Ausgabe 
10.8.1932 Frühausgabe
 
Einzelbild herunterladen

Deutschland und das Gaargebiet.

Erklärungen des Reichskanzlers.

Ich darf Sie darauf aufmerksam machen, daß Ihre Anordnungen:

I. alle öffentlichen Gebäude in den Reichsfarben zu beflaggen,

2. in allen Schulen für Lehrer und Schüler ver­bindliche, der Bedeutung des Tages ent­sprechende Feiern zu veranstalten,

3. durch die Landesbehörden und Bürgermeiste­reien Berfassungsfeiern abzuhalten,

4. für die Landesbehörden am 11. August Sonn­tagsdienst anzusetzen,

in striktem Widerspruch zu dem eindeutigen Mehrheitswillen des Hessischen Landtages steht. Es würde dann auch diesem Beschluß des Land­tages zuwiderlaufen, irgendwelche staatlichen Mittel zur Veranstaltung dieser Derfassungs- feiern zu verwenden.

Ergebenst Dr. Werner.

Ausweitung

der Arbeitsmöglichkeiten.

Berlin, 9. Aug. (ERB.) Lieber die Zahl der gegenwärtig im Freiwilligen Arbeitsdienst be­schäftigten Arbeitsdien st willigen ersah- I ren wir vom Reichskommissar für den Freiwilli- |

Oie Lage in Ostpreußen.

Berlin, 9. Aug. (LU.) Der nach Königsberg beorderte Sonderbeauftragte des preußi­schen Innenministeriums, Oberregierungsrat Diehls, ist nach Berlin zurückgekehrt und hat berichtet. Wie verlautet, ist man im preußischen Innenministerium der Ansicht, daß alle persön­lichen Verhältnisse im Polizeipräsidium die Ge­währ für eine beschleunigte und sach­liche Durcharbeitung der Terror­fälle verbürgen. Alle weiteren Fälle sind be­reits geklärt und der Staatsanwaltschaft zuge­führt: die schweren Ausschreitungen, wie z. D. die Mordtat in Loetzen, werden noch weiter krimi­nalistisch verfolgt. Bezüglich der Tat in Loe­tzen glaubt man bereits eine wichtige Spur ge­funden zu haben. Es kommt nun darauf an, die auf beiden Seiten bestehende Erregung ab­klingen zu lassen. Als wirkungsvollstes Mittel ist man daran gegangen, den Ausgangspunkt aller Terrorakte, die Waffe, zu erfassen, und zwar auf drei Wegen:

1. werden alle Waffenscheine nachgeprüft,

2. werden überraschende Durchsuchungen in be­stimmten Vierteln vorgenommen: so geschehen aizch in der vergangenen Rächt. Die Durch­suchungen fördern jedesmal eine Reihe von Waffen zutage:

3. wird § 17 der Rotverordnung vom 18. Iuni schärfstens gehandhabt, so daß in allen Fällen die höchstzulässige Haftdauer verfügt wird, in denen Täter mit der Waffe in der Hand be­troffen werden. Man darf damit rechnen, daß auch bereits verurteilte Täter gegebenenfalls noch nachträglich dieser Polizeihaft unter­liegen.

Wieder Ausschreitungen.

Königsberg, 9. August. (TU.) In B r a u n s- b e r g wurde in der vergangenen Nacht der <521.= Mann Nolte durch einen Neoolverschuß ver­letzt. Er befand sich in Begleitung einiger Kame­raden auf dem Wege zum Bauhof. An einer dunklen Stelle wurde er plötzlich angeschossen. Die Kugel drang ihm in den rechten Unterschenkel. Weiter wurde in Braunsberg die Schau- fensterscheibe einer Fahradhandlung, deren Besitzer der NSNAP. nahesteht, durch einen Steinwurf zertrümmert.

In Drengfurt wurde ein Stein gegen ein Schaufenster des Kaufhauses Weinberg geschleu­dert. Die Schaufensterscheibe und eine dahinter lie­gende Spiegelscheibe gingen in Trümmer. Gegen 1.30 Uhr wurde in der Wohnung des Führers der NSDAP, in Drengfurt eine Fensterscheibe einge­worfen. Als der Wohnungsinhaber ans Fenster eilte, fiel ein S ch u ß. Er sah, wie ein Unbekannter

gen Arbeitsdienst, daß zu den Anfang Iuli im Freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigten 70 000 Personen Anfang August noch 25 000 hinzuge­kommen sind. Es besteht die Absicht, noch vor Eintritt des Winters die Zahl der Ar­beitsdienstwilligen bis auf 200000 z u erhöhen. Lim diese Absicht zu verwirk­lichen, ist eine planmäßige Erfassung aller in Frage kommenden Arbeitsmöglichkeiten notwen­dig. Der Reichskommisfar steht deshalb mit allen für die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten und für die Bereitstellung von Arbeitswilligen zu­ständigen Stellen in eingehenden Verhandlungen.

Oie Hakenkreuzfahne auf -em Mecklenburgischen Landtag.

Schwerin, 9. Aug. (TU.) Auf Anordnung des Präsidenten des Mecklenburg-Schwerini- schen Landtags, des nationalsozialistischen Ab­geordneten Krüger, ist am Dienstag auf dem Landtagsgebäude die Hakenkreuz­fahne neben der mecklenburgischen Landesflagge gehißt worden. Wie wir hören, wird das mecklen­burgische Landtagsgebäude in sämtlichen kommenden Landtagssitzungen diesen Flaggenschmuck tragen.

flüchtete und gab gleichfalls einen Schuß ab, der jedoch fein Ziel verfehlte.

In Marienburg wurde in der Nacht zum Dienstag auf die Wohnung eines Bäckers ein Bom­benattentat verübt. Der 6sjcihrige Sohn des Bäckers wurde durch Sprengstücke am Kopf schwer verletzt. Der Bäcker gehört keiner Partei an und betätigt sich auch nicht politisch.

Der Bürgermeister der Stadt L y ck hat aus Bür­gern der Stadt eine Hilfspolizei zur Unterstützung der örtlichen Polizeiorgane aufgestellt, die während der Nacht Polizeidienst versieht.

In Landsb^rg im Kreise Preußisch-Eylau ist gestern Nacht auf einen Siedler und einen Guts­besitzer, beide Angehörige der NSDAP., ein Reool- veranschlag verübt worden, der jedoch mißlang.

Ein Aufruf der NSOAp.

Königsberg, 9. Aug. (CNB.) Der Gau­leiter der NSDAP., Erich Koch, veröffent­licht folgenden Aufruf:

Parteigenossen! SS.- und SA.-Männer! Die Zeit nach dem 31. Juli, der unseren großen Wahlsieg brachte, war schwerer für euch und für uns als all die Jahre vorher. Denn in diesen Tagen entscheidet sich unser Kampf um die Macht. In diesen Tagen heißt es daher unter allen Umständen öie Nerven z u behalten.

.Parteigenossen! Die Disziplin der SS. und SA. und jedes einzelnen von euch war all' die Jahre bewundernswert. Sie gerade war es, die uns im ganzen Reich in so überwiegendem Maße das Vertrauen des Volkes aller Schichten zuführte. Es gilt deshalb, sie auch weiterhin unter allen Umständen zu bewahren. Mögen die An­forderungen, die an sie gestellt werden, noch so schwer sein.

Ich erwarte deshalb von euch a b s o l u t e D i s z i- p l i n und absolut legales Verhalten. Ich erwarte deshalb von euch, daß ihr den Behör­den, vor allem der Polizei, keinerlei Schwierigkeiten macht, wenn sie ihres Amtes walten. Das ist im Hinblick auf das Vergangene in vielen Fällen nicht immer leicht, ich weiß es, aber es muj sein. Das große Ziel fordert auch dieses Opfer von euch.

Sonderkommiffar für Oberschlesien.

Gleiwitz, 9. Aug. (TLl.) Ministerialrat Dr. Schütze vom Reichsinn-enministerium, jetzt kom­missarischer Ministerialdirektor im Preußischen Innenministerium, ist mit einem Sonderauf­trag ähnlich dem des Kommissars Dr. Diehls für Ostpreußen nach Oberschlesien zur Llntersuchung der dortigen Terrorfälle entsandt worden. Wie verlautet, wird Dr. Schütze auch die schweren Vorwürfe untersuchen, die gegen den Polizeipräsidenten des oberschlesrschen In-

F r ankfur t a. M., 9. Aug. (WSR.) Das heutige Abendprogramm des Südwestfunkes brachte ein Hörbild, in dem die Grenzland- verhältnisfe des Saarlandes Der an- schaulicht wurden. Vor Beginn der ^Übertragung wurde eine Llnterredung des Reichskanz­lers mit dem Sprecher des Südwestsunks ge­sandt.

Reichskanzler v. P a p e n betonte, daß er die Saar seit etwa 30 2ähren kenne. Zwischen den Bewohnern seiner ursprünglichen Heimat, West­falen, Und der Bevölkerung des Saargebietes gäbe es große Llnterschiede. Eines jedoch habe das Saarland und Westfalen zweifellos gemein: Das zähe Festhalten an alter deutscher Sitte und Kultur.Ich kann sagen, daß ich sie gut kenne", erklärte der Reichskanzler,sie sind deutsch bis auf d ie Knoche n.

Die nächste Frage des Sprechers galt der Zu­versicht, mit der das Saarland den Wieder- anschluh an das Deutsche Reich erwartet. Dazu erklärte der Reichskanzler:

Aus dem Saargebiet zurückgekehrt, habe ich das Gefühl, noch sehr viel stärker als sonst mit heimgebracht, daß eine Lösung der Saarfrage, und zwar

eine baldige Lösung der Saarfrage ein unbedingtes Erfordernis ist,

ein Erfordernis sowohl für die Saar und das deutsche Vaterland, aber auch für die endgültige Besserung der Beziehungen zwischen den beiden großen Ländern Deutschland und Frankreich. Es scheint mir unmöglich, etwa eine Zwi­schenlösung ins Auge zu fassen, wie sie manchmal von einigen Stellen vorgeschlagen wor­den ist, etwa in der Art, dem Saargebiet eine Autonomie zu geben. Das Saargebiet nach feiner ganzen wirtschaftlichen Struktur kann n i/e m a l s als autonomes Land lebensfähig sein.

Lebensfähig kann es nur im größeren Rahmen seiner alten deutschen Heimat sein.

Lieber eins darf man im Saarland sich keinem Zweifel hingeben. Wenn ab und zu die Frage an mich gerichtet worden ist, ob man das Saar­land im Deutschen Reich nicht auch etwas ver­gessen habe, kann ich nur antworten: Im Gegen­teil, nicht nur nicht vergessen, sondern es ist un­seren Herzen, wie alle deutschen Grenzlande, un­endlich nah. Lind ich darf in dieser Beziehung nur darauf verweisen, daß das Deutsche Reich alles für das Saargebiet in finanzieller und wirt­schaftlicher Hinsicht nach Maßgabe seiner Kräfte getan hat."

dustriebezirks, Dane hl, von nationalsozialisti­scher Seite erhoben worden sind.

^Riefenra^io im Hamburger Gängeviertel.

Hamburg, 9. Aug. (WTB.) Im Hamburger Gängeviertel, das in 'letzter Zeit vielfach der Ausgangspunkt von Llnruhen gewesen ist und in dem schon des öfteren Polizeibeamte ange­griffen und in verschiedenen Fällen auch töd­lich verletzt wurden, nahm die Polizei heute in den frühen Morgenstunden eine ganz groß ange­legte Durchsuchung vor. Richt weniger als 1 50 0 Polizei- und Kr i m i n al b e a mt e riegelten das ganze Gängeviertel ab und durch­suchten es daraufhin aufs gründlichste nach Waffen und verdächtigen Personen. In den Wohnungen wurden teilweise die Fußböden auf- gerissen und nach Waffen durchforscht. Die Razzia dauerte bis 12 Llhr. Es wurden 16 Handschuß­waffen, 3 Militärgewehre, 2 Jagdgewehre, 7 Sei­tengewehre, zahlreiche Gummiknüppel, teilweise mit Blei- bzw. Eisenfüllung versehen, Stahl­trossen, Eisenknüppel, Dolche, Schlagringe und große Mengen Munition beschlagnahmt. Bei der Durchsuchung wurden gleichfalls umfangreiche Schriften hochverräterischen Inhalts gefunden und beschlagnahmt. Etwa 50 Personen wurden sistiert.

Auf eine Frage nach den zukünftigen Aufgaben und dem Schicksal des Saarlandes erwiderte der Reichskanzler:Ich bin vollkommen Ihrer Auffassung, daß die ge­samte Bevölkerung des Saargebietes keinen an­deren Wunsch hat, als, wenn es dem Deutschen Reiche wieder einverleibt ist,

ein Stück kultureller und wirtschaftlicher Beziehung zum großen Nachbarvolk zu bilden. Aber selbstverständlich muß der ge­genwärtige Zwiespalt möglichst bald beendet wer­den. Allein das eine will ich meinen lieben Lands­leuten sagen: Dis wir zu dieser politischen End- lösung kommen, wollen wir alle den großen Hei­matgedanken pflegen."

Der Reichskanzler forderte dann noch besonders die deutsche Iugend auf, die G renz- m a r f z u besuchen, in deren Wäldern und Flüssen, Bergen und Tälern das Lied von der gemeinsamen großen deutschen Heimat rauscht.

Ausschreitungen eines französischen Zollbeamten.

^Merzig, 9. August (WTB.) Der Redakteur Ttnton Weller von derMerziger Volkszeitung"

«Jn &er zum Dienstag an der Zoll­stelle Bachem von französischen Zollbe­amten derartig schwer mißhandelt, daß seine sofortige Ueberführung in das Kreis» krankenhaus Merzig notwendig wurde. Dem Vor­fall liegt folgender Tatbestand zugrunde: Weller kam mit seinem Kraftwagen von einer Dienstfahrt aus der Richtung Losheim. An der Zollstelle hielt er ordnungsmäßig an. D'ie anwesenden beiden Zollbeamten unterzogen darauf den Wagen einer sehr genauen Kontrolle. Nach Beendigung der Re- vision entstand eine kleine Meinungsverschiedenheit, wahrscheinlich deshalb, weil einer der beiden Zoll­beamten in französischer Sprache eine Frage an Weller richtete, die Weller nicht verstand und des­halb auch nicht beantwortete. Der Zollbeamte ge­riet darüber so in Wut, daß er W-e der aus dem Wagen riß, ihn in das Zollhäuschen schleppte und, nachdem er das Licht gelöscht hatte, mit Fau st schlagen und Fußtritten so schwer mißhandelte, daß Weller b e s i n n u n g s- l o s wurde. Der herbeigerufene Arzt ordnete sofort die Ueberführung in das Krankenhaus an, wo Wel- (er schwer verletzt darniederliegt. Die Land­jägerei nahm den Tatbestand auf und erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Zollbeamte konnte noch nicht verhaftet werden, da er der Mi­litärgerichtsbarkeit unterliegt.

Serner wurde im Kornträgergang eine Falsch­münzerwerkstatt ausgehoben und die Falschmünzer verhaftet.

Linksradikale Waffenschiebungen in Zella-Mehlis.

Zella-Mehlis, 9. Aug. (TLl.) Die Po­lier ist in Zella-Mehlis erneut Waffen- fchiebungen auf die Spur gekommen. Sechs Linksradikale aus Kassel, die durch Dermitt- mittlung von Parteigenossen in Zella-Mehlis Pi­stolen aufgekauft hatten, konnten von der Polizei gefaßt werden. Während vier der Waffenschieber wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, blieben die beiden anderen in Haft. Es ist gegen sie sofor» Haftbefehl erlassen und ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Lieber den Umfang der Waffenkäufe verweigert die Polizei die Auskunft.

Auch aus anderen Orten Deutschlands haben, wie wir von der Polizei erfahren, linksradikale Kreise den Versuch gemacht, durch Vermittlung ihrer Parteigenossen in Zella-Mehlis in den Be­sitz von Waffen zu gelangen. Die Erhebungen sind noch im Gange, so daß RLheres nicht in Erfah­rung gebracht werden konnte.

Verantwortlich für Politik: J.V.: Ernst Blumschein.

llnvemmdetle Spannung im Reich.

Oer Flieger.

Von Herbert A. Zansen.

»Ihr Rame?"

William Crosbie I"

Berus?"

Pilot."

And Sie wohnen?"

Rorwvod, Westow Hill Square."

Können Sie mir einen kurzen Bericht geben, wie der Unfall sich ereignete?"

»Rein--jetzt nicht."

Der Arzt blickte auf. Der junge Mensch, der da vor ihm auf der Tragbahre lag, hatte die Antwor­ten zwischen verbissenen Zähnen herausgepreht. Er mußte furchtbare Schmerzen haben. Es wäre grausam gewesen, ihn weiter mit Fragen zu quä­len. Doktor Lrimborne untersuchte den zerschmet­terten Llnterschenkel. Das sah böse aus.Sie haben Schmerzen?"

Der andere nickte. Dann setzte er hinzuein wenig" und versuchte zu lächeln. Aber es wurde nur eine Grimasse daraus.

Also, Schwester, Tetanus und Morphium 0,01. Ich hoffe, Professor Ralstone wird operieren..

Die Zimmerdecke über Crosbie begann zu wan­dern. Ietzt ein Türrahmen, dann lange Zeit die gleichförmige Rundung des Korridors... eine Llhr... Er prägte sich automatisch die Zeit ein: 7 Llhr 3. Wieder ein Türrahmen nun stand die Decke still.

Minutenlang.

Mein Gott, warum lassen sie ihn hier liegen? Haben sie ihn vergessen? Warum geschieht denn nichts? Iedr Minute ist kostbar. Professor Ral­stone wird wohl der Chefarzt sein. Aber Chef­arzt oder nicht, er wird sein Dein nicht mehr retten können...

Krüppel also, Krüppel... oder hat es ihm der Sanitäter im Transportauto nicht endlich zugeben nurssen, als er ihn auf Ehr und Gewissen fragte? Wie?3a, Iunge, da is woll nich mehr viel zu machen, das Dein wird ab müssen!" War das nicht klar genug?

Kaum zwanzig Iahre alt und schon ein Krüp­pel fein. Rie wieder fliegen!

... Fliegen...

Gestern abend war das Werk seines Bruders Stephen, die Maschine mit dem neuen Höhen- \ mptpr, vom Dremsstand gekommen. Heute bei Sonnenaufgang war er gestartet. Das war ein >

Flugzeug! Fast eine Stunde tummelte er sich in Luft und Sonnenglan;. Dann kam es. Bei der Landung.

Die Frühnebel deckten noch den weiten Platz, als er im Gleitflug herunterkam. Rebel oder nicht/ ihm war es gleich. Lind da er eintauchte in die ziehenden Schwaden, kam es ihm in den Sinn, daß es bald die fünfhundertste Landung sein mochte, die er hier in Croydon machte. D^nn er da den Platz nicht kennen sollte! Fünfzehn Me­ter vielleicht noch schwebte er über dem Boden, als die Verkehrsmaschine grau und lautlos wie ein Gespenst sich quer vor ihn schob.

Gewiß, sie war nicht fahrplanmäßig. Lind der Polizist hatte ihm und nicht ihr die Landebahn frei gegeben. Doch hier entschied nicht Recht noch Schuld. Dort drüben zehn oder mehr Menschen­leben, hier das seine. Zehn zu eins, das braucht: keine Lieberlegung l

Er drückt den Steuerknüppel vor, soweit es nur geht. Die Maschine stellt sich mit einem Ruck auf den Kopf, schießt blitzartig zur Liefe. Rur einen Sekundenbruchteil später wirbelt der Propeller Sand zum Himmel.

Eigentlich ein lächerlicher Sturz! Kaum fünf­zehn Meter! Aber als sie ihn unter den Trüm­mern hervorziehen, ist fein rechtes Dein nur noch eine blutige Masse. Fragen Verstörung rings­um. William schweigt. Lind so weiß niemand den wahren Grund seines Sturzes. Rur einer: Raoul Dauvin, der Pilot des Verkehrsflugzeuges. Atem­los kommt er, als sie ihn schon zum Auto tragen. Die Angst vor dem, was hätte geschehen können, flackert in seinen Augen, und er stammelt immer wieder:Crosbie, ich danke Ihnen! Zwölf Passa­giere, zwölf Passagiere..." Lind dabei laufen ihm die Hellen Tränen übers Gesicht.

Professor Ralstone zog die Gummihandschuhe über.

Crosbie schließt die Augen, als er das kalte Drahtgestell der Maske auf seinem Gesicht fühlt. Er atmet tief und zählt... zählt...

Gemein und süßlich riecht das Zeug. Das also, das ist Aether!... fünf... sechs ... Äh, der ganze Brustkorb brennt wie ein höllisches Feuer. Einen Augenblick lang will er die Maske herunter rei­ßen und frische Luft schöpfen.

... acht ... neun ... zehn ...

Schon wird ihm schwer und wirblig im Kopf, fast so, als ob die Maschine nicht aufhören wollte zu trudeln. Ton und Farbe, seltsam und fremd­

artig, umkreisen ihn, langsam und majestätisch: es saugt und zieht wie in einem Trichter... Run steht er plötzlich in dem hell erleuchteten Raum neben der Schwester und sieht dort auf dem Tisch einen Körper liegen, einen Menschen. O, er ist §anz klar und weih sehr genau, daß William rosbie dort auf dem Tisch liegt und geduldig zählt.

... zwölf ... dreizehn..

Zwölf Passagiere sind es gewesen, die Dauvin an Bord hatte . Der Teufel mochte wissen, was er so früh am Morgen schon auf dem Flugplatz wollte... Daß er auch gerade von rechts herein landen mußte! Herunter also im Sturzflug, es geht um zwölf Menschen.

Dreizehn ...! !

Weiterzählen I" mahnt eine Stimme.

Gewiß!" sagt Crosbie und verbeugt sich. Allein steht er in dem unermeßlich riesenhaften Raum.

Angst... Angst kriecht an Crosbie empor, Angst vor der Leere und Oede des Raumes. Rufen will er, rufen, nach einem Menschen, einem Tier einer Pflanze nur...

Die Glühbirnen fern an der Decke funkeln böse. Kalt ist es, eisig wie im Grab. Lind der winzige Crosbie steht im unendlichen Raum und zählt ge­horsam, wie ihn der Direktor geheißen.

.... vier ... undzwan... fünsund... zig!...

Ein großer Kreis ... im Mittelpunkt Crosbie. Ringsherum Krüppel Krüppel alles Krüp­pel! Stöhnen, furchtbar, übermenschlich sie kom­men, kommen her,... zu ihm ... Rein!

In rasendem Sturz geht es abwärts. Reblig verschwommen wird alles, halt! halt! denken... wach... mein Bein! nicht, nicht hinab... le­ben!

Aus tiefem, grundlosem Meer taucht Crosbie aus. Giftgas brennt in den Lungen, und Blei hat man ihm in die Glieder gegossen. Äber er kämpft fiep nach oben, weil er sich sehnt nach wonach nut? *

Moment, da er die Augen aufschlägt, zer- reißt es wie Rebel um ihn: wissen will et, totllcn, was mit ihm geschieht. Wissen, daß er lebt!

. Aum, daß er das Glück des ersten be- wdn Atemzuges genießt, das Glück, da zu sein,

'sm wie ein Keulenschlag die Erinnerung.

Da sitzt ja auch der alte Sanitäter vom Trans- portauto an feinem Bett. Lacht:Gratuliere, Iunge, au fgeschnitten haben sie das Dein nicht ab geschnitten...!"

Crosbie hört. Sein Gehirn quält sich ab. Sinn in die Worte zu bringen, die an sein Ohr klin­gen, in ihm weiterdröhnen.... nicht abgeschnit­ten ..." Lange Sekunden dauert es, bis er zur Klarheit kommt. Einen Augenblick stockt ihm der Herzschlag dann durchbraust ihn Glücksgefühl wie eine Woge.

Die Zimmerwände ballen sich zu Wolkenflor... der Raum dehnt sich... weit, weit... zu un­ermeßlichen Femen. Lind um ihn ist schneidender Fahrwind und sieghaft das Donnern des Motors.

Billige Hochzeitsreise in Italien.

Neuvermählte Paare in Italien haben es jetzt gut. Der Staat sorgt für eine billige Hochzeitsreise nach Rom. Diese ,/Hochzoitsfabrkarten" betragen nur 20 Prozent der gewöhnlichen Fahrpreise der 2. und 3. Klasse. Paare, die erster Klasse fahren wollen, können allerdings von dieser Ermäßigung keinen Gebrauch machen. Wer sich dieser Vergünsti- gung bedienen und seine Flitterwochen in der Ewigen Stadt verleben will, muß die Heivats- urkunde oorlegen und nachweisen, daß die beiden Antragsteller auch wirklich die Personen sind, deren Verehelichung in der Urkunde bescheinigt wird. Die Reise darf nicht später als am siebenten Tage nach der Hochzeit angetreten werden. Die Billetts, die auch noch die freie Rückreise gewähren, gelten für 14 Tage, doch können ihre Besitzer die Fahrt nach dem Bestrmmungsort nicht wie Reisende mit ge­wöhnlichen Fahrkarten unterbrechen. Benachteiligt sind bisher dis jungen Paare, die in Rom heiraten, denn fie können ja von einer Romreise keinen ©e* ,.Fauc? Es wird aber erwogen, auch diesen für die Hochzeitsreise große Verbilligungen zu ge- mabren. Die Ausgabe dieser besonderen Hochzeits- rerse-Billetts soll einen Anreiz zur Heirat darstellen, wie ihn ja die italienische Regierung durch die verschiedenartigsten Vergünstigungen zu meten versucht; sie ist ein Teil des Feldzuges gegen die sinkende Geburtenziffer aus der Apenninen-Halbinsel. Nach den soeben ver­öffentlichten Statistiken beliefen sich die Heiraten während der ersten sechs Monate dieses Jahres auf 125 976 gegen 151 750 im Vorjahr, und die Zahl der Geburten betrug 502 108 gegen 564 613. Ob wähl viele Italiener, die sich bisher dem Joch der Ehe nicht beugen wollten, der Verlockung einer bil­ligen Hochzeitsreise nach Rom werden widerstehen können?