Ausgabe 
11.10.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadl

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KabarettHrogramm nachstehen. Witwirkende sind u. a.: Beeling, Flemming, Fierment, Hamel, Hub, Volcki Ballettmeister Ewald Bäulke und Frau: 2azzor<chester. Künstlerische Leitung: Hub und Dolck; musikalische Leitung: Kapellmeister Moehl; choreographische Leitung und Tänze: Bäulle. Ganz kleine Preise: von 30 Pfennig bis 1 Mark.

SchauspielDer l8. Oktober" von Walter Erich Schäfer unter der Spielleitung von Oberspiellei­ter Peter F a s s o t t morgen erstmalig wieder­holt. Beginn 20 lU)r; Ende 22 Uhr. Gewöhn­liche Preise. Die erste Schülervorstellung dieser Spielzeit wird Samstag, 15. Oktober, eine Wie­derholung desEgmont" von Goethe bringen. Spielleitung - der Intendant: musikalische Leitung: ^Iniversitätsmusikdirektor Dr. Temes- d a r y : Besetzung die der Eröffnungsvorstellung unter Mitwirkung des Orchestervereins Gießen. Für Sonntag, 16. Oktober, ist eine Aufführung des Datterich" vorgesehen. Mit Ernst Elias Rieber- aalls Darmstädter Lokallposse unter der Spiel- leitung von Heinrich Hub wird der Zyklus hes­sischer Tramatiker eröffnet. Ermäßigte Preise. Erstmalig findet im Anschluß an dieDatterich"- Borstellung eine Aachtvorstellung statt. Um 22 Uhr startet das erste Aachtkabacett in Form eines Bunten Abends, das im Rahmen eines Kabarett- Programms vor allem unseren neuen Mitgliedern Gelegenheit bietet, sich dem Publikum vorzustellen. Das Programm ist sehr abwechslungsreich und durfte in keiner Darbietung einem großstädtischen

Der Provinzialansschuß wies sodann die Klage des Bezirksfürsorgeverbandes des Landkreises Meiningen gegen den Landesfürsorgever­band Hessen, vertreten durch den Bezirksfür- sorgeverband des Kreises Alsfeld, auf Erstattung von Fürsorgeaufwendungen für Ernst Liesecke aus Pessin und

Ein seltsamer Gast, umweht vom Wind wilder und geheimnisvoller Abenteuerlichkeit, jetzt aber, nach einem der buntesten Lebensläufe dieser chao­tischen Zeit, angeblich zu Ruhe, Abgeklärtheit und weiser Einsicht bekehrt, ist soeben in Europa ein­getroffen ein buddhistischer Mönch, dem der Ruf derHeiligkeit" vorausgeht: ein sichtbar- der Mann in safrangelbem Mantel, mit gescho­renem Schädel, der zwölf eingeschnittene Ringe aufweist das Zeichen dafür, daß dieser Mensch die schwersten Prüfungen der chinesischen Bud­dhisten erlitt und bestand. Chao Kung heißt dieser seltsameHeilige". Europa r^rbindet kei­nerlei Begriff und Vorstellung mit diesem Ra- men. Chao Kung aber hieß vor seinerBekeh­rung" Trebitsch - Lincoln und bei die­sem Ramen steigt es vor uns auf in verwirrender Fülle. Trebitsch-Lincoln, der magische Wen- teurer, der Spion, der englische Geheimagent, der Spitzel, der Journalist, der verwegene Geschäfte­macher, der Mann, der seine Hände u. a. beim deutschen Kapp-Putsch im Spiel hatte, der lutherische Priester, der Missionar, der Küster, der Sträfling der Mann, dessen Sohn man eines Mordes wegen im Jahre 1926 in England hängte, der damals von Ceylon her, wo er be­reits in einem buddhistischen Kloster lebte, nach London jagte, um den Sohn zu retten, ihn aber nicht mehr am Leben traf, und nun England grimmige Rache schwor... Trebitsch-Lincoln, eine Figur innerhalb des Weltspiels der letzten Jahrzehnte, wie sie keine Romandichter-Phan­tasie, sondern nur das bunte, wilde Leben selbst erfinden und erschaffen kann nun Chao Kung, einHeiliger" ... ein Mensch, der, wie er selbst jetzt bekannt hat, nur noch nach Ruhe und Weltabgeschiedenheit strebt, bekehrt ist und bekehren will. Er will ob in Deutsch­land, in Frankreich oder in Italien, weiß er selbst noch nicht ein buddhistisches Kloster gründen, wozu ihm angeblich ausreichende Mit­tel zur Verfügung gestellt worden sind. In diesem Kloster will er selbst leben, beispielhaft und leh- reird leben seiner Erkenntnis, wie unmoralisch und falsch die Welt und vor allem die Politik ist. Nun, wenn es einen Menschen gibt, der um diese Dinge bis zur tiefsten Tiefe Bescheid weih, dann muh es Chao Kung sein ... denn diese älnmora- lität und Falschheit hat er in tausend Spielen, älmtrieben und Masken in feinem Dasein als Trebitsch-Lincoln lehrend gelebt ... Man sieht: zum mindesten einMensch mit seinem Widerspruch".

Trebitsch-Lincoln ist, so viel weih man von seinem Herkommen, irgendwo in einem kleinen un­garischen Donaunest geboren worden. Der kleine Ignatius Timotheus war schon ein fixer, ein­sichtiger Junge. Er übersah schnell, idah die Konjunktur", diesen Begriff in seinem weitesten Ausmaß genommen, in aller Welt besser sein würde für ein Kind des Heiligen Vaters in Rom als für ein Kind Israels kurz entschlossen läßt sich der Zwölfjährige taufen und geht in em Budapester katholisches Stift, um sich hier auf den Priesterberuf vorbereiten ziu lassen. Mit siebzehn Jahren kneift er aus dem Stift aus die

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Gießen, den 11. Oktober 1932.

Neue Wege zur Erforschung des Vogelzuges.

gelkenner, und diesen, über das ganze Land ver­teilten Beobachtern will derVogelring" mit feinen Zentralen und seinen Ketten vonDogelring-Punk- ten" ein Rückhalt für gemeinsame bodenständige Dogelforschung sein. Dr. Kerner Suntel.

proviuzialausschuh-Sihung.

Aus der Sitzung des Provinzialausschusfes am vorigen Samstag ist folgendes zu berichten:

Am 29. Rovember 1931 fand in Harbach Dürgermei st erwähl statt, bei der insge­samt 274 Stimmen abgegeben wurden: davon war eine ungültig. Bon den 273 gültigen Stimmen entfielen auf den Bürgermeister Wilhelm Schom- b e r 11. 134, auf dessen Gegenkandidaten Hein­rich Münch V I I. 139 Stimmen. Innerhalb der Offenlagefrist der Wahlakten erhoben 3 Wahl­berechtigte gegen die Wahl Einwendung, da ihnen Vorkommnisse bekannt geworden seien, die das Wahlergebnis in unlauterer Weise beeinflußt hät­ten. Der Kreisdirektor des Kreises Gießen be­anstandete gemäß Artikel 59 und 61, Ziffer 4

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poiemkinsche Schweine.

Lebt da in der Normandie ein biederer kleiner Landwirt, der eines Tages die Entdeckung macht, daß Schweine, die man in Frankreich züchtet, bil­liger find als solche, die man aus anderen Ländern importiert, lind richtet sich also eine kleine Schweine­zucht ein, die gute Erträgnisse atrmirft und von Jahr zu Jahr zunimmt. Eines Jahres kommt der Mann auf den Einfall, seine Schweinerei ganz groß aufzuziehen und Geld, viel Geld aufzunehmen. Er kauft große Ländereien und erzählt seinen Geld­gebern jede Woche, wie prächtig feine und ihre Schweine gediehen, und wie groß der Reingewinn ein wende, wenn man die Prachtexemplare erst ein­mal in die Pariser Hallen zum Verkauf brächte. Einer der Hauptgeldgeber kommt aber verhängnis­vollerweise auf den Gedanken, einmal eine große Besichtigung der Zuchtfarmen zu veranstalten. Zehn Herren in Bratenrock und Zylinder stehen eines Tages also vor dem größten der Güter ihres Züch­ters und warten darauf, daß 300 0 Schweine an ihnen vorbeidefilieren, vorausgesetzt, daß diese noch nicht so fett seien, daß sie nicht mehr laufen könnten.

..2ch habe die Tiere in Abteilungen zu je 100 Stück untergebracht", sagte der Bauer lächelnd,und werde Ihnen jede Abteilung einzeln oorbeimar- chieren lassen." Die Herren waren es zufrieden, und gleich darauf defilierten tatsächlich hundert rosige, aber gar nicht sehr fette Ferkel an ihnen vorbei. Nachdem sie verschwunden waren, kamen wieder hundert und so fort. Mit der Zeit aber fiel einem der Besucher auf, daß eine sehr charakteri- tische und äußerst seltene Schwarzweißzeichnung oei je einem der Tiere wiederkehrte. Unauffällig ging er darum einer solchenHundertschaft" nach und entdeckte zu seinem Entsetzen, daß seit einer Stunde immer dieselben Schweine vorbeigeführt, hin­ter dem Haus herumgetrieben und dann von neuem gezeigt worden waren. Die schweinernen Scherze

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hätte sich dann zweifelsfrei ergeben, -. Gegenpartei durch unlautere Machen­schaften Stimmenkauf borgelegen habe. Außer-

die Klage des Bezirksfürsorgeverbandes der Stadt Frankfurt a. M. gegen den Landesfürsorge­verband Hessen, vertreten durch den Bezirks- fürsorgeverband des Kreises Büdingen, auf Ersatz von älnterstühungskosten für die Zigeunerin Anna Börner aus Minden in Westfalen und für ihr Kind Amalie Anna Börner als unbegründet kostenpflichtig zurück.

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Wer ist Chao Kung?

Trebiisch-LincolnS neueste Maske.

Von Horst W. Karsten

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dem wurde die Verurteilung des Bürgermeisters

A» o m b e r zur Tragung der Hälfte der Kosten des Verfahrens angefochten. Ter Vertreter des neugewählten Bürgermeisters Münch VII. be­antragte, die Berufung kostenpflichtig zu ver­werfen und den Berufungsklägern die anwalt- üchen Kosten beider Instanzen aufzuerlegen. Die Berufungen seien in sachlicher Hinsicht keineswegs begründet.

Der Provinzialausschuß erkannte zu Recht: Die Berufung des Kreisdirektors des Kreises Gießen gegen das Urteil des Kreis- aus-chusses des Kreises Gießen wird als un­begründet zurückgewiescn und die Wahl des Bürgermeisters der Gemeine Harbach vom 29. Ro­vember 1931 für gültig erklärt. Dagegen wird die Kostenentscheidung des erstinstanzlichen Urteils aufgehoben und die Kosten des Verfahrens dieser Instanz insgesamt der Staatskasse auferlegt unter Ausschluß der Kosten der anwaltlichen Vertre­tung der Deigeladenen. Die Kosten des Ver­fahrens der zweiten Instanz fallen der Staats­kasse zur Last, die Kosten der anwaltlichen Ver­tretung den Beigeladenen.

ter anderem nach Kanada, geht zu den Presby­terianern, studiert, predigt im Reden war er immer grohl, wird Vikarder englischen H o ch k i r ch e , wird Engländer und steigt hinab oder hinaus? in sein wahres Element, in die Politik. Man kann fortan nur andeuten: Tre- bitsch-Lincoln weiß schnell um jede Korruptions- affärc, um jeden Skandal Bescheid, mischt sich hinein, besticht und wird bestochen, verdient großartig, wird Mitglied des Unter­hauses, wird während des WeltkriegesMei- terspion", zunächst für England, dann aberzwi- chendurch" auch gegen England, wird ausgewie- en, geht nach Amerika undenthüllt" von hier aus, was einer ganzen Anzahl von Kommissa­ren des englischen Geheimdienstes, von Offizie­ren, Dienststellung und Pension und Ehre kostet. Trebitsch kommt dannincogrrito nach England Zurück, wird erkannt, denunziert und eingelocht. Man erhebt Anklage gegen ihn wegen tausenderlei Delikten ewiges Zuchthaus wäre das mildeste an Strafe gewesen, das ihm geblüht hötte, wenn Aber diesemWenn" entzog sich der Dielgewandte, floh aus dem Gefängnis, ging nach Deutschland, dem zusammengebrochenen Land, in dem die Parteien gegeneinander wüteten, und bas ein trefflicher Boden für diesen geborenen Verschwörer war. Er ging und konspirierte, er ging zu ____

und Lüttwitzfachmännisch", den berühmten Putsch vorbereiten. Alle Parteien ließen ihn überwachen, englische Agenten hefteten sich an seine Spuren der Boden ward heiß, und Trebitsch verließ ihn wie immer zur rechten Zeit. Er verlegte sein Geschäftsfeld" nach China, wo der Bür­gerkrieg tobte und eine treffliche Chance für findige Parteigänger war. Erberiet" und hetzte und vermittelte bei allen Parteien und ®enew rälen, verdiente an den Chinesen, an den Eng­ländern, an den Japanern, an den russischen Bol­schewisten. Eines Tages verlangte England seine Auslieferung Trebitsch war aber schon wieder über alle Berge. Man trifft ihn jetzt in Afghanistan, wo er zur Abwechslung mal einen König, Arnanullah, stürzen half. Hier er­wischt man ihn: auf Englands Geheiß bringen ihn die Afghanen gefesselt über die Grenze und sehen ihn hier mittel- und nahrungslos aus. Run, ein Trebitsch-Lincoln geht sonormal" nicht zu­grunde. Wenig später ist er endlich dort gelan­det, wo er noch heute hält: ist buddhisti­scher Mönch und Priester undHeiliger".

Ist das die letzte Maske, die dieser ewige Schauspieler Intriganten- Fach I tragen wird? Man weiß es nicht. Bei Trebitsch-Lincoln ist alles und nichts möglich und unmöglich wie immer man will. Vielleicht ist auch die Rolle Chao Kung" nur eine Etappe der großen, unauf­hörlichen Wandlung zum ? Durch einen Be­griff wird dieses Fragezeichen erst erseht wer­den können, wenn die Weltenlaufbahn Trebitschs einmündet in die große Ruhe, die nicht von buddhistischer Lehre, sondern vom Herrn und Be­sieger _allen noch so funkelnden und wilden Lebens, vom Tode diktiert wird.

** Allgemeine Viehzählung am 1. D e - zember. Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat, wie WTB.-Handelsdienst er­fährt, die Landesregierungen durch Rundschreiben aufgefordert, am 1. Dezember 1932 eine allgemeine Viehzählung und in Verbindung damit eine Ermitt­lung der nichtbeschaupflichtigen Hausschlachtungen von Schweinen in der Zeit vom 1. September bis 30. November 1932 durchzuführen. Auf die Zählung von Eseln, Mauleseln und Maultieren, Kaninchen und Pelztieren wird in diesem Jahre verzichtet da­gegen soll die allgemeine Viehzählung auch in Groß­städten mit über 100 000 Einwohnern durchgeführt werden.

des Wahlgesetzes für Gemeinden und Gemeinde­verbände die Wahl von Amts wegen.

Zu dem Verfahren wurden Bürgermeister S ch o m b e r und der neugewählte Bürgermei­ster Münch als Beteiligte geladen. Rach um­fangreicher Beweisaufnahme erkannte der Kreisausschuh des Kreises Gießen durch Urteil vom 23. April 1932 zu Recht, daß die Beanstandung der Wahl des Heinrich Münch V11, zum Bürgermeister der Gemeinde Harbach als unbegründet zurückzuweisen und die Dürgermeisterwahl vom 29. Rovember 1931 für gültig zu erklären sei. Die Kosten des Verfah­rens wurden zur Hälfte der Staatskasse und zur Hälfte dem Beteiligten, Bürgermeister Schorn- ber, zur Last gelegt. Die Kosten der anwalt­lichen Vertretungen hatten die Parteierk zu tragen.

Gegen dieses Urteil verfolgten der Kreisdirek- tor und der Vertreter des unterlegenen Kandi­daten S ch o m b e r Berufung. Die Berufung des Kreisdirektors stützte sich auf die Behauptung, daß der Kreisausschuh das Ergebnis der Beweis­aufnahme erster Instanz nicht richtig gewürdigt habe. Der Derrreter des unterlegenen Bürger­meisters Schomber hielt das angefochtene Ur­teil in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht für fehlgehend und bemängelte, daß die Zeugen nicht vereidigt worden sind. Bqi einer Vereidigung wäre mit der Wahrheit nicht zurückgehalten wor­den, und es hätte sich dann-zweifelsfrei ergeben,

des biederen Züchters haben vorläufig damit ge­endet, daß er hinter schwedischen Gardinen sitzt.

Zölibat für amerikanischeNundfunkstarS

In Amerika ist der Rundfunk privaten Gesell­schaften überlassen, die Konkurrenz ist also recht groß, und es hat sich drüben eine Rundfunkstar- wirtchaft herausgebildet, ähnlich wie beim Theater und Tonfilm. Sie Direktoren der Scndegesell- schäften wollen nun bemerkt haben, daß ihre Stars auffallend an Zugkraft verlieren, wenn sic sich verheiraten. Daher sollen, so haben die Unter­nehmungen in Chikago beschlossen, die Verträge m'.t ihren Stars nur so lange Geltung haben, als die Stars nicht heiraten. Ehe dagegen be­dingt sofortige Entlassung.

Ein Gedächtniskünstler verknust seinen Kopf.

Der englische Gedächtniskünstler Datas hat einen sonderbaren Vertrag abgeschlossen: er bat nämlich feinen Kopf verkauft. Er erhält dafür die Summe von 1000 Pfund sofort ausgezahlt und außerdem eine jährliche Rente von 360 Pfund auf Lebenszeit. Außerdem ist ihm zugesichert worden, daß er bei feinem Ableben einen Sarg und ein anständiges Begräbnis bekommen wird. Für diese Zuwendun­gen hat Datas sich verpflichtet, seinen Kopf der ärzt­lichen Hochschule des Londoner Kings College zu überlassen. Das Geld wird von einer Gruppe von Aerzten aufgebracht, die ihren Namen geheimhalten: ste haben den Wunsch, das Gehirn von Datas zu untersuchen, um vielleicht herauszubekommen, worin die Eigenart seines erstaunlichen Gedächtnisses be­ruht. Datas kann neben anderen fabelhaften Ge­dächtnisübungen 2000 Tatsachen und Daten aus dem Weltkrieg anführen: er kennt den Namen jedes Derbysiegers seit den letzten 50 Jahren, und zwar vermag er den Wanten des Pferdes und des Jockeys und die Gewinn-Quote aufzuzählen.

Volksrechtpartei und Gparerbund im Wahlkampf.

Am Samstagabend traten Volksrechtpartei und Sparerbund mit einer öffentlichen Versammlung imAquarium" in den Wahlkampf ein. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, Herr Rei­ber, begrüßte die Erschienenen.

Sodann hielt Oberschulrat D a u s e r, seither Mitglied des Reichstages, einen Vortrag über das ThemaDurch Volksrechtkampf Schutz dem Sparer und Hilfe dem Volt". Der Redner be­richtete als Augenzeuge zunächst eingehend über die Auflösung des Reichstages am 12. September und erklärte, daß in der fraglichen Sitzung der Reichskanzler unbedingt zu Wort hätte kommen müssen. Die Parole der Volksrechtpartei laute heute: Auf zum Volksrechtkampf für Deutsch­lands Wiederaufbau: für den Rechts- und Kul­turstaat gegen den Parteistaat einer einzelnen Partei, gegen einseitige Diktaturbestrebungen! Der Staat solle über den Parteien stehen und den Rechtsgedanken durchführen. Die Volksrecht­partei begrüße es, daß die gegenwärtige Regie­rung und der Reichspräsident über den Parteien stehen wollten. Das System der letzten Jahre sei dringend verbesserungsbedürftig. Daß unsere Parteien den Weg zur sachlichen Arbeit nicht gesunden hätten, dafür habe die Vergangenheit den Beweis erbracht. Don Agitation allein könne unser Volk nicht leben, es müsse sachliche Arbeit geleistet werden. Der Redner verwarf auch die Listenwahl und wünschte die persönliche Wahl rechter Volksführer mit Verantwortungsgefühl, die bereit seien, bei der nicht ausbleioenden Reichsreform, der Verfassungs- und Wahlreform mitzuarbciten. Das Wahlalter müsse hinaufgesetzt werden. Leider sei es heute so, daß jeder in der Politik glauben mitreden zu können. Die Par­teien müßten lernen, daß sie dem Volk gegen­über Pflichten hätten und nicht dafür da seien, unhaltbare Versprechungen zu machen. Die Volks- rechtpartei verlange, daß die betreffenden Or­gane zusammenarbeiteten zum Wohle des ganzen Volkes, und wenn diese Zusammenarbeit nicht gehe, dann müsse die Regierung regieren ohne Parlament.

Der Redner kam dann noch auf die besondere Fürsorge für die Sparer zu sprechen. Die zurück­liegende Reichspolitik sei eine Politik der Ver­gewaltigung gewesen und nicht des Rechts. Wenn auch Sparer- und Rentnerbund nur klein seien, so-- seien ihre Kämpfe um das Recht doch nicht erfolglos geblieben. Volksrechtpartei u ib Sparer­bund verlangten, daß die Kapitalbildung im Land gefördert werde. Die Regierung müsse sparfreundliche Politik treiben; die Belebung der Wirtschaft werde folgen, wenn die Kaufkraft im Volk gestärkt werde. Auch die Hauszinssteuer- frage bedürfe unbedingt einer Reuregelung: in der Auswertungsfrage dürfe noch nicht das letzte Wort gesprochen fein. Ferner wünschte der Vor­tragende den Ausbau des Arbeitsdienstes als Dienst am Volk. Auch eine bessere Arbeitsver­teilung wäre zu erstreben, damit in jeder Familie wenigstens ein Glied, der Vater, Arbeit bekomme. Ein Rechtsstaat müsse über dem Parteistaat stehen und Arbeit und Eigentum, Recht und Freiheit gewähren, (Lan»anhaltender Beifall!)

In der Diskussion sprach Iustizrat Lind (der Vorsitzende des Darmstädter Rentnerbundes) über hessische Verhältnisse. Den Ausführungen eines weiteren Diskussionsredners, bei der kommenden Wahl überhaupt nicht mehr zu wählen und einigen weiteren Anfragen über Auswüchse in der Subventionspolitik, trat Professor (Säufer in sachlicher Weife entgegen.

Verhängnisvoller Zusammenstoß.

In der Rodheirner Straße, in der Rähe der Tankstelle von Rebhut, ereignete sich gestern ge­gen 19 Uhr ein schwereräänfall. Der Reichs­wehrfeldwebel Willi K l ö g e l von der 3. Kom­panie, der sich mit seinem Fahrrad auf dem Wege zur Kaserne k»»fand, geriet auf bisher noch nicht völlig geklärte Weise mit dem Personen­kraftwagen einer hiesigen Firma zusammen und wurde heftig auf die Straße geschleudert. Er stürzte dabei so unglücklich, daß er einen Schädelbruch erlitt, der (durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz) seine sofortige äleberführung in die Chirurgische Klinik nötig machte.

Bornotizen.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben Heute 20 Uhr erste Wieder­holung des LustspielsFreie Bahn dem Tüch­tigen" von August Hinrichs; Spielleitung Karl H e y s e r. Zweite Vorstellung im Dienstag- Abonnement; gewöhnliche Pbeise. Als zweite Vorstellung im Mittwoch-Abonnement wird das

Während früher die Vogelforfchung sich auf die Beobachtung der ab- und durchziehenden Vö­gel, ihres Aufbruchs zur Reise und ihrer Rück­kehr beschränkte, verwendet man seit einem Menschenalter zur Feststellung der Wanderwege und äleberwinterungsgebiete und zur Beantwor­tung der Frage, ob'sie in späteren Jahren zur Drutheirnat zurückkehren, auch die Kennzeich­nung der Vögel mit numerierten Fußringen, die die Anschrift einer Vogelwarte tragen Diese sog.Dogelberingung" hat die Zugverhältnisse vieler Vögel fast völlig geklärt und gezeigt daß z. B. die meisten hessischen Vögel nach Südwesten ziehen und deshalb in großer Zahl aus Frank­reich, Spanien und Afrika zurückgemeldet wer­den: dazu gehören besonders die Störche Kie­bitze, Stare. Drossel- und Bachstelzenarten.' Don anderen Dogeln, besonders den Schwalben war­tete man lange Zeit vergeblich auf Rückm'eldun- eEH die von derZweigberingungs- stelle Marburg . Hessen-Rassau der Vogelwarte Helgoland und demVogelring Verei.

.für Vogelkunde und Vogel- schütz (Leitung: Dr. Sunkel, Marburg a.d.Lahn) großzügig durchgeführten Massenberingungen auch einige Fernfunde der Rauchschwalbe aus Süddeutsch- lanch Frankreich Spanien. Kamerun und Kongo brachten, so daß Richtung und Ausdehnung der Schwalbenzuge jetzt ungefähr bekannt sind Die Fortsetzung der Beringung dient vor allem der Frage nach der Zuggeschwindigkeit. Schwieriger als die räumlich-zeitlichen Fragen des Vogelzuges ist das P r ovlem der Orientierung V er Z u googel, nrie der Bogel die mehrere taufend Kilometer lange Strecke hin und her findet, zumal wenn es sich um Jungvögel handelt, die ohne Füh- rung der Alten reifen. Auch hier hat derDogel- nng schon vor Jahren Versuche angeregt,b e - r t n g t e Vögel auf schnellstem Wege an einen entfernten Ort zu verfrachten und dort freizulassen. Mehrere, von Mitgliedern desVogelring" unter­nommene Verfrachtungsversuche mit Heckenbraunellen, Meisen usw. biteben zunächst ohne (rrfolg. Als aber andere Forscher Ergebnisse erziel­ten mit Blaukehlchen, die von Bayern nach Pots­dam zurückfanden, dehnte derVogelring" seine Versuche auf ausgesprochene Zugvögel aus und oer> fradjtete im Herbst 1931 von Kassel nach Ems 19 Mehlschwalben (alte und junge), die in Ems sofort freigelaffen wurden. Das kaum Erhoffte trat ein: mehrere dieser Vögel waren im Sommer 1932 wie­der am Kasseler Brutplatz durch KontrollOnge als Brutvögel zu bestätigen, und es waren darunter auch vorjährige Jungvögel. Die Annahme eines besonderen Sinnes, der den Vogel so lange in einer bestimmten Richtung fliegen läßt, bis der innere ^eiz aufhört, scheint durch diese Ergebnisse gerecht­fertigt. Natürlich müssen diese Versuche, die der Vogelzugforschung neue Wege zeigen, in dieser und mannigfach abgewandelter Form an verschiedenen Orten und nach verschiedenen Richtungen fortgesetzt und ausgebaut werden, ehe der Schleier, der den Vogelzug umgibt, gelüftet werden kann. Noch in anderer Weise beschreitet derVogelring" neue Wege zur Erforschung des Vogelzuges: durch Schaf­fung einer Kette von kleinen Forschungsstationen, einer ReiheDogelring-Punkte". die sich als eine Zone von Vogelschutz-, -beobachtungs- und -be- ringungsplätzen quer durch das Land zieht und in der Verbindung von Vogelhege und Vogelforschung und einheitlicher Zusammenarbeit auch zur Lösung folgender Fragen beitragen kann: Wie vollzieht sich im Binnenland der Aufbruch der Zugvögel? Wie ihre Vereinigung zu Vogelschwärmen? Wie beein­flussen die landschaftlichen Eigentümlichkeiten und Veränderungen den örtlichen Verlauf des Vogel- ' Zuges? In welcher Form erfolgt die Wiederbesied­lung des Landes durch die Zugvögel im Frühjahr usw ? Das bedeutet eine Menge von Problemen, die nicht die an einen bestimmten Ort gebundenen Vogelwarten oder einzelne Beobachter lösen können; erfolgreich können diese Fragen nur angepackt wer­den von einer Menge gleichmäßig arbeitender Vo-

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