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dreitag, 10. )uni 1952

Lietzener Anzeizer jiSeneral-Anjeiger für Gderyeffc»,

Ur. 154 Zweites Blatt

Der Mmelftreit vor dem Haaaer Skviedsaericht

Starkes Interesse brachte die Führertagung

zu fördern Jede Aeberarbeit muffe gcf verboten und unter schwere Strafen gestellt

weil

bicit die. ® c -

Wie ein Nachtwandler, der im Traum über die böchsten Dächer gebt, nfurbe der Körper Rastellis durch diese Operation angerufen und stürzte in den lob. Es gibt Pflanzen, die fo zart sind, daß sie von keinem Instrument berührt.werden, ohne zu sterben.

Erhvluna zu neuen Ge­geben. Denn seht bet

Güdwestdeuffche

Bankbeamientagung.

Der Gau Sudweftdeutschland

Deutschen D a n k b e a m t c n - D c r e i n im Zoologischen Garten zu Frankfurt seine lährige Vorstandskonferenz ab. Den schäftSbericht erstattete Gauvorstehcr Del- k e r. Der Zusammenbruch des Kredit- und Wirt­schaftssystems höbe die gute organisatorische und finanzielle Grundlage des 5)03'23 nicht zu er­schüttern vermocht. lieber 85 Prozent aller kauf- mänmschcn BankangefteUtcn Südwestdeutschlands gehören dem 5)00'23 an. An Gchaltsnachzahlun- gen, Abfindungen ufw. wurden int abgelausenen Geschäfts fahr durch den Rechtsschutz des Gaues für die Mitglieder rund 122 000 Mk. crftrittcn. Grhebliche Aufwendungen erforderte das Bil- dungswelen. In der Aussprache wurde dem Gai:- vorstand für seine erfolgreiche-Tätigkeit gcbanlL

Castelli.

Von Jakob Hannger.

Wie ein großer Gaukler und Zauberer alter Zeit spannte er seinen Körper als blutrotes Seil über die Bühne auf dem die Sonnenbälle stiegen und fielen, bis der Bich aus dem heiteren Himmel der Gotter oiefes märchenhafte Seil zerriß und dieser Tänzer der Sterne selber wie ein roter Ball sich im Raum verlor.

1015 schlug Rastelli den bis dahin von Pierre Anteros gehaltenen Rekord im Jonglieren mit neun Ballen 21ber dieser zehnte »Ball kostete ihm nicht nur ungeheure Arbeitsanstrengung, er trainierte zehn Stunden täglich, er verkürzte sein Leben auch um

such, davonzufliegen? Da das nur mechanisch möglich war machte er, der Individualist und Dynamiker, das Umgekehrte. Er wird selber der Mittelpunkt der weggeschleuderten und um ihn rotierenden Sonnen, bic er wie durch ein Wunder lächelnder Ruhe immer wieder anzieht, fic Bälle tanzten verzückt auf dem feinen stählernen Seil seines Körpers wie auf einem seidvnen Haar und umgaben ihn schmeichelnd wie die Trabanten eines Gestirns. Jeder Ball war sein Lieb­ling. mit dem er spielte. Es war wohl der phon- tastischste Anblick und der Höhepunkt seiner Leistung, wenn er Balle und Stabe wie ein Zauberer in die Lust warf und mit den Augen nach ihnen roie nach Sternen jagte. Wie eine Sonne schleuderte er sie in Öen Raum und alle kehrten sie zu ihm zurück ins Gleichgewicht Wie ein Orkan setzte nach solcher Sei ftung der Beifallssturm ein.

Ich hörte einmal, daß Rastellis i'xrau und seine Bekannten ihn als einen ungewöhnlich harmonischen und heiteren Menschen schilderten, ohne Hemmungen und Zwiespalt. Für einen Menschen ohne Nohrungs sorgen dessen Sinne in allen Funktionen durch tag. liebes Training seit Generationen ausbalanciert sind, kann es nur noch ganz ungewöhnliche Storungen von außen geben Gerade die Artisten find als be­sonder» liebenswürdige, bescheidene und rastlos ar­beitende Menschen bekannt Und sicherlich ist gerade heute em Mensch, der sich im körperlichen und leelv schen Gleichgewicht besindet. eine Ausnahmeerschei. nung ein Wunder. Ja, es scheint fast, als dulde unsere furchtbare Zeit heute nicht einmal diese wenigen glücklichen Lieblinge der Gotter, die sie täglich zu Rekordleistungen herausfordert, bis sie vernichtet sind Hat diele Zeit nicht auch das ent­zückende Spiel Rastellis mit (einen goldenen und silbernen Ballen frühzeitig vernichtet') Acußerlich Ut bic Erklärung für seinen frühen Tod leichter zu finden Rastell, ,st nach einer kleinen Zahnoper an on einer Gehirnblutung zum Opfer geiallen Ein Blut- stur, ins Gehirn Ist das in der Tat nicht em Ab stürz wie jeder andere?

Wenn ein Mensch in so unglaublicher Weise den statischen Sinn von den Fußen, die ja Hande sind, bi» zum Kopf entwickelt, dellen Ober und Unter­kiefer ebensaUs wieder Hande sind, wenn Vieler sinn schließlich ganz im Kopfe ruht, wo er fo taizinierend ,n den Augen zum Ausdruck kommt, bann genügt in solchem Fall unter Umständen schon die kleinste Zahn- Operation, einen Blutsturz herbes,uführen und das Körpergleichgewicht zu vernichten.

Em Organismus, in dem ein io ungewöhnlich feiner Sinn w,e der der Statik bis in die Vegeta­tion der Augen hochgezüchtet ,lt und wie eine Tumofe die zauberhaftesten Leitungen hervorbrmgt. ift leinern I gewaltsamen, äußeren öingrih gemadjlen w,e der I einer vblegmotilchen Notu^

Chinesisches Volksvergnügen.

Aus dem Rummelplatz in Peking.

In allen Wirren und Kämpfen, von denen das chinesische Riesenreich erschüttert wird, geht das All­tagsleben seinen ruhigen Gang, ja, bei den Söhnen des Himmels, deren Wesen so tief in uralten lieber- lieferungen verwurzelt ist, noch ruhiger und stetiger als in andern Ländern Der Chinese- ist in (einen Ansprüchen an Vergnügungen ebenso bescheiden wie in seinen Lebensbedürfnissen. Sie dürfen nicht viel kosten, aber ein paar Kupsermunzen erschließen ihm die Pforte des Paradieses, die sich dicht vor den großen roten Toren der einstverbotenen ctabt , in der die Kaiserpalaste heute träumen, ausbehnt. Da liegt Iien Ch'iao, bic .^himmelsbrücke", ber riesige Rummelplatz von Peking, das heute Peiping heißt

In einem englischen Blatt bietet George Kin Leung eine anichauliche cd)Uberung dieses ßieblingsaufcnt- Halles der armen Bevölkerung der früheren chine­sischen Hauptstadt:Ein Schritt von der Haupt- straße bringt uns in das bunte Gewirr dieses Para dieses der armen Leute Man hort plötzlich das dünnste und jämmerlichste Miauen und glaubt, daß kleine Kätzchen ,um Verkauf ausgeboten wurden Man jucht herum und entdeckt einen Verkäufer, der im Staub hockt und diese Tone auf einer saite er- jeugt, die durch einen rosa Kagenkops gezogen ist. Wenige Schritte entfernt lauert ein anderer Händ­ler vor einem Oefchen mit glühender Holzkohle Er versucht, mit einer schwärzlichen Bürste den staub von einer gerösteten Kartoffel abzuwiichen, die ihm auf die Erde gefallen ift, und wenn er uns bann (eine Ware anbietet, io tut er es mit ber Miene des würdigsten Oberkellners eines vornehmen Re­staurants Sollte man die Kartoffel nicht für sauber halten, io ist das unser Fehler, jinb er wirb bie Delikatesse ruhig zu den anberen Stucken legen, mit benen er hungrige Paffanten anlockt Tee wirb überall unb bei jeber Gelegenheit geschlürft Da Essen zu den besten Unterhaltungen gehört, so ist dafür reichlich geiorgt. In einem schmutzigen Reitel prügeln Fleischstücke und jene fleifdjgefuUten Pfann­kuchen, die dem Gaumen des Nordchinesen so be­sonders zulagen. Doch für wenige Kupferstücke kann man auch schon in einem größeren Lokal erotische Leckerbissen erhalten, vor denen ber Europäer l-ftmibert

Iw Haag begann jetzt bie Verhandlung der Klage ber Signatarmächte gegen bie litauische Regierung bie widerrechtlich ben ßanbesbireftor Böttcher abgesetzt und dadurch den Memelkonfl,kt heraufbe^chworim hott. Unser Bild zeigt den Kerichtssaal, am Rednerpult der englische Rronjurift Sir iBiUiom

Bauern begreiflich

Trotz dieser Einschränkungen ,1t grundsätzlich der Wechsel in der russischen Bauerripolitik von noch nzcht übersehbarer Bedeutung Es liegt e i n E i n gesiändnis des Mißerfolges der Sozia- hficrunfl der Landwirtschaft und d?r Entkulakilie- rung vor, wie man es sich eindringlicher nicht vor- ftcllen kann Es ift eine Kapitulation der Sowset- rcflicrung vor dem Bauern, bc durch zahlreiche Dekrete und durch Rundtelegrammc Raltmne an die 3entrale<efutinen der 2?rindesrepubliken noch unterstrichen wird.

Weit über die Grenzen der .kleinen Vcp" von 1932 hinaus, wie he die Regierung, ängstlich um ihre Vormachtstellung besorgt, gezogen bat. kann diese Umkehr für die Gestaltung des Wirtfchafts- lebens der Sowjetunion von unberechenbaren Fol­gen fein. Augenscheinlich beginnen die Privilegien, die man den Bauern plötzlich gewährt iAufhebung aller Steuern beim Handel der Bauern mit ihren Erzeugnissen, Befreiung der Einnahmen aus die­sem Handel von der Landwirtschaftssteuer mit Ausnahme von 30 Prozent > in ihnen die Erkennt­nis zu wecken, daß die Regierung unter dem Druck des Hungers auf sie an­gewiesen ist. Jedenfalls wird schon gemeldet, daß sich an Stelle des bisher verbotenen Schwarz- Handels mit landwirtschaftlichen Produkten der nun plötzlich legale Markt zu beleben beginnt und einen gewaltigen llmftur* der Preise verzeichnet. Wenn Ausländer, reisende Kaufleute oder 3nge-

dem Bortrag des Gauvorstehers übet ..Sozial­politische Sagelf tagen entgegen. D>e Arbeitnehmer stehen, so führte der Redner u a. au« mitten im .Kampfe um die sozialen Errunge i- schaften Die Ursachen der deutschen Tlot seien nicht allein in den unerträglichen Tributlaftcn, mcht nur in der Weltwirtschaftskrise, sondern auch in dem völligen Versagen großer Teile der sog. ..Wirtschastsführer" zu suchen, die denDrund- fatz umgekehrt hätten, daß Gemeinnutz vor Eigen­nutz zu gehen hat Auch die UeberratiDnahherung habe zur heutigen Wirtschafts- und Arbeiten t beigetragen Die Arbeitslosenfrage sei zweifellos zur Schicksalsfrage für 5>eutschland geworden. Ausbau der Siedlungstätigkeit müsse unbedingt erfolgen. Ein neue« Lodenrecht muffe geschaffen werden 5)er freiwillige Arbeitsdienst fei kräft-a zu fördern Jede Ueberarbeit müsse gesetzlich

der Legierung nach einer Erhvlu mahmarnabmen Kraft zu geben. _ Kampf gegen die Lokalbehörden auf» genommen wird, bic noch immer Bauern ver­haften die Aahrungsmittel auf bic Märkte brin­gen. ihre Waren beschlagnahmen und sie unb die Käufer mit großen Geldstrafen belegen, fo werden durch solche Meldungen die herrschenden idnllischen Zustände beleuchtet unb wird das Mißtrauen der

Der Hunger als Aararpolililer in SowielniAand

23on (5 von Küqeiqen

nährung im laufenden Jahr ausschlaggebend ist. noch wesentlich zu fördern Vach den letzten An­gaben bleibt die Saatfläche trotz schlechtester Bear­beitung unb möglichst dünner Aussaat um rund vier Millionen Hektar hinter der des Vorjahres zurück Beim Fehlen von Saatkorn ist es md>t anzunehmen, daß die neue Agrarpolitik hier we­sentliche Besserungen bringen wird.

Zweitens obgleich die Geireidebereitstcllung für das kommende Jahr auf 18,1 Millionen To gesenkt wurde, das ist um 4.3 Millionen Tonnen weniger als im Vorzahr. obgleich auch die Land- wirtschalissteuer entgegen dem uisprüngl-chen Plan nicht von 500 Millionen Rubel aus 600 Millionen erhöht worden ist. wie es das Budget vorsah. muß man annchmen. daß auch die bisherige Steuer und die vorgelchnebenen Zwangslicserun- gen wahrscheinlich über bic -Kraft der Bauernschaft gehen werden Auch im letz­ten Jahr konnte der Plan nicht voll erfüllt werden

Drittens sehen die Tefrctc den freien Markt für das Getreide erst nach Leistung der staat­lichen Lieferungen und der Steuern nicht vor dem 15. üanuar kommenden Jahre- vor Stalin ist nicht Lenin und ist in seiner eigenen Po­litik gefangen. Ein Zurück zum freien Markt ist ihm nicht möglich Der Privathandel bleibt nach wie vor verboten, und nur dem Erzeuger wird der Markt geöffnet

Wertens muß man mit dem Mißtrauen ber Bauern rechnen, bie. nachdem sie so oft betrogen unb beraubt worden sind, annchmen wer­den. daß die Erlaubnis zum freien Verkauf ihrer Ueberschüsse sie zur Produktion anstacheln soll, um

Wenn sich der russische Bauer nut dem Hunger verbündet, ist er stärker als bic Moskauer Regie­rung. Solange er dieser genügend landwirtschaft­liche Produkte liefert, um d,c Arbeiter. Beamten und Soldaten zu füttern, unb noch etwas zu erpor- feren. ist bie Regierung stärker als das Dorf und preßt es rückfichtslos aus. nach dem Grund­satz Uimm dem Bauern alles, unb er wird doch noch etwa- zu freffen finden und nicht krepieren.

Die Zwangsenteignung der Bau­ernschaft hat im 3ufammenbang mit der be­schleunigten Kollektivierung im letzten Jahr ihren Höhepunkt erreicht Trotz der verhängnisvollen Dürre in den Kornkammern des Osten« unb Süd­ostens der Sowjetunion und eines Rückganges des Ernteertrages auf etwa 77 Millionen Tonnen (gegen 87 Millionen Tonnen 1930) sind im letzten Jahr den Bauern fast 23 Millionen Tonnen, da« ist mehr al« im Vorjahr, in grausamster Weise abgepreßt worden, wobei man ihnen zum großen Teil nicht genügend Lebensmittel unb Saatgetreidc ließ. Hierzu kommen bic Verwüstun­gen durch die Vernichtung gerade der tüchtigsten Bauern, der sog. Kulaken. Die Kollektivierung des Dorscs hat rund 80 Prozent der bäuerlichen Anbaus lache erobert.

DieErfolge" der heiß gerühmten Sozialisierung des Dorfes treten nun deutlich hervor Der Bauer, selbst bet geknechtete der Sowjetunion, reagiert auf jeden Versuch, ihn zum versklavten Zwangsarbei­ter zu machen, mit der Verringerung und Ver­schlechterung seiner Arbeitsleistung. Trotz gewal­tiger Erweiterung der Saatfläche sehen wir in Rußland einen katastrophalenRückgong der Ernteerträge unb bcS Viehbe­st a n be S Die Sowjetregieruna ist gezwungen, in Lonbon Getreide zu kaufen unb nicht nur Saat- getreibe, sondern auch Brot an bie bäuerliche Be­völkerung zu verteilen. AuS verschiedenen Teilen des Reiches, besonders aber aus dem Wolgagebiet unb aus ber Ukraine, beginnen wieder Vachrichten über Hunger unb Hungertob, über umherziehenbe Scharen gedunsener Bettler und über bas Auf­essen gefallener Tiere einzulaufen.

Rach dem die Regierung vergeblich versucht hat. durch verschiedene Dekrete die Erzeugung land­wirtschaftlicher Produkte zu heben lz.B. bei un­genügender Leistung Entziehung bis zu 40 Prozent vom Lohn ber Akkordarbeiter unb Fachleute auf den Sowjetgütern) ift man wieder so weit wie im Jahr 1921. Auch damals hatte sich ber Bauer auf bie Erzeugung nur für den eigenen Verbrauch zurückgezogen unb sich durch diesen pas­siven Widerstand mit dem Hunger gegen die Sow- jctregicrung verbündet Damals warf Lenin das schon angenommene Projekt der Verwandlung der Sowjetunion in eitlen agrarischen ZwangSarbeitcr- ftaat mit kühnem Schwung in die Ecke und ersetzte cs durch bicneue Wirtschaftspolitik'. Wan weiß, wie bicREP." folgerichtig *um freien Markt, der Wiedereinführung bet Geldwirtschaft unb im Endresultat zu einer vorübergehenden kraftvollen Entwicklung der Bauernschaft führte. 21 un ist diese durch bicStalinscheAgrarpolitik unb insbesondere durch die Vernichtung der Kulaken­schicht unb damit auch zwei Drittel be« Viehbestan­des arger zugrunde gerichtet, als es im Jahre 1921 der Fall war Wenn Stalin jetzt in der höch­sten '2lot Mim Beispiel Lenins zurückgreift, und in seinen Dekreten vom 6. und 10. Mai den un­behinderten Verkauf ber landwirt­schaftlichen Heberschüsse auf dem freien Markt zu frcienPreisen (5>ckret vom 20. Mai) gestattet, so kann die Einführung dieserkleinen Vcp" nicht die Qkbeutung ihrer Vorgängerin vom denkwürdigen Jahr 1921 haben.

Erstens kommen diese Dekrete zu spät, um die diesjährige Frühiahrsaussaat. die für die Er-

nicurc. m der letzten Zeit ihre Tagesipe cn in Sowjetrußland auf 180 > einhundertachtzig art berechneten, so kann man daraus erleben, welche Teuerung für die Klaffe der Entrechteten be­stand. die nicht wie bic Arbeiter. Beamten und Soldaten von der Regierung auf Kosten der Bau­ernschaft ausgehalten wurde, allo ihre Lebens­mittel un Schleichhandel ober in ben Läden für Ausländer laufen mußten Jetzt sollen, wie au» der Provinz berichtet wird, b'.c Prelle für ein Liter Milch 1.5 bis 2 Rubel. 1 Kilo Brot 2 bi« 2 5 Rubel, ein Huhn 12 Rubel, em Kilo' Fleisch 4 bis 6 Rubel, cm Kilo Butter 15 Rubel betragen, d h etwa auf bicHälftcberbiShcri- gen Preise gesunken sein. 2s wird sehr Ich wer fein, den Bauern, bic man zu Hilfe gerufen hat. eiirzulchränken unb den freien Markt, den man zur Ernährung der Bevölkerung braucht, in den notwendigen Grenzen zu halten, ohne b:e Bauern wieder abzuschrecken Es ist vielmehr an» zunehmen. daß immer größere Schichten der Be­völkerung. auch die Privilegierten. In stärkeren, Maße auf densreienMarkt angewie­sen sein werden. Zwar hat sich ber Staat durch seine Dekrete den Löwenanteil der Ernte gesichert und bereitet eine großzügige Darenkampagnc vor, um den Bauern auch Gegenleistungen bieten zu können Dennoch ist der Stein ins Rollen aekoiii- men, und man muß annehmen, daß die Inflation auch der bisher vor ihr gehüteten Arbeiterschaft zu Leibe rücken wird.

Wenn sich der 23auer mit dem Hunger verbün­det. ist er stärker als die Dekrete der Regierung. Unb dielcr mächtige Verbündete ist erschienen, w', es ber unzeitgemäße unb überstürzte Rückzug N r Regierung vor dem Bauern anzcigt. Eine neue schwere Phase bricht für Sowjetrußland an. S;e birgt die verschiedensten Möglichkeiten jeden»

fall- aber weitere Umwälzungen der bestchenbei, mühsam aufrechtcrhaltenen Verhältnisse tu ihrem Schoß

Sollte man sich etwa beim Durchkosten dieser wunderlichen Genüsse einen Zatzn beschädigen, io braucht man nur einige Schritte weit gehen, um zu den .^Zahnausbesserungsläden" zu gelangen. Ein Haufen von verrosteten Zangen unb großen Backen- zahnen dient als Wahrzeichen bes hier hantierenden Zahnbrechers, der von Betäubung zwar noch nichts gehört hat, aber für ein paar Supfermunxen die starte ieines Arms zeigt Mehr anAusbesserung" des schadhaften Gebisses darf man nicht verlangen. Bunte Inschriften und große Plakate verkünden die Herrlichkeit der Theater, wahrend sich auf Podien im Freien Sängerinnen jeder Art und jedes Alters vorführen. Die meisten Theater stehen dem Publi­kum offen, und man bezahlt nur, wenn man aus einer der harten Holzbanke dicht vor der Bühne Platz nimmt Hier wimmelt es von dem bunt ge­mischten Volk der Artisten, die ftunfte unb Tricks oller Art zum Bestxn geben. Die Sängerinnen tra­gen die alten Romanzen von Liebe und Heldentum vor zur dumpfen Begleitung der Trommel, und in ben teureren Etablissements überreichen die An- gestellten einen Facher, der auf beiden Seiten die Lifte der Vortragsnummern enthalt, aus denen man nach Belieben auswahlen darf Theater gespielt wird auch unter freiem Himmel. Vater, Mutter, Sohne, Tochter und oft sogar das kleine Enkelkind stellen vor der bewundernden Menge eins der alten Dramen dar, an denen die chinesische Literatur so ieich ist Große Kunstleistungen darf man nicht er­warten in dieser Atmosphäre von Staub und Lärm, die Darsteller und Zuschauer umgibt

Nahebei hat sich eine große Menge vor einem Spiegel versammelt, auf den in scharlachroten Buch­staben der Harne eines beliebten Artisten aus­geschrieben ift: Hsiao Chin-ya, dasGoldzähnchesi". sein Tisch ift mit einem reich bestickten Scharlach- tuch überdeckt, ein Beweis für den Prunk, den er sich leisten kann. Die Umstehenden lachen über seine Nachahmung einer Kellnerin, die jetzt häufiger in chinesischen Caiss auftauchen und für den armen Chinesen den Reiz des Reuen habyi Goldzähnchen bedient zugleich eigenhändig sein ganzes Orchester: es besteht aus einem roten Lackständer mit grünen und roten Pompons unb Irobbeln; oben drauf fleht eine Trommel, darunter ift ein Gong und Schellen, unb durch das geschickte Ziehen an Stricken bringt er ein luftiges Getose hervor, wahrend er singt ober norträqt Trost des farbigen Durcheinanders geht doch alles ruhig und langsam vor sich. Der Ehineft laßt sich auch bei feinen Vergnügungen Zeit unb verliert keinen Augenblick seine Würde und Höflich­keit Hinter dem ärmlichen Zauber dieser ftauh* umhüllten Welt schimmert doch stets etwas van der alten Kultur des chinesischen Volkes."

Jahrzehnte.

Rastelli war Equilibrist. Was er abends in einer < Viertelstunde zeigte, war der Exlrakt einer im tag > sichen Training gezüchteten Arbeitsleistung von> Ke- nerationen. Ein glanzender Beweis für die Tallache | daß jede menschliche Leistung aus ununterbrochener Arbeit beruht. Ein Beweis auch dafür, daß btr menschliche Körper die physikalischen Gesetze bis zur scheinbaren Aufhebung für fabelhafte Leistungen be, herrschen lernen kann, allerdings nie anders, als baß er dabei jedesmal ein Stuck Leben versiert. Und in ber Tat beruht die Magie der künstlerischen Leistung immer darauf, daß sie in der Ekstase Blut opfert, bcshalb bleibt sie unvergeßlich und deshalb müssen wir uns immer wieder an sie erinnern.

Den statischen Sinn trainierten JRaftcUis Vor- fahren bereits, als sie sich als Seiltänzer und Schwebekünstler au5bilbetcn_ Rastelli ging schon m bc7 Jugend, nach einer -chusieroerletzung, nicht mehr übers Seil. Der statisch? e-mn für alle Mus kein Sehnen und Organe »eines .Körpers war durch gebildet und dominierte bereits m dem fonnenabn. Hälften Organ, des Körpers, den Augen. Das war das Unerhörte, dieser Kopf mit den Knospen und Blüten der Augen, war gleichsam inständig gewor- den und begann mit den kleinen connenbaUcn ju jvielen Der Körper selbst war setzt cm «eil aas 5tah' geworden, auf dem die «alle tanzen konnten im Gleichgewicht gehalten durch die Augen Und Balle mußten cs schon sein, das Lewegsichs . es nach dem Wasser gibt.

Einern Menschen mit solch überlegenem statischen

Iraum9aller Gaukler erfüllt, zu fliegen, die -schwere "ä I

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