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10.12.1932 Erstes Blatt
 
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Vornan von Margarete Antelmann.

Copyright by Martin Feuchtwanger, Halte (Öaole)

2 Aortlefiuno Nachdruck verboten

Dach Gcschästsschluß, um fünf llfjr nachmit­tags, ging Magdalene nach Hause. Sie war reich­lich abgespannt heute. Der Chef war so nervöS gewesen: alleS hatte ihm nicht gepatzt. Immer wieder mutzten die Briefe abgeändert werden, immer wieder hatte er etwas auszusetzen gehabt.

Es war schon eine Quälerei um das bißchen Geld! Wenn sie nur aus dieser Misere heraus- kommen lönnte. Sie hatte es wirklich über.

Unb dann: wie langweilig war es in dieser kleinen Stadt! 3n ihren Träumen malte sie sich immer ein Leben in der Großstadt auS, in Berlin oder in Paris oder in London. Wenn sie nur einmal so wohin kommen könnte! Dann würde sie gern wieder zu ihrer bescheidenen Tätigkeit zurückkchren.

Ein einziges Mal heraus aus diesem ein­tönigen Leben! Ein einziges Mal die große Welt sehen, das Leben kennenlernen.

Dann würde sie ja gern wieder an ihre Schreib­maschine zurückkehren.

In tiefe Gedanken versunken, war Magdalene ihres Weges gegangen. Fast hatte sie schon den Reumarkt hinter sich, als ihr der Lotterie-Ein- nehmer einfiel. Der arme Müller!

Der Lotterieladen war voller Menschen, die in einer langen Schlange anstanden. Magdalene runzelte die Stirn: da würde sie ja lange warten müssen. Aber es half nichts: sie hatte es Müller versprochen, da muhte sie den Auftrag schon erledigen, und wenn es auch noch solange dauerte.

Sie stellte sich hinten an, rückte langsam vor. Wie geduldig diese Menschen alle warteten! Freilich, sie alle erhofften das Glück. Jeder von ihnen glaubte an den Treffer. Sie alle waren moderne Glücksritter!

Sonderbare Typen waren darunter. Sich vor­zustellen, wenn die plötzlich reich werden wür­den! Was sollten diese alten Mütterchen, die gebrechlichen Männer mit dem Großen Los?! Die konnten doch nichts mehr damit anfangen.

Wenn man so jung war wie fie und so welt- hungrig, da könnte man es schon eher gebrauchen. Eigentlich müßte sie auch einmal den Versuch machen.

Ola, kleines Fräulein, wollen Sie auch einmal das Glück versuchen?" fragte lächelnd ein älterer Herr, der sich hinter Magdalene aufgestellt hatte.

O nein! Das ist nichts für mich. Ich würde ja doch nichts gewinnen: da lasse ich's lieber

Das glaub' ich nicht, kleines Fräulein, daß Sie kein Glück hätten. Zu einem so jungen und hübschen Menschenkind kommt das Glück am liebsten."

,Meinen Sie?" fragte Magdalene nachdenklich. »Was tostet denn so ein Los?"

3a, billig ist es nicht. Das einzelne ganze Los kostet fünfzig Mark. Aber es muh ja nicht ein ganzes Los sein: man ist ja heutzutage mit allem froh, was man zu dem kargen Verdienst dazubekommt."

3a, ja!" Magdalene war weit weg mit ihren Gedanken. Wie ein Fieber war es plötzlich über sie gekommen. Sollte sie eS wagen oder war es gescheiter, die Hände davon zu lassen?

Als sie dann wieder auf der Straße stand, sah immer noch der Gedanke in ihr fest. ilnb wenn sie nur mit dem Einsatz herauskäme, dann hatte sie wenigstens nichts eingebüht. älnd sie hatte die Hoffnung... Man mühte es wagen vielleicht... ?

Ach, das war doch alles ilnfinn. Wo sie ohne­hin keinen Pfennig übrig hatte, sich kaum ab und zu einmal ein billiges Fähnchen leisten konnte. Gs reichte gerade zum Leben, und wenn Mutter Hahn, ihre Wirtin, nicht so gut für sie sorgen würde, könnte sie kaum auskommen.

Das schöne Essen, das Mutter Hahn ihr auch heute wieder hinstellte es wollte ihr kaum schmecken.

Was haben Sie denn, Fräulein Lenchen, daß Sich heute so im Essen herum stochern? Sonst essen Cie daS doch so gern: Hammelfleisch und grüne Bohnen?"

Ach, Mutter Hahn, ich bin heute nur so ab­gespannt: es schmeckt so gut wie immer. Aber ich kann heute nicht viel essen!"

Wenn Sie mir nur nicht krank werden, Fräu­lein Lenchen! Die Grippe geht überall um. Gehen Sie lieber gleich ins Bett, trinken eine heiße Limonade. Vielleicht, daß wir sie dann ver­scheuchen."

Ich bin nicht krank, Mutter Hahn, nur tüchtig abgespannt. Mer Sie haben recht, ich werde bald ins Bett gehen. Doch sagen Sie mir, haben Sie schon einmal Lotterie gespielt, Mutter Hahn?"

Ratürlich, Fräulein Lenchen! Einmal haben wir auch hundert Mark gewonnen, mein Mann und ich. älnd die Schwiegereltern meiner Schwe­ster haben sogar zwanzigtausend Mark gewon­nen: hatten sich gleich ein schönes Grundstück gekauft, das ihnen jetzt noch gehört. Die haben es gut seitdem."

Magdalene nickte nur. Also das gab es wirk­lich, daß Leute viel Geld gewannen?! Ihr war ganz beklommen zumute. Sollte sie es wagen oder nicht? Morgen bekam fie ihr Gehalt ein« hundertsechHig Mark, ilnb drinnen im Kasten, da lagen funfundneunzig Mark, die sie sich müh­

selig zusammengespart hatte. Wenn sie beides zusammenlegte, dann konnte sie da» Los kaufen.

Gin ganzes Los natürlich, anders hatte es keinen Sinn. Wenn sie dann Glück hatte fünf­hunderttausend Mark konnte sie gewinnen!

Herrgott!, das war ja nicht auSzudenken! Wie ein Ruck ging es durch das Mädchen. Gin Rausch packte Magdalene, nahm ihr jede Klarheit. Gin einziger Gedanke beseelte sie: das Große Los! Wenn sie das Große Los gewann, dann stand ihr die Welt offen. Dann tarn das Glück, dann wurde ihr Traum Wirklichkeit.

Ja, sie würde es wagen! Sie mußte das Geld opfern, komme eS, wie es wolle. Sie kam nicht mehr von dem Gedanken los, würde keine Ruhe mehr haben!

Sie machte die ganze Rächt kein Auge zu: warf sich hin und her, bis zum Morgen.

Am anderen Morgen ging sie zur Arbeit, wie jeden Tag. Rur day sie wieder über den Reu­markt ging, um den Glücksladen zu sehen. Von weitern schon grüßte sie ihn, liebkosend strichen ihre Augen über das Schaufenster mit den vielen Losen.

Heute nachmittag, da würde sie sich hier das Glückslos kaufen. Änd bann .. .1

Ihrem Kollegen Müller hakte sie stumm daS Los überreicht.

Ra, Winterchen, diesmal werde ich sicher Glück haben, wo Sie mir das Los besorgten. Es hat Ihnen doch nichts ausgemacht, Winterchen?"

Ach wo! Gern geschehen, Herr Müller! Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen."

Den ganzen Tag über war Magdalene Winter auffallend still, ganz mit ihren Gedanken be­schäftigt. Zweimal hatte sie in eine Rechnung die Zahl 500 000 g?tippt: beide Male konnte sie es glücklicherweise selbst korrigieren, ohne sich eine Rüge Hippolyt Hoffmanns zuzuziehen.

Um fünf LIhr ging sie fort, geradeswegs in das Lotteriegeschäft. Richt einen Augenblick «sie, als sie ein ganzes LoS verlangte.

betet Hand zog sie das LoS aus dem bar- gereichten Bündel. Ihr Monatsgehalt legte fie auf das Zahlbrett.

Erst al# fie wieder draußen stand, auf der Straße, kam ihr das Bewußtsein für das, was sie getan hatte. War sie denn wahnsinnig ge­worden? Jetzt besah sie nun einen ganzen Monat lang keinen Pfennig!

Zunächst handelte es sich darum, für Mutter Hahn eine Ausrede zu finden. Sie konnte ja die Miete nicht b^ahlen...

Mutter Hahn, ich bitte Sie, seien Sie nicht böse: Sie müssen diesen Monat noch ein paar Tage mit der Miete warten."

Aber, Fräulein Lenchen, da brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Ich weiß ja, daß Sie ordentlich sind und anständig, und daß Sie sonst immer pünktlich bezahlt haben. Ratürlich warte

ich gern, wenn ich Ihnen damit einen Gefallen tun kann. Hoffentlich sind Sie nicht leichtsinnig gewesen mit Ihrem Geld?"

Wie wie meinen Sie das. Mutter Hahn?"

Ra daß Sie vielleicht einem Kollegen au«- geholfen haben und das Geld nicht mehr zurück- bekommen. Sie müssen sich in acht nehmen, Kind! Sie sind zu gutmütig, lassen sich leicht au«- nützen. Machen Sie nur keine Dummheiten! Sie müssen hart genug arbeiten für das bißchen Geld."

Eine tiefe Falte lag über Magdalenes Stirn, al« sie hinüberging in ihr Zimmer. Eine plötz­liche Scham hatte sie überkommen. Was hatte sie nur getan?

Darm siegte wieder die Hoffnung. Sie zog da« 5o« heraus, las immer wieder die Rümmer: 128 713. Leise strich sie mit den Fingerspitzen über das Stückchen Papier! Hier hielt sie es in den Händen, das Glück! Die Hoffnung, deren Er­füllung ihr den Weg ins Leben offnen würde.

Roch zwei Tage, zwei lange, bange Tage dann begann die Ziehung.

Das Fieber hatte sie mit aller Wucht gepackt: sie dachte nicht mehr baran, wie sie früher über alle Menschen gespottet hatte, die sich mit solchen Wunschträumen quälten, sie als Dummköpfe be­zeichnet hatte. Jetzt war sie selbst mitten unter mnen! Jetzt kam sie nicht mehr los von dem Dämon, der sie überfallen hatte.

Fünfhunderttausend Mark das Große Los! Sie sie gan^ allein würde es gewinnen! Sie war ein Vabanquespiel eingegangen, und sie würde siegen...

Schloß Löbbau war ehedem ein alter Rittersitz gewesen. Aus der Chronik ging hervor, daß es aus dem Jahre 1346 stammte und von einem Erbherrn von Löbbau erbaut worden war.

Dreihundert Jahre hindurch war es im Besitz der Löbbaus geblieben, bis 1622 der letzte Löb- bauer starb und das Gut, mit Schulden belastet, seinen Erben aus der Rebenlinie hinterließ.

Diese Erben waren froh, das Schloß mitsamt den umliegenden Gütern für neuntausend Taler an einen Grafen von Tingelhausen verkaufen zu können. Von da an wechselte Lobbau immer wieder seinen Besitzer, bis es im Jahre 1820 durch den Amtsrat Arbogast Richter über­nommen wurde und seit dieser Zeit im Besitz der Familie Richter geblieben war.

Schloß Löbbau oder das Schloßgut, wie es in der gaiuen Umgebung hieß, stand auf mär­kischem Toben, umgeben von einem alten und mächtigen Park. Das Schloß selbst war ein mäch­tiger, massiver Bau, an dem im Laufe bet Jahr­hunderte immer wieber von ben jeweiligen Be­sitzern herumgebaut worden war.

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Gießen, den 7. Dezember 1932.

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