Wirtschaft
Die Zinssenkung
Reichsbankdlskont
7
v. fj. Lombardzinsfutz
8 o. h.
Nachdruck verboten.
14. gortleßung.
Der biegsame Charakter der Zinsvereinbarungen kommt ferner darin zum Ausdruck, daß die Spanne zwischen Soll- und Habenzinsen dreifach variiert werden kann, und zwar einmal örtlich, zum anderen nach der Art der Kredite und zum dritten nach der Art der Kreditinstitute.
Oie Beschlüsse
des zentralen Kreditausschuffes.
Der zentrale Kreditausschuh hat in seiner Sitzung am 9. Januar 1932 denAormalzins- s a tz gemäß § 1 des Abkommens über die Festsetzung von Höchstzinssätzen für hereingenommene Gelder auf 4 Prozent für das Jahr und den Aormalsah für die Kreditprovision gemäh § 7 des Abkommens über die Berechnung der Zins- und Provisionssätze bei der Weitergabe von Geldern an Dritte auf Vs Prozent für den Monat festgesetzt.
Briefkasten der Redaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)
1877. I. Aach der 4. Aotverordnung vom 8. Dezember 1931 beträgt der Zinssatz von Hypotheken, wenn er bisher 8 v. H. oder weniger betrug, aber mehr a>ls 6 v. H., künftig 6 v. H. Wenn er mehr als 8 v. H. betrug wieder im Verhältnis 8 zu 6 herabgesetzt. Forderungen und Grundschulden kann der Gläubiger nicht vor dem 1. Dezember 1933 kündigen. Die Ihnen jetzt erst zugegangene Kündigung ist hinfällig. Ist die Kündigung aber für eine bestimmte Frist ausgeschlossen, so verlängert sich diese Frist um zwei Jahre. Don einer Ratenzahlung ist nicht die Aede. — II. Sie können auf Aufhebung des Mietverhältnisses klagen. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle des Amtsgerichts, oder nehmen Sie einen Rechtsanwalt an. Für Ihre Forderung aus dem Mietverhältnis haben Sie nach § 559 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ein gesetzliches Pfandrecht an den eingebrachten Sachen des Mieters. Sie dürfen die Entfernung solcher Sachen auch ohne Anrufen des Gerichts verhindern und, wenn der Mieter auszieht, in Ihren Besitz nehmen.
innerpolitischen Lage durch die Haltung der Rechtsparteienführer in der Frage der Reichspräsidentenwahl und die schwächere Tendenz der Reuyorker Börse führten zu Abgaben, so daß zum Teil prägnante Abschwächungen festzustellen waren. Auch die Rede Brünings über die Reparationsfrage hat im Ausland Berstim- mung hervorgerufen, und man erwartet daher auf der bevorstehenden Lausanner Konferenz schwierige Verhandlungen. Größere Kursrückgänge stellten sich am Elektromarkt ein, wo AEG., Siemens, Schuckert und andere bis zu 3 Prozent niedriger lagen. 2G.-Farben büßten etwa 2,5 Prozent ein, während Reichsbank 3,5 Prozent schwächer tendierten. An den übrigen Märkten betrugen die Rückgänge etwa 1,5 bis 2 Prozent.
Am Rentenmarkt ergaben sich auf fast allen Gebieten halb- bis einprozentige Abschwächungen. Rur für einige Industrie-Obligationen erhielt sich etwas Interesse bei unveränderten Kursen.
Tagesgeld war mit 5,5 Prozent leicht.
Oie gestrigen Oevisenmärkie.
Berlin, 11. Jan. (WTD.) An den internationalen Devisenmärkten habeil sich das englische Pfund und die Reichsmark
gegen Samstag abgeschwächt. Das Pfund, das mit 3,40 am Samstag gegen den Dollar geschlossen hatte, eröffnete heute mit 3,3975, ging aber im Laufe des Vormittags auf 3,3750 zurück, gegen den Gulden schwächte es sich auf 8,42, gegen Paris auf 86, gegen Zürich auf 17,33 und gegen die Reichsmark auf 14,34 (Samstag 14,3350) ab. Der Dollar war knapp gehalten. Die Reichsmark ging in Amsterdam auf 58,8875, in Zürich auf 121,30 und in Paris auf 603 zurück. Die Rorddevisen tendierten gleichfalls etwas schwächer, auch der französische Frank war leichter.
Am Aachmittag war das Geschäft ziemlich bedeutend, doch ergaben sich keine größeren Veränderungen, mit Ausnahme der Reichsmark und des Dollars, die beide schwächer tendierten, während das englische Pfund eine leichte Erholung au verzeichnen hatte. Gegen den Dollar stellte sich das Pfund auf 3,3825, gegen den Gulden auf 8,43, gegen Paris auf 86,31, gegen Zürich auf 17,35 und gegen die Reichsmark auf 14,35. Der Dollar ging in Amsterdam auf 249,22 zurück, die Reichsmark schwächte sich in Amsterdam auf 58,6950 (Samstag-Schluß 59,1750) ab, in Zürich auf 120,65 (Samstag-Schluß 121,85) und in Aeuhork aus 23,60 bis 23,65 (Samstag- Schluß 23,7150). Die Rord-Devisen lagen ebenfalls schwächer, auch Japan tendierte leichter, dagegen konnte sich der Franken gut behaupten.
„Aber wenn ich sie Wiedersehen darf, was werde ich ihr sagen, wie soll ich ihr erklären — hilf du mir, Bruder! Glaube mir, ich habe ehrlich gerungen,_ mich aus den Fesseln dieser Zauberin hier zu lösen — es gelang mir, solange sie fern bon mir weilte. Aber sowie sie wieder hierher ^u.r“^am- i?ar es wie ein magischer Zauber, der mich Überwältigte. Ich sah sie nur einmal zufällig in Den Straßen der Stadt -- und mit meinem Widerstand war es vorbei. Du kennst sie nicht!"
„Ich werde sie kennenlernen“, sagte Graf Friedrich mit einem tiefen Aufatmen, „denn ich werde sie zwingen, dich freizugeben. Geh jetzt, der Wagen wartet auf dich, und vertraue auf mich. Ich werde" — und hier hob ein tiefer, schmerzlicher Seufzer Friedrichs Brust —, „wenn es nötig ist, bei Birgit für dich sprechen."
Hans Egon drückte dem Bruder heiß die Hand und ging mit gesenktem Kopf, ohne sich umzu- schauen, wie auf der Flucht vor sich selbst, schnell aus dem Zimmer und aus dem Hause.
Kaum waren seine Schritte verklungen, da öffnete sich wiederum die Tür.
Lu dern Türrahmen stand mit ihrem verlockendsten Lächeln Dolores.
„Oh sagte sie in liebenswürdigem Bedauern, „so allein, Herr Graf?"
Sie trat geschmeidig näher.
„CIBd ist Ihr Bruder? Hat er es verabsäumt ^unseren kleinen Kreis zu führen? Aber vielleicht darf ich Sie bitten? Der Diener wird Ihnen sogleich behilflich fein, abzulegen"
Sie machte Miene, auf den Klingelknopf zu Drusen.
®raf Friedrich Rauenstein betrachtete die schöne Frauengestalt mit finsterer Abweisung:
„Ich bedaure, gnädige Frau, Ihre Aufforderung abrehnen zu müssen und unhöflich zu erscheinen: aber — und hier wurde seine Stimme schneidend — mit gesellschaftlichen Formen kommen wir beide nicht weiter. Der Grund meines Kommens ist nur der, meinen Bruder an seine
Hu mahnen, die er gegenüber seiner Frau, seinen Angehörigen und seinem eigenen Aamen zu erfüllen hat."
Dolores sah ihn mit einem böse schillernden •vliu an.
„Meinen Sie damit vielleicht, Herr Graf Rauen- steln, daß Ihr Bruder seine Pflicht berichte, wenn er Gast war im Haufe einer bekannten Künstlerin von meinem Rufe?"
Frankfurt schwächer.
Frankfurt a.M., 11. Ian. Der Frankfurter Effektenfreiverkehr begann die neue Woche in schwächerer Tendenz, nachdem bereits am Samstag auf Realisationen kleine Abschwächungen zu verzeichnen waren. Die Spekulation bekundete stärkere Zurückhaltung, so daß das ®e- schaft sowohl am Aktien-, als auch am Renten« markt nur sehr gering war. Die Zuspitzung der
Oer Grundgedanke und Inhalt der Zinsvereinbarungen.
Rach einer Erklärung des Reichskornmissars für das Dankgewerbe haben sich die beteiligten Stellen bei der Festsetzung der Zinsvereinbarungen von dem Gedanken leiten lassen, die Regelung mit einer gewissen Biegs amkeit auszustatten. In den Durchführungsbestimmungen zur Zins- senkung auf dem Geldmarkt wird festgestellt, daß 6er_ Bankkommissar seine Zustimmung jederzeit zurückziehen kann. Einer Majorisierung wird dadurch vorgebeugt, daß die Beschlüsse im zentralen Kreditausschuß einstimmig gefaßt werden müssen, anderenfalls entscheidet der Bankkommissar. Hypothekengeschäfte, Zinsenvereine, sowie Dau- und Werkssparkassen sind nach den Durchführungsbestimmungen gleichfalls an die vorgeschriebenen Zinssätze gebunden. Die ganze Zinsregelung bezieht sich auf den Verkehr mit der Richtbankierkundschaft: der Verkehr zwischen Danken untereinander ist ausdrücklich frei- gelassen. Bei den S o l l z i n s e n ist die Feststellung eines einheitlichen Rormalsahes aus dem Grunde unterblieben, weil ein derartiger Satz voraussichtlich bald den Charakter eines Mindest- satzes angenommen und auf diese Weise verteuernd gewirkt haben würde, während der Zweck der Zinsvereinbarungen gerade in einer Zinsverbilligung bestehe. Bei Kapitalgesellschaften richtet sich der Voraus nach der Bilanzsumme. Er beträgt bei einer Bilan-'imme von nicht über 15 Mill. Mk. 0,5 v. H., bei :r solchen von nicht über 30 Mill. Mk. 0,25 v. für den normalen Geldverkehr und 0,5 V.H. für den Grohgeldver- kehr, bei einer Bilanzsumme bis zu 50 Mill. Mk. 0,5 v. H., und zwar nur für den Großverkehr. Privatbanken erhalten grundsätzlich ein Voraus von 0,5 v. H. Reu ist die Vorschrift, daß als täglich fällige Gelder auch solche anzusehen sind, für die eine feste Laufzeit von weniger als einem Monat (bisher 7 Tage) vereinbart worden ist. Eine Dereitschaftsprovifion darf in Zukunft nicht erhoben werden. Die Verknüpfung der Sollzinsen mit dem Reichsbankdiskont wird dadurch eingeschränkt, daß sich der Zinssatz im allgemeinen an den Reichsbankdis kontsah anlehnen soll.
„Hätte mein Bruder nur dem Ruhm Ihrer Künstlerschaft gehuldigt, gnädige Frau, ich wäre der letzte, der ihn darum tadeln würde: aber — muß ich wirklich deutlicher werden?"
Er sah Dolores von oben bis unten an.
„Kann ich mich nicht lieber entfernen in der Gewißheit, daß Sie von heute an meinem Bruder 3hre Tür verschließen werden?"
Dolores war einen Augenblick bleich geworden: ihre Stimme hatte jetzt den weichen, betörenden Klang verloren und eine stählerne Schärfe angenommen;
„llnb warum sollte ich Ihrem Bruder mein Haus verschließen? Ich war es nicht, die ihn je gerufen hätte. Er bestürmte mich, er umwarb mich und behauptete, ohne mich nicht leben zu können. Ich habe" — ein höhnisches Lächeln entstellte ihre schönen Züge — „Mitleid gehabt mit ihm, der sich zu Hause langweilt mit einer Frau, die —“
Graf Friedrich trat drohend auf Dolores zu: »Ich verbiete Ihnen, in diesem Hause den Ramen einer Frau auszusprechen, deren Reinheit zu hoch ist, als daß sie von Ihnen gewürdigt werden könnte.
Im übrigen wird es Ihres Versprechens nicht mehr bedürfen. Mein Bruder wird jetzt erkannt haben, wohin er gehört. Es mußte wohl nur eine tiefe Erschütterung seines Gemüts kommen, um wn aus dem Irrtum zu lösen. Er selbst, gnädige Srau, wird es fein, der'dieses Haus nicht mehr zu betreten wünscht."
Er machte eine kurze Verbeugung und ging hinaus, ohne die schone Tänzerin noch eines Blickes zu würdigen.
Dolores sah ihm mit wutverzerrtem Gesicht nach: ihre Hände ballten sich. Höhnisch dachte sie in ihrer Eitelkeit aufs tiefste getroffen:
»Mein Haus nicht mehr betreten? Das werden wir sehen, Herr Graf Rauenstein!"
*
Die Glocke von St. Marien hatte acht Mr geschlagen. Aus den morgendlichen Straßen lag der warme Glanz der Juvisonne.
<5rauen mit Milchkannen, flachsblonde Kinder an der Hand, gingen eilig über den Markt, auf Dem die Händlerfrauen schon die bunten Schirme über i^re QBagen ausspannten. Kleine, verspätete Verkäuferinnen hasteten durch die schmalen Stra- ßen zu ihren Arbeitsstätten. Auf dem Schulhof der Jurgens-Schule ertönte lautes und fröhliches Sa H’- u?0 ^nc Männerstimme mahnte die fröhliche Kinderschar zur Ruhe.
Weiße Tauben flogen gurrend über den alten Xtrdjturm von St. Marien und strahlten wie ausgebreitete weiße Fächer in der blauen Lust.
Prokurist Claassen eilte mit raschen Schritten das Geschäftsviertel hinunter in die Hafen-
Ich hab dir verzieh«!
Roman von Clotilde von Gtegmann«Stein.
Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.
Berlin festere Tendenz.
Berlin, 12. Jan. (WTB. Funkspruch.) Der relativ feste Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse konnte nicht verhindern, daß im heutigen Frelver- kehr überwiegend Abgabeneigung bestand, obwohl eigentlich bei der Kundschaft als Folge des leichten Geldmarktes noch Anlagebedürfnis bestehen sollte. Auf Grund der innerpolitischen Schwie- riykeiten und infolge der ungeklärten außenpolitischen Situation zeigte die Spekulation stärkere Zurückhaltung, und die Stimmung war eher schwächer. Das Geschäft blieb an und für }id) sehr klein. Anfangs wurden 1 bis 2 v. $). schwächere Kurse überhaupt nur gesprochen, und als dann später einige Umsätze zustande kamen, geschah dies auf etwas über diesen Kursen liegender Basis. Der französischen Gegenmaßnahme, den BJZ.-Kredit an Deutschland nur auf einen Monat zu verlängern, wurde keine übermäßige Bedeutung beigelegt, da man in diesem Vorgehen Frankreichs eben nur eine Antwort auf die Erklärung Brünings sah. Im übrigen werden die Vorbereitungen für Lausanne fortgesetzt, und auch das Stillhalteabkommen soll noch in dieser Woche zum Abschluß gebracht werden. Die Zinskonvention ist unterschrieben und tritt bekanntlich heute in Kraft, doch sind Auswirkungen auf dem Geldmarkt bisher noch nicht zu erkennen.
Rein kursmäßig war die Tendenz fetter, d. h. schon gestern abend hatte man niedrigere Kurse genannt, die heute schon nicht mehr nennenswert unter- schritten wurden. Gegen gestern mittag betrugen die Verluste durchschnittlich 1 v. Sy Angriffe gegen die Norddeutsche Lloyd-Verwaltung haben am Schiffahrtsmarkt keinen stärkeren Eindruck hinterlassen. Auch Montanpapiere und Bankaktien, Dessauer Gas und einige Spezialnebenwerte waren relativ gut gehalten. Der Elektromarkt lag ruhig, Kunstseidenwerte leicht abgeschwächt.
Auch der Anlagemarkt neigte weiter eher etwas zur Schwäche. Goldpfandbriefe hatten geringes Geschäft und gingen etwa 0,5 v. H. unter gestern um. Reichsbahnvorzugsaktien büßten etwa 1 v. ch. ein, während Farbenbonds sich gut behaupten konnten. Am Anleihemarkt blieben die gestrigen Kurse gut behauptet.
Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M
straße. Er hatte sich schon ein wenig verspätet, weil er noch in der Dtuckerei vorgesprochen hatte, um einige Bestellungen aufzugeben. Der frische -Seewind, der vom Hafen heraufwehte, ließ die bunten Markisen vor den Geschäften fröhlich knattern, ein paar Dampfer stießen laute Pfiffe aus, und der erste Sprengwagen übersprühte den grauen Fahrdamm.
Dies ist ein Frühling!, dachte Prokurist Claassen. Er blieb einen Augenblick vor dem Sibeliusschen Hause stehen, ehe er die Granitstufen hinaufstieg. Er dachte an einen ähnlichen Juni tag, beinah funftig Jahre zurück, als er zum ersten Male klopfenden Herzens in seinem neuen Konfirmandenanzug diese Treppen hinaufgestiegen war.
Damals hatte noch der Vater des jetzigen Konsuls Sibelius gelebt, es war ein ganzes Stück Familiengeschichte, mit dem er, Claassen, verknüpft war. Auf und ab war es gegangen im Wandel der Zeiten. Aufstieg und Kriegsnöte und Wiederaufstieg hatte er mitgemacht.
Als er an seine Lehrlingszeit dachte, wurde ihm warm uns Herz, und so fuhr auch kein strafendes Donnerwetter hinein in die lärmende Balgerei, die sich in der Registratur abspielte, die am Eingang der Dureauräurne gelegen war.
Die beiden Lehrlinge, die erst zu Ostern eingetreten waren, der kleine sommersprossige Rotkopf und der lange, schlackige, schwarze Sohn des Schneidermeisters Petje lieferten sich eine vergnügte Schlacht. Sie rollten auf der Erde umher, hatten sich an den Ohren gefaßt und schlugen sich Aktendeckel um die Köpfe. Der dritte Lehrling, der schon seit einem Jahre hier war, hockte auf dem Tisch und spielte den Schiedsrichter.
„Holla! Heda! Gib es ihm tüchtig!" rief er aufmunternd, gerade in dem Augenblick, als Prokurist Claassen die Tür öffnete.
„Ra!, eigentlich sollte ich es euch allen dreien geben!" sagte er wohlgelaunt, mitten in das plötzliche, erschreckte Schweigen und drohte mit seinem Ebenholzstock, den er im vorigen Jahrs vom Chef zu Weihnachten bekommen. Drei feuerrote Gesichter starrten ihn wortlos an.
»2la, laßt nur gut sein, Jungens", sagte Claassen. „Euch ist wohl die Finihlingsluft zu stark in die Köpfe gestiegen?! Aber nun schnell an die Arbeit! Heute gibt es extra viel zu tun! Ihr Säuglinge wißt ja gar nicht, was gestern abend für eine große Post gekommen ist."
Er ging weiter, grüßte die Buchhalter im Rebenzimmer und warf einen Blick in den Kassenraum, in dem unter grünbeschirmten Lampen junge Leute ihre hellbeschienenen Gesichter ernsthaft über große Bücher beugten.
Kaum war er in seinem Zimmer angelangt, als das dreimalige Klingelzeichen des Chefs ertönte.
Claassen zog seinen Rock zurecht, rückte mecha-
11 .Zanvar
12.Januar
Amtliche Dotierung
Amtliche Notierung
(SVlh
Arie-
Geld
Arie»
Heljingsor»
6.014
6,026
6,014
6,026
Wien
49.95
50,05
49,95
50,05
Prag
12.465
12,485
12,465
12,485
Buvaveü
61.94
62,06
60,94
61.06
Sofia
3,057
3.063
3,057
3,063
Holland
168,84
169,18
168,98
169,32
Oslo
77,62
77,78
77,92
78,08
RoDcnbage«.
78,37
78.53
78,72
78,88
Stockholm
79,42
79,58
79,72
79,88
London
14.22
14.26
14,29
14,33
Buenos Aires
1,028
1,032
1,038
1,042
Neuvcri
4,209
4.217
4,209
4,217
Brüssel
58,39
58,51
58,40
58,52
Italien
21,31
21,35
21,26
21,30
Paris . .
16,49
16,53
16,49
16,53
Schweiz
81,92
82,08
81,94
82,10
Spanien
35,66
35,74
35,66
35,74
Danzig
81,87
82.03
81,87
82,03
Japan
1,499
1.501
1,499
1,501
Rio de Ian..
0,249
0,251
0,254
n 256
Jugoslawien.
7,433
7,447
7,433
7,447
Lissabon
12,94
12,96
12,94
12,96
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Dassergeldverrechnung.
Ein Gießener Hausverwalter gißt der Hessischen Verordnung über die Berechnung und Umlegung des Wasser- geldes eine Auslegung, die der Gesetzgeber nicht gewollt hat. Rach dieser Verordnung hat Der Vermieter das Recht, das Wassergeld umzulegen, wenn er 3 Prozent der Friedensmiete nachläßt. Will er diesen Modus nicht anwenden und macht er den Abzug von 3 Prozent der Friedensmiete nicht (berechnet er also die volle gesetzliche Miete von 122 Prozent), so muß er das Wassergeld voll und ganz selbst tragen und hat keine Berechtigung, den über 3 Prozent hinausgehenden Betrag umzulegen. Er kann nur den einen, oder den andern Modus anwenden, nicht aber beide miteinander verquicken. Allerdings kann er sich den für ihn günstigsten Modus aussuchen. Wer also die volle gesetzliche Miete bezahlt und außerdem zif einer Teilzahlung an Wassergeld herangezogen wurde, ohne daß dazu eine vertragliche Verpflichtung vorliegt, hat zu- viel bezahlt. Mieterverei nJ3 ießen.
Aus dem Amtsverkünbigungekblatt.
* Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 vom 8. Januar enthält: Hessische Verordnung zur Durchführung der Mietsenkung. — Falsche Reichsbanknoten. — Straßensperre-Aufhebung. — Aufhebung der Steuerverzugszuschläge und Senkung der Steuerzinsen. — Stundungs- ainfen. — Buchführmigsunterricht an ländlichen Fortbildungsschulen. — Dienstnachrichten.
Letzte Nachrichten.
Sitter schreibt an Hindenburg.
Berlin, 12.Dan. (2BIB. Drahlmeldung.) wir wir erfahren, hat Adolf Hitler seine Antwort auf die Frage wegen der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten in Form einer langen Denkschrift dem Reichspräsidenten direkt, nicht aber der Reichskanzlei übermittelt. Sie enthält eine ausführliche Darlegung der juristischen Beden- ken, die nach nationalsozialistischer Auffassung einer Lösung auf parlamentarischem Wege von der verfassungsrechtlichen Seite her entgegenstehen. Lin glattes Rein enthält die Antwort wohl nicht. Vor allem glaubt man in politischen Kreisen, ihr entnehmen zu dürfen, daß auch die Ralionalsozia- lisken sichkaumeinervolkswahlaufbrei- ter Basis entgegen st eilen würden. Der Reichspräsident hat den Reichskanzler nunmehr gebeten, von weiteren Verhand- lutigen abzusehen. Von welcher Seile her der Faden jetzt weitergesponnen wird, muß man abwarten. 3n politischen Kreisen rechnet man damit, daß es nun zur Volkswahl Hindenburgs auf breiter Basis kommen wird.
Oie Reichstagseinberufung abermals abgelebnt.
Berlin, 12. 3an. (TU. Drahtmeldung.) Der Aelteftenrat des Reichstags hat am Dienstagmittag den Antrag auf sofortige Linberufungdes Reichstags abermals abgelehnt.
Rücktritt des Kabinetts Laval.
Pa r i s, 12. 3an. (TU. Drahtmeldung.) Das französische Kabinett, das heute zusammentrat, hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Laval beschlossen, dem Staatspräsidenten das Rück- lriktsgesuch zu unterbreiten.
nisch an seiner Brille und betrat das Privatkontor des Konsuls Sibelius.
Der Konsul faß an seinem Schreibtisch. Er schien besonders guter Laune zu sein. Freundlich nickte er seinem treuen Mitarbeiter zu und reichte ihm sogar aus der Honoratiorenkiste eine seiner berühmten schweren Holländer Importen. Dann lehnte er sich behaglich in seinen Stuhl zurück und sagte:
„Run, Claassen, wer hat recht behalten? älnsere Anständigkeit hat sich gelohnt. Die Dahamasache entwickelt sich über Erwarten gut. Wir haben also kein Opfer gebracht, als wir damals unser schönes Geld in die etwas riskante Sache steckten. Wir haben sogar schon unseren ersten Gewinn zu verzeichnen. Sie haben doch in den gestrigen Abendzeitungen den Handelsteil gelesen?"
Claassen suchte eifrig in seiner Brieftasche.
«Ich habe mir die Rachrichten sogar ausgeschnitten." Er reichte ihm einen Zeitungsausschnitt hinüber.
Sibelius lächelte.
„Also haben Sie es sogar schwarz auf weiß, mein lieber Claassen. Sie sehen, man muß es mit dem Sprichwort halten: Wohltun trägt Zinsen! — Ich freue mich aber auch für das Haus Lund, das den schweren Schlag vom vergangenen Jahre durch das neue Geschäft wieder ausgleichen konnte. Ich denke, daß uns das Ganze sogar eine gute Verzinsung unserer Einlage bringen wird. Aber nun wollen wir schnell die heutigen Eingänge durchsetzen und die nötigen Dispositionen treffen. Ich möchte heute so zeitig wie möglich, wenn es geht schon zum Mittag auf Tannenaue sein. Sie wissen, unsere Birgit — sie feiert heute ihren Geburtstag."
„Und ob ich es weiß, Herr Konsul. Es ist mir, als wäre es gestern gewesen, daß Sie, Herr Konsul, frühzeitig mit der frohen Rachricht zu uns ins Kontor tarnen, daß der Herrgott Ihnen und der hochseligen Frau Konsul ein Töchterchen beschert hatte. Ich werde den siebenten Juni nie vergessen, obgleich es schon zwanzig Jahre her sind, und ich möchte den Herrn Konsul un- tertänigst bitten“ — er zögerte, wurde verlegen, rückte an seiner Drille und zog 'endlich aus seiner Altenmappe ein mit Seidenpapier verhülltes Päckchen heraus, das er auf den Schreibtisch legte —, »dies hat meine gute Alwine für die gnädige Frau gearbeitet.“
„Danke Ihnen, mein guter Claassen. Was ist es denn? Da bi i ich aber neugierig.“
Der Konsul hob das rosa Seidenpapier ein wenig hoch — auf dem ernsten, dunklen Männerschreibtisch lag ein winziges Kleidchen aus fein, ster, weicher Häkelei, klein und zierlich, wie für eine Puppe.
(Fortsetzung folgt.)


