Einzelbild herunterladen

nommen werden können. Wir sind an Vor­arbeiten für einen freiwilligen Ar­beit s d i e n st, der sich den Vorschlägen der Parteien sehr weit nähert, und können damit auch alsbald ansangen. Ls muh aber an eine klare Finanzierung dieser Dinge ge­gangen werden können. »Wir denken nicht daran, nur an die Sicherung des Reichsetats heranzugehen, wir müssen Reich, Länder und Gemeinden unter ollen Umständen gleichzeitig sickern, denn es hängt davon der Kredit des Reiches und leider auch der gesamten Wirtschaft ab. Das ist nicht die .Folge des Systems. Das ist die Folge von Fehlern, die unter dem politischen System in den ver­gangenen Jahren bei uns und in der

ganzen Welt gemacht worden sind.

Der Abgeordnete Hugo hat als Sachverständiger von einer Konzerndämmerung gesprochen. Da­zu, zu einem massenhaften völligen Zusam­menbruch der großen Konzerne auf einen Schlag, dürfen wir es nicht -kommen lassen, das könnte Deutschland nicht aushalten. Es hat trotz aller Rotlage des Mittelstandes katastrophal ist z. B die Lage im Baugewerbe auf verschiedenen Gebieten bereits ein er- erfolgreicher Konku-rrenzkampf Les kleinen Unternehmers gegenüber dem größeren und größten eingesetzt. (Widerspruch links.) Aus einer Strukturkrise kommt man am sichersten her­aus, wenn man die Energie, die Opfer- freudigkeit und die Entschlußkraft der kleinen selbständigen Existenzen f re i m ach t. Wir wollen eine stärkere Berück­sichtigung auch der kleineren und mittleren Unter­nehmer bei den Kreditgewährungen und eine stär­kere, regionale Aenderung der gesamten Bank­institute. Wir müssen auch dafür sorgen, daß der Mittelstand nicht nach erfolgter Umschuldung zu­grundegeht. Wir können auch-mit der Sied­lung in großem Maßstabe beginnen. Ich warne aber vor Illusionen und vor der Schaffung

Oie Fortsetzung

Abg. Hermann (Wp.)

erklärt, seine Freunde würden in der jetzigen Zeit der schwersten außenpolitischen Entscheidun­gen dem Reichskanzler nicht in den Rücken fallen, sie würden darum das Mißtrauensvotum gegen die Regierung ablehnen. Die jetzige Wirtschaftspolitik leide an einer maß­losen Lleberschätzung des Groß­kapitalsund derGewerkschaften unter gleichzeitiger Vernachlässigung des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstands. Die Wieder­instandsetzung der vom Verfall bedrohten Häuser müßte das wichtigste Kapitel im Ar­beitsbeschaffungsprogramm sein. Dor einer wei­teren Arbeitszeitverkürzung müsse g e- warnt werden, weil sie die Arbeitslosigkeit nicht vermindern, sondern vermehren würde. Eine schwere Schädigung für Handel, Handwerk und Gewerbe bedeuteten die Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft im deutschen Osten. Das Moratorium für die Handwerker­forderungen an die Landwirtschaft führe zum Zusammenbruch des Mittelstandes: hier müsse schnellstens Abhilfe geschaffen werden.

Oer Reichskommiffar

für die Osthilfe Minister Schlange weist darauf hin, daß wahrscheinlich durch die Heranwachsende Ernte, die im Ostbilfegebiet ohne das Sicherungsverfahren in Frage gestellt war, infolge teilweisen LlebeiMssigwerden der Getreideeinfuhr eine nicht unerhebliche Ersparnis an Devisen ein­treten werde. Ferner werde durch das Sicherungs- Verfahren verhindert, daß dem deutschen Volke die Ernährungsgrundlage in dem Augenblick ent­zogen werde, in dem die Reichsregierung schwie­rige außenpolitische Verhandlungen führt. Der Siedlungsgedanke wird zur Phrase, wenn

Gießener Gtavttheater.

Hermann Sudermann:

Die Entscheidung der Lissa Hart".

Dieses Schauspiel, das unter der Lleberschrift Wie die Träumenden" 1922 erschien und unter dem TitelGesetz der Zeit" zuerst aufgeführt wurde, ist so etwas wie das Kriegsstück des Dichters obwohl es nach dem Kriege einsetzt und auch aus der Zeit nach dem Kriege emp­funden und niedergeschrieben ist.

Es behandelt einen Konflikt, der oft gestaltet worden ist, und der durch die Wirklichkeit des Krieges aufs neue aktuell wurde. Es ist eine Ge­schichte von verschollenen, spät nach Friedens- schluh heimkehrenden, letzten Soldaten, wie sie von Brecht (Trommeln in der Rächt") und Leon­hard Frank (Karl und Anna") ähnlich beschrie­ben wurde: auch die alten Motive vom Enoch Arden und vom Grafen von Gleichen spielen ein wenig hinein.

Der Konflikt ergibt sich aus der grausamen Tatsache, daß die Zeit zwischen Auszug und Heimkehr der Soldaten auch daheim nicht still­gestanden, sondern sich gewandelt hat uno die Menschen, zumal die Daheimgebliebenen, mit ihr. Die Zurückkehrenden finden sich nicht mehr zurecht, innerlich und äußerlich nicht, denn die Welt hat in fünf Jahren ein anderes Gesicht bekommen, und man kann nicht wieder anknüpfen und weiterleben da, wo man aufgehört, das alte Leben verlassen und gegen das Abenteuer des Krieges cingetauscht hat... wenn man eines Tages aus der sibirischen Verschollenheit wie ein von den Toten Auferstandener heimkehrt.

Man ist Offizier gewesen, und alles ist fremd geworden: das Elternhaus, das äußere Leben der Arbeit und Alltäglichkeit und auch das Mädchen, das man geliebt hat und noch immer liebt. Geblieben ist nur die in fünf harten Jahren erprobte Kameradschaft von Mann zu Mann. Aber die Entscheidung die liegt nun allein in den Händen und im Herzen der Geliebten. die man alsjunges Mädchen" verließ und die man als eine im Laufe und nach den harten Gesetzen der Zeit gereifte und sehr selbständige Persön­lichkeit wiederfindet.

Diese Lissa Hart, Mädchen aus gutem Haus und gesicherter Bürgerlichkeit, hat, gezwungen

eines Siedlertyps aus Prestigegründen, der schon nach einigen Jahren keine Berechtigung hat.

Das SA.-Verbot war- gerechtfertigt. Wir müssen dafür sorgen, daß der Staat im Innern zur Ruhe kommt und die Leute nicht aus Angst das Geld von den Sparkassen holen. (Lachen rechts.) Es wird gegenüber jedem Versuch, die Staatsautorität zu untergraben, eine feste Linie gegangen werden. Ich würde als verantwortungslos vor der Geschichte gelten müssen, wenn ich nicht endlich damit Schluß ge­macht hätte. (Beifall bei den Regierungsparteien. Zuruf rechts: Reichsbanner!) Die neue Rot- Verordnung gibt die Garantie dafür, daß in Zu­kunft wenigstens nichts Derartiges geschieht, und daß Deutungen entstehen können, als ob eine Maßnahme einseitig gegen die eine Seite ge­dichtet wäre.

Wenn es gelingt, anstelle der Scheinprosperität nach dem Weltkrieg eine wirkliche langsam an­steigende dauernde Prosperität zu schassen, dann erst wird das Gefühl des Frie­dens in die Welt einziehen und das Gefühl der Unsicherheit beseitigt sein, das so vernichtend auf die Kreditwirlschaft aller Völker gewirkt hat. (Beifall.) Ich halte es für notwendig, das von dieser Stelle aus den Staatsmännern der ganzen Welt zu sagen. Deutschlands Stimme in der Well würde starken Widerhall finden, wenn in dem Kampf der Parteien eine gewisse Mäßigung eintreten würde. Ich rate Ihnen (nach rechts) in Ausdruck, Form und Inhalt der Agitation sich rechtzeitig Mäßigung aufzuerlegen, denn die Hoffnungen, die Sie mit Ihrer Agitation erweckt haben, werden Sie nie erfüllen können. Mich berührt diese Agitation nicht, denn i ch will nicht die Ruhe verlieren, die in den letzten hundert Metern vor

-em Ziel absolut notwendig ist.

(Stürmischer Beifall bei der Mehrheit.)

-er Aussprache.

nicht durch eine vernünftige Ostwirtschaft der Kre­dit geschaffen wird, mit dem man diesen Gedan­ken in die Tat umsehen kann. Wir reden hier vom Siedeln, während draußen im Osten sich ein all­gemeines E n t s i e d e l n vollzieht, weil die Scholle den Siedler und Dauern nicht mehr er­nährt. Wir stehen hier vor der historischen Ent­scheidung, ob im Osten eine 702jährige Geschichte ihr Ende finden soll oder ob man hier die Mög­lichkeit schafft, sie fortzusetzen.

Abg. Or. Kleiner (Ont):

Wir müssen die Gelegenheit benutzen, um die Frage nach der Existenzberechtigung dieses Kabinetts er­neut aufzuwerfen. Leistungen liegen nicht vor. Der Mißerfolg all seiner Maßnahmen spricht gegen den Reichskanzler und darum muß er die Konsequenzen ziehen. Die Worte, die Dr. Brüning vor dem Ver­ein der Auswärtigen Presse sprach, hätte er i n Genf vor' der Abrüstungskonferenz dem französischen Minister Tardieu ins Gesicht sagen sollen. Dort hat er es aber nicht gewagt, das Ätnb endlich beim richtigen Namen zu nennen. Schwere Sorge lastet auf den ostdeutschen Menschen, die seit 1914 nie mehr zur Ruhe gekommen sind. Niemand kann sagen, wann der Größenwahn pol­nischer Begehrlichkeit zu neuen Kata­strophen führt. Wenn irgendetwas die Angriffslust der Polen gedämpft hat, dann war es die Erkennt­nis, daß Millionen deutsche Männer die Grenze schützen werden, wenn der Pole in deutsches Land eindringen sollte. Die Männer, die dieses Sin­nens sind, Hot die Reichsregierung zu Feinden des Staates erklärt. (Hört! Hört! rechts.) Die beklagens- werte Rolle einer geradezu beschämenden Hilflosig­keit, die der Innenminister gespielt hat, schien wie das ungewollte Strafgericht über das Kabinett und über den Mann, der das vaterländische Deutschland dem unkultivierten Regiment der Sozialdemokratie ausgeliefert hat. Das vorliegende Material beweist einnxmbfrei, daß das Reichsbanner wehr-

von der zum energischen Handeln treibenden Unerbittlichkeit der bekanntenVerhältnisse", ihr Leben Couragiert in eigene Regie genommen; sie steht mittendrin in ihrer Zeit, und sie weiß genau, was sie will. Sie hat abgeschlossen mit einer ,.gestorbenen" Vergangenheit und sie ist trotzdem bereit, aufs neue wieder anzuknüpfen, als der Totgeglaubte eines Tages abermals im Leben austaucht und seine eigentlich schon ver­jährten Ansprüche an sie geltend macht.

Zlrar sind mittlerweile andere Männer dagewe- sen (und, im kritischen Augenblick, auch immer noch da, gefährlich in nächster Rähe) aber sie schüttelt das ab und wird damit fertig, und nun wäre ja eigentlich Raum für den Heimkehrer. Aber der verbaut sich selber die letzte Chance sei­nes Lebens, weil er, schwer mitgenommen vom Kriege, nicht mit der Tatsache der umstürzend weitergelaufenen Zeit zu rechnen vermag.

Unb die Entscheidung der Lissa fällt wunder­licherweise auf den, der es selber am mindesten erwartet, den einzigen Freund des Heimkehrers, der ihm schon draußen das Leben gerettet hat, der für ihn zuschanden geschossen wurde und der auch hier, zuhause, sich selbstlos für ihn einsetzt und ihm den alten Platz zurückzuerobern trachtet. Und Lissa, wie jene Candida, entscheidet sich für den Schwächeren, den Hilflosen, Kranken, Pflege­bedürftigen; bei ihm wird sie bleiben mit ihrem Herzen.

Man kann (aus räumlichen Gründen) weder die vielfach verästelte Handlung ausführlicher erzäh­len noch den mancherlei Fragen nachgehen, die sich aus der Konstellation des Dramas ergeben und die am Ende auch jeder sür sich selber beantworten muh. Aber es darf, wie die Entscheidung (des Zuschauers diesmal) auch ausfällt, doch auf zweierlei noch hingewiesen werden: auf die ruhige und reife Sicherheit, mit der der alternde Suder­mann sich in einer Zeit zurechtgesunden hat, die längst nicht mehr die seine war: auf die Fülle und Rühe des Menschlichen, die auch in seinen letzten Romanen so überraschend und zugleich überzeugend wirkte. Und auf die handwerkliche Tüchtigkeit dieses Dramenbaus, dessen vier Akte (selbst im schwächsten noch) wieder den Meister des Theaters erkennen lassen, als der Sudermann oft bewundert ... und oft beschimpft worden ist.

Der Spielleiter Fassott hat das richtige Ge­fühl dafür gehabt, was aus einem so gebauten

feindlich und international gerichtet ist, daß es sich militärisch für den Bürgerkrieg gerüstet hat. daß es sich polizeiliche Funktionen angemaßt hat, daß es bei jeder Gelegenheit den nationalen deutschen Men­schen bekämpft und die französischen und polnischen Feinden verherrlicht. (Große Unruhe bei den So­zialdemokraten. Der Abg. Kleiner wird zweimal zur Ordnung gerufen und auf die Folgen _eines dritten Ordnungsrufs aufmerksam gemacht.) Trotz- dein stellt sich der Leichswehrminister vor dieses Reichsbanner. Mit wem will der Reichswehrminister der Gefahr im Osten trotzen, wenn er die freiwilli­gen Soldaten zu Staatsbürgern dritter Klasse de­gradiert und den Zusammenschluß der wehrfähigen Deutschen verhindert? Mit der kleinen Reichswehr allein, oder gar mit dem Reichsbanner, mit den Kriegsdienstverweigerern und den Pazifisten? (Er­neute anhaltende Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Dieser Reichswehrminister, dieses Kabinett ist eine nationale Gefahr, es muß fort, besser heute als morgen. (Beifall und Händeklatschen bei den Deutsch nationalen.)

Abg. Hilferbing (Soz.)

erklärt: Das sozialpolitische Programm des natio­nalsozialistischen Abg. Strasser hat große Teile von Karl Marx übernommen. Der Redner zitiert unter großer Heiterkeit einen Sah aus der Strasserrede, der auf Seite 1 0 des Kapital" von Karl Marx steht. Die Rationalsozialisten haben niemals die Gelegenheit benutzt, um ihren auf dem Papier stehenden Sozialismus in-die Tat umzusetzen. (Rufe bei den Rationalsozialisten: Wollen Sie denn die Banken verstaatlichen?) Jawohl. Wir haben dahingehende Maßnahmen im vorigen Jahr verlangt, aber da haben Sie im Reichstag gefehlt. (Hört! hört!) Mit vielen Einzelforderungen des Strasserschen Programms könnten wir einverstanden sein, weil sie alte sozialdemokratische For­derungen sind. Ich frage hier die Rational­sozialisten, ob ihr von Strasser vorgetragenes Sozialprogramm übereinstimmt mit dem, was Adolf Hitler im Industriellenklub in Düsseldorf vorgetragen hat? Zu diesem Programm wurde damals Hitler beglückwünscht durch den Schwer­industriellen Fritz Thyssen, den schlimmsten Feind

der Sozialpolitik und der Arbeiterschaft. fSeß- Hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Dr. D o e h r i n g-(Dn.) begründet den deutsch- nationalen Antrag auf Verbot der sozial- demokratischen Freidenkerorganisa­tion. Diese Organisation habe sich das Ziel gesetzt, das Heiligste im Menschen zu zerstören. (Lauter Widerspruch bei den Sozialdemokraten, Gegenrufe von rechts, großer Lärm.) Der sozialdemokratische Schulrat Löwenstein habe geschrieben, jedes Kind, das in den Traditionen der Vergangenheit erzögen ist, sei ein Verlust für die Arbeiterschaft. Das er­wachende Deutschland werde ein christliches Deutsch­land fein.

Abg. Sollmarin (Soz.): Ich habe den Eindruck, daß in keiner Freidenkerversammlung jemand eine so gottlose Rede halten kann, wie dieser Prediger Doehring. Als die Franzosen im Rheinland standen und die sozialdemokratischen, christlichen und kommu­nistischen Arbeiter gegen d i e Separatisten kämpften, war kein Hitler, kein Goebbels, kein Haken- kreuz, kein Schwarzweißrot im Rheinland zu sehen. (Hört! Hört! links, Unruhe rechts.) Als wir die Rat­häuser stürmten und die Separatisten hinausjagten, in derselben Zeit machte Hitler seinen Putsch in München und leistete damit den Franzosen Hilfe. (Hört! Hört! links, Lärm bei den Nationalsozialisten. Ordnungsrufe des Präsidenten gegen" nationalsozia­listische Zwischenrufer.) Einer bei bekanntesten Se­paratistenführer des Rheinlandes, Limburg, steuert heute fein Auto unter dem Hakenkreuz. (Hört! Hört!)

Abg. Abel (Volksnat.) bezeichnet es als das Ziel der Bünde, im Gegensatz zum Streit der Parteien den Gei st der Volksgemeinschaft zu oer- breiten. Die nationalsozialistischen Sturmabteilungen hätten diese Aufgabe nicht erfüllt.

Nach weiteren Bemerkungen der Abgeordneten Gereke, Drewitz, Döbrich und Mollath ist die Aussprache um 1 Uhr nachts beendet.

Es folgen noch weitere persönliche Bemerkungen der Abgeordneten Crispien, Dittmann, Ley und Sollmann, bis endlich gegen 1.30 Uhr der Prä­sident die Sitzung nach mehr als 15stündi­ger Dauer schließen und die nächste Sitzung auf Donnerstag anberaumen kann.

Das Auslandsecho der Kanzlerrede.

Llnsteundliche Kommentare in Paris.

Paris, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.)Petit Parisien" schreibt zur Rede des Reichskanzlers: Dr. Brüning verlange jetzt energisch die Rechtsgleichheit für Deutschland, und zwar in Wendungen, die seltsam an ge- wisse nationalsozialistische Erklä­rungen erinnerten. Brüning trete für die völlige Streichung der Schulden und Repara­tionen, sowie für das Recht Deutschlands ein, in gleicher Weise au rüsten, wie die anderen Ra­tionen. Diese entschiedene Haltung glaube der Reichskanzler jetzt offenbar" einnehmen zu müssen, um der Rechten zu gefallen und so seine inner- politische Stellung zu festigen, aber sie sei, wie man hervorheben müsse, auf die Dauer kaum geeignet, Regelungen in Genf und Lausanne zu erleichtern.Echo de Paris" erklärt, Reichskanzler Dr. Brüning lege sich keinen Zwang mehr auf. Er umreiße die deutsche Stellungnahme in der Abrüstungs­und Reparationsfrage in einer Weise, die für irgend «inen Kompromiß keinen Raum mehr lasse. Er halte sich für stark genug, um Riederlagen verhüten zu können.

Welche Folgerungen zieht Amerika?

R e u y o r k, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Rede des Reichskanzlers wird von den amerika­nischen Blättern in großer Ausmachung gebracht. Vor ollem wird die Erklärung des Kanzlers her­vorgehoben, daß eine Weiterzahlung der Reparationen unmöglich sei.Herald

Tribüne" erklärt, daß der Kanzler die Repa­rationsgläubiger nur ebenso vor die Alter­nativeStreichung, oder Kata­strophe" stelle, wie es die Alliierten mit ihrem Kriegsschuldengläubiger Ame­rika getan hätten. Amerika werde, was die Frage der Reparationen und Kriegsschulden anlange, ebensovernünftig" sein, wie die an­deren Mächte. Immerhin habe es aber ein Recht, darauf zu bestehen, daß Europa sich über das Reparationsproblem klar werde, bevor es eine Regelung der internationalen Schuldenfrage mit Hilfe der Vereinigten Staaten verlangen könne.

Großer Eindruck in London.

London, 12. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die gesamte Morgenpresse würdigt die Bedeutung der gestrigen Rede des deutschen Reichskanzlers, wobei sie besonders seine Erklärung über d i e Unmöglichkeit einer Wiederaufnahme der Reparationszahlungen hervorhebt^ Der BerlinerTimes"-Korrespondent hebt hervor, daß die Rede des Reichskanzlers sogar aus Na» tionalsozialisten «inen guten Ein- druck g emo cht habe.News Chronicle" er­klärt, die Rede des Reichskanzlers sei die be­merkenswerteste seiner politischen Laufbahn. Ein Berliner Reuterbericht nennt di« heutige Reichstagsrede des Reichskanzlers Dr. Brüning über Abrüstungeine Warnung an d i e Welt, baß Deutschland entschlossen ist, sich nicht der augenblicklichen Ungleichheit der Rüstungen zu unterwerfen". Die Blätter besprechen auch die Ausführungen des nationalsozialistischen Ab­geordneten Strasser. DieTimes" betont, daß es sich teils um völlig neue Wege handelt, fügt aber hinzu, baß b i e wirtschaftlichen Maßnah -

Stück bühnenmäßig hervorzuholen war (viel mehr als aus dem späteren und schwächerenHasenfell­händler") aber er erkannte auch, daß es mit Theater allein hier nicht getan war, daß es um Probleme und um Menschen ging, um eine Wirk­lichkeit, die auch außerhalb des Rampenlichtes Gültigkeit hat oder doch einmal gehabt hat.

Eine sehr geschlossene, durchgearbeitete Auf­führung: eine bis in kleine Nebenfiguren ver­ständnisvoll und treffend zusammengestellte Be­setzung; ein wohlabgestimmtes Zusammenspiel; nach Löfflers Entwürfen plastische, stimmung­gebende Raumbilder.

Edith Berger spielte die Lissa Hart; sie ist hier gefühlsmäßig viel gebundener und ver­haltener als etwa inLiebelei"; man spürt psy­chologisch, zeitlich und landschaftlich die Abstande zwischen dem Oesterreich von damals und dem Deutschland von heute; und die Lissa Hart ist auch in manchem, nicht in allem, mit Gudrun Lüdicke,Purzelchens" älterer Schwester, ver­wandt; Frl. Berger zeichnete diese Lissa, Kind unserer Zeit, so klar (in aller Wirrnis), so ge­scheit, selbstsicher und bestimmt, wie sie ist oder sich gibt; aber das Beste an dieser runden Leistung waren doch die wenigen Augenblicke echten oder unverstellten Gefühls, wenn die Ent­scheidung endgültig gefallen ist.

Jochen Hauer: der Verschollene, der Heim­kehrer, der Leutnant Arnemann aus Sibirien und aus der Zeit vor dem Kriege; er charakterisierte scharf, knapp, gradlinig: das Hilflos-Verfahrene, bas Verstockte und Verbockte in diesem Menschen, seine Rervosität, seine bohrende Eifersucht, seine blinde Wut; so war er wohl gedacht: als ein Versprengter und Schiffbrüchiger des großen Krieges, ein Mensch, mit dem man Mitleid haben muß.

Sein Gegentyp ist der Maler Thilenius, Arne- manns Freund und Kamerad; ihn spielte Wolf­gang Kühne: sehr nobel, empfindlich und sym­pathisch, die liebenswürdigste Gestalt dieses Stückes; auch mit ihm kann man Mitleid haben, aber der Darsteller verstand es mit einer gewissen nord- deutschen Rüchternheit, eine falsche, hier durchaus störende Gefühlsseligkeit zu vermeiden.

Roch eine ganze Reihe gut gesehener, markant umrissener Gestalten: Heinrich Hub als der ge­schmeidig-geschäftige Parvenü Messerschmidt; Hans

P a e t s ch, der mit knappen, festen Strichen den als Typus genau beobachteten Oberleutnant Mar­zahn hinstellte: Luise Schubert-Jüngling und Maria K o ch in kleinen, feinen und stillen Mütterrollen: Schubert als grämlich poltern­der Hauptmann a. D.; die vier andern Heim­kehrer: Geiger. Michel, Rieren, Heck: Frl- Doering, deren Carmen in einer knappen, gefühlsechten Szene sich einprägt; Volck und Frl. Sachse, die Berliner Wirtsleute.

Problemstellung und Ausführung schienen glei­chermaßen zu interessieren, lebhafter Beifall, hth.

Goethe-Mrck-Ausstelllmg hi Darmstadt.

Bor einigen Tagen wurde in der Kunsthalle am Rheintor die Darmstädter Merck- Goethc - Ausstellung in Gegenwart zahl- reicher geladener Gäste unter ihnen der Staats- Präsident Dr. h. c. Adelung, der ehemalige Groß­herzog und mehrere Nachkommen des Kriegsrats eröffnet. Oberbürgermeister Mueller hielt eine Ansprache, in der er ausführte, es liege Darmstadt fern, mit den Goethestädten Frankfurt und Weimar in Wettbewerb zu treten, aber die Stadtverwaltung habe sich verpflichtet gefühlt, im Jahre 1932 eben­falls dem großen Dichter zu. huldigen, um so mehr, als ein Sohn Darmstadts, der Kriegsrat Johann Heinrich Merck, nach Goethes eigenem Zeugnis starken Einfluß auf fein Werden ausgeübt habe. Deshalb habe der Ausschuß beschlossen, Merck in den Mittelpunkt zu stellen. In dem großen Hauptsaal befinden sich die Bildnisse Mercks und seiner Um­welt. Zahlreiche Bilder stammen aus Privatbesitz und sind sonst nicht zugänglich.

Zeitschriften.

, Philosophie und Leben. Hrsg. v. Prof. August Messer. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Einzelhest 0,75 Mk. Das Mai-Heft ist dem Fragenkomplex gewidmet, der sich um die BegriffePhilosophie und Politik' gruppiert. Dr. Feldkeller (Berlin) schildert packend die starken Tendenzen, die gegenwärtig dahin drän­gen, daß Philosophie politisch wird. Der Heraus­geber tritt demgegenüber für die Selbständigkeit der Philosophie ein. DieAussprache" bringt die ausführliche Antwort Professor Foersters auf denOffenen Brief" Messers cm ichn (im Februar-Heft).