Ur. 291 Drittes Blatt
Ebener Anzeiger (General-Anzeiger sur Gveryetzen)
Samstag, (0. Dezember 1952
Aerkehrswerbung und Geschäftswelt.
Es ist von jeher jo gewesen, daß man jur lieber« Windung von Schwierigsten und Notzeiten alle Kräfte änjpannen muß Das ist im Leben der Einzelpersonen, wie auch im Wirken der Gesamtheit der einzige Weg, der zu besseren Verhältnissen führen kann. Gerade in einer Zeit wie heute gilt diese Richtschnur besonders. Wer jetzt nicht alle Energie in den Kampf ums Dasein und um das wirtschaftliche Vorwärtskommen einsetzt, wird gegenüber den eifrigen und weitblickenderen Zeitgenossen ins Hintertreffen geraten und unter Umständen so erheblich Zurückbleiben, daß dauernder Nachteil unausbleiblich ist. Das gilt insbesondere auch für die V e r k e h r s w e r b ea r b e i t eines Gemeinwesens. Oer Wettbewerb .der Städte ift heute io scharf geworden, wie noch nie zuvor. Man nimmt alle Mittel und Wege in Anspruch, um das Interesse der Bevölkerung' aus der engeren und weiteren Umgegend für den eigenen Platz und damit zum Nutzen des heimischen Geschäftsiebens zu gewinnen. Die besten Aussichten auf Erfolg werden bei diesem Ringen um den Kunden diejenigen Städte und Derkehrsorganisationen haben, die für den Werbekampf die stärksten Mittel einsetzen können.
In unseren Nachbarstädten hat man diese Sachlage schon seit einiger Zeit klar erkannt und ihr entsprechend Rechnung getragen. In Friedberg z. B hat man im Anschluß'an die diesjährige große Herbstmarkt-Veranstaltung mit Deutscher Woche die Arbeitsgrundlage des dortigen Verkehrsvereins dadurch erweitert, daß man alle mit ungefähr gleicher Zielrichtung arbeitenden Organisationen und Körperschaften unter maßgeblicher Beteiligung der Stadtverwaltung zu einer Arbeitsgemeinschaft für Verkehrswerbung zusammen- geschlossen hat. Diese Organisation ist zur Zeit dabei, durch Werbeveranstaltungen in der Weihnachts- geschästszeit das kaufende Publikum aus einem weiten Umkreis für Friedberg zu interessieren. Die bisherigen Ergebnisse dieser Arbeit scheinen den Veranstaltern einen beachtenswerten Gesamterfolg zu bringen. Daß unsere Nachbarstadt Wetzlar in ihrer bekannten Rivalität gegen Gießen gleichfalls außerordentlich rege arbeitet, ist den in der Gießener Verkehrswerbung tätigen Personen schon seit langer Zeit bekannt. Don der Wetzlarer Bürgerschaft werden für diese Tätigkeit Geldopfer gebracht, die aller Achtung wert sind und die jedenfalls das entsprechende wirtschaftliche Ergebnis bringen werden. In sehr reger Weise rührt auch Marburg s^jne Werbekraft, um in dem Wettbewerb der drei Städte an der mittleren Lahn seinen Platz nicht nur zu behaupten, sondern ihn möglichst noch zu verstärken. Wie anhaltend die Werbearbeit von Fr a n f f u r t sich geltend macht, ist ebenfalls in den Kreisen der Gießener Geschäftswelt und der hiesigen Verkehrsorganisation kein Geheimnis.
Bei diesem Sachverhalt muß es Bedauern und Verwunderung erregen, daß in Gießen von manchen Mitbürgern die Bedeutung einer starken Aerkehrswerbearbeit immer noch nicht genügend erkannt und gewürdigt wird. Wir meinen nicht die Stadtverwaltung, den Stadtrat und den Derkehrs- verein, denn von diesen drei Stellen wird mit unermüdlichem Elfer alles getan, um das Interesse der auswärtigen Bevölkerung soweit wie nur möglich für Gießen und damit für das Gießener Geschäftsleben zu wecken und wachzuhalten. Daß man durch die ungünstigen Finanzverhältnisse leider zum Kurztreten gezwungen ist, liegt in den Zeitumständen begründet, trifft aber in gleicher Weise auch auf die anderen Städte und Verkehrsoereine zu. Unver
ständlich ist jedoch, daß bei manchen Geschäftsleuten ein Mangel an Opferbereitschaft für die Derkehrs- werbung vorhanden ist, den man eigentlich nicht finden dürfte. Bedauerlich ist, daß der Verkehrs- und Verschönerungsverein m den letzten Wochen wiederholt Austrittserklärungen von solchen Mitgliedern verzeichnen mußte, die Geschäftsleute sind und den Nutzen der Fremdenverkehrs- und Kundenwerbung doch in erster Linie zu verzeichnen haben. Bei diesen Abmeldungen der Mitgliedschaft wird als Grund angegeben, man' müsse sparen. Diese Art „Sparsamkeit" ist nicht am rechten Platze, sie ist vielmehr grundfalsch. Der Jahresbeitrag zum Verkehrsverein beziffert sich auf 6 Mark jährlich, also auf 50 Pf. pro Monat. Wir meinen, daß diese Ausgabe auch heute noch für jedes Geschäft tragbar ist und daß sie eine gute Geldanlage zum eigenen Vorteil darstellt. Das Unkostenkonto jedes Geschäfts, auch des kleinsten, wird durch eine Ausgabe von 6 Mark jährlich für Werbungszwecke nicht so ungebührlich belastet, daß man deswegen die Unterstützung eines Vereins aufgeben sollte, dessen Tätigkeit doch nur darauf gerichtet ist, den wirtschaftlichen Interessen der Gesamtheit und damit auch dem Dorwärts- kommen jedes einzelnen Geschäftsmannes zu dienen. Völlig falsch ist auch die hier und da geäußerte Meinung, man habe ja doch nichts von der Arbeit des Derkehrsoereins. Es ist natürlich unmöglich, jedem einzelnen Geschäftsmann ziffernmäßig nach- zuweisen, wie sich die Verkehrswerbung für die Gesamtheit im einzelnen bei ihm in der Ladenkasse auswirkt Aber ebenso selbstverständlich ist, daß eine Steigerung des Fremdenverkehrs und die daraus hervorgegangene Befruchtung unseres gesamten Wirtschaftslebens sich in irgendeiner Weise auch in jedem Geschäft bemerkbar macht. Die Einnahmen aus der Fremdenoerkehrswerbung verbleiben doch nicht nur in der Kaffe der Geschäfte, die unmittelbar von der auswärtigen Bevölkerung aufgesucht werden, sondern sie setzen sich doch durch Gehälter, Löhne, Warenanschaffung und dergl. im Kreislauf der gesamten lokalen Wirtschaft um und bringen dadurch allen Gliedern unserer Bürgerschaft zusätzliche Wirtschaftskraft. Daraus sollte man die Schlußfolgerung ziehen, daß es für jeden einzelnen Bürger insbesondere aber für die Geschäftsleute, dringende Notwendigkeit ist, eine Verkehrswerbeorganisation wie den gemeinnützig arbeitenden Verkehrsverein durch Mitgliedschaft zu unterstützen. Wer als Geschäftsmann diesen Weg mitgeht, hat die Zeichen der Zeit und die unabweisbaren Erfordernisse der eigenen Geschäftsförderung richtig verstanden und ihnen an der gebotenen Stelle tatkräftig Ausdruck gegeben.
Daneben ist aber für den weitblickenden Geschäftsmann noch erforderlich, daß er auch in der Eigenwerbung alle Kräfte anspannt. Hierzu gehört vor allem eifrige Kundenwerbung durch die Inanspruchnahme eines Werbemittels, das in allen Familien täglich Eingang findet. Dieses Mittel ist die heimatliche Tageszeitung, die unter den heutigen Verhältnissen ganz besonders geeignet ist, als „Reisender der gesamten Geschäftswelt" dem kaufenden Publikum die vorteilhaftesten Bezugsquellen anzuzeigen. Wer die Dinge des täglichen Lebens aufmerksam und mit kritischem Blick beobachtet, wird bestätigen können, daß die von der Geschäftswelt des Mittelstandes so oft beklagte starke Entfaltung von gewerblichen Großunternehmungen zu einem sehr wesentlichen Teile auf der ununterbrochenen Kundenwerbung beruht. Aus dieser Entwicklung unserer Zeitverhältnisse muß auch der Einzellaufmann aller Branchen und aller Größenklassen der Geschäfte die richtige Ruh-- anwendung für sich ziehen, denn die Zeiten sind nun einmal vorbei, in denen die Kundschaft ohne jede Werbearbeit des Geschäftsmannes vor sei
nem Ladentisch zum Kaufen erschien. Das kräftige Rühren der Werbetrommel ist heutzutage ein sehr wesentlicher Teil des Fundaments, auf dem ein Geschäft in gedeihlicher Weise aufgebaut und weiterentwickelt werden kann. 11 m ft e 11 u n g auf b ie neuen Zeitverhältnisse muß auch in dieser Hinsicht für jeden Geschäftsmann das dringendste Gebot des Tages sein. Wer in dieser Weise und zugleich unter Nutzbarmachung der Berkehrsvereins-Werbearbeit für die Gesamtheit seine Kraft einseht und sich zur Geltung bringt, kann sicher sein, daß er Derkehrswerbung in richtiger Weise für sich selbst und damit auch für das Ganze betreibt und unterstützt.
Daten für Samstag, 10. Dezember.
1872: der Philosoph und Psycholog Ludwig Kla- ges in Hannover geboren; - 1839: der Ächter Ludwig Anzengruben in Wien gestorben; — 1852: der bayerische Generaloberst Felix Graf v. Both« mer in München geboren.
Daten fü Sonntag, 11.Dezember.
1783. der Dichter Max v. Schenkendorf in $il* fit geboren; — 1801: der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe in Detmold geboren; — 1843: der Bakteriologe Robert Koch in Klausthal geboren.
Wirtschaft.
* Deutsche Gold- und Silberscheide- an st alt vormals H. Roehler, Frankfurt a. M. Der Aufsichtsrat der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt vorrn. H. Roeßler, Frankfurt a. M., beschloß in seiner gestrigen Sitzung, der auf den 10. 1. 1933 einzuberufenden ordentlichen Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 9 (10) v. H. auf die Stammaktien für das am 30. 9. 1932 abgelaufene Geschäftsjahr vorzuschlagen.
* Preußische Elektrizitäts-AG. B e r- 11 n. Wie WTB.-Handelsdienst von maßgebender Seite hört, trifft es nicht zu, daß die Preußische Elektrizitäts-AG., Berlin, in Verhandlungen über den Ankauf der Aktienmehrheit der Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG., Graz, steht. Das Aktienpaket ist der Gesellschaft angeboten worden, sie hat indessen den Ankauf abgelehnt.
Berlin uneinheitlich und sehr still.
Berlin, 10. Dez. (WTB. Funkspruch.) Im Gegensatz zu der festeren Grundstimmung des heutigen Vormittagsvertehrs eröffnete die heutige Börse zwar nicht in unfreundlicher, aber doch nicht ganz einheitlicher Haltung. Datz das Geschäft sehr klein war, lag aber mehr an dem frühen Samstagbeginn, als an etwa vorliegenden retardierenden Momenten. Die Vertagung des Reichstags, der festere Verlauf der gestrigen Neuyorker Burse und die eingetretene Pfunderholung mußten günstig wirken. Da jedoch die Spekulation, verstimmt über das Fehlen neuer Aufträge», auf manchen Gebieten als Abgeber auftrat, erklärten sich die enttäuschenden Anfangskurse.
Relativ gut gehalten lag der Montanmarkt. Auch für Kunftseidenwerte bestand einiges Kaufinteresse, ebenso zogen Leopoldgrube, Rheag, Polyphon und Feldmühle bis zu 1,5 v. H. an, während anderseits Oberkoks bei größeren Umsätzen 1,25 und Siemens und Salzdetfurth bei ■ Mindestabschlüssen 1,25 bzw. 2 v. H. verloren. Schwächere Metallpreise hatten bei Stolberger Zink einen Kursverlust von 1,90 v. H. zur Folge. Ein etwas größerer Verlust von 1,18 v. H. bei Reichsbankanteilen war ebenfalls zufälliger Natur.
Daß das Publikum weiter Interesse für Anlagepapiere hat, war auch heute an der Tendenz des festverzinslichen Marktes zu erkennen. Bei lebhafterem Geschäft zogen Reichsschuldbuchforderungen um 0,5 bis 0,75 v. H. an, und auch die Reichsbahnvorzugsaktien und die Deutschen Anleihen konnten ihren Kursstand bessern. Große Umsatztätigkeit herrschte wieder am Markt der Jndustrieobligationen, an dem Stahlvereinbonds weiter die Führung hatten und 1,13 v. H. gewannen. Ausländer lagen vernachlässigt, Anatolier und Bosnier neigten etwas zur Schwäche.
Auch im Verlaufe blieb es im Gegensatz zum Rentenmarkt in den Aktienmärkten sehr st i 11. Einige anfangs stärker gedrückte Papiere lagen etwas erholt, die meisten Werte bröckelten aber unter dem Einfluß der Geschäftsstille bis zu 0,5 o. H. ab. Leopoldgrube büßten ihren Anfangsgewinn wieder ein. Ziemlich lebhaft blieb das Geschäft am Kunftseidenmarkt. Chadeaktien gewannen 3 Mark.
Am Geldmarkt blieb der heutige Steuertermin völlig ohne Einfluß. Tagesgeld war mit 4,25 bzw. 4,13 o. H. an der unteren Grenze leicht erhältlich. Monatsgeld blieb unverändert 5 bis 7 v. H.
$ranfturf zurückhaltend
Frankfurt a. M., 10. Dez. (WTB. Draht« melbung.) Die Wochenschlußbörse eröffnete in relativ großer Geschäftsstille, doch war die Stimmung nicht unfreundlich, wobei die festen Schlußkurse der Neuyorker Börse und die innerpolitische Entspannung auf Grund der Reichstags- Vertagung bis Mitte Januar etwas Anreaung gaben. Andererseits verursachten aber die verschiedenen ungeklärten außenpolitischen Fragen allgemein Zurückhaltung.
Gegen die gestrige Abendbörse zeigten die Kurse nur wenig Veränderungen, und meist lagen die ersten Notierungen behauptet. Am Montanmarkt lagen Mannesmann, Mansselder und Stahlverein behauptet. Rheinstahl waren um 0,25 v. H. befestigt, während Phönix-Bergbau im gleichen Ausmaß niedriger lagen.Chemiewerte tendierten uneinheitlich. IG. und Metallgesellschaft gaben bis zu 0,50 v. H. nach, dagegen zogen Scheideanstalt in Nachwirkung der 9prozentigen Dividendenerklärung um 1,25 v. H. an. Elektroaktien lagen stark vernachlässigt. AEG. zogen 0,25 an, Gesfürel blieben behauptet. Von Kunstseideaktien gewannen Aku 1 v. H. Von anfangs noch zur Notiz gekommenen Papieren lagen Norddeutscher Lloyd unverändert, Zellstoff Aschaffenburg zogen 0,13 v. H. an.
Am Anleihemarkt hielt sich etwas Interesse für Altbesitz und späte Reichsschuldbuchforderungen, die je 0,75 v. H. gewannen. Stahlvereinobligationen lagen mit plus 1,39 v. H. weiter fest. Goldpfandbriefe lagen durchweg befestigt, unter Bevorzugung der Frankfurter - Institute, bei denen Erhöhungen bis zu 1 v. H. eintruten. Auch Liquidationspfand- briefe und Kommunalobligationen lagen weiterhin befestigt.
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