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Ur. 291 Zweites Blatt
Englands Schwäche.
Don Or. Paul Rohrbach.
In diesen Tagen ging eine auffallende Nachricht durch die internationale Presse: Persien habe die Konzession der Anglo Persian Oil Company, der großen Petroleumgesellschaft. von deren Anteilen die englische Regierung die Mehrheit besitzt, gekündigt. (Ein Bericht unseres Londoner Korrespondenten erläuterte bereits die näheren Umstände. D. Red.) Es ist sehr unwahrscheinlich, daß man in England die Kündigung einfach hinnehmen wird, aber schon dasblohe Faktum, daß Persien, sei es auch mit russischer Rückendeckung, einen solchen Schritt gewagt hat, ist nur erklärlich, wenn man den inneren Unterschied zwischen dem Bor- und dem Äachkriegs-England in auswärtigen Fragen in Rechnung stellt. Der Geist der englischen Politik hat sich geändert, und dafür hat niemand eine so feine Empfindung, wie die Asiaten.
Bei meinem jüngsten Aufenthalt in Britisch- Indien, in. Aegypten und in den englischen Mandatsgebieten des Orients bekam ich wiederholt zu hären: Merkwürdig, wie sich das durchschnittliche Niveau der Kräfte, die jetzt für den indischen und orientalischen Dienst Englands hinausgehen, e r • niedrigt hat! Tatsächlich wurde besonders für Indien früher nur Material erster K.asse angenommen. Wer in die indische Zivilverwaltung hineinwollte, mußte die stärkste Siebung passieren, die es im englischen auswärtigen Dienst gab. Jetzt trifft man selbst in Indien zweitklassige Leute, und ihre Zahl nimmt zu. Dasselbe gilt für den Orient.
Ist es eine Folge davon, over stammen beide Erscheinungen aus einer Wurzel, wenn sich heute in allem, was England im Rahen, im Mittleren und auch im Fernen Osten tut, eine auffallende Schwunglosigkett zeigt? Die englische Politik in Indien schwankt seit Kriegsende zwischen Dach- giebigkeit und wechselnden Versuchen, die „feste Hand" zu zeigen, hin und her. Der neue Dize- könig, der vor einem Fahr den kompromißfreund- lichen Lord I r v i n ablöste, begann mit einem scharfen Regime, mit Massenverhaftungen. ®o fängnisstra,en und Konfiskationen der Gelder, die der indischen älnabhängigkeitspartei zur Verfügung standen. Erreicht wurde damit nicht viel, weil die Bewegung durch das Wachsen des mit der Weltkrise zusammenhängenden Rotstandes auch in die breite bäuerliche Masse eingedrungen ist. Dort kann man ihr mit Gefängnis nicht mehr begegnen, noch weniger mit der gewaltsamen Beitreibung verweigerter Pachten und Steuern. Ganz in der Stille findet letzt in London eine dritte Indienkonferenz statt, an der nur ein kleiner Kreis „gemäßigter" indischer Politiker beteiligt ist, aber auch diese sind unter dem Druck der herrschenden Volksabstimmung zurückhaltend gegenüber dem Plan, eine neue indische Verfassung einseitig durch Verordnung einzuführen.
Im Rahen Orient hat England die staatliche Selbständigkeit des Königreichs Irak anerkannt. Militärisch sucht es das Land durch, drei große Flicgerlager in der Hand zu behalten. Eines davon wird jetzt von Mossul nach Kerkuk verlegt, also unmittelbar an die Stelle, wo letzthin große Oelvorräte durch Bohrungen aufgeschlossen sind. Bon hier wird eine schon im Bau befindliche Röhrenleitung nach den neuen großen Hcxen-- anlagen von Haifa führen. Hiermit sind die jetzigen englischen Ziele in Irak und in Palästina am Ende. Man will das Oel und man will den Ueberlandweg nach Bagdad, Südperfien und Indien haben, aber man denkt nicht mehr an die früheren großen Kulturpläne, die aus Babylonien ein zweites Aegypten machen sollten. Die alte imperialistil'be Schule der Cecil Rhodes, Lord Curzon, Joseph Chamberlain und ihrer Gejinnungsgenossen ist in England ausgestor- ben — jene Schule, deren Betenntms Lord Roseberrys Worte waren: „Wir haben uns daran zu erinnern, daß es zu unserem Erbe und zu unserer Verantwortlichkeit gehört, dafür zu sorgen, daß die Welt, soweit wir sie formen können, keinen anderen Charakter erhält, als den angelsächsischen!"
Dom Bett aus gesehen.
Von Fred Lang.
. Es kann auch dem anständigsten Menschen oas- fteren, daß er mal krank wird. Man geht ins Theater, beispielsweise, und muß in der Pause eine Zigarette vor der Tür rauchen, so im Husch, ohne Hut und Mantel. Aus dem Heimweg niest man schon, am nächsten Morgen hat man so ein trockenes Gefühl im Hals, mittags ist bereits das achte Taschentuch verbraucht, abends kaut man für drei Mark Tabletten, nachts kann man nichi schlafen und morgens ist man krank. An sich ist Krankheit ja was ganz Nettes, das Esten ist besser als sonst, und behandelt wird man auch gut Das Netteste aber ist, daß man durch ein b ßchen Kranksein die Dinge plötzlich in einer völlig neuen Perspektive sieht: Das Büro ist ganz weit weg, und das Haus, die Häuslichkett, das Fmilienlebsn rücken in nächste Nähe.
Jeder Gedanke an das Büro und an die Arbeit ist eine reine, unverfälschte Freude. Sonst stürzt man täglich um acht Uhr aus dem Haus — heute stürzen mol nur die anderen. Um neun Uhr bringt der Bote die Post. Auf jedem zweiten Dries steht: Rücksprache! und ab und zu lind wütende Aus- rufunaszeichen oder höhnische Fragezeichen an die unpassendsten Stellen gemalt. Dann feixt man im Bett und stellt sich vor, wie nun der liebe Kollege hintappern wird zum hohen Ches, um Rücksprachen zu erledigen und sich anschnauzen zu lassen für Böcke, die er gar nicht gemacht hat, und die, wie jeder weiß, der in einem Büro arbeitet, gar keine Böcke sind, denn der Chef hat nur schlecht gefrühstückt. Die Sekretärin wird schlecht gelaunt sein, weil sie sich heute bei niemanden beklagen kann, daß ihre Wirtin eine blödsinnige, alte Spinatwachtel ist, und daß ihr Freund gesagt hat, Tonga kann man nur mit Seele tanzen. Die Kollegen werden beim Mittagessen darüber reden, daß „der" schon wieder mal krank ist. Der Lange, Unsympathische mit den abstehenden Ohren wird sagen, so ein Leben möchte er auch mal haben, aber der kleine Dicke mit dem Kinderlächeln wird einen in Schutz nehmen und sagen, ,Her" hätte gestern schon so verdächtig geniest. Die Domen im Schreibmaschinenzimmer werden doppelt so lange Mittagspause machen wie sanft, weil keiner aufpaßt. So aus der Entfernung geiehen, ist das Büroleben eines der erfreulichsten.
Wohingegen aber sämtliche vorhandenen Jllusio«
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)
Samstag, 10. Dezember 1952
Drei Dinge sind es hauptsächlich, die auf das englische Selbstgefühl von heute drücken: der V e r • l u st der Suprematie zur See, die aussichtslose Unterlegenheit gegenüber der kolosialen Bewaffnung Frankreichs mit Kriegsflugzeugen und Unterseebooten, endlich der schwere Rückgang des englischen Handels, der lange vor Beginn der Weltkrise deutlich war. Datieren doch die Millionenziffern der englischen Arbeitslosen schon seit 1921!
Will man den Wurzeln der Wandlung noch weiter nachgehen, so stößt man, abgesehen von den Folgen des Krieges, auch auf das Ein - porkommen der Arbeiterpartei, das schon an sich einen Wandel der englischen Men- talttät zum Ausdruck brachte. Die Labour Party ist zwar auch imperialistisch, aber sie ist es ohne den grandiosen und oätentiösen Zug der früheren Zeitk. Die englischen Konservativen. die jetzt maßgebend sind, stecken sich ihre ideenpoliitischen Ziele auch nicht mehr weiter. als bis zum Zusammenhalten des Imperiums durch wirtschaftliche Maßnahmen, Vorzugszölle u. dgl. Als vor dreißig Iahren Lord Curzon sein Buch über die Ostprobleme schrieb, setzte er ihm die Widmung vor: „Denen, die da glauben, daß nach dem Willen der Vorsehung das Brtitische Weltreich das gewaltig ste Werkzeug zur Forderung des Guten ist, das die Erde gesehen hat!" Weder Macdonald noch Baldwin sind die Männer, um solche Worte aus innerstem Herzen zu wiederholen. Eine Art Epigonie des „ethischen" Imperialismus ist nur Lord Robert Cecil, seit Iahren ein Prediger in der Wüste mit seiner Mahnung, England solle sich an d i e
Spitze des Völkerbundes stellen, es solle in dieser Körperschaft die „Sache des Rechts und der Wenichl ich ke tt" zu der seinen machen und so die moralische Führung in der Welt an sich bringen! Ein abgeschwäch.es Surrogat für die alte stolze These: Macht die Welt englischer, damt sie besser wird!
Was der englischen Politik materiell und seelisch die Flügel geknickt hat, das war derWeltkrieg! Daß England sich in ihn hineinziehen ließ, daß es sich von der französischen Rachgier und der eigenen Kriegspsychose blind und toll nach Versailles führen ließ, und in den Ruin der Welt durch die Frie- densdiktate willigte, dafür zahlt es jetzt feine Buße. Als der Krieg zu Ende war, schienen Pevsien und Afghanistan einfach englische Protektorate geworden zu sein. So wollten die Engländer sie auch behandeln. Afghanistan aber machte sich mit der Waffe frei, und Persien hat sich unter seinem jetzigen Herrscher ein Maß von Unabhängigkeit wiedererworben, wie sie das Land seit einem Menschenatter nicht mehr besessen hat. Es ist kein Geheimnis, daß Sowjetrußland den größten Einfluß in Teheran besitzt, aber nicht mehr nach txr früheren brutalen Petersburger Methode, sondern mit kluger Betonung der Souveränität und internationalen Gleichberechtigung des persischen Staates und der persischen Nation. Auf alle Fälle ist es ein kluger Streich von Moskau, daß es — wie zweifellos geschehen — den Schah zur Aufhebung der Konzession ermutigt hat, denn es wird für England die größten moralischen Schwierigkeiten machen, bei der letzigen Weltlage Persien mit Waffengewalt dazu zu zwingen, daß es die Ausbeutungskonzeffion wiederherstellt.
Der „Kürst der Berge".
König Zogu setzt sich in Albanien durch.
Don unserem ^..-Berichterstatter.
(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Durazzo, Ende November 1932.
Anno dazumal führte Nikita von Montenegro den Beinamen „Fürst der schwarzen Berge". Seine Herrschaft gehört längst der Vergangenheit an; auch das Königreich Montenegro mußte an die serbische „Befreiung" glauben und verschwand vom Erdboden, um nur in alten Operetten weiterzuleben ... Zurzeit gebührt die Bezeichnung „Fürst der Berge" dem jüngsten euro- päftchen König: Zogu I. von Albanien.
Stimmte die Behauptung, daß man zum Herrscher planmäßig erzogen wird, hätte sich König Zogu kaum halten können. In feiner Jugend hütete er die väterliche Herde in „seinen" Bergön, die eines denkwürdigen Tages auch im souveränen Sinne die seinen werden sollten. Die Militärkarriere trat er als Einjährig-Freiwilliger in einem k. u. k. Reiterregiment an; noch richtiger in einem nach Aibanien kommandierten Detachement der Formation. Der k. u. k. Rittmeister, dem damals die mllitärische Erziehung des Einjährigen Achmed Zogu anoertraut wurde, konnte die ersehnte Majorcharge niemals mehr erreichen und fristet heute als schlichter Zivilist sein Leben in der (Eigen)d)aft eines — Barbefitzers in Berlin! Sein ehemaliger Kadett-Aspirant hingegcgen zog vor etlichen Jahren in Tirana ein und avancierte vom schlichten Offiziersaspivanten schnurstracks zum Generalissimus.
Allerdings war der Einzug reichlich strapaziös. Erstens befand sich die sogenannte Autostraße, die die Küste (Duvazzo) mit der im mittleren Albanien gelegenen neugebackenen Hauptstadt Tirana verband, in einem mehr als mittelmäßigen Zustande sie eignete sich nicht für Autofahrten und verdiente kaum die Bezeichnung „Straße". Weitere Schwierigkeiten ergaben sich'daraus, daß die Armee vorläufig nur auf dem Papier existierte. Und nicht zuletzt setzten die zahllosen „Fürsten der Berge" alles daran, dem Eindringling praktisch zu beweisen, daß Albanien nicht nur theoretisch eine „wilde Gebirgslandschaft" sei.
nen brutal zerstört wurden, so man fein eigenes trautes Heim tagsüber aus nächster Nähe betrachtet. Eigentlich kennt man seine eigene Frau am wenigsten. Wenn man morgens fortgeht, besteht sie ausschließlich aus zwei Zwinkeraugen und einer Anzahl unordentlicher Wasserwellen, die aus dem Spalt zwischen Steppdecke und Kopfkissen herausgucken. 2lbends ist sie ein heiteres, angenehmes Geschöpf, das einen im Sommer an der Haltestelle, im Winter holdselig winkend hinter den Gardinen erwartet. Solange es sich nicht um Geld handelt, lebt man mit ihr in schöner Harmonie. Im Krankheitsfälle aber macht man schlagartig die erstaunliche Entdeckung, daß man mit einem der beschäftigtsten Menschen der Stadt verheiratet ist. Um neun Zahnarzt, um zehn Friseur, um zwölf mit einer Freundin im Cafs verabredet, um eins Putzmacherin, Punkt zwei muß gegessen werden, weil um drei Anprobe bei der Schneiderin ist, um fünf Bridge, und um halb neun kommt sie dann abgespannt nach Hause. Ich habe mir nie eine Vorstellung davon gemacht, wie entsetzlich schwer das Leben für eine junge Fraü ist. Da stöhnt unsereiner, daß er so viel zu tun hat, daß er sich ärgern muß über den Chef oder die Kollegen oder die Sekretärin. Was ist das alles gegen bie heroischen Kämpfe einer Frau mit dem -Schneider, gegen die Aufregungen und Komplexe um eine neue Frisur, und was sind schon die geschäftlichen Sorgen eines Mannes, verglichen mit den übermenschlichen Anstrengungen um einen verpatzten Sans-Atout beim Bridge? Was ist schon der tollste Krach, den man mit dem Finanzamt hat, gegenüber dem Furioso im Handschuhgeschäft, weil ein Fleck am rechten Daumen mar? Wirtlich und wahrhaftig, man unterschätzt seine eigene Frau.
Auch ein Kind bietet, vom Bett aus gesehen, erstaunliche Ueberraschungen. Gewöhnlich sieht man es morgens grabe aufwachen, wenn man fortgeht, und abends sieht man zu, wie es schlafen gelegt wird. Man ist als Vater eine seltene und daher kostbare Erscheinung und genießt das Vorrecht, mit erlesener Delikatesse behandelt zu werden. Steigt man aber durch Zuhausebleiben in den Kreis gewöhnlicher Sterblicher hinab, so erhält man einen Platz in der Rangliste, so etwa zwischen Teddybär und Spielzeugauto. Manchmal wird man als Grammophon benutzt und muß ein dutzendmal hintereinander die idiotischen Verse von den zehn kleinen Negerlein deklamieren. Wenn man dabei unglücklicherweise die Entdeckung macht, daß der Spröß- ling eine chronische Neigung zum Daumenlutschen
König Zogu erbrachte jedoch gar ball) den Fä'hig- keitsnachweis, daß er die Schwierigkeiten meistern konnte. Er begann zu bauen. Erst Straßen. Dann Eisenbahnen. G.eichzeitig eine zuverlässige, nach westlichem Muster organisierte Armee. Italienische, österreichische und ungarische Offiziere drillten das Heer. Deutsche und italienische Ingenieure legten Eisenbahnschienen. Straßen entstanden, und bald fuhren funkelnagelneue Autobusse über die funkelnagelneuen Straßen. Neues Leben blühte. Nicht etwa aus den Ruinen, sondern aus dem Nichts. Denn bis dato bildeten Ackerbau und Viehzucht die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung. Industrie und Handel waren ebenso unbekannte Begriffe wie Straßen und Bahnen.
Nichts natürlicher, als daß die Entstehung der letzteren die erhofften Folgen hatte. Die zunächst etwas bockigen Nachkommen der alten Illyrer mußten langsam einsehen, daß sich ein fast durchweg gebirgiges, nur zum kleinsten Teil ebenes und fruchtbares Land nur bei einer schrittweise durchgeführten Industrialisierung lebensfähig erhalten könne. Die Wiederstände wurden allmählich abgedrosselt. Die Kulturkämpfe ebenfalls; die Anhänger des Islams (etwa 500 000), sowie der griechijch- und römisch-katholische Kirche (zusammen etwa 300 000) gingen gemeinsam an das große Werk, das ständige Aufruhrgebiet und das Streitobjekt der Nachbarstaaten in ein Fürstentum umzuwandeln, das berechtigte Hoffnung hat, als selbständiger Nationalstaat zu bestehen und zu erstarken. Selbstverständlich verfolgte Italien mit der schon im Jahre 1917 erfolgten Verkündung der albanischen Unabhängigkeit bestimmte Ziele.
Die Gegenwart Albaniens heißt Arbeit, Ar- deit und noch einmal Arbeit. Der Fürst der Berge gibt sich alle Mühe, das von feinen Vorgängern, Skanderbeg, Ismael Kemal Bei und dem Prinzen Wied Versäumte gründlich nachzuholen. und nebst seiner eigenen Machtstellung auch die Zukunftsentwicklung seines Landes zu sichern. Oft totgesagt, dürfte König Zogu langlebig werden.
und Nasenbohren hat und wenn man größenwahnsinnig genug ist, diesen lieben Gewohnheiten durch erzieherische Sprüche Einhatt gebieten zu wollen, fällt man der Verachtung seines eigenen Kindes mit Recht anheim. Gekränkt entflieht ber Knabe, um sich besseren Menschen zu widmen. Leider aber treibt ihn die Neugier und die Seltenheit des Falles ball» wieder zu feinem Erzeuger zurück, der dann den Rest des Tages vollauf damit beschäftigt ist, Spielzeugaffen auszuziehen, verbogene Blechautos zu reparieren und hundertmal Kuckuck schreiend unter der Deckdecke zu verschwinden, um mit ebenso blödsinnigem wie gellend lautem Daa!-Gebrüll wieder heroorzutauchen. Beschämt muß ich gestehen, daß meine artistischen Fähigkeiten nicht dazu ausreichen, die Aufmerksamkeit meines Sones zu fesseln. Er stand schließlich mitleidig-gelangweilt vor meinem Bett, natürlich wieder, zum Donnerwetter, mit dem Daumen im Mund. Da Schimpfen vorher nichts geholfen hatte, griff ich zu beißender Ironie und sagte: Nuckelpeter! Er marschierte, immer den Daumen im Mund, bis zur Tür, drehte sich nach mir um, wies mit dem nassen Daumen anllagend gegen seine Brust und sprach überzeugt und gelassen die inhallsschweren Worte: Nuckelpeter gutes "Kind! Er gab meinen Fall als hoffnungslos auf und verschwand endgültig.
Der geneigte Leser wird verstehen, daß ein innerer Drang mich nach zwei Tagen dazu trieb, gesund zu werden. Ein Mann gehört in seinen Beruf!
Zehn Gebote für die $rau — sieben für den Mann.
Wie sie sich verhalten müssen, um eine ideale Ehe zu haben, nun wissen's die Leute endlich. Wenigstens in Cremona. Dort drückt ihnen der Pfarrer einen „Leitfaden für das richtige Verhalten zwischen Mann und Frau, Dekalog für jede Hälfte' in die Hand, und es soll nicht seine Schuld sein, wenn so und so die Hälften ungleich ausgefallen sind.
Die 10 Gebote für die Frauen lauten:
1. Du sollst nicht in einemfort sprechen. Dein Mann will auch zu Wort kommen.
2. Du sollst deinen Mann lieben, ihm das richtige Essen oorsetzen und einen geordneten Haushalt führen.
3. Du sollst dich nicht in die Berufsgeschäfte deines Mannes einmischen«
Ost vermählt (durch falsche Nachrichten), ist er bis* lang ledia geblieben. Und viel bekämpft von seinen eigenen Landsleuten, hat er sich zuguterletzt als Souverän durchgesetzt, der ehemalige Hirtenknabe und k. u. k. Kadettaspirant.
schon heute rollt auch französisches Gold über Belgrad reichlich durch Albanien, um die großangelegte Aufbauarbeit zu zerstören. Die Folge der Wühlarbeit: Attentatsversuche, politische Prozesse und Todesurteile gegen die verblendeten und nachweisbar bestochenen Verschwörer. Es fällt dem König bestimmt nicht leictst, die harten Urteile zu unterschreiben. Ist er doch, nach Aussage seiner engsten Umgebung, ein sogenanntes weiches Gemüt, der für schöne Künste, Literatur und sonstige friedliche Dinge schwärmt. Frankreich ruht aber nicht und erschwert dem königlichen Baumeister fein Leben. Das sowieso nicht gerade auf Rosen gebettet ist, wenn man allen Sonderwünschen der drei Konfessionen, sowohl den toskisch als auch den gegisch sprechenden Stämmen und allen Gesellschastsschich- len gerecht werden will.
Jedenfalls stellt König Zogu feinen Mann; wäre er nicht gekommen, hätte Albanien unter dem Bischof Fan Noli sehr leicht Moskau verfallen können. Scheiterte dank seines radikalen Durchgreifens die moskow.tische Welle auch in dieser Ecke von Südosteuropa, so ist zu erhoffen, daß er auch im zähen Kampfe zwischen Frankreich und Italien im Südosten und auf dem Balkan sein Scherflein dazu beitragen wird, den Frieden Europas zu fördern.
Mustne- und Handelskammer Friedberg.
WSR. Friedberg, 9.Dez. Die Industrie- und Handelskammer Friedberg hielt gestern eine gut besuchte Vollversammlung ab. Der Vorsitzende der Kammer. Kaufmann Hirsch, eröffnete die Sitzung und stattete insbesondere den mit Ende dieses IahreS ausscheidenden Herren Philipp Müller. Dr. Möhring unb Dr. Fertsch den Dank der Kammer für die geleistete Arbeit ab. Der Syndikus der Kammer, Dr. Göbel, berichtete eingehend über die Kammertätigkeit der letzten Monate. Danach erwuchsen der Kammer auf den verschiedensten Gebieten der Außenhandels-, Wirtschafts- und Finanzpolitik umfangreiche Arbeiten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurde die gegenwärtige Wirtschaftslage eingehend besprochen. Hierbei kam zum Ausdruck, daß ruhige und sachliche Arbeit dasGe- bvt der Stunde sei. und daß die Ansätze zu einer Wirtschaftsbelebung sich zu einer stabilen Aufwärtsentwicklung gestalten möchten. Voraussetzung für .eine erfolgreiche Aufbauarbeit sei die Schaffung des unbedingt notwendigen allgemeinen Vertrauens durch Ermöglichung ungestörter wirtschaftlicher Tätigkeit und das Zusammenwirken aller dazu berufenen Kreise der Wirtschaft und der Politik. Eingehende Erörterungen fanden die Fragen der zur Zeit bestehen-- den Ausfuhrschwierigkeiten und der deutschen Handelspolitik. Die Gewerbesteuerveranlagung war sodann Gegenstand eingehender Aussprache. Da sich die Ertragsverhältnisse der Betriebe in der Zwischenzeit bedeutend geändert haben, ist die Kammer im Benehmen mit den übrigen hessischen Industrie- und Handelskammern bemüht, für eine Anpassung der Cewerbebefteuerung an die tatsächlichen Verhältnisse Sorge zu tragen. Schließlich wandte man sich gegen dieäleberbe- steuerung des Kraftverkehrs und warnte vor einer völligen Erdrückung der Kraftverkehrswirtschaft.
Belebung der Meinschiffahrt.
WSR. Mainz, 9. Dez. In den letzten Tagen kann man eine erfreuliche Belebung auf dem Rhein feststellen. Eine Aruahl von Schiffen, die lange Zeit in den „ Friedhöfen" lagen, sind wieder auf die Reise geschickt worden. Verschiedene Schlepper, die man lange auf dem Rhein nicht mehr gesehen hat, sind wieder im Dienst.
4. Du sollst an Hausklatsch feinen Gefallen finden und ihn nicht weiterverbreiten.
5. Du sollst in Gegenwart anderer nicht mtt deinem Manne prahlen, sondern chm durch die Tat Gutes erweisen.
6. Wenn du ihm Vorwürfe zu machen hast, tu es sofort und dann vergiß alles.
7. Du sollst nachsichtig gegen seine Schwächen fein, aber seine guten Eigenschaften bei jeder Gelegenheit betonen.
8. Der Mann ist kein Dienstmädchen, denke dran!
9. Zuerst das Haus, dann deine Kleider!
10. Dein Mann will manchmal allein fein, du darfst ihn dann keinesfalls stören.
Für den Mann find die 10 Gebote folgendermaßen konzentriert worden:
1. Du sollst zu deiner Frau heute so nett sein wie in den ersten Tagen.
2. Lobe mit Wort und Blick das Esten, das dir vorgesetzt wird, denn es wandert nicht von selber auf deinen Tisch.
3. Denke an deine Frau, wenn du Sorgen hast, und besprich dich mit ihr.
4. Sei nicht brummig, sondern so, rote du es von deiner grau wünschest.
5. schwindle nicht über deinen Vermögensstand, denn vor Gott ist derjenige der schuldige Tell, der feine Frau im Unklaren gelassen hat.
6. Den Geburtstag deiner Frau und deiner Kinder, wie auch den Hochzeitstag mußt du auswendig wissen.
7. Versteife dich nicht aufs Rechthaben, denn das letzte Wort gehört der Frau.
Damit hört der Dekalog auf, und es wäre ja auch zwecklos, ihn nach dem Trumpf des siebenten Gebotes fortzusetzen. G. W. E.
Zeitschriften.
— Einen Eigenbericht Wolfgang von Gronaus über den schwierigsten Abschnitt seines Wett- sluges bringt die neue Rümmer der Leipziger ,.I l l u st r i r te n Zeitung" (Verlag I. 2. Weber). Reben schönen Kunstblättern und einem reichhaltigen Llnterhaltungsteil bringt des Heft u. a. interessante Beiträge über deutsche Landschaft, atte Volkstrachten, über den Welthandel der vorgeschichUichen Zett, über den bekannten Forscherarzt Albert Schweitzer u. a. m. Dazu die tagesgeschichtliche Bildreportage und eine eingehende Modeberichterft.ctttung.


