Ausgabe 
10.8.1932 Erstes Blatt
 
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G.JL-fport

Die schnellste Schwimmerin der Welt.

Helene Madison gewann das 100-Meter-Freistil- schwimmen in Los Angeles in neuer olympischer Rekordzeit.

Deutsche Boxersiege in Los Angeles.

Der Beginn der Olympischen Amateur-Box­kämpfe brachte gleich zwei deutsche Siege. Auch die Ruderregatta nahm am Dienstag ihren An­fang. Deutschlands Skuller D u h h ist leider an Grippe erkrankt und konnte daher den Einer nicht bestreiten, während sich der deutsche Vie­rer mit Steuermann f ü r den End­lauf qualifizierte. Deutschlands Wasser­

ballmannschaft vermochte gegen Amerika nur un­entschieden 4:4 zu spielen.

Gegelflug auf dem Dörnberg bei Kassel.

Hervorragende Leistungen.

Ausgezeichnete Segelflugleistungen gab es am Sonntag auf dem Fliegerlager Dörnberg. Nach­dem am Vormittag verschiedene Schulflüge statt­gefunden hatten, begann man gegen 14 Ähr mit den eigentlichen Flügen. Gestartet wurde vom Hohen Dörnberg. Bei dem starken Nordwest- wind, der herrschte, gelang es den Fliegern leicht, größere Höhen zu erreichen und auch weit ins Land, bis kurz vor Zierenberg, hineinzu- fliegen. Eine glänzende Leistung vollbrachte der Student Hintz von der Akademischen Flieger­abteilung Deutscher Burschenschaftler, dem es auf seinem Segelflugzeug Typ Falke gelang, fünf Stunden und eine Minute in der Luft zu bleiben; Keitel vom Aiederhessischen Verein für Luft­fahrt flog auf derfrommen Helene", Typ Gro­nau, 2 Stunden und 56 Minuten und Horlbog, ebenfalls vom Aiederhessischen Verein für Luft­fahrt, vollführte einen Flug von zwei Stunden und 17 Minuten. Altmeister Max Kegel auf seinerKassel" brachte es zwar nur auf 24 Mi­nuten, hatte aber die Genugtuung, die größte Höhe mit 280 Meter über dem Start erreichen zu können.

Erwähnenswert sind noch die Flüge des Leiters der Akademischen Fliegerabteilung, Lüning, auf Kassel 20, der 1 Stunde und 10 Minuten flog, und des Studenten S ch w e y e r von der Deut­schen Burschenschaft, der mit einem Fluge von über acht Minuten die L-Prüfung ablegte. Zu­schauer waren bei dem nicht gerade freundlichen Wetter nicht sehr zahlreich erschienen; es mögen 100 Personen gewesen sein, die dann aber auch von den gebotenen Leistungen voll befriedigt waren.

Kursrückgänge bis zu 1 v. H. eintraten. Darüber hinaus lagen IG., Deutsche Erdöl, Gelsenkirchen, Aku und Klöcknerwerke bis zu 1,50 o. H. abge­schwächt. Am Elektromarkt ergaben sich durchweg Einbußen bis zu 1 v. H. Siemens lagen 1,75 v. H. niedriger. Bis zu 0,50 v. $). abgeschwacht setzten ein Scheideanstalt, Metallgesellschaft, Holzmann, Daim­ler, Mannesmann und Phönix Bergbau. Etwas Interesse zeigte sich weiterhin für Schiffahrtspapiere, die ca. 0,25 o. H. höher eröffneten.

Am Rentenmarkt war die Haltung meist etwas schwächer, Altbesitz und Reichsschuldbuch­forderungen verloren bis zu 0,75 v. H., Neubesitz gaben 0,13 v. H. nach. Gold- und Liquidations­pfandbriefe, sowie Kommunalobligationen wiesen nur unwesentliche Veränderungen nach beiden Sei­ten auf, während einige Stadtanleihen noch etwas höher notierten und Jndustrieobligationen behaup­tet waren. Von fremden Werten neigten Rumänen zur Schwäche, Anatolier und Ungarn blieben gut gehalten.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 10. Aug. Es wurden no­tiert: Weizen (neue Ernte) 230 Mark, Roggen (mahlbar) 182,50, Wintergerste für Drauzwecke 170, Hafer (inländischer) 170182,50, Weizen­mehl (süddeutsches, Spezial 0, mit Austausch­weizen) 37,2538,05, Weizenmehl (niederrhein., mit Austauschweizen) 37,2537,80, Roggenmehl (60 Prozent) 2728, Weizenkleie 8,909, Rog­genkleie 98,90. Tendenz: abgeschwächt.

Schottener Sommermarkt.

a. Schotten, 9. Aug. Der Schottener Sommermarkt, der gestern begann, hat wie­der feine alte Anziehungskraft bewiesen. Der Auf­trieb betrug etwa 40 Fohlen, 70 Perde, 180 Stück Großvieh und 50 Stück Iungv'^b. Die Beschickung des Marlies entspricht n cht mehr ganz den Zah­len der Dorkriegsjahre, da die -vieijmärfte in den Städten den Märkten in den kleineren Orten star­ken Abtrag getan haben. Der Schottener Sommer­markt war aber sehr stark besucht, die Aachfrage nach Vieh war lebhaft, der Handel ging flott von- statten. Auf dem heutigen Schweinemarkt

Ein Deutscher erhielt die goldene Olympia-Medaille für Literatur»

Der Forscher Paul Bauer, der auf der gleich­zeitig mit den Olympischen Spielen ausgetragenen Kunst-Olympia für sein BuckI m Kampf um den Himalaja" mit der Goldenen Medaille für Dichtkunst ausgezeichnet wurde. Sein Werk schildert den Kampf der deutschen Himalaia-Expedition von 1929 um die Bezwingung des Gipfels des Kong» chendzönga.

zu dem über 700 Schweine aufgetrieben waren, wurden für Ferkel bis zu sechs Wochen 12 bis 15 Mark, von sechs bis acht Wochen 15 bis 18 Mark, von acht bis dreizehn Wochen 18 bis 20 Mark bezahlt. Läufer kosteten 20 bis 25 Mark, Einleger 25 bis 40 Mark. Die Schweine wurden sämtlich abgeseht. Für den Krämermarkt sind viele Duden aufgeschlagen worden.

Wirtschaft.

Die Arbeitsmarktlage im Reich.

Rund 5/4 Millionen Arbeitslose.

Jung desUnter st ützungsanspruches auf die Nichtanerkennung der Hilfsbedürftigkeit zurück­zuführen.

Berlin zurückhaltend und schwach.

Berlin, 10. August. (WTB. Funkspruch.) Trotz gut gehaltener gestriger Neuyorker Börse, trotz des verlängerten Burgfriedens und der Notverordnung gegen den Terror und trotz niedrigerer Arbeitslosen- zifsern eröffnete die heutige Börse infolge der an­haltenden innerpolitischen Unsicherheit in zurück­haltender und meist schwächerer Ver­fassung. Es verstimmte vor allem, daß sich das Publikum kaum noch am Geschäft beteiligt. Auch wirkte die Zahlungseinstellung des Berliner Beam­tenwirtschaftsoereins nach, zumal im Zusammenhang hiermit von einer Krise bei den Konsumgenossen­schaften gesprochen wurde, die aber bereits mit Hilfe der Preußenkaffe behoben sein dürfte. Die Spekulation hatte von gestern übrig und war zu Realisationen geneigt. Einem besonders starken Ab­gabedruck waren aber nur JG.-Farben ausgesetzt, die auf ein Angebot von über 100 Millionen 1 o. H. verloren. Allerdings wurde das Material von guter Bankseite ausgenommen. Aber auch sonst war die Tendenz weit schwächer und Kursverluste von 1,50 v. H. waren ziemlich häufig. Contigummi büß­ten 3,25 v. H. ein, Salzdetfurth 2,13 o. H., Wester­egeln erschienen zunächst nur mit Minus-Minus- Zeichen, Chadeaktien waren auf die Nachrichten von einem Militärputsch in Spanien um 5,50 Mark ge­drückt. Anderseits setzten die von gestern festen Engelhardt-Brauerei-Aktien ihre Aufwärtsbewegung um 3 v. H. fort, während Papiere wie Leonhard Tietz und Stolberger Zink je 1 o. H. gewannen. Auf die in Aussicht stehende Abwracksprämie lagen Schiffahrtaktien recht widerstandsfähig.

Am Rentenmarkt war die Tendenz schwä­cher. Deutsche Anleihen gingen um 0,25 bis 0,50 v. H. zurück, Reichsbahnvorzugsaktien büßten eben­falls etwa 0,50 o. H. ein, während Reichsschuldbuch­forderungen bis zu 1 v. H. unter gestern umgingen. Auslandsrenten und Industrieobligationen waren dagegen besser gehalten.

Auch im Verlaufe war die Stimmung an den Aktienmärkten, hauptsächlich infolge des sehr stillen Geschäftes, ziemlich gedrückt und die Kurse bröckelten meist weiter um 0,50 bis 1 v. H. ab. Westeregeln gelangten bei kleinstem Angebot ver­spätet 4,50 v. H. unter, gestern zur Notiz. Bemer­kenswert ist noch ein ziemlich bedeutender Verlust für Mansfeld-Aktien, die mit 15,13 nach 16,25 fest­gesetzt wurden. Später wurden auf den Hauptmarkt­gebieten kleine Deckungen vorgenommen, das An­fangsniveau konnte aber. nur in wenigen Fällen wieder erreicht werden.

Am Geldmarkt blieb die Situation heute ziemlich unverändert, doch war Tagesgeld unter 5,25 o. H. nicht mehr erhältlich. In gewisser Hin­sicht machen sich die Anzeichen des Medios schon bemerkbar. Privatdiskonten waren auch heute eher gefragt. Die Umsätze blieben nach wie vor sehr gering. Auch Reichswechsel per 5. November waren unverändert gefragt. Reichsschatzanweisungen per 15. November wurden nach wie vor auf Wunsch den Interessenten zugeteilt.

Frankfurt schwächer.

Frankfurt, 10. August. (WTB. Drahtmel­dung.) Infolge der sich mehr und mehr zuspitzenden innerpolitischen Situation hat sich die seit Tagen bestehende Zurückhaltung zu Beginn des heutigen Verkehrs sehr verstärkt, zumal wich­tige Entscheidungen über die Regierungsum­bildung in Kürze bevorstehen. Daß an der Neuyorker Börse und an den internationalen Wa­renmärkten ein gewisser Stillstand eingetreten ist, blieb ebenso wie die vorgehende Aufwärtsbewegung ohne jeden Einfluß. Auch die Zahlungseinstellung einer großen Berliner Konsumgenossenschaft fand nur wenig Beachtung, da alle Blicke auf die Weiter­entwicklung der inneren Politik gerichtet sind. We­gen dieser Unsicherheit schritt auch die Spekula­tion zu Realisationen, so daß die Tendenz überwiegend schwächer war und durchschnittlich

Berlin, 9. Aug. (WTB.) Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 31. Juli betrug Ende Juli die Zahl der bei den Arbeits­ämtern gemeldeten Arbeitslosen rund 53 93000. In der Arbeitslosenversicherung wur­den rund 757 000, in der Kryenfürsorge 1354 000 Hauptunterstützungsempfänger gezählt. In beiden Unterstützungseinrichtungen zusammen wurden rund 2111000 Arbeitslose unterstützt. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen betrug am glei­chen Stichtage rund 2 224 000. Sie ist also seit Anfang Juli um rund 60 000 g e ft i e g e n. Doch ist zu berücksichtigen, daß die neuen Bestimmungen der Wohlfahrtshilfeoerordnung, die eine Einschrän­kung dieses Personenkreises bringen, in der Berichts­zeit noch keine Anwendung gefunden haben.

Seit Mitte Juli hat die Zahl der Arbeitslosen an den Arbeitsämtern um rund 99 000 ab­genommen.

Daraus könnte rein zahlenmäßig gesehen auf eine Besserung der Arbeitsmarktlage geschlossen werden. Tatsächlich ergaben zwar diese zahlenmäßi­gen Belebungserscheinungen verstärkte Vermittlungs- möglichkeiten, doch kann d-r Rückgang der Arbeits­losenziffern während der Derichtszeit nicht allein aus diesen arbeitsmarktlichen Gründen erklärt wer­den. Vielmehr ist zu beachten, daß infolge der Ein­führung der H i l f s b e b ü r f t i g f e i als Unter- stützungsvorausfetzung eine starke Senkung der Zahl der Unterstützungsempfänger erfolgt ist. Da erfah­rungsgemäß ein Ausscheiden aus der Unterstützung in zahlreichen Fällen auch eine Nichterneuerung des Arbeitsgesuches zur Folge hat, wird hierauf ein großer Teil des zahlenmäßigen Rückganges zurück­zuführen fein. Wenn sich die Zahl der Hauptunter­stützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung in der Berichtszeit um 117 000, in der Krisenfür- forge um 137 000 verringert hat, so ist diese Ab­nahme neben der Aussteuerung wegen E r s ch ö p -

Falschgeld im Koffer.

WSR. Frankfurt a. M., 9. Aug. Diewil­den Händler" sind für die Frankfurter Geschäfts­leute eine große Plage geworden, aber sie lassen sich trotz der eifrigen Nachstellungen der Polizei nicht beseitigen. Gestern veranstaltete die Po­lizei in Verbindung mit der Kriminalpolizei wieder einmal eine ausgedehnte Razzia- n a ch d e n w i l d e n Händlern, wobei aller­dings hinsichtlich der wilden Händler nicht viel herauskam, denn diese haben jetzt einen gut funktionierenden Benachrichtigungs- dienst eingerichtet, so daß sie meist verschwinden können, bevor die Polizei zur Stelle sein kann. Aber einen anderen wertvollen Fang machte die Polizei bei dieser Gelegenheit. Zwei verdächtige Personen, nach den bisherigen Er­mittelungen scheinen es Tschechen zu sein, wurden mit einem Koffer festgenommen, in dem sich, wie sich bei der näheren Untersuchung ergab, falsches Geld befand. Sie wurden in das Polizeigefängnis eingeliefert.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

ID. Z. k. Nach dem Grundsatz, daß Kauf weder Miete noch Dacht bricht, fällt die Ernte demjenigen zu, der den Acker als Pächter ausgestellt hat. Liegt die Sache so, daß eine Grenzregulierung stattge­funden hat, so müssen Sie hierüber mit Ihrem Nachbarn sich in Güte verständigen. Ist das vor der Vermessung nicht geschehen, so gehört die Ernte aus Billigkeitsgründen dem Besteller. A.

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