nehmen. Der Dorschende gibt anheim, die Herren mitzubringen. Wan werde ihnen dann Gelegenheit zur Aeußerung geben. Don sich aus aber werde der Staatsgerichtshof kaum eine Ladung e ergehen lassen.
Der Staatsgerichtshof vertagte dann die Sitzung auf Dienstag.
Zentrum „beobachtet" im Auswärtigen Ausschuß.
Berlin. 10. Olt. (DDZ.) Wie das Dachrichtenbureau des DDZ. erfährt, wird sich auch das Zentrum an den Beratungen des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags am Dienstag nicht beteiligen. Es wird lediglich den Abgeordneten Dr. Bell als Beobachter in den Ausschuß entsenden. Die Sozialdemokraten werden sich erst am Dienstagvormittag darüber schlüssig werden, ob eine Teilnahme an den Beratungen einen Zweck hat angesichts der Tatsache, dah die Regierung nicht im Ausschuß erscheint. Da die Deutschnationalen schon mitgeteilt haben, daß auch sie an der Ausschuhsitzung nicht teilnehmen werden, ist es möglich, daß Rationalsozialisten und Kommuni st en allein bleiben werden. Daß es unter diesen Umständen zu einer sachlichen Beratung überhaupt kommen kann, ist sehr unwahrscheinlich.
Keine Gehaltskürzung durch das Reich.
Berlin, 10. Okt. (ERB.) In einer großen westdeutschen Zeitung ist davon die Rede, daß der mecklenburgische Ministerpräsident Granzow in einem Schreiben an die Finanzminister der Länder von einer Kürzung der Beamtengehälter durch die Reichsregierung gesprochen hat. Wie wir aus Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen, dazu erfahren, ist vom Reich eine derartige Gehaltskürzung nicht geplant. Einzelne Länder sind zwar an die Reichsregierung mit dem Wunsch herangetreten, die Gehälter zu kürzen, doch sind diese Ersuchen von der Reichsregierung abgelehnt worden. Sie hat auch keine generelle Anregung zu Gehaltskürzungen an die Länder gegeben.
0er Wahlkampf in Amerika.
Magere Aussichten für Hoover
Washington, 7. Okt. (WTB) Präsident Hoover richtete heute seine zweite Wahlrede vom Weißen Hause im Rundfunk an die Frauen der Ration, die, wie er sagte, weiter schauend seien als die Männer und nicht an eine sofortige Besserung, sondern an die S t a b i l i fi e r u n g für lange Sicht dachten, damit Heim und Erziehung ihrer Kinder nicht gefährdet würden. Der Weltkrieg sei schuld an der gegenwärtigen schweren Lage der amerikanischen Ration. Seine Bemühungen zur Befriedung der Welt durch eine Rüstungsherabsetzung werde den Angriff schwerer und die Verteidigung leichter machen. Die amerikanische Hochschutzzoll, mauer habe die Arbeiter und deren Familien vor Verelendung durch die Ueberschwemmung des Marktes mit billigen ausländischen Produkten bewahrt. Roosevelts Plan über die Tarifverträge lehnte Hoover mit der Bemerkung ab, Amerika lasse sich seine Zollsätze nicht von den Ausländern diktieren. Hoover erwähnte die Prohibition nicht, auch erläuterte er nicht den neuerlichen Plan der Regelung der Kriegsschulden. Man nimmt an, daß er eine Losung vorschlägt, die die Jahreszahlungen der Alliierten nicht in die Bundeskassen leiten, sondern zum Ankauf amerikanischer landwirt- s cha ftlicher Produkte verwenden würde.
Hoovers Aussichten werden nach wie vor als zweifelhaft bezeichnet sowohl von den demokratischen als auch von den republikanischen Blättern, die von ihren Lesern private Abstimmungen vornehmen ließen. Man betrachtet die Beilegung des Zwistes zwischen Alfred Smith und Roosevelt sowie dos heutige Eintreten des in weiten Kreisen gelesenen Walter Lippmann für Roosevelt als schwere Schläge für die Republikaner.
Dor einem Handelskrieg mit Holland.
Oer Widerstand gegen die Kontingentierung der deutschen Einfuhr.
Von unserem ^.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Amsterdam, Okwber 1932.
Die Abordnung des Reichsernährungsministeriums, die beauftragt worden ist, in einer Reihe europäischer Hauptstädte Verhandlungen über d i e geplanten Kontingentierung 5- Maßnahmen zu führen, hat nach einem anfänglichen Erfolg in Brüssel die niederländische Reschen,;- stabt am Dienstag unverrichteter Dinge verlassen müssen. Wohl war von vornherein damit zu rechnen gewesen, daß gerade die Verhandlungen mit Holland, das immer wieder darauf pochte, nach Rußland der zweitbeste Abnehmer deutscher Produkte zu sein, sich am schwierigsten gestalten würden: auf Grund der Ausführungen des Reichsernährungsminifters in München, die noch keine Angaben über das Ausmaß der beabsichtigten Kontingentierungen enthielten, bestand aber noch die Möglichkeit einer wenigstens teilweisen Einigung. Rach Bekanntwerden der in Brüssel von der deutschen Abordnung gemachten und von der belgischen Regierung angenommenen Vorschläge mußten die Aussichten auf eine Einigung im Haag aber als äußerst gering eingeschägt werden. Diese Annahme hat sich leider auch bestätigt: die niederländische Regierung stellte sich aus den Standpunkt, daß die Vorschläge, über die Einzel- heitenheiten nicht bekannt geworden sind, die sich aber von den in Brüssel gemachten nicht wesentlich unterscheiden dürften, nicht die Grundlage von Verhandlungen bilden könnten. Der deutschen Abordnung blieb nichts anderes übrig, als diese Mitteilung zur Kenntnis zu nehmen und sie nach Berlin weiterzuleiten, worauf sie noch am Dienstagabend nach Rom weiterreiste.
Geht man den Gründen für die strikt ablehnende Haltung der Haager Regierung nach, dann muß zunächst festgestellt werden, daß bereits seit Jahren in holländischen Wirtschaftskreisen eine starke Unzufriedenheit mit Deutschlands Handelspolitik herrscht, die sich manchmal und in bestimmten Kreisen, besonders innerhalb der Landwirtschaft, zu (Erbitterung stet- gerte. Den ersten Anlaß hierzu gab der deutsch- finnische Handelsvertrag, in dessen auch für Holland angewandten Bestimmungen über d i e Butterfrage man hier eine Verletzung des Holland durch Handelsvertrag zugestandenen Meistbegünstigungsrechts erblickte. Die Erregung in holländischen Wirtschaftskreisen war, wie vielleicht noch erinnerlich sein dürfte, damals so groß, daß ein geplanter Boykott deutscher Waren auf der Messe in Utrecht nur mit Mühe abgebogen werden konnte. Auf die deutsche Butterpolitik, ferner auf die 1930 in Kraft getretenen Zoll- erhöHungen für Frischfleisch, Milchprodukte und Mehlfabrikate führte man es zurück, 'daß die gesamte landwirtschaftliche Ausfuhr Hollands nach Deutschland von 290,4 Millionen Gulden im Jahre 1929 auf 214,4 Millionen im Jahrc> 1930 zurückging, und im einzelnen die Fleischausfuhr um etwa 60 und die Butterausfuhr um etwa 28 v. H. s a n k.
Dos Jahr 1931 brachte infolge der Julkereignifse in Deutschland d i e Deoisenmaßregeln, die sich nicht mehr allein >auf die landwirtschaftliche Ausfuhr, sondern auch auf die gesamte Ausfuhr Hollands nach Deutschland auswirkten. Sie hatten 3ur Folge,- daß bei einem Rückgang der gesamten Ausfuhr von 455,5 Millionen Gulden im Jahre 1929 auf 255 Millionen im Jahre 1931 die landwirtschaftliche Ausfuhr um weitere 84 Mil- lionen auf 13 0,2 Millionen Gulden sank, und dieser Rückgang sich auch in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres fortsetzte. Als Beweis wird von holländischer Seite immer wieder d i e Butter herangezogen, deren Ausfuhr im Juni dieses Jahres sich etwa auf ein Neuntel der im gleichen Monat des Jahres 1929 ausgeführten Mengen stellte. Es war nicht so sehr die (Ergreifung der Deoisennotmaßnahmen selbst, deren Notwendigkeit sich kein Einsichtiger verschließen konnte, als vielmehr' die Tatsache, daß sie auch gegenüber Holland mit. voller Schärfe angewandt wurden, die als unbillig und ungerecht empfunden
wurde. Man beruft sich immer wieder darauf, daß Holland als Kreditgeber und bester zahlende Kunde Deutschlands eine bessere Behandlung verdient habe.
So war es nicht zu verwundern, daß sofort nach Ankündigung der Kontingentierungspläne durch den Reichsernährungsminister in allen holländischen Wirtschaftskreisen sich starker Widerstand geltend machte. Die Mitteilung des Ministers, daß von der Kontingentierung fämtliche Kohlarten, Tomaten, Obst, Schlachtvieh, einige Holzarten, Fett, Erbsen usw. ersaßt werden sollten, besagte nämlich nichts anderes als einen drohenden Rückgang der Ausfuhr der Erzeugnisse, die wie Dbft, Gemüse und Käse bisher verhältnismäßig am wenigsten betroffen worden waren. Die holländischen Beschwerden richten sich zunächst dagegen, daß für die Festsetzung der Kontingente das hinsichtlich der Ausfuhr ungünstige Jahr 1931 als Grund- tage dienen soll, was als Unbill empfunden wird. Ferner werden die vorgeschlagenen Kontingente als viel z u niedrig bezeichnet. (Eine Kontingentierung in dem der belgischen Regierung oorgeschlage- nen Ausmaß würde Holland in Millionen Gulden (die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Jahr 1929) eine jährliche Ausfuhr ermöglichen: an Butter für 11,8 (66,4), frisches Gemüse für 10 (42,9), Dbft 1,6 (7,3) usw. Weitere Bedenken richten sich dagegen, daß die Verteilung der Kontingente unter die verschiedenen Länder in ähnlicher Weise erfolgen soll, wie die Zuweisung der für die Einfuhr zur Verfügung gestellten Devisen, ohne daß den besonderen Interessen der einzelnen Länder Rechnung getragen werde.
In Berlin hat die unzugängliche Haltung der niederländischen Regierung starkes Befremden heroorgerufen, um fo mehr, als Holland bereits früher eine Reihe von Einfuhr- kontingenten festgesetzt hat, Shne vorher die deutsche Regierung davon zu unterrichten oder sich mit ihr in Verbindung zu fetzen. Demgegenüber könnte man sich vielleicht auf holländischer Seite darauf berufen, daß es sich hierbei bereits um Vergeltungsmaßnahmen gehandelt habe. Dieser Einwand würde aber nicht zutreffen, da durch eine Reihe von Kontingentierungen, beispielsweise von Schuhen, Strümpfen und Teppich n, andere Länder, die Tschechoslowakei, Ja;'an und die Türkei, weit mehr betroffen werden als Deutschland. Was den Widerhall in Holland anlangt, so hat die Haltung iber Regierung allgemeine Zustimmung gefunden. Man ist der Ansicht, daß durch eine andere Handlungsweise den Interessen der holländischen Wirtschaft großer, nicht wieder gutzumachender Schaden zugefügt worden märe. Der deutschen Diplomatie wird der alte Vorwurf gemacht, daß sie ihre Feinde besser behandele als ihre Freunde und anscheinend nur für eine Politik der „harten Hand" zu - g ä n g I i d) sei, womit auf die letzten italienischen Maßnahmen angefpielt wird. Auch ba> Gespenst einer politischen und wirtschaftlichen Isolierung wirb, so z. B. von bem liberalen „Algemeen Han- delsblab", herangezogen.
Angesichts der Wendung, die die deutsch- niederländischen Kontingentierungsverhandlungen genommen haben, richtet sich das Interesse nunmehr auf die Frage, welche Haltung daraufhin die deutsche Regierung einzunehmen gedenkt. In sämtlichen Betrachtungen wird darauf hingewie- sen, daß es sich bei den vorgeschlagenen Kontingenten noch nicht um endgültige Beschlüsse handelte und die Möglichkeit neuer Vorschläge vorhanden sei, sei es entweder durch Einwirkung der deutschen Industrie oder der Erfahrungen, die die deutschen Unterhändler bei ihren Verhandlungen in Rom, Kopenhagen usw. noch machen werden. Für den Fall, daß diese Hoffnung täuschen sollte, werden in der Oeffent- lichkeit bereits eine Reihe von Maßnahmen erwogen, angeblich nicht um Vergeltung zu üben, sondern allein um die niederländischen Lebensinteressen zu „schützen". In zahlreichen privaten Reden und Veröffentlichungen der letzten Zeit ist in diesem Zusammenhang von Boykott die Rede gewesen. Auch in einem von den nieder
ländischen Brauereien an ihre deutschen Lieferanten gerichteten Rundschreiben wurde in Aussicht gestellt, dah man sich eventuell veranlaßt sehen würde, in diesem Jahre Maschinen, Gerste. Malz und Hopsen nicht aus Deutschland zu beziehen, sofern man diese Artikel in gleicher Qualität und zu gleichen Preisen wo anders bekommen könne.
Die Regierung selbst dürste Wohl die Anwendung der Waffe des einseitigen Devisenclearings vorziehen, zu dem ihr das Parlament bereits im Juni die Ermächtigung gegeben hat. In dem betreffenden Gesetz ist u. a. eine Einfuhrbe-chränkung als Sonde rmah- nahme gegenüber den Ländern vorgesehen, die der liberalen Haltung Hollands gegenüber ihrer Ausfuhr nicht ausreichend Rechnung tragen. Vorgesehen ist darin ferner, daß einschränkende Bestimmungen hinsichtlich der Begleichung der aus der Wareneinfuhr entstandenen Schulden gegenüber solchen Ländern getroffen werden können, die ihrerseits einschränkende Bestimmungen hinsichtlich des internationalen Zahlungsverkehrs getroffen haben. Gedacht wird ferner an die Möglichkeit schärferer Kontingentierungen |o- wie an die Einführung eines Kompenfationsfnftems, wonach Ankauf in Deutschland nur nach Maß- gäbe deutschen Einkaufs in Hollnnd erfolgen soll. Im Zusammenhang mit der Tatsache ferner, daß der deutsch-niederländische Handelsvertrag Ende dieses Jahres abläuft, werben bereits Stimmen gegen eine Verlänge r u ng des Vertrages laut. Welche der erwähnten Maßnahmen schließlich ergriffen werden wird, läßt sich im Augenblick nicht voraussehen. Man will im Haag zunächst abmarten, was Berlin nunmehr zu tun gedenkt, da man, wie bereits erwähnt, d i e Möglichkeit neuer deutscher Vorschläge für vorliegend erachtet und hofft, daß sich eine weitere Verschärfung der deutsch-niederländischen Beziehungen vermeiden lassen werde.
Aus aNer Wett.
Geheimrat Professor Dr. fiüttner f.
In München ist an seinem 62. Geburtstage der ordentliche Professor der Chirurgie an der Universität Breslau, Geheimer Rat Dr. K ü 11- ne r. gestorben. Küttner kam 1907 von Marburg nach Breslau, wo er im Mai 1932 sein 25jähriges Dienstjubiläum als Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik begehen konnte.
Jäger erschießen ein spielende» Sind.
Einem tragischen Irrtum zweier 3 ä • ger fiel, wie aus Bielefeld gemeldet wird, in der Rotenhagener Jagd bei Lehrte ein achtjähriger Knabe zum Opfer. Die beiden Jäger, die sich auf Fuchsjagd befanden, glaubten in einer Entfernung von etwa 150 Metern einen Fuchs zu sehen und legten darauf an. In Wirklichkeit mar es das achtjährige Söhnchen eines Maurers, das eine braune Wildlederhose trug und sich spielend an dem Fuchsloch beschäftigte. Das Kind erhielt einen Rücken- unb Bauchschuß und mar sofort t o t. Die unglücklichen Schützen brachen unter der schweren Gemütsdepression zusammen. Die Bielefelder Staatsanwalt- schäft hat eine Untersuchung eingeleitet, ob Fahr- läftigkeit ober eine Verkettung unglücklicher Um- stände vorliegt.
Die Südamerikafahrt des „Graf Zeppelin".
Das Luftschiff „Gras Zeppelin" hat, einer Meldung aus Paris zufolge, am Montagsrüh 4.40 Uhr Dalenco-sur-Rhöne überflogen und erreichte nach einem Funkspruch von Di-rd bei außerordentlich guter und rascher Fahrt um 10 Uhr MEZ. bereits Barcelona.
Jimmy Walker in Reuyork.
Der vormalige Bürgermeister von Neuvork. Jimmy Walker, ist an Bord der „(Europa* in Neuyork eingetroffen. Seine Anhänger bereiteten ihm einen lebhaften Empfang. Auf Befragen erklärte Walker, er habe gegenwärtig keine Pläne für die Zukunft und wolle sich nur ausruhen.
In 5% Stunden Rom—Berlin.
Das dreimotorige Iunkersflugzeug 2202 Iu. 522 das erst kürzlich den Flug München—Rom in 3*/z Stunden zurücklegte, hat einen neuen Rekord aufgestellt. Es ist in der Zeit von nur 51/?Stunden vonRom nach Derl i n geflogen. Ein Schnellzug benötigt zu der gleichen Strecke etwa l1/2 Tage.
das
nimmt im Sturm das
Spiele am Morgen
Don Fred Lang.
hrn.nnHf*Umi^Ck $cr ^aubcrbccg. Originell und wltrrhap^y end- in prominenter De- P-Ovas Knie, hochgestellt, mit ^eppdeckc darüber. Der dräuende Gipfel wird pustend nicht ohne väterliche Dachhilfe er. ^Sarti?n96t>Dl1 thront Peter auf steiler beginnt leise zu xittem, aus der schallt drohendes unterirdisches Rollen. (Gin au$ Bauchredner sein.) Der Dera Ltttert nicht mehr, er wankt. Ein Sturuuoind heult»
Die Dacht von Samstag auf Sonntag ist für jeden Arbeitsmenfchen die längste und schönste. Sie sollte es eigentlich sein — aber gegen halb acht tönt aus dem Kinderzimmer erst monotones Ge- murmel, dann schon lauteres Selbstgespräch, und endlich forderndes Gebrüll. Seufzend dreht sich „Pappa" auf die andere Seite und beschließt schlecht zu hören. Aber Peter, das Goldkind, ist wach. Er geht wochentags in kein Düro er ist anderthalb Iahre alt, für ihn hat am Sonntag die Morgenstunde großartige Sachen im Munde unb außerdem will er frühstücken, und dann die Ovationen seiner Eltern entgegennehmen. Eine Weile ebbt das Geschrei ab, ab und zu hört man Lieschen fragen: Wie schmeckt denn dem Kind das Fläschchen? Und dann geht leis die Tür Papas Träume von Zeitunglesen und ausführ- l'chem Frühstück entschwinden, auf kleinen bloßen Fußen tappelt etwa« heran, ein blondes Köpfchen unö zwer riesengroße Augen tauchen auf, ' Bambino ist erschienen und nimmt im 6tur„ •Jett in Besitz, Parole und Feldgeschrei: Ei. ei, ei, Papa, Papa. Der Papa denkt, wozu bin ich erwachsen und schlau, ich mach die Augen zu und schlafe. Aber Peter, leidpr, ist nicht erwachsen und schlau, sondern klein und ausgekocht und weiß, wie er seinen Alten wachkriegen kann. Zuerst bohrt man ein bißchen mit dem Finger in den Augen, rann beißt man Papa mit all den schönen neuen scharfen Zähnchen in die Olafe, daß er laut schreit, uno schon ist das große Spielzeug wach und es gibt eine Riesenfreuerei und ein mächtiges Ge- knutsche. Dann wird die Mutti begrüßt, indem man ihr einfach aufs Gesicht fällt und sie zielsicher m den Tauch tritt. Damit sind die Degrühungs- formalitaten abgeschlossen, und das große Variete- »Programm kann beginnen.
von Muttis zartem Mäulchen täuschend ähnlich imitiert. (Erprobte Geräuschkulisse, wenn das Wirtschaftsgeld nicht reicht. Hebung macht die Meisterin.) Der Berg wackelt gefährlich, der Krach steigert sich, das Gipfelmäknlein quietscht ... Da- turkatastrophe ... völliger Zusammenbruch der Akteure und Einsturz des Gebirges. Der Bergsteiger wird von hilfreichen Händen gerettet und schnauft beträchtlich vor Aufregung nach all dem Wonne- gruseln. Große Pause mit Erfrischungen in der Wandelhalle. Papa trinkt kaltgewordenen Kaffee, Mutti ordnet das Trümmerfeld und der erste Held kräht angeregt hee, hee. Papa sagt: Ahoi riefen öie Matrosen, und so war es auch. Fortsetzung der großen Schau, es folgt die zweite Dummer.
»Zeltleben in Afrika." Papa und Peter unter der Bettdecke. Proviant wird verteilt. Peter schmeckt es auch in Zentralasrika ausgezeichnet. Ha, ein wildes Tier umkreist das Zelt. Es brüllt ent- Mich- lMutti, siehe oben unter Wirtschaftsgeld.) Es ist ein Löwe, ein ganz furchtbar hungriger Lowe. Er haut mit der Tatze an die Zeltwand. Peter kriegt mächtige Angst, er ist kein Elefanten- lager mehr, sondern ein feiger kleiner Junge. Der Leu geht icht aufs Danze, er stürmt das Zelt ..._ em ^ahenschlag streckt Papa leblos nieder, der brüllende Peter wird geraubt. Das Zelt sinkt zu. lammen, man ist wieder im Schlafzimmer, Peter hegt "n Arm der Löwin und schnappt begeistert nach Luft. Papas Kaffee wird als Eiskaffee ver- zehrt die Löwin sagt, sie fei vollkommen fertig, imb Peter benutzt die Pause, um sich auf seine dritte Rolle vorzubereiten, die seine aktivste ist und seinem Talent als erster Held reichste Ent- faltung gestattet.
Es folgt das Schaustück: Ter Stierkampf oder Don Pedro, Torero von Sevilla. Requisiten: Zwei sch reckenerregende Hörner, die Papa aus seinen Haaren gedreht hat, woraus man erkennen mag. daß er dazu verdammt ist, die traurige Rolle des Stieres zu spielen. Ein Rohrstock als Degen in der nervigen Faust Don Pedros, des unerschrock- 'nen Torero, unb ein mutiger Klepper, der im Privatgebrauch Mutti heißt. Die Arena wird ge- räumt, Trompetenstöße klingen (siehe oben, unter Papa als Bauchredner). Don Pedro gibt dem Klepper die Sporen, der Stier senkt die Hörner, das mörderische Ringen hebt an. Wohlgezielte Degenstöße treffen den Stier in Bauch und Brust sein Klageschrei läßt die Luft erzittern. Der Torero lauft vor Stolz blaurot an, der Klepper wiehert vor Schadenfreude und tritt auch seinerseits.
feste gib ihm, mit allen Hufen nach dem Stier, der sich selbst innerlich einen Ochsen schilt. Er ist ein schlechter Stier, ein feiger Stier, in Sevilla würde man ihn auspfeifen und verächtlich eine Kuh nennen. Ein kühn und geschickt geführter Degenstoß dringt der Bestie ins Herz, sie sinkt entseelt zusammen, und Roh und Reiter um» hüpfen munter den Kadaver.
Don Pedro wird auf einmal ein schrecklich müder kleiner Junge. Er kriecht zu Mutti ins Bett, nah, da ist es so schön warm, uaah, gleich wird er wieder spielen, uaaah, und schon ist er eingeschlafen mit geballten Fäustchen, hochroten Backen und verstrubbelten Haaren.
Papa ruht sich aus und trinkt frischen heißen Kaffee, nimmt die Zeitung und lieft darin von Politik und Krieg in China, von Erdbeben auf Kuba und Zusammenbrüchen von Konzernen, von Gewalttaten und politischen Morden, von Goldabzügen und Dotenhortung. Das sind so Spiele der Erwachsenen, denkt Papa, und wünscht sich, daß Peterchens Spiele immer so freundlich und friedlich ausgehen mögen, wie der Bergsturz, das Abenteuer in Afrika und der Kampf mit dem wilden Stier. Uni) wenn es einmal drohen sollte, schief zu gehen für den kleinen Torero, dann möchte Papa immer neben ihm stehen, diesmal aber mit richtigen scharfen Hörnern, vielleicht nicht mehr ein zorniger Dulle, aber wenigstens als ein weiser, alter Ochse. Amen.
Tonfilm: ^öie verkaufte Braut"'.
ometanas komische Oper von der verkauften Braut als Tonfilm. Die Grenzen der Kunstgattungen verwischen sich: die Oper als Film, oder der Film als Oper — man weiß, wenn man bas sieht und hört, kaum noch, was das Ursprüngliche und Eigentliche des heiteren Spiels ausmacht. Aber man sieht, was ben Regisseur Max Ophuelsan bem Vorwurf ge» rei^t hat und spürt seine Freude an der aus ben engen Begrenzungen bes Bühnenspielfelbes ent» ounbenen Bewegung-, bas Vergnügen, bie Vorgänge 9°n3 realistisch ins Freie verlegen unb bte Fülle ber tftguren, bte Vielheit ber Szenen in einem großen Jiaum, auf einer Naturbühne gewissermaßen, ab»
r n tQ^.en- Bewegungsregie ist bas Kennwort bteser Inszenierung, ein schneller ungehemmter Ab» lauf heiterer optischer Einbrücke, zu Denen bie Par» tttur nur gleichsam bte trabitionetten musikalischen Einsätze festlegt. Außerdem verfügt der Spielleiter
über eine Besetzung von hohen Graden: Jarmila N o v o t n a , aus ben letzten Berliner Inszenierungen Max Reinharbts rühmlich bekannt, unb Willy Domgraf-Faßbaenber spielen als Marie unb Hans bie erste Geige: bie Noootna eine schöne unb schönsingenbe Braut, Domgraf ein ritterlicher Postillon unb Liebhaber. Annemie Soerenfen unb Paul Kemp: Esmeralba unb Wenzel: Karl Valentin unb Liesl Karlstabt. bas groteske Münchner Komikerpaar: Max N a b l e r als Bürgermeister unb Otto Wernicke als Heiratsvermittler Kezal finb aus einem großen Aufgebot heroorzu- heben. Wen also bie Verfilmung einer bekannten Oper nicht reizen kann, ber fei auf bie Besetzung hingewiesen, bie man sonst kaum hier erleben wirb. Bemerkenswert ist auch bie klangreine unb störungsfreie Wiebergabe. — Probuktion: Reichs-Liga-Film ber Heros-Film ®. m. b. S).\ (eit gestern im neuen Programm bes Lichtspielhauses.
Zeitschriften.
— Mutter unb K i n b, Zeitschrift für Ernäh- rung, Pflege unb Erziehung bes Ktnbes. Verlag Elwin Staube, Osterwieck (Harz). — Das Oktoberheft bringt u. a. ein Interview über bie Kinbergymnastik. Diese Unterrebung mit Neumann-Neurobe, ber sich für bte Entwicklung ber Säuglings- unb Äleinkinber- gymnastik seit Jahren mit großem Erfolg einsetzt, ist äußerst lehrreich unb wirb jebe junge Mutter Inter- effieren. Auch bie übrigen Beiträge wie z. B. „Warum Kinber so langsam essen", „Linkshänbigkeit", Jahrmarkt bes Kindes", „Das Aboptiokinb", „(Ein Mtb beobachtet" unb „(Eltern, kümmert Euch um
Schularbeiten ber Kinder" werben Eltern und Erziehern manche Anregung geben.
Lochschulnachrichten.
Di« Ernennung des Honorarprofessors Dr. Ernst Kantorowicz an der Universität in Frankfurt a. M. zum ordentlichen Professor der Geschichte als Dachfolger von Professor Fedor Schneider wird amtlich bestätigt.
Der außerordentliche Professor Dr. Walter Mevius an der Universität Münster hat einen Ruf auf das Ordinariat der Botanik an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule als Dachfolger des verstorbenen Professors Hugo Miehe angenommen.


