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Von Geld und Lebe.

Roman von Srete von Saß.

Copyright by Martin Feuchtwcmger, Holl«

9. Sortierung. Nachdruck oerboten.

Ein Anruf aus Berlin", sagte er, zu ihr zurückkommend.

Für mich?" fragte sie.

Ja!" Sie gingen zusammen in die Diele.

Als sie sie betraten, läutete der Apparat.

Eva nahm das Schallrohr.

Ja hier Eva Tönnies."

Friedrich Schadow stand unentschlossen da.

Eva. das Schallrohr am Ohr, sah ihn an.

Soll ich gehen, um Bescheid zu sagen?" flüsterte er ihr zu. Sie schüttelte kaum merkbar den Kopf.

Doktor, das tft ja nicht möglich", sagte sie, und ihre Stimme zitterte. Alles Blut wich aus ihrem Gesicht. Mit angstvollem Ausdruck hing ihr Blick an Friedrich Schadow. In den dunklen Tiefen ihrer Augen schimmerte es feucht. Und die Hand, die dos Schallrohr hielt, zitterte, die freie Hand hob sich, tastete haltsuchend nach ihm. Er erfaßte sie und hielt sie in der seinen.

Ich danke Ihnen, Doktor ja, wir kommen noch heute abend heim."

Damit beendete sie das Gespräch.

Was ist geschehen?" fragte Friedrich.

Mein Bater ist gestorben", sagte sie mit ge­schlossenen Augen, und ihre Hände verkrampften sich in den seinen.

Lim Gottes willen so plötzlich das ist doch nicht möglich!"

Sie atmete tief auf und sagte dann leise:Es ist so furchtbar so unerträglich schmerzlich, daß es geschehen muhte, während wir fern von ihm toaren.

Ein Weinen wollte in ihr hoch. Sie kämpfte es nieder. Aber das Beben, das um ihren Mund war.. konnte sie nicht unterdrücken.

Es ergriff Friedrich Schadow so, daß er sich abwenden muhte.

Wir müssen die Meinen benachrichtigen", sagte Eva.

Er nickte, nahm seine Mütze vom Garderobe­ständer, blieb aber noch unentschlossen stehen.

Daß ich Sie mm allein lassen muh, ist mir schrecklich."

Sie sah mit einem schmerzlichen Lächeln zu ihm auf.

Es muß doch sein."

Sie ging mit ihm bis zur Tür. Die Hand auf die Klinke legend, blieb er stehen. Lind Eva an­sehend, sagte er noch einmal:Es ist mir entsetzlich schwer. Sie jetzt alleinlassen zu nrüssen."

Ihr Blick senkte sich in den seinen. Sie dachte:

Wenn sich jetzt die Tür hinter dir schließt, dann ist alles aus, dann bleibe ich allein nicht nur jetzt, für mein ganzes Leben. Aber stolz kann ich dann sein darauf, daß ich Haltung bewahrt habe. Ihre Mundwinkel zuckten, und ihre Hand glitt zärtlich über seinen Arm.

Geh", sagte sie leise.

Die Tür schloß sich hinter ihm, und Eva ging in ihr Zimmer zurück. Das Feuer im Kamin war heruntergebronnt. Sie ließ sich in den Sessel nieder, sah in die verglimmende Glut und dachte an den Bater, der nun nicht mehr in ihrem Leben war und an Friedrich Schadow, den sie über alles liebte und zu dem sie nie gehören würde.

Ihre Augen brannten; sie drückte ihre Hand­ballen in sie hinein. So saß sie eine Weile, spürte schmerzhaft das Zucken ihres Herzens. Dachte voll schmerzlicher Bitterkeit: Armes gemartertes Herz warum hab' ich dir vorhin nicht nachgegeben? Bur für einen einzigen Augenblick! Lind plötzlich brach sie in fassungsloses Weinen aus.

Schritte erklangen auf der Treppe. Eva ließ die Hände vom Gesicht sinken, erhob sich, um der Mutter entgegenzugehen.

Im nächsten Augenblick betraten die Mutter mit Hans-Achim, Münchmeyer und Rose das Zimmer. Sie trugen noch ihre Fastnachtkostüme. Ottilie in polnischem Rationalkostüm, mit der roten, pelzverbrämten Konföderatka im blonden Haar, wirkte in dieser Verkleidung, mit ihrem ernsten, sorgenvollen Gesicht auf Eva geradezu erschütternd. Sie mußte ihren Blick abwenden, sah Hans-Achim an, und er wußte, was geschehen war. Sein Blick ging ins Llnbestimmte, und seine Lippen verkrampften sich. Ottilie fragte, mit vor Tränen erstickter Stimme:

Eva, was ist geschehen?"

Eva trat zu ihr, legte den Arm um sie und bat: Komm, laß uns in dein Zimmer gehen." Sie wußten auf einmal alle, was geschehen war. Münchmeyer wandte sich an Hans-Achim und sagte:In einer Stunde können wir fah­ren", und auf die LIhr sehend, fügte er hinzu: Es kann auch früher sein, wenn dre Damen es schaffen."

Eine halbe Stunde danach fuhr man ab.

Es war Rächt, als man in der Großbeeren- straße eintraf. Im Arbeitszimmer dos Geheim­rats brannte das Licht. Doktor Fahrenkrug öffnete ihnen die Tür. Man begrüßte sich wortlos, legte Hut und Mantel ab.

Fahrenkrug war Frau Ottilie dabei behilflich. Während er ihren Pelz aufhängte, fragte sie mit blassen Lippen:Wo ist mein Mann?"

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Hans-Achim und Eva traten zu ihr.

Laßt mich, bitte, erst allein zu ihm gehen", bat sie leise.

Eva und Hans-Achim gingen zu Fahrenkrug, der im Arbeitszimmer des Vaters auf sie wartete.

Doktor, was war eigentlich die Ursache dieses plötzlichen Endes?" fragte Eva.

Er antwortete nicht gleich, hielt seinen Blick in nachdenklichem Ausdruck auf sie gerichtet endlich sagte er langsam:Im Totenschein hab' ich Herzlähmung als Todesursache angegeben was die Herzlähmung herbeigeführt hat, hab' ich unerwähnt gelassen."

Es lauerte etwas hinter seinen Worten. Die Geschwister fühlten das deutlich. Eva, die die volle Wahrheit wissen wollte, drängte in ihn: Ja, was denn, Doktor?"

Der Herr Geheimrat hatte eine allzu starke Dosis Deronal genommen.

Eva starrte ihn fassungslos an.

Herrgott, das ist doch nicht möglich! Warum sollte Papa das getan haben? Sagen Sie, dah es nicht so ist, Doktor."

Es ist leider so", sagte Fahrenkrug unbarm­herzig.

Hans-Achim fühlte, wie alles Blut aus seinem Gesicht wich. Der Boden unter seinen Füßen Be­gann zu schwanken. Er brach zusammen.

Lina Knorpe kam zu den Schadows.

Sie wußte, daß Friedrich da war, den sie lange nicht gesprochen hatte. Er sollte ihr erzählen, wie es in Flinsberg gewesen wäre. Wie die Damen die Rachricht vom Tode des Geheimrats ausge­nommen hatten.

Friedrich sah mit finsterem Gesicht vor sich hin.

Was ist darüber zu sprechen?" wies er sie zurück.

Sie zog die Achseln hoch, hielt den Blick auf ihn gerichtet.

Ra, so man möcht' doch wissen, wie sie's aufgenommen haben."

Friedrich antwortete nicht. Er rauchte in hasti­gen Zügen eine Zigarette hüllte sich fast ein in Rauch.

Lina Knorpe seufzte leicht auf.

Das ist jetzt schon 'n Zustand", sagte sie, nischt erfährt man mehr. Wenn die Hedwig bloß erst wieder hier wäre."

Sie helfen doch bei Frau Geheimrat aus?" fragte Frau Schadow, nur, um etwas zu sagen.

I wo! Fräulein Tönnies hat ma weggeschickt. Gleichn ersten Morgen. Janz ohne Jrund! Wie finden Sien das?"

Frau Schadow zuckte mit den Achseln. Lina schwatzte weiter:Sie macht sich allens alleine jetzt, wo's alle Hände voll zu tun jibt. Ich bejreif nich, wie ses schafft. Ra, das kann mir ja schnuppe fein. Aber, daß se ma so wegschickt!" Sie schüttelte den Kopf, als könnte sie das absolut nicht fassen, sagte bann:Vielleicht will se sich nich in die Karten gucken lassen. Seit der Jeheimrat tot is, kommt doch der Doktor Fahrenkrug jeden Tag. Hält doch ooch Sprechstunde bei ihnen ab. Ich denk' mir, daß es nu nich mehr lange dauern wird, dann heirat't er Fräulein Tönnies, siedelt

hier über und allens jetzt glatt weiter. Die Damen sind versorgt!"

Schwatzen Sie keinen Llnsinn!" herrschte Fried­rich Schadow sie an.

<5ie sah ihn erstaunt an.

Was fiel dem Friedrich ein? Hatte der denn vergessen, wie sie zueinander standen? Oder wollte er nichts mehr von ihr wissen?

Friedrich erhob sich und sagte:Ich muß nun gehen, Mutter bitte, grüß Lene."

Fahren", korrigierte Lina lächelnd,,bet Wagen steht hoch vors Haus."

Ob er sie nicht ein Stück mitnehmen wolle?

Rein, heute nicht- ein anderes Mal."

Sie schmollte. Er beachtete es nicht, reichte bet Mutter die Hand und ging bann zu seiner Schwester Elli, bie im Rebenzimmer bügelte.

Elli, geh hoch mal zu Fräulein Tönnies und biet ihr deine Hilfe an. Sie hat eben niemand im Hause. Die Lina hat sie fortgeschickt. Gewiß war ihr deren Geschwätz lästig."

So wird es sein", sagte Elli und stellte das Eisen auf den Rost.

Was meinst du kann ich beim heute noch zu ihr gehen?"

Ach, gewiß bie Damen finb ja noch auf. Es wirb Eva freuen, wenn du ihr sagst, daß du morgen früh kommen wirst, um ihr zu helfen."

Ra ja, wenn du meinst."

Aber keine Bezahlung netzmenr-EÜü"

Wie kannst du glauben, ich werd' das tun! Sie wird mir auch gar keine anbieten. So wie wir miteinander stehen! Rein, da kannst du ruhig fein, Friedrich. Ich werde gleich zu ihr gehen, wenn bie Lina fort ist."

Danke", sagte Friedrich und brückte ihr die Hanb.

Elli sah ihn verwundert an. Warum dankte er ihr dafür?

Er ging. Als er im Korridor feine Mühe nahm, stieß Lina zu ihm:

Ich muß nun auch gehen", sagte sie.

Im dunklen Treppenhause kuschelte sie sich an seinen Arm. Er nahm keine Rotiz davon.

Diste böse!" fragte sie leise, in zärtlichem Ton.

3 wo!"

Aber auch nicht gut, Friedrich?"

Er antwortete nicht. Hörte er denn nicht, was sie sagte? Ober wollte er wirklich nichts mehr von ihr wissen?

Er ging mit raschen Schritten zum Wagen. Wie ein Hündchen trabte sie neben ihm her. Blieb mit unter der Brust verschränkten Armen bei seinem Wagen stehen, bis er davonfuhr.

Sie sah dem Wagen nach. Der flog nur so dahin. So ein Tempo! IKenn das nur nicht ein Unglück gibt! Kopfschüttelnd ging sie ins Haus zurück. Was dem Friedrich nur heute war? Richt einmal bie Hanb hatte er ihr gegeben.

(Fortsetzung folgt.)

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