Ausgabe 
12.9.1932 Erstes Blatt
 
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Heimat findet. Der Vorstand bekundet die Be­reitschaft der Partei, sich an einer um­fassenden Bewegung zu beteiligen, die den freiheitlichen Kräften des deut- s ch e n Volkes die Machtstellung erringt, auf die sie Anspruch haben."

Im Anschluß an die Entschließung wurde festge- stellt, daß der bisherige geschäftsführende Vorstand feine Arbeit als beendet ansieht. Es wurde alsdann ein Arbeitsausschuß der Deutschen Staats­partei gebildet, dem u. a. angehören: Reichsfinanz. Minister a. D. Dietrich, Baden, Bürgermeister Petersen, Hamburg, Staatsminister Maier, Stuttgart, Bruckmann, Heilbronn, Staats» Minister a. D. Dr. h. c. Schreiber, Halle, Ober­bürgermeister Külz, Dresden, Reichstagsabgeord­neter Lemmer, Berlin, Landtagsabgeordneter Rusch ke, Oberpräsident z. D. Siehr.'

Große Schlacht im Gran Ehaco.

Paraguay meldet Siege feiner Truppen.

Buenos Aires, 10.Sept. (TU.) Die erste große Schlacht zwischen bolivianischen und para­guayanischen Truppen fand am Freitag und Sams­tag um den Besitz des bolivianischen Forts Bou- queron im Gran-Chaco-Gebiet statt. Sie endete, wie die paraguayanische Regierung mitteilt, nach 24stündigem erbittertem Kampf mit dem Siege der paraguayanischen Truppen, die das Fort besetzten und auch das frühere von den Bolivianern eingenommene paraguayanische Fort Samaclay zurückeroberten. Auf beiden Seiten gab es beträchtliche Verluste. Die Schlacht begann am Freitagmorgen nach heftigem Artilleriekampf mit einem Angriff der Bolivianer aus Pozo und Valencia. Die Paraguayaner wehrten den Angriff erfolgreich ab und warfen den Feind auf seine Ausgangsstellung zurück. Darauf gingen sie unter Hinzuziehung großer Verstärkungen zum G e - g e n a n g r i s f auf das Fort Bouqueron über. Auf beiden Seiten spielten schwere Artillerie und Flugzeuge eine große Rolle im Kampf. Auch an anderen Stellen der Front entwickelten sich scharfe Gefechte, die jedoch nach einer bolivianischen Meldung keine Veränderung der Lage brachten. In Asuncion wurden umfassende Luftschutzvor­bereitungen getroffen, da die Bolivianer an­geblich große Bombenangriffe beabsichtigten.

Die Vereinigten Staaten, Argentinien, Brasilien, Chile und Peru haben an die Regierun­gen von Bolivien und Paraguay identische Roten gerichtet, in denen die Einstellung der Feind- selig k eiten gefordert wird.

Aus aller Welt.

Der Sieger im Europa-Rundflug, Zwirko, tödlich verunglückt.

Wie aus Kattowitz gemeldet wird, ist der Sie­ger im Europa-Rundflug, der pol­nische Flieger Zwirko. auf einem Fluge nach Prag zu einem Flugwettbewerb bei Horni Ter- licfo in der Rahe von Teschen mit seinem Flug­zeug tödlich abgestürzt. Das Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Zwirko und sein Begleiter W i g u r a wurden als Leichenauf- gefunden. Rach den bisherigen Feststellungen ist das Flugzeug in einen Wirbel- oder Gewitter­sturm geraten, wobei der linke Flügel abbrach. Das Flugzeug stürzte in der Rahe von Tschechisch- Teschen, hart an der polnisch-tschechischen Grenze, auf einen Berg und wurde an einem Daum voll­ständig zertrümmert aufgefunden. Die Leichen Zwirkos und seines Begleiters, die furcht­bar verstümmelt waren, wurden nach der näch­sten CisenbaHnstation geschafft, von wo sie nach Warschau abtransportiert werden. Der tschechi­sche Aeroklub in Prag, der sofort von dem Hn- glück benachrichtigt wurde, hat den beabsichtig­ten Sternflug sofort abgebrochen. Der zertrüm­merte Apparat war derselbe, mit dem Zwirko die Meisterschaft im Europarundflug errang.

Diefliegende Familie" in Seenot.

Bei der Leitung der Grönlandkolonie in Kopen- Hagen ist soeben ein Nadiotelegramm aus Angmags- fallt eingetroffen, daß das Flugzeug derf l i e g e n - den Familie" 20 bis 30 Seemeilen südwestlich von Angmagssalik 808-Ruse abgegeben habe

-Ivü Kriegslisten gegen Rauch und Doppelkinn.

Oer Schlankheitskrieg der Angelsachsen.

Don Or. $. Lorenz.

Ich las unlängst ein Wort, das mir tief zu denken gab. Ich las es im Buche eines bösen Menschen, der sich vor nun bald 90 Jahren dem Genie Balzac an die Fersen geheftet hat, in allen Gesellschaften auftauchte, wo er sich blicken ließ und dann, vor dem Schlafengehen, alles Döse und Lächerliche aufzeichnete, was er über ihn er­fahren hatte. Lieser böse Anonymus, dessen amü­sante Aufzeichnungen jüngst ausgegraben wurden, beschreibt Balzacs körperliche Erscheinung und meint u. a., der große Romancier habeeinen Bauch ohne Würde". Dies ist das Wort, das mir zu denken gab. Ja, es gab einmal eine Zeit, die gute alte nennt man sie, da konnte der Bauch noch eine Würde haben. Zu gewissen Wür­den gehörte sogar ein bißchen Bauch. Den großen Kurfürst könnten wir uns ebensowenig schlank vor­stellen wie etwa Kleists Dorfrichter Adam im Zerbrochenen Krug". Aber heute, das ist wahr, hat der Bauch seine Würde verloren.

Hm mit dem PrinzenvonWales zu be­ginnen, der den Reigen seiner Zeitgenossen im Kampfe gegen das Hebergewicht anführt, so hat der junge David Eduard schon als Jüngling be­gonnen (vor dem ersten Frühstück versteht sich) mit jenen Läufen um die großen Höfe der könig­lichen Paläste, die für junge Leute, so hört man oft sagen, das beste sein sollen. Er trug dabei, ob Winter, ob Sommer, einen dicken Wollsweater und war nach der letzten Runde schweißgebadet. Einmal, an einem heißen Sommertag, hatte er sich so stark erhitzt, daß er beinahe einen Hitzfchlag bekommen hätte: sein Diener konnte ihn nicht schnell genug in feuchte Tücher hüllen. Von diesem Tage an läuft der Prinz nur leicht bekleidet.

Harry P r e st o n wird von allen Engländern über siebzig für den körperlich rüstigsten gehalten. Sein Rezept ist: Reiten, hin und wieder mal ein Mittagessen ausfallen lassen und Tanzen. Tleber- dies bekennt er sich zum SatzTrink, aber s ch w i h". Will sagen: man dürfe, in gewissen Grenzen, trinken, was und wann und so viel man wolle, wenn man nur für die Ausscheidung der überschüssigen Flüssigkeit durch die Poren gr­

ünd auf See eine Notlandung vornehmen mußte. Die Funkstation in Angmagssalik war eine Zeitlang in Verbindung mit dem Flugzeug, in dem sich bekanntlich acht Personen, darunter Hut­chinson seine Frau und seine beiden Kinder be­finden.' Schließlich antwortete das Flugzeug nicht mehr Inzwischen wurden die 808-Rufe von dem englischen FischdampferLord Talbot", der in der Nähe der Unfallstelle fischte, aufgefangen. Der Damp­fer eilte sofort an die angegebene Position, fand aber von dem Flugzeug keine Spur. Die Nach­forschungen nehmen ihren Fortgang. Hutchinson be­fand sich unterwegs auf dein Flug von Julianehaab nach Angmagssalik. Inzwischen gibt die Leitung der Grönlanokolonie in Kopenhagen bekannt, daß man versuche, mit Dr. Knut Rasmussen, der sich augenblicklich in Südostgrönland an Bord des Hoch- KischkuttersTh. Stauning" befindet, in Verbin-

ig zu kommen, damit er sich an Bord desTh. Stauning" an die Unfallstelle begibt.

Spinale Kinderlähmung in Pommern. Schließung aller höheren Schulen.

Hm eine weitere Verbreitung der spinalen Kinderlähmung zu verhindern, hat das Provinzialschulkollegium in Stettin die Schlie­ßung sämtlicher höher en Schul en Pommerns ab.September bis zum 3. Oktober angeordnet. Die Herbstferien sind durch diese Maßnahme vorverlegt und um einige Tage ver­längert worden. Bei anhaltender Crkrankungs- gefahr müßten auch die erzwungenen Ferien noch verlängert werden. Heber die Schließung der Gemeindeschulen, in der Hauptsache im Regierungsbezirk Köslin, verlautet, daß der zu­ständige Regierungs- und Medizinalrat vorläufig den Ausfall des Unterrichts in den unteren vier Klassen der Gemeindeschulen an» geordnet hat, nachdem auch in der Regierungs­hauptstadt Köslin selbst ein Fall von spinaler Kinderlähmung festgestellt wurde. Es ist anzu­nehmen, daß auch alle anderen Schulen ge­schlossen werden.

Jimmy Walker erholt sich.

Der ehemalige Neuyorker Oberbürgermeister Jimmy Walker ist dieser Tage ganz unerwartet mit dem italienischen Dampfer(Tonte Grande" nach dem Mittelmeer abgereist. Walker erklärte, daß er bald zurückkehren werde, um an den Wahlen im Herbst aktiven Anteil zu nehmen. Vorläufig müsse er jedoch nach den Aufregungen der letzten Zeit erst einmal Erholung suchen.

Der Filmstar Anna May Wong ohne Führerschein am Steuer.

In Wiener Neustadt wurde dieser Tage ein großes amerikanisches Auto angehalten, an dessen Steuer die bekannte chinesische Filmschauspielerin Anna May Wong saß. Sie war von dem Besitzer des Wagens, dem Tonfilmkomponisten Rudolf Fri- mel, begleitet. Das Auto hatte in einem steier­märkischen Ort einen Radfahrer überfah­ren und sehr schwer verletzt, war aber, ohne anzuhalten, weitergefahren. Anna May Wong, die keinen Führerschein besitzt, und ihr Be­gleiter erklärten bei ihrer Vernehmung, daß sie das Unglück nicht bemerkt hätten. Der Wagen zeigte aber an der Rückseite eine Beschädigung und Blutspuren. Den beiden Künstlern wurden die Pässe abgenom­men. Sie müssen sich in einem Hotel zur Verfügung der Behörden halten. Anna May Wong und Frimel befanden sich auf einer Reise durch Deutschland und Oesterreich mit dem vorläufigen Ziel Prag, wo eine Schwester Frimels wohnt.

Polizeibeamter von unbeleuchtetem Auto zu Tode geschleift.

Aus Rheda bei Gütersloh wird gemeldet: Zwei Polizeibeamte wurden dieser Tage von einem un­beleuchteten Personenkraftwagen angefahren. Hierbei wurde der Polizeihauptwachtmeister Grafhorst getötet, während der Polizei­hauptwachtmeister Hökenhaus Verletzun­gen erlitt Die Insassen des Wagens waren Einbrecher, die die Hingebung durch Dieb­stähle heimgesucht haben. Das Auto eine große Mercedes-Limousine wurde in der Rähe von Rheda herrenlos aufgefunden. Der getötete Poli­zeibeamte ist von dem Wagen eine Strecke von etwa 60 Meter mitgesch leift worden.

sorgt hat. Im übrigen trainiert er seinen Körper nur noch von der Hüfte abwärts. Boxen und Rudern hat er schon vor vierzig Jahren aufge­geben. Hnd so trägt er einen schweren Oberkörper auf leichten biegsamen Deinen. Das kommt vom Reiten un Tanzen.

Winston Churchill, der damalige Schah­kanzler, hat, wie man sich vielleicht noch erinnern wird, sich zu Abmagerungszwecken ein Häus­chen bauen wollen. Er legte selbst Ziegel an Ziegel und wurde auch zum Mitglied der Ziegel- leger-Gewerkschaft ernannt. Allein er wollte sich weder bucken noch strecken, und so wurde er zwar zum Ehrenmitglied der Ziegelleger-Gewerk­schaft ernannt, aber sein Gewicht blieb das gleiche.

Seinem inzwischen verstorbenen Klubmitglied Edgar Wallace, dem Ford des Kriminal­romans, dem Manne, der schon Millionen Lesern kalte Schauer über den Rücken gejagt hat, ist es nie gelungen, auch nur ein einziges seiner überflüssigen Pfunde zu verlieren. Er dichtete wohl zuviel, das heißt, er s a ß z u v i e l und trank dabei seinen Tee mit viel Zucker Tasse für Tasse.

Selbstverständlich gibt es Menschen, bei denen sich Rahrung schneller in Fett umseht als bei anderen: solche Fettmacher sind, man staune: der große Filmstar Douglas F a i r b a n k s, dessen ganze Filmlaufbahn als ein einziger, am Ende vergeblicher Kampf für die schlanke Taille aufgefaßt werden könnte mit seinen Faustkämpsen und Säbelduellen, seinen Schwimm- und Kletter- und Reitkunststücken, mit seinen Sprüngen über Hecken und Mauern (die jedoch zuletzt vonDoubles", Figuranten für ihn, aus­geführt werden muhten): ferner der Schriftsteller Arnold Bennett, der ehemalige Lordkanzler Lord Birkenhead und (man bittet noch ein­mal, nicht zu staunen) der Exchampion im Boxen, Gene T u n n e h. Zehn Jahre lang war der Schwergewichtler im härtesten Training. Tex Rickard sorgte dafür, Sah er kein überflüssiges Dekagramm Fleisch ansehte. So gewann er den Weltmeistertitel und feine schone Frau. Hnd je verheirateter er ist, desto dicker wird er. So endet Romantik.

Es gibt eine Schule vonFettansehern" ebenso wie es eine Schule vonMuskelansetzern" gibt. Zu der zweiten gehören Männer wie Rudyard Kipling, Henry Ford und Sir Basil Za­har o f f, der geheime Munitionskönig aus der Levante, der Mann im Dunkel. Aber die sind mehr Gegenstände unseres Reides als unseres

Heerschau derBlumen undpflanzen

Zur Gartenbau-Ausstellung in der Turnhalle.

Die Gartenbau-Ausstellung in der Turnhalle am Oswaldsgarten wurde am Samstagnachmittag in Gegenwart geladener Gäste und der bereits erschienenen Besucher durch eine kurze Ansprache des Vorsitzenden, Herrn Rehnelt, eröffnet. Rach der Tegrühung und dem Dank an die Be­hörden, Aussteller, Preisrichter und an alle, die zum Gelingen des Werkes beigetragen, gab er einen kurzen Heberblick über den Werdegang des Gartenbauvereins seit seiner Gründung vor 20 Jahren und schloß mit der Hoffnung, daß auch diese Ausstellung zur Hebung des Gartenbaues beitragen möge. Regierungsrat Dr. Krüger, als Vorstand des Kreis-Obst- und Gartenbau­vereins verband die Glückwünsche mit dem Aus­druck der Hoffnung auf gedeihliches Zusammen­wirken, wenn auch die Ziele der städtischen Obst- und Gartenbauvereine in manchen Punkten etwas abweichen, von denen, die in ländlichen Gemeinden zur Hebung des heimischen Obstbaues gepflegt werden müssen und auch gepflegt werden. Stadt­rat S ch w i e d e r, als Vertreter der Stadt Gie­ßen, hob das lebhafte Interesse hervor, das die Stadtverwaltung jederzeit den gemeinnützigen Be­strebungen des Gartenbauvereins bekundet hat und weiter zu fordern gern bereit ist. Zum Schluß sprach als Vertreter des Landwirtschaftskammer- Ausschusses für die Provinz Oberhessen Obstbau- Inspektor E n k l e r. Seine Worte waren eine An­erkennung für das Geleistete.

Wenn im einzelnen über die Ausstellung be­richtet werden soll, so kann dies nur geschehen, um Wertvolles festzuhalten und dem Teil unserer Le­ser zu vermitteln, welche bisher noch nicht Ge­legenheit fanden, die Ausstellung zu besuchen.

Die Ausstellung stehl ganz im Zeichen der Dahlienblüte.

Beobachtet man die Besucher an dem großen Dahlien-Blumenbeet der Firma Hch.Hahn, so wird man die Wahrnehmung machen, daß die Landbewohner jenen Sorten eine größere Be­achtung schenken, welche inleuchtendenFar- ben weit über die Gartenzäune hin­wegwirken. Die Stadtbewohner hingegen, ein­geengt auf kleinen Raum, finden mehr Muhe zum Betrachten in der Rähe und bevorzugen, unbewußt vielleicht, die zarteren und Mittel- farben, wie auch den Dau der Dlume, wobei manche Sorten erst ihre Reize voll offenbaren. Zu der Gruppe der ersteren zählen unter vielen anderen vor allem die folgenden: Adolph Stoltze, Aurantiaca, Ehrenpreis, Elegance, Iessy Deacon, eine prachtvolle Riefendahlie, Dahlie Rote Ro­sen, Wetterleuchten. Alle diese sind rot. Von Gelben sind hierher zu zählen Frau Ida Mans­feld und Legende. In die andere Gruppe, die beide nur gefühlsmäßig unterschieden werden sollen, rechnet vor allem Frau Oberbürgermeister Dracht, hellgelb, fast weih, eine zarte Färbung von strahlender Schönheit und riesiger Große. Fröhliche Pfalz weinrot mit weih bunt. Hans Sachs, kupferrosa mit gelb, Imanuel Kant, gelb mit chamois, Frau Marie Lenke, innen hellgelb, außen kupferrosa. Panorama, Blumenblätter breit, innen goldgelb, auhen lachsrosa. Märchen­schön rot mit gelb, Reroberg mattrosa, Des- demona reinweih mit blaulila umrandet.

Bei den Rosen der Firma Schultheis in Steinfurth bei Dad-Rauheim, die in wunderbar schönen Sorten ausgestellt sind, wird die Aus­wahl vorwiegend nach dem persönlichen Ge­schmacksempfinden wie auch durch die Wider­standsfähigkeit gegen Krankheiten beeinflußt.

Don Sorten, die eigentlich in jedem Garten zu finden fein müßten, und die auch in keiner öffentlichen Anlage mehr fehlen sollte, nennen wir nur zwei, nämlich Dille de Paris, von rein­gelber Farbe, und die orangerote TNevrouw

G. A. van Koffern.

Beide sind unermüdliche Dlüher von der Ro­senzeit bis weit in den Spätherbst hinein und was ausschlaggebend sein sollte, mit glänzend grünem, großen gesundem Laube, das weder von Meltau noch von der Schwarzfleckenkrankheit zu

leiden hat. Eine mattgelbe, sehr schöne und feine Sorte ist Roselandia. Leuchtendes Rot besitzen die Blumen von Hermann Reuhoff, und Lady Inchequin. Talisman ist kupferrosa. Madame Henry Queuille ist neuerer Herkunft. Hinter ihrem unaussprechlichen Ramen verbirgt sich eine Schön­heit von feinstem Seidenrosa.

Wer Schmuckrosen liebt, die man eigentlich nur als Düsche pflanzen sollte, wird unter denPo- lyantha" oder vielblumigen Rosen manches Schone finden, das ihn über die, einzeln betrachtet, et­was flatterigen Blumen hinweg sehen läßt. Hier­her gehören die verschiedenen Mädchennamen aus der Poulsenfamilie, die ältere Rödhätte, Joseph Gay karminrot, das dunkelrote Kätchen von Heck- bronn und noch viele andere.

Bei den Ausstellern, welche die östliche Längs­seite einnehmen, besonders die reichlich vertre­tene Firma Rud. Schneider, aber auch in der oberen Ecke bei E. Schw arz, ist viel Ver­ständnis für Stauden und Steingartenpflanzen wahrzunehmen, das von den Besuchern lebhaft erwidert wird.

Auch die große Gemeinde der kakteenfreunde dürfte hier auf ihre Rechnung kommen.

Erfreulich ist das neu erwachte Verständnis für Myrten als Liebhabergewächs. Sie sind in großen und kleinen Exemplaren, meist blühend in Hoch­stamm und Bufchform bei Schneider, wie auch bei der Gärtnerei H u b i n g anzutreffen und dürf­ten auch bald ihr Publikum gesunden haben. Was aus so einem Myrtenstöckchen alles werden kann, beweist der große Myrtenbufch links an der Treppe zum Bühnenaufgang, wo die gedeckten Tafeln der Firma Löwer & B e ch st e i n einlaben. Der Aus­steller dieser mächtigen Myrte, die in natürlicher Wuchssorm mehr breit als hoch geworden, ist Herr Grünewald. In derselben Ecke, wo die Hessi­sche Hauptstelle für Pflanzenschutz ihre Anschauungs­mittel aufstellte, ist auch ein Gummibaum zu sehen, der von unten herauf beblättert eine Höhe von fast 3 Meter erreichte. Dieser Baum, der 1926 bei einer Vereinsoerlosung als Stecklings- pflanze in Laienhände kam, hat seitdem jedes Jahr 8 oder 9 Blätter getrieben und da von ihnen nicht eines abfiel, zählt man deren zur Zeit einige 50. Aussteller ist Herr Leonhard. Ein ähnliches Beispiel treuer Pflege gewährt eine Aralia der Frau Metzgermeister P i r r. Diele Pflanze, in der linken Ecke der Seitentür ausgestellt, ist ebenfalls 6 Jahre alt, hat wiederholt geblüht und im Gegen­satz zu vielen anderen, diese kritische Zeit ohne Nach­teil überstanden und es zu anderthalb Meter hohem Stamm gebracht. Von rührender Sorgfalt zeugt die Kakteen- und Fettpflanzen-Sammlung der Frau V ö l s i n g an dieser Stelle mit der darüber auf­gebauten Brugmanfia (Datura) Knightii. Herr G l a g o w beweist als Liebhaber von Dahlien ein beachtenswertes Züchtertalent. In der A b t e i l u n g D b ft ist noch vielerlei zu sehen, so die Dahlien der Frau Cloos, das aber übergangen werden kann, weil es im Verzeichnis der Preisträger zu Worte kommt. Erinnert sei nur an den weiß und rot ge­streiften Bandmais, eine alte Zierpflanze, die ebenso leicht wächst wie der Futtermais der Felder, aber beträchtlichen Zierwert besitzt und nur deshalb nicht gebaut wird, weil der Samen nicht angeboten wird. Die neue BalsamineBlühender Busch" ist besser, wie die bisher bekannten, weil die Blumen nicht unter dem Laube versteckt stehen. Die Schleierrebe Polygonum Aubertii ist zur Zeit die schönste und raschwachsendste Schlingpflanze.

Sommerobst ist meist verbraucht. Winter-Ost noch unreif und rar, oder von Wespen, Schorf und Monilia heimgesucht. Die Aussteller sind als Preisträger genannt.

Das Rnioersitäks-Dersuchsgut glänzt mit präch­tigem Gemüse und stellt ein karloffelsortiment von Sorten zur Schau, die für den Garten Bedeutung haben.

Welche Erträge die WirtschaftssorteAckersegen" zu bringen vermag, zeigt der Aussteller Herr Hans C o r m i s an einer Kartoffelstaude mit 2,15

Interesses. Sie können essen was sie wollen, sie können Freiluftsport treiben oder auch nicht, sie werden nicht dicker und nicht dünner. Wahrschein­lich sind sie die Erfinder der Legende, daß Golf- spiel, also Spazierengehen hinter dem Ball auf der Wiese, ein Mittel gegen Fettwerden sei. Es schadet nicht, das ist alles.

Viele Engländer benutzen den Punktroller, viele beschränken ihre Mittagsmahlzeit auf ein Glas Wasser und ein dünn belegtes Brot, viele führen systematische Bauchübungen durch, das heißt, sie tun zweihundertmal so, wie wohlbe­leibte Menschen tun, wenn sie in ein Auto ein­steigen: sie ziehen den Bauch ein. Arnold Ben­nett, der Romancier, der zur Wohlbeleibtheit neigte, gewann durch Turnübungen eine leidliche Figur zurück, so daß er mit zweiundsechzig wie ein Mann von 50 Jahren wirkte. Natürlich müssen diese Leute, gleichgültig, ob es für sie noch Entsagung bedeutet oder nicht, die Genüsse der Tafel verschmähen. Einer von ihnen, Sir Alfred Fripp, flüsterte unlängst dem Kellner bei einem großen Staatsbankett zu, während die schönsten Hummerplatten unberührt an ihm vor­beigetragen wurden:Etwas gekochten Schinken und Salat, wenn ich bitten darf."

Ein Mann, der sie kennen muß, weil er alle Methoden an sich selber erprobt hat, hat sich, aus allen das Beste holend, das folgende Rezept zusammengebraut: In den Jahren zwischen Vier­zig und Sechzig früher aufstehen, als man mochte, beim Erwachen ein Glas Wasser (heiß!) trinken, sich viel im Freien bewegen, erst um ein Drittel und dann um die Hälfte weniger essen als man , während der Mahlzeiten überhaupt nichts trinken.

Für Männer unter Vierzig: Wie oben, dazu noch Gymnastik und vor allem ein täglicher, syste­matischer Spaziergang und -lauf. Zuerst nur schnell gehen, dann, seine Leistung allmählich steigernd, täglich acht Kilometer in eineinhalb Stunden machen, indem man abwechselnd geht und richtig, sportsmäßig läuft. Dann wäre auch der Rat zenes irischen Priesters nicht zu ver­gessen, der seiner Gemeinde den Wahlsprmch Schwitz täglich und bleibe glücklich" ans Herz legte. Die Londoner Aerzte berechnen für die Durchführung einer Abmagerungskur min­destens 1000 Mark: der Rat des Priesters k»nn billiger befolgt werden.

Das Ende der Fürstin Zurjewsti.

Der Liebesroman, den Zar Alexander II. mit der von ihm zur Fürstin und zweiten Gemahlin er­hobenen Prinzessin Dolgoruki erlebte, hat immer wieder die Neugier und die Teilnahme erregt. Auf Grund neuer Quellen erzählt ihn Baron Walter von der O st e n - S a ck e n im Septemberheft von Delhagen & Klasings Monatsheften bis zu dem furchtbaren Attentat, das dem Leben des Kaisers ein Ende machte. Damit war, kurz vor der Krönung zur Kaiserin, auch der steile Weg zu Ende, auf den der Ehrgeiz die Fürstin getrieben hatte. Sie ging ins Ausland, war viel auf Reisen, lebte jedoch meist in Nizza. In Petersburg ließ sie ihr schönes Haar. Die Kammerfrau erzählte:Am fünften Tage nach dem Tode des Kaisers befahl mir die Fürstin, ihr das Haar abzuschneiden, das so lang war, daß es bis zur Erde reichte. Ich erwiderte, daß ich es nicht zu tun wage. Ich fürchtete, die Fürstin sei aus Gram irre geworden. Die Fürstin sagte darauf:Wenn Sie sich fürchten es zu tun, so bringen Sie mir die Papierschere, die auf dem Schreibtisch des Kaisers liegt. Ich werde mir selbst das Haar abschneiden. Ich erfülle damit den Wunsch des Kaisers. Der Kaiser hat mir bei Lebzeiten ge­sagt, ich soll ihm meinen Zopf in den Sarg legen, wenn er tot ist. Meine Haare hat niemand mehr nötig, er allein erfreute sich an ihnen." Darauf schnitt ich ihr das Haar ab. Sie flocht es zu einer Krone. Als die Leiche des Kaisers in der Peter- Paulskirche aufgebahrt lag, brachte die Fürstin den Kranz aus ihrem Haar dahin und legte ihn um den Arm des Kaisers. Der junge Kaiser Alexander III. bat aber die Fürstin, den Kranz zu Füßen des Kai­sers niederzulegen, damit er nicht allzu sehr bemerk­bar märe. Nach Petersburg kam die Fürstin mit den Jahren immer seltener, besonders als sich zum Entsetzen der hochgestellten Memoirenschreiber aus den Hofkreisen das Gerücht verbreitete, die Fürstin habe, ihrer hohen Stellung ungeachtet, ihren Haus- arzt, Dr. Ljubimow, geheiratet. Im Auslands nannte sich die Fürstin Kaiserliche Hoheit. Sie starb im Jahre 1922 in Nizza. Lange vor ihr war ihr einziger Sahn Gogo gestorben, der im Auslande begraben ist.

Lochschulnachrichten.

Der Freiburger außerordentliche Professor Dr. Hans Böker hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Anatomie an der Hniversität Lena ange- nommen. v i