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Die MandhMngs- und Znstandsetzungsksflen im Einkommensteuergesetz.
Don Steuerinspektor Frees, Gießen.
gendeS zu berichten: Die Polizei erhielt von privater Seite die Mitteilung, daß an der Unterführung der Hafenbahn in der Grambker Heerstraße sich eine verdächtige Gruppe aufhalte. Eine Polizeistreife, die darauf nach Grambke geschickt wurde, um die Verdächtigen auf Waffen zu durchsuchen, fand mehrere Pistolen, zahlreiche Steine und verschiedene selbst angefertigte Sprengkörper, bei denen es sich um Handbomben mit Aufschlagsünbung handelte. Bei der Untersuchung eines der Sprengkörper durch den Polizeiwachtmeister Talle erfolgte eine furchtbare Explosion, wobei der Beamte buchstäblich in Stücke gerissen wurde. Ein weiterer Beamter, der in der Bähe stand, wurde durch Sprengstücke schwer verletzt. Die Kommunisten hatten die Absicht gehabt, die Sprengkörper aus Lastkraftwagen, die SA.-Leute aus Bremen in ihre Heimat zurückbeförderten, zu werfen. Talle war ein bekannter Bremer Sportsmann, der wiederholt die Bremer Meisterschaft erringen konnte.
lleberschwemmungskatastrophe in USA.
3n EHarleston (Virginia) sind infolge eines heftigen Gewitters ausgedehnte Ueberschwem- m u n g e n entstanden, bei denen 11 Personen ertranken. Viele Wohnungen stehen unter Wasser.
König Georg V. besichtigt die englische heimalflotte.
König Georg, begleitet von zweien seiner Söhne, dem Prinzen von Wales und dem Prinzen Georg, ist an Bord der königlichen Dacht „Victoria and Albert" in der Bucht von Weymouth eingetroffen, um die dort vor Anker liegende, aus ungefähr 60 Fahrzeugen bestehende Heimatflotte zu besichtigen.
Der der Ermittlung des Einkommens sind die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einkünfte gemachten Aufwendungen (Werbungs- kosten) abzugsfähig. Aufwendungen für die Anschaffung oder Herstellung von Gegenständen, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen sich bestimmungsgemäß auf ernen längeren Zeitraum erstreckt, dürfen nicht in dem Steuerabschnitt der Anschaffung oder Herstellung voll abgezogen werden: sie können vielmehr für einen Steuerabschnitt höchstens mit dem Betrag berücksichtigt werden, der sich bei der Verteilung auf die Gesomtdauer der Verwendung oder Nutzung ergibt. Nicht abzugsfähig sind jedoch Aufwendungen _ zur Verbesserung und Vermehrung des Vermögens. Die Anwendung dieser in den §§ 16 und 18 des Einkommensteuergesetzes festgelegten gesetzlichen Bestimmungen bietet in der Praxis oft Schwierigkeiten insofern, als die Grenzen des laufenden Crhaltungsaufwandes gegenüber den Anschaffungs« und Herstellungskosten in vielen Fällen sehr flüssig sind.
3n einer grundlegenden Entscheidung vom 28. 5.1927 nimmt der Reichsfinanzhof Stellung zu der Frage der Abzugsfähigkeit größerer Ausbesserungen von Miethäusern. Dis dahin wurde im Schrifttum streng -wüschen Instandhaltungskosten und Instandsetzungskosten unterschieden. Als abzugsfähige Instandhaltungskosten galten nur Aufwendungen zur Erhaltung des den Ertrag bringenden Gegenstandes, während Ausgaben zur Wiederinstandsetzung und damit Aufwendungen für die Erzielung neuer, oder Erhöhung von Einkünften vom Schrifttum als nicht abzugsfähig behandelt wurden. Der Reichsfinanzhof lehnt diesen Standpunkt ab, da das Einkommensteuergesetz 1925 keinen Anhalt dafür gibt, daß die Abzugsfähigkeit auf diejenigen Aufwendungen zu beschränken ist, durch die die Quelle der Einkünfte in ihrem bisherigen Zustand erhalten wird. Nicht jede Aufwendung, die den Zustand der Quelle verbessert, muß eine nicht abzugsfähige Einkommensverwendung zur Verbesserung des Vermögens darstellen. Nach der genannten Entscheidung steht zum Deispiel den Einkünften des Vermieters im Steuerabschnitt sein Gesamtverbrauch zur Erlangung dieser Einkünfte in diesem Zeitraum gegenüber. Er besteht in In- standhaltungskosten und der jährlichen Abnutzung. Instandhaltungskosten sind dabei im Sinne des laufenden Crhaltungsaufwandes zu verstehen. Die Abnutzung bedeutet den trotz der Instandhaltung allmählich eintretenden Verschleiß des Gebäudes und somit den auf den Steuerabschnitt entfallenden Verlust des zur Anschaffung oder Herstellung des Gebäudes ausschließlich Grund und Doden aufgewendeten Kapitals. Im Gegensatz zu dem Erhaltungsaufwand wird es sich bei Umbau- Aufbau-, Anbaukosten oder dergleichen um Her- stellungs- bzw. Anschaffungsaufwand handeln. Die hierfür aufgewandten Ausgaben sind auf die Jahre der Nutzungsdauer zu verteilen. Die Kosten eines Umbaues gehen regelmäßig über den Rahmen des lausenden Erhaltungsaufwandes hinaus, jedoch gehen oft durchgreifende Ausbesserungen und Umbau ineinander über, und die Grenzen können nicht scharf gezogen werden. In den Um- baukosten stecken, wirtschaftlich gesehen, auch Aufwendungen, die zur bloßen Ausbesserung erforderlich gewesen wären. In einem solchen Falle hat eine Aufteilung der Umbaukosten in Herstellungs- und Erhaltungsaufwand stattzufinden, und als Erhaltungsaufwand ist schätzungsweise ein Betrag zugrunde zu legen, der zur Ausbesserung des alten Gegenstandes erforderlich gewesen wäre (Urteil vom 11. 12. 1929).
Die vom Reichsfinanzhof aufgestellten Grundsätze gelten sowohl für Mietshäuser, als auch für Eigenhäuser. Nicht zum Erhaltungsaufwand sind Ausgaben zu zählen, die lediglich aus Liebhaberei mit Rücksicht auf private Bedürfnisse auf- gewandt sind. Derartige der Liebhaberei dienende Kosten sind als Werbungskosten auszuscheiden, da ihnen auch keine entsprechenden Einnahmen gegen* überstehen. Weiterhin kommen nicht als In
standhaltungs- bzw. Instandsetzungskosten solche Aufwendungen in Frage, die für vorher nicht vorhanden gewesene Anlagen aufgewandt werden, da es sich hierbei nicht um bloße Nachholung laufender Reparaturen handelt.
Wird z. D. in ein Gebäude eine seither nicht vorhanden aewesene Warmwasserversorgungsanlage eingebaut und ist diese damit wesentlicher Bestandteil des Gebäudes geworden, so sind die Kosten hierfür nicht voll im Ausgabejahr abzugsfähig. Die Aufwendungen für die Herstellung der Anlage find dem für die Abnuhungs- absehung maßgebenden Wert des Gebäudes au- zuschlagen und hiervon die Absetzungen nach der Nutzungsdauer des gesamten Gebäudes zu berechnen. Die künftigen Ausgaben für Ausbesserungen an der Neuanlage sind dann natürlich lausender Crhaltungsauswand und im Jahre der Ausgabe voll abzugsfähig. Wird aber z. B. die unbrauchbar gewordene Gasbeleuchtung im Treppenhaus eines Mietwohngrundstückes durch elektrisches Licht ersetzt, so darf der Vermieter die dafür gemachten Aufwendungen im Ausgabejahr ungekürzt abziehen (Urteil vom 28. 9. 1927). Um zu verteilende Herstellungskosten würde es sich dann handeln, wenn etwa die Einrichtung elektrischer Beleuchtung das Mietshaus nach Umfang und Art wesentlich verändert hätte. Dies dürste jedoch nicht anzunehmen sein, und es ist deshalb nicht ausschlaggebend, daß die elektrische Beleuchtungsanlage, für sich betrachtet, naturgemäß etwas anderes ist, als die Einrichtung von Gaslicht.
Selbstverständlich sind auch Fälle denkbar, in denen dem Steuerpflichtigen an einer Verteilung größerer Ausgaben aus eine Reihe von Jahren gelegen ist. Es sei nur daraus hingewiesen, daß die Kosten des Erhaltungsaufwandes die Einkünfte in einem Jahre übersteigen und dann diese nicht voll berücksichtigt werden können. Da zur Erhaltung eines Grundstückes in gebrauchsfähigem Zustand gewisse Aufwendungen erforderlich sind, die regelmäßig in geringeren und größeren Abständen wiederkehren, muß zur Ermittlung des Reinertrags des Grundstückes von einem durchschnittlichen Erhaltungsaufwand ausgegangen werden. Der durchschnittliche Erhaltungsaufwand wird ermittelt, indem man den Aufwand für die einzelnen Ausbesserungen jeweils auf die Jahre der Nutzungsdauer verteilt und dann die Summe der Iahresteile der einzelnen Ausbesserungen zusammenrechnet. Zur Vereinfachung des Verfahrens ist im Verwaltungswege von dem Reichsminister ber~ Finanzen für bestimmte Gruppen von Wohnhäusern die Anwendung von Pausch- sähen zur Abgeltung der Werbungskosten zu- gelassen worden. Dadurch wird auch eine Verteilung von größeren Aufwendungen auf mehrere 2ahre erreicht. Die Festsetzung der Pauschsätze erfolgt alljährlich durch die Präsidenten der Landesfinanzämter. Wenn in einem Jahre hohe Werbungskosten vorhanden waren, die mit dem tatsächlichen Betrag abgeseht wurden, ist die Anwendung der Pauschsätze in den nächsten Jahren bei normalen Werbungskosten jedoch nicht zulässig.
Für die Ermittlung der Einkünfte auS vermieteten Wohn Häusern, soweit sie der Zwangswirtschaft unterliegen, kann bei der Cin- kommensteuerveranlagung 1932 im Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt ein Pauschsatz von 30 Prozent der Mieteinnahmen zur Abgeltung der Werbungskosten neben der Grundsteuer, der Sondergebäudesteuer, den Schuldzinsen und dauernden Lasten zugelassen werden. Diese Regelung gilt jedoch nur für Häuser, die lediglich Wohnzwecken dienen. Der Sah von 30 Prozent ist kein Durchschnittssah im Sinne des § 46 Einkommensteuergesetz. Die Steuerpflichtigen haben daher keinen Rechtsanspruch darauf, daß die Werbungskosten ohne näheren Nachweis mit 30 Prozent angenommen werden. Die Finanzämter sind vielmehr berechtigt, wenn der Satz von 30 Prozent offensichtlich zu hoch erscheint, im Einzelfalle den Nachweis der tatsächlichen Werbungskosten zu verlangen.
Mitglied des Metropoltheaters in Köln. Zur 2fuS führung gelangen: Eine kleine Operette. Parodi- stische Operette in 1 Akt von Dr. Karl K o e n i g e r. Musik von Paul Buchwald (gelangt zum erstenmal in Gießen zur Aufführung. 12 Herren des Gießener Orchesterocreins haben ihre Mitwirkung zuge- sagt. Dirigent: der Komponist. Das Schluhstäck bildet der Lachschlager: „Der Abenteurer", Schwank in einem Akt. Zwischen beiden Einaktern ist ein Soloteil eingelegt worden, in dem die Opernsängerin Mary W i l h e l m y zur Geltung kommen wird. Den Vorverkauf führt das Musikhaus C h a l l i c r. Neuenweg. Numerierter Sperrsitz 1 Mark, Saalplatz 60 Pf., Balkon 40 Pf. Arbeitslose erhalten Billetts nur an der Kasse und gegen Ausweis für 25 Pf. .
— Hausfrauen-Deratung. Mittwoch und Donnerstag im Cafö Leib außerordentliche Mitgliederversammlung mit Sonderausstellung von Qualitätswaren. (Siehe heutige Anzeige.)
Aus der Provinzialhauptstadt.
G i e ß e n, den 12. Juli 1932.
Oie Psychologie des Reisegeldes.
Wenn man viel Reisegeld für die Ferien zur Verfügung hat, dann erübrigt es sich, noch Worte über diesen materiellen Hintergrund der Erholung und des Vergnügens zu verlieren. Wer aber nichts oder allenfalls sehr wenig hat, wie das heute nun einmal sehr oft der Fall zu sein Pflegt, der darf und soll sich sogar getrost etwas mit ber Psychologie bes Reisegelbes beschäftigen, schon um sich vor unliebsamen H1eberraschung-n zu schützen. Weil nämlich bas Reisegeld eine sehr unangenehme Eigenschaft heimlich in sich trägt — nämlich die, ganz besonders flüchtig zu sein. Zu Hause bestimmen Beruf, Familie, persönliche Einstellung zu den angenehmen Dingen des Lebens die sogenannte Decke, nach der wir uns zu strecken haben. Reisen aber in Ferienlust bedeutet Losgelöstheit bom Alltag und möglichste Freiheit, auch hinsichtlich des Geldbeutels — sollte es wenigstens. Jeder Groschen, jede Mark gibt sich in ben Serien doppelt so leicht aus wie zu Hause. Wir möchten einmal wieder im bescheidenen Sinne leichtsinnig sein und uns einem sonst fremden Fatalismus hingeben.
Was sollen wir gegenüber solcher Verlockung tun? Ganz einfach: Vorsorgen! Durch rechtzeitige Anlage einer Reservekasse für sozusagen leichtsinnige Ausgaben. Die „richtige", die große Reisekasse — also sprechen wir lieber nicht darüber, wie sie zustande gekommen ist. Aber wir haben 1° einigermaßen geschafft, was wir wollten, als wir von Woche zu Woche oder von Monat zu Monat die nötigen Markstücke und Scheine zur Sparkasse trugen — allerhand Hochachtung haben wir nun vor uns! Also nun noch die Reise-Reseroe-Kasse — das klingt beinahe so großartig wie Liquidationsreseroe oder Dispositionsfonds — herrliche Begriffe, die sonst nur bei den Finanzinstituten gebräuchlich sind. Natürlich hat, wie das so zeitgemäß ist, auch über dieser Kasse ber Schein einer privatesten Notverordnung zu schweben, die sogar soweit gehen darf, daß wir uns schließlich ein paar Reisetage abknapsen.
Es gibt so viele schöne deutsche Sprichwörter, die sich mit der Macht, mit dem Segen des Geldes beschäftigen, aber auch mit der Knechtschaft und dem Unsegen, die uns Geld und Geldausgaben bringen können. Da tröstet uns dies Wort vielleicht: „Man muß dem Gelde gebieten, nicht gehorchen!" Oder: „Geld will einen guten Vormund haben!" Wollen wir uns nicht einmal mit dem guten Vormund in uns selbst beschäftigen? Wer unter uns noch keinen hat, sollte ihn sich schleunigst anschaffen: wir werden ihm später Dank wissen. Selbst wenn er von Anfang an mit dem Verlangen nach einer neuen Notverordnung kommen sollte. Wegen der Reise-Reseroe-Kasse, die wir uns beschafft haben, wird er schon mit sich reden lassen, und auch wegen des kleinen Ferien- Leichtsinns, den, wir in den nächsten Wochen nach der Reise schleunigst wieder ausgleichen werden. Uebrigens gar nicht so dumm, wie das manche Zeitgenossen machen: Sie lassen die Sparkasseninstitute auch ihren Teil zur eigenen Reisekasse beitragen. Wenn die durchaus Zinsen zahlen wollen, soll man fie schließlich nicht daran hindern. Da liegt dann schon der Grundstein für eine Reise-Referve-Kasse, mit der wir hinter die Schliche einer gesunden Psychologie des Reisegeldes kommen, um damit unser tierienfoH und -haben zu balancieren. Womit wir unseren Reiseetat In aller Form und freudigen Herzens verabschieden.
Vortragsabend im Gtudentenhaus.
Gestern sand im Saale des Studentenhauses ein -uortragsabenb statt, der — wie der Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, in kmer Einführungsansprache u. a. betonte — den beginn einer Reihe von Vorträgen darstellte, die im Studentenhaus im Lause des Jahres von hervorragenden Gelehrten und prominenten Persönlich- teiten der Praxis gehalten werden sollen. Gestern obend sprach der Generaldirektor der AEG., Pros. Dr.-Jng. Petersen aus Berlin, der von Prof. ~ g e r als Förderer und Helfer des Gießener Stu- dentenhaufes und als Mitglied des Lehrkörpers unserer Umversität mit besonderer Freude willkommen geheißen wurde.
Prof. Petersen sprach in gut Inständigen Darlegungen über das Thema „F o r s ch u n g u n d Technik . Er behandelte dabei die innigen Wech
selbeziehungen zwischen den Naturwissenschaften und der Elektrotechnik, wobei er unter Zuhilfenahme einer Reihe von Lichtbildern bedeutsame Abschnitte der gewaltigen elektrotechnischen Entwicklung barlegte unb die reiche Befruchtung offenbar werden ließ, bie bie Technik von ber Wissenschaft empfangen unb aus ihrer Arbeit roieber an bie Forschung gegeben hat. Der mit tiefstem fachmännischen Wissen unb großer praktischer Erfahrung funbierte Vortrag wirb für bie Fachleute unter ben Zuhörern eine Quelle reicher Anregungen gewesen fein, er gab aber auch ber Laienwelt mancherlei wertvolle Anhaltspunkte zum Einblick in ein Gebiet ber Wissenschaft unb ber Praxis, bas für unser Zeitalter ber Technik von höchster Bebeutung bis hinab zum einzelnen Volksgenossen geworben ist. Der Vortrag fanb lebhaften Beifall, bem Prof. Dr. Eger am Schlüsse bes Abenbs in herzlichen Worten an ben Sßortragenben Ausbruck verlieh.
Gictzcncr Wochenmarktpreise.
* Gießen. 12. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Land butter 120, Kochbutter 90—100, Matte 25—30 Pfennig das Pfund, Käse 5—10, Eier 8 Pfennig das Stück, Wirsing 8—10, Weißkraut 8—10, Spinat 15, Römischkohl 12—15, Dohnen .grüne, 30, gelbe 35, Erbsen 15—Iß Pf. das Pfund, Gelbe Rüben 8—10 Pf.^ das Bund, Tomaten 30—40, Zwiebeln 15, Rhabarbar 8—10, Pilze 45, Kartoffeln, neue, 6—7, Aepfel. aus- ländifche, 50—60, Dörrobst 30—35, Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 20—25, Stachelbeeren 30—35, Johannisbeeren 20—25, Erdbeeren 35—50, Pfirsiche 60, Himbeeren 40—45, Honig 40—45, Junge Hähne 80—90, Suppenhühner 70—80 Pf. das Pfd., Tauben 50—70, Blumenkohl 30—60, Salat 5—10, Salatgurken 20—30, Ober-Kohlrabi 8—10, Rettich 10—12 Pf. das Stück. Radieschen 8—10 Pf.
das Bund, Kartoffeln, neue, 5,00—5,50 Mk. per Zentner.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. T. D.: Monatsversammlung im „Augustiner".— Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Frau Lehmanns Töchter". — Astoria-Lichtspiele: 16.30 und 20.30 IWr, Lichtbildervortrag über die Heilstrahlen „Radium".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sonntag, 17. Juli, 20 Uhr, hat bie Jntenbanz bas Münchener akabemische Brettl „Die vier Nachrichter" zu einem einmaligen Gastspiel für Gießen verpflichtet. Das Gastspiel bringt bie literarische Posse mit Gesang unb Tanz in 3 Akten „Hier irrt Goethe", bie in München unb Berlin, sowie inzwischen auch in sämtlichen Stäbten, bie bas Ensemble auf feiner Europa-Tournee bisher berührte, mit einem außerorbentlich großen Erfolg aufgeführt würbe. Für bas Gastspiel gelten kleine Preise. Kartenverkauf ab Mittwoch.
— Militärkonzert im Klub. Morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, wirb die Kapelle unseres Ba- taillons im Gefellschaftsoerein ein Konzert geben. Leitung: Obermusikmeister K r a u ß e. Die Mitglieder des Vereins werden im heutigen Anzeigenteil zu der Veranstaltung eingeladen.
— Theaterabend der Notgemein - schäft oberhessischer Bühnenkünstler. Man schreibt uns: Am morgigen Mittwoch oeran- stattet die NOB. (Notgemeinschaft oberhessischer Bühnenkünstler) einen bunten Theaterabend mit Mary Wilhelmy, Opernsängerin, ehern. Mitglied des Barmer Stadttheaters, Martha Winkler- Buchwald, ehern. Mitglied des Fürstl. Theaters in Gera; Kurt Richter, ehern. Mitglied des Stadt- theaters in Gießen, Walter M a y b r ü ck vom Stadttheater in Kottbus, Paul B u ch w a l d, ehern.
♦* Volkstümliche Rheinfahrt. Am kommenden Sonntag veranstaltet das Hapag-Ncise- bureau in Gießen feine diesjährige, voraussichtlich einzige volkstümliche Rheinfahrt. Das Interesse für diese Veranstaltung, bei deren Vorgängern die Teilnehmer in jedem Jahre einen Tag voller Freude erlebten. ist auch diesmal wieder recht rege. Dis Fahrt wird bekanntlich von Gießen dis Mainz mit einem Sonderzug vor sich gehen, von Mainz über Rüdesheirn-Aßmannshausen (an beiden Plätzen ist reichlicher Aufenthalt vorgesehen) bis Koblenz mit dem Dampfer erfolgen unb am Abenb mit einem ©onbemug von Koblenz nach Gießen zurückführen. Es bürste sich empfehlen, sich beizeiten bie Teilnehmerkarte zu sichern. Man beachte bie Anzeige.
Buntes Allerlei.
Oie 23. Lt-Bootkatastrophe.
Die Katastrophe des französischen U-Bootes bot Cherbourg beweist erneut, daß die U-Dootwaffe, die furchtbarste Angrifsswasfe im Seekrieg, dauernd vom ilnglüd verfolgt ist. Auf der Londoner Flottenkonferenz wehrten sich die Seemächte heftig gegen eine Beschränkung im U-Bootbau, obwohl alle Flotten im Frieden durch älnglückS- sälle mit U-Booten ständig schwere Verluste an Menschenleben und Material erleiden. Die U- Bootwasse befindet sich im dauernden Kriegszustand, im Kampf gegen die Gewalten des Meeres, dem sie nicht gewachsen ist. Die Rettungsaufsichten für die Mannschaften im Falle einer Katastrophe sind äußerst gering, so daß es fast nie gelingt, die Llrsache zu ermitteln. Auch über die Ursache des Llntergangs des »Prornethöe" ist man im Llngewissen. Der Kommandant, der gerettet wurde, weiß keine Angaben zu machen. Er berichtet, daß er plötzlich ein Geräusch hörte, als wenn ein Mensch ins Wasser gefallen fei. Er eilt» auf seinen Kommandoplah und mußte feststellen, daß das Schiff buchstäblich unter seinen Füßen wegsackte. Das Doot sank so schnell, daß di» Mannschaft, die sich an Deck befand, ins Meer geschleudert wurde. Das war ihr Glück, denn nut diesem Almftanb haben sie ihr Leben zu verdanken. Was mit dem U-Doot untergegangen ist, muß als verloren gelten.
Allein in der Zeit nach dem Kriege haben sich 23 U-Doot-Katastrophen ereignet. Fast nie ist es gelungen, die Desatzung zu retten. Die Mannschaft hat die Möglichkeit, im Augenblick der Katastrophen alle Luken wasserdicht zu schließen. Die Sauerstoffvorräte des Schiffes gestatten der Mannschaft, sich eine gewisse Zeit auf dem Meeresgrund am Leben zu erhalten. Es bleibt ihnen eine schwache Hoffnung, durch Taucher gerettet zu werden. In den allermeisten Fällen aber erleiden sie einen qualvollen Erstickungstod.
1923 sank das amerikanische U-Doot „O 5“. Nach 31 Stunden gelang es den Tauchern, in daS Schiss einzudringen. Nur noch zwei Mann von der Besatzung waren am Leben. In aller Erinnerung ist noch die furchtbare Katastrophe des amerikanischen U-Bootes „S 4", das im Jahre 1927 gesunken war. Hier stellte man fest, daß im Torpedoraum sechs Mann eingeschlossen waren, die durch Klopfen Lebenszeichen gaben. Tagelang wurden verzweifelte Anstrengungen gemacht, die Leute zu retten. Die Welt mußte das qualvolle Sterben dieser sechs Mann in allen Einzelheiten miterleben, wie sie durch Morsezeichen nach Sauerstoff riefen und nach Lebensmitteln, die ihnen durch das Torpedorohr zugeführt werden sollten, wie die Klopfzeichen schwächer und schwächer wurden, bis sie ganz ausblieben. Unerhörtes wurde geleistet, um an das Wrack des Bootes heranzu- kornrnen. Alles war vergebens. Als es schließlich doch gelang, war es zu spät: die Matrosen waren tot.
Keine Flotte bleibt von U-Dootkatastrophen verschont. 1925 sank das englische U-Doot „M 1", 68 Matrosen sanden den Tod. Irn vergangenen Jahr sank das U-Doot „M 2“, wo 55 Menschen ums Leben kamen. 1928 erlitt die italienische Flotte den Untergang des U-Dootes „F 14". Hier ist es wohl zum erstenmal gelungen, das gesunkene Doot in einer Zeit zu heben, in der noch Aussicht bestand, die Desatzung zu retten. Nach 36 Stunden waren aber schon 28 Mann der Besatzung gestorben.
Wettervoraussage
Währenb über Nord- unb Ostbeutschlanb, begünstigt burch hohen Druck über ber Ostsee, heiteres Wetter mit Morgentemperaturen bis zu 24 Grab herrscht, liegt ber übrige Teil bes Reiches unterem Einfluß ber flachen Störung, welche einen Wolken, schirm ausgebreitet hat. Wenn auch burch bas Tief noch Möglichkeit zu Gewitterbilbung ober vereinzelten Nieberschlägen gegeben ist, sv wirb sich als- halb burch ben vorn Atlantik herannahenben hohen Druck bie Schönwetterlage roieber Herstellen.
Aussichten f ü r Mittwoch: Vorerst noch schwüles Wetter mit lokalen Gewittern ober vereinzelten Niederschlägen, aber auch aufheiternb.
Lufttemperaturen. Am 11. Juli: mittags 27,1 Grad, abends 24,0 Grad: am 12. Juli: morgens 21,0 Grad; Maximum 27,8 Grad, Minimum 19,2 Grad Cel- sius. Sonnenscheindauer 12^4 Stunden. — Erdtem- peraturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 11. Juli: abends 28,0 Grad; am 12. Juli: morgens 22,5 Grab Celsius.


