Ausgabe 
12.9.1932 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Deutschland Großbritannien Frankreich Italien Japan Rußland Verein. Staaten

Schleicher und das Kabinett Papen. Eine Erklärung des RcichswchrministcrS.

ander. Nachdem der Reichspräsident die Parteien für Dienstag eingeladen hatte, wurde am Samstag auf Wunsch der Parteien eine Vor­verlegung des Besuches auf Wontag vereinbart und kurze Zeit darauf wvrden auch diese Po­sitionen wieder um gestoßen und die Parteien wünschten den Empfang er st sür Don­nerstag. Ls ist nicht zu verkennen, daß dieser wiederholte wechsel der wünsche der Parteien beim Reichspräsidenten eine gewisse Verstimmung hervorgerusen hat. so daß zur Zeit ein neuer Termin für den Empfang überhaupt nicht fest gelegt wurde.

Lieber den beabsichtigten Empfang der Frak- tionsführer beim Reichspräsidenten wird von zu­ständiger Stelle noch erklärt, daß Reichsprä­sident von Hindenburg sich auf Ersuchen der Parteiführer grundsätzlich bereit er. klärt hat. nach der Regierungserklärung und der Aussprache im Reichstage die Parteiführer zu empfangen. Die endgültige Entscheidung dar­über wird der Reichspräsident von der wei- teren Entwicklung und dem Ausgang der Reichstags Verhandlungen ab­hängig machen. Die Meldung, daß der Emp­fang der Parteiführer vom Reichspräsidenten a b g e l e h n t worden ist, wird amtlich dementiert.

Millionen Dollar

170,4 bzw

535,0

455,3

258,9

242,1

579,4

727,7

Sich vorzustellen, daß der Lauf der Geschichte aus - gehalten werden könnte, zu glauben, baß eS möglich wäre, ein hoch zivilisiertes Volk wie die Deutschen, die nach Rußland die größte Devolke- rungsziffer in Europa aufweisen, für ewig zu knebeln ist nur eine verderbliche Illusion. Man kann nicht den Weg in die Zukunft ebnen, wenn man sich ständig an das Gestrige klammert.

gegenüber d. Friedenszeit

Die französische Antwort überreicht.

Berlin. 11. Sept. (TU. Funkspruch.) Der fron- zösische Botschafter Francois Poncet hat die französische Antwort aus die deutsche Denkschrift über die Forderung noch Gleichberechtigung in der Rüstungsfrage am Sonntag um 12 Uhr dem Außenmini st er Freiherrn v. Reu- rath überreicht.

Mussolini sagt: Deutschland ist im Recht

Deutschlands Anspruch auf Rüstungsgleichheit muß anerkannt werden.

Berlin. 12. Sept. (VDZ. Funkspruch.) Die zweite Sitzung des Reichstages begegnet im Pu­blikum wieder außerordentlich starkem Interesse. Schon in den frühen Morgenstunden hatten sich in der Umgebung des Reichstogsgebäudes Neugierige angesammelt, während am Portal V eine Menschen­schlange auf die Ausgabe von Tribünenkarten war­tete. obwohl wenig Aussicht besteht, noch Karten zu erhalten. Auch der Anmarsch der Volks­vertreter begann schon in den frühen Vormit­tagsstunden, da sämtliche Fraktionen vor dem Plenum Sitzungen abhalten. 3n der Plenarsitzung, die um 15 Uhr beginnt, wird ausschließlich Reichs­kanzler von Popen die Regierungserklä­rung verlesen. Die Rede des Kanzlers wird heute abend von 19.30 Uhr b i s 20.30 Uhr über alle deutschen Sender übertra­gen.

Nach den Vereinbarungen, die zwischen Nalional- ozialisten und Zentrum am Samstag getroffen worden sind, fall die Ausfp rache über die Re­gierungserklärung am Dienstag beginnen. Ob diese Absicht aufrecht erhalten wird, hängt von der Lösung der Frage des Empfanges der Par- teifü'hrer durch den Reichspräsidenten ab. 3m Reichstage herrscht zur Zeit ein großes Durchein-

Fünf Milliarden Dollar jährliche Mflungsausgaben in der Well.

9i e u i) o r t, 10. Sept. (TU.) Der von der Newyork Trust Company herausgegebeneIndex" beziffert die jährlichen internationalen Rüstungsausgaben, die als ein Haupthindernis für d i e wirtschaftliche Erholung bezeichnet wer­den, auf fünf Milliarden Dollar. Die folgende Aus­stellung ergibt, daß Deutschland gegenüber der Friedenszeit auf etwa ein Drittel der da­maligen Rüstungsausgaben zuruckgmg, wahrend im Gegensatz dazu die nachstehend genannten großen Mächte eine Vermehrung bis auf fast das Dreifache vorgenommen haben. Im Fiskatzahr 1930/31 bzw. 1913/14 haben aufgewendet:

-Berlin. 10. Sept. (ERD.) DerBerliner Dörsen-Courier" veröffentlicht unter der Lieber­schriftDeutschland i st im Re ch t' einen Artikel Mussolinis, in dem der it allem, che Regierungschef zu der deutschen Gleichberech­tigungsforderung Stellung nimmt. Er führt u. a. aus:

Das bedeutendste Ereignis in der internatio­nalen Politik ist zur Zeit der offizielle Schritt der deutschen Regierung in England. Frankreich, Italien und bei den kleineren Staaten: die Anmeldung des deutschen Anspruch s aufgleichesRechtauf dem Gebiet der militärischen Rüstungen. Diese Forde­rung ist bereits in Interviews und anderen Aeußerungen des Generals v. Schlei ch e r er­hoben worden, der immer mehr in den Vorder­grund zu treten scheint und offensichtlich em Mann von bemerkenswerter Entschlußkraft, wie überhaupt die stärkste Persönlichkeit deS Kabinetts Papen ist. Mussolini stellt dann fest, daß mit dem Tage, da Deutschland als Mitglied des Völkerbundes aus­genommen wurde und wie das entsprechend der Bedeutung Deutschlands nur logisch war sofort einen dauernden Sitz im Voltcrbundsrat erhielt, eine neue Lage entstand. 3m selben Augenblick wurde für Deutschland die ,uri- stische Gleichheit anerkannt, nämlich die Gleichheit der Rechte und Pflichten mit den an­deren Mächten. Dann kam Locarno, wo Deutschland und Frankreich die LInterstutzung und Garantie Englands und Italiens erhielten.

Diese Garantie die für den Fall eines fran- zösifchen Angriffs auf Deutschland bzw. eines deutschen Angrisss auf Frankreich wirksam wer- den soll bedeute offenbar, daß Deutsch- land und Frankreich auf dieselbe S t u s e g e st e 111 werden, daß sie also beide dieselbe Verpflichtung haben, nicht anzugreifen, und dasselbe Recht au Verteidigungsschuh bei einem Angnss des anderen. Dennoch ist Deutschlm.d trotz seiner Ausnahme in den Völkerbund, trotz des Locarno- und sogar trotz des Kellogg-paktes noch immer in der Versasfung eines Staates zweiten Ranges. Es wurde durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags praktisch entwaffnet. Aber in demselben Versailler Vertrag war die Abrüstung Deutsch­lands nur als Einleitung zu einer allgemeinen Senkung des Ruftungs- standards aufbie Ebene des deut- fchen gedacht. Das war eine feierliche Der-

Heule Regierungserklärung im Reichslag

Die Rede des Reichskanzlers heute abend im Rundfunk.

französische Antwort die direkten deutsch-fran­zösischen Besprechungen beendet haben, dann dürfte ein britischer Schritt nicht lange auf sich warten lassen. Britische amtliche Kreise seien überzeugt, es dürften keine An­strengungen unterbleiben, um zu v e r- hindern, daß Deutschland die Ab­rüstungskonferenz verläßt. Bei Fest­legung der britischen Politik würden nicht nur die Ansichten Frankreichs und Deutschlands, son­dern auch die Italiens in Rechnung ge­stellt werden.

Das Echo der Reden von Meanx.

Französische preffestimmen aller Richtungen blasen mit Herriot ins gleiche Horn

England und die deutsch­französische Aussprache.

Deutschlands Abmarsch aus Gens soll ver­hindert werden.

London. 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) ..Daily Telegraph" schreibt, der Premierminister der Staatssekretär des Aeußern und Beamte des Foreign Office haben sich wahrend des Wochen- endes mit der durch die deutsche Denkschrift und die französische Antwortnote geschaffenen Lage befaßt. Im Augenblick fei es noch nicht möglich, zu sagen, wann und in welcher Form die britische Regierung an den .Erörte­rungen teilnehmen wird. Sollte aber die

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, platzvorfchrist 20*/4 mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friede. Will). Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

pflichlung, die bisher nicht ein- gehalten worden ist.

Llrsprung und Rechtfertigung der deutschen Forderung liegen in dem Versagen der Genfer Konferenz, die darauf hinzielt, das Bestehen zweierlei Rechtes zu einem Dauer­zustand zwischen Deutschland und den anderen Staaten zu machen. Deutschlands Ausscheiden würde den endgültigen Zerfall oder die unbe­fristete Vertagung der Abrüstungskonferenz zur Folge haben. Es würde auch dem Völkerbund den Todesstoß versetzen, nachdem dieser ohnehin durch die Haltung Iapans und durch die Vor- behalte Italiens ernstlich kompromittiert ist. Wir sehen uns unausweichlich der Alternative gegen- über Die allgemeine Sicherheit aller Staaten ist aufs engste verknüpft mit einem Maximal- stand ihrer Rüstungen, besser gesagt, mit einem Minimalstand, wie ich es im Iuni 1928 in meiner Rede vor dem italienischen Senat aus­gedrückt habe. Eine wirkliche Abrüstung ist nur auf der Basis des Minimalstandards möglich, nicht durch die umgekehrte Methode.

Folgerichtig ist Deutschland, wenn der Rüstungsstandard nicht ermäßigt wird, i n seinem Recht, wenn es a u f r ü ft e t. Diesem Recht auf die Gleichheit kann nicht wider­sprochen werden. Sonst würde Deutschland unter den Völkern deklassiert werden, d. h. es würde unter die Staaten cingereiht werden, die sich nicht voller politischer und militärischer Souve­ränität erfreuen.

Llm Deutschlands Ausscheiden aus der Abrü­stungskonferenz zu verhüten, ist es unvermeidlich, daß fein Recht auf Gleichheit in der Rüstungs- frage anerkannt wird. Gleichzeitig muß fest- gestellt werden, daß es im ureigensten Interesse Deutschlands liegt, wenn es Auge in Auge mit allen Staaten Europas, mit Amerika und der Weltmeinung einen maßvollen G e - brauch von seinem Recht auf Gleichheit macht und dieses erst z u r Geltung bringt, wenn die Abrüstungskonferenz so oder so Ar­beiten endgültig abge s <h l o s len hcit.

Deutschland seine juristische Gleichheit erlangt hat. muh es der Welt seine Selbstbescheidung vor Au. gen führen, seine Klugheit und fernen aufrich­tigen Wunsch nach Frieden und Zusammenarbeit. Wenn aber die Abrüstungskonferenz mit einem Mißerfolg endet, muh dre neue Organisation der militärischen Streitkräfte Deutschlands die­sem Fehlschlag anaepaßt werden. In dem Falle muß das Ergebnis einer Lleberemkunft zwischen allen beteiligten Staaten so fern, tote es Deutschland selbst zu wünschen nicht abgeneigt ist.

Die Erklärung des Reichswehnninisters von Schleicher wird von den Berliner Blättern stark beachtet. Sic bezieht sich, wie derLokal-An­zeiger" berichtet, auf Gerüchte, wonach der Reichs­wehrminister bereit fein sollte, an die Spitze eines Kabinetts zu treten, das angeblich d,e U n t e r st ü tz u n g d e r R a t i o n a l f o z i a 11 st e n und des Zentrums im Reichstag finden foUtc. Es lasse sich, so berichtet derLokal-Anzeiger we>. ter. nicht verkennen, daß auch in Zeitungen, denen man sehr enge Beziehungen zum Reichswehrmini, sterium nachsage, von solchen Grüchten und Ab­sichten wenigstens andeutungsweise gesprochen wor­den sei. Es sei weiter auch in der Umgebung Hitlers gegenüber Vertretern der ausländischen Presse offen gesagt, daß Schleicher sich Hitler g e g e n über bereiter Härt habe, mit Unterstützung der Nationalsozialisten die Kabinettsumbildung zu übernehmen. Diese Behauptungen hätten die Deutsch- nationale Dolkspartei veranlaßt, in einer offiziösen Erklärung die Forderung zu erheben, daß der Reichswehrministerselbst endlich einmal durch ein eindeutiges Dementi mit derartigen Versuchen. Uneinigkeit in das Kabinett hinemzu- tragen, aufräumt".

DieVossische Zeitung behauptet, die Erklärung habe einen realeren Hintergrund aiS die Gerüchte, gegen die sie sich offiziell Führende Parlamentarier seien davon unterrich­tet worden, daß Llnterhändler der Ra- tionalsozialistischen Partei und be8 Zentrums beim Reichswehrmini st e r von Schleicher vorgesprochen und ihm zu einer Lösung der innerpolitischen Schwierig­keiten vorgeschlagen hätten, das Kabinett Papen solle noch vor Abgabe der Regierungs­erklärung zurücktreten. Dem Reichspräsi­denten solle von den beiden Parteien vorgeschla­gen werden, HerrnvonSchleicher mit der Bildung des neuen Kabinetts zu be­trau e n. das gleichfalls als Präsidial ka- binett firmieren solle. In die neue Re­gierung solle der nationalsozialistische Abgeord­nete Gregor Strasser als Vizekanzler eintre­ten. Die wichtigeren Portefeuilles sollten mit Persönlichkeiten beseht werden, die den drei Par­teien der neuen Reichstagsmehrheit (National­sozialisten, Zentrum, Bayerische Volkspartei) an­gehören bzw. nahestehen. Die Namen der beiden Unterhändler seien nicht bekannt geworden, aber es werde behauptet, daß der Beauftragte des Zen­trums dem gewerkschaftlichen Flügel der Partei angehöre. Nach derDeutschen Allgemeinen Zei­tung" liegt der Erklärung eine Besprechung zwischen Reichskanzler v. Papen und Reichswehrmini st er v. Schleicher zu­grunde, in der die wichtigsten aktuellen Fragen der Innenpolitik erörtert worden seien, und zwar im Hinblick auf den unmittelbar bevorstehenden Zu­sammentritt des Reichstages.

Ein wehrpoliiisches Amt der NSDAP.

München. 11. Sept. (TLl.) Die National­sozialistische Parteikorrespondenz veröffentlicht eine Verfügung Adolf Hitlers über die Errichtung eines wehrpolitischen Amtes der NSDAP., dem ein Kolonial- referat angegliedert wird. Mit der Leitung des wehrpolitiscAn Amtes wird General v. Epp beauftragt. Zum Geschäftsführer und zum Stell. Vertreter Generals v. Epp wird Oberst Hasel- mayer, zum wehrpolitischen Beauftragten in Berlin Oberstleutnant a. D. S i ch t i n g bestimmt.

Vorstandstagung der Gtaatspartei.

Berlin, 11. Sept. (TU. Funkspruch.) Der Ge- famtvorstand der Deutschen Staatspartei beriet am Sonntag in Berlin über die politische Lage und über die Zukunft der Deutschen Staatspartei. Der Parteiführer, Reichsfinanzminister a. D. Dietrich, schilderte den Zustand der gegenwärtigen politischen Verwirrung als eine Folge der Abkehr von einem parlamentarischen System, das richtig verstanden und richtig gehandhabt werden müsse. Der Kamps beginnt wieder da, wo er vor drei,zehn Fahren be­gann. Es ist der Kamps um die Republik, um Die demokratische Staatsform. Dabei sind die Lehren der Vergangenheit durchaus zu berücksichtigen. Eine Aenderung des Wahlrechts ist notig. Eine Versafsungsresorm ist zu erörtern, oo ist 3U denken an eine Einschaltung anderer Instanzen, etwa in Form eines veränderten Reichsrats. Alle iolche Resormen müssen das Ziel haben, einer Eli- guenwirtschast entgegenzuwirken und die miß- bräuchliche Anwendung eines falsch verstandenen parlamentarischen Systems zu verhindern.

Nach Schluß der Aussprache wurde folgende Entschließung angenommen:Der Gesamt- vorstand der Deutschen Staatspartei beschließt, die Partei a u s r e ch t; u e r h a 11 e n. Der Gesamtvor- stand ist sich darüber einig, daß eine Auflösung der Partei nicht in Frage kommt, da die Deutsche Staatspartei zur Zeit die einzige Partei ist, in der das freiheitlich nationale Bürgertum seine politische

Paris, 12.Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Reben, die in Meaux zur Erinnerung an die Marneschlacht gehalten wurden, finden bereits Widerhall in der Presse. Temps erklärt, die Rede des Ministerpräsidenten definiere klar den Friedenswillen Frankreichs und erhalte ange­sichts der deutschen Forderung nach militärischer Gleichheit und Auf­rüstung eine ganz besondere Bedeutung. Für die Aufklärung der öffentlichen Meinung der Welt sei es nicht unnütz, daß die Ansicht und der Wille Frankreichs mit solcher Autorität gegenüber der Ansicht und dem Willen Deutschlands, wie sie der Reichswehrminister wiederholt zum Aus» druck bringen zu sollen glaubte, bekräftigt wür­ben. Alle gut gewillten Menschen würden nicht verfehlen. Die notwendige Llnterscheidung zwischen dem Geist, der in Paris vorwalte, und dem, der in Berlin herrsche, zu machen.

Iournal des Debats schreibt: Wir miß­brauchen in Frankreich nicht militärische Paraden, wir feiern unsere Siege diskret und wir benutzen unsere nationalen oder sonstigen Feste nicht dazu, irgendeinen ehemaligen und künftigen Frontkämpfer mobil zu machen.

Iournal" schreibt zur Marneschlachtfeier von Mcaux. Eine gewaltige Propaganda sucht uns in der Welt und besonders in den Bereinig­ten Staaten als eine kriegerische, nach Herrschaft lüsterne Nation hinzustellen. Herriot widerlegte in aufrichtigen, maßvoll gehaltenen Wendungen, die dadurch nur noch eindrucksvoller wirken, diese Borwürfe. DasEcho de Paris" ist der Ansicht, daß Herriot absichtlich maßvoll ge- sprachen habe, um den Kontrast zu den ungezügelten offiziellen deutschen Reden" hervorzuheben. Herriot bemühe sich gar nicht erst um den Nachweis, daß Frankreich friedenälicbenb fei. Das wäre auch überflüssig. Eine einzige diskrete Anspielung auf ^ge­wisse gefährliche Kundgebungen ge­nüge ihm, um Frankreichs Beunruhigung zu rechtfertigen.Echo de Paris" fragt allerdings, ob die Amerikaner. Engländer und auch Belgier, mit deren Unterstützung man 1914 die Gefahr beschworen habe, dies auch begreifen wür­ben.Ere NouDdle meint, gewiß find wir Anhänger der Abrüstung und gehen mit gutem Beispiel voran, aber nicht so, daß unsere Sicherheit und damit der Frieden selbst da­durch gefährdet werden könnten. Das ist der französische Standpunkt. Kann er auch jenseits des Ozcans verstanden werden?Ordre (teilt fest, daß sich der Ministerpräsident wirklich bemüht habe, den Vereinigten Staaten den Stand­punkt Frankreichs begreiflich zu machen. Allein werde der beredte Appell auch drüben ge­hört werden? Daran sei zu zweifeln. Der von Washington gepredigte Friede sei ni d) t d er französische Friede. Für Washington gelte der Kellogpakt, der weder Verpflichtungen noch Sanktionen vorsehe. Dieser Friede aber fei für Frankreich unannehmbar.

Die Co ty «Presse ist der Auffassung, es wäre wünschenswert gewesen, wenn Herriot an Deutschlands Adresse energischere Worte gefunden hätte.

Rr. 214 (Elftes Blatt 182. Mrg-mg montag. >2. September 1932

MGlehener Anzeiger

von einzelnen Nummern

Z-L General-Anzeiger für Gberhesfen

richten: Anzeiger Siehe«. _

StottifurtomemaTn°ii6»e. Vrvck und Verlag: vrichl'hhe Unwerxiats-Vnch. und Lt-indruck-r-I R. Lang- In Sietzen. Schristlettung und Seschastrftelle: SchnMatze^

463,3

63 v. H.

375,1

+

42

348,0

4-

30

179,1

+

44

95,5

+142

447,7

+

30

244,6

+197 ,,