Nr.y Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Dienstag. 12. Januar 1952
SJl.-tfpOTt
der Verteidigung wie ein Feind arbeitete und auch Henrichs sehr auf dem Posten war. Immerhin bekam Balser stets einige Bälle mehr als sein Gegenüber. Torlos ging es in die Pause. In der zweiten Spielhälfte sah man keine wesentlich veränderte Situation. Tie DfBer ließen zwar nicht nach, zeigten aber auch nichts Besonderes mehr und ließen jetzt zwingende Chancen aus. Mattern stand z. B. einmal völlig frei vor dem Tor und schoß daneben. Tie Gäste buchten in der 20. Minute den ersten Erfolg, in der 35. Minute wurde ein Strafstoß in blendender Manier verwandelt. Ter Ball kam von rechts auf das Tor, ein Stürmer der Fuldaer verlängerte mit dem Kopf und Balser mußte den Ball passieren lassen. Während der restlichen Minuten ereignete sich nichts mehr von Bedeutung. Tie Gäste drängten sehr, ein drittes Tor hing in der Luft, es blieb aber beim 0:2. Die BfBer enttäuschten. Allerdings ist die Niederlage nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß Därenfänger, Dingel und Kreß erseht werden mußten. Ter Beste der Mannschaft war Haupt; Leutheuser war äußerst wuchtig, K'einke überraschend aufopfernd. Balser nicht immer ganz sicher.
Handball im (Hau Hessen (O. T.)
Tg. Friedberg I — Mio. Gießen I 1:3.
Das Spiel der beiden Gruppenmeister endete mit dem erwarteten Ergebnis. Der Mtv. zeigte die ein- hciUichere Spielweise, die ihm besonders in der ersten Halbzeit zu einer Ueberlegenheit verhalf. Das gute Stellungsverm^gcn der Hintermannschaft und Läuferreihe verhinderte die Entfaltung des schnellen Friedberger Sturmes. Die energischen Vorstöße des
DfB.-Gießen.
VfL. (Liga) — Germania Fulda (Liga).
Tas Spiel des Sonntags auf dem DfD.-Plah war ein Beweis dafür, daß sich die Mannschaft der Grün-Weißen zur Zeit ziemlich außer Form befindet und in der Aufstellung, in der sie gestern antrat, gegen keinen Gegner der Liga Chancen Hot. „Germania“ Fulda war gewissermaßen die letzte Chance des Sieges und diese Chance wurde vom Sturm , verschenkt, der gestern aber auch gar nichts schasste und Gelegenheiten ausließ, die unbedingt hätten verwandelt werden müssen. Ter Sturm hat wieder einmal das Spiel verloren. (Die Mannschaft trat in folgender Ausstellung an: Balser, Henrichs, Leutheuser; Knaus, Köhler. Lehrmund; Kleinke, Mattern, Haupt, Wlodarcck, Schmidt.). Tie Germanen waren, wenn auch nicht wesentlich, so doch besser, spielten manchmal auch reichlich unproduktiv, hatlcn einige schwache Stellen in der Mannschaft und waren auch ihrerseits vor dem Tore nicht schlagkräftig und nicht ent- schlossen genug. Immerhin waren sie im Feldspiel stets leicht überlegen und machten dem Gegner das Leben schwer.
Ter Spielverlauf gestaltete sich nicht sehr spannend. Zu Beginn sah man zehn Minuten lang ein ziemlich ausgcg'ichenes Spiel, eine kritische Si.ua- tion vor dem Tor der Gäste wurde aber nicht ausgenützt, da ein Spieler dem eigenen anderen im Wege stand. Allmäh ich arbeiteten die F.'.ldaer eine leichte Ueberlegenheit heraus, dos Spiel wickelte sich eine Zeitlang in der Spielhälfte der Grün-Weißen ab, aber auch die Gäste vermochten nichts zählbares zu erreichen, da Lculheuser in
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Danzig, Januar 1932.
Dieser läge wird die Frage akut, ob die bisherige Form der Wirtschafts. und Zollunion mit Polen für die Freie Stadt weiterhin tragbar erscheint, ober ob eine Wandlung eintreten muß, soll die Danziger Wirtschaft nicht systematisch zugrunde gerichtet werden. Bekanntlich ging man in Versailles von dem Grundsatz aus, daß die Freie Stadt Danzig als „alleiniger Zugang Polens zur See" möglichst eng in wirtschaftlicher Beziehung mit Polen verbunden sein müsse, daß keine trennenden wirtschaftspolitischen Grenzen zwischen beiden Staaten vorhanden fein dürften und fügte daher das Gebiet der Freien Stadt Danzig in das polnische Wirtschaftsgebiet mit ein. Um aber die Danziger Interessen zu wahren, wurde zunächst bestimmt, daß Polen bei allen wirtschafts politisch-n Maßnahmen, die auch Danzig in Mitleidenschaft ziehen, zunächst die Danziger Regierung zu hören habe, daß bie Danziger Wünsche nach Möglichkeit von Polen berücksichtigt werden müßten und daß endlich für den Eigenbedarf der Freien Stadt bestimmte Kontingente von Waren zugelassen werden, die Polen für fein Wirtschaftsgebiet von der Einfuhr ausschließen sollte.
Die Erfahrung der letzten Jahre hat bewiesen, daß diese vorgesehenen Sicherungen nicht aus- reichen, um die Danziger Wirtschaft vor schweren Nachteilen zu schützen. Bekannt ist, daß die Danziger Landwirtschast völlig unrentabel geworden ist infolge des Einstromens auf Zlolybasis erzeugter und daher sehr billiger polnischer landwirt- schastlicher Produkte. Bekannt ist ferner, daß durch die Einrichtung polnischer Ausfuhr- f p n b i f a t e , benen besonders Vorteile zugebilligt worden sind, der Danziger Großhandel von feiner führenden Rolle im polnischen Außenhan- bei systematisch abgedrängt worden ist. Bekannt ist. daß mit allerlei Schikanen, wie Haussuchungen bei polnischen Kaufleuten nach angeblichen Danziger Kontingentswaren, der Handel zwischen Danzig und Polen systematisch erschwert und der Danziger Kauf- Mannschaft das polnische Geschäft möglichst oorent- halten wird. Bekannt ist endlich, baß die gesamte polnische Wirtschaftspolitik darauf eingestellt ist, den eigenen polnischen Hasen Gdingen zu fördern — auf Kosten Danzigs, dessen Umschlag vor allem der gewinnbringende Stückgutoerkehr. um den gleichen Prozentsatz zurückgeht, um den Der Umschlag in Gdingen zunimmt. Rur ber für Danzig keinerlei Gewinn abwerfende K o h l e 'n e x p o r t läßt scheinbar die Umschlagsziffer im Danziger Hafen noch relativ hoch erscheinen.
So ist der Anteil Danzigs am Handel mit Eiern, Butter, Bacons. Zucker, Getreide, Düngei ein w icntlid) zurückgegangen oder ganz vernichtet or- ben. Kolonialwaren gehen in steigendem Maße über Gdingen, vor allem Reis ist fast ganz nach Gdingen abgewandert. Die soeben an Polen gerichteten Roten der Danziger Regierung haben darüber hinaus auf die Gefahr hingewiesen, die aus den beabsichtigten polnischen Staffeltarifen bei der Zollerhebung für Kolonialwaren für den Danziger Kolonialwarenhandel erwachsen würde. Kurz auf allen Gebieten der Wirtschaft ist fcstzustellen, daß Polen Danzig nicht als Zugang Polens zur See voll auszunuken bestrebt ist, fonbern im Gegenteil, alle Danziger Bemühungen. dem polnifchen Außenhandel im beiber- fettigen Interesse zu bienen, systematisch erschwert.
Angesichts biefer Lage hätte man es Danzig nicht übel nehmen können, wenn es offen zum Ausbruck gebracht hatte, baß bie Nachteile ber Zollunion mit
ber Danziger Industrie Absatzmöglichkeiten in Polen ZU sichern und dem ranziger Handel die führende Rolle im polnischen Auslandgeschäft zu erhallen, die ihm dank (einer Tradition, feinen Verbindungen tm Ausland und feiner vielfach bewiesenen Ueberlegen heil über den noch unerfahrenen polnischen Handel zukommt.
Solch eine Korrektur der Fehler ber bisherigen Zollgemeinschast bzw der Auswirkungen der polnischen Wirtschaftspolitik auf Danzig kann auch ohne Ausrichtung von Binnenzollgrenzen zwischen Danzig und Polen erfolgen. Dazu ist nur guter Wille ZU wirtschaftlicher Zusammenarbeit erforderlich, dazu muß man sich aber natürlich erst an den Verhandlungstisch setzen. Leider aber muß sestgestellt werden, daß trotz mehrfacher Danziger Bemühungen, wirt schaftspolitische Verhandlungen mit Polen aufzu nehmen, von polnischer Seite immer wieder mit nichtssagenden Gründen ausgewichen worden ist. Wenn Polen nicht nicht offenkundig dem Vorwurf aussetzen will, daß es kraft seiner Vorrechte aus ber Zollgemeinschaft die Danziger Wirtschaft und damit den Danziger Staat nur in vollkommene Abhängigkeit von Warschau zu bringen bestrebt ist. daß also ein Mißbrauch der Zollunion durch Polen'vor- liegt, dann wirb es sich angesichts bes erneut be- funbeten Danziger Willens zur wirtschaftlichen Verständigung und Zusammenarbeit mit Polen einer Korrektur der bisher geltenden Wirtschaftsverträge zwischen Danzig und Polen nicht mehr widersetzen können. Dann wird es aber auch seine bisherige auf systematische Benachteiligung der Danziger Wirtschaft hinauslausende einseitige Wirtschaftspolitik aufgeben und sich dem Sinn der in Versailles verfügten „Wirtschaftsgemeinschaft" zwischen Danzig und Polen anbequemen müßen.
Bolen die Vorteile für Danzig überwiegen, und daß die Freie Stadt sich daher das im Warschauer Abkommen enthaltene Recht auf spätere Einrichtung wirtschaftlicher Schutzmauern zwischen Danzig und Polen vorbehasten müsse. Wenn die Freie Stadt nach reiflicher lieber- (cgung von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen sich entschlossen hat so kann man darin den stärksten Beweis für den Willen der Danziger Regierung und ber Danziger Wirtschaft auf wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Polen erblicken. Danzig kann (ebenfalls nicht ber Vorwurf gemacht werden, nicht alles versucht zu haben, was zu einer Förderung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Danzig und zu einer Erleichterung des polnischen Handelsverkehrs über Danzig beitragen könnte. Daß Danzig dabei seine politischen Rechte wahren muß und selbstverständlich seineExistenzalsselb- ständiges Staatswesen bzw. als besonders gearteter Wirtschaftsorganismus nicht preisgeben kann, braucht wohl nicht besonders unterstrichen zu werden.
Als Gegenleistung von polnischer Seite muß allerdings erwartet werden, daß man in Warschau dieses unbestreitbare Danziger Entgegenkommen mit der Einsicht beantwortet, daß es so wie bisher mit der Schädigung Danzigs durch polnische wirtschaftspolitische Maßnahmen nicht weitergehen kann. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, die Danziger Landwirtschaft rentabel zu machen, es müssen ebenso Mittel und Wege gefunden werden.
Danzigs VirtschaslSpoMsche Notwehr
Von unserem F. v. ^.-Berichterstatter.
Goethe-Bund.
Vortragsabend Werner Bcumclburg.
Ter dritte Dichterabend des Goethebundes vermittelte die persönliche Bekanntschaft mit Werner Deumelburg, dessen Kr.egs- und Rach- kriegsbücher „Sperrfeuer um Deutschland', „Gruppe Bosernül.er" und .Teutsch'and in Kelten“ in hohen Auflagen weite Verbreitung gefunden haben. Im Herbst vorigen Jahres ist der historische Roman „Ter Kuckuck und die zwölf Apostel" erschienen, der kürzlich im Büchertisch angezrigt wurde. Beumelburg begann seine Vorlesung — etwas überraschend — mit 'Abschnitten aus seinem jüngsten Buch, das die Gestalt des Fürsten Bismarck ins Zentrum der Darstellung rückt und — im betonten Gegensatz zu andern Biömarck- Tüchem — Probleme und Ereignisse seiner Epoche vom Blickpunkt des Rachkriegsbettachters aus an- schaut und sie au unserer Gegenwart in Beziehung zu sehen versucht. Ter vorgelragene Abschnitt handelt vom Jahre 1862; er schildert in historischer Szenerie, vor bekannten Kulissen, den Kamps um die Heeresvorlage. die Kabinettskrise, Bismarcks Berufung zum preußischen Ministerpräsidenten. Er stellt Bismarck neben den K.nig, neben seine alten Freunde, zeigt ihn in diplomatischer Tuchfühlung mit den Liberalen, in entscheidender Par- lamentssihung, vor der oppostl.onellen Front seiner parlamentarischen und publizistischen Gegner; auch die Rolle der Königin Augusta wird gestreift; eine letzte Begegnung mit dem König im Zuge nach Berlin bildet den Abschluß. — Was man hörte, war ein interessant geschriebener historischpolitischer Essay, getragen von der Liebe zur berühmten Gestalt, ein ilrieil über das Buch als Ganzes ist nicht möglich, weil man aus diesen Proben nicht erkennen kann, wieweit Deumelburg die oben angedeutete Lösung seiner Aufgabe gelungen ist: das muh der Lektüre Vorbehalten bleiben.
Mehrfach geäußerten Wünschen Folge leistend, gab Deumelburg (der übrigens, mit sympathischer und tragender Stimme lesend, ein vortrefflicher Interpret seiner Arbeiten ist) Proben aus seinen Kriegsschilderungen, und zwar aus dem Frontsoldatenroman „Gruppe Bosemüller“, der die Schicksale einer deutschen Pioniergruppe vor Verdun zum Thema hat. Rach einem heiteren Auftakt beschreibt der vorgetragene Auszug die groteske Begegnung echter Feldsoldaten in der Stellung mit etlichen unmöglichen Etappenoffizieren, die sich auf unwahrscheinliche Weise nach vorn verirrt haben: eine Episode, die an drastischer Deutlichkeit und grimmigem Humor nichts zu wünschen übrig läßt. Dann geht die Schilderung in den bitteren Ernst der welthistorischen Fabel ein. Das Erlebnis der Front und des Krieges rückt hart in unmittelbare Blicknähe; Bild reiht sich Plastisch und greifbar an Bild: die niedrig kreisenden Flieger einer französischen Staffel im Vor
feld, die mit Maschinengewehren auf einzelne Gruppen Jagd machen; die atemraubende Bergung eines Verwundeten: der Weg nach rückwärts auf überfüllten und verstopften Anmarschstraßen; das in typischen Einzelheiten festgehaltene Bild des Hinterlandes; unterdrückte Bitterkeit in dec Schilderung der verhängnisvollen Kluit zw schen Etappe und Front; zuletzt der Besuch bei einem schwer verwundeten jungen Kameraden im Lazarett: das ist alles aus unmittelbarem, tief eingeprägtem Erlebnis historisch und menschlich echt und überzeugend geschrieben. Kein Zwei el, daß dieser zweite Teil der Vorlesung die stärksten Eindrücke des Abends vermittelte. — Tie zahlreiche Hörerschaft dankte mit ehrlichem Beifall. -y-
Gießener Konzertverein.
Viol nkonzcrt Edith Lorand.
In letzter Zeit hat Wohl kaum eine Geigerin die Oe.fentlichceit so stark auf sich aufmerksam gemacht wie Edith Lor and. In den illustrierten Zeitschriften, auf den Reklameanzeigen der Schallplattengeschäfte, überall trat einem ihr Rame entgegen. Dazu hatten Radiohörer in der vergangenen Woche Gelegenheit, von ihrem Kon- zert mit dem Kammerorchester in Frankfurt C.n- drücke zu gewinnen. Alles das wirkte zusammen, und so konnte die Geigerin für ihr Gießener Konzert ein volles, ja übervolles Haus buchen.
Sicher ist Edith Lorand eine so versierte Dir- tuosin, wie man in rein technischer Hinsicht so leicht keine zweite nennen könnte. Das scheinbar Unmögliche vermag sie glaubhaft zu machen. Raketengleich läßt sie ihr technisches Feuerwerk aufblihen, Doppelgriffe, Oktaven. Flageolettspiel, alles mit einer persönlichen Selbstverständlichkeit als großen Erlebnisakt. Dazu kommt eine ideal gelockerte Bogenführung, jeder Muskel ist gelöst. Daher gelingt ihr ein sprühendes, glitzerndes Stakkatospiel; ihren Ton vermag sie zu fast übergroßem Volumen anwachsen zu lassen. Aber alles das würde auf das Publikum nicht zündend ein- wirken, wenn die Künstlerin nicht mit sehr starker rassebedingter Musikalität erfüllt wäre, der sich ein überschäumendes ausgeprägtes Temperament verbindet- Jeder Rcrv, jede Faser, jede Bewegung, jede Gebärde vom Kopf bis zu den Füßen kündet von starkem, völligem Durchdrungensein und innerem Deteiligtsein.
Müßte nicht nach alledem Edith Lorand eine Königin des Geigenspiels fein? Vielleicht wird sie ihren stammesverwandten Rationalitäten als eine solche erscheinen; der deutschen Musikausfassung könnte sie es vielleicht auch, wenn sie nicht in ihrer selbstbewußten Art das innere Gesetz alles Musizierens, nämlich die Hochachtung vor dem Werk des Schaffenden, seinem Stil, seiner geistigen Haltung, säst völlig außer acht liehe. Sie ist sich ihres Temperaments voll bewußt; aber, anstatt es zu zügeln und dem Willen des Werkes
unterzuordnen, gibt sie sich ausschließlich als Temperamentsmusikerin. Ueberall sieht sie eine Gelegenheit, ihre nationale Eigenheit durchzudrücken. Es liegt in ihrem Spiel etwas Unve- herrschtes, Ungezügeltes, aber auch Unverfälschtes. Raturkräftiges. dem sie bis hart an die Grenze des Erlaubten nachgeht. Die Geige ist ihr nicht das Instrument, dem man Wohllaut entlockt; sie zwingt sie zum Klingen, sie bändigt sie. So wird ihr Ton oft überdimensional, bis zu klanglicher Rauheit. Eine Passage gibt ihr bie Möglichkeit zu affektgeladener Motorik, ohne daß sie dabei dem geistigen Wert und der organischen Berechtigung nachspürt.
Das energische Auftreten Edith Lorands kündet schon äußerlich, daß sie es gewohnt ist, einem größeren Klangkörper vorzustehen. Ihr Ichbewußtsein geht so weit, daß sie ihrem Portner am Klavier (Earl Lothar Mikulicz) eine untergeordnete Stellung zuweist. Nur daraus ist es erklärlich, daß sie während der Zwischenspiele des Klaviers in unbekümmerter Rücksichtslosigkeit ihr Instrument stimmt, ohne dabei zu beachten, daß bei jedem musikalischen Werk alle Teile organische Gleichberechtigung hoben. Ihr fehlt das, was man gemeinhin die akademische Schulung des Musikers nennt: nämlich dos bewußte Erfassen und Durchdringen des Werkes aus einer idealistisch fundierten geistigen Einstellung.
Das Programm war mehr nach virtuosen Rücksichten, ihrem Können entsprechend, ausgewählt. Die stärksten musikalischen Bindungen legte sich Edith Lorand durch Caesar Francks A=Dur»Sonale auf. Dieses in stilistischer Hinsicht Richtung weisende Werk der neueren französischen Kammermusik ist teilweise noch von Klassizismus erfüllt, wie etwa in dem auf Brahms verweisenden Finale. Zum andern aber machen sich, zumal in dem Mittelsatze, formauf- loiende Strömungen bemerkbar, die dann später unter den griff.gen Nachfolgern Francks in den im- prcfsionistischen Stil hinübermünden.
_3n Dachs Chaconne aus ber D-Moll-Suite für Violine allein schien bie Künstlerin mehr bie technischen Probleme zu sehen, unb so muhte man- ches Wesentliche in biefer mit unermeßlicher Meisterschaft aufgebauten Folge von thematisch- kontrapunktischen Variationen vom geschulten Hörer vermißt werben. Händels Larghetto wie auch Mozarts Menuett in D-Dur führte sie mit einer Eigenwilligkeit in Temponahme unb Tongabe durch, bie erkennen lieh, bah ihr bie deutsche klassische Musik nicht sonderlich no^steht; zumal das Trio des Mozart-Menuetts erwies, wie wenig sie im klassischen Sinne zu artikulieren und zu gestalten vermag.
Um so stärker zeigte sie sich in Vieux- temps Violinkonzert Rr. 4 in D-Moll. Hier fand sie Gelegenheit, ihr eminentes technisches Können ins hellste Licht zu stellen unb überall Erstaunen, Bewundern:- - Begeisterung zu er- wecken. Vollkommen in rem Element war sie mit Pablo de Sarasates »Zigeunerweisen“. Hier konnte sie ihr Temperament mit vollem
Mtv -Sturmes waren stets gefährlich. Schon in der 5. Minute fiel der Führungstreffer für die Gießener Mannschaft. Zwei weitere Tore erhöhten bis zur Halbzeit den Vorsprung auf 3:0. In den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit spielte der Mtv. klar überlegen. Spater wurde der Kampf ausgeglichener. Nach einem geschickten Durchspicl des rechten Flügels konnte der Friedberger Halblinke den Ehrentrcffer erzielen. Die Angriffe beider Sturmreihcn in den letzten Minuten waren nicht mehr kraftvoll genug, um weitere Torerfolge zu erreichen. Der Sieg des Tito, mar auf Grund der befferen Gesamtleistung verdient.
Vorher standen sich im Freundschaftsspiel die verstärkte zweite Mannschaft des Tv. Pohl Gons und eine kombinierte Elf (Jugend unb 2 Mannschaft) öes Mtv. gegenüber. Nach wechfelvoUem Spielverlauf siegte die Gießener Mannschaft mit 6:4.
Handball der Stadtmannschast.
Am Mittwochnachmittag stehen sich die Els der Universität und die Stadlmannschast auf dem Uni- versitätssportplatz im Freundschaftsspiel gegenüber. Leider muß die Stadtmannschaft auf die Spieler des Männerturnvereins verzichten, da biefer augenblick lieb noch Verbandsfpiele auszutragen hat. Immerhin ist bie Elf aber noch sehr spielstark und die Studenten werden sich anstrengen müssen, wenn sie die Scharte des Vorspiels w.cttmachen wollen.
Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Raunheim I — VfL. Bornheim I 5:2.
3m ersten Spiel um bie Kreisrneister- fchast ftanben sich biefe Gegner am Sonntag in Raunheim gegenüber. Beide Mannschaften in stärkster Ausstellung, lieferten sich ein slottes Spiel- 3n ber ersten Halbzeit sah man einen technisch hochstehenben. völlig ausgeglichenen Kamps. Rach bem Wechsel wurde Raunheim merklich überlegen, während bie Gäste nur noch selten gefährlich würben. Raunheim gelang es bis zum Schluß burch seinen sehr schußsreubigen Sturm bie Grohstäbter mit einer empfindlichen Rieberlage heimzusenben.
Allenborf (Lahn) I — Lollar 1 8:4.
3n Allenborf standen sich beide Mannschasten als Meister der B- und A-Älaffe im Vorspiel um bie Dezirksmeisterschaft des 3. Bezirkes gegenüber. Beide Mannschaften traten komplett an und lieferten sich ein flottes, faires Spiel. Aliendors, auf eigenem Platze ein sehr gefährlicher Gegner, zeigte den Gästen, dah ihr Können als Meister der B-Klasse, dem der Gäste nicht nachstand. Bereits zu Halbzeit führten die Platz- bescher mit 5:3 Toren. Rach dem Wechsel wurde bie Ueberlegenheit der Platzbesiher noch deutlicher und es gelang ihnen, drei weitere Tore vorzu- legen, denen Lollar nur noch eines entgegensetzen konnte.
Gießen I — Großen-Vuseck I 4:0.
Deide Mannschaften trugen auf dem Trieb ein Freundschaftsspiel aus. Die Gäste gaben durch ihr eifriges Spiel den Plahbesihern einen dem Klassenverhältnis entsprechenden Gegner ab. Gießen lag stets im Angriff und konnte dem sehr guten Hüter der Gäste viermal das Rachsehen geben, indessen alle Angriffe des Gegners an bet guten Abwehr der Einheimischen scheiterten. Vorher standen sich eine kombinierte Mannschaft von Gießen und Großen-Duseck II gegenüber. Ruch hier konnten die Platzbesitzer einen 4: O-Sieg erringen.
Dieseck 2. Jugend hatte die Jugend von Krofdorf zu Gast. Die körperlich weit überlegenen Gäste mußten eine 6: O-Riederlage kassieren.
Recht durchbrechen lassen; hier ging von ihr eine elementare Kraft aus, die jeden mit sich fori» reißen mußte und alle in hellster Begeisterung aufflammen lieft. Da konnte man sie als die große Geigerin bewundern. Sie wurde förmlich mit Beifall überschüttet, und immer wieder nötigte man ihr weitere Zugaben ab.
Heber den Begleiter am Flügel (Carl Lothar M i k u l i c z) lieft sich angesichts ber Umstände kein abschlieftendes Urteil gewinnen; er wußte sich mit seinem musikalischen Takt und Rachgiebig- feit der dominierenden Solistin anzupassen. Dr. H.
Tonfilm: „Douaumont".
Der Film versucht eine dildmähiae und klangliche Rekonstruktion der wechselvollen Kämpfe um das Fort Douaumont, die vorn Frühjahr 1916 an im Brennpunkt des unerhört verlustreichen Ringens um die Festung Verdun standen, und zwar: nicht in der — hier unangemessenen — Form eines Spielfilms, sondern als Reportage auf Grund authentischen Bildmaterials unter persönlicher Mitwirkung der seinerzeit im deutschen Heeresbericht genannten Offiziere, Hauptmann Haupt und Leutnant d. R. Radtke; unter deren Führung wurde im ersten Angriff, Februar 16, der nordöstliche Eckpfeiler der Festung, Fort Douaumont, von Teilen des brandenburgischen Infanterieregiments 24 gestürmt. <Im größeren Verband war damals u. a. auch das hier besonders bekannte XVIII. Armeekorps eingesetzt.) Der Film gibt, ausgehend von einer kartenmäßigen Erläuterung der strategischen Gesamtsituation, einen Ueberblick über die militärischen Ereignisse von jenem überrumpelnden Handstreich, der das Fort in unseren Besitz brachte, bis zum Verlust des vollkommen zusammengeschossenen Bollwerkes im Oktober. Ein mit ungeheurem Materialeinsatz geführter französischer Gegenangriff erzwang den Rückzug der wenigen überlebenden deutschen Verteidiger. Soweit das überhaupt möglich ist, erhält man hier in objektiver und tendenziöser Form ein Bild der Kampfhandlung, das für den ehemaligen Frontsoldaten nicht weniger sehenswert ist als für jene, die den Krieg nur von ferne erlebt haben. Soweit dabei ältere Aufnahmen verwendet wurden, die an sich interesiantes Material beibringen, ist deren Technik und Erhaltungszustand zu berücksichtigen; sie wirken in ihrer nebelhaften Blässe und Ver- schwommenheit wie vergilbt und sind trotzdem von merkwürdiger, oft unheimlicher Eindringlichkeit. Die Regie — Heinz P a u l — bewältigt den mächtigen und heroischen Stoff in würdiger Form; übrigens mit entschiedener Steigerung des Eindrucks im zweiten Teil und gegen das Ende hin — dem immer gewaltiger anwachsenden Furioso der modernen Materialschlacht entsprechend. Der Ausklang des Films ist eine mahnende und erschütternde Erinnerung an die unerhörten Menschenopfer, die der Kampf um Verdun gekostet hat. — Der Film läuft feit gestern im neuen Programm des Lichtspielhauses. —T—


