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12.9.1932 Erstes Blatt
 
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Wirtschaft

Nachdruck verboten.

19 SorlfcRung

In einem der

Ein Beamter führte Eva-Marie herein. Stumm und bläh, mit seltsam traurigem, verstörtem Blick stand sie vor dem Mann, wie jemand, der sein Unglück riesengroß vor sich sieht und es doch nicht fassen, nicht begreifen kann. Wie jemand, der zu träumen meint, weil die Wahrheit so furchtbar, so unsahlich ist.

(Fortsetzung folgt.).

Vornan von Hertha Fricke

Llrheberrechlsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau

Oberstufe der Favorit M ö bus - Reiskirchen, der genau 100 Punkte erreichte und damit den 2. und 3., Will-Ruttershausen und Keil-Beu­ern um 10 bzw. 25 Punkte hinter sich lieh. Mo- bus erreichte als Sieger im 50-Meter-Lauf 6,8 Sek., Weitsprung 4,45, Hoch'prung 1,65 und Kugel- stohen 12,40 Meter. 3m 50-Meter-Lauf erreichte Mandler- Wihmar 6.6 Sek.

Die höchsten Punkte wurden in der 3ugenö- älntcrstuse erreicht. 2lls klarer Sieger ging hier Adolf Klinket vom Tv. Lollar mit 110 Punk-

llnter Leitung von Gausportwart Winter. LaunSbach, kämpften annähernd 300 Turnerinnen und Turner um die Eichenkränze. Die Leistungen sind in Anbetracht der Platzverhältni^se (Wald­schneisen) als lehr' gut zu bezeichnen. 3n allen Stufen gab eS äleberraschungen. Die gröhte war aber wohl, bah in der Männer-Klasse der Favo­rit G rohh aus - Lollar klar von H. Rühl- Beuern geschlagen wurde. Rühl erreichte mit 84 Punkten vor Drohhaus mit 80 Punkten eine respektable Leistung. Die Leistungen des Siegers waren 50-Meter-Lauf 6,5 Sek., Weitsprung 5,80, Hvchsprung 1,60 und Kugelstoßen 11,40 Meter. Der dritte, Emil W i n t e r-Launsbach, lag hinter diesen beiden um eine klare Punktdifferenz zurück. 3m Weitsprung übersprangen Schlierbach- Rodheim und Grohhaus - Lollar die 6-Meter- Grenze, während Schiefer st ein - LaunSbach nur 5,80 Meter erreichte. Die beste Zeit im 50-Meter-Lauf erreichten mit 6,1 Sek. Groß- Haus und mit 6,2 Lek. 2 echthold - Wihmar. 3m Hvchsprung waren Heitz-Rodheim und Rühl-Beuern mit 1,60 Meter die Besten. 3m Kugelstohen erreichte Rühl 11,40 Meter. Eine groß« Leistung vollbrachte in der 3ugend-

kahlen Räume des Polczev> gebäudes sah ein junger Kriminalkommissar und blätterte in den Akten. Gleichmütig durchlas er die neue Anzeige. Es lief ja täglich soviel der­gleichen ein. Behaglich wickelte er dabei feine Frühstückssemmel aus und ah sie mit gutem Appetit. 3m Schreibtisch unten hatte er eine Flasche Bier verborgen. Erst als er diese aus­getrunken hatte, klingelte er nach dem Beamten.

Lassen Sie die Dame eintreten, Möller!" Eine grohe stattliche Erscheinung in elegantem, schwarzem Seidenmantel und ebensolchem Hut trat ein, grühte sehr höflich und verneigte sich hoheitsvoll.

Wollen Sie Platz nehmen, gnädige Frau!" sagte der Polizeikommissar und deutete auf einen Stuhl, der seinem Schreibtisch gegenüber stand.

Fräulein, wenn ich bitten darf!" Sie setzte sich umständlich und nahm ein grohes Taschen­tuch aus ihrer Ledertasche.

15.

Ra, Frollein? Dat schmeckt wohl nich?" fragte die Wärterin der weiblichen Gefangenen, als sie die Mittogssuppe in der Emailleschuifel brachte und sah, dah Eva-Marle noch nicht einen 2ijen von dem Frühstück angerührt hatte. .

Das junge Mädchen sah sie nur mit ci- unsäglich wehen Blick an, der sie zu bitten schien.

Last mich'" .. <*

Sie kommen gleich dran!'' sagte die Frau wieder mit einer Art von Mitleid. Dmm fchut telfce sie den Kopf mit den groben, gescheitelten Haaren und murmelte vor sich hin:So lung und so schön, und denn hier form. Mit bet ^e^icht konnte sie sich ein anderes Leben einnchten. Ra, die 3ugrnd von heute!"

Eva-Marie hörte nichts, was die Alte vor sich hinredete. Sie hatte nur verstanden dah sie dato drankäme", dah man sie also hier fortholen

Aufgeregt ging sie in dem kahlen 2aum auf und ab.

Meter hohen Kraut und 27 Knollen von 8,5 Pfund Gewicht. ...

Das wider Erwarten nicht ausgestellt war, smo Zimmerlinden und selbstgepflegte Zimmntannen. Auch Fuchsien fehlen so gut wie ganz.

fehlten, wie sehr vieles andere auch. Lind doch gilt eS für diese Allerweltsgewächse neue ^rwen- dungS- und Erziehungsarten zu finden. Bon oer Tradescantia abgesehen, die als Fensterkasten dor- geführt war, hatte sich niemand die Muhe gege­ben, ein Beispiel zu liefern. Blumenkohl fehlte.

Vielfachen Wünschen entgegenkommend, ist die Ausstellung noch heute den ganzen Tag geoffnett ES ist ein 3rrtum, wenn angenommen wird, vag diese Ausstellung eine interne 2erein«angclegen- heit sei. Der Verein wendet sich an ]«- dermann, vor allem aber an Diejenigen und laden sie zum Besuch ein, welche m Blumen das sehen waS sie sein sollen, nämlich Z>a8 Schönste, womit der Schöpfer die Grde schmückte.

ten hervor. Bei der Altersstufe A über siegte mit 72 Punkten W. Dunkel, Bieber. 3n der Klasse B erreichte mit 91 Punkten W Hos - mann, Alten-Buseck, den ersten Platz.

Bei den Turnerinnen (Oberstufe) kam L. Alt- Haus, Dorlar, mit 95 Punkten zu Siegerehren. 3n der Unterstufe belegten zwei Turnerinnen vom Tv. Mainzlar die ersten Plätze. Den 1. Platz er­reichte Erna Dittendorf mit 103 Punkten, wäh­rend mit 98 Punkten Elfriede Lern p den zweiten Sieg erreichte. Den gleichfalls zweiten Platz sicherte sich Hedwig Felde vom Tv. Staufenberg. Die Ergebnisse folgen morgen!

3a, sie war tot! Schwester Elisabeth, die jetzt elegante Hausdame, nahm das Taschentuch und tupfte sich die Augen.

Sie hätten die Sache sofort melden müssen! sagte der Kommissar,denn da die Leiche ein­geäschert ist, ist die Todesursache nicht mehr festzustellen, wie man das sonst könnte!"

3ch lieh mich durch die heftige Zurechtweisung vom Herrn Geheimrat vielleicht etwas beein­flussen. Es waren auch durch den Todesfall so viel Pflichten zu erledigen, dah mir erst viel später der Zusammenhang der Geschehnisse klar wurde."

Hm, das ist ja schliehlich begreiflich. Erzählen Sie, was Sie noch weiter währgenommen ha­ben!

3m Korridor prallte ich mit Fräulein von Die­men zusammen, und sie schien sehr erschrocken zu sein, plötzlich jemand zu sehen. Sie sah mich ganz entsetzt an und entschuldigte sich dann so verlegen, sie sei erschrocken, weil ich so leise ge­kommen sei. Als ich ihr sagte, dah es sich doch selbstverständlich gehöre, leinen Lärm beim Kom­men zu machen, wo eine Schwerkranke sei, er­klärte sie, dah Frau Andresen gestorben sei. Als ich in das Sterbezimmer trat, prüfte ich zurrst die Flasche mit dem Schlafmittel, weil ich Fräulein von Diemen zum erstenmal die Medizin anvertraut hatte. 3ch reichte die Tropfen der Kranken stets selbst. Und ich erschrak, dah soviel verbraucht sei. Von dem Quantum hätten mehrere gesunde Menschen genug gehabt, um auf immer einzuschlafen, wieviel mehr diese durch lange Krankheit geschwächte Frau. Als ich an das Bett trat, bemerftc ich zuerst, dah zwei silberne Schlüssel fehlten, die Frau Andresen an einem langen, feinen Kettchen um den Hals zu tragen pflegte. Der eine davon verschloh eine kleine Kassette, die im Schreibtisch der gnädigen Frau im Gartenzimmer stand. Auch der Schlüssel zum Schreibtisch war dabei, beide sehr klein und zier­lich. Die Kranke trennte sich nie von diesen Schlüsselchen, und ich habe das Kettchen noch um ihren Hals gesehen, als ich sie zu Bett brachte

Diese Schlüssel samt Kettchen fehlten7"

Elisabeth Guntermann nickte.Sie fehlten! ilnb die Tür nach dem Gartenzimmer, wo der Schreib­tisch der gnädigen Frau stand, stand offen!

Stand der Schreibtisch auch offen?"

Rein das Fach war wieder zugemacht. AVer alS das' Fräulein im Korridor gegen mich an- pvallte trug sie einen Gegenstand, m ihren sei­denen Schal gewickelt, in ihr Zinnner der wohl die Gröhe jener silbernen, kunstgeschmiedeten Kas­sette hatte, und auch die Form!"

So das ist allerdings sehr belastend. Wühlen Sie, was diese Kassette enthielt und wuhte es die "Gesellschafterin?"

Fräulein Elisabeth Guntermann, geboren in Breslau nun, die Personalien hätten wir schon. 3ch darf sie noch einmal vorlesen ... Stimmt es?"

Alles richtig, Herr Kommissar, alles voll­ständig in Ordnung!" meinte wichtig die Ge­fragte

Und wo beftnden sie sich gegenwärtig?'

Sie nannte Strohe und Hausnummer.

Als was?"

3ch bin Hausdame geworden, da Herr An­dresen mit mir sehr zufrieden war, während ich seine auf so merkwürdige Weise ums Leben gekommene Frau pflegte!"

Und Sie waren früher?"

Privatpflegerin! Ausgebildet in der Eharit^, in verschiedenen Universitätskliniken und in einer Frauenklinik."

Sie scheinen sich eine ziemlich reiche medi­zinische Bildung erworben zu haben!"

3ch denke, Herr Kommissar!"

Und so glauben Sie, dah der Tod dieser Frau Andresen ein Morphiumtod gewesen ist?"

3ch hatte durchaus den Eindruck!"

Warum haben Sie dies aber nicht sofort ge- Luhert?"

Ich habe es sofort geäuhert, Herr Kom­missar!"

Dem Gatten gegenüber?"

Rein, Herrn Geheimrat Dr. Kaufsmann ge­genüber. Da derselbe mich aber hart anfuhr und dem wirklich sehr hübschen Gesellschaftsfräulein offenbar keine Unannehmlichkeiten machen wollte, schwieg ich!"

Hat der Herr Geheimrat nicht die Leiche untersucht?"

Oberflächlich! Er meinte, dah bei dem schwe­ren und unheilbaren Leiden der Frau Andresen der Tod auf jeden Fall eine Erlösung bedeu­ten würde und in diesem Sinne zu begrüben sei, als Retter vor sonst sicher eintretenden grohen Schmerzen!" , .,.

Könnte von diesem Gesichtspunkte aus nicht die Schwerkranke selbst die Tropfen genommen haben, um ihre Qual zu verkürzen?"

Die Zeugin wiegle den Kopf und schwieg einen Augenblick, als ob sie gewissenhaft über» leae Rein, das ist unmöglich! Die Kranke war nicht imstande, aufzustehen. Besonders auffällig war mir aber, dah die Gesellschafterin sich von der Köchin Himbeersaft besorgt hatte, wahrend die Kranke allabendlich sonst die Tropfen nur mit Wasser genommen hatte. Sie hat es offenbar netert um die grohe Bitterkeit bei der oer- ftäoffen Dosis weniger merken zu lc^en. Die ^lasche lag nicht auf dem Fuhboden, sondern stand halbier auf Dem Waschtisch!" .

bot aber doch auf dem Betteppich einen 5led gegeben, der ohne Zweifel von den Mor­phiumtropfen herrührte!

3a. vielleicht wurde er gemacht, um den Verdacht abzulenken! 3ch kann das natürlich u^Der ^Beamte fragte: »Wann kamen Sie in das HauS Andresen äurüdT

Ein Viertel nach elf Mr.

"iln& da war Frau Andresen bereits tot?"

Goldrente rückläufige Veranlagung zeigte. Die Ren- tenmärtle lagen sehr still, variabel gehandelte In- dustrieobligationen tendierten schwächer. Reichs- schuldbuchsorderungen lagen gut behauptet.

Am Geldmarkt hat sich die Situation gegenüber dem Wochenschluß nicht wesentlich entspannt. Tages­geld wurde noch immer mit 5,65 bis 7,65 v. ch. ge­sucht: für Monatsgeld stellte sich der Satz auf un­verändert 6 bis 8 v. ch. Prioaldiskonten werden m Erwartung einer Diskontermähigung zurückgehalten, so daß das Geschäft hierin sehr gering war. Infolge des knappen Geldes konnte man auch für Reichs- wechsel per 15. Dezember (zu 4,5 v. ch.) und für Reichsschätze per 16. Januar (zu 5,5 v. ch.) kaum Nachfrage feststellen.

Sranffurf auch etwas unsicher.

Frankfurt a. M., 12. Sept. (WTB. Draht- Meldung.) Die Börse eröffnete jum Wochenbeginn zwar in etwas befestigter Tendenz, doch war die Grundstimmung wegen der innerpolitischen Lage recht unsicher. Die anfängliche Befestigung führte man auf vorliegende kleine Kundenorders -unick. Später wurde die Haltung meist etwas schwächer, wobei der Rückgang für die AEG.-Aktie be­stimmend war. Die Bestätigung der Sanierungs­gerüchte durch die Verwaltung lösten Angebot aus, so dah ein Kursverlust von 1,5 v. H. eintrat, der auch auf die übrigen Marktgebiete etwas abfärbte und ebenfalls die Kurse etwas zurück- gehen lieh. Das Geschäft hielt sich in recht engen Grenzen. Rur am Montanmarkt war der Umsatz etwas größer. Bevorzugt Waken wieder Rheinstahl mit plus 2 v. H.. ferner Harpener mit plus 1,75 v. H. und Phönix mit plus 1,75 v H. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen bis zu 1 v. H. höher. Am Chemiemarkt er­gaben sich durchweg Kurserhöhungen bis zu 1 5 v. H., nur Betula, Lechwerke Augsburg und Rhein. Elektro-Mannheim lagen bis zu 1 v.H. höher. Gesfürel gaben fast 1 v.H. nach Etwas höher eröffneten noch Contigummi mit plus 1,5 v. H, Aku mit plus 0,75 v. H. und Schiff­fahrtswerte, die von 0,25 bis 0,5 v. H. höher lagen. Reichsbank und Daimler blieben nur knapp gehalten. Kurz nach den ersten Kursen traten auf den Rückgang der AEG.-Aktie Abschwächun­gen bis zu 1,5 v. H. ein.

Am Rentenmarkt eröffneten Altbesih 0,38 v. H. und Reubesih 0,13 V.H. freundlicher.Reichs­schuldbuchforderungen waren eher etwas leichter.

Goldpfandbriefe lagen nahezu geschäftslos und kaum verändert. Stadtanleihe neigten noch etwas nach unten, ebenso Länderanleihen, während für

Die gnädige Frau hat sich öfters dieses Käst­chen von Fräulein von Diemen reichen lassen. Dann habe ich zufällig einmal gesehen, daß sie ein Armband in Kettenform, einen Drillantring und andere kleine Schmuckstücke der Gesellschaf­terin gezeigt hat. Es waren seltene Stücke, wie man sie hier nicht sieht. Die Damen packten die Sachen aber immer rasch ein, so oft ich darüber hinzukam. Als die Damen sich das letztemal mit dem silbernen Kasten unterhielten, habe ich ge­sehen, daß Frau Andresen dem Fräulein zeigte, daß sie ein Kuvert mit Papiergeld hineinlegte.

Wissen Sie vielleicht zufällig, wieviel un­gefähr?"

Genau kann ich es nicht sagen. Aber drei Hundertmarkscheine glaube ich gesehen zu haben.

Und wann entdeckten Sie, daß dieser Schnnlck- kaften fehlte?"

Als ich die Pflegerinnentracht ab legte und alS Hausdame die Verantwortung für das Eigentum des Herrn Andresen und seiner Tochter übernahm, übernahm ich auch selbstverständlich die Schlüssel. Der Ikirvere Kassettenschlüssel war aber nicht mehr vorhanden. Als ich den Schreibtisch öffnete, war das Fach leer, in dem das silberne Kunst­werk sonst verwahrt war. Da wurden mir die Zusammenhänge klar. Es kam mir der furchtbar« Verdacht, dah die Gesellschafterin den einzigen Abend, den ich während zwei Wochen fern war, an dem sie ganz allein in der Wohnung war, benutzt hat, um sich in den Besitz der Kostbar­keiten zu setzen. Da Frau Andresen immer bie Schlüssel bei sich trug, hat sie jedenfalls die Dosis des Schlafmittels verstärkt. Es ist ja viel­leicht anzunehmen, daß das Mädchen nur einen tieferen Schlaf hat herbeiführen wollen, um in den Besitz des Schlüssels gelangen zu können, ohne daß die Kranke es merkte, und daß sie an eine tödliche Wirkung nicht gedacht hat!"

3st noch etwas zu bemerken?"

Rein!" sagte Schwester Elisabeth mit einem tiefen Seufzer.3ch wüßte nichts weiter. 3ch glaube, der Gerechtigkeit alle Fingerzeige ge­geben zu haben, um diese Tat sühnen zu können!

Der Beamte laS das Protokoll vor, und di« Anklägerin nickte mehrmals zustimmend. Dann nahm sie ohne Zögern die Feder und schrieb mit spitzen, eckigen Schriftzügen ihren 'Kamen darunter.

Berlin anfänglich fest, dann unsicher.

Berlin, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Un- sicherheit der innerpolitischen Lage, insbesondere die Erwartung der heutigen Regierungserklärung im Reichstag und der Stellungnahme der Parteien zu den Ausführungen des Kanzlers, hatte zur Folge, daß man in Borsenkreisen eine stärkere Zurückhal­tung übte. Die Stimmuna an der Vorbörse war aus diesem Grunde recht unsicher, zumal Pressemeldungen über die AEG. man befürchtet eine Zusammen­legung im Verhältnis 4:1 verstimmten und erheb- liches Angebot an diesem Markt zur Folge hatten. Die Neuyorker Börse vom Samstag brachte auch keinen stärkeren Stimulus, doch fand die feit 17 Mo­naten zum erstenmal zu verzeichnende, allerdings noch recht kleine Zunahme des Auftragsbestandes beim amerikanischen Stahltrust, die man als ein Symptom der Besserung ansah, auch hier stärkere Beachtung. Zu den ersten Kursen stellte es sich dann heraus, daß Angebot so gut wie gar nicht vorlag, und daß auf der anderen Seite das Publikum ver­einzelt mit kleinen Käufen im Markte war. So er­öffnete die Börse dann tn überwiegend festerer Hal­tung. Die Kursbesserungen betrugen häufig bis zu 2 v. H.

Am Montanmarkt waren Käufe erster Bank- Häuser zu beobachten, und mqn nimmt an, daß hier wieder Stillhaltegelder angelegt worden sind. An diesem Markte waren nur Stolberger Zink in Re­aktion 2,5 d. j). niedriger und Mansfelder Bergbau gaben im Einklang mit der Abschwächung am Kupfermarkt nach anfänglicher Minus-Minus-Notiz 2,25 v.H. nach. Als stärker gebessert fielen noch Salzdetfurth, Akkumulatoren und Chadeaktien auf; letztere gewannen 6 Mark. Neben AEG., die 3 v. H. niedriger eröffneten und zunächst mit Minus-Minus» Zeichen erschienen, waren Ilse Genußscheine, Sie­mens, Wintershall und Elektrizitätswerk Schlesien zu Beginn schwächer.veranlagt. Im Verlaufe schien die Spekulation auf die überraschend freundliche (Er­öffnung zunächst kleine Meinungskäufe vornehmen zu wollen. Da aber in AEG., die erneut 2,5 v. H. zurückgingen, weiter erheblich Material herauskam, griff eine stärkere Verstimmung Platz, und die Kurse gingen unter Schwankungen um etwa 1 v. H. zurück. Schubert & Salzer wurden verspätet 3 v. H. niedri- ger festgesetzt. Montane fielen auch weiter durch widerstandsfähige Haltung auf. Das Geschäft blieb allerdings nach wie vor recht klein.

Deutsche Anleihen uneinheitlich, Altbesitz im Verlaufe fester, Neubesitz nachgebend. Von Aus- ländern waren 4°v. H.-Rumänen etwas fester, Mazedonier zogen um 30 Pf. an, während Ungarische

Aus Oer proDingiafbauptftaOt

Gießen, den 12. September 1932.

Oie deutsch-bnlische Konferenz des Weltstudentenwerks eröffnet.

Am Samstagabend wurde im Studentenhaus am Leihgcsterner Weg die deutsch-britische Konferenz des Weltstudentenwerks in Anwesenheit Seiner Magni­fizenz des Rektors der Landesuniversität Professor Dr. I e h, des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen Dr. h. c. Keller, des Prooinzialdirektors G r a e f sowie des Landtagspräsidenten Professor Dr. Wer­ner eröffnet. Nach einer Ansprache des Präsidenten der Konferenz Professor Dr. Gui11ebaud (Corn- bridge) begrüßte Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität, Professor Dr. Ieß, die Teilneh­mer der Konferenz und übermittelte außerdem die Grüße des Herrn Staatspräsidenten Dr. h. c. Ade­lung in dessen Auftrag. Der Oberbürgermeister unserer Stadt, Dr. h. c. R e (( e r , bemühte ebenfalls die Teilnehmer der Konferenz in Gießen auf das herzlichste. Im Anschluß daran hielt Dberregierungs- rat Dr. Morsbach (Berlin), der Leiter des Deut- fchen akademischen Austauschdienstes, einen Vortrag Student und Ausland", der mit großer Aufmerk- famkeit und lebhaftem Beifall entgegengenommen wurde Im Laufe dieser Woche folgt nun ein um­fangreiches Vortragsprogramm.

Boruotizcu.

Tageskalender fürMontag: Kurz- schriftvcrein von 1861, 19 Ahr, Goethe-Schule, Anfänger-Lehrgang in der Einheitskurzschrift. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße,Emil und die De­tektive" undDer Schuß im Tonfilmatelier.

* tjorftamtspcrfonalie. Der Amtsvor­stand des Forstamts Nidda, Forstrat Wilhelm Lipp zu Nidda wurde mit Wirkung vom 1. Dezember d. I. in aleicher Diensteigenschaft an das Forstamt Gießen versetzt.

Bergfest im Lahn - Oünsberg - Gau.

Zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die Turnloche des ADT. gestaltete sich diese Ber­an" al ung welche g ei Hze.tig die letzt.' d s 3ah.es war, am vergangenen Sonntag auf dein Duns- berg. Das Fest war getragen von einem einigen Geist Von der Turn- und Sportgememde Rod- Heim auf das Beste vorbereitet und organisiert, nahm das Turnen einen flotten Verlauf. Trotz bec am Lage vorher stark niedergegangenen Regengüsse waren sämtliche Kampfänlagen in bester Verfassung. Rachdem in Rodheim der 1. Vorsitzende Hosmann von der Turn- und Sportgemeinde eine Begrüßungsansprache ge­halten hatte, bewegte sich ein stattlicher Zug nach dem Festplatz. Dieser befand sich bei der 3cchneiche, welche 1929 vom Gau zum Andenken an Turnvater 3 ahn gepflanzt wurde.________

Sommunalobligationen etwas Nachfrage entstand. Auslandrenten lagen sehr ruhig und unein­heitlich. Im Verlause traten verschiedene kleine Er­holungen ein, nur AEG. gingen um weitere 1,5 o H. zurück. Das Geschäft war äußerst klein. Dagegen ging es am Markt der Altbesitzanleihe ziemlich lebhaft zu. Auf Käufe der Spekulation im Hinblick auf die Aus­losungschance trat im Verlauf eine Befestigung von 1 o. H. ein, Neubesitz gaben leicht nach. Tagesgeld war zu 4,25 v.H. etwas gefragt.

ornnffurter Schlachlvicßmarkt.

Frankfurta. M., 12. Sept. Auftrieb: 1787 Rin­der (396 Ochsen, 184 Bullen, 640 Kühe, 510 Färsen), 538 Kälber, 62 Schafe 4960 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausge- mästete höchsten Schlachtwerts (jüngere) 30 bis 32 Mark, (ältere) 26 bis 29, sonstige vollfleischige 22 bi« 25, Bullen: jüngere vollfleischige höchsten Schlacht- werts 25 bis 27, sonstige vollfleischige oder aus­gemästete 20 bis 24; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollflei- schige oder ausgemästete 20 bis 23, fleischige 14 bi« 19; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 30 bis 33, voll- fleischige 27 bis 29, fleischige 23 bis 26. Kälbert beste Mast- und Saugkälber 40 bis 43, mittlere Mast- und Saugkälber 34 bis 39, geringe Kalber 28 bis 33. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 44 bis 48, von etwa 240 bis 300 Pfund 44 bis 48, von etwa 200 bis 240 Pfund 44 bis 48, von etwa 160 bis 200 Pfund 41 bis 47, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 36 bis 43 Mark. Marktoerlauf: Rinder schleppend, Ueberftanb, Kälber mittelmäßig, Schafe langsam, Schweine schleppend, Ueberftanb.

Frankfurter Getreidebörse.

J-ran kfurt a.M, 12. Sept. (WTB. Drahtmel- bung.) An ber heutigen Probuktenborfe war bie Tendenz ruhig, und für Weizen bewegten sich die Forderungen zwischen 217,50 bis 220 Mark per Tonne. Roggen war etwas befestigt, und die Preise zogen bis zu 2,50 Mark an. Man nannte für die Tonne 175 bis 177,50 Mark. Hafer und Gerste waren bei ruhigem Geschäft unverändert, das Mehlgesä>äft war ziemlich still, und die Preise behauptet. Am Futtermittelmarkt blieb die freundliche Grundform mung erhalten. Nennenswerte Umsätze fanden aber auf keinem Marktgebiet statt. Amtliche Kurse sind noch nicht notiert.

Frankfurter Vuttermarkt.

Frankfurt a. M., 10. Sept. DaS Geschäft verlief in dieser Woche weiter recht flott. Die Anlieferungen von deutscher Butter sind weiter sehr knapp, so daß in der Hauptsache Ausland­butter herangezogen werden mußte, für die aber wesentlich höhere Preise gefordert wurden. Die Preise für deutsche Butter blieben unverändert. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1-Zentner-Tonnen): holländische Butter 133 bis 135, deutsche Butter 127 bis 130 Ml.

Wettervoraussage.

Die kräftige Storung über Rordskandinavien machte ihren Einfluß weiterhin geltend und läßt unter lebhaften Winden ozeanische Luft nach dem Festlande hin fließen. Somit bleibt das Wetter zunächst unbeständig. Bei rasch wechselnder Be­wölkung, die vorübergehend durch Aufheiterung unterbrochen wird, treten ab und zu noch Regen­schauer auf.

Aussichten für Dienstag: Weiterhin wechselnd bewölkt mit Aufheiterung, ziemlich kühl, noch einzelne Regenschauer, lebhafte westliche Winde.

Aussichten für Mittwoch: Ruhigeres, aber noch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 11. September: mittags 21 Grab Celsius, abenbs 15,4 Grab; am 12. September: morgens 12,6 Grab. Maximum 21,2 Grad, Mini­mum 11,5 Grab. Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. September: abenbs 18,4 Grab; am 12. Sep- > \ tember: morgens 15 Grab Celsius Nieberschläge 1 0,2 mm. Sonnenfcheinbauer 2% Stunben.