partei wegen der Reichs- tagsauflösung zum Kabinett Papen keine Stellung nehmen können. Wer im bürgerlichen Leben über feine Verhältnisse lebe und Schulden mache, werde als Hochstapler bezeichnet. Das gelte auch für den Staatshaushalt. Der Staat dürfe nicht mehr aus­geben, als die Volksgenossen aufzubringen vermöch­ten. Unsere gesamte Volkswirtschaft müsse auf den beiden Faktoren Boden und Arbeit aufgebaut werden. Nur hierdurch sei eine Möglichkeit gegeben, der Arbeitslosigkeit Herr zu werden. Wenn zwei Millionen Arbeit gegeben werden könne durch Aufträge des Staats, fei das Problem mit Aussicht auf Erfolg zu lösen. Der Versailler Ver- trag und der Poungplan würden in dem Augenblick Zu einem lächerlichen Fetzen Papier, in dem in Deutschland wieder der nationale Lebenswille ge- weckt sei. So hoffe denn die NSDAP, im Glauben an die große Idee ihrer Bewegung, die Macht er­

greifen zu können und dem Volke durch die Tat das Tor zur deutschen Freiheit zu öffnen.

Ein Aufruf der NSDAP.

D a r m ft a ö t, 12. Iuni. (WSN.) Der Gau­leiter der NSDAP, in Helfen, Reichstagsabge­ordneter Lenz, erläßt einen Aufruf an die hessischen Nationalsozialisten, in dem er eiserne Disziplin und unbeug­samen Kampfeswillen fordert, um das Ergebnis der Hessenwahlen am 19. Iuni für die NSDAP, zu einem Sieg zu gestalten. Keiner dürfe ss.ch durch die Methoden des Gegners provo­zieren und zu Handlungen hinreißen lassen, die geeignet wären, die Partei vor der Oeffentlich- ke-it in Nachteil zu bringen. Der Aufruf schließt: Der Sieg ist nicht mehr fÄn. Wann unsere

Fahnen über Hessen flattern, entscheidet sich än der Kraft und Energie, die der einzelne Partei­genosse in diesem Kampfe aufwendet." -

Der Kreisleiter der NSDAP. Darmstadt, Otto Heß, fordert den Innenminister Leuschner in einem offenen Brief auf, sich an einem Abend der letzten Wahlkampfwoche in einer Ver- sammlung in der Fe st hall« zu stellen. Das Thema solle lauten:Die Erfolge des Marxismus in Hessen". Die Hälfte der Eintritts­karten svlle an Anhänger des Ministers abgegeben werden, und ihm selbst werde di« Redezeit zugebilligt, die er selber wünsche. Auf der Bühne dürfe fio viel Schutzpolizei unter­gebracht werden, wie der Minister für notwendig erachte. Heß selber verzichtet ausdrücklichauf den letzten SA.-Mann" auf der Bühne.

Die Sammlung -er Mitte.

Eckener als Führer der zusammengefaßien bürgerlichen Mitte.

Berlin, 12. Iuni. (END.) Wie wir zu den Bestrebungen einer Sammlung der Mitte und der mittleren Rechten erfahren, findet am Mitt­wochabend in der Deutschen Gesellschaft eine Zusammenkunft führender Männer des gei­stigen und wirtschaftlichen Lebens statt, um aus diesem Kreise an die zwischen den Natio­nalsozialisten und dem Zentrum stehendenParteien und bishe igenWähler einen Aufruf zu richten, der dazu auffordert, unter Zurückstellung parteipolitischer und son­stiger Sonderinteressen als geschlossener politischer Block vorzugehen, um bei den Entscheidungen über die politischen Fragen Gel­tung zu erlangen. Dem Kreise, von dem ein solcher Aufruf ausgehen soll, gehören, wie wir noch weiter erfahren, u. a. Dr. Hugo Eckener, der Ehrenpräsident der Deutschen Handels- und Ge­werbekammer Plate, Botschafter a. D. Dr. S o l f und Geheimrat Wikhagen (Leipzig) an.

Nach einer Meldung desMo Vag . orgen" sol ei an der entscheidenden Sitzung Vertreter Der Wirt­schaftspartei, der Deutschen Dolkspartei, der Staatspartei, der Abgeordnete von Lindeiner- Wildau und Vertreter des Hansabundes sich beteiligen. Der Hansabund habe sich in letzter Zeit sehr bemüht, eine Einigung der bürgerlichen Splittergruppen zu erreichen. Man hoffe, wenn es zu einer Einigung kommt, als Führer der Partei Dr. Eckener gewinnen zu können, um damit zugleich der Partei, eine Persönlichkeit mit einem populären Namen geben zu können.

Die Stellung derStaatspartei

Berlin, 12. Iuni. (END.) Die Staatspartei hielt «ine Gesamtvorstandssitzung ab, in der der Parteiführer, der frühere Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, über die Stellung der Staats­partei im kommenden Wahlkampf sprach. Nach einer längeren Aussprache wurde eine Ent­schließung angenommen, in der es heißt: Um der Größe der Entscheidung willen hält die Deutsche Staatspartei die Sammlung aller die Grundlagen unserer Verfassung bejahenden bürgerlichen Kräfte für eine staatspolitische Notwendigkeit. Sie ist bereit, ihre Anhänger zur Mitarbeit dabei aufzufordern.

Voraussetzung für diese Mitarbeit- UL daß die neue Partei auf den großen Gedanken der so­zialen Gerechtigkeit, der Volksgemein­schaft, der persönlichen, geistigen und wirtschaft­lichen Freiheit des einzelnen auf gebaut und gewillt ist, die Rechte und die Freiheiten des Volkes gegenNationalsozialismus und D i k t a t£ r mit Entschiedenheit zu verteidigen und unter Ablehnung aller sozialistischen Bestrebungen von rechts und links auf dem Voden unserer Staats- und Gesellschaftsordnung für die Rettung von Reich, Volk und Wirtschaft zu kämpfen. Außerdem wurde eine Entschließung angenommen, in der die Staatspartei ihre Be­fürchtungen hinsichtlich der Aufhebung deS SA.-Verbotes zum Ausdruck bringt

Oer Christlich-Soziale Volksdienst bleibt selbständig.

Kassel, 12. Juni. (CNB.) Reichsleitung und Reichsvorstand des Christlich-Sozialen Volksdienstes haben beschlossen, bei den Reichstagswahlen ohne Bindung an andere politische Par­teien in voller Selbständigkeit in den Wahlkampf zu gehen und in allen Wahlkreisen eigene Wahl­vorschläge einzureichen. Als Spitzenkandidat für die Reichsliste wurde einstimmig der erste Reichs­führer Simpfendörfer' (Stuttgart), M. d. R., aufgestellt.

OieLandesgruppeAnhattderOenischen Dolkspartei tritt aus der ODP. aus.

Dessau, 12. Iuni. (CNB.) Die Landestagung der Deutschen Dolkspartei Anhalt hieß heute ein­stimmig den Beschluß des Parteivor­standes, aus der Deutschen Volkspartei aus- §u treten, gut. In einer nachfolgenden Tagung wurde einmütig die Gründung einerNa­tiv n a ll i be r a len Partei Anhalts" be­schlossen. In dem Kommunique das die Natio­nalliberale Partei herausgibt, heißt es u. a.: Die Nationalliberale Partei Anhalts trennt sich von der Deutschen Volkspartei, weil sie der Auffassung ist, daß die lebendige Fortentwicklung des alten na tionalliberalen Gedankengutes von dieser nicht mit der notwendigen Energie verfolgt wurde.

Ludendorff als Zeuge im Memeidsprozeß Abel.

München, 10.Juni. (CNB.) Im Meineids- prozeß gegen Abel wurde General Ludendorff als Zeuge vernommen. Er leistet den nichtreligiösen Eid und gibt an, daß er Abel durch den Graf Schwerin tennengelernt habe, und zwar, wenn er sich recht erinnere, unter dem Namen Abel. Graf Schwerin wollte Abel als Verbindungs­mann zwischen Ludendorff und Ö st - preußen haben. An einen zweiten Besuch Abels bei ihm sowie an die beiden von Abel behaupteten Besuche Ludendorffs bei Abel kann sich der Zeuge nicht erinnern. Ein italienischer Offizier sei bei ihm nur einmal eingeführt worden, es habe sich aber nicht um den bewußten Miglio - r a t i gehandelt.

Hauptmann Göring hält es für ausgeschlossen, daß im Wurzer Hof ein Italiener mit Hitler ge­sprochen habe. Göring habe sich damals mit allen italienischen Angelegenheiten zu befassen gehabt. Wenn ein Italiener dagewesen wäre, hätte er sicher davon erfahren. Der Zeuge stellte entschieden in Abrede, daß irgendwelche Auslandsgelder an die Partei gegeben worden feien, auch nicht von Italien. Er sei später viel in Italien gewesen und habe sich bei faschistischen Organisationen erkundigt, ob Gelder an die NSDAP, gegeben worden seien. Man habe dort gelacht und gesagt, man könne selbst jeden Lira gebrauchen.

Der frühere Reichswehrleutnant Scheringer, der sich in Festungshaft in Bielefeld befindet, be­kundete, er wisse nichts von dem ganzen Fra­genkomplex, er lasse sich nicht als Instrument gegen seine früheren Kameraden verwenden, auch wenn er im scharfen Kampfe zur NSDAP, stehe.

Rechtsanwalt Frank II erklärt, Hitler habe im­mer betont, daß er sein Ziel n u r auf legalem Wege zu erreichen suchen werde. Eine Re­volutionierung der Reichswehr sei nicht mehr nötig, da die ganze Reichswehr heute eine einzige national­sozialistische Zelle bilde. Es wurde dann noch ein Brief des angeblichen Gareis-Morders Braun verlesen, in dem dieser die Angabe Abels über seine Person als unwahr bezeichnet und mitteilt, er habe Gareis überhaupt nicht gekannt. Der frühere Kutscher Abels bestätigt, daß Abel sich als Prinz habe ansprechen lassen. Geld habe er von Abel nie bekommen. Dieser habe ihn immer ver­tröstet und ihm sogar für Zigaretten ausgelegtes Geld nicht wiedergegeben.

Aufhebung des SA.- und des Llniform- verbotes am Mittwoch zu erwarten.

München, 11. Juni. (CNB.) DerVölkische Beobachter" will aus zuverlässiger Quelle erfahren haben, es fei bestimmt damit zu rechnen, daß am Mittwoch die Notverordnung über die Auf­hebung des SA., und des Uniformverbotes ver­öffentlicht werde.

Kommunistische Terrorpläne.

Berlin, 11.Juni. DerAngriff" bringt Ent­hüllungen über ein angebliches K P D.-T e r r o r - bureau. das sich in der Redaktion der Roten Fahne" befinden soll. Das Material soll Pläne für Feuerüberfälle und mehrere

Skizzen von SA.-Lokalen mit Standorten kommuni­stischer Schützen enthalten. DerAngriff" hat dieses Material der Politischen Polizei zur Ver­fügung gestellt, die auch bereits bemüht ist, die An- gelegenheit zu klären. Im Anschluß an die Enthüllun- gen fordert derAngriff" ein sofortiges Ver- bot der KPD. und die Festnahme aller ihrer Führer sowie eine strenge Untersuchung und strengste Bestrafung der Schuldigen.

Der kommunistische Landtagsabgeordnete und frühere Lehrer Hamann wurde vom Bezirks- schöffengericht Darmstadt wegen Verstoßes gegen die Verordnung zur Bekämpfung politischer Ausschrei­tungen zu drei Monaten Gefängnis ver- urteilt, wovon zwei Monate mit fünfjähriger , Bewährungsfrist bedingt erlassen werden. Hamann hatte vor einem Lokal, in dem eine kommu­nistische Versammlung stattfand, eine unerlaubte Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet und war dabei als Redner aufgetreten.

Aus aller Welt.

Deutscher Floltenbesuch in Stockholm.

Der deutsche Flottenbesuch in Stockholm hat be­gonnen. Die Fahrt des KreuzersK o n i g s b e r g", zusammen mit den TorpedobootenSeeadler", "Albatros",Falke",Kondor" und M ö v e" durch die schwedischen Schären fand bei der schwedischen Bevölkerung das größte In­teresse, die die deutschen Schiffe herzlichst be­grüßte und den Besuch der deutschen Flottille durch reichen Flaggenschmuck feierte. Begünstigt durch das schöne Sommerwetter ruft die Anwesenheit der Deutschen in Stockholm Festesfreude hervor. Im Stockholmer Hasen waren große Menschen­mengen in Bewegung, um den Empfangs- seierlichkeiten beizuwohnen und schon seit einigen Tagen lagen die beiden schwedischen Kreuzer G u st a v V." undDro11ning Victoria" so- wie die TorpedobooteEhrenskjöld",Norden- skjold" undKlas Hom" im Stockholmer Hasen. Als die deutsche Flottille um 10 Uhr die beiden schwedischen Kreuzer passierte, wurde Flaggensalut gewechselt. Kurz daraus ankerte dieKäniasberg" und die deutschen und schwedischen Schisse wechselten Salutschüsse. Der deutsche Admiral Albrecht stattete zunächst dem schwedischen Kriegsminister, dem deutschen Gesandten und anderen Persönlichkeiten einen Besuch ab. Abends waren 30 Unteroffiziere des deutschen Ge­schwaders zu einem Besuch der beiden Schiffe Gustav V." undDrottning Victoria" eingeladen. Nachher fand eine Rundfahrt statt und anschließend daran wurde in dem Freiluftmuseum Skansen ein Essen gegeben. Die deutschen Offiziere aßen an Bord desGustav V." undDrottning Victoria". Abends fand zu Ehren der deutschen ösfiziere ein Ball im Grand Hotel statt.

Ein Reichswehrkraflwagen verunglückt, vier lote.

Auf der Schleizer Dreiecks-Renn­strecke, der Hofer Straße, wurde in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr morgens ein mit 8 Personen besetztesReichswehrauto bei einer scharfen Wegbtegung ausderKurve herausgeworfen, gegen einen Daum und dann in den Straßengraben geschleudert. Der