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llr.y Erstes vlatt

182. Jahrgang

Dienstag, 12. Januar 1952

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblütter Heimat im Bild DieScholle Monat; Bezugspreis:

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GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

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Chefredakteur

Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Deranlwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Tlaj Filter, sämtlich in Gießen.

Keine Einigung zwischen Frankreich und England.

Oie Vorbesprechungen für Lausanne beendet. - Flandin beharrt aus dem Provisorium.

Randnoten.

Zwei Dinge find bei der Beurteilung der durch die Erklärung des Reichskanzlers ge- schafsenen politischen Lage auseinanderzuhalten: Sie vertraglichen Bestimmungen auf der einen und die tatsächlichen Verhältnisse auf der anderen 'Seite. Dr. Brüning hat nicht etwa, wie die Fran- Ikafen behaupten, die bestehenden internationalen 'Verträge gekündigt, er hat vielmehr nur und mit Deutlichkeit festgesteUt, daß die Voraus- I e h u n g e n, auf denen sie einst beruhten, heute nicht mehr gegeben sind. Die Ausgabe der kommenden Äonferoa^ besteht Larin, die völker­rechtlichen Abmachungen mit dem Stand der Dinge in Liebereinstimmung zu bringen, der ja schon von der Sachverständigenkonserenz in Basel mit wünschenswerter Klarheit festgcstellt worden 'ist. Der ganze Streit geht im Grunde nur noch um dasÖDic und nicht mehr um das Ob. Daran hermag auch die geheuchelte Empörung der Pa­riser Presse nichts zu ändern. Die Reparationskon« Irren) in Lausanne hat sich nämlich mit der Ruy» antDcnbung des alten deutschen Rechtswortes zu befassen: »Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren."

Wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß die nunmehr entstandene Lage sehr klar, aber auch ernst ist. Gerade die Dämpfung der Pariser Em­pörung deutet darauf hin, daß man alles ein­igen wird, um den französischen Standpunkt auf der Konferenz gegenüber allen Mächten durch­zusetzen. Wenn man aber jetzt schon von Repa- rationszöllcn, von einer Anrufung des Haager kchiedsgerichts und von einer Zurückziehung der Iran^ösischen Kredite für die deutsche Reichsbank spricht, so sind das alles leere Drohungen. Denn auch Frankreich kann das Ergebnis der Konferenz nicht diktieren. Die neue Formulierung bei nunmehr eingetretenen reparationspolitischen Gage ist keine Angelegenheit der französischen Politik, sondern eine solche aller beteiligten Mächte.

An der Tatsache, daß wir am Ende der Re­parationen stehen, zweifelt kein gesunder Mensch. Trotzdem stehen wir aber nicht etwa am Ende in­ternationaler Verwicklungen, internationaler Kon- Ihlte und Gefahren. 3n Lausanne werden zwar diese gleichsam im Hintergründe in der Betrach­tung bleiben. Aber sie können nicht aus der Welt oc schasst werden. Schon jetzt zeigt sich das De- MirfniS, in Brünings Aeußerungen eine zunächst innenpolitische Kundgebung zu sehen. Es wäre rcrhängnisvoll, wenn man sie so auffaßte. Darin liegt ein Versuch, sie im französischen Interesse zu entwerten.

Die Gefahr einer Sabotage der Konferenz durch Frankreich scheint insoweit beseitigt zu sein, alS die Konferenz stattfinden muß. Wenn der englische Ministerpräsident sagte, gerade Drü- nings Aeuherung bewiese die Rotwendigkeit der Konferenz, so zeigt das deutlich, in welcher Rich- tung er die Gefahren der Zukunft sucht. Wir Verden uns inzwischen in Ruhe und Geduld üben mäffen. Mit der deutschen Erklärung über das 6nbc der Reparationen ist die weitere Erörterung zunächst dem Auslande zugespielt worden. Hier Kübncn sjch aber immer klarer d i e Gegen- lähc zwischen zwei ganz verschiedenen politischen Anschauungen ab. Wie diese Gegensätze in einem gemeinsamen politischen Dertragsinstrument ver- tmigt werden können, ist im Augenblick ganz un­übersehbar. Fest steht nur die unbedingte R o t - vendigkeit, zu einer solchen vertraglichen Abmachung zu kommen, und zwar zu einer Ab­machung, die den gegebenen Tatsachen nicht wieder Gewalt antut wie alle bisherigen Verträge, die aus dem gleichen Anlaß geschlossen Vörden sind. Hoffen wir, daß sich dieses deutsche Rein als eine unerschütterliche Grundlage dafür ettoeifen möge.

Das führende konservative Blatt in London )at von einem nach Sibirien trans­portierten deutschen Kolonisten einen -der die russische Grenze geschmuggelten Brief rialten, der ein düsteres Bild von den furcht­baren Schicksalen deutscher Kolonisten gibt, d i e Tiit Weib und Kind aus ihren Dör­fern gerissen und nach Sibirienver- etzt" worden sind. Der vor sechs Wochen geschriebene Bries enthält natürlich keine Orts- wgaben. Der vermittelnde Sonderkorrespondent bet Zeitung erklärt jedoch feierlich, daß er für bie Echtheit des Schreibens jede Garantie über- immt:

.---Wir müssen unser Leben, umgeben

rc»n Eisfeldern und unpassierbaren Wäldern, ver­bringen und beschließen, während andere in Ge­fängnissen verfaulen oder sich in Höhlen oder fehlen Bäumen verborgen halten. Don den Ge­fangenen Horen wir nichts mehr. Man muh s cht denken, daß wir mehr als andere Russen leiden. (Die Bauern haben sich sämtlich bei ihrer kinwanderung in Rußland naturalisieren lassen.) Aber ich spreche nut von unseren eigenen Lei­ben, damit unsere Rot zur Kenntnis der Oef- Irntlichkeit gelangt, und um erneut beim Völker­bund und anderen zivilisierten Zentren zu pro- leRieren- Wir leben im Rot den a l s Opfer kes kreißen Todes. Es ist seltsam, daß bisher niemand gewagt hat, das schreckliche Los ker Frauen und der unschuldigen Kinder zu erleichtern. Der einzige Trost für uns deutsche Hauern liegt in unserem festen Glauben an die göttliche Gerechtigkeit.

Darum sind wir denn in die Verbannung ge­schickt worden? Weil wir unserem Gotte

Paris, 12. Ian. ((DIB. Funkspruch.)Petit Parifi en schreibt, bas gestern abend vom Finanz­ministerium über die französisch-englischen Sachver- stänbigenverhanblungen ausgegebene Lommuniqus enthalte bas Eingestänbnis, bah Frankrelchund England sich über eine Formel, bie bie B e - ftimmungen des Poungplans aufrecht­zuerhalten unb dennoch Deutschland ein Moratorium ; u be willigen erlauben wurde, nicht hätten einigen können. Schwierigkeiten feien wegen der Dauer dieses Mo­ratoriums entstanden. England wolle, um die Pri­vatkredite zu begünstigen, ein möglichst langes Moratorium bewilligen, was Frankreich nicht ; u l a f f e n könne, ohne in Zukunft die poungzah- lungcn mit den Schuldenzahlungen an die Bereinig­ten Staaten zu gefährden.

DerMalin stellt den Stand der Berhandlungen wie folgt dar. Sir Leith-Roh hat dieselbe Argumen­tation, die er vor einem Monat vorgetragen hatte, wieder aufgenommen und seinem französischen Kol­legen die B o r t e i l e , die eine französisch- englische Berftänbigung über ben An­trag auf allgemeine Schulben st rei­ch u n g mit sich bringen würde, vor Augen zu führen gesucht. Aber man hat ihn daran erinnert, dah, wenn auch das Ergebnis der Konferenz für Eng­land negativ wäre, das gleiche nicht für Frankreich gelten könne. (Eine allgemeine Schuldenftreichung, die jeden Bersuch einer Kommer­zialisierung der Reichsbahnobligationen ausschliehe, würde für Frankreich ein grofjes Opfer bedeuten. Deshalb könne Frankreich die Disfuffion unter diesem Gesichtspunkt nicht in Angriff nehmen. Die Meinungsverschiedenheiten über die Dauer j des Moratoriums, das Deutschland bewilligt werden soll, sind, erklärt derMatin weiter, nicht beseitigt worden. England verlangt ein fünfjäh­riges Moratorium, während die ftanzöfischen Sachverständigen, der Interpretation des Basler Berichts getreu, für ein ein - oder zweijäh­riges Moratorium plädierten.

Finanzminifter F l a n d i n erklärte, dah die Aus- fpradje es erlaubt habe, die Ansichten der franzö­sischen und der englischen Regierung über die Fra­gen, die aus der Reparationskonseren; zur (Erörte­rung flehen, zu präzisieren. Der englische De­legierte Leith-Roh werde nunmehr vollkom­men orientiert nach London zurück­kehren, um seiner Regierung das (Ergebnis der in Paris geführten Berhandlungen vorzulegen. Während der Berhandlungen fei von den Erklärun­gen des Reichskanzlers Dr. Brüning über die Reparationsfrage nicht die Rede geroefen. Ruhige Auffassung in England.

Lausanne notwendiger denn je."

London, 12. Ian. (WTB. Funkspruch.) Unter Bezugnahme auf die gestrige Kabinettsitzung, auf der auch die Erklärungen Dr. Brünings zur Repora- tionsfrage zur Sprache kommen, sagt der parlamenta­rische Korrespondent derTimes": Die Minister sind keineswegs der Meinung, dah die Erklä­rung des deutschen Reichskanzlers als eine Drohung oder ein Ultimatum ausgelegt werden könne. Man betrachte sie lediglich als die Wiedergabe der Auffassung der deutschen Regierung über bie Lage, die durch den Bericht des Basler Sachoerständigenaus- schufses enthüllt worden ist. Die Erklärung des Premierministers, daß die Ereignisse des Wochenendes dieAbhaltungderLausanner Konferenz notwendiger denn je gemacht haben, ist nach Beratung mit Sir John Simon

treu bleiben und nicht zu den kommunisti­schen, der Menschheit so unwürdigen Ideen her­absinken wollen. Linser Leben war ein Leben der Arbeit, aber w i r wollen nicht in die Kollektivfarmen gehen und unseren Glauben aufgeben. Die Welt vergißt, daß der Kommunismus nicht nur auf wirtschaftlicher Grundlage, sondern auch auf Atheismus auf- gebaut ist mit einer Haltung gegenüber Frauen und Kindern und einem vollständigen Aufgeben der Persönlichkeit, deren Anerkennung wir deut­schen Kolonisten verweigern. Wir haben keine Ahnung, unte^ welcher besonderen Anklage wir in die Verbannung geschickt worden sind. 3m letzten Juli erschienen sie plötzlich in unserem Dorf und gaben einfach den Befehl, daß jede lebende Seele in 20 Minuten im Zuge sein müsse. Wir konnten nichts mit uns nehmen. Meine Schwester muhte barfuß mit, denn ihre Schuhe befanden sich gerade in Reparatur. Wir wußten nicht, wohin man uns bringen würde, warum und für welche Zeitdauer. Man brachte uns nach Sibirien, und unsere Leiden wäh­rend unserer Fahrt überfliegen jede Beschrei­bung. 3n diesem sibirischen Dors leben wir in Baracken. Wir sind alle schwach und wir wis­sen. was dies Wort bedeutet. Alle Männer und alle Frauen müssen vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten. Für uns gibt es nichts in der Art eines AchtStundentages. Linser

und Neville Chamberlain abgegeben worden und hat die volle Unter st ützung des gan­zen Ministerrates gesunden. Die einzige Sorge' der Minister ist jetzt, dah die Konferenz nicht noch einmal über den 25. Januar hinaus verschoben wird. Gestern wurde amt­lich mitgeteilt, dah alle interessierten Mächte ihr Ein­verständnis mit dem Datum erklärt haben.

Bei den zuständigen englischen Stellen herrscht die Auffassung, dah sich sachlich durch die Er­klärung des Reichskanzlers die Lage nicht geändert hat. Eine amtliche Erklärung über die von England einzuschlagende Politik werde erst bei Beginn der Konferenz be« kanntgegcben werden. Gleichzeitig wird darauf h.ng.wiesen, daß die Erfahrung gezeigt habe, dah in Fällen, wo die Zusammen­arbeit zwischen Paris und London erfolgreich war, auch die deutschen Interessen

Berlin, 11. Jan. (TU.) Die Unterredung zwischen hugenberg und Hiller über den Borschlag des Reichskanzlers Dr. Brüning, eine j Berlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten durch den Reichstag vornehmen zu lassen, führte zu der gemeinsamen Ueberzeugung, dah diese Mahnahme aus Verfassung »rechtlichen Bedenken abzulehnen sei. wie wir er­fahren, werden die Rationalsozialisten und die

! Deutschnationalen die Antwort auf die Frage des Kanzlers getrennt erteilen. Die beiden Schreiben stimmen in der Ablehnung des parlamentarischen Weges überein, dagegen ist anzunehmen, dah d i e Frage der Botkswah 1 taktisch verschie- j ben behandelt wird. In deutschnationalen ' Kreisen stellt man sich auf den Standpunkt, dah der Kanzler nur eine konkrete Frage g e f( e l U hat, nämlich die nach der parlamentarischen Lösung, und dah deshalb auch nur hierauf eine Ant­wort zu geben fei. Dagegen ist mit Sicherheit da­mit zu rechnen, dah in dem Schreiben Adolf Hit­lers die Möglichkeit der B o l k s w a h l berührt wird, fo dah damit einlehterAnknüpfungs- p u n 11 für weitere Berhandlungen nach dieser Rich­tung hin gegeben sein dürste.

0te Antwort Hugenbergs.

Berlin, 12. Ian. (ERB. Funkspruch, eigene Meldung.) Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volksparlei, Geheimrat Dr. Hugenberg, hat dem Reichskanzler folgendes Schreiben übermit- teil:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutschnationale Dolkspartei zu Ihrem Vorschläge der parlamentarischen 'Bet- längerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten, Generallfeldmarschall von Hindenburg, stelle. Sie, Herr Reichs­kanzler, konnten diese Frage nicht aufgerollt ha­ben, wenn Sie dabei nicht des Einverständ- nisfes des Zentrums und der SPD. sicher gewesen wären. Es sind dies die Par­teien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsi­denten auf das schärfste bekämpft haben. Mil dem Rückhalt dieser Parteien treten Sie jetzt an uns heran, die wir einst feineWahl an­geregt und durchgesetzl haben, und be-

Lohn bestehl pro Tag aus einem Teller Ge­müsesuppe ohne jedes Fleischstückchen und einem halben Pfund von altem, sauren Brot. Wir lei­den alle schrecklichen Hunger. In unserer Um­gebung gab es etwa 7000 Familien, aber von ihnen sterben ungefähr zehn an je­dem Tag. Dann kommensie" mit einem Wa­gen, werfen die Toten auf ihn und karren sie fort ohne ein Wort und ohne Zeremonie. Ver­wandle dürfen den sogenannten Beerdigungen nicht beiwohnen. Wie tote Hunde schleppt man sie fort und häuft sie auseinander. Unsere deut­schen Dörfer sind alle zerstört, die Einwohner deportiert, in das Gefängnis geworfen und er- schossen. Rur die Wertlosen sind übriggeblieben. Richt weil von uns sind viele andere deutsche Kolonisten, Verbannte gleich uns, eingelroffen. Sie haben uns erzählt, dah unsere Heim­stätten niedergerissen worden sind, um Diehställe zu bauen. In ihrer bisherigen Hei­mat im Süden Herrichten schreckliche Verhält­nisse, und jede Hoffnung auf Rettung fei ver­schwunden. Viele Dörfer ständen verödet und es sei die Absicht der Sowjets, die deutschen Kolonisten gänzlich auszurollen, da keine Aussicht bestehe, sie zum Kommunismus zu bekehren. Die hiesigen Behörden sagen gerade heraus. daß die öffentliche Meinung der Welt sich erheben würde, wenn sie alle deutschen Kolo­nisten in Massen erschießen würden. Daher wür-

Dorkeile gehabt hätten. Die Entwicklung lasse sich nur schrittweise vorwärts treiben Man befürchte in Londoner Kreisen, daß die weiteren Ereignisse Brüning dazu zwingen würden, von seiner jetzigen Haltung abzugehen, besonders hinsichtlich seiner Ansicht, daß die Tribute auch in Zukunft nicht gezahlt werden könnten.

Im Finanzteil derM o r n i n g P o st" heißt es, die Erklärungen Dr. Brünings mögen dazu beigetragen haben, eine Erwägung des ganzen Problems der Reparationen und internationalen Schulden in einer praktischeren Art und Weise und in einem schnelleren Tempo herbei­zuführen, als bisher zu verzeichnen war. Dies war offenbar auch die Ansicht, die gestern auf dem Geldmarkt herrschte, wo die deutschen Wertpapiere nach vorübergehender Schwäche ungefähr mit den Eröffnungskursen stiegen

gründen Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Rotwendigkeit einer Stärkung derStabili­tät" der deutschen Regierungsge­walt. Gleichzeil'0 schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die z ä h e A u f - rechterhallung einer Regierung im Reiche und in Preußen, hinter der k e i n e M e h r- heit des Volkes steht. Sie begründen die Rotwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wirkung einer einheitlichen Der- trauenskundgebung für den Herrn Reichspräsi­denten.

Demgegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolilische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt der jetzigen Re- gierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Willen des deut­schen Lölkes dem Auslande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben. Sie, Herr Reichskanzler, er- streben die Wiederwahl auf dem Wege der Beschlußfassung des Parlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dieses Recht auf den Reichstag zu übertragen, liegt um | o weniger Anlaß vor, als der Reichstag der wahren Volksmeinung nicht mehr ent­spricht. Als die alten Anhänger des uns nach wie vor verehrungswürdigen Generalfeldmarschalls glau- ben wir, zu der Bemerkung berechtigt zu fein, daß die Art feiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamentarische (Erörterungen der verfas­sungsrechtlichen Stellung und dem hohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tatsache wird durch die öffentliche Behand­lung der Angelegenheit bedauerlich verstärkt. Der parlamentarische Wahlakt wurde als eine Ver­trauenskundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns bekämpfte Politik und ins- besondere Außenpolitik der jetzigen Reichsregierung wirken. Unter diesen Um­ständen muß ich Ihnen nunmehr endgültig mitteilen daß eine Billigung oder Unterstützung Ihres Vor­habens für uns nicht in Frage kommen kann. Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebener

gez.: (Unterschrift),

Das Antwortschreiben Hitlers lag bei Redaktions­schluß noch nicht vor.

den sie dorthin gebracht, wo sie untergehen müß­ten. Betet für uns und möge Gott uns Helsen."

Der Tscheche Daka ist alles andere als deutsch­freundlich, was ihn nicht daran hindert, in Deutschland Hunderte von Schuhverkaufsstellen zu unterhalten und deutsches Geld zu nehmen. Don gleichem Kaliber ist der Franzose C o t y, der mit seinem Parfüm Deutschland überschwemmt und die deutschen Einnahmen benutzt, um damit seine deutschfeindlichen Hetzblätter zu finanzieren. Es ist, glauben wir, allerhöchste Zeit, diesen Geschäfte­machern zu zeigen, daß wir auf die Er­zeugnisse von Deutschenfressern nicht angewiesen sind. Einmal kann die deutsche Industrie mit gleichwertigen Erzeugnissen aufwarten, zum anderen ist es besser, deutsche als tschechische Arbeiter zu beschäftigen. Aber Herr Data ist nicht nur Schuhfabrikant, sondern auch ein Schutzheiliger der tschechischen Kriegsflieger. Weil er mit seinen in Deutschland gescheffelten Millionen nicht weiß, was er anfangen soll, hat er sich jetzt angeboten, ein komplettes Fliegerlager mit Ka­sernen. Ofsizierswohnungen und Flugzeugschuppen in Ottrokowitz einzurichten. Da die tschechischen Flieger fortgesetzt Angriffe auf Deutschland ercr- zieren, dienen also die im deutschen Geschäft erzielten Gewinne dazu, Fliegerbomben für die Käufer tschechischen Schuhwerks anzufertigen.

Oie Harzburger Opposition lehnt Brünings Borschlag ab. Oeutschnationale und Nationalsozialisten gegen eine Parlamentsaktion zur Berlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten.