Ausgabe 
11.11.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhaupistadt

Neues für den Büchertisch

sich eine rege Aussprache anschloß. Mit Inter- e,se nahm die Konferenz von dem neuen Büch­lein des Vortragenden Einsicht, das den Titel tragtDein Reich komme", ein Gebetbüchlein für die Familie, und beim Brunnenverlag in Sieben erschienen ist. Zum Schluß berichtete der Geschäftsführer des Hessischen Heimat­werkes in Oberhessen, cand. theol. Seipp über die Betreuung der Arbeitsfreiwilligen und bat um rege Mitarbeit. Aach kurzer Mittagspause schloß sich eine gutbesuchte Bezirksver­sammlung des Pfarrvereins an, die von Dekan Engel, Obbornhofen, mit der L,ageslesung und einer kurzen Betrachtung hier­über eröffnet wurde. Pfarrer D. Fritsch, Ruppertsburg, hielt hierauf einen Vortrag über -Die Erziehung unserer Kinder zum Gebet". Auch diesem Vortrag folgte eine lebhafte Aus­sprache.

Familienabend der Lu kasge- mein de. Am nächsten Sonntag, 20 Uhr, veran­staltet die Lukasgemeinde in ihrem Gemeindesaal wieder einen Familienabend. Steuerinspektor Klemmra th und Prokurist Stroh werden einen Vortrag mit Lichtbildern über eine Nord- Ian drehe holten. Musikalische Darbietungen wer­den den Familienabend einleiten und beschliehen. Man beachte die heutige Anzeige.

Eine Warnung für den Lastkraftwagen-Verkehr

Rundschreiben der Provinzialdirektion Oberheffen an die Kreisämter.

"Ein ungültiger Polizeiausweis. Das Polizeiamt Gießen schreibt uns: Der Dienst­ausweis Ar. 203 des ehemaligen Polizeiwacht­meisters Hans (Iohannes) Fink, geboren am 8. Mai 1909 zu Darmstadt, zuletzt bei der Bereit­schaftspolizei des Polizeiamts Darmstadt tätig, wird gemäß Verfügung Les Herrn Ministers des Innern für ungültig erklärt. Dieser Ausweis be­rechtigte zum Tragen von Schußwaffen Faust­feuerwaffen.

Sonntags-Rückfahrkarten zur Deutschen Woche in Wetzlar. Vom Bahnhof Gießen wird uns geschrieben: In der Zeit vom 12. bis 16. November findet in Wetzlar eineDeutsche Woche^, verbunden mit Aus­stellungen verschiedener Art und Tagungen statt. Aus diesem Anlaß werden von allen Bahn­höfen der Strecken Sonntagsrückfahrkarten nach Wetzlar ausgegeben. Die Karten gelten zur Hin fahrt vom Samstag, 12.November, 0 Uhr, am Sonntag, 13. November, und am Montag, 14. Novemo.r; zur Rückfahrt am Samstag, 12. November, am Sonntag, 13. November, und am Montag, 14. November, bis 24 Uhr (spätester Antrittszeitpunkt der Rückfahrt); sowie zur Hinfahrt am Dienstag, 15^ November, von 0 Uhr, am Mittwoch, 16. November, und zur Rück fahrt am Dienstag, 15. November, am Mitt­woch. 16. November, und am Donnerstag. 17. No­vember. bis 12 Uhr, zu welchem Zeitpunkt die Rückfahrt angetreten sein muh.

Große Strafkammer Gießen.

Gießen, 8. Nov. Ein inzwischen nach aus­wärts verzogener Kaufmann, der wiederholt vor­bestraft ist, wurde durch das hiesige Schöffen­gericht wegen Betrügereien zu einer Gesamtstrafe Dort 3 Monaden Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil verfolgte er Berufung. Ob­wohl er nicht einen einzigen Angestellten beschäf­tigte, bestellte er um die Weihnachtszeit bei einer Firma in Nürnberg einen größeren Posten Leb­kuchen, und zwar als Sammellieferung für seine Angestellten. Die Bestellung war so abgefaßt, daß sie den Anschein erweckte, als handele es sich bei ihm um eine größere leistungsfähige Firma. Um dieselbe Zeit bestellte er bei einer anderen Firma einen größeren Posten Eierlöffel und Sa­latbestecke. Als Referenz gab er eine auswärtige Firma an, deren Inhaber er selbst war. Auf diese Weise kam er in den Besitz der Anfrage, die er in einer für ihn günstigen Weise beantwortete. Durch die Vorspiegelung dieser falschen Tat­sachen wurde ihm Kredit gewährt, den er andern­falls nicht erlangt hätte. Das Berufungsgericht erblickte in dem Verhalten des Angeklagten eben­falls einen Betrug und verwarf kostenfällig die Berufung.

Zwei junge Leute aus Westfalen, von denen dem eine wegen seines fortgesetzten liederlichen Le­

allenthalben luftbereift sind, 25 Kilometer in der Stunde vorgeschrieben. Diese Bestimmungen, die nach eingehenden-Verhandlungen mit den betei­ligten Verbänden unter Zustimmung des Reichs­rats festgesetzt wurden, werden nicht eingehalten. Während ich bisher im Einvernehmen mit den Landesbehörden den Standpunkt vertreten habe, daß Geschwindigkeitskontrollen möglichst unter­bleiben möchten, sehe ich mich wegen der großen Schäden, die den Straßen. Häusern und Baudenk­mälern drohen, nunmehr doch veranlaßt, die Län­der zu bitten, daß,

abgesehen von der notwendigen Nachprüfung der Ladungen und Bereifungen, auch in größe­rem Umfange Geschwindigkeitskontrollen für

Lastzüge

durchgeführt werden. -Wenn hinsichtlich der leich­teren Fahrzeuge die Nachprüfung der Geschwin­digkeit, soweit deren Ueberschreitung mäßige Grenzen einhält und nicht, wie z. B. an verkehrs­reichen Kreuzungen in den Großstädten, sich viel­fach zu einer unerträglichen Gefahr für die übri­gen Wegbenutzer und Fußgänger auswirkt, auch weiterhin etwas großzügiger gehandhabt wird, so habe ich dagegen nichts einzuwenden. Sollte die­ses Rundschreiben, in dem ich gleichzeitig die nach­drücklichere Beachtung meiner früheren Schreiben in Erinnerung bringen möchte, seitens der Fahr- zeugbesiher nicht in der erwünschten Weise beach­tet werden, so würde ich eine baldige Aen° derung der Kraftfahrzeugverord­nung in dem Sinne in Erwägung ziehen, daß häufigere polizeiliche Kontrollen, die sich auf die Einhaltung der Geschtpindigkeits-, Gewichts- und Bereifungsvorschriften erstrecken, für Lastzüge gesetzlich vorgeschrieben werden."

Wir müssen so bemerkt hierzu die Provin­zialdirektion diese Ausführungen mit allem Nachdruck unter st reichen, da auch uns stän­dig Mitteilungen zugehen, daß noch allenthalben Lastkraftfahrzeuge mit unzulässiger Bereifung an­getroffen werden und da auch die Beschwerden von Hausbesitzern über Erschütterungen ihrer Häuser, die nur auf unzulässige Bereisung, Ueberladung oder zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen sind, immer dringlicher werden. Dagegen hilft nur allerstreng st es Vorgehen. Wir ersuchen deshalb ergeben)!, die Bemühungen des Reichs­verkehrsministers, deren Berechtigung anerkannt werden muß, dadurch^ zu unterstützen, daß Sie Ihren Polizeiorganen unter Hinweis auf die ge­setzlichen Bestimmungen

die dauernde Ueberwachung der beslehenden Vorschriften über Bereifung und Höchstgeschwin­digkeiten der Lastkraftwagen zur pflicht machen. Die Kontrolle der zulässigen Höchstgewichte wird mit Hilfe der von den drei Provinzen be­schafften hydraulischen Delastungsmesser laufend durchgeführt."

benswandels fein Elternhaus verboten worden war, und der andere schon längere Zeit arbeitslos war, kamen, um sich Geldmittel zu verschaffen, auf den Gedanken, die Großmutter des einen ihrer Ersparnisse zu berauben. Sie wußten, daß die Großmutter, die als eine alte Frau in einem Ort im Vogelsberg wohnt, noch über einige Geldmittel verfügte. Eines Tages setzten sie ihren Plan in t>ie Tat um. In der Frühe des Morgens fuhren sie ab ujib kamen gegen Abend am Tatort an. Sofort zeigte der Enkel seinem Genossen das Haus der Großmutter. Dieser traf die alte Frau in der Küche. Er gab vor, er habe ihr ein Telegramm auszuhändigen und forderte sie auf, den Emp­fang ju bescheinigen. In diesem Augenblick ver­setzte er der alten, ahnungslosen Frau einen Schlag gegen den Kopf, daß sie zu Boden fiel. Durch die Hilferufe der Frau bestürzt, verließ er, ohne etwas mitzunehmen, eiligst das H<His. Die alte Frau kam 1 in der Hauptsache mit dem Schrecken davon. In der heutigen Verhandlung bereuten beide Angeklagte, die bisher alles ab» stritten, ihre Tat und legten ein umfassendes Ge­ständnis ab. Mit Rücksicht auf ihre Iugend und ihre bisherige Unbestraftheit wurde der eine An­geklagte zu 1 Jahr 3 Monaten Gefäng­nis, der andere zu 1 Iahr Gefängnis ver­urteilt.

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

)( jungen, 9. Nov. Gestern fand imSolm- «er Hof" dahier unter dem Vorsitz von Dekan Engel, Obbornhofen, und in Gegenwart von Superintendent D. Wagner, Gießen, eine Pf arrkonferenz unseres Dekanates statt. Aach Eröffnung durch Schriftlesung und Gebet (Pfarrer Bock, Hungen) hielt Pfarrer Lenz, Wohnbach, einen Vortrag über die wich­tige FrageWas sollen wir beten?, an den

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UIJier den vchutlma cn W* fünf Sn ,rt)nen waren im oberen « Wtat sich aus Angst 'e fleefen oerf/erf/, W, bie trotz der Gefahr , ' ÄaU:Mlinb?n Jjj der lchMchsiningen H fte sich sehr schwierig, rarlizen Widerstand, daß 1 Kindes vielfach W wurden. Insgesamt ettofl 30 Kinder. Auch ein Mdchen, das sich aus dem len konnte, ist unter den

nsasscn im Kleinen M unten.

3nW Fnenen tourbc und Fredericia auL dem utv geborgen, das \<\\ mihi wurde. Der Da- I in Küdwest'Jüiland mit fahren. Die vier Insassen iluto geborgen.

Wiesbadener Postamt.

inem Lehrmädchen welches uf dem löismarciring in tcren Geldbetrag eiiyahlen er ein Teil des Geldes in ntrissen Dem Täter er Deute zu entkommen, eiter verunglückt.

vier Arbeiter der Ltädti- in einem wer Meter tic- MM ertönten aus

Vorübergehende konnten < rtzNvsen Mcwde aus

Die anderen bevotn We des Schachtes lagen, Feuerwehr geborgen wer- sind zwei der MunM eben, und zwar die A. : und Georg Heye. SM

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alle wesentlichen Punkte herausgeschält und klar erläutert werden. Auch die wichtige Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgele­genheit vom 5. September 1932 konnte mit aus­genommen und erläutert werden. Ebenso wurde die Verordnung vom 23. August 1932 berücksich­tigt, die sich mit den bedeutungsvollen Zollände­rungen besaßt und inhaltlich zum Wirtschafts­programm der Reichsregierung gehört. Muster­beispiele ziu den Steucrgutscheinen, zur Bürger­steuer und zur Frage der Vermehrung der Ar­beitkräfte dienen dazu, die schwierige Materie dem Verständnis der Leser noch näher zu bringen. Endlich bringt der Anhang eine Zusammenstellung aller auf Grund der Verordnung in der kommen­den Zeit zu beachtenden Fristen und Termine. Preis 1,25 Mk. Industrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W 35. (260)

Raym « nd Patenötre, Währungs- not der Welt. Mit einer Einleitung von Jo­seph Caillaux. Broschiert 4,20 Mk. (Deutsche Ver­lags-Anstalt Stuttgart.) (341) Raymond Patenötre ist einer der jüngsten Abgeordneten der französischen Kammer. Er bat sich auf volkswirt­schaftlichem Gebiet früh hervorgetan und ist als Staatssekretär in das neue Ministerium Herriot be­rufen worden. Seine Stimme verdient deswegen Be­achtung. In dieser Schrift, die völlige Vertrautheit mit iben Dingen der Wirtschaft und des Geldwesens verrät, entwickelt Patenötre im Hinblick auf die Weltkrise einen Plan zur Reform der internatio­nalen Währungskrise, der in Frankreich lebhaft dis­kutiert worden ist und überalle stärkstes Interesse finden wird.

In der Insel-Bücherei sind eine An­zahl neuer Bändchen erschienen. DieKaukasi­schen Aovellen" von Grigol Robakidse (Ar. 83) wurden von Käthe Rosenberg und Richard Meckelein ins Deutsche übertragen; das ferne und mythische Land Georgien ist der Schauplatz der drei Erzählungen, in denen die dunklen und heroischen Leidenschaften des kau­kasischen Volkes sich widerspiegeln.Der Kö­nig ssohn" von Gunnar Gunnarsson, deutsch von Iöhann I 6 n s s o n (Ar. 109), ist eine Geschichte, deren Stoff der mittelalterlichen Sage vom norwegischen König Haakon Haakons- son entnommen wurde. ^Franz Hos- demel" heißt eine Mozartnovelle des bekann­ten Dramatikers Wolfgang Goetz (Ar. 174): Sie ist ganz im Wienerischen Dialekt geschrie­ben und trägt als Motto Beethovens merkwür­dige Worte:Hosdemel? Ist das nicht die Frau, welche die Geschichte mit Mozart gehabt hat? Dor der spiel ich nicht"Hannes Reps nennt sich eine schöne flämische Landstreicher-Geschichte von Ernst C l a e s (Ar. 429), der auch die früher hrer angezeigte sommerliche Dubengeschichte vom Flachskopf geschrieben hat: Felix Timmermans hat das Büchlein feines Landsmannes riiit arti­gen und wunderlichen Bildern verziert, in denen sogar manchmal ein Hauch vom Geiste des gro­ßen Brueghel zu spüren ist. (293,296.)

Flammen über Danzig. Roman von Lha E s ch. (Verlag von Ernst Ewert, Kassel). 171 Die Autorin, die im September vorigen! Iahres in Kassel infolge eines Unglücksfalles im Qlltcr von erst 29 Iahren verstarb, hat mit diesem vaterländischen Roman ein Werk voll hinreißender Heimatliebe geschaffen, obwohl die Autorin selbst keine Danzigerin war und Danzig nie gesehen hat. In Anlehnung an das Danziger DramaDer Re­bell hat sie sich aber so in das Milieu und in die seelische und vaterländische Aot Danzigs ein» gelebt, daß daraus dieser g u vole und außer­ordentlich spannende Roman, diese einoringüche Mahnung an das deutsche Volk zum Zusammen­halten, entstand. Ein treffliches, auf hohem Ai- veau stehendes Werk, dem wir die beste Emp­fehlung geben.

Fridericus. Seines Staates erster Die­ner. Historischer Roman von Paul Burg. (Ver­lag K. F. Koehler, Leipzig. Gebunden 3,90 Mk.) (89.) Der Verfasser stellt in diesem Buche den Hunderten von anekdotischen oder phan­tastischen Darstellungen des großen Preuhen- königs eine moderne gegenüber, die sich freihält von aller byzantinischen Betrachtung, die den schwer ringenden und auch irrenden Menschen schildert und die bewundernswerte Gröhe und das staatsmännische Genie dieses Hohenzollern- fürsten dem Leser eindrucksvoll nahebringt. Da­bei wird dasFridericus"-Problem in geschicht­lich einwandfreier und sehr interessanter Weise gelöst. Der Autor hat es verstanden, sein Werk in so reizvoller Weise zu gestalten, daß der Le,er vom Anfang bis zum Ende stark in Span­nung gehalten wird.

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Von der Provinzialdirektion Oberhessen wird uns folgendes Ausschreiben an die Kreisämter der Provinz Oberhessen zur Kenntnis gebracht:

Auf Grund von Beschwerden der Wegeunter- haltungspslichtigen und ihrer Verbände, daß die Bestimmungen über Bereifung, Höchst­geschwindigkeiten und Gewichte der Lastkraftwagen nicht eingehalten würden, hat sich der Rci Fs. erkehrsminister schon wiederholt an die Spitzenverbände des Kraftwagenverkehrs und der Kraftfahrzeughalter gewandt mit dem Ersuchen, auf ihre Mitglieder einzuwirken, die gesetzlichen Bestimmungen streng zu beachten, da sonst verschärfte Maßnahmen angeordnet werden müßten. Diese Mahnungen haben bisher nicht den erhofften Erfolg gehabt, so daß

der Reichsverkehrsminister nunmehr^in feinem kehlen Rundschreiben an diese verbände an­droht, daß er sich nicht zuletzt im eigenen In­teresse der auf die Straßen angewiesenen Kraft­fahrzeughalter genötigt sehen würde, eine Aen- derung der Kraftfahrzeugordnung in Erwägung zu ziehen, falls auch dieser Mahnruf unbe­achtet bleibe.

Zur Begründung führt er folgendes aus:

In letzter Zeit sind wieder Beschwerden in gro­ßer Zahl, vor allem aus Kreisen des Grund- und Hausbesitzes bei mir eingegangen, in denen darauf Hingewiefen wird, daß Lastzüge mit über­mäßiger Geschwindigkeit durch die Stra­ßen fahren und die Häuser, sowie Kunst- und Bau- ^ukmäler erzittern lassen. Der 'Berechtigung die­ser Klagen kann ich mich nicht verschließen. Die

unb QBeifc, wie heute die Lastkraftwagen unter Nichtachtung der gesetzlichen Vorschriften mcht nur auf den Landstraßen, sondern auch in­nerhalb der geschlossenen Ortschaften verkehren, erfordert dringend G genmaßnahmen. Es handelt sich nicht nur um die Einhaltung der Gewichts- und Bermsui^svorschriften, von der in meinem früheren Rundschreiben die Rede war, sondern vor allem auch um die Beachtung derGeschwin - digkeitsvorfchriften.

Aach Paragraph 18 Absatz 3 der Kraftfahrzeug- verordnnng beträgt die höchstzulässige Fahr­geschwindigkeit innerhalb geschlossener Orts­teile für Kraftfahrzeuge mit Anhänger soweit ihre Räder nicht allenthalben luftbereift sind, 16 Kilometer in der Stunde, andernfalls 25 Kilo­meter in der Stunde. Für Kraftfahrzeuge ohne Anhänger betragen die entsprechenden Höchstge­schwindigkeiten für den Verkehr innerhalbge­schlossener Ortsteile in dem einen Falle 25 Kilo­meter (bei Kraftomnibussen unter Umständen 30 Kilometer), im anderen Falle 30 Kilometer (auf Grund örtlicher Anordnung unter Umständen 40 Kilometer) in der Stunde. Außerhalb ge­schlossener Ortsteile sind für Kraftfahrzeuge m i t und ohne Anhänger, wenn ihre Räder nicht

Gießen, den 11.November 1932.

Oer Zugzusammenstoß im Bahnhof Saasen.

Zu dem gemeldeten Zug zusammen stoß im Bahnhof Saasen teilt die Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. mit: Die Strecke Grün- bergGießen ist eingleisig. Die Kreuzung von Zügen muß deshalb in Ueberholungs- g l e ij e n erfolgen. Gestern morgen hielt im Bahn- Hos Saasen ein Güterzug, der aus Richtung Gießen gekommen war, um einen Personen- zug aus Richtung Fulda vorbeizulassen. Der Per­sonenzug fuhr nun nicht in das freie Gleis, son­dern in das Gleis, in dem der Güterzug stand. Durch den heftigen Zusammenprall der Lokomo­tiven entgleisten ein Wagen des Per­sonenzuges und von dem Güterzug drei Wagen. Ein Güterwagen wurde so schwer beschädigt, daß er aus dem Verkehr genommen werden mußte. Glücklicherweise sind die Verletzun­gen der beschädigten Personen nicht allzu schlimm. Die nach der ersten Untersuchung am schwersten Verletzten wurden der Klinik in Gießen zugeführt. Es sind dies Herr Rohn aus Gießen, der eine leichte Kieserverletzung erlitt, Herr Vogel aus Homberg mit einer leichte^ Gehirnerschütterung und die zweijährige Margott Engel (leichte Kopf­verletzung). Rach Behandlung durch den Arzt konnte die Mutter die kleine Margott mit nach Hause nehmen. Bei einem Fräulein Pfeffer, die ebenfalls in die Klinik gebracht wurde, ist man sich über die Verletzungen noch nicht klar: die Dame soll geröntgt werden. Eine größere Zahl von Rei- enden erlitt leichtere Verletzungen, wie Hautab- jchürfunaen usw. Die Ursache des Zusammenstoßes ist jedenfalls aus ein Versehen des Weichen- stellers des Bahnhofs Saasen zurückzuführen, der dem Personenzug die Einfahrt in das durch den Güterzug besetzte Gleis frei gab. Da auch noch sehr starker Nebel herrschte, sah der Lokomotivführer des Personenzuges den hal­tenden Güterzug erst, als es zu spät war.

Wie wir zu unserem gestrigen Bericht noch erfah­ren, wurde dem Verletzten auch von sechs Aerzten aus Grünberg Und Umgegend neben den Gießener Aerzten und der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz Hilfe geleistet.

Daten für Freitag, 11. November.

1852: der österreichisch-ungarische General Franz Graf Conrad von Hötzendorf in Penzig geboren; 1918: Waffenstillstand an der Westfront zwischen Deutschland und der Entente.

VornoNzen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns getrieben: Um dem 11. im 11. auch im Spiclplan eine gewisse Bedeutung und Dexech- tigivftg anzuerkennen, gelangt heute als 6. Vor­stellung im Freitag-Abonnement der Schwank Der Raub der Sabinerinnen" von Schönthan unter der Spielleitung von Karl D o l (^erstmalig in dieser Spielzeit zur Aufführung. Mitwirkende Damen: Berger, Koch, Schubert-Iüngling, Wie- lanter; Herren: Hamel, Hub, Nieren, Geiger, Delck, Wrede. Anfang 20 Uhr; Ende 22.15 Uhr. Gewöhnliche Preise. Für Sonntag. 13. Novem­ber, wird als Fremdenvorstellung letztmalig das LustspielRoulette" von Ladislaus Fodor unter der Spielleitung von Karl Hehse zur Auffüh­rung gelangen. Ermäßigte Preise. 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr.

Das ethische Problem des Krieges in der heutigen Lage. Vortrag an der Uni­versität Gießen am 6. Juli 1932. Von Professor D. Dr. phil. Fr. K. Schumann. 16 Seiten. Preis 50 Psg. Herausgegeben von der Studentenschaft der Universität Gießen. (379.) Der Vortrag wurde aus der Reihe wehrwisienschastlicher Vorträge ent­nommen, die auf Anregung der Gießener Studen­tenschaft im Sommer-Semester 1932 an der hiesigen Universität gehalten wurden; er geht aus von einer Betrachtung des Kellogg-Paktes und setzt sich dann mit dem Begriff und den Zielen des Pazifismus auseinander; die Stellung der christlichen Ethik zu Krieg und Pazifismus wird ausführlich behandelt. Die christliche Ethik wird ... den Pazifismus be­urteilen müssen als eine gefährliche und im letzten Grund verantwortungslose Jllusionierung der menschlichen Dinge". Die weitere Untersuchung be­faßt sich mit der Frage der Teilnahme des Einzel­nen am Werke des Krieges und mit Ibej modernen (Entartung des Krieges. Nach einem Hinweis auf den ungeheuren Wesenswandel des Krieges in den letzten Jahrzehnten-schließt die Rede mit der For­derung, nicht die Abschaffung des Krieges zu pro­pagieren, sondern der Entartung des Krieges entgegenzuwirken und den Krieg zurückzuführen zu seiner ursprünglichen Idee und seinem echten Sinn. Dieser Sinn aber ist der, daß das Werk des Krie­gesAmt der Liebe" ist, oder anders ausgedrückt, der echte Sinn des Krieges ist der des Sichopfems der Starken und Wehrfähigen für die Schwachen und Nicht-Wehrfähigen". Der Vortrag ist im Verlag der Gießener Studentenschaft erschienen und ist auch im Buchhandel erhältlich.

Bruno H. Bürgel: Die Weltanschau­ung des modernen Menschen. Verlag Ull­stein, Berlin. Preis: broschiert 3, Mk., Ganzleinen 4.50 Mk. (241) Unter Berücksichtigung der neuesten Forschungsergebnisse auf allen Gebieten der Wissenschaft gibt Bürgel einen schwungvollen, oft dichterischen Ueberblick über das Entstehen des Kos­mos, der Menschheit, über das Werden und Ver­gehen der Erde, über die religiösen und philofophi- Ichen Strömungen der Nachkriegszeit, über die große Zahl der noch immer und vielleicht auf ewig unge­lösten Rätsel unseres Daseins. Bürgel hat sich und uns das schöne Wort Kants als Motto gewählt: Die größte Angelegenheit des Menschen ist, zu wis­sen, wie er seine Stelle in der Schöpfung gehörig und recht versteht, was man sein muß, um ein Mensch zu sein". Diese Forderung hat Bürgel in vorbildlicher Weise erfüllt.

Dr. FriedrichKoch: Fre i-heit Füh­re r t u m -* Diktatur. Die Wege zur deutschen Freiheit. 84 Seiten, Oktav. 1,25 Mk. Verlagshaus Darmstadt.' (231) Koch übt freimütige Kritik an den Formen, welche die Demokratie bei uns un­ter der Herrschaft des Listenwahlrechts und der Par­teibürokratie aller Art genommen hat, und zeigt die Grenzen auf, die der Demokratie im modernen Großstaat gesetzt sind. Er kommt dabei zu dem Er­gebnis, daß demokratische und staatsbürgerliche Freiheit in Deutschland nur möglich ist auf dem Wege der Führerherrschaft. Nachdrücklich wird aber auf die Gefahren hingewiesen, die dem Staate daraus erwachsen können, daß aus dem berechtigten Streben nach Führertum sich das Streben nach einer Diktatur erhebt, die die Verantwortlichkeit des Vol­kes aufhebt. Das Buch wendet sich besonders an die wahlmündig gewordene Jugend und will zur Besinnung führen auf die Kräfte, die den Staat tragen.

PolitikundWissenschaftbeiMax Weber, von Christoph Steding. Ver­lag W. G. Korn, Breslau. Kart. 3,50 Mk. (236.) Alle Kritik am Liberalismus, von der heute der überwiegende Teil des geistigen Deutschlands lebt, vermag nicht die Tatsache aus der Welt zu schaf­fen, daß wir die Söhne und Erben eben des Liberalismus sind. Denn weil ein Volk immer seine gesamte Vergangenheit ist, so sind wir vor­nehmlich daher auch die Vergangenheit der letz­ten beiden liberalistischen Menschenalter. Die Schrift über Max Weber, einen repräsentativen liberalen Politiker dieser letzten Iahrzehnte, will Deutschland dazu erziehen, daß es feine jüngste Vergangenheit langsam mit anderen, versöhn­licheren Augen ansieht. Es wird an Hand der Darstellung der politisch-wissenschaftlichen Exi­stenz Max Webers gezeigt, daß der Liberalismus es auch am Ende seiner schicksalvollen Laufbahn immerhin noch fertig gebracht hat, einen solch einzigartigen Marrn wie Max Weber aus sich her­auszusetzen.

Belebung der Wirtschaft" heißt eine Broschüre, die in gedrängtester Kürze neben den vollständigen Texten der Notverordnung und der bisher erschienenen Ausführungsbestimmun­gen eine systematische Einführ^g enthält, in der

Kunkel-Wormö Präsident derHessischen Handwerkskammer.

WSN.D arm st a M , 10. Nov. In der heu­tigen Sitzung der Hessischen Handwerks­kammer wurde an Stelle des zurückgetretenen Handwerkskammerpräsidenten A o h I Bäcker- obermeister Kunkel-Worms mit 26 Stimmen 3 um Präsident« nderHessis chenHand- werkskarnrner gewählt. Auf Falk-Maiirz waren 25 Stimmen entfallen. Weiter wurden in den Vorstand gewählt: Zimmermeister Hart­mann- Darmstadt und Schuhrnachermeister Richter- Offenbach. Zu der bedeutungsvollen S.tzung war die Presse nicht eingeladen. Ein Bericht ist von der Handwerkskammer angekün­digt worden.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen.