Ausgabe 
10.11.1932 Frühausgabe
 
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Oer Arbeitsbefchaffungsplan desIungdeutschen Ordens.

Berlin. 9. QIdd. (TU.) Der Hochmeister Des Jungdeutschen Ordens, Artur M a h - raun, sprach am Mittwoch über den sogenannten Großen Plan" des Jungdeutschen Ordens zur Beseitigung der Ar­beitslosigkeit. Der Plan sieht eine grund­legende Neuordnung des deutschen Raumes durch Schaffung von einer Million neuer Bauernhöfe mit je etwa 32 Morgen vor. Oluf ihnen könnten vier Millionen Menschen Be­schäftigung finden. Hiervon müßten jedoch eine Million abgezogen werden, die heute vom Groß­grundbesitz beschäftigt würden. Der Arbeitslosig­keit würden also rund drei Millionen Menschen entrissen. Die neuen Dörfer würden außerdem einer halben Million Menschen in Handwerk, Gewerbe, Verwaltung und Verehr neue Arbeits­plätze geben. Die Einführung der allgemei­nen Volksdienstpflicht könnte 800 000 Jugendliche vom Arbeitsmarkt Wegnehmen. Auf diese Weise würden insgesamt 4,3 Millionen Menschen wieder dem Arbeitsprozeß zugeführt fein. Die hiermit verbundene Lastensenkung würde der Wirtschaft das nötige Kapital zu- führen. Die Durchführung des riesenhaften Kolonisationswerkes würde die gesamte Wirtschaft von unten her ankurbeln. Der Rest der Arbeitslosen würde später von der Wirt­schaft aufgesogen werden können.

M a h r a u n führte ferner aus, daß sich der Jungdeutsche Orden deshalb in den letzten Jahren politisch so zurückgehalten hätte, weil er der Meinung sei, daß die Probleme unserer Zeit nicht durch parteimäßige Massenorganisationen oder durch den Kampf mit dem Stimmzettel, sondern nur durch einen Jdeenkampf be­wältigt werden können.

Zur Behebung der Staatsnot sei eine grundsätzliche Umschichtung des Sy­stems, die Brechung der Porteiherrschaft und völlige wirtschaftliche und politische Reuordnung notwendig. Die feldgraue Ordnung, deren höchste Verkörperung der Feldmarschall von Tan­nenberg sei, sei richtig. Ihre Gesetzlichkeit habe sich als die bessere gezeigt und müsse daher an die Stelle des Gesetzes von Weimar treten.

Reich und Preußen.

Die Aussprache im Berfasjungsausschutz des Neichsrats.

Berlin, 9. Nov. (DDZ.) Die ange kündigte Sihurm des Verfassungsausschusses des R e i ch s r a t s, in der i)ie Streitfragen be­sprochen werden sollen, die zwischen derReichs- regierung und den Ländern wegen des Vorgehens des Reichskommissars gegen P r e u - feen schweben, wird am Samstag stattfinden. 3u der Sitzung haben die Ministerpräsi­denten mehrerer großer deutscher Länder ihr Erscheinen zugesagt.

Roch keine Gltzung des preußischen Landtags.

Berlin, 9. Nov. (DdZ.) Wie das Nachrichten­büro des VdZ. hört, ist mit einer Einberufung des Preußischen Landtages für die näch­sten Wochen noch nicht zu rechnen. Der Landtag hatte den Präsidenten ermächtigt, den Termin für die nächste Sitzung anzuberaumen. Der Präsident wird, wenn nicht außergewöhnliche Umstände ein- treten, von dieser Ermächtigung erst Gebrauch machen, wenn die Frage der künftigen preu­ßischen Regierungsverhältnisse ge­klärt ist, d. h. wenn er die Wahi eines neuen Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung setzen kann. Eine Landtagstagung im gegenwärtigen Augenblick kält er angesichts der verwickelten Re- gierungsveryältnisse und ungeklärten Verantwort­lichkeit für unzweckmäßig. Es liegen auch von keiner Partei Anträge auf Landtagseinberufung vor. Die Entscheidung des Präsidenten wird frühestens in etwa acht Tagen erfolgen, sofern bis dahin ein Er­gebnis der neuerlichen Fühlungnahme zwischen Nationalsozialisten und

Antjeleen.

Don Hans Friedrich Blunck.

Wie ich zum ersten Male zu Wasser ging? Lie­ber Freund, das ist wieder eine von jenen vielen Fragen, die zur Registrierung absonderlicher Er­eignisse heute an einen gestellt werden. Aber bei jenem erstenmal war es nur ein Mühlenteich, in den ich hinein rollte. Dafür spielt eine wirkliche Liebesgeschichte und auch etwas von guten und bösen Geistern hinein, es ist also wert, daß ich es Ähren Lesern erzähle.

Ich werde ungeiähr fünf Jahre alt gewesen sein. Meine Eltern waren zu der Zeit auf der herrlichen alten Wassermühle eines Verwandten in Ostholstein zu Besuch und hatten für mich ein Kindermädchen aus dem Ort, Antjeleen, in Dienst genommen, deren große blaue Augen ich heute noch vor mir sehe.

Was hatte Antjeleen zu tun? Sie sollte mich aus und ab führen, sie sollte Blumen auf den kleinen schmalen Wegen mit mir pflücken und sie sollte mir Geschichten erzählen, denn mein Vater machte weite Wanderungen und meine Mutter hatte genug mit den Zwillingsgeschwistern zu tun, die gerade ihren Weg ins Leben gefunden hatten.

Was tat Antjeleen statt dessen? Geschichten wußte sie allerdings ohne Ende, lange, atemlose Geschichten vom Mühlenteich, vom versunkenen Schloß, das hier einmal gestanden hatte, und von den gelben Buschwiweken, die in den Wucher­blumen wohnten. Ich sah sie auch alle vielleicht sieht man als Kind noch mehr von Geistern und froschhäutigen Wasserkerlen, und ich weiß noch heute, wie einer von den Grünen deutlich das große Mühlrad hinunterrutschte und sich dabei pruschend überschlug.

Aber Antjeleen hatte auch anderes vor. Sie ging viel öfter als nötig am Graben unterhalb des _Aehrs entlang, sie blieb hinter den Büschen stehen und niä-te zu meinem Erstaunen zur Mühle hin­über, meist .gerade dann, wenn drüben ein mehl- grauer Knecht aus dem Fenster hing. Schon da­mals ahnte ich dumpf, daß dies Zuwinken für den Dritten meist ein Grund zur Feindschaft war und ich empfinde noch heute, wie eifersüchtig ich auf meine wunderschöne flachshaarige Antjeleen toar; ich zerre und reiße an ihrer Schürze und stampfe vor Kummer. Ach, meine bitteren Erfahrungen in Liebesdingen haben früh begonnen.

Aber der schlimmste Zorn von fünf jungen Jahren zog sich doch auf/das Gespenst aus dem Mühlen- fenfter zusammen^ und wenn ich mich auch von früh

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Das erste Skaimuseum der Weli.

In der alten, einst herzoglichen Residenzstadt Altenburg, der Heimat des Skatspiels, hatten sich dieser Lage die Anhänger dieses edlen und schwierigen Handwerkes zum 13. Deutschen Skat- Kongreß eingesunden. Man war zu den Kongreß- Verhandlungen, zu einem fröhlichen Beisammen­sein und zu einem zähen Wettbewerb um die Skatmeisterschaft zusammengekommen: aber dieses Jahr spielt in der Geschichte des Skats eine besondere Rolle. Abgesehen vom Kongreß gibt es noch zwei Dinge, die gebührend gefeiert wer­den müssen. Einmal das hundertjährige Bestehen der Altenburger und Stralsunder Spielkarten­.fabriken in Altenburg und zum zweiten die feierliche Eröffnung des ersten Skatmuseums der Welt, derSkatheimat" im Altenburger Schloß.

Dieses Altenburger Skatmuseum ist das Werk des langjährigen Faktors der Altenburger Spiel­kartenfabrik, Julius Benndorf,.der in der ganzen Skatwelt alsBenno Dirf", Herausgeber und Schriftleiter der Deutschen SkatzeitungDer Alte" wohlbekannt ist. Dor sechs Jahren hat Benndorf angefangen, seinen schon lange geheg­ten Plan, eine Skatsammlung ins Leben zu ru­fen, in die Tat umzusetzen, jinö nun ist das Werk soweit gediehen, daß es der Oeffentlich- keit übergeben werden kann.

DieSkatheimat" umfaßt schon jetzt eine ganze Zimmerflucht des Schlosses und soll immer wei­ter ausgebaut werden. Sorgfältig und mit Kunst­sinn ist alles in Kästen und Schränken unter Glas gehalten, damit die ganzen Schätze tadel­los erhalten bleiben. In mühevoller Arbeit ist esBenno Dirf" gelungen, Tausende von Spiel­karten der verschiedensten Jahrhunderte und auS allen Ländern, seit überhaupt Karten gespielt werden, zusammenzutragen. Interessant sind dis mannigfaltigen Illustrationen der einzelnen Blät­ter. Sorgfältig ausgeführte Landschaften, glän­zende Karikaturen und Anspielungen auf zeit­geschichtliche, meist politische Ereignisse gibt es in Hülle-Sund Fülle. Seltsam muten die kleinen Spielkarten art, die Feldgraue während des Stellungskrieges an der Westfront aus Papp- stückchen von einem Feldpostpaket angefertigt ha­ben. Mit vielen wertvollen Radierungen, Kupfer­stichen und wundervollen Glasmalereien stellt das Ganze eine wirtliche Skatheimat dar. Außerdem bekommt man auch einen Einblick in die tech­nische Herstellung der Skatkarten. So ist hier in aller Stille ein Werk entstanden, das in seiner sorgfältigen Vollendung bestimmt einmalig ist.

Zeitschriften.

Mutter und Kind, Zeitschrift für Er­nährung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. Ha^. Vier­teljährlich 1,65 Mk. - Das November heft ent­hält wieder eine Fülle interessanter und lehr­reicher Beiträge. Eingeleitet wird das Heft durch ein Interview überDas blasse Kind". Priv.« Doz. Dr. Doxiades gibt hier auf viele Fragen erschöpfende Antworten. Weitere Beiträge heißen Verschiedene Temperamente".Das Buch vom Kinde' ,Llnsere Kleinen im Winter",Kinder und Kino".Etwas vom Schulschwänzen",Ein Kind fällt",Kinderernährung vor 250 Jahren".

ich kann heute nicht mehr sagen, von welcher Art sie waren, ich weiß nur, daß sie schöner als die zarteste Birne mundeten. Ich suchte denn auch so eifrig, daß ich überhörte, daß zur Mittagssuppe ge­rufen wurde, ich übersah, daß wir, wie ungewollt, hinter die dünnen Erlen geraten waren, die mir fönst unheimlich schienen, weil man gerade zur Mühle hinüberblicken konnte. Ich hörte nur aus einmal einen halblauten Rus, kam hoch und sah gerade, wie mein schönes liebes Mädchen von dem entsetzlichen weißen Feind gejagt und gegriffen wurde und wie der immer näher und näher an ihr Gesicht kam, um sie zu fressen. Und icy gewann solchen Mut, ich schoß dem Gespenst blind in die Kniekehlen und versuchte mit ihm um meine einzige Antjeleen einen Ringkampf auf Tod und Leben.

Der Mann aber erschrak über den unvermuteten Angreifer so sehr, er brüllte auf und teilte in seiner Ueberraschung nach hinten aus. Und ich wirbelte in die Erlen hinein und von da mit einem dumpfen Plumps kopfüber in den Mühlenteich.

Der wilde Kerl hat mich selbst wieder heraus- aeholt, das war das Bekümmerndste von allem. Ich brüllte ihn zum Dank an, als stäke ich am Spieß, ich weiß auch noch deutlich, wie alle Fenster offen gingen und sogar der Oheim den Kopf zur Mühle Hinaushängte. Ich weiß, wie ich pudelnaß von Ant­jeleen ins Haus geschleppt wurde und nur immer ärger brüllte und brüllte vor Wut über das Wasser, vor Wut über den Mehlkerl und zugleich auch weil, solange ich noch schrie, alle um mich herumstanden und mich trösteten.

Ich glaube, ich habe darüber zu erzählen ver- en, wie es eigentlich gekommen roar; vielleicht iff ich auch, daß man von seinen Niederlagen nicht viel reden soll. Aber etwas sehr Böses und Schönes habe ich gelernt: den Mut der Eifersucht

Die Fischer, die hauptsächlich von Fischen leben, sind oft bösartig erkrankt und mitunter gestorben. Prof. Eichholz wies nach, daß sich die experi­mentelle Erzeugung der Haffkrankheit erreichen läßt. In keinem Falle dürfe angenommen werden, daß eine Infektionskrankheit vorliege. Die Mit­wirkung eingeatmeter giftiger Gase ist nach der übereinstimmenden Ansicht aller Redner nicht bewiesen und wird als wenig wahrscheinlich be­zeichnet. Nach den Forschungsergebnissen läßt sich nicht länger daran zweifeln, daß die Haffkrank­heit durch den Genuß von Fischen entsteht, die durch Stoffe aus den Zellstoffabwässern krank gemacht sind. Voraussetzung dabei ist jedoch, daß der Genuß im Llebermaß und unter den be­sonderen Bedingungen erfolgt, wie sie im Fischer­beruf gegeben sind. Trotzdem besteht kein Grund, daß die Bevölkerung sich etwa des Fischgenusses enthält.

Bezwingung des Acona-Massivs in den Cordilleren.

Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, haben die Mitglieder der deutschen Forschunasexpedition Dr. B o r ch e r 5 erklärt, das Acona-Masfiv in den Cordilleren in Höhe von 7015 Meter erstiegen zu haben. In 5000 Meter Höhe hätten sie die Hacke des Forschers P e I a m t o 11 e gefunden, der mit seinem Begleiter Ramfay feit zwei Jahren vermißt wird. Außerdem fanden sie den Rucksack des eng­lischen Forschers Mar den, der seit einem Jahre verschollen ist.

Großer Opiumschmuggel auf einem französischen Dampfer.

Bei iber Ankunft öes französischen DampfersLa Martin" in Marseille wurden von der Zollbehörde nicht weniger als 4 3 0 Kilo Opium in den Waschräumen des Schiffes beschlagnahmt. DieL-a Martin" versieht den Verkehr nach dem nahen Osten. Die französische Hafenpolizei war schon feit langem darauf aufmerksam geworden, daß auf französischen Schissen, die in Jstambul vor Anker gehen, Rauschgiftschmuggel getrieben wird, wobei auch die Besatzung der Schiffe aktiven Anteil nimmt. Aus diesem Grunde wurde eine eingehende Unter­suchung des Schiffes vor genommen, die ein sehr fruchtbares Ergebnis zeitigte.

Bolivianisches Militärflugzeug abgeftürzt. Dreizehn Offiziere getötet.

Wie die paraguayanische oberste Heeresleitung in Asuncion mitteilt, ist im Ehaco ein dreimotorigcs bolivianisches Militärflugzeug abgestürzt. Drei Generäle und weitere zehn Offiziere fanden dabei den Tod.

Sparkassenleiter unterschlägt 200 000 Mark.

Der Kaufmann Emst Wernicke in Bornim (Mark) hat als Leiter der Spar- und Darlehnskasse des Kreises Osthavelland 200000 Mark ver­untreut. Wernicke hat bei der Staatsanwalt­schaft in Potsdam die Unterschlagung eingestanden.

Blutrache auf offener Straße. 16 Personen getötet.

In der argentinischen Hauptstadt Buenos A i r e s hat sich auf offener Straße ein Akt furcht­barer Blutrache ereignet, wobei nicht weniger als 16 Personen getötet wurden. Die Mit­glieder von zwei Familien, die sich auf Grund der Blutrache heftig bekämpften, eröffneten plötzlich ein regelrechtes Revoloergefecht mitten in der Stadt. In Hehn Minuten waren alle tot oder ster­bend mit Ausnahme eines 16jährigen Mädchens, das in einen Hauseingang gefüchtet war. Dreißig kleine Kinder blieben als Vollwaisen zurück.

Ueberfall auf zwei Kassenboten.

Auf der Chaussee zwischen den Ortschaften Hoheneuendovf und Bergfeld im Norden Der- Uns wurden zwei Kafsenboten, die 1750 Mark Llnterstützungsgelder von der Sparkasse in Ho- henneuendorf ab geholt hatten, von zwei Män­nern überfallen und von ihren Rädern ge­schlagen. Die Räuber rissen die beiden Akten­taschen, in denen sich das Geld befand, an sich, schwangen sich auf die Räder der Lleberfallenen und fuhren davon. Obwohl kurze Zeit darauf die Verfolgung mit einem Privatauto aufgenom­men wurde, gelang es den Wegelagerern, zu entkommen.

Wolfgang von Gronau in Deutschland.

Friedrichshafen, 9. Nov. (WTB.) Nach einer hier eingetroffenen Meldung hat der deutsche Weltflieger v. Gronau die für heute nicht er­wartete Besserung der Witterung zum Start nach Friedrichshafen benutzt. Er ist um 13.45 Uhr in Genua aufgestiegen und hat gegen 15 Uhr den Lago Maggiore überflogen, v. Gronau ist nach glücklicher Ueberquerung der Alpen um 16.10 Uhr bei den Dorniermerten in Altenrhein bei Rorschach am Bodensee glatt gelandet. Er wurde von dem Erbauer seines Flugzeuges, dem bekannten Ingenieur Dr. Claudius Dornier und anderen Herren der Dornierwerke begrüßt. Der Flieger wird erst morgen -den kurzen Flug über den Bodensee nach Friedrichshafen ausführen, da erst für morgen nachmittag sein Empfang und seine erste Begrüßung auf deutschem Boden nach erfolg­reicher Durchführung seines Weltfluges vorgesehen sind. Mit der Erreichung des Bodensees hat Gro­nau mit seinem Dornierwal in etwas mehr als 300 Flugstunden eine Strecke von mehr als 60000 Kilometer zurückgelegt. Der Flug führte von der Insel Sylt über Island, Grönland, Alaska nach Ehikago. Auf dieser Strecke überquerte Gronau zum dritten Mal den Nordatlantik in der Ostwestrichtung. Von Ehikago flog er über das amerikanische Festland, die Aleuten, nach Japan, von dort über China, Batavia, Ceylon, Bagdad nach Athen. Von dort ging es weiter über Rom nach Genua.

Sieben englische Streckenarbeiter vom Schnellzug überfahren.

In oer Nähe von Watford, 15 Kilometer nördlich von London, wurden sieben Strecken­arbeiter von einem Schnellzug über­fahren. Fünf wurden getötet und zwei schwer verletzt. Die Arbeiter waren auf die Gleise der Schnellzugstrecke getreten, da ein Personenzug langsam aus den auszubessernden Gleisen fuhr. Infolge dichten Nebels und des Dampfes der Lokomotive des Personenzuges haben die Arbeiter den aus der anderen Richtung heranbrausenden Schnellzug nicht gehört und wurden überfahren.

Deutscher in Polen wegen angeblicher Spionage zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der Landwirtssohn S t i I o aus Dom st war an einer unübersichtlichen Grenzstelle bei Domst vor einiger Zeit auf polnisches Gebiet geraten und von den Polen fe st genommen worden. Man be­schuldigte ihn der Spionage. Das Posener Standgericht verurteilte Stilo zu fünf Jahren Zuchthaus. Stilo konnte sich kaum verteidigen, da er der polnischen Sprache nicht mächtig ist, in der die Verhandlung geführt wurde.

Furchtbarer Tod eines Einbrechers.

In einer der vergangenen Nächte explo­dierte in der Werkstatt eines Schlossermeisters in Hamm der- Schweißapparat. Als der Meister in die Werkstatt eilte, fand er dort einen etwa 23jährigen Mann mit entsetzlichen Ver­letz ungen sterbend vor. Der Verunglückte, dessen Personalien noch nicht feststehen, war mit einem zweiten Manne widerrechtlich in die Werk­statt eingedrungen, offenbar, um den Schweitz- apparat zu stehlen.

Die Ursachen der haffkrankheit.

In der Medizinischen Klinik zu Königsberg and eine Versammlung des Vereins für Wifsen- chaftliche Heilkunde statt, die sich mit den Ur» ach en der L a f f k ra n k h e i t beschäftigte, die schon viele Todesopfer gefordert hat und in diesem Jahre besonders heftig aufgetreten ist. Prof. S t oeltzner teilte die Ergebnisse von Versuchen an Fischen und Katzen mit, aus denen sich ergibt, daß die Vergiftung der Fische durch Harzsäure entstanden ist. Wie von Pros.Kai­serling demonstriert wurde, ging das Haffgift mit den Abflüssen der Zellstoffabri- ken aus Königsberg in das Haff und vergiftete die Fische. Bei geringem Genuß von Fischen sei das Gift nicht sehr schädlich, dagegen bei über­wiegendem Fischgenuß außerordentlich gefährlich.

auf lieber an die weihe statt an die schwarze Magie gehalten habe, diesem Fremden da drüben hängte ich alle Strafen böser Könige und feuriger Schatz­sucker an.

Grund genug zur Eifersucht hatte ich ja! Nicht nur daß Antjeleen jener verwünschten Weißjacke zunickte nein, das Bartgesicht nickte sogar wieder! Viel schlimmer als das: Mitten im Blumensuchen kam einmal ein leiser Pfiff, und meine schöne hel­denhafte Freundin denn in allen Geschichten war sie doch zuletzt die Listige, die den Knoten schürzte und löste, ich sage, meine schöne und heldenhafte Freundin verlor sich wie von ungefähr und ließ mich mitten in hohen Farren allein. Ich merkte die List gleich, ich war sehr traurig und fühlte mich einsam, sehr einsam! Aber ich blieb doch ruhig und tappte so langsam einen Weg für mich, bis ich er­starrend Antjeleen mit dem weißen Gespensterkerl beieinander stehen sah. Da brüllte ich wie von der Natter gestochen, und der Mehlige war wie im Husch von dannen wirklich, als ich die scheuern­den Fäuste von den Augen hob, war es, als (ei kein Mensch jemals dagewesen. Das sagte mir auch Antjeleen einen halben Tag lang. Sie redete und redete und lachte mich aus, bis ich selbst an meinem Gesicht zu zweifeln begann, sie erzählte dem Ver­stockten noch einmal die allerschönsten Geschichten, und immer liefen sie darauf hinaus, daß die Augen den klügsten Leuten etwas vorgeflunkert hatten. Und sie brachte es mit viel Zärtlichkeit dazu, daß ich das Erlebnis in mich verbiß und niemandem erzählte.

Aber Ich traute von nun an keiner von allen Ge­schichten mehr so recht. Ich war vom Gläubigen zum Zweifler geworden, der, um seine Antjeleen zu schützen, die Augen offenhielt und die Mühle nut ihren grünen Gesichtern und weißen Gespenstern nicht mehr aus dem Blick lieft.

Wie sehr ich recht hatte! Es war am Tag nach einem furchtbaren Gewitter, wo wir eine Nacht lang zusammen alle auf der Diele gehockt hatten und ich an Antjeleen die Frage gestellt habe:Und dann, wenn der Blitz einschlägt?" Ick weiß die Antwort noch, als sei's gestern gewesen:Dann sind mir tot!"Aber wie Ist das, tot?"Wir schlafen und schlafen und wachen gar nicht mehr auf."Wir wollen aber nicht tot sein Ant­jeleen!"Nein, wollen wir auch nicht!" Und sie zog mich erschrocken an sich, und ich vertraute auf ihr furchtsames Zeichen unserer Freundschaft.

Trotzdem, sie verriet mich schon am andern Tag. Wir pflückten gerade kleine Grasspieren, die, aus ihrem Mutterkelch gezogen, weiß und zart und wundervoll würzig schmecken. Sie wuchsen dem Mühlenteich am nächsten auf feuchtem Untergrund;

Zentrum vorliegt. Sicher ist, daß der Landtag nicht vor dem 22. November, wahrscheinlich sogar er[t in den letzten Novembertagen zusammentreten wird.

Landerkonferenz ohne Preußen

Würzburg, 9.Nov. (TLI.) Heute fand hier eine bereits seit einiger Zeit vereinbarte Kon­ferenz der Vertreter der süddeut­schen Länder und Sachsens statt. Diese Konferenz, an der für Bayern Ministerpräsident Dr.Helo teilnahm, diente dem Zweck, für die bevorstehende Sitzung des R e i ch s r a t s eine einheitliche Stellung derLänder her­beizuführen. Die Reichsregierung war von der Konferenz, an der auch die Fachreferenten der beteiligten Länder teilnahmen, vorher verständigt worden.

Die Staatsbesuche des Kanzlers.

Berlin. 9. Nov. (ENB.) Wie wir erfah­ren, ist für die Staatsbesuche, die der Reichskanzler beabsichtigt, folgende Route festgelegt: Am 14., kommenden Montag, wird der Kanzler in Dresden sein, am Freitag, dem 18., in S t u t t g a r t, am 19. in Karlsruhe : dann folgt die Einweihung einer neuen Rheinbrücke bei Mannheim-Ludwigshafen, und am 20. erfolgt der Staatsbesuch in Darmstadt. Am Abend dieses Tages kehrt der Kanzler wieder nach Berlin zurück.

Eine Herausforderung Deutschlands."

Der englische Zeitungskönig fordert Rück­gabe des Korridors an Deutschland.

London, 9. Nov. (WTB.)Daily Mail" veröffentlicht einen Artikel Lord Rother­me r e s über die Notwendigkeit einer Revi­sion bestimmter Teile der Friedens­verträge, in dem der Verfasser insbesondere auf die Frage des Korridors hinweist, der

die tiefste Ursache der Sorge um den europäi­schen Frieden darstelle. Die TeilungDeutsch- lands zu dem Zweck, Polen einen Zu­gang zum Meere zu verschaffen, sei der schlimmste Fehler, den Versailles began­gen habe. Der Korridor sei eine Heraus­forderung Deutschlands und eine Ge­fahr für Polen.

Lord Rothermere schlägt vor, daß die polnische Regierung Deutschland die territoriale Souveränität über den Korridor zu­rück g I b t gegen ein gemeinsames Versprechen Deutschlands, Frankreichs und Englands, die polnische O st grenze gegen einen sow­jetrussischen Angriff zu verteidi­gen. Deutschland könnte weiter eine interna­tionale Anleihe aufbringen, um Polen die Geld­aufwendungen im Korridor zu ersetzen. Der neue polnische Hafen Gdingen könnte zu einer freien Hansestadt mit besonderen Bezie­hungen zu Polen gemacht werden.