Ausgabe 
12.7.1932 Erstes Blatt
 
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Für Reise und Wanderungen: Chlorodon

immer schöneweiße und gesunde Zähne

Hitze und Staub erschlaffen den Körper besonders beim Reisen und Wandern. Eine kräftige Mundspülung mit dem herrlich

Mundwasser und eine gründliche Zahnreinigung mit Chlorodont-Zahnpaste wirken wohltuend, verschaffen das Gefühl der Sauberkeit und

Die MandhMngs- und Znstandsetzungsksflen im Einkommensteuergesetz.

Don Steuerinspektor Frees, Gießen.

gendeS zu berichten: Die Polizei erhielt von pri­vater Seite die Mitteilung, daß an der Unter­führung der Hafenbahn in der Grambker Heer­straße sich eine verdächtige Gruppe aufhalte. Eine Polizeistreife, die darauf nach Grambke geschickt wurde, um die Verdächtigen auf Waffen zu durchsuchen, fand mehrere Pistolen, zahlreiche Steine und verschiedene selbst angefertigte Spreng­körper, bei denen es sich um Handbomben mit Aufschlagsünbung handelte. Bei der Untersuchung eines der Sprengkörper durch den Polizeiwachtmeister Talle erfolgte eine furcht­bare Explosion, wobei der Beamte buchstäb­lich in Stücke gerissen wurde. Ein weite­rer Beamter, der in der Bähe stand, wurde durch Sprengstücke schwer verletzt. Die Kommu­nisten hatten die Absicht gehabt, die Sprengkör­per aus Lastkraftwagen, die SA.-Leute aus Bre­men in ihre Heimat zurückbeförderten, zu wer­fen. Talle war ein bekannter Bremer Sports­mann, der wiederholt die Bremer Meisterschaft erringen konnte.

lleberschwemmungskatastrophe in USA.

3n EHarleston (Virginia) sind infolge eines hef­tigen Gewitters ausgedehnte Ueberschwem- m u n g e n entstanden, bei denen 11 Personen ertranken. Viele Wohnungen stehen unter Wasser.

König Georg V. besichtigt die englische heimalflotte.

König Georg, begleitet von zweien seiner Söhne, dem Prinzen von Wales und dem Prinzen Georg, ist an Bord der königlichen DachtVictoria and Albert" in der Bucht von Weymouth einge­troffen, um die dort vor Anker liegende, aus ungefähr 60 Fahrzeugen bestehende Heimatflotte zu besichtigen.

Der der Ermittlung des Einkommens sind die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einkünfte gemachten Aufwendungen (Werbungs- kosten) abzugsfähig. Aufwendungen für die An­schaffung oder Herstellung von Gegenständen, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen sich bestimmungsgemäß auf ernen längeren Zeitraum erstreckt, dürfen nicht in dem Steuerabschnitt der Anschaffung oder Her­stellung voll abgezogen werden: sie können viel­mehr für einen Steuerabschnitt höchstens mit dem Betrag berücksichtigt werden, der sich bei der Ver­teilung auf die Gesomtdauer der Verwendung oder Nutzung ergibt. Nicht abzugsfähig sind jedoch Aufwendungen _ zur Verbesserung und Vermeh­rung des Vermögens. Die Anwendung dieser in den §§ 16 und 18 des Einkommensteuergesetzes festgelegten gesetzlichen Bestimmungen bietet in der Praxis oft Schwierigkeiten insofern, als die Grenzen des laufenden Crhaltungsaufwandes ge­genüber den Anschaffungs« und Herstellungs­kosten in vielen Fällen sehr flüssig sind.

3n einer grundlegenden Entscheidung vom 28. 5.1927 nimmt der Reichsfinanzhof Stellung zu der Frage der Abzugsfähigkeit größe­rer Ausbesserungen von Miethäu­sern. Dis dahin wurde im Schrifttum streng -wü­schen Instandhaltungskosten und Instandsetzungs­kosten unterschieden. Als abzugsfähige Instandhal­tungskosten galten nur Aufwendungen zur Er­haltung des den Ertrag bringenden Gegenstandes, während Ausgaben zur Wiederinstandsetzung und damit Aufwendungen für die Erzielung neuer, oder Erhöhung von Einkünften vom Schrifttum als nicht abzugsfähig behandelt wurden. Der Reichs­finanzhof lehnt diesen Standpunkt ab, da das Ein­kommensteuergesetz 1925 keinen Anhalt dafür gibt, daß die Abzugsfähigkeit auf diejenigen Aufwen­dungen zu beschränken ist, durch die die Quelle der Einkünfte in ihrem bisherigen Zustand erhal­ten wird. Nicht jede Aufwendung, die den Zu­stand der Quelle verbessert, muß eine nicht ab­zugsfähige Einkommensverwendung zur Verbesse­rung des Vermögens darstellen. Nach der genann­ten Entscheidung steht zum Deispiel den Einkünf­ten des Vermieters im Steuerabschnitt sein Ge­samtverbrauch zur Erlangung dieser Einkünfte in diesem Zeitraum gegenüber. Er besteht in In- standhaltungskosten und der jährlichen Abnutzung. Instandhaltungskosten sind dabei im Sinne des laufenden Crhaltungsaufwandes zu verstehen. Die Abnutzung bedeutet den trotz der Instandhaltung allmählich eintretenden Verschleiß des Gebäudes und somit den auf den Steuerabschnitt entfallen­den Verlust des zur Anschaffung oder Herstellung des Gebäudes ausschließlich Grund und Doden aufgewendeten Kapitals. Im Gegensatz zu dem Erhaltungsaufwand wird es sich bei Umbau- Aufbau-, Anbaukosten oder dergleichen um Her- stellungs- bzw. Anschaffungsaufwand handeln. Die hierfür aufgewandten Ausgaben sind auf die Jahre der Nutzungsdauer zu verteilen. Die Kosten eines Umbaues gehen regelmäßig über den Rah­men des lausenden Erhaltungsaufwandes hinaus, jedoch gehen oft durchgreifende Ausbesserungen und Umbau ineinander über, und die Grenzen können nicht scharf gezogen werden. In den Um- baukosten stecken, wirtschaftlich gesehen, auch Auf­wendungen, die zur bloßen Ausbesserung erforder­lich gewesen wären. In einem solchen Falle hat eine Aufteilung der Umbaukosten in Herstellungs- und Erhaltungsaufwand stattzufinden, und als Erhaltungsaufwand ist schätzungsweise ein Be­trag zugrunde zu legen, der zur Ausbesserung des alten Gegenstandes erforderlich gewesen wäre (Urteil vom 11. 12. 1929).

Die vom Reichsfinanzhof aufgestellten Grund­sätze gelten sowohl für Mietshäuser, als auch für Eigenhäuser. Nicht zum Erhaltungsaufwand sind Ausgaben zu zählen, die lediglich aus Lieb­haberei mit Rücksicht auf private Bedürfnisse auf- gewandt sind. Derartige der Liebhaberei dienende Kosten sind als Werbungskosten auszuscheiden, da ihnen auch keine entsprechenden Einnahmen gegen* überstehen. Weiterhin kommen nicht als In­

standhaltungs- bzw. Instandsetzungskosten solche Aufwendungen in Frage, die für vorher nicht vorhanden gewesene Anlagen aufgewandt werden, da es sich hierbei nicht um bloße Nachholung laufender Reparaturen handelt.

Wird z. D. in ein Gebäude eine seither nicht vorhanden aewesene Warmwasserversorgungs­anlage eingebaut und ist diese damit wesentlicher Bestandteil des Gebäudes geworden, so sind die Kosten hierfür nicht voll im Ausgabejahr ab­zugsfähig. Die Aufwendungen für die Herstel­lung der Anlage find dem für die Abnuhungs- absehung maßgebenden Wert des Gebäudes au- zuschlagen und hiervon die Absetzungen nach der Nutzungsdauer des gesamten Gebäudes zu berech­nen. Die künftigen Ausgaben für Ausbesserungen an der Neuanlage sind dann natürlich lausender Crhaltungsauswand und im Jahre der Ausgabe voll abzugsfähig. Wird aber z. B. die unbrauch­bar gewordene Gasbeleuchtung im Treppenhaus eines Mietwohngrundstückes durch elektrisches Licht ersetzt, so darf der Vermieter die dafür ge­machten Aufwendungen im Ausgabejahr unge­kürzt abziehen (Urteil vom 28. 9. 1927). Um zu verteilende Herstellungskosten würde es sich dann handeln, wenn etwa die Einrichtung elektrischer Beleuchtung das Mietshaus nach Umfang und Art wesentlich verändert hätte. Dies dürste je­doch nicht anzunehmen sein, und es ist deshalb nicht ausschlaggebend, daß die elektrische Beleuch­tungsanlage, für sich betrachtet, naturgemäß etwas anderes ist, als die Einrichtung von Gaslicht.

Selbstverständlich sind auch Fälle denkbar, in denen dem Steuerpflichtigen an einer Verteilung größerer Ausgaben aus eine Reihe von Jahren gelegen ist. Es sei nur daraus hingewiesen, daß die Kosten des Erhaltungsaufwandes die Ein­künfte in einem Jahre übersteigen und dann diese nicht voll berücksichtigt werden können. Da zur Erhaltung eines Grundstückes in gebrauchsfähigem Zustand gewisse Aufwendungen erforderlich sind, die regelmäßig in geringeren und größeren Ab­ständen wiederkehren, muß zur Ermittlung des Reinertrags des Grundstückes von einem durch­schnittlichen Erhaltungsaufwand ausgegangen werden. Der durchschnittliche Erhaltungsaufwand wird ermittelt, indem man den Aufwand für die einzelnen Ausbesserungen jeweils auf die Jahre der Nutzungsdauer verteilt und dann die Summe der Iahresteile der einzelnen Ausbesserungen zusammenrechnet. Zur Vereinfachung des Ver­fahrens ist im Verwaltungswege von dem Reichs­minister ber~ Finanzen für bestimmte Gruppen von Wohnhäusern die Anwendung von Pausch- sähen zur Abgeltung der Werbungskosten zu- gelassen worden. Dadurch wird auch eine Ver­teilung von größeren Aufwendungen auf mehrere 2ahre erreicht. Die Festsetzung der Pauschsätze erfolgt alljährlich durch die Präsidenten der Landesfinanzämter. Wenn in einem Jahre hohe Werbungskosten vorhanden waren, die mit dem tatsächlichen Betrag abgeseht wurden, ist die An­wendung der Pauschsätze in den nächsten Jahren bei normalen Werbungskosten jedoch nicht zu­lässig.

Für die Ermittlung der Einkünfte auS ver­mieteten Wohn Häusern, soweit sie der Zwangs­wirtschaft unterliegen, kann bei der Cin- kommensteuerveranlagung 1932 im Bezirk des Landesfinanzamts Darmstadt ein Pauschsatz von 30 Prozent der Mieteinnahmen zur Abgeltung der Werbungskosten neben der Grundsteuer, der Sondergebäudesteuer, den Schuldzinsen und dauernden Lasten zugelassen werden. Diese Rege­lung gilt jedoch nur für Häuser, die lediglich Wohnzwecken dienen. Der Sah von 30 Prozent ist kein Durchschnittssah im Sinne des § 46 Ein­kommensteuergesetz. Die Steuerpflichtigen haben daher keinen Rechtsanspruch darauf, daß die Werbungskosten ohne näheren Nachweis mit 30 Prozent angenommen werden. Die Finanz­ämter sind vielmehr berechtigt, wenn der Satz von 30 Prozent offensichtlich zu hoch erscheint, im Einzelfalle den Nachweis der tatsächlichen Werbungskosten zu verlangen.

Mitglied des Metropoltheaters in Köln. Zur 2fuS führung gelangen: Eine kleine Operette. Parodi- stische Operette in 1 Akt von Dr. Karl K o e n i g e r. Musik von Paul Buchwald (gelangt zum erstenmal in Gießen zur Aufführung. 12 Herren des Gieße­ner Orchesterocreins haben ihre Mitwirkung zuge- sagt. Dirigent: der Komponist. Das Schluhstäck bil­det der Lachschlager:Der Abenteurer", Schwank in einem Akt. Zwischen beiden Einaktern ist ein Soloteil eingelegt worden, in dem die Opernsänge­rin Mary W i l h e l m y zur Geltung kommen wird. Den Vorverkauf führt das Musikhaus C h a l l i c r. Neuenweg. Numerierter Sperrsitz 1 Mark, Saal­platz 60 Pf., Balkon 40 Pf. Arbeitslose erhalten Billetts nur an der Kasse und gegen Ausweis für 25 Pf. .

Hausfrauen-Deratung. Mittwoch und Donnerstag im Cafö Leib außerordentliche Mitgliederversammlung mit Sonderausstellung von Qualitätswaren. (Siehe heutige Anzeige.)

Aus der Provinzialhauptstadt.

G i e ß e n, den 12. Juli 1932.

Oie Psychologie des Reisegeldes.

Wenn man viel Reisegeld für die Ferien zur Verfügung hat, dann erübrigt es sich, noch Worte über diesen materiellen Hintergrund der Erholung und des Vergnügens zu verlieren. Wer aber nichts oder allenfalls sehr wenig hat, wie das heute nun einmal sehr oft der Fall zu sein Pflegt, der darf und soll sich sogar getrost etwas mit ber Psychologie bes Reisegelbes beschäftigen, schon um sich vor unliebsamen H1eberraschung-n zu schützen. Weil nämlich bas Reisegeld eine sehr unangenehme Eigenschaft heimlich in sich trägt nämlich die, ganz besonders flüchtig zu sein. Zu Hause bestimmen Beruf, Familie, persönliche Ein­stellung zu den angenehmen Dingen des Lebens die sogenannte Decke, nach der wir uns zu strecken haben. Reisen aber in Ferienlust bedeutet Los­gelöstheit bom Alltag und möglichste Freiheit, auch hinsichtlich des Geldbeutels sollte es we­nigstens. Jeder Groschen, jede Mark gibt sich in ben Serien doppelt so leicht aus wie zu Hause. Wir möchten einmal wieder im bescheidenen Sinne leichtsinnig sein und uns einem sonst fremden Fatalismus hingeben.

Was sollen wir gegenüber solcher Verlockung tun? Ganz einfach: Vorsorgen! Durch rechtzeitige Anlage einer Reservekasse für sozusagen leicht­sinnige Ausgaben. Dierichtige", die große Reisekasse also sprechen wir lieber nicht dar­über, wie sie zustande gekommen ist. Aber wir haben 1° einigermaßen geschafft, was wir wollten, als wir von Woche zu Woche oder von Monat zu Monat die nötigen Markstücke und Scheine zur Sparkasse trugen allerhand Hochachtung haben wir nun vor uns! Also nun noch die Reise-Reseroe-Kasse das klingt beinahe so großartig wie Liquidationsreseroe oder Dispositionsfonds herrliche Begriffe, die sonst nur bei den Finanzinstituten gebräuchlich sind. Natürlich hat, wie das so zeitgemäß ist, auch über dieser Kasse ber Schein einer privatesten Notverordnung zu schweben, die sogar soweit gehen darf, daß wir uns schließlich ein paar Reisetage abknapsen.

Es gibt so viele schöne deutsche Sprichwörter, die sich mit der Macht, mit dem Segen des Geldes be­schäftigen, aber auch mit der Knechtschaft und dem Unsegen, die uns Geld und Geldausgaben bringen können. Da tröstet uns dies Wort vielleicht:Man muß dem Gelde gebieten, nicht gehorchen!" Oder: Geld will einen guten Vormund haben!" Wollen wir uns nicht einmal mit dem guten Vormund in uns selbst beschäftigen? Wer unter uns noch keinen hat, sollte ihn sich schleunigst anschaffen: wir werden ihm später Dank wissen. Selbst wenn er von Anfang an mit dem Verlangen nach einer neuen Notverord­nung kommen sollte. Wegen der Reise-Reseroe-Kasse, die wir uns beschafft haben, wird er schon mit sich reden lassen, und auch wegen des kleinen Ferien- Leichtsinns, den, wir in den nächsten Wochen nach der Reise schleunigst wieder ausgleichen werden. Uebrigens gar nicht so dumm, wie das manche Zeit­genossen machen: Sie lassen die Sparkasseninstitute auch ihren Teil zur eigenen Reisekasse beitragen. Wenn die durchaus Zinsen zahlen wollen, soll man fie schließlich nicht daran hindern. Da liegt dann schon der Grundstein für eine Reise-Referve-Kasse, mit der wir hinter die Schliche einer gesunden Psy­chologie des Reisegeldes kommen, um damit unser tierienfoH und -haben zu balancieren. Womit wir unseren Reiseetat In aller Form und freudigen Her­zens verabschieden.

Vortragsabend im Gtudentenhaus.

Gestern sand im Saale des Studentenhauses ein -uortragsabenb statt, der wie der Vorsitzende der Gießener Studentenhilfe, Prof. Dr. Eger, in kmer Einführungsansprache u. a. betonte den beginn einer Reihe von Vorträgen darstellte, die im Studentenhaus im Lause des Jahres von hervor­ragenden Gelehrten und prominenten Persönlich- teiten der Praxis gehalten werden sollen. Gestern obend sprach der Generaldirektor der AEG., Pros. Dr.-Jng. Petersen aus Berlin, der von Prof. ~ g e r als Förderer und Helfer des Gießener Stu- dentenhaufes und als Mitglied des Lehrkörpers un­serer Umversität mit besonderer Freude willkom­men geheißen wurde.

Prof. Petersen sprach in gut Inständigen Darlegungen über das ThemaF o r s ch u n g u n d Technik . Er behandelte dabei die innigen Wech­

selbeziehungen zwischen den Naturwissenschaften und der Elektrotechnik, wobei er unter Zuhilfenahme einer Reihe von Lichtbildern bedeutsame Abschnitte der gewaltigen elektrotechnischen Entwicklung barlegte unb die reiche Befruchtung offenbar werden ließ, bie bie Technik von ber Wissenschaft empfangen unb aus ihrer Arbeit roieber an bie Forschung gegeben hat. Der mit tiefstem fachmännischen Wissen unb großer praktischer Erfahrung funbierte Vortrag wirb für bie Fachleute unter ben Zuhörern eine Quelle reicher Anregungen gewesen fein, er gab aber auch ber Laienwelt mancherlei wertvolle Anhaltspunkte zum Einblick in ein Gebiet ber Wissenschaft unb ber Praxis, bas für unser Zeitalter ber Technik von höchster Bebeutung bis hinab zum einzelnen Volks­genossen geworben ist. Der Vortrag fanb lebhaften Beifall, bem Prof. Dr. Eger am Schlüsse bes Abenbs in herzlichen Worten an ben Sßortragenben Ausbruck verlieh.

Gictzcncr Wochenmarktpreise.

* Gießen. 12. Juli. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120, Land butter 120, Kochbutter 90100, Matte 2530 Pfennig das Pfund, Käse 510, Eier 8 Pfennig das Stück, Wirsing 810, Weißkraut 810, Spinat 15, Römischkohl 1215, Dohnen .grüne, 30, gelbe 35, Erbsen 15 Pf. das Pfund, Gelbe Rüben 810 Pf.^ das Bund, Tomaten 3040, Zwiebeln 15, Rhabarbar 810, Pilze 45, Kartoffeln, neue, 67, Aepfel. aus- ländifche, 5060, Dörrobst 3035, Kirschen 35 bis 40, Heidelbeeren 2025, Stachelbeeren 3035, Jo­hannisbeeren 2025, Erdbeeren 3550, Pfirsiche 60, Himbeeren 4045, Honig 4045, Junge Hähne 8090, Suppenhühner 7080 Pf. das Pfd., Tauben 5070, Blumenkohl 3060, Salat 510, Salatgurken 2030, Ober-Kohlrabi 810, Ret­tich 1012 Pf. das Stück. Radieschen 810 Pf.

das Bund, Kartoffeln, neue, 5,005,50 Mk. per Zentner.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. T. D.: Monatsversammlung imAugustiner". Lichtspielhaus Bahnhofstraße:Frau Lehmanns Töchter". Astoria-Lichtspiele: 16.30 und 20.30 IWr, Lichtbildervortrag über die Heilstrahlen Radium".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sonntag, 17. Juli, 20 Uhr, hat bie Jntenbanz bas Münchener akabemische BrettlDie vier Nachrichter" zu einem einmaligen Gastspiel für Gießen verpflichtet. Das Gastspiel bringt bie lite­rarische Posse mit Gesang unb Tanz in 3 AktenHier irrt Goethe", bie in München unb Berlin, sowie inzwischen auch in sämtlichen Stäbten, bie bas Ensemble auf feiner Europa-Tournee bisher berührte, mit einem außerorbentlich großen Erfolg aufgeführt würbe. Für bas Gastspiel gelten kleine Preise. Kar­tenverkauf ab Mittwoch.

Militärkonzert im Klub. Morgen, Mittwoch, 20.30 Uhr, wirb die Kapelle unseres Ba- taillons im Gefellschaftsoerein ein Konzert geben. Leitung: Obermusikmeister K r a u ß e. Die Mitglie­der des Vereins werden im heutigen Anzeigenteil zu der Veranstaltung eingeladen.

Theaterabend der Notgemein - schäft oberhessischer Bühnenkünstler. Man schreibt uns: Am morgigen Mittwoch oeran- stattet die NOB. (Notgemeinschaft oberhessischer Bühnenkünstler) einen bunten Theaterabend mit Mary Wilhelmy, Opernsängerin, ehern. Mitglied des Barmer Stadttheaters, Martha Winkler- Buchwald, ehern. Mitglied des Fürstl. Theaters in Gera; Kurt Richter, ehern. Mitglied des Stadt- theaters in Gießen, Walter M a y b r ü ck vom Stadttheater in Kottbus, Paul B u ch w a l d, ehern.

* Volkstümliche Rheinfahrt. Am kom­menden Sonntag veranstaltet das Hapag-Ncise- bureau in Gießen feine diesjährige, voraussichtlich einzige volkstümliche Rheinfahrt. Das Interesse für diese Veranstaltung, bei deren Vorgängern die Teil­nehmer in jedem Jahre einen Tag voller Freude er­lebten. ist auch diesmal wieder recht rege. Dis Fahrt wird bekanntlich von Gießen dis Mainz mit einem Sonderzug vor sich gehen, von Mainz über Rüdesheirn-Aßmannshausen (an beiden Plätzen ist reichlicher Aufenthalt vorgesehen) bis Koblenz mit dem Dampfer erfolgen unb am Abenb mit einem ©onbemug von Koblenz nach Gießen zurückführen. Es bürste sich empfehlen, sich beizeiten bie Teilneh­merkarte zu sichern. Man beachte bie Anzeige.

Buntes Allerlei.

Oie 23. Lt-Bootkatastrophe.

Die Katastrophe des französischen U-Bootes bot Cherbourg beweist erneut, daß die U-Dootwaffe, die furchtbarste Angrifsswasfe im Seekrieg, dauernd vom ilnglüd verfolgt ist. Auf der Lon­doner Flottenkonferenz wehrten sich die Seemächte heftig gegen eine Beschränkung im U-Bootbau, obwohl alle Flotten im Frieden durch älnglückS- sälle mit U-Booten ständig schwere Verluste an Menschenleben und Material erleiden. Die U- Bootwasse befindet sich im dauernden Kriegszu­stand, im Kampf gegen die Gewalten des Mee­res, dem sie nicht gewachsen ist. Die Rettungs­aufsichten für die Mannschaften im Falle einer Katastrophe sind äußerst gering, so daß es fast nie gelingt, die Llrsache zu ermitteln. Auch über die Ursache des Llntergangs des »Prornethöe" ist man im Llngewissen. Der Kommandant, der ge­rettet wurde, weiß keine Angaben zu machen. Er berichtet, daß er plötzlich ein Geräusch hörte, als wenn ein Mensch ins Wasser gefallen fei. Er eilt» auf seinen Kommandoplah und mußte feststellen, daß das Schiff buchstäblich unter seinen Füßen wegsackte. Das Doot sank so schnell, daß di» Mannschaft, die sich an Deck befand, ins Meer geschleudert wurde. Das war ihr Glück, denn nut diesem Almftanb haben sie ihr Leben zu verdan­ken. Was mit dem U-Doot untergegangen ist, muß als verloren gelten.

Allein in der Zeit nach dem Kriege haben sich 23 U-Doot-Katastrophen ereignet. Fast nie ist es gelungen, die Desatzung zu retten. Die Mannschaft hat die Möglichkeit, im Augenblick der Katastrophen alle Luken wasserdicht zu schlie­ßen. Die Sauerstoffvorräte des Schiffes gestatten der Mannschaft, sich eine gewisse Zeit auf dem Meeresgrund am Leben zu erhalten. Es bleibt ihnen eine schwache Hoffnung, durch Taucher ge­rettet zu werden. In den allermeisten Fällen aber erleiden sie einen qualvollen Erstickungstod.

1923 sank das amerikanische U-DootO 5. Nach 31 Stunden gelang es den Tauchern, in daS Schiss einzudringen. Nur noch zwei Mann von der Besatzung waren am Leben. In aller Erinne­rung ist noch die furchtbare Katastrophe des ame­rikanischen U-BootesS 4", das im Jahre 1927 gesunken war. Hier stellte man fest, daß im Tor­pedoraum sechs Mann eingeschlossen waren, die durch Klopfen Lebenszeichen gaben. Tagelang wur­den verzweifelte Anstrengungen gemacht, die Leute zu retten. Die Welt mußte das qualvolle Ster­ben dieser sechs Mann in allen Einzelheiten mit­erleben, wie sie durch Morsezeichen nach Sauer­stoff riefen und nach Lebensmitteln, die ihnen durch das Torpedorohr zugeführt werden sollten, wie die Klopfzeichen schwächer und schwächer wur­den, bis sie ganz ausblieben. Unerhörtes wurde geleistet, um an das Wrack des Bootes heranzu- kornrnen. Alles war vergebens. Als es schließ­lich doch gelang, war es zu spät: die Matrosen waren tot.

Keine Flotte bleibt von U-Dootkatastrophen verschont. 1925 sank das englische U-DootM 1", 68 Matrosen sanden den Tod. Irn vergangenen Jahr sank das U-DootM 2, wo 55 Menschen ums Leben kamen. 1928 erlitt die italienische Flotte den Untergang des U-DootesF 14". Hier ist es wohl zum erstenmal gelungen, das gesun­kene Doot in einer Zeit zu heben, in der noch Aussicht bestand, die Desatzung zu retten. Nach 36 Stunden waren aber schon 28 Mann der Be­satzung gestorben.

Wettervoraussage

Währenb über Nord- unb Ostbeutschlanb, begün­stigt burch hohen Druck über ber Ostsee, heiteres Wetter mit Morgentemperaturen bis zu 24 Grab herrscht, liegt ber übrige Teil bes Reiches unterem Einfluß ber flachen Störung, welche einen Wolken, schirm ausgebreitet hat. Wenn auch burch bas Tief noch Möglichkeit zu Gewitterbilbung ober verein­zelten Nieberschlägen gegeben ist, sv wirb sich als- halb burch ben vorn Atlantik herannahenben hohen Druck bie Schönwetterlage roieber Herstellen.

Aussichten f ü r Mittwoch: Vorerst noch schwüles Wetter mit lokalen Gewittern ober ver­einzelten Niederschlägen, aber auch aufheiternb.

Lufttemperaturen. Am 11. Juli: mittags 27,1 Grad, abends 24,0 Grad: am 12. Juli: morgens 21,0 Grad; Maximum 27,8 Grad, Minimum 19,2 Grad Cel- sius. Sonnenscheindauer 12^4 Stunden. Erdtem- peraturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 11. Juli: abends 28,0 Grad; am 12. Juli: morgens 22,5 Grab Celsius.