Ausgabe 
11.11.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

- 2 uns ff Epielp tiMg ftcllun .Der unter in dies Damen lander Dclck. Gemöh bcr, tni Lustspic der epi . tung gcl 20.30 Uh!

Ton i uns folg der ^rot , »Auf ß MiW L? st Iras bat sich Ser

Sie 6h A der K Ersuchen, ( «glichen JveM Wien. Di äfften E ^Reich- Mfen Rt droh!, d°f tofle bet '^Mgh bexung de )>ehe,

*Äri ße:\n M

V-» hC rnMet fc,Ä[Q9en S und ?ter Aich nur ]

Malb 5. Ködert t Lv j Ä Aeni a* pokert, Ril W Anhz'u der ineÄC

«»^0.

tfll ö Öirettio berg-' W. gUU

G>eße> ZUS11 jßntnji Sern > Durch tioen e fönen drei 2 bcfchöSil werden qen der Die nad Ärlctzlei Es find lcichle R Homberg und die ocrletzun konnte Haufe die eber üd) übe: foll geri senden schüchni Ht jedenf steiler der dem ben @üi( auch nod der Loko lenden G

Wie m ren, war aus ® Aerzten j)i(ie gel

Tc

1852: Gras Co 1918: t Deutschi

Jedermann.

Von Hans Mebau.

Federmann hat eine kleine Geflügelfarm.

Wie bist du eigentlich zufrieden?" fragt Mücke. Rentiert sich das Geschäft?"

Rentieren?" zuckt Federmann die Achsel,im Gegenteil. Die ganze Sache war ein Reinfall. Die Hühner sangen immer ausgerechnet dann an zu legen, wenn die Eier billig werden."

*

Mittags hat Federmann sein Handgepäck abge­geben. Abends will er es wieder holen.

Was war es denn?" fragt der Mann am Schalter.

Ein schwarzer lederner Handkoffer", sagt Feder­mann.

Der Mann fängt an'zu suchen. Sämtliche ledernen Handkoffer sieht er nach, vergleicht die Nummern, chiebt sie zurück. Endlich kommt er mit einem großen Paket in braunem Packpapier.Ist es das?" ragt er.

Jawohl", nickt Federmann.

Aber das ist doch kein schwarzer lederner Hand­koffer!" grollt der Mann.

Was wissen Sie davon!", sagt Jedermann und guckt das Paket an,ich habe ihn doch selbst ein­gewickelt."

Merkwürdig", sagt HorniebelDoktor Schott ist doch ein junger moderner Arzt. Aber er benutzt mit Vorliebe die Heilmittel unserer Väter. Mir hat er zum Beispiel Blutegel verordnet."

Mir auch", sagt Federmann.Aber ich finde, sie schmecken scheußlich."

*

Gestern abend", erzählt Federmann,war ich eingeladen. Aber um acht Uhr hatte das Bügel­institut die Hosen noch nicht geschickt, und ich mußte warten."

Hm, hm", nickt Mücke,lange?"

Natürlich", sagt Federmann.Ich trage doch zum Smokipg keine kurzen." *

Jedermann hat, zum zweiten Frühstück schon, Burgunder getrunken. Burgunder am frühen Mor­gen steigt zu Kopf. Und als Jedermann in seinen Wagen steigt und losfährt, dauert es nicht lange, und er stößt mit einem Wagen des Ueberfallkom- mandos zusammen. Der Anprall ist so stark, daß der Schupochauffeur von seinem Sitz bis auf die Straße

fliegt. Langsam steht er auf, nimmt die Dienstmütze vom Pflast.er und guckt Jedermann an.

Donnerwetter", sagt Jedermann,auch Bur­gunder getrunken?"

*

jedermann geht in die Buchhandlung.Ich habe gestern einen Briefsteller bei Ihnen gekauft", sagt er.Sie müssen ihn zurücknehmen."

Aber weshalb denn?" fragt der Verkäufer.Sind Sie nicht zufrieden?"

Nein", schüttelt Jedermann den Kopf und schlägt den Briefsteller auf.Sehen Sie hier zum Beispiel: .Teuerste Elfriede! Wie oft habe ich in der letzten Nacht Deinen Namen vor mich hin gesprochen. Wie oft habe ich gegen die Wand geschrien: Elfriede!!'"

Ja, und " fragt der Buchhändler, als Jeder­mann schweigt.

Sie heißt doch", sogt Jedermann und klappt das Buch zu,sie heißt doch Dagmar."

*

Jedermann ist eingeladen. Die Hausfrau stellt den Lautsprecher an. Ein Tenor schmettert dasFriede- rike"-Lied: .Mädchen, mein Mädchen ...'

Eigentlich doch ein fabelhaftes Lied!" sagt der Hausherr.

Kein Wunder", zuckt Jedermann die Achsel, Goethe"

* .

Du", sagt Mücke,ich habe gehört, du hast dir einen ausrangierten Eisenbahnwagen dritter Klasse als Wochenendhaus gekauft. Stimmt das?"

Jawohl", nickt Jedermann,das stimmt."

Na, und?" fragt Mücke weiter,bist du zu­frieden?"

Im Gegenteil", zuckt Jedermann die Achsel.Es war ein Reinfall. Stell' dir vor: Die Reichsbahn hat mir ausgerechnet einen Nichtraucher-Wagen geliefert!"

Japanische Puppen-Wunder.

Es sind keine gewöhnlichen Spielpuppen, die jetzt zum erstenmal in der Geschichte Japans ihr Hei­matland verlassen haben und in einer reizvollen Ausstellung in London zu sehen sind: eine jede von ihnen hat eine besondere Rolle in ihrem Lande gespielt, hat eine reiche Vergangenheit hin­ter sich. Diele von ihnen find Erbstücke, die sich, sorgsam gehütet, von der Mutter auf die Toch­ter, die sie am Tage der Hochzeit erhält, forterben. Oftmals kann man die verschiedenen Heiraten in einer alten .Familie aus den Kränzen am Ge­

wände einer solchen Puppe ablesen. Das Fest der Puppe ist der größte Freudentag im Leben der japanischen Kinder. Es wird alljährlich am 3. März begangen. An diesem Tage werden dann die Puppen in allen Familien hervorgeholt, auf mit rotem Tuch bekleideten Gesimsen ausgestellt stnd reich mit Opfergaben, bestehend aus Wein, Reis und Süßigkeiten bedacht. Läe kleine Tochter des Hauses darf an diesem Tage die Gastgeberin spielen. Manches interessante Stück hat nun feijj nen Weg in die fremde Ürnwelt dieser Ausstellung gefunden. Da sieht man eine den ersten Kaiser von Japan, Jimmu Tenno, der 650 v. Ehr. herrschte .darstellende Puppe. Die Gestalt mit ihrem goldenen Schwert quer über den Knien und dem heiligen Halsband aus altem Jadestein zeich­net sich durch außerordentliche Realistik aus. Eine japnaische Hofszene zeigt den Kaiser und die Kaiserin, umgeben von ihrem Hofstaat. Sie tra­gen juwelengeschmückte Kronen und ihre Gesichter aus lackiertem Holz sind voll lebendigen Aus­drucks . Unter den vielen anziehenden Ausstel­lungsgegenstände nfallen winzige Orangen- und Kirschenbäume, die Sinnbilder des Himmels und der Erde, große Papierlaternen, schwarze, lackierte Tragsessel mit scharlachroten. Dächern und selt­samem Gepäck auf, das aus auf Stangen getrage­nen ^sten besteht: das Innere ist äußerst geheim­nisvoll, ein In- und Durcheinander von Schub­laden und Klappen. Dann gibt es hier winzige Schminkkästchen, die die Farbe zur Erzeugung der beiden schwarzen Flecken auf der Stirn, des könig­lichen Hoheitszeichens, enthalten. Manche der Spielsachen sind so winzig, daß man ein starkes VergrL ßerungsglas braucht, um sie genau betrach­ten zu können, wie dies etwa bei dem 12 Milli­meter großen Knallgewehr oder dem Zauberschiff notwendig ist. Diel Bewunderung erregt auch eine entzückende, blaugekleidete kleine Figur, die einen großen Goldfisch hochhält. Dies ist eine in Japan besonders beliebte Gestalt, die einen Drunnengott darstellt. Mit ihr wetteifert in der Gunst des Publikums ein kleiner Tänzer, dessen Beruf es ist, die bösen Geister eines Hauses zu vertreiben, was ihm mit dem vergnügten Klingeln seiner Glöckchen sicher gelingt. R- M.

Zeitschriften.

Die Kun st" vereinigt mitDeutsche Kunst und Dekoration" (Verlag I. Bruckmann, Mün- chen) bringt in ihrem neuen Heft Frauenbildnisse aus 75 Jahren, deren Auswahl nach dem Gesichts­punkt getroffen wurde, den zeitlichen Wandel seeli­

schen Ausdrucks im deutschen Frauenbildnis festzu­stellen. Diese Frauenbildnisse von Adolf von Menzel bis Willy Iaeckel können bei allen Gradunterschieden in der Qualität des Künstlerischen übereinstimmend angenommen werden/ Wie deutlich trägt z. H. Ha­bermanns Mutter köstliche Reife und einen lieber- schuß seelischer Kraft, die Güte und Wohlwollen ausstrahlen und Willy Iaeckels Bildnis seiner Frau, ein modernes Frauenbildnis in bestem Sinne, das Sorgenvolle, Wache, Hinhorchende, das man als symbolhaften Ausdruck der geistigen Entwicklung der Frau in den letzten Jahrzehnten bezeichnen kann. Die Wohnungskunst ist vertreten durch Ansichten eines Landhauses am Scharmützelsee, das allen modernen praktischen Anforderungen hinsichtlich des angenehmen Wohnens und vereinfachten Haushalt­betriebs entspricht Lichtkultur im modernen Wohn- raum wird fachmännisch besprochen, Musterwoh­nungen in einem Wiener Hochhaus, neues Kunst­gewerbe, darunter Handwebereien, Silberarbeiten, Keramiken und kleine Möbel wie Truhen, Vitrinen sowie neue Schmuckstücke werden im kunsthandwerk­lichen Teil gezeigt.

DerKunstwort" gibt unter dem neuen Titel eben das zweite Heft des 46. Jahrgangs aus. Deutsche Zeitschrift" (Callwey, München) Auch das neue Heft zeigt mit seinem reichen aktuellen Inhalt, daß die Zeitschrift ihre Be­mühung um dos gesamte Geistesleben der Ration, von einem völlig unabhängigen Standort aus erfolgreich fortführt. Hermann Herrigel befaßt sich mit der Frage der Hochschulreform, indem er zunächst alle unmöglichen Ansprüche und Er­wartungen beiseite schiebt und sich auf die tat­sächliche Problematik des älniversitätswesens ein­läßt. Carl Linfert betrachtet die Gesamtleistung Max Slevogts und die Wirkung, die von ihm ausging, der Maler A. Kremer die große Aus­stellung in Denedig, indem er ein Fazit über den Gesamtstand der heutigen europäischen Ma­lerei zieht. Fritz Endres würdigt das Werk Gerhart Hauptmanns, dessen Vorzüge und Män­gel sinnbildlich sind für das wilhelminische Zeit­alter, und betont mit Recht das Positive an seinem Lebenswerk. Petzet setzt seine Filmkritik fort, wobei er diesmal auf die unerfreulichen Auseinandersetzungen zwischen Theaterbesitz und Derleih eingeht und Interessantes über den Ge­schmack des Publikums mitteilt. Das Heft ent­hält Bilder von Slevogt und Rethel und eine klassische Erzählung des englischen Dichters Tho­mas Hardy.

Hindenburgs Auftrag an den Reichskanzler

Oie Fühlungnahme mit den Parteiführern und Länderregierungen beginnt sofort.

Die amtliche Mitteilung.

Berlin, 10. Koo. (TU.) Amtlich wird mil- geteilt:Reichspräsident von Hinden­burg nahm heute (Donnerstag) den Vortrag des Reichskanzlers von Popen über die Auffassung des Kabinetts zur innerpolitischen Lage entgegen. Der Herr Reichspräsident betonte, daß er an dem der Bildung der Regierung von Popen zu­grundeliegenden Gedanken einer natio­nalen Konzentration auch weiterhin fest halte. Dementsprechend beauftragte er den Reichskanzler, in Besprechungen mit den Führern der einzelnen in Frage kom­menden Parteien festzustellen, ob und in­wieweit sie gewillt seien, die Regierung in der Durchführung des in Angriff genomme­nen politischen und wirtschaftlichen Programms zu unterstützen."

wie das Wolff-Bureau in Ergänzung bet amt­lichen Mitteilung erfährt, werden die Besprechungen mit den Parteien um die Wochenwende

aus großen Menschenmenge, die vor und in der Verschalle Aufstellung genommen hatte, be­grüßte Führer und Besatzung des so erfolgrei­chen Flussschiffes. Als erster hieß der württem- bergische Wirtschaftsminister Dr. Maier im Ra­inen der württembergischen Regierung die Flie­ger herzlich willkommen. Des weiteren über­brachte Bürgermeister Schnitzler von Fried­richshafen die Glückwünsche der Stadt. Dr. Claude Dornier hieß dann als ßeiter der Dornier- Werke die Flieger seinerseits willkommen und sprach Führer und Mannschaft seine Anerken­nung für ihre fliegerische Glanzleistung aus. Von Gronau dankte für sich und seine Begleiter für den eindrucksvollen Empfang', auf heimatlichem Boden.

von Schlammkohlenmafsen verschüttet.

Auf der ZecheUnfer Fritz" in Wanne-Eickel hatten sich in früher Morgenstunde mehrere Per­sonen mit Handkarren zur Schlammkohlen­halde begeben, um dort Schlammkohle zu stehlen. Plötzlich brachen von der unterwühlten Halde von oben größere Mengen Schlammkohle 'herab, die fünf Pers onen Begruben. Zechenarbeiter und Feuerwehr konnten sämtliche Personen Befreien. Bei einem Mann war der Tod schon eingetreten, feine Frau und ein weiterer Mann erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Mord in der Sennhütte.

In dem an der bayerisch-österreichischen Grenze liegenden Gebirgsort Unten stellte sich, von Ge­wissensbissen gefoltert, ein Dienstknecht der Gen­darmerie mit der Angabe, daß er vor einem I a hr auf der Loferer Alm in den Loferer Stein­bergen eine in anderen Umständen befindliche Sen­nerin, mit der er «in Liebesverhältnis hatte, er­schlagen habe. Er hatte dann die Sennhütte angezündet, um den Anschein zu erwecken, daß der Blitz eingeschlagen habe. Die Hütte war damals mit dem Vieh verbrannt. Die Sennerin wurde tot aufgefunden.

Zwölf Todesopfer eines Brandunglücks in ein ent Schweizer heim für geistesschwache Kinder.

Am Donnerstag brach um 5 Uhr in der Er­ziehungsanstalt Bühl bei Wädenswil am Zü­richer See, in der geistesschwache Kinder und Zöglinge untergebracht sind, Großfeuer aus. Von den großen Gebäuden an der Straße sind die beiden etwa vierstöckigen Hauptgebäude v o l l - ständig niedergebrannt. Die laut jam­mernden und verstörten Kinder konnten durch die Feuerwehr über die Baitone gerettet werden. Sie wurden von dem Leiter des Heims, nach dem in der Nähe gelegenen Bürgerheim gebracht. Man ver- | mutet, daß der Brand durch Schadhaftwerden der

beginnen. Ein genauer Termin aber sieht bisher ebensowenig fest, wie der kreis der in Frage kommenden Parteien. Das ist im einzelnen dem Kanzler überlassen worden. Das politische Programm, das die Grundlage der Besprechungen bilden soll, erstreckt sich in erster Linie auf die Verfassungsreform, die neben den großen wirtschaftlichen Fragen in der nächsten Zeit das Hauptproblem fein wird.

Die Besprechungen mit den Regie­rungschefs der Länder beginnen morgen nachmittag zunächst mit einer gemeinsamen Be­sprechung des Reichskanzlers mit den Vertretern von Bayern, Württemberg, Baden und Sachsen. Ls war von vornherein nicht in Aus­sicht genommen, eine gemeinsame Konferenz aller Ländervertreter abzuhalten, vielmehr nur mit Bayern, Württemberg und Baden eine solche Be­sprechung verabredet. Dann ist noch Sachsen hinzu- gefommen. Die Vertreter der übrigen Länder werden, soweit sie den Wunsch haben, vom Kanzler einzeln empfangen.

Zentralheizung entstanden ist. Gegen 10 Uhr vor­mittags sand man bei den Aufräumungsarbeiten im Schutt zunächst drei völlig verkohlte Mädchenleichen und später nochmals weitere vier. Nachmittags wurden unter den Schuttmassen die Leichen von den noch vermißten fünf Kindern gesunden. Die meisten von ihnen waren im oberen Stockwerk untergebracht. Sie hatten sich aus Angst vor dem Feuer unter die Decken versteckt, so daß sie ypn der Feuerwehr, die trotz der Gefahr, immer wieder vorging, nicht ausgefunden werden konnten. Die Rettung der schwachsinnigen Kinder und Zöglinge gestaltete sich sehr schwierig. Die Kinder leisteten derartigen Widerstand, daß zum Herausziehen eines einzigen Kindes vielfach zwei Feuerwehrleute benötigt wurden. Insgesamt beherbergte die Anstalt etwa 30 Kinder. Auch ein junges 16jähriges Dienstmädchen, das sich aus dem Flammenmeer nicht retten konnte, ist unter den Opfern.

Lin Auto mit vier Jnfaffen im kleinen Belt versunken^

Aus der dänischen Insel F u e n e n wurde zwischen Middelsard und Fredericia aus dem Kleinen Belt ein' Auto geborgen, das feit et to a 1 4X$ agen vermißt wurde. Der Wa­gen war von Herning in Südwest-Jütland mit dem Ziel Freuen abgefahren. Die vier Insassen wurden tot aus dem Auto geborgen.

Geldraub in einem Wiesbadener Postamt.

Dieser Tage wurde einem Lehrmädchen, welches in der Postanstalt auf dem Bismarckring in Wiesbaden einen größeren Geldbetrag einzahlcn wollte, vor dem Schalter ein Teil des Geldes in Höhe von 230 Mk. entrissen. Dem Täter ist es gelungen, mit der Deute zu entkommen.

vier Gasarbeiter verunglückt.

Dieser Tage waren vier Arbeiter der Städti­schen Werke in Stettin in einem vier Meter tie­fen Schacht beschäftigt. Plötzlich ertönten aus dem Schacht Hilferufe. Vorübergehende konnten zwei Arbeiter im bewußtlosen Zustande aus dem Schacht 'herausztehen. Die anderen beiden Arbeiter, die auf der Sohle des Schachtes lagen, konnten erst von der Feuerwehr geborgen wer­den. Im Krankenhaus sind zwei der Verunglück­ten inzwischen gestorben, und zwar die Ar­beiter Otto L st d t k e und Georg Heye. Dick beiden anderen Arbeiter, Gebhard Kroll und Karl Lüdtke, der Vater des Gestorbenen, konnten ins Leben zurückgerufen werden. Der Unfall ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß aus einem undicht geworden Rohr Gas aus- strömte.

rer keine direkte Stellung genommen, jedoch geht aus den bisherigen Beschlüssen her­vor, daß z u n ä ch ft nicht die Absicht besteht, den Generalstreik zu erklären.

Maßnahmen des Bundesrats

Mehrere Regimenter alarmbereit.

z Bafel, 10. Rov. (Täl.) Der schweize­rische B u n d e s r a t hat sich am Donnerstag­nachmittag eingehrnd mit den Vorgängen zu Gens und Lausanne befaßt. Darüber wird fol­gende Mitteilung ausgegeben:Der Bundesrat hat in seiner außerordentlichen Sitzung von heute die schmerzlichen Vorfälle in Genf besprochen. Er hat Kenntnis genommen von der Mitteilung der Genfer Regierung, daß sie am Freitagvor­mittag das Genfer Infanterie-Regi­ment und ein Genferisches Landwehr­bataillon aufbieten werde. Die Truppen, denen die Aufrechterhaltung der Ordnung an­vertraut ist, werden als im aktiven Dienst stehend betrachtet. Der Bundesrat hat davon Kenntnis genommen, daß das Eidgenössische Mi­litärdepartement eine Llntersuchung für Militär- justiz angeordnet hat, um genau festzustellen, unter welchen älm ständen die Truppen gestern bei den Vorfällen in Genf eingegriffen haben./ Der Bundesrat hat ferner be­schlossen, das Dragoner-Regiment II alarmbereist zu stellen. Die Regierung des Kantons Bern hat Alarmbereitschaft der ®e = birgsinfanterie-Brigade IX und der Kavallerie-Brigade II astgeordnet. Der Staatsrat des Kanton Waadt (Lausanne) hat das Artillerie-Bataillon 3 und das Kavallerie-Bataillon in Alarmbereit­

schaft sehen lassen. ^Ferner hat er eine Verfügung erlassen, durch die Versammlungen mit revolutio­närem Charakter sowie Ansammlungen auf öffent­lichen Straßen und Plätzen verboten werden.

Hoch immer starkeveunruhigung.

Bern, 9. Rov. (TU.) In den großen Schwei­zer Städten Bern, Basoll, Zürich und Lausanne herrscht unter der Bevölkerung größte Beunruhigung. Die Behörden wollen jedoch zunächst abwarten, welche Haltung die Sozialisten und die Arbeiterschaft einnimmt. Die Genfer bürgerliche Presse schiebt dem sozialistischen Führer R i c o I e die Ver­antwortung der blutigen Opfer der letzten Rächt zu und stellt ausdrücklich fest, daß die ersten An­griffe von den Massen auf die Soldaten ausgegan­gen seien. Die Soldaten seien zuerst in brutalster Weise mißhandelt worden. Die Truppen hätten erst nckch mehrmaliger Warnung das Feuer eröffnet. Dagegen veröffentlicht das Genfer sozialistische ArbeiterblattLe Tra- v a i I einen Aufruf des leitenden sozialistischen Komitees an die Arbeiterklasse zu einem soforti­gen schärf st enProte st gegen die Haltung der Truppen. Das Komitee betont seine vollständige Übereinstimmung mit dem Vorgehen der Genfer Arbeiterklasse gegen die korrumpierte Bürgerschaft und erklärt, daß die leitenden Parteiinstanzen un- verzüglich zusammengetreten seien, um den Ar­beiterorganisationen die notwendigen Anweisun­gen für ein allgemeines Vorgehen der Verteidi­gung zu geben.

Im Laufe dech Rachmittags sind neue Truppen­verstärkungen aus Bern nach Genf beordert worden.

Aus aller Wett.

Die Nobelpreise 1932 für Literatur und Chemie.

Der literarische Nobelpreis für 1932 wurde von der Schwedischen Akademie dem bekann­ten englischen Schriftsteller John Galsworthy zugesprochen. Galsworthy, der 65 Jahre alt ist, stand bereits seit mehreren Jahren aus der Bor-

John Galsworthy.

schlagsliste, so daß feine Auszeichnung in Schweden nicht als Ueberraschung angesehen wird. Fast alle seine Werke sind auch in das Schwedische übersetzt worden. Galsworthy gehört zu den meistgelesenen englischen Schriftstellern. Weltberühmt ist feine Forsyte Saga". Sie bringt die Schilderung einer Familie durch Generationen hindurch und ist ein Epos des wohlhabenden englifchm Bürgertums im viktorianischen Zeitalter. John Galsworthy selbst stammt aus einer solchen alten Familie die Gals- worthys lassen sich in Devonshire bis ins 9. Jahr­hundert zurückoerfolgen.

Der Nobelpreis für Chemie ist von der Schwedischen Akademie ber Wissenschaften dem ame­rikanischen Forscher Dr. Irwin L a n g m u i r zu- gesprochen. Er ist bekannt geworden durch seine

Untersuchungen über die Elektronen-Ausstrahlung glühender Körper und durch die Erfindung der Halbwattlampe. Langmuir ist 51 Jahre alt und lebt in Nordamerika.

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften hat ferner beschlossen, die beiden Nobelpreise für Physik nicht zu verteilen. Der Preis für 1931 wird dem Reservefonds zugeführt und der für 1932 für das nächste Jahr zurückgestellt.

Zum ersten Male seit einer ganzen Reihe von Jahren ist keiner der Nobelpreise an Deutschland gefallen. Mit Ausnahme des Friedens-Nobelpreiies, beffen Verteilung vom nor­wegischen Storting beschlossen wird, find nunmehr alle diesjährigen, Preise verliehen. Die feierliche Überreichung durch König Gustav von Schweden findet am 10. Dezember, dem Todestage des Sena­tors Alfred Nobel, in Stockholm statt.

Die Beisetzung Gertrud Bindernagels.

Auf dem Friedhof an der Heerstraße, auf dem schon eine Reihe von bekannten Musikkünstlern. unter ihnen Konrad A n s o r g e und Leo Schüt­ze n d o r f, zur letzten Ruhe gebettet liegen, wurde dieser Tage die Opernsängerin Gertrud Bin­dernagel beigesetzt. Unter den Trauer­gästen bemerkte man Vertreter der Behörden, der Berliner Bühnen, des Rundfunks und der Berufsverbände. Diele Hunderte Berliner hatten sich eingefunden, um der toten Sängerin, an deren hoher Kunst sie sich erfreuen durften, ihren letzten stillen Dank abxuftatten. Rachdem der Geistliche der Toten als Menschen und Künstlerin gedacht hatte, sprach Intendant Ebert von der Städti­schen Oper, zugleich für das Stadttheater Mann­heim, an deren Bühne die Künstlerin viele Jahre gesungen hatte. Tlnter den Klängen desPilger- chors'^ ausTannhäuser" wurde der Sarg dann zu Grabe getragen, wo viele kostbare Kränze und auch Blumenspenden unbekannter Anhänger der Heimgegangenen Künstlerin niedergelegt wor­den waren. ,

Gronaus (Empfang in Friedrichshafen.

Rach glücklich beendetem Weltflug ist der deutsche Flieger Wdlsgang v. Gronau, wie be­reits gemeldet, von der Flugwerft in Alten­rhein kommend, in Manzell gelandet. Sirenen­geheul, Böllerschüsse und der Jubel einer über­