Nr. NO Erster Blatt
182. Jahrgang
Donnerstag, 12. Mai 1952
GießenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Frankfurt am Main 11686.
Oer Tag des Reichskanzlers.
Große außenpolitische Rede Or. Brünings vor dem Reichstag. - Deutschlands Forderung an die Welt: Gleichberechtigung und restlose Streichung aller politischen Schulden. - Mahnung an das deutsche Volk: 100 Meter vordem Ziel die Nerven behalten!
3m Namen her Nation.
Tcs Mtiiulcre Rede
eine neue Mahnung an die ZiZclt.
War schon die Rede, die der Reichskanzler am vergangenen Sonntag auf der Veranstaltung des Tcrliner Verbandes der auswärtigen Presse gehalten hatte, eine außenpolitische Aktion, so bedeutet seine Reichstagsrede eine Fortsetzung und eine Steigerung dieser Anfangswir- kung. 3n jedem anderen Lande der Welt würde sich das gesamte Volk hinter eine solche Kundgebung stellen, und cs gehört zu den bebauet* hü'ftcn Erscheinungen unserer sogenannten' Demokratisierung. daß sie eine solche Einmütigkeit zwangsläufig verhindert. Der Kanzler sagte alles, was heute zu sagen notwendig ist und sprach es in unmistverständlicher Form aus. Dast er das Ohr des Reichstages hatte, beweist der Verlaus der Sitzung, ob er das Ohr der Welt haben wird, das ist die Kernfrage, aus die es ankommt.
Wir dürfen unS nicht darüber täuschen, dast Brüning sich die erdenklichste Mühe gegeben hat, um als Sprecher der Ration aufzutreten. Er hat es peinlich vermieden. zu kritisieren. Die ganze Rede atmet in ihrer wohlerwogenen, ruhigen Schärfe und Deutlichkeit ein ungewöhnlich hohe - Rkast von politischer Toleranz. Ter Kanzler wollte nicht nur führen, et wollte zusammenführen, um gleichsam ora- torisch das zu leisten, was die politischen Parteien in ihrem Konkurrenzkampf zu leisten ousterstandc sind: nämlich eine Einheitsfront noch austen zu bilden. Auch feine Gegner werden diesmal zugeben, dast ihm die Lösung dieser Ausgabe geglückt ist. wirklich im Ramen der Ration zu sprechen.
In sachlicher Hinsicht enthält die Kanzlerrede soviel Stoff, dast es nicht möglich' ist. sie im einzelnen zu beleuchten. Eine« geht aber mit völliger Deutlichkeit daraus hervor: Die Lage dos Deutschen Reiches, ja. die Lage der gesamten Weltpolitik ist a u st e r o r de n t I i ch ernst. Es lie- Sm Gefahren, schwere Konflikte, Drohungen und rschütterungen vor uns. welche die Zusammen- safsung aller Widerstandskraft erfordern werden. Zugleich bekannte sich aber der Kanzler z u m Selbst vertrauen und zum Vertrauen aufdas deutsche Volk. Dieser Stolz auf die deutsche Ration war gleichsam das tragende Element dieser Kundgebung an die Welt. Darin liegt aber mehr als nur eine rednerische Haltung. Wir müssen anneh* men. dast damit eine Warnung an das Ausland beabsichtigt war. Welcher Art die vom Kanzler vorgusgesehenen schweren Auseinandersetzungen sind, ist ja-an sich kein Geheimnis.' Das Stichwort nennt sich Gleichberechtigung. Dazu tritt die Einstellung der Reparationszahlungen, und schliestlich der Kampf gegen die Wirtschastskrifis und die Arbeitslosigkeit Mindestens in der Frage der Gleichberechtigung und bei der Einstellung der Tribute stehen bedrohliche Auseinandersetzungen mit den Wortführern Frankreichs bevor. Das französische Echo auf die erste Kanzlerrede nahm sich wie ein Wetterleuchten am Horizont aus.
Auch der wirtschaftspolitische, ja sogar der innenpolitische Teil der Kanzlerrede erweist sich bei näherer Betrachtung als durch austenpolitische Gesichtspunkte bestimmt. Der Kanzler warb um Vertrauen, und er warnte vor innerpolitischen Krisen in einem Augenblick schwerwiegender austenpolitischer Entscheidungen. Wenn er im Schlußsatz seiner Rede sagte, dost man gerade hundert Meter vor dem Ziel nicht die Ruhe verlieren dürfe, so enthält dieser Satz die Quintessenz seiner politi- scheu Haltung. Es ist sehr viel mehr im Werden, als wir dos bisher gewohnt waren. Zur Zeit gilt es. das groste Ringen um die weltpolitische Einschaltung des Deutschen Reiches und des deutschen Volkes. Gerade darum bemühte sich Brüning. die vielfältigen Meinungsverfchiedenheiten unter den politischen Gruppen aus einen Renner zu bringen; Kontroversen über ungeklärte Probleme erscheinen ihm verhängnisvoll, wenn das Ganze auf dem Spiel steht. Dabei muh hervorgehoben werden, dast cs immerhin ein Fortschritt ist. wenn ein deutscher Staatsmann davon sprechen kann, dast sein Wort im Rote der Völker gehört wird. Diese Feststellung geschah ohne jede Ruhmredigkeit und war deshalb um so wirksamer.
Unbeschadet der Kritik im einzelnen, welche nach, folgende Redner an der Kundgebung des Kanzlers üben, ist es zweifellos ein Gebot des Augenblickes, den verantwortlichen Leiter der deutschen Politik auf der ganzen Linie zu unterstützen. Dabei braucht nicht verkannt zu werden, dast politische Rückendeckung und Unterstützung keineswegs immer in der Form von restlosem Beifall erfolgen können. Aber es gibt gewisse Dinge, die vermieden werden müssen. Es gilt, Haltung zu zeigen. Gerade weil wir heute gleichsam mit dem Rücken gegen die Mauer stehen, während mir unsere Zukunft als Ration verteidigen, müssen wir eine Rede wie die des Kanzlecs rückhaltlos begrüßen. Ls ist niemals
eine einfache Aufgabe gewesen, im Romen des deut, fchen Volkes zu jpreck)<n. Freuen wir uns, dast dies- mol all dos und mit männlicher Würde ausgesprochen worden ist, was in diesem Augenblick von einem deutschen Staatsmann gesagt werden durfte.
Sitzungsbericht.
B e r 11 n. 11. Mai. (VDZ ) Im Reichstag wurde die politische Aussprache fortgesetzt.
Abg. Or. Hugo (ODP):
Wir begrüßen die klaren Ausführungen, die der Reichskanzler am letzten Sonntag vor der Presse gemocht hot. Wir freuen uns über dos ehrliche Rein, dos er in der Tributfrage gesprochen hat Untere Wirtschaft«- und Steuerpolitik hot der Wirtschaft das Kapital entzogen, dos sie zu ihrem Betriebe braucht. Wir haben tatsächlich in großem Umfange foxialificrt mit dem Erfolge, dast wir jetzt 6 Millionen Arbeitslose haben. Die Vorwürfe gegen die Wirtschaftsführer. die auch der Rationalsozialist Straßer ebenso wie die Sozialdemokraten und Kommunisten vorgebracht haben, sind ganz unberechtigt. Die Kapitalfehlleitungen find nur infolge der Weltwirtschaftskrise zu FehUeitungen geworden. Sie find auch nicht nur in der Privatwirtschaft zu verzeichnen, sondern ebenso in den Konsumvereinen und anderen genossenschaftlichen Unternehmungen. Das Programm des Abg. Straßer leidet an derselben Uebersch ä h u n g der Staatsallmacht wie dies bei den übrigen Sozialisten zutrisst Es leidet auch an der Illusion. als könnte auf dem dürftigen Boden Deutschlands eine Autarkie durch- gesetzt werden. D.e deutschen Arbeitskräfte können nicht ernährt werden, wenn wir aus die Verbindung mit der Weltwirtschaft ' verzichten. Mit Straßers Programm kann man wohl Arbeit schaffen, aber nie lohnende Arbeit, die zur Ernährung der Arbeitenden erforderlich ist Straßer verläßt sich in dieser Beziehung nur auf den Staat. Das gilt auch für die national*
I sozialistische Forderung der Zinssenkung l Solange das Kapital nicht mehr arbeiten kann, werden Sie von den hohen Zinsen nicht herunter- kommen. Der in Straßers Programm angebcutctc Versuch, auf geheimnisvolle Weise zusätzliches Geld zu schaffen, würde zur Inflation führen müssen Wir hoffen, daß die national- sozialistische Aufforderung an das Zentrum, zur Regierung heranqelafsen zu werden, Erfolg hat Es ist zu wünschen, dast die Rationalsozialiften, die bisher nur von ihrer Illusionsagitation gelebt haben, auch einmal die Verantwortung tragen müssen.
Abg. Or. Heuß (Stp):
Der Aba. Goering hat in seinen Ausführungen über die Abrüstungskonferenz gar nicht erkannt, w i c vorteilhaft es für uns war, daß vom Vertreter eines Staates, der f c l b ft das Versailler Diktat mitgeschaffen bat. die Revisionsbedürftigkeit dieses Versailler Diktates in Lausanne betont wurde. Das Strasserschc Wirt- schaftsprogromm der Rationalsozialisten steht auf dem Boden der Autarkie. Wer für Autarkie eintritt, ist bereit, in Deutschland den Hunger zu organisieren, die besten Deutschen zur Auswanderung zu nötigen und auf den besten Rohstoff zu verzichten, den Deutschland hat. auf das Hirn und die Ausbildung der deutschen Menschen, auf die Erfindungskraft seiner In- gemeure, die Zuverlässigkeit feiner Arbeitsleistungen. auf die deutsche Qualitätsarbeit. Das neue Denken, das Qfbg. Strasser als den Inhalt seines Programms bezeichnete, ist eine Kombination von deutscher Romantik mit utopischem Frühsozialismus und Anleihen beim klassischen Lide- ralismus. Strassers kredit- und währungspolitischen Ausführungen liegen Pläne auf S fung zusätzlichen Geldes zugrunde, die schliestlich auf eine neue Inflation hinaus- laufcn. Die Ausstattung des Dritten Reiches ist fusammengestellt aus einem Ausverkauf neu- adierter alter Ladenhüter aus dem wilhelminischen Zeitalter.
Der Kanzler spricht:
Ich will hier nur sprechen über Rcparations- und Abrüstungsfragen und werde alle weiteren Fragen in den morgigen Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses erörtern. Im Gegensatz zu dem schleppenden Verlauf der fünfjährigen Vor- fonferen^en läßt sich feststcllen, dast auf der Ab- rüstungslonfcrenz in Gens der Wille zur wirklichen Abrüstung viel stärker zur Geltung kommt. CBei der Aussprache mit den Staatsmännern hat sich auch gezeigt, dast bei den Grohmächten eine starke Annäherung an den deutschen S t a n d p un k t zu verzeichnen ist. Es gibt allerdings bei anderen Rationen Auffassungen. die noch zu ernsten und schweren Auseinandersetzungen führen werden. Wir können ihnen mit Ruhe entgegenfehen im Vertrauen auf die Gerechtigkeit unserer Sache. (Deisall.) A b - rüftung, Reparationen und Welt- krise können nicht voneinander getrennt werden und sind so wichtig, daß von ihnen aller Voraussicht nach das Schicksal der Welt für lange Zeit bestimmt werden wird.
Es ist falsch, wenn man es so darstellt, als ob in Europa e r st jetzt mit der Durchführung der Abrüstung begonnen würde. Begonnen hat man damit — und zwar in beispiellos drastischen Formen — vor zwölf Jahren, als man Deutschland und seine ehemaligen Verbündeten zwecks Einleitung der allgemeinen Abrüstung zur E n twafsnung zwang- Rur ist man bet diesem Anfang stehengeblieben, ohne daraus die unbedingt notwendigen fclbft- ,verständlichen Folgerungen zu ziehen. (Er- neute Zustimmung.) Aus diesem fast vollständigen Einschlafen des Abrüstungswillens. nach dem ersten Anlauf, ist die ungeheure Disparität der Rüstungen entstanden. die zu einer steigenden Spannung der politischen Atmosphäre in der ganzen Welt führt. (Lebhafte Zustimmung.) Europa ist heute trotz der Entwaffnung Deutschlands und seiner ehemaligen Verbündeten der be st gerüstete Kontinent, der im Verhältnis zur Vorkriegszeit nicht nur keine Rüstungsminderung, sondern im Gegenteil -eine Erhöhung der Schlagkraft und Kriegsbereitschaft der Heere vorgenommen und seine Rüstungsausgaben fortdauernd gesteigert hat.
Dieter Zustand kann nicht länger dauern. Was wir wollen, ist die allgemeine Abrüstung und Wiederher st elluna einer Gleichberechtigung. Diese beiden Ziele find Io eng miteinander verbunden, daß sie ein einziges Ziel darsteUen: Deutschlands Gleichberechtigung durch allgemeine Abrüstung. Die Völker untereinander haben Vertrauen, hoffentlich werden die Regierungen in ihrer amtlichen Politik endlich die Drücken betreten, die von Volk zu Volk bereits heute vielfach geschlagen sind. Darüber muß man sich klar fein, daß ein Scheitern der Konferenz
von den weittragendsten politischen Folgen auch auf anderen politischen Gebieten sein müßte und sich unmittelbar auch auf d i e Wirtschaftslage in verhängnisvoller Weise auswirken würde.
Man muh jetzt zu Entscheidungen kommen. Ein britischer Staatsmann, einer der Väter des Versailler Vertrages, hat gesagt, daß es vor zehn Jahren n o ch ; u früh für den gesunden Menschenverstand war, sich durchzusetzen, daß er sich aber frage, ob es jetzt dazu nicht schon zu spät ist. Wie longo "wollen die Regierungen ihre Entschlüsse hinausschieben, wenn die Warnungen, daß es zu spät werden könnte, nicht zur Wirklichkeit werden sollen? Line völlige Streichung der politischen Schulden ist die wichtigste Voraussetzung für die Rettung aus der jetzigen Rot und für einen neuen Aufstieg. Die Trennung zwischen Schuldner- und Gläubigerländern muh aus der internationalen Politik verschwinden; erst dann ist der Weg für die Zusammenarbeit zwischen den Völkern frei, und wenn alle politischen Schulden gestrichen sind, wird jedes Land reicher fein als vorher.
(Zustimmung) Freilich ist das noch nicht der Standpunkt aller beteiligten Regierungen. Sie geben zum Teil zwar zu. daß Reparationen nicht gezahlt werden können, hoffen aber doch, daß Deutschland nach einigen Jahren die Z-a Ölungen wieder aufnimmt oder min- deftcns. daß cs eine Restzahlung, eine Abschlagszahlung leistet. Wer das erwartet, be- denlk nicht, daß Voraussetzungen, von denen künftige,Zahlungen abhängen würden, in Wahrheit gar nicht vorstellbar sind. Roch vor wenigen Tagen hat ein amerikanischer Politiker cs klar ausgefpro-chen: Es ist unmöglich, die Schuld in Gold zu bezahlen, solange 70 Prozent des Goldvorrats im Besitze Frankreichs und der Bereinigten Staaten sind. Ebenso deutlich spricht die 51 m to ä lzung in den Handelsbilanzen. Während die deutsche Handelsbilanz bisher stets pafsiv war. ist in den letzten beiden Jahren eine enorme Aktivierung der deutschen Handelsbilanz erzwungen worden Umgekehrt ist in Frankreich eine passive Handelsbilanz von 2 Milliarden an Stelle der früheren aktiven getreten. In den Vereinigten Staaten ifi heute nur eine ganz geringe Aktivität vorhanden. Welche ßänber werden aber bereit sein, die deutschen Ausfuhrgüter in dem notwendigen Ausmatz aufzunehmen, oder uns Anleihen zu gewähren? lleberall lehe ich nur das Gegenteil einer solchen Bereitwilligkeit. Eine wesentliche Folge der bisherigen Entwicklung ist die Erschütterung,
des Kredites. Diele Absperrung richtet sich in erster Linie immer wieder gegen Deutschland Ich stehe nicht an. cinzugestehen. daß Deutschland selbst eine Regelung des Devisen- vcrkehrs eingeführt hat Das ist aber nicht zur Regelung der Handelsbeziehungen geschehen, sondern aus Drängen unterer Gläubiger. Im wohlverstandenen eigenen Interesse sollten die fremden Länder sich mit uns solidarisch füh- kcn. wenn wir alles versuchen, um die deutsche Währung aufrechtzuerhalten.
Daß die Krise in den nächsten Wochen und Monaten auf der ganzen Welt so ungeheuer rapide Fortschritte mache» wird, daß ein Warten auch nur um Wochen und Monate die Welt in eine Cage bringt, aus der dann vielleicht kein Ausweg mehr zu finden ist. (Lärm bei den Kommunisten ) Dieses Wort wird für die Staatsmänner, mit denen ich in den letzten zwei Jahren gesprochen habe, nichts Rcues fein. Die Hoffnungen einzelner Länder, sich aus den Konsequenzen einer so ungeheueren Krise wenigstens noch eine zeitlang fernhalten zu können, länger als es anderen möglich ist, sind langsam im Schwinden. Keine Wirtschaftsform wird von diesen Konsequenzen verschont fein.
Es kommt darauf an, ohne ilcbcrtreibung in den nächsten Wochen jedem Bürger in jedem Staate die Gefahr einzuhämmern, vor der die Welt steht Ein Volk wie das deutsche muh in der entscheidenden Auseinandersetzung das Höchstmaß an Intelligenz und Organisationsfähigkeit aufbringen, um den Kampf am sichersten und längsten aushalten zu können. Wenn das deutsche Volk die Rerven behält, wenn dos Letzte daran gesetzt wird zur Zusammenfastung der dem Volke zur Verfügung stehenden Kräfte, jst das deutsche Volk ganz bestimmt nicht dasjenige, das unter den ersten oder den nächsten fein würde, das infolge der allgemeinen Krise zusammenbrechen würde.
Wenn von den Rationalsozialiften hier ausgeführt wurde, daß die Reichsregierung mit Ihren Maßnahmen zögere, so möchte ich demgegenüber feststellen: Wievcele Wirtschastssührer und andere Sachverständige habe ich in den vergangenen zwei Jahren gehprt. wie haben die Auffassungen gewechselt
Ich bin mit meinen Mitarbeitern zugänglich gegenüber jeder Art von Kritik, auch wenn sie noch so scharf ist. Rur eins kann ich nicht zu- Iaffen: Eine Kritik, die keine Rücksicht nimmt auf die Erhaltung der Kraft deS deutschen Volkes und auf die außenpolitische Situation (Abg. Dr Goebbels: .Zerstören Sie nicht die Kraft durch die Auflösung der SA.?) Sagen Sic mir, was ich in den letzten zwei Jahren getan höbe, um die Widerstandskraft des deutschen Dolles zu schwächen. Ich habe im Lande von Anfang erklärt, ich kann nichts verspreche n: ich fasse e« als meine Ausgabe auf, dem deutschen Volke die Wahrheit zu sagen. Diesen Weg werde ich unentwegt weitergehen. Denn die schwersten Hemmungen, die für Deutschland allein existierten. auf dem unbedingt notwendigen Wege, sie find überwunden, ohne daß es zu einem Zusammenbruch wirtschaftlicher oder seelischer Art gekommen ist. Auch als Außenminister bin ich verpflichtet (zu den Rationalfozialisten) eine Warnung und eine Ditte auszufprechcn Seien Sic in Ihren Unterhaltungen mit ausländischen Politikern ctwasvorsichtiger! (Dieser mit erhobener Stimme ausgefvrochene Satz wird von der Mehrheit mit lauten Hört-Höri- Rufen begleitet Abg. Torgier (Korn.) ruft: .Sprechen Sie sich deutlich aus!" Heiterkeit. Zuruf bei den Rationalsozialisten Sagen öic dos Herrn Brcitscheid und Hilferding!) Es ist nicht wünschenswert, daß das Ausland etwa auf Grund aller möglichen privaten Schwatzereien hoffen könnte, daß eine nach mir kommende Regierung kompromißfreundlichcr fein würde (Hcrt-hört-Rufe bei den Rationalfozialisten Abg Berndt (Dnl.>: Solche Methoden kennt man!)
: Zu den Aeußerungen des Abg. Strasser über die Arbeitsbeschaffung erklärte der Kanzler In dem Punkt der Finanzierung scheiden sich die Geister. Ich lehne es unter allen Umständen bis zum äußersten ab. aus innen- und außenpolitischen Gründen, irgend etwas zu tun. was vorübergehend eine kleine Erleichterung bringen könnte, die Klärung aber in ernste Gefahr bringen könnte. Die hier gemachten Vorschläge würden eine gewisse Ge - fährdungderMarkzur Folge haben. (Abg. Strasser (Rat.-So^,> Dann mühte durch Ihre Kreditpolitik die Mark in den letzten Wochen und Monaten schon längst inflationiert sein.)
Wir müssen Wege wählen, die ganz fiar finö, wir muffen alles (un, um zu verhinderck, oder auch nur den Glauben wach zu rufen, daß wir gewissermaßen durch ein Hintertürchen doch eine Inflation herbeisühren wollen. Wir haben Ligsschläge zur Arbeitsbeschaffung, die jederzeit in Angriff ge-


