Ausgabe 
12.9.1932 Frühausgabe
 
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Schweres Grubenunglück in Elfaß-Lokhringen.

Ein schweres Grubenunglück ereignete sich auf der Grube Amelie 11 inWittelsheim in der Nähe von Mühlhausen. Während fünf Arbei­ter mit der Ausgrabung eines neuen Stollens be­schäftigt waren, löste sich plötzlich eine Erd­schicht von etwa 15 Kubikmeter und st ü r z te a u f j i e herab. Alle Arbeiter wurden von den Erb­massen begraben. Die eingesetzten Hilfskolonnen gelangten er st nach mehreren Stund en zu den Verschütteten und konnten zwei von ihnen nur als Leichen bergen. Die drei ande­ren wurden mit schweren Quetschungen ins Kran­kenhaus übergeführt.

Deckeneinslurz im Bergwerk.

Auf der 450-Meter-Sohle der Kattowiher Richthofcn-Schächte stürzte eine Decke ein. Vier Arbeiter wurden von den Kohlenmassen v e r - schüttet. Der Einsturz wird auf ein tektoni­sches Beben zurückgeführt. Den Rettungsmann­schaften ist es nach großen Anstrengungen ge­lungen, sich auf 8 Meter an die Bruchstelle heranzuarbeiten. Nachdem ein Teil des niedergevrochenen Gesteins weggeräumt ist, hat man sich daran gemacht, einen schmalen Stollen vorzutreiben, um an die älnglücks- stelle heranzukommen. Da man nur schrittweise vorwärts kommt, dürfte die Bergung der Ver­unglückten nicht vor zwei bis drei Tagen erfolgen können. Bisher hat man die Verbindung mit den Verunglückten nicht aufnehmen können. Klopfzeichen wurden nicht beant­wortet. Die Rettungsarbeiten sind mit großen Gefahren verknüpft, da die losen Gesteinsmassen in ständiger Bewegung sind.

Tschechischer Segelflieger tödlich verunglückt.

Bei Mährifch-Ostrau ist dieser Tage der tschechische Segelflieger Wenzel T i ch o p a d , als er zu einem Probeflug aufsteigen wollte, plötzlich tödlich ver­unglückt. Er stürzte aus einer Höhe von etwa 15 Meter ab und erlitt schwere innere Verletzungen, denen er später in einem Krankenhause erlegen ist.

Ein Fest der deutschen Schule.

Das DOA.-Fest im Deutschen Stadion. - Eine Botschaft Hindenburg- an die deutsche Jugend.

i dabei ein aufsehenerregender Fund. Beim Durch- töbern eines Müllhaufens kamen wichtige Hand- ch r i f t e n in chinesischer und zahlreichen anderen Sprachen zum Vorschein. Darunter befindet sich eine Schrift, die bisher noch völlig unbekannt ist. Dr. Sven Heb in äußert sich begeistert über die Entdeckungen seines Mitarbeiters und erwartet von ihnen bedeutende Aufklärungen für die Wisfen-

MM

Fröhliche Tänze der Mädchen (Aufnahme von der Hauptprobe des Festes).

Berlin, 11.Sept. (TU.) Das Deutsche Sta­dion im Grünewald stand am Sonntagnachmittag im Zeichen des blauen Wimpels des Vereins für das Deutschtum im Ausland. An dem vom VDA. Landesverband Mark Branden­burg veranstaltetenFest der deutschen Schul e", das die Aufgabe hatte, die Verbun­denheit der deutschen Schulen im 3n- und Aus­lande darzutun, wirkten 12 000 Kinder der höheren, mittleren und Volksschu­len Berlins mit. Trotz des regnerischen Wet­ters wohnten etwa 50 000 Menschen den Vor­führungen bei. Die Massen-Freiübungen, Volks­tänze, Massenreigen, Musikchöre und Sprechchöre sowie ein voltsdeutsches DewegungsfestspielVolk will zu Volk" fanden lebhaften Beifall. Das F e st s p i e l, an dem 3600 Schülerinnen sowie 500 Mitglieder der Trachten-Arbeitsgemeinschaft Deutscher Landmannschaften aller deutschen Stämme mitwirkten, brachten die Kulturnot in den abgetretenen Gebieten und unter denAuslandsdeutschen sowie den Willen des VDA. zum Ausdruck, dieser Rot nach Kräften zu steuern. Die Veranstaltung stand un­ter dem Protektorat des Berliner Oberbürger­meisters Dr. Sa hm. Unter den zahlreichen Ehrengästen sah man den Reichsinnenminister Freiherrn v. G a h l, Reichsernährungsminister Freiherrn v. Braun, Reichsfinanzminister Graf v. Schwerin - Krosigk, den Chef der Hee- resausbildungsabteilung Oberstleutnant W e v e r sowie Vertreter sämtlicher übrigen Reichsministe­rien und der preußischen Staatsregierung.

Reichsinnenminister Freiherr v. Gayl sprach im Namen der Reichsregierung dem VDA. herzlichen Dank dafür aus, daß er es zum ersten Male unternommen habe, in großem Maßstabe ein Fest der Jugend aufzuziehen, das dem Ge­danken an die Millionen deutscher Volksgenossen außerhalb der Grenze des Reiches gewidmet sei. Im Auftrage des Reichspräsidenten ver­las er eine Botschaft, in der der Reichs­präsident den Wunsch ausdrückt, daß die Feier als kraftvolles Bekenntnis zum deutschen Volks­tum diesseits und jenseits der Reichsgrenze zur

Festigung der Bande dienen möge, die uns mit unseren deutsch en D rudern im Auslande verbindet. Die Jugend möge die äleberzeugung mitnehmen, daß nur zielbewuhtes treues Zusammenhal­ten aller Volksgenossen über die Mei­nungsverschiedenheiten des Tages hinweg unserer deutschen Ration den Weg zum Wiederaufstieg bahnen könne. Der Minister führte weiter aus, das oft und gern mit Begeisterung gesungene LiedDeutschland, Deutschland Über alles" be­deute nicht, daß wir uns über andere Völker Hinwegsetzen. Es solle heißen, daß Deutsch­land über alles in unserem Herzen steht, daß wir eine Liebe haben, die Deutsch­land heißt, einen Wunsch, Deutschland zu bienen unser Leben hindurch und eine Sehnsucht, Frei­heit und Zukunft unseres Volkes. Rur wenn wir die Degeisterung solcher Stunden nutzbar machen der künftigen Arbeit, dann werden die Millionen deutscher Volksgenossen nicht nur nut Stolz auf das Vaterland sehen, sondern sie werden an uns den Halt finden, den sie brauchen, um den schweren Kampf zu bestehen. Wenn wir mit unserem ganzen Sein für Deutschland ein­treten, dann geht auch der Traum in Erfüllung, der in unserem Herzen lebt von einem freien und glücklichen Deutschland.

Reichsminister a. D. Dr. G e h l e r, der erste Vorsitzende des VDA., hob in seiner Ansprache hervor': Je früher die Jugend, die Trägerin der Zukunft, ihren Blick aus dem Hader und der Enge der Heimat hinausrichte auf die Mil­lionen unseres Volkes, die draußen i>en~ Kampf für das Deutschtum kämpften, um so größer sei die Hoffnung, daß die Sache des Deutschtums im Auslande im ganzen deutschen Volk zur Herzenssache werde. Als Vertreter aller Aus­ländsdeutschen vereinte Senator Dr. Strunk (Danzig) mit dem Ruf:Helft der deut­schen Schule im Ausland" den innigsten Dank für die bisherige Hilfe des VDA. Die Ausländsdeutschen würden ihrer göttlichen Be­stimmung gemäß deutsch bleiben, trotz der Theo­rien, die auf den Völkerbundstagungen über die Aufsaugung der Minderheiten entwickelt würden.

30 000 Reichsmark für eine neueNiobe".

Der Flottenbund Deutscher Frauen hielt in Hamburg seine 15. ordentliche Mitgliederver- ammlung ab, der zahlreiche Ehrengäste beiwohn­en. Mit großem Beifall wurde der Beschluß »es Vorstandes ausgenommen, aus den Mitteln »es Flottenbundes Deutscher Frauen 3 0000 Nark dem Volksspendefonds derRiobe" für in neues Schulschiff zu überweisen.

Die deutsche Flotte in Stagen.

Der größte Teil der deutschen Flotte, die in nesen Tagen in dem Fahrwasser bei ©tagen herb st Manöver abgehalten hat, hat auf der Reete von ©tagen Anker geworfen. Die Flotte, >ie unter dem Kommando des Admirals G l a - >isch steht, besteht aus den Linienschiffen .Schleswig-Holstein",Hessen" undSchlesien", )en KreuzernKönigsberg",Leipzig",Köln' mdEmden", etwa 30 Torpedobooten und 3er- torern sowie Hilssfahrzeugen. Von Stagen wer- >en die Schiffe sich nach Swinemünde begeben.

Unwetter über Marseille.

lieber Marseille ging dieser Tage ein Ge­oitter nieder, wie man es seit 20 Jahren dort licht erlebt hat. Ein Wolkenbruch, begleitet von blitz und Donnerschlag, setzte in kürzester Zeit ille Straßen unter Wasser. Der gesamte Verkehr tockte, die Telephonverbindungen waren unter» »rochen. Mehrere Häuser, namentlich im Deichbilde der Stadt, stürzten ein. Diel Lieh ist umgekommen. Stellenweise mußten die bewohner aus den Häusern flüchten. Drei Per- onen werden vermißt. Der Schaden soll sehr froh fein.

Das Geheimnis des schöpsenschen Menschen.

in Genie ohne Fleiß. - Beruf und Berufung. - Interessante Dokumente von Zeitgenossen.

Von Georg Grau.

len will er aus Eifersucht und Rache sei­nen Rebenbuhler getötet haben. Mittäter oder Mitwisser will er nicht gehabt haben. Die Poli­zei hat festgestellt, daß Decker im Besitz von 25 Patronen war. Davon hatte er vier auf den Goldschmied Buchholz in Duisburg abgefeuert, 17 Patronen waren bei der Verhaftung noch in sei­nem Besitz. Es fehlten also vier Patronen. Auf wiederholte Vorhaltungen gestand Decker schließlich, daß er auch den Halleschen Arzt Dr. Boes erschossen habe.

Der beinlose kanalschwimmer gibt auf.

Der beinlose amerikanische Schwimmer Z i m - mh gab seinen Versuch, den englischen Kanal zu durchqueren, infolge ungünstiger Witterungs­bedingungen auf, nachdem er 18 Stunden lang im Wasser gewesen war. Er hatte 48 Kilometer zurückgelegt und befand sich etwa 13 Kilometer von der französischen Küste ent­fernt. Zirnrnh hatte beabsichtigt, den Kanal in beiden Richtungen zu überqueren.

Deutscher Artist in Budapest lebensgefährlich verunglückt.

Der 22jährige deutsche Artist Karl Koppel- kam, der unter dem Ramen Rocket auftrat und sich aus einer Kanone 30 Meter weit und 20 Meter hoch schießen ließ, stürzte in Bu­dapest bei einer Vorführung seines Kunststückes auf den Rand des Fangnehes und von dort auf den Erdboden. Er wurde lebensgefährlich verletzt.

An der Starkstromleitung verunglückt.

Einige Knaben überredeten dieser Tage den acht­jährigen Sohn des Landwirts Fricke in Weimar (Kreis Kassel), indem sie ihm Geldgeschenke ver­sprachen, den eisernen Mast einer Stark strorn- leitung zu erklettern. Der Knabe kletterte an dem Mast empor, kam mit der Starkstromleitung in Berührung und stürzte ab. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß ihm in einem Kasseler Krankenhaus beide Arme abgenom­men werden mußten.

Frau b. Ihnes Kunstschähe werden versteigert.

Vor kurzem kam es in Berlin zu aufsehen­erregenden Zwischenfällen, als der Kunstbesih der Frau v. I h n e, der Schöpferin der größten deutschen Blindenbibliothek, zwangsversteigert werden sollte. Die Abhaltung der Zwangsver­steigerung wurde damals von jungen Leuten, die sich in Frau v. Ihnes Villa Zutritt verschafft

berühmteschwarze Staat , eine wahre «lyay- grube für Archäologen, ist auch noch einmal von I

Dr. Bergman durchsucht worden. Es gelang ihm * 1

Wasser zum Verlassen des Bettes zu zwingen, Kant, der Königsberg nie verlassen hat, besaß eine Tageseinteilung, von der er während sei­nes ganzen Lebens niemals ab wich. Er trank früh nur eine Tasse schwarzen Tee, arbeitete dann meh-

hatten, gewaltsam verhindert. Der Gerichtsvoll­zieher hatte den Termin abgebrochen, und es wurde Frau v. Ihne Zeit gegeben, einen anderen Ausweg zur Regelung ihrer Verbindlichkeiten zu suchen. Ihre Bemühungen, den Staat zur Uebernahme ihrer Kunstbibliothek zu bewegen, sind aber weiter vergeblich geblieben. Jetzt ist ein neuer Zwangsversteigerungstermin anberaumt worden. Alm der Wiederholung von Storungen vorzubeugen, wird das Mob liar und der Kunst­besih aus der Villa weggeschafft und in einem neutralen Raum untergebracht.

Vandilenüberfall auf einen Zug der Mandschurischen Bahn.

Daily Herold" meldet aus Chardin: In einer der letzten Nächte haben Banditen einen nach Süden fahrenden Zug der Mandschurischen Bahn zwischen Birben und Tschangtschun zumEntgleisenge- bracht. Sie plünderten die 600 Passagiere des Zuges völlig aus. Hundert von den Passagieren wur­den teils getötet, teils verletzt. Ein Hilfszug mit Aerzten und Krankenpflegern ist von Chardin abgesandt worden.

Verhaftung des Besitzers des Fährbootes Observation".

Alexander Forsythe, der Besitzer des im Reuyorker Hafen verunglückten Fährbootes Observation", liegt wegen der Verwun­dung, die er bei der Explosion davongetragen hat, im Krankenhaus. Da er verdächtig ist, an dem Unglück schuldig zu sein, wird er auch nach seiner Wiederherstellung nicht entlassen, sondern ver­haftet werden, es sei denn, daß er eine Kau­tion von 25 000 Dollars stellt.

Wichtige Altertumsfunde der Soen-hedin- Lxpedition.

Arbeiten und Schaffen find zweierlei. Auch wir, )ie wir gern oder ungern das Pensum des Tages erledigen oder die Erfordernisse unseres Berufes irfüllen, arbeiten nicht nur. Bisweilen schaffen wir illch, werden schöpferisch, nämlich dann, wenn ein lesonderer innerer Antrieb uns zu einer Tätigkeit )rängt oder hinzieht.

Nach dem Maße unserer Veranlagungen oder Talente wird diesem Tun ein produktives Ergebnis folgen. So hat jeder Mensch während seines Lebens erfolgreiche und schöpferische Momente, zewissermaßen einen genialen Zug ohne aller­dings ein genialer Mensch zu sein.

Dazu gehört mehr, sind seelische Vorbedingungen und Begabungen notwendig, ^ja eine recht eigen­tümliche Veranlagung, die im Sinne Lombrosos Genie und Irrsinn" leider oft mißverstanden wird. Auch Schopenhauer dachte bei seinem Aus­spruchDas Genie wohnt nur ein Stock­werk höher als der Wahnsinn" nicht an Geistesstörung, sondern sicher an eine uns nicht vor­stellbare Geisteserleuchtung. Wie alles.beim Genie maßlos gesteigert erscheint, seine Erlebnisstärke, Ausdrucksmöglichkeit und intellektuelle Kraft, sind auch sein Schaffensdrang und eine bewunderns­werte Ausdauer oft bis zum Fanatismus entwickelt.

Aber die Art des Schaffens erstreckt sich nicht allein von einer beispiellosen Geduld bis zur hart­näckigsten Verbohrtheit, die sich durch keinen Miß­erfolg stören läßt, sie verläuft seltsamerweise m einem periodischen Wellengang; Phasen stumpfer Verzweiflung und geistiger Lebendigkeit reihen sich periodisch aneinander, ganz wie es uns das Bud der Natur in ihrem Werden und Vergehen offen­bart. Denn das Schöpferische im Menschen ist von Rhythmen abhängig, hat seine Jahreszeiten und Stimmungen. Darin zeigt sich die seelische Natur- verbundenheit des genialen Menschen. Arbeiten kow nen mir immer, in jeder Verfassung, aber schöpferisch sein nur in den begnadeten Stunden, wo es die Stimme unserer Seele verlangt.

Diese Begnadung erfüllt das Genie.

Wer sie nicht besitzt, dem hilft alle Anstrengung nichts, da ist es so, wie G o e t h e sagt:Das Schlimmste ist, daß alles Denken zum Denken nichts hilft; man muß von Natur richtig sein, so daß die guten Einfälle immer wie freie Kinder Gottes vor uns dastehen und uns zurufen: da find wir."

Schöpferische Phasen und ergebnisloses Ringen heben sich aus dem Lebensbild fast jedes genialen Menschen hervor. Franz Schubert zum Beispiel komponierte seine Lieder in bestimmten periodischen Abständen, zwischen denen Zeiten völliger Passivi­tät lagen. .

Doch um dietoten Punkte" überwinden zu kön­nen, besitzt das Genie eine wichtige, für seinen Er­folg entscheidende Eigenschaft, einen uner m ii d -

l i ch e n Fleiß, der ihm über jede Klippe geistiger Lähmung hinweghilst. Mit eiserner Disziplin und oft pedantischer Genauigkeit arbeiten sie an ihrem 3ieL Rousseau, den man zu den Autodidakten rechnen muß, schreibt:Obwohl ich jeden Tag als den letzten meines Lebens ansah, studierte ich den­noch, als sollte ich ewig leben." Seine besten Werke schuf Rousseau in der Einsamkeit. Aehnlich mar es mit seinem Landsmann Descartes, der sich nach einem milden Soldatenleben, das ihn durch halb Europa führte, plötzlich zwanzig Jahre lang in völliger Vergessenheit vor seinen Freunden ver­steckte, um zu arbeiten.

Wie besessen jagen sie ihrem Werk und den Stun­den ihres Lebens nach. Melanchthon notierte sich seine verlorene Zeit, um dadurch zum Fleiße angespornt zu merden und keine Stunde mehr zu verlieren. Der Naturforscher Buffon versprach seinem Diener jedesmal eine Krone, wenn er ihn vor sechs Uhr früh aus dem Bette schaffe. Buffon arbeitete vierzig Jahre lang täglich von neun bis zwei und von fünf bis neun.

Dies erinnert an den größten deutschen Philo­sophen, Kant, der seinem Diener Lampe den strengsten Befehl gegeben hatte, ihn um fünf Uhr selbst mit Hilfe von Gewalt oder eines Kruges

Dr. Folke Bergman, der im Rahmen der Zentralasien-Expedition Dr. Sven Hedins schon zahlreiche aufsehenerregende archäologische Ent­deckungen machen konnte, berichtet jetzt von weiteren wichtigen Funden, die ihm in der Wüste Gobi glückten. Er traf auf Reste bedeutender Grenz­befestigungen, die ähnlich wie die bekannte große Mauer angelegt sind. Aus der Zeit der chinesischen Han-Dynastie (um 200 nach Chr.) stammt eine Post- station, die Bergman in den Ruinen einer 2000- jährigen Festung gefunden hat. Chara Choto, der '"-ühmteschwarze Staat", eine wahre Schatz-

rere Stunden am Stehputt (in den letzten Jahren saß er), bis er zu seinen Vorlesungen ging. Um ein Uhr wurde gespeist, wozu er persönlich dem Diener das stets verschlossene Silberzeug übergab. Zum Essen waren immer Gäste geladen, und die Mahl­zeit dauerte mehrere Stunden. Mit dem Schlag fünf trat er zu einem Spaziergang auf die Prome­nade, ganz gleich bei welchem Wetter. Er erschien so pünktlich, daß die Königsberger ihre Uhr danach stellten. Der Abend wurde lesend oder schreibend verbracht, und ohne etwas zu sich zu nehmen, ging er zur Ruhe.

Diele genialen Menschen mußten sich noch anderen Berufen widmen, um ihre wirkliche Berufung er­füllen zu können. So war der Astronom Herschel, der Entdecker des Planeten Uranus, zunächst Mu­siker, um dadurch studieren und die Anschaffung von Instrumenten ermöglichen zu können. Walter Scott war Beamter in Edinburg und saß morgens um sechs Uhr dichtend am Schreibtisch, bevor er in sein Büro ging.

Das Schaffen des genialen Menschen besitzt einen Grad von Intensität und Beharrlichkeit, daß man annehmen müßte, eine solche Flamme verzehre sich allzu schnell. Wenn auch das Leben genialer Wun­derkinder mit abnormer Frühreife oft schnell erlischt, ist die Lebensdauer genialer Menschen durch­aus nicht kürzer als die anderer, gewöhnlicher Sterblicher. Im Gegenteil, die gleichmäßige Lebens­weise verhalf ihnen oft zu einem recht langen Dasein.

Wie schaffen nun geniale Persönlichkeiten unserer Zeit? Der Psychologe Paul Plaut hat darüber interessantes Material gesammelt.

Der bekannte Soziologe Oppenheimer schil­dert die Situation vor jeder neuen Arbeit:Es gingen solchem Beginn zuweilen Monate einer Ge­mütsstimmung voraus, die mit einer Depression verwandt mar. Ich entsinne mich, daß ich selbst von einem .schwarzen Nebest sprach. Hatte ich nämlich einmal begonnen, so war mir keine Ruhe mehr ver­gönnt, und ich arbeitete bis an die Grenze des völ­ligen Nervenzusammenbruchs."

Einen starken Einfluß übt die Musik aus. Sie war immer die Weckerin der schöpferischen Seele, und manche Melodie schuf ein Riesenwerk an Ge- danken und Gestaltung. Der Dichter Hermann Stehr:Doch nie darf willkürlich etwas hinzu- getan werden, sondern man hat nur mit unerbittlich achtsam-kühler Hand das zu formen, was glühend in einem aufsteigt. So habe ich den Roman .Lenore Griebell nach den Anfanastakten einer Ls-Dur- Sonate von Beethoven geschrieben, und wenn der Weg ins Dunkel verlief, so setzte ich mich ans Kla­vier und spielte mir die betreffenden Takte, und alles war wieder klar und geordnet."

Eine interessante Arbeitsmethode erwähnt der Schriftsteller Ernst Weiß:Im allgemeinen bin ich der Gewohnheit treu geblieben, wenn ich ein-, mal eine Arbeit begonnen habe, jeden Tag daran weiter zu arbeiten, wenn auch an einem Tage nur eine Zeile, an einem anderen dreißig Seiten fertig werden."

In einfachster und trotzdem vielleicht aufschluß­reichster Form äußert sich der Dichter Knut Ham - s u n über sein Schaffen:Ich gehe hier auf meinem kleinen Hose umher, denke ein wenig, schreibe ein wenig und werde älter. Wenn ich einen Einfall be­komme, ist das wohl eine Gabe; ich weiß nicht, woher er kommt; ich habe nichts Bewußtes getan, um ihn zu bekommen, ein Traum, ein Satz in einer Zeitung, ein Ton des Pianos, ein Kindergelächter, kann der Anfang sein. Kann ich dann von diesem Einfall in meiner Arbeit Gebrauch machen, gehe ich daran, ihn sprachlich zu bilden. Kann ich ihn nicht verwenden, wird er kassiert und geht zugrunde.

Das vollendete Werk hat große und strenge Ar­beit des Bewußtseins gefordert."

Das Schaffen der genialen Persönlichkeit erfor­dert also neben einem starken Herzen auch einen großen Verstand. Beides muß in gleicher Vollkom­menheit entwickelt sein, Erlebniskraft und Ver­standesschärfe sind die unentbehrlichen Werkzeuge eines Schaffens, das über seine Zeit hinausragt wie Mozarts Musik oder Rembrandts Bilder.

Denn sagt Goethe, es gibt kein Genie ohne pro­duktiv fortwirkende Kraft!