Ausgabe 
10.11.1932 Erstes Blatt
 
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zu uns kommt. Er will heraus aus der Dumpf­heit der Beschäftigungslosigkeit. Reichtümer win- ken ihm nicht. Gerade das jedoch birgt für uns besondere Verpflichtungen. Der junge Mensch soll nicht aus seiner Dienstzeit scheiden ohne das Gefühl mitzunehmen, einer Gemeinschaft angehört zu haben, die mit ihm in Kamerad­schaft verbunden war. Er soll etwas davon empfinden, was es bedeutet, Schicksals­genosse unter Schicksalsgenossen ge­wesen zu sein. Deswegen gilt es, unser Werk von C i g e n s ü ch t e l e i e n und Eifersüch­teleien frei zu halten, deswegen gilt es, die Kameradschaft auch unter all denen zu pfle­gen, die an dem Gesamtwerke als Führer und Leiter beteiligt sind. Das ist der tiefere Sinn, weswegen wir es ablehnen, die Ausbildung von Lagerleitern in Weltanschauungs- oder Berbands- schulen vornehmen zu lassen. Bei aller Freiheit, die den einzelnen Bünden und Verbänden sonst gewahrt bleibt, darf es nie soweit kommen, daß

das Werk als Ganzes kn ein Rebeneinander zerfällt.

Die freiwilligen Arbeitslager sind keine Re- krulendepots für die Organisationen, sondern sie sollen zu einem Reservoir für eine neue Volks­gesinnung werden. Sie sollen nicht der Zerrissen­heit und der Zersplitterung, sondern der Zu­sammenfügung, dem Miteinander und dem Brückenbau von Mensch zu Mensch dienen. Das wird ihr Dienst am Volke sein.

Zum dritten aber ist uns der Freiwillige Ar­beitsdienst ein Dienst an der werdenden neuen Gesellschaft. Dah er junge Menschen für eine Zeitlang bindet an einen gemeinsamen Gedanken und auf ein gemeinsames Ziel, das bedeutet zuerst nicht viel mehr, als ein Stück Disziplin. Aber die Bindung will ja weiter­greifen. Sie will sein eine Bindung an dem Volksgedanken. Auch das ist nichts grund­sätzlich Reues. Das Reue ersteht erst aus der

Besonderheit der Arbeit und des Gemeinschafts­lebens. Wir haben die jungen Menscher» teilweise zusammengefatzt in Sagern, die mit der Heimat in Verbindung stehen. Wir wollen ja ein Hei­mat w e r k sein. Wir wollen die M-rnschen in Verbindung bringen mit ihrem Boden. Daraus erhalten auch Arbeiten einen tieferen Sinn, deren Volks wirtschaftliche Bedeutung nicht un­mittelbar in die Augen springt. Wenn irgendwo ein Bachbett reguliert wird, ein Wcckd aufge­forstet, brachliegendes Land melioriert, dann ist das gewiß von Wert. Höher aber als der wirt­schaftliche Effekt ist das Bewußtsein Lerer, die daran teilhatten, hier an einem Stück Heimat- d i e n st mitgewirkt zu haben.

Der Freiwillige Arbeiisdiensk kann Schritt­macher einer neuen Gesellschaft roerbitn, wenn er seine erzieherischen Aufgaben erfaßt Lr will die Menschen in einem neuen Gemcinschofts- willen zusammenbringen.

Er ist kein Rotbehelf. Es soll von ihm heiFekt daß alle, die durch seine Schule gingen, zugleich eine Willensschulung durchgemacht haben, eine Schulung, in der das Einordnen am Anfang stand und an dessen Ende die R e u o r d n u n g stehen wird. Mit der auflösenden Tendenz unserer Zeit ist der Freiwillige Arbeitsdienst geworden, er soll führen zu neuer Bindung. Zu einer Bindung an Arbeit und Boden, an VolkundHeimat, aber auch an dem werden­den neuen Volk, dem werdenden neuen Staat, der werdenden neuen Gesellschaft.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 12. November. Vorabend 4.45 Uhr; morgens 9; Predigt; abends 4.55 und 5.35 Uhr.

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Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausg,ehöngt.

Gießen, den 10. Oktober 1932.

3. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortvgerichtsvorsteher.

Nach kurzem schweren Leiden wurde heute morgen 9% Uhr unsere liebe Tante und Großtante

Frau MinnaVoigt, geb. Stohr

im 81. Lebensjahr durch einen sanften Tod erlöst.

Im Namen der trauernd Hinterbliebenen:

Familie Grünig, Frankfurt a. M.

z. Z. Gießen (Löberstraße 1, II.), den 9. November 1932.

Die Trauerfeier findet Freitag, den 11. November, nachmittags 2y2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt

Danksagung.

Für die wohltuenden Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen danken wir auch im Namen aller Hinterbliebenen herzlichst

Frau Liesel Hellwig

Frau Geh. Justizrat Hellwig.

Gießen, den 10. November 1932.

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Bekanntmachung.

Betr.: Durchführung der Obstbaumzählung 1932 in der Gemarkung Gießen und Schiffenberg. 7910C

3m 3nteresse einer besseren Organisie­rung des Obstabsatzes soll die Zahl der Obstbäume ermittelt werden. 3n der Zeit vom 17. bis 19. November werden dazu bestimmte Zähler jeden Haushaltungsvor­stand fragen, wieviel tragfähige und noch nicht tragsähige Apfel-, Birn-, Süß- und Sauerkirsch-, Zwetschen-, Mirabellen-, Rei- neklauden-, Aprikosen-, Pfirsich- und Wal- nußbäume er bewirtschaftet. Die Haushal­tungsvorstände werden gebeten, sich unver­züglich über die Zahl der von ihnen bewirt­schafteten Obstbäume der einzelnen Arten Gewißheit zu verschaffen, damit sie den Zählern sogleich bei ihrem ersten Erschei­nen sachgemäße Auskunft erteilen können. Diejenigen Obstbaumbesitzer, denen die Hessische Landwirtschaftliche Zeitschrift zu­geht, werden auf den dort kürzlich erschie­nenen Artikel über die Obstbaumzählung verwiesen. Es wird ihnen empfohlen, die dort abgedruckte Tabelle für ihre Obst­bäume auszufüllen und diese Angaben den Obstbaumzählern bei ihrem Erscheinen zu übergeben. Die Ermittelungen dienen nur statistischen Zwecken. Auf Grund der Be­kanntmachung des Hessischen Finanzmini­steriums, Abteilung für Landwirtschaft, vom 30. September 1932, betreffend die Durchführung einer Obstbaumzählung im Dolksstaat Hessen, sind die Obstbaumbe­sitzer zur Auskunfterteilung verpflichtet. Verweigerung der Angaben oder Erteilen falscher Auskunft wird mit Strafe be­droht.

Gießen, den 9. November 1932. Bürgermeisterei Gießen.

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Die Angebotsunterlagen sind auf unse­rem Zweigbiiro, Zanderstrahe 9, erhält- lief), woselbst Zeichnungen und Bedingun­gen eingesehen werden können.

Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis Donnerstag, 17. No­vember 1932, vormittags 11 Uhr, an unsere Zweigstelle zu Bad-Nauheim, Zan- derstraße 9, einzureichen, woselbst im Bei­sein der erschienenen Seroerber die Er- Öffnung der Angebote erfolgt.

Zuschlagsfrist: 3 Wochen.

Bad-Nauheim, den 9. November 1932. Hessisches Hochbauamt Friedberg, Zweig­stelle Bad-Nauheim.

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Elisabeth Bergner mit Konrad Veith in dem st. Ufa-Film

Der Geiger von Florenz

Musik wird ausgeführt von der früheren

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Am Donnerstag, dem 1. Dezember 1932, vormittags 9 Uhr, werden im Amts­gerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 107, die nachstehenden, im Grundbuche von Gießen der Marie Appel, geb. Moll, Witwe des Georg Appel III. in Gießen, zugeschriebenen Grundstücke versteigert:

1. Flur 7, Nr. 91 -- 1244 qm Bauplatz am untersten Weiher, geschätzt 3732 Reichsmark;

2. Flur 7, Nr. 179 = 137 qm Acker auf dem Aulweg, hinter dem Weiher, ge­schätzt 274 RM.;

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