Ausgabe 
9.8.1932 Frühausgabe
 
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Einige der Teilnehmer des kommenden Rundflugs. Oben links: Elli Beinhorn, die bekannte Lang- streckenfliegerin, die als einzige deutsche Pilotin an dem Fluge teilnimmt. Daneben die eigens für den Europaflug konstruierte Heinkel-Maschine, die von Elli Beinhorn und mehreren anderen deutschen Fliegern benutzt werden soll. Unten, von links nach rechts: die bekannte englische Sport­fliegerin Spoon er: Reinhold Poß, Zweiter oeim letzten Europarundflug, und Morzik, Sieger der beiden bisher veranstalteten Europarundflüge. /

Aus der Provinzialhauptstadt.

Wenn man 100 Menschen fragen würde.

Ein Spiegel unausrottbarer Irrtümer.

Wann ist die Erde der Sonne am näch- st e n ?

Etwa 80 werden sagen:Im Juli oder August." Dabei hat die sommerliche Hitze mit der Sonnen­nähe nichts zu tun, denn die Erde ist im Januar der Sonne am nächsten, und im Juli ist sie am weitesten von ihr entfernt. *

W o bleiben gesunkene Schiffe?

Etwa 1)0 werden sagen:Die Schisse sinken nicht auf den Meeresboden, denn das Wasser nimmt mit der zunehmenden Tiefe eine derartige Dichtigkeit an, datz die Schiffe in einer gewissen Tiefe treiben."

Mit Ausnahme leichter hölzerner Schiffe, die auf dem Meer treiben, sinkt jedes größere Schiff auf den Meeresgrund, wie tief er auch sein mag. Der Wasserdruck hat mit den tobenden Schiffen nichts zu tun. Wohl wird er die Luft, die sich etwa noch in sinkenden Schiffen befindet, herauspressen, aber er verdichtet sich nicht derart, daß ein eiserner Schiffskörper zum Schwimmen gebracht würde.

Wo liegt das Sargasfo-Meer?

Etwa 90 werden, nachdem sie in einem Handbuch nachgeschlagen haben, sagen:Es ist ein Teil des Atlantischen Ozeans zwischen den Kanarischen -und den Westindischen Inseln. Man findet in ihm un­geheure Anschwemmungen von Seetang, besonders der Art Sargassum. Ferner treiben zu diesen Tang- inseln Baumriesen aus den großen amerikanischen Flüssen; selbst viele Wracks von Schiffen haben sich an diesen Inseln im Sargasso-Meer angesammelt."

Obwohl jeder Geviertkilometer des - Atlantischen Ozeans vermessen und durchforscht worden ist, hat noch kein Mensch etwas von diesen Tanginseln ge­sehen.

MasmachtderStrauh, wennerver- folgt wird?

100 werden sagen:Er steckt den Kopf in den Sand."

Roch kein Straußenjäger bat jemals bei diesem Tier diese unsinnige Handlung wahrgenommen. Außerdem wäre der Strauß, wenn er sich solcher Schutzmaßnahmen bedienen würde, schon längst ausgestorben. Hebrigens kennt auch kein Mensch den Ursprung dieser Fabel.

Was geschieht mit Fensterscheiben bei einer Explosion?

100 werden sagen:Sie werden eingedrückt."

Las Gegenteil ist der Fall: Sie werden her- ausgezogcn! In den meisten Fällen liegen die Scherben auf der Straße und nicht in den Zim­mern. Denn bei einer Explosion entstehen zwei dicht aufeinanderfolgende Luttwellen. Die erste drückt die elastische Scheibe etwas nach innen; die zweite, dünnere Welle hat Saugwirkung und ver­anlaßt die Scheibe zum Rückwärtsschwingcn. Ob­gleich sie elastisch genug war. der ersten Welle Widerstand zu leisten, zerbricht sie durch den Ge­genzug der zweiten Welle.

Was verursacht ein verschluckter Kirschkern?

90 werden sagen:Blinddarmentzündung".

Die Acrzte unter den Befragten indessen wer­den bestätigen, daß die medizinische Wissenschaft bisher noch keinen Fruchtstcin in einem Wurm­fortsatz gefunden hat. M. A.

Vom Kuliurverband Hessen-Hessen-Naffau.

Im Kurhaus zu Bad-21 anheim hielt am vergangenen Sonntag der im Oktober 1930 in Gießen als Landesverband der Gesellschaft für Volksbildung (Sitz Berlin) gegründete Kultur­verband Hessen-Hessen-Rassau, der einen großen Teil der in diesen Bezirken bestehenden Vereine zur Pflege von Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung umfaßt, eine Vereinsvertreter-Zusam- menkunst ab. Es waren u. a. Vertreter aus Gießen, Dillenburg, Siegen, Wiesbaden, Worms, Friedburg und Bad°2kauheim anwe­send. Zur Verhandlung, die Dr. K a l i s ch e k - Wiesbaden, der erste Vorsitzende des Kultur­verbands Hessen-Hessen°2kassau leitete, stand eine Reihe aktueller Fragen aus der praktischen 23er» einsarbeit. Wiederholt wurde dabei die im Mit­telpunkt aller Volksbildungsarbeit stehende Pflege des Heimatgedankens unter­strichen und die Gemeinschaftsarbeit aller im

Dienste der Volksbildung stehenden Vereine be­tont, die bemüht sind, auf überparteilicher und überkonfessioneller Grundlage der gegenwärtigen wirtschaftlichen und seelischen 2kot weiterer Be- völkerungslreise durch kulturelle Kleinarbeit zu begegnen. Besondere Bedeutung kommt in dieser Hinsicht auch dem Problem der g e i st i g e n Crwerbslosen-Betreuung zu. Der an­regende Gedankenaustausch über das Aufgaben­gebiet der Volksbildungsvereine soll auf einer am 8. und 9. Oktober in Wiesbaden geplanten großen Volksbildungstagung fortgesetzt werden.

Oie Erntevorschätzungen für Hessen.

2kach den vom Hessischen Landesstatistischen Amt abgeschlossenen Derechnckbgen der Ernte- Vorschützung ist die diesjährige Getreideernte in Hessen besser ausgefallen als im vergan­genen Fahre. Auf den Hektar wurde im Durch­schnitt ein Ertrag von 20 Doppelzentner Winter­roggen (gegenüber 16 Doppelzentner im vergcrn- genen Fahre), 23,1 Doppelzentner Winterweizen (20,8 Doppelzentner), 23 Doppelzentner Sommer­gerste (22,8 Doppelzentner) oder 20 Doppelzentner Hafer (18,7 Doppelzentner) erzielt. Da sich die Anbaufläche an Winterweizen recht beträchtlich vermehrt hat, ergibt die Vorschützung eineWin- terweizenernte von 82 000 Tonnen (gegen 68 000 Tonnen im vergangenen Fahre), von 110 000 To. Winterroggen (80 000 Tonnen), während bei Sommergerste, bei der die Anbaufläche fühlbar zurückgegangen ist, der Ernteertrag pro Hektar kaum höher als im Vorjahre ist, so daß hier eine Ernte von nur 99 000 Tonnen gegenüber 109 000 Tonnen im vergangenen Fahre zu ver­zeichnen ist.

Trotz etwas verringerter Anbaufläche wird die Ernte an Hafer mit 96 000 Tonnen um etwa 4000 Tonnen hoher sein als im vergangenen Fahre, während bei Frühkartoffeln der durchschnittliche Ernteertrag mit 128 Doppelzentner pro Hektar ge. genüber dem Vorjahresertrag, wo er 147 Dop­pelzentner betragen hatte, erheblich zurückbleibt. Trotz Ausdehnung der Anbaufläche beziffert sich der diesjährige Ernteertrag an Frühkartoffeln auf nur etwa 95 000 Tonnen gegenüber 100 000 To. im vergangenen Fahre. Der Ertrag an Wiesen­heu ist mengenmäßig etwa ebenso groß wie im Vorjahre. Er wird auf etwa 245 000 Tonnen ge­schätzt, wobei die grün verfütterten Mengen auf Heu umgerechnet worden sind. Der endgültige Ernteertrag kann natürlich noch durch die Wetter- Verhältnisse beeinflußt werden.

Vom Schutz des Sparers.

Eine der wichtigsten Erfahrungen aus unserer wirtschaft! chen Rotzeit ist die daß in Zukunft das Problem des Schu ßes des Sparers viel stärker beachtet werden muß Das Ausland ist uns teil- we se mit einer ent prechenden Gesetzgebung weit voraus. Gerade weil wir in Zukunft ausschließlich auf die heimische Kapitalbikdung angewiesen sind, muß alles getan werden, um den Verlust von Spargeldern bei unsicheren Unternehmungen zu unte binden. Selbstverständl ch kann der Gesetz­geber nicht alle die zahlreichen Gefahrenquellen ausschalten, aber er kann doch da vorbeugend eingreifen, wo die Gefahr des Geldverlustes er- fah' ungsgemäß besonders groß ist. Auf Teil­gebieten ist ein Anfang in dieser Beziehung schon gemacht, so durch die Einführung der Reichsaufsicht für die privaten Bauspar­kassen. die sich jedoch wegen der zahlreichen zu prüfenden Einrichtungen nur langsam auswirken kann. Daher mußte z. 23. kürzlich das Reichs­aufsichtsamt nachdrücklich darauf Hinweisen, daß ve.schiedene. private Bausparkassen jetzt in ihrer We.bung mit der Ausdrucksweise arbeiten,Als Bausparkasse zugelassen", was in der Bevölkerung zuweilen den falschen Eindruck erwecke, als ob diesen Kassen bereits eine entsprechende Erlaub­nis nach c.folgtet Prüfung erteilt sei. Es müssen aber auch die privaten Zwecksparkassen unter Aufsicht gestellt werden.

Auch eines anderen, ganz besonders dunklen Kapitels scheint sich jetzt die Gesetzgebung an- nehmen zu wollen, nachdem schon sehr starke Schädigungen der Bevölkerung zutage getreten sind. Das Reichswirtschaftsministerium beabsich- tigt nämlich, das G e l d v e r m i 11 lu n g s g e - werbe dem Konzessionszwang zu unterwerfen, eine Maßnahme, die schon jahrelang von zahl­reichen Stellen gefordert worden ist. Fm Hinblick darauf, daß der D a r l e h n s s ch w i n d e l in letzter Zeit außerordentlich zugenommen hat, kann man nur wünschen, daß der Entwurf bald Gesetz wird. Freilich wird auf allen diesen Gebieten auch die vollständigste Gesetzgebung nicht aus­

reichen, wenn nicht die Bevölkerung selbst in Gelddingen die Augen viel mehr offen halt als bisher.

Vermietung von Geschäftsräumen auf tlmsahbasis.

Inflation sowie Deflation haben gezeigt, daß ein langjähriger Vertrag für einen der beiden Der- tragsteile zu größeren Härten führen kann. Die Lösung aus dieser Kamalität wurde nun nicht durch eine Ermäßigung der Vertragsmiete vorgenommen, sondern dadurch, daß man durch Notverordnung dem Mieter ein einmaliges, außerordentliches Kün­digungsrecht gab. Inzwischen ist die Geschäftswelt dazu übergegangen, nach amerikanischem Vorbilde die Höhe der Miete nach dem Umsätze zu bestimmen.

In Deutschland ist eine derartige Regelung sehr häufig bereits anzutreffen in der Filmbranche, aber auch bei Gastwirtschaften findet man diese Neue­rung. So ist es bei der Reichsbahn schon lange üblich, die Bemessung der ^chthöhe nach einem Hundertsatz der Roheinnahme vorzunehmcn und um dem Pächter eine tragbare Pachchohe zu ermöglichen, wird seitens der Reichsbahnverwaltung die Aufstel­lung von Erfolgbilanzen nach vorgejchriebenem Mu­ster gefordert. Auf Grund dieser Bilanz wenden die Verhältniszahlen in Hundertteilen der Warenein­kaufswerte und der einzelnen Geschäftsunkostenarten festgesetzt und ein Vergleich zur Roheinnahme läßt erkennen, ob man es mit einem guten Geschäfts­mann zu tun hat hinsichtlich des Einkaufs oder als Betriebsleiter, denn im Laufe der Zeit sind bereits gewisse Erfahrungssätze gesammelt. Selbstverständ­lich wird bei Beurteilung der Geschäftsunkosten be­rücksichtigt werden müssen, ob Gastwirtschaften vom Wetter abhängig sind, oder ob es sich um eine Lo- kalwirhchaft handelt, die täglich guten Zuspruch hat oder die nur zu gewissen Zeiten benutzt wird.

LU. Von der Pressestelle der Uni» Der fi tat Gießen wird mitgeteilt: Der or­dentliche Professor an der Veterinärmedizini­schen Fakultät unserer HniDerfität, Dr. Will). Zwick, hat von dem Präsidium der Lenin- Akademie in Moskau eine Einladung erhalten, in Rußland während der Monate August und September fachwissenschaftliche Vorträge zu hal­ten sowie einschlägige Forschungsinstitute, Ver­suchs-Stationen und -Wirtschaften zu besichtigen. Dr. Zwick wird in diesen Tagen der Einladung Folge leisten.

** Verfassungsfeierl932Gießen. Wir werden von zuständiger Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß bei der Verfassungsfeier im Stadt­theater die Teilnahme von Personen in Uniform jeglicher Art, mit Ausnahme der Reichswehr und der Polizei, sowie das Mitbringen von Fahnen nicht gestattet ist.

Freie Lehrer stelle. An der Volks­schule zu Michelnau (Kreis Büdingen) ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer frei­geworden. Sofort beziehbare Dienstwohnung ist vorhanden.

** Achtung a u f den Kartoffelkäfer. Die deutsche Oeffentlichkeit wurde in diesem Som­mer durch die Mitteilung erschreckt, daß sich der gefährliche Kartoffel- oder Koloradokäfer, der kurz nach dem Kriege von Amerika nach Frankreich ein­geschleppt wurde, auf dem Anmarsch befindet. Der Käser befindet sich nur noch etwa 350 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Bei der Ge­schwindigkeit, mit der er sich fortpflanzt und aus­breitet: ein Weibchen legt durchschnittlich 700 bis 800 Eier im Jahr und bringt es in einem Jahr auf etwa 31500 000 Nachkommen, begreift man, daß dringende Vorsorge zur Abwehr dieses Schädlings geboten ist. Nur wenn es gelingt, den Schädling bei seinem ersten Auftauchen unschädlich zu machen, be­steht Hoffnung, das deutsche Volk vor großem wirt­schaftlichen Schaden zu bewahren. In Frankreich hat das Insekt in der kurzen Zeit, seitdem es sich dort aufhält, ein Drittel der ganzen Bodenfläche ver­seucht. Die Biolog. Reichsanstalt für Land- u. Forst­wirtschaft fordert jeden Landwirt und Gartenbesitzer auf, sein Kartoffelgelände bis zur Ernte mindestens einmal in der Woche genauestens abzusuchen und jedes gefährliche Insekt oder Fraß-Spuren an den Kartoffelpflanzen der Polizei zu melden. Der Kar- toffelkäfer ist auch in Deutschland schon aufgetreten, zuletzt 1914 bei Stade an der Unterelbe, und zwar auf einer Fläche von 5 Hektar. Er war durch Trans­porte aus Amerika eingeschleppt worden. 200 Sol­daten wurden aufgeboten, die das Feld gründlich säubern mußten, über 25 000 Mark wurden vom Staat dafür ausgegeben. Trotzdem wurden im nächsten Jahr noch vier Käfer und einige Eiablagen gefunden. Seitdem ist der Käfer aus Deutschland verschwunden. Er darf auf keinen Fall wieder auf­treten. An jeden einzelnen geht darum der Appell, das Seine dazu beizutragen, daß das Austreten des Insektes schon im Keime erstickt wird. Dazu genügt die Meldung an die Polizei. Die weitere Bekämpfung wird dann ganz ohne Kosten für den Landwirt vom Staate aus durchgeführt.

Eine Spar- und Oarlehnskaffe um 35000 Mark geschädigt.

Marburg, 8. August. Dor einigen Monaten wurden bekanntlich in Runzhausen bei Gladenbach größere Unterschlagungen des Rechners im dortigen Spar- und Darlehenskcrssenoerein, Lehrer Augu - st i n , aufgedeckt, durch welche der Verein nach den erfolgten Feststellungen um rund 35 000 Mark ge­schädigt worden ist. 50 bis 60 dem Verein ange­hörige Einwohner, meist kleine Landwirte und Ar­beiter, sind dadurch schwer geschädigt. Lehrer A u gu= st i n hatte sich heute vor dem hiesigen Schöffenge­richt wegen schwerer Unterschlagung und Urkunden­fälschung zu verantworten. Der Angeklagte gab seine Verfehlungen im Wesentlichen zu, nur erschien ihm die unterschlagene Gesamtsumme als zu hoch gegriffen. Ein anspruchsvolles Leben hat er nach seiner Angabe zusammen mit seiner kinderlosen Ehefrau nicht geführt. Irn Jahre 1923 sei ihm das Rechneramt aufgedrängt worden, obwohl er sich zu dieser Arbeit nicht befähigt fühlte. Seine starke nebenamtliche Betätigung als Chorleiter in ver­schiedenen Gesangvereinen des Biedenkopfer Be­zirkes machte die Anschaffung eines Klaviers für 1800 Mark sowie eines Motorrades notwendig, das ihm viel Reparaturkosten verursacht habe. Sein Lehrergehalt in Höhe von 200 Mark monatlich, so­wie die nicht sehr hohen Bezüge als Chorleiter und Rechner hätten schließlich nicht mehr zur Deckung der Schulden ausgereicht, so daß er seit 1924 nach und nach immer Beträge von je 40 bis 50 Mark unrechtmäßig der Kasse entnommen habe. Immer wieder habe er die unterschlagenen Beträge zurück- zahlen wollen, jedoch war das Loch schließlich nicht mehr zuzustopfen. ,

Infolge der nur sehr oberflächlichen Kassenrevisio- nen habe er die Verfehlungen auch so lange Jahre verschleiern können. In der gerichtlichen Unter­

suchung ist festgestellt worden, daß von 1924 bis 1931 in mindestens 200 Fällen Beträge von wenigen Mark bis 5000 Mark der Kasse entnommen waren.

Alle zwei Jahre wurde die Kasse revidiert. Jedes­mal waren die Bücher aus Grund der Unterjcista- gungen zurechtfrisiert. 11. a. sand man auch sechs Quittungen über angebliche ausgezahlle Beträge von 100 bis 500 Mark, bei denen die Namensunter­schriften fingiert waren. Insgesamt hat Augustin im Lause seiner achtjährigen Rechncrtätigkeit 26 000 Mark der Kasse unrechtmäßiger Weise entnommen und für sich verbraucht. Dazu kommen ferner noch 9000 Mark Zinsen, die für den Verein verloren ge­gangen sind, die aber nur die zivilrechtliche Seite des Falles berühren. Der als Sachverständiger ver­nommene Verbandsrevisor der ländlichen Genossen- schäften schilderte die kasscntechnische Seile der 'An­gelegenheit und kam zu dem Schluß, daß der Vor­stand auch nicht ganz unschuldig daran sei, tuenn die Unterschlagungen infolge mangelhafter Revisionen acht Jahre unentdeckt bleiben konnten. Das Urteil des Gerichts lautete wegen schwerer Unter­schlagung und gewinnsüchtiger Urhinbenfäl- schung auf ein Jahr neun Monate Ge­fängnis. Strafaussetzung wird mit Rücksicht auf die Schwere der Tat nicht erwöge». Der von der Staatsanwaltschaft beantragte Erlaß eines Haft­befehls wurde abgelehnt, da Fluchtverdacht nicht vorliege.

20 Jahre Lauterbacher Turnverein

40 Jahre Hainigfeft.

& Lauterbach, 8. August. In diesem Jahre, und zwar am 6. August, dem Gründungstag, konnte der Lauterbacher Turnverein auf ein 7 0jähriges Dereinsleben zurückblicken und zugleich fein 4 0. H a i n i g f e st feiern. Aus diesem Anlaß fand am Samstagnachmittag an der Gedächtnishakle eine Totengedenkfeier statt, bei der Stadtpfarrer Dohert der im Krieg gefallenen Turnbrüder gedachte. Zu Ehren der Toten legte der Vorsitzende einen Kranz nieder. Auch das Grab des verdienstvollen verstorbenen Turnerpioniers K. Th Helfenbein und das des Gründungsvorsihenden D i e h m wurde mit Blumen geschmückt. AbendS fanden sich die Tur­ner und Turnerinnen, Freunde und Gönner der Turnsache in der Turnhalle zu einer der Rot­zeit entsprechenden se st lichenGedenk stunde zusammen, bei der ein Vertreter des Kreisamtes, Bürgermeister Walz, Kreisschulrat Lorentz und der Verein für Leibesübungen Glückwünsche übermittelten. Die Festrede hielt der 1. Vorsitzende Gewerbelehrer Fink. Seine vortrefflichen Aus­führungen, die den Zuhörern, ein Bild von den Uranfängen des Sportes der alten Helenen und Spartaner bis in die Jetztzeit und zugleich die Vereinsgeschichte ihr Werden und Wirken in den verflossenen 70 Fahren wiedergab, und die Aus­klangen in einem dreifachenGut Heil", fanden lebhaften Widerhall. Bei öiefer Gelegenheit wur­den auch einige, lange Fahre an der Turnfache verdienstvoll mitarbeitende, Mitglieder geehrt. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: Karl Finger, Konrad R e n k e r, Wilhelm Will und Leonhard Bauer. Den Ehrenbiief der deutschen Turnerschaft erhielten: HermannGroh, Karl Dahm er und Karl Stapler. Turner Hermann Seibert, Heinrich Prediger und Leonhard Ziegenhain konnte das deutsche x Turn» und Sportabzeichen überreicht werdc/n. Musikvorträge und turnerische Votführungen v-r- vollständigten das Programm des wohlgelungenen Abends. Vor Beginn der Wettkämpfe am Sonn­tagmorgen traten die Turner und Turnerinnen zusammen mit den Kleinkaliberschühen aus dem Kreis zu einem Feldgottesdienst bei der Turn­halle an. Am Rachmittag zog man dann hinauf zum Hainig, um unter den alten Eichen das 40. Hainigfeft zu feiern. Auch dort oben am Fuße des schmucken Hainigturmes gab es Spiel und Sport, wie es seit Fahrzehnten immer der Brauch war. Mit dem Einmarsch ins Städtchen fand die schlichte 70-Fahrfeier ihren Abschluß.

3n einem Monat

über 100 Mansardeneinbrüche.

WSR. Frankfurt a. M., 8. Aug. Die Mansardeneinbrüche haben in Frankfurt in einer Weise zugenommen, daß die Polizei ihnen fast machtlos gegenübersteht. 3m letzten Monat sind der Polizei über 100 Mansardenein­brüche zur Kenntnis gelangt. Täglich kommen vier bis sechs Einbrüche zur Lknzeige. Cs handelt sich anscheinend um zwei Banden, die teils mit Rachschlüsseln, teils mit Brecheisen arbeiten und denen in vielen Fällen fast die gesamte Erspar­nisse der Hausangestellten in die Hände fielen. Heber 60 goldene und silberne Uhren wurden im letzten Monat aus Mansarden gestohlen.

25 Zahre Bad Sodener Sprudel.

WSN. Bad Soden, 8. Aug. Gestern waren es 25 Jahre her, daß der Pacisicus-Sprudel ans Tages­licht trat und damit das Bad eine dauernde Lebens­berechtigung als Heilbad erhielt.

Rheinhessen.

WSN. Worms, 8. Aug. Wegen Ende Juli be­gangener politischer Ausschreitungen (UeberfaU auf zwei Nationalsozialisten) hatten sich gestern drei Kom­munisten vor dem hiesigen Schnellrichter zu verant­worten. Es wurden verurteilt: Martin zu sechs Monaten, Scheck zu fünf Monaten, Kieckhaben zu vier Monaten Gefängnis. Die Urteilsbegründung betont, daß das Gesetz in feiner ganzen Strenge an- zuwenden gewesen wäre.

N i e r st e i n , 6. Aug. (WSN.) In verschiedenen Orten Rheinhessens findet man an Hausstöcken be­reits die ersten reifen Trauben. Meist sind es farbige Frühburgunder, die alsErstlinge" prä­sentiert werden. Im allgemeinen sind die Trauben hier noch zurück, fo daß kaum zur Kirchweihe (erster Sonntag im September) der erste Most zu haben fein wird, ganz zu schweigen vom Federweißen, der in günstigen Jahren zur Kirchweihe zu haben war.

Dichters Klage.

Quadrillionen Mücken spielen in der Luft.

Trillionen Blüten spenden süßen Duft.

Billionen Fische schwimmen in dem Meer.

Milliarden Vögel fliegen hin und her.

Millionen Menschen sorgen sich um Geld. Hunderttausend Städte gibt es in der Welt. Tausend Wünsche flammen wohl in jedem Sinn. Hundert Menschen kenn ich, so am Wege hin. Zehn davon sind geldlich immer noch recht stark. Doch nicht einer pumpt mir eine einz'ge Mark.

Puck.