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Protest gegen die neue Notverordnung in Preußen.

empfangen. Insbesondere habe sie von Italien I feinen Lire bekommen. Die Behauptungen Abels, die NSDAP. habe von Italien Gelder xrhalten, weshalb die Partei ihre bekannte 5,el- lang zur Südtiroler Jrage eingenommen habe,

fei eine glatte Lüge.

Die deutsche Politik glaube, durch Proteste und Drohungen das Schicksal der Südtiroler erleichtern zu können. Diese Politik sei falsch. Er halte es für richtig, auch im Interesse der Südtiroler selbst, zu einer Verständigung mit Italien zu kom­men. Nicht, daß die Nationalsozialisten kein Gefühl für die Südtiroler Frage hätten, aber mit Gefühls­ausbrüchen könne man nicht helfen. Hier müßte eine weitschauende politische Neuorientierung ein­treten.

Auf die Frage des Rechtsanwalts Erhardt, ob Hitler bekannt geworden fei, daß Vertreter feiner Partei Verhandlungen mit Italien geführt hätten, erklärte Hitler:Was heißt Vertreter der Partei? Das könnten nur Leute fein, die mich persönlich vertreten; denn die Par­tei bin i ch". Auf die weitere Frage, ob Hitler jemand beauftragt habe, mit Mussolini ober der italienischen Regierung zu verhandeln, antwortet Hitler mit einem entschiedenenN e i n".

Ein Zwischenfall.

Hitler in Ordnungsstrafe genommen.

Es kommt dann zu einem schweren Zu- sarnmenstoß zwischen Adolf Hitler und den beiden Verteidigern, Rechtsanwalt Erhardt und Dr. Rosenfeld. Als diese Hitler fragten, ob es richtig sei, daß die Hitlerbewegung Gelder von den Skodawerken und dem Schneider-Creu- zot-Konzern bezogen hätte, fuhr Hitler in höchster Erregung auf und schrie den Verteidigern zu:Ich lasse mich nicht beleidigen! Was fällt Ihnen ein? Ich kann es vor den Millionen meiner Anhänger nicht verantworten, mich hier insultieren zu lassen. Ich gebe diesen jüdischen Rechtsanwälten keine Antwort mehr!" (Beifall­klatschen im Zuhörerraum). Alle diese Dinge, die ihm hier vorgehalten würden, seien von A bis Z erlogen. Wiederholte Versuche des Vorsitzenden, Hitler zu bewegen, den Anwälten Antwort zu geben, blieben erfolglos. Nach längerer Beratung des Ge­richtshofes verkündete der Vorsitzende, daß das Gericht den Zeugen Hitler wegen Verweige- r u n g des Zeugnisses z u einer Drb- nungsstrafe von 800 Mark, im Nichtein- bringungsfall zu 16 Tagen Haft sowie zur Tragung der burch die Verweigerung verursachten Kosten verurteilt habe. Ferner wird der Zeuge Hitler we­gen Ungebühr in der Sitzung zu einer Ordnungsstrafe von 200 Mk., im Nichteinbringungs- fall zu drei Tagen Haft verurteilt. Der Vorsitzende stellte fest, daß er keine Fragen an Hitler mehr habe. Er richtete an die Verteidigung die Auffor­derung, ob sie ihre Fragen durch das Gericht dem Zeugen Hitler vorlegen lassen wolle. Diesen Vor­schlag lehnte die Verteidigung ab. Damit war der Zeuge Hitler entlassen.

Oie Aussage Miglioratis.

Keinerlei Verbindung mit Hitler.

Es wird bann das Protokoll über die Ver­nehmung Miglioratis, durch dessen Ver­mittlung Hitler italienische Gelder erhalten haben sollte, vom 16. September 1930 in Reuhork ver­lesen. Aus diesem Protokoll ergibt sich, daß Migliorati sich im Jahre 1923 nur 30 Stunden in München aufgehalten und dabei durch seine Schwestern den Äbel als Prinzen Vsenburg ken­nengelernt habe, worauf er ihn immer mit Hoheit angesprochen habe. Er kenne Hitler und Roßbach nicht, habe mit ihnen auch niemals in Verbindung gestan- d e n. Er sei nie Mitglied des italienischen Fa­schismus gewesen, sondern gebürtiger Schweizer. Er habe Hitler nie Geld angeboten, an­bieten lassen oder eine andere Unterstützung seiner Bewegung von Italien aus, auch niemals dem Angeklagten gegenüber geäußert, daß Hitler von dort Geld erhalten habe. Ebensowenig kenne er einen Konsulatsbeamten Mario, der angeblich fein Mittelsmann gewesen sein soll, noch den Führer der österreichischen Rationalsozialisten Reschny.

Hitlers Rundfunkvortrag.

Die Venutzung des Rundfunks durch die politischen Parteien.

Berlin, 9. Juni. (CNB.) Wie wir von unter­richteter Seite erfahren, wird der Reichsinnen- m i n i st e r noch im Laufe des heutigen Tages einen Erlaß herausgeben, der die Benutzung bes Runbfunks burch die politischen Par­teien außer ben Kommunisten währenb bes Wahl­kampfes regelt. Im Zusammenhang bamit wirb zu den Meldungen über einen beabsichtigten Rund- funt Dortrag bes nationalsozialistischen Partei­führers Abolf Hitler mitgeteilt, baß die natio­nalsozialistische Hörerorganisation, der Reichsverdanb Deutscher Rundfunkteilnehmer, beim Reichsinnen­minister bie Genehmigung für einen Vortrag Abolf Hitlers nachgesucht hat. Der Reichsinnenminister hat dazu erklärt, baß er grundsätzlich keine Se­bent en bagegen habe, aber bie Antragsteller a u f den üblichen Weg b e r Anfrage bei ber betreffenden Senbegesellschaft verwie­sen, der die Vorlegung des Vortragsmanuskripts und die Entscheidung durch den zuständigen lieber« wachungsausschuß oorsieht.

Wie die nationalsozialistische Parteikorrespondenz meldet, wird am kommenden Dienstag, 14. Juni, Gregor Straßer von 19 dis 19.30 Uhr im Rundfunk über das ThemaDie Staatsidee des Nationalsozialismus" sprechen. Die Rede wird auf alle deutschen Sender übertragen. Db es sich bei dieser Rede um einen Ersatz für die angekündigte Hitler- Rede handelt, konnte im Braunen Haus noch nicht bestätigt werden.

Dr. Goebbels ruft zu einer Vesreiungsspende auf.

Berlin, 9. Juni. (TU.) Der Reichspropaganda­leiter der NSDAP., Dr. Goebbels, veröffentlicht im Angriff" einen Aufruf, der die Ueberschrift trägt: Aufruf zum Befreiungskamp f". In diesem Aufruf heißt es u. a.: Ein neuer entscheiden­der Wahlkampf steht vor der Tür. Am 31. Juli hat das deutsche Volk fein Urteil abzugeben über die vergangenen 14 Jahre einer beispiellosen Mißwirt- schäft. 14 Jahre lang hat das deutsche Volk Elend, Rot und Er.- ehrung schweigend ertragen. 14 Jahre lang sind wir die Sklaven dieses schwarz - roten

Oer Deutsche Beamtenbund.

Berlin, 9. Juni. (TU.) Der geschäftsführende Vorstand des Deutschen Deamtenbundes beschäf­tigte sich mit ber neuen preußischen Rotverord- nung unb ben bevorstehenben Maßnahmen ber Reichsregierung. Es wurde einstimmig eine Ent­schließung angenommen, in ber es u. a. heißt:

Rach wie vor wendet sich ber Deutsche Deam- tenbund mit aller Schärfe gegen jede ir­gendwie geartete Sonberbelastung der Beamten. 3n Erkenntnis ber Rotwendig- keit des Ausgleichs ber öffentlichen Haushalte verweist ber Deutsche Beamtenbund erneut auf die von ihm bereits gezeigten Wege zur Er­schließung neuer Einnahmen, insbesondere kann der von der Festbesoldungsabgabe erwartete Er­trag durch Aufhebung derllmsahsteuer- freigrenze auf eine Weise beschaffen werden, die niemanden neue Lasten auferlegt, sondern lediglich erhobene Steuern ihrer Bestimmung zu­führt. Mit größter Entschiedenheit wendet sich der Deutsche Beamtenbund auch gegen die von der preußischen Regierung be­schlossenen Maßnahmen, deren formale Gestaltung als Zwangssparkasse niemanden dar­über hinwegzutäuschen vermag, daß es sich um eine neue Gehaltskürzung handelt. Es ist Ausgabe der Regierungen von Reich und Län­dern, derartige Maßnahmen durch ein sozial ge­rechtes und wirtschaftlich tragbares Steuer- und Finanzshstem zu vermeiden.

Der Vorstand hat ein Telegramm an den Reichskanzler gerichtet, in dem ein Einzel- Vorgehen der Länder nach Art der Preu­ßennotverordnung als unerträglich erklärt wird. Ilm solchem Vorgehen den Boden zu ent­ziehen und das Inkrafttreten der preußischen Verordnung zu verhindern, wird die Reichs­regierung gebeten, dem Reichspräsidenten die sofortige Aufhebung der Ermächtigungs­verordnung vom 24. August 1931 vorzuschlagen. Weiter wandte sich der Vorstand gegen den im Preußischen Landtag von der nationalsozialisti­schen Fraktion gestellten Antrag auf Ausl ö - sung des Verbandes PreuhischerPo- lizeibeamten. Dieser Antrag finde weder in verfassungs- noch in allgemein-rechtlichen Be­stimmungen eine Rechtsgrundlage. Er sei aber geeignet, in der Beamtenschaft schwere Deun- ruhicprng hervorzurufen über die Währung ihrer Dereinigungsfreiheit. Der Vorstand erwartet von der Reichsregierung, daß sie in Wahrung der Grundrechte der Reichsverfassung gegen jeden Versuch einer Beeinträchtigung der Vereinigungs- freiyeit vorgehe.

Oer Allgemeine Oeuische Beamtenbund.

Berlin, 9. Juni. (TLl.) Zu den neuesten Ge- haltskürzungsmahnahmen teilt der Allge­meine Deutsche Beamtenbund mit: Bei aller Würdigung der finanziellen Lage muß schärfster Protest gegen die durch die neue Rot­verordnung verfügte Einbehaltung von 5 bzw. 2,5

Koalitionsregimes gewesen. Nun steht das deutsche Volk vor dem völligen Nichts und starrt grau unb verzweifelt in eine leere Zukunft. Es ist jetzt keine Zeit mehr, über Einzelfragen zu debattieren. Es geht jetzt um Deutschland! Nicht eine Partei will in uns den Sieg an ihre Fahne heften, hier erhebt sich die deutsche Nation. Das Volk steht auf und der Sturm bricht los. Nur der Nationalsozialismus hat in sich die Kraft und die Aktivität im Innern unb nach außen bie politischen Reformen an Haupt unb Gliedern durchzusühren, bie notwendig sind, um das deutsche Volk in einer neuen Gemeinschaft zu eini­gen. Zum Schluß ruft Dr. Goebbels zu einer deut­schen Befreiungsspende auf.

Dor Lausanne.

Die Auffassung in England.

London, 9. Juni. (WTB. Funkspruch.) Das Herannahen der Eröffnungstagung der Lausanner Konferenz macht die Frage ber Reparationen unb der interalliierten Schulden immer mehr zum Haupt­thema der Londoner Presse. Man hebt die Not­wendigkeit französisch-englischen Z u- fammensarbeitens hervor unb erklärt, weder England, noch Frankreich, noch Italien könnten auf die deutschen Zahlungen verzichten, wenn nicht d i e Schulden an Amerika erlassen werden. Daily Herald" undMorning Post" betonen, daß endlich eine Entscheidung fallen müsse, wenn eine Katastrophe verhindert werden solle.Daily Tele­graph" spricht von ber Wichtigkeit einer gemein­samen Erklärung ber europäischen Schulbner an bie!8ereinigten<5taaten. Der Pariser Korrespondent berTimes" hat den Eindruck, daß der britische und der französische Streitpunkt in den drei Fragen ber Reparationen, der Abrüstung unb der Wiederherstellung Zentral­europas einer Vereinbarung näher gekommen sei als vor den französischen Wahlen.Financial News" brückt bie Hoffnung aus, baß Macbonalb bei seinen Besprechungen mit Herriot von ber Notwendig- feit ber Annullierung ber Reparatio­nen burchdrungen worden sei.

Herriot soll der englischen Regierung An­deutungen über die französische Reparations­politik gemacht haben, als er die Einladung an Macdonald übermittelte. Die Bemerkungen ent­halten jedoch keine greifbaren Vorschläge. In London sind Gerüchte im Umlauf, daß England, wenn Frankreich einer völligenStreichung der Reparationen zustimme, auf Deutschland im Sinne eines Entgegenkommens in der Abrüstungsfrage Frankreich gegenüber h:n- wirken werde. Die englischen Vertreter, so meldet derStar", würde sich für die vollständige unb allgemeine Streichung der Kriegsschulden und Reparationen einsehen.Manchester Guardian" nimmt gegen die Pläne Stellung, Deutschlands Reparationszahlungen auf etwa 2 0 0 Mil­lionen Mark i m Jahr Herabzusehen. Diese Summe würde eine sehr fühlbare Last für das Deutsche Reich darstellen, das nicht wisse, wie es seine Einnahmen vergrößern oder seine Ausgaben vermindern könne, ohne so­ziale Unruhen hervorzurufen.

Prozent der Bezüge eingelegt werden. Diese Ein­behaltung von Gehaltsteilen bedeutet nichts an­deres als eine weitere Gehaltskürzung. Es ist allmählich zur Hebung geworden, die gesetz­lich festgelegten Gehälter, auf die die Beamten einen Rechtsanspruch haben, als eine Art allgemeine Reserve anzusehen, auf die bei einem Eintreten finanzieller Schwierigkeiten zurückgegriffen wird.

In gleicher Weise protestieren wir auf das schärfste gegen die von der Reichsregierung ge­plante Erhebung einer Deschäftigten- steuer oder Fe st besoldeten - Abgabe in Höhe von 1 v. H. für die Beamten ohne jede Freigrenze oder soziale Staffelung. Dieser erneute Angriff in die Beamtenrechte, die unerträgliche Verschlechterung der materiellen Lage weiter Be­amtenkreise muß das Vertrauen der Beamtenschaft zum Staate und feiner Führung auf das Schwerste erschüttern. Dies gilt um so mehr in einer Zeit, in der durch Zölle. Subventionen und unzählige andere Maßnahmen andere Dolkskreise und Be­rufsstände trotz der Finanznot Hunderte von Mil­lionen aus öffentlichen Mitteln zugewendet wer­den und weiter in gesteigertem Maße zugewendet werden sollen, ohne daß auf der anderen Seite den noch vorhandenen großen Einkommen und Vermögen auch nur annähernd eine solche Last auferlegt wird, wie dies gegenüber der Beamten­schaft geschieht.

Oas Fleischergewerbe.

Berlin, 9.Juni. (TU.) Die Fleischeroer- banbszeitung schreibt u. a.: Das deutsche Fleischergewerbe ist durch die Notverordnung der preußischen Regierung, die die schon einmal ab­gelehnte Schlacht st euer nunmehr doch in Preu­ßen einführt, aufs äußerste bestürzt. Unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen wird es nicht möglich sein, die Steuer auf die D e r - braucherfchaft abzuwälzen. Auch der preußische Finanzminister Dr. Klepper hat in seiner Begründung zu dkeser Steuer den Standpunkt ver­treten, daß in Zeiten absteigender Konjunktur, wie wir sie zur Zeit haben, die Schlachtsteuer d i e Fleischpreise kaum berühren wird, son­dern in erster Linie von der Zwischenspanne und dann auch von d e r ,L a n d w i r t s ch a f t aufgefangen würde. Da' gleichzeitig der Mi­nister erklärt hat, daß er von der in dem Gesetz gegebenen Ermächtigung, die Hausschlachtun- g e n für Schweine ganz von der Steuer zu befreien, sofort Gebrauch machen wird, bleibt letzten Endes als Zahler und Träger der Steuer das Fiel- schergewerbe übrig, dessen fixe Kosten dadurch ungeheuer belastet werden. Diese Belastung muß sich prozentual um so stärker auswirken, nachdem das Fleischergewerbe seit langem mit einer völ - l vg ungenügenden Preisspanne arbeitet. Abgesehen davon soll aber auch nicht verkannt wer­den, daß auch die Landwirtschaft teilweise betroffen wird, weil jeder, auch der geringste Druck, angesichts des niedrigen Preisniveaus auf den Schlachtviehmärkten sich in einer weiter finken- ben Tenbenz ber Viehpreife auswirken muß. Aus allen biefen Grünben muß bas Fleischer­gewerbe bie Schlachtsteuer unbebingt ablehnen.

Kleine politische Nachrichten.

Die neue Reichsregierung hat, entgegen ber bis­herigen Hebung, biesmal keinen Beschluß über bas A m t bes Vizekanzlers gefaßt. Als Stellvertreter bes Reichskanzlers von Papen gilt ber bien ft ölte ft e Reichsminister, bas ist ber gegenwärtige Reichsminister bes Aeußern Frei­herr von Neurath.

Reichskanzler v. Papen hat den Berliner Ober­bürgermeister Dr. Sahm unb den geschäftsführen­den Präsidenten des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t empfangen. Beide Herren schilderten dem Kanzler die Notlage der deutschen Gemeinden und unterbreiteten ihm Vorschläge zur Ausbalancierung der Gemeindehaushalte. Auch der Präsident des Deutschen Landkreistages Dr. v. Stempel wurde vom Reichskanzler empfangen,

Reichsaußenminister Freiherr v. Neurath ist nach Berlin abgereift. Zum Abschied hatten sich Vertreter des Königs und des Außenministers ein­gesunden. Außerdem waren anwesend der deutsche Geschäftsträger mit dem gesamten Stab der Bot­schaft, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps, darunter der französische Botschafter und die Ge­sandten Oesterreichs, Bulgariens und Hollands, Ver­treter der deutschen Kirchen Londons, der englischen und der deutschen Presse unb viele persönliche Freunbe.

Der schwedische Prinz Gustaf Adolf, der älteste Sohn des Kronprinzen, fährt zu seiner Ver­lobung mit der Prinzessin Sybille von Sachsen-Coburg-Gotha nach Coburg, wo die Verlobung am 16. Juni stattfindet.

In einer 15 Punkte enthaltenden Anklageschrift fordert der Untersuchungsleiter Seabury den Gou­verneur Roosevelt auf, den bekannten Neuyorker Oberbürgermeister Walker wegen Pflicht­verletzung durch Annahme von Geldern, deren Her- kunft nicht genügend geklärt ist, vom Amt zu entfernen. Einen Hauptanklagepunkt bildet der Kreditbrief einer Omnibusgesellschaft über 10 000 Dollar, mit denen Walker seine Europareise finanziert hat.

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Tardieu hat mit Unterstützung persönlicher Freunde (Jean Fabry, Paul Reynaud, Petsche) eine neue Fraktion gegründet, die sich das re- publikanische Zentrum, Fraktion für soziale, kom­merzielle unb lanbwirtschaftliche Aktion, nennt. Die Partei besteht aus 26 ehemaligen Linksrepublika­nern, bie bei ber Abstimmung über bie Regierungs­erklärung entgegen bem Verhalten der Fraklions- Mehrheit gegen bas Kabinett Herriot ge­stimmt haben.

Aus aller Wett.

Reichskanzler von Papen an feine Vaterstadt.

Die Stadt Werl, in der Reichskanzler v. Pa­pen geboren wurde, sandte an den Kanzler fol­gendes Glückwunschtelegramm:Dem zum höchsten Amt des Reiches berufenen Sohn unserer Stadt senden wir aus einer gemeinsamen Sitzung der

städtischen Körperschaften herzliche Glückwünsche." Der Reichskanzler sandte daraufhin folgendes Antworttelegramm:Herzlichen Dank für treu« Wünsche der städtischen Körperschaften. Ich weiß, daß meine Vaterstadt in dieser schweren Stunde in der Reihe derer stehen wird, die eine Zu- sa mmensassung aller wahrhaft na* tionalen Kräfte als die Voraussetzung für eine Wiedergeburt Deutschlands betrachten."

Bundestag

des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes.

Der Allgemeine Deutsche Durschenbund (ADB). der mit 40 Burschenschaften auf fast allen reichs­deutschen Hochschulen, in Danzig und Prag ver­treten ist, beschäftigte sich auf seinem diesjährigen Bundestag mit allen zur Zeit im Vordergrund stehenden hochschulpolitischen und studentischen Fragen. Der ADB. bekennt sich erneut zur Deut­schen Studentenschaft und tritt für Schaf­fung einer Grohden tschen Studen­tenschaft ein. Zur Durchführung der wehr­sportlichen Aufgaben der Studentenschaft erwartet der Bund von seinen Burschenschaften, daß sie dem ötlichen AWK. beitreten und Mitarbeiten, so­wie die Kurse der Geländesportlager beschicken. Das Wahrzeichen des ADV., die Frankenburg, wird zu einer Totenehrenhalle des Bundes nach den Entwürfen von Architekt Suhnel (Rhenomar- chia AHi. Ehrenbürger der Universität Münster, ausgebaut. Die Ausbauarbeiten haben bereits be­gonnen, und die Weihe soll zum 50. Bundestag im nächsten Jahre erfolgen. Das Präsidium für das neue Jahr ging auf die älteste Burschenschaft des ADB., Reogermania - Berlin, über.

Ein 2Horb nach zwölf Jahren gesühnt.

Das Schwurgericht Weimar verurteilte den 37 Jahre alten Landwirtschaftsgehilfen Ritter aus Klein-Rembach wegen Mordes zum Tode. Ritter hatte am 18. Februar 1920 feine Geliebte in der Rähe der ihrem Arbeitgeber ge­hörigen Mühle nach einem Wortwechsel durch 17 Messerstiche getötet. Rach 12 Jahren also ist der Mord gesühnt worden, und zwar war Ritter schon damals der Tat drin­gend verdächtigt worden, doch rettete ihn vor der Verurteilung die falsche Zeugen­aussage eines befreundeten Landwirts. Ge­wissensbisse veranlaßten aber den Landwirt, die Wahrheit zu gestehen.

Schwere Bljiftat

Der Gastwirt Bresselhaus," ber auf bem Schloß Houlte bei Bielefelb eine Gastwirtschaft betreibt, würbe erschlagen aufgefunben. Seine Ehe­frau, beren Vater unb eine Hausangestellte finb durch Hammerschläge schwer verletzt worben. Der Täter ist in bas Schlafzimmer bes Wirtes eingebrungen. Er hat sofort auf den Wirt eingeschlagen unb ihm bie löblichen Schläge bei­gebracht. Als bie Frau ihrem Mann zu Hilfe eilen wollte, erhielt sie zwei wuchtige Hammerschläge über ben Kopf, so baß sie zusammenbrach. Der etwa 70 Jahre alte Vater bes Wirtes, der das Schlaf- zimmer betrat, wurde von dem Täter ebenfalls mit einem Schlag zu Boden gestreckt. Inzwischen war das Dienstmädchen in das Schlafzimmer der Eheleute geeilt. Zwischen ihm und dem Mörder entspann sich e i n K a m p f, bei bem es bem Mäd- chen gelang, ben Räuberzu überfälligen unb ihm, obwohl es ebenfalls schwer verletzt wurde, den Hammer zu entreißen. Das Mädchen schlug auf den Burschen ein, bis der Hammerstiel a b b r a d). Der Täter flüchtete und konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden.

Der Massenmord in der Dojwodina.

In der Angelegenheit des Massenmordes von Rovh Betschej wird die Llntersuchung ener­gisch fortgeführt. Die bisherigen Zeugenverhöre ergaben die überraschende Feststellung, daß es sich bei den 86 Ermordeten nicht um unschuldige Opfer, sondern um Mitglieder der Räu­berbande selbst handelt. Die Räuber wur­den nämlich von einer Gegenorgani­sation, die sichWeiße Terrorgruppe" nannte, mit allen Mitteln bekämpft. Zwischen der ver­nichteten Räuberbande und der weihen Terror­gruppe war gercftime Zeit ein regelrechter Kleinkrieg geführt worden. Trotzdem neuer­lich zahlreiche Verhaftungen vorgenommen wur­den, hat man wenig Hoffnung, die Hauptschul­digen fassen zu können.

Gebt auf eure Kinder acht!

Das rätselhafte Verschwinden der 13jährigen Schülerin Irene Zottmann aus Rürnberg be­schäftigt zur Zeit auch die Berliner Kriminal­polizei. Es verlautet, daß das Mädchen zunächst nach München und dann nach Berlin wollte, um sich dc r - bei den Filmgesellschaften nach dem Schauspieler Roman Ravarro zu erkundigen. Sie ist aber weder dort noch hier gewesen. Es ist demzufolge die Vermutung aufgetaucht, daß das Mädchen von einem Manne verschleppt worden ist, der ihren Filmfimmel be­nutzte, um sie an sich zu locken. Rachfragen in Berlin haben ergeben, daß die Kleine hier noch nicht bei Filmgesellschaften vorgesprochen hat. Auch die weibliche Kriminalpolizei ist zu der Suche nach der Vermißten herangezogen worden.

Prügelstrafe für jugendliche Deliquenten in England.

Bei ber Einzelberatung bes Gesetzentwurfes über bie Jugenbfürsorge wurde ein von ber Regierung bekämpfter Zusatzantrag angenommen, ber besagt, baß gegen jugendliche Deliquenten männlichen Ge­schlechts auf Prügel st rafe erkannt werben kann. Es wird für diesen Fall bestimmt, daß die Schläge mit einer Birkenrute zu erteilen sind unb baß ihre Zahl nicht mehr als sechs betragen barf.

Wettervoraussage.

Obwohl sich bas kontinentale Hoch mehr süböstlich verlagert, wirb sein Einfluß noch für unser Gebiet metterbeftimmenb fein. Die Erwärmung schreitet ha­bet weiter fort, unb auch nachts erfolgt keine Ab­kühlung mehr in so starkem Maße, wie es bisher geschehen ist. Die weitere Gestaltung ber Wetterlage dürfte sich später in aufkommenden Gewitterstörun­gen äußern, welche durch die Jslandstörung hervor­gerufen werden.

Aussichten für Samstag: Fortdauer des meist heiteren Wetters, tagsüber weitere Erwär­mung.

AussichtenfürSonntag: Warmes Wetter mit aufkommender lokaler Gewitterneigung.

Lufttemperaturen am 9. Juni: mittags 16,8 Grab Celsius, abenbs 9,4 Grad; am 10. Juni: morgens 9,2 Grab. Maximum 19,4 Grab, Minimum 4,1 Grab. (Erbtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Junk: abenbs 17 Grab; um 10. Juni: morgens 10,8 Grab Celsius. Sonnenscheinbauer 8% Stunbert