Ausgabe 
11.11.1932 Erstes Blatt
 
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Kilometer verlängerte, was der Entfernung von München nach Königsberg entspricht. Don ihm geschult, von stahlharten Unterführern befehligt, hat die Armee das Wunder vollbracht, diese neue, in weitem Dogen von der Schweiz bis vor Triest sich schwingende Front gegen drei- bis vierfache Llebermacht in nie ruhenden Ge­fechten und elf R.esenschlachten zu halten und in der zwölften zusammen mit einer deutschen Armee Italien so zu schlagen, wie im Welt­krieg kein Gesamtheer geschlagen wurde.

Dennoch fiel er als Opfer von Intrigen und erhielt den Abschied; als er, zum Heeresgruppen­kommandant in Tirol geworden, mit den wenigen Truppen, die man ihm lieh, den (Stofe nach Venedig nicht führen konnte. An diesem unbe­greiflichen Dorgang änderte es nur wenig, dafe dieser Abschied mit weithin sichtbarer Ehrung, mit der im neueren Oesterreich so seltenen Er­hebung in den Grafenstand, erfolgte. Es liefe ihn das auch kalt. Orden und Ehrungen bedeu­teten ihm nichts.

Doch liegt das Tragische an seiner Gestalt nicht im persönlichen Schicksal, das er ohne Der- Bitterung trug. Es ist vielmehr an seinem Wir­

ken das Erschütternde, dafe in seiner Person Oesterreich noch einmal ein Mann gegeben war, der noch alles zum Guten oder doch Erträglichen hätte wenden können, wäre man seinem Aat gefolgt. In seinen grofeen politischen Denk­schriften hat Conrad, dessen geistige Grenzen nicht durch das Soldatische gezogen waren, Oer auch ein grofeer Staatsmann gewesen ist, die Gespenster aufgezeigt, die immer bedrohlicher aufstiegen. Er hat nicht nur gewarnt und be­schworen, sondern wie man heute weife, für die innere und äufeere Politik der Monarchie auch die rettenden Wege gewiesen. Es wäre aller Wahrscheinlichkeit nicht das Chaos über den Donauraum, nicht der Weltkrieg über Europa gekommen, hätte man, wie er es wollte, bei­zeiten mit Serbien und Italien aufgeräumt. Mit allen Einzelheiten fast hat er vorhergesagt, wie es kommen werde, ilnb als man endlich und dann zu spät, zu den Waffen griff, schrieb er sorgenvoll an einen Freund:2m Jahre 1908/09 wäre es ein Spiel mit aufgelegten Karten ge­wesen, 1912/13 mit Chancen, jetzt ist es ein Dabanquespiell"

Er behielt mit seinen Warnungen auch im

Kriege recht. Als man entgegen seinem Dat im grofeen Feldzug gegen Serbien nicht bis Sa­loniki ging, sagte er voraus, dafe von dort her, mit der Aufrollung der Front der Mittelmächte das Ende kommen werde. Er wollte, die grofeen Zusammenhänge überblickend, mit den Divisionen, die sich dann vor Derdun verbluteten, über Ober­italien' den Ducken- und Flankenstofe in die fran­zösische Südfront an den Seealpen führen. Er war ein Meister strategischer Entwürfe, wie im Weltkrieg kein anderer.

Aber es war sein Fehler, dafe er im Dunkeln bleiben wollte und damit an Autorität verlor. Dölker, Armeen und Derbündete wollen Heroen sehen. Es war ein Llnheil, dafe er sich dem ver­sagte und es sich immer wieder verbat, auf den Schild gehoben zu werden. Zu manchen Zeiten überschätzte er auch das Instrument, auf dem er spielte. Er übersah zuweilen, dafe seine Pläne Kraftfelder voraussetzten, über die die aus­gebluteten verbündeten Heere trotz allem Helden­tum bald nicht mehr verfügten.

Aach dem Cnderfolge darf man Conrad so wenig werten wie die deutschen Generale. Auch die Gröfeten sind machtlos gegen ein Schicksal.

Unserer Zeit aber gereicht es, wie so vieles andere, zu kaum zu tilgender Schmach, dafe dem Marschall nach dem Kriege selbst die Sorge ums Drot nicht erspart blieb. Erst als deutsche Offi­ziere im Sommer 1925 den Sarg des in Mergent­heim Gestorbenen zu dem Wagen trugen der lhn m die Heimat führte, als die Fahrt des toten Marschalls zu einem zu späten Triumph­zuge wurde durch Oesterreich, die Deröffentlichun- gen über ihn hüben und drüben sich mehrten begannen auch Fernerstehende und Heberhebliche zu ahnen, wer Conrad gewesen war.

(Sdjlufe des redaktionellen Teils.)

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