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dürfen fotr nicht vergessen: 3ede mythische Ge­stalt stellt sich dar, wie die Gestalten der Sage, in einem einmaligen Schicksal, Geschehen, Erleb­nis, ist nur int Raum ihrer Dichtung, die auch Geschichte sein kann, aus der sie sich nicht heraus­lösen läßt, vorhanden und kann eigentlich nur wieder in einer neuen, weiteren Dichtung, Ge­schichte, Anekdote oder in einer neuen Hand­lung hervortrcten, die immer wieder das We­sen der Gestalt wird ausdrücken, aufs neue hell und charakteristisch sichtbar machen müssen. Das Beispiel des Alten Fritz genügt allein schon, diese Beziehung deutlich zu machen: Immer wieder wurden neue Anekdoten von ihm erzählt, um ihn fortzusehen, um ihn neu lebendig im Volke zu haben!

Alles Mythifieren hat mit der äußeren Wirk­lichkeit des Geschehens nur den Anlaß gemein und hat im übrigen eine, ich möchte sagen: rein meta­physische Realität, die zwar die höchste, aber eine von den äußerlich gesehenen Vorgängen sehr häu­fig widersprochene, gelegentlich sogar einmal scheinbar widerlegte Realität ist. Sie bleibt den­noch wohl immer der siegreiche, allein in die Zu­kunft gehende. Ob Hink^nburg oder Ludendorff den Plan von Tannenberg ausgearbeitet haben, oder ob er zuerst im Kopf eines unbekannt ge­bliebenen Gencralstabsoffiziers aufgetaucht ist. gleichviel: gebunden ist das ganze weltgeschicht­liche Geschehen allein an den mythischen Mann, der in seiner Mitte steht, an Hin­denburg. Für das Gefühl. Für das Volk. Für uns Dichter. Für alle, die irrender und viel wahrer sind als die Geschichtsschreiber. Damit ist der erste Mythos, der den Mann in sich einge- spönnen hat, umschrieben: er ist der des in h^h- ster Rot und Gefahr auftauchenden Retters, Hel­fers, Schützers, Befreiers.

Aus Oer provinzialbauptstavt

Gießen, den 9. April 1932.

Strafbare plakatierung.

Das Kreisamt Gießen teilt uns folgendes mit:

In letzter Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß über Nacht unbekannte Täter an fremden Ge­bäuden mit Farbe Plakate politischen Inhalts an­gemalt haben. Die Täter, die in dieser Weise ihre politische Gesinnung propagieren, sind selbstverständ­lich sowohl unter dem Gesichtspunkt der Sachbeschä- digung, als auch unter dem der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Aus­schreitungen vom 28. März 1931 strafbar.

Zweifel konnten nur darüber bestehen, wer diese Plakatisierung, die einen rechtswidrigen Zustand darstellt, zu beseitigen verpflichtet ist, wenn der Tä­ter nicht ermittelt werden kann. Es ist nämlich vor- aekommen, daß sich Hauseigentümer auf behördliche Aufforderung geweigert haben, die an ihren Ge­bäuden widerrechtlich angebrachten Schriften und Bemalungen zu beseitigen, insbesondere dann, wenn sie mit dem Inhalt der Plakate sympathisieren. Das Kreisamt Gießen hat daraufhin am 6. April 1932 ein Ausschreiben an sämtliche Bürgermeistereien und Gendarmeriestationen des Kreises Gießen zwecks Bekanntmachung verfügt, in dem darauf hingewie- fen wird, daß die Grundstückseigentümer, deren Ge­bäude widerrechtlich bemalt werden, zur Beseitigung der Plakate verpflichtet sind. Namentlich wird her- vorgehoben, daß sich auch der Hausbesitzer, der diese Plakate duldet und nicht alsbald beseitigt, ebenfalls im Sinne der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen strafbar macht.

Wahlkundgebung öer^ßifernen Front".

Staatspräsident Dr. Adelung sprach gestern abend in einer Kundgebung derEisernen Front" im Cafä Leib über das ThemaHitler oder Hin­denburg?" Der Redner erklärte u. a., der erste Wahlgang um die Reichspräsidentenwahl habe schon eine Entscheidung gebracht. Hindenburg habe fast die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigt. Der Wille des Volkes sei damit eindeutig zum Ausdruck gekommen. Das dürfe nun aber kein Grund sein, den zweiten Wahlgang weniger wichtig zu nehmen. Es dürfe nicht vergessen werden, wie wichtig die Position des Reichspräsidenten ist. Er habe sofern sich das Parlament ausschalte, weitreichendste Kom­petenzen, die den Machtvollkommenheiten eines Dik­tators sehr nahekommen. Das sei auch der entschei­dende Grund, weshalb der Kampf um die Wahl des Reichspräsidenten so heftig geführt werde. Er (der Redner) bekenne sich zu Hindenburg, denn dieser habe wie kein anderer seine -Pflicht getan. Er sei nicht vom geraden Wege abgeaangen, er sei der In­begriff der Demokratie, der Freiheit des Bürgers.

^itIer gegenüber. Das Programm der N«DAP fei für jeden, der sich mit Politik ernst- befaße, reichlich unklar. Klar sei nur, daß die NSDAP, die Demokratie nicht wolle. Auch Thäl­mann wolle die Diktatur. Die Selbstbestimmung des Volkes werde im Falle der Machtergreifung durch einen Vertreter dieser beiden Richtungen auf­gehoben. Ein unerträglicher Zustand sei es, daß die Agitation der NSDAP, mit Drohungen geführt werde. Der Kampf um die politische Meinung werde auch durch die Drohung mit militärischen Organisa- tionen geführt. Diese militärischen Organisationen seien eine ständige Gefahr für Volk und Wirtschaft.

r *erne Qront" fei kein Instrument des An­griffs, sondern im Falle der Notwendigkeit ein Mit­tel, auf einen Schelm anderthalbe zu setzen. Der Staat werde eingreifen müssen. Man spreche immer vom onftem , die Nationalsozialisten seien vonSystem" nicht so weit entfernt. Die Anträge der hessischen nationalsozialistischen Abgeordneten seien nichts an- deres, als System. Die Winterhilfeanträge hätten allein 31 Millionen erfordert. Woher das Geld zu nehmen gewesen sei, habe man nicht gesagt. Die Verantwortung in Hessen zu übernehmen, habe man UH gescheut. Die Regierung mußte die Verant- Wartung weiter tragen und werde sie im Interesse des Volkes tragen. Mit den Anträgen der NSDAP, würden bei den ärmeren Schichten des Volkes Hoff­nungen erweckt, die nie erfüllt werden könnten. Die Aufforderung der Sozialdemokratie, einen Mann zu wählen, der der politischen Meinung der Sozialdemokratie nicht entspreche, fordere von den Parteiangehörigen unerhörte Disziplin. Die Vernunft fordere aber diese Disziplin. Das Dritte Reich dürfe nie kommen, schon weil es ernsthaft nicht gewollt sei. > die Wahl Hindenburgs nicht nur

Den Mann zu wählen, sondern die Demokratie zu sichern, die Freiheit des Bürgers zu gewährleisten und Deutschland einer sicheren Zukunft entgegenzu- fubren. (Lebhafter Beifall.)

Gießener Wochcnmarktpreise.

e 9- April. Es kosteten auf dem

heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf., Landbutter 120, Kochbutter 90. Matte 25 bi« 30 Wirsing (gelb) 15 bis 20 (pro Ztr. 12 bis 15 Mk),

Wirsing (grün) 25 (pro Zentner 20 bis 22 Mk.), Weißkraut 10 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 12 bis 15 (pro Zentner 8 bis 9 Mk ), Kartoffeln 4,5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk ), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 18 bis 20, Unterkohlrabi 5 bis 8, Meerrettich 30 bis 60, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 80 bis 100, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Aepsel 8 bis 15, Dörrobst 25 bis 30, Rüsse 35 bis 40. Honig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund: Tauben 60 bis 70, Eier 7, Salat 20 bis 25, Blumenkohl 30 bis 70, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück: Radieschen 15 bis 20 Pfennig pro Bund.

Daten für Sonntag. 10. April.

1864: der Komponist Eugen d'Albert in Glasgow geboren; 1878: der Industrielle Albert Borsig in Berlin gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. Hin- denburg-Ausschuß: 20.30 Uhr, Eaf6 Leib, öffentliche Versammlung. NSDAP..- 20.30 Uhr, Turnhalle, Steinstraße, öffentliche Versammlung. VfB. 08:

Religiöse Vorträge. 3m Saale der Baptistengemeinde, Gartenstraße 13, finden vom 11. bis 17. April Vorträge statt, in bäten Evan­gelist Koch über wichtige Fragen sprechen wird. Man beachte die heutige Anzeige!

** Forstpersonalie. Der Forstmeister Hermann Diefenbach zu Kirtorf wurde mit Wirkung vom 1. Mai ab zum forsttechnischen Beamten bei dem Forstwirtschaftsamt unter Be­lassung der AmtsbezeichnungForstmeister" er­nannt.

**ZügehaltenwiederamErdkauter- weg. Ab Montag, 11. April, halten die Züge 515 HungenGießen (Hungen ab 5.46 Uhr, Gießen an 6.27 Uhr) und 518 GießenGelnhausen (Gießen ab 16.32 Uhr) werktäglich wieder am Erdkauterweg.

** Kurse in oe r Einheitskurzschrift. Man schreibt uns: Die 1. Reichskurzschriftgesell­schaft Gießen eröffnet am Dienstag, 12. April, 19 Utyr, in der Pestalozzischule, Rordanlage 18, wieder einen Anfängerlehrgang in der Einheits­kurzschrift. Das Unterrichtsgelb ist den heutigen Zeitverhältnissen entsprechend von 12 Mark auf 7 Mark ermäßigt worden. Außerdem erhalten Erwerbslose besondere Vergünstigungen. Zur Fortbildung bieten die gleichfaUs neu beginnen­

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20.30 Uhr, Caf6 Ebel, Iahres-Hauptversammlung. RdZ.: 20.30 Uhr,Aquarium", Monatsoerlammlung. Geflügel, und Vogelzuchtverein: 20.30 Uhr,Pfäl­zer Hof". Monatsoersammlung. Kaoallerieverein: 20 Uhr,Hessischer Hof", Monatsversammlung. Bürgeroereinigung Sachsenhausen-Gießen: 20 Uhr, imFischerhof", Jahres-Hauptversammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Wer nimmt die Liebe ernst ...?"; 22.45 Uhr,Gefahren der Liebe". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg:Giftgas" und Die Launen einer schönen Frau".

Tageskalender für Sonntag. Stadt- theater:Morgen geht's uns gut", 18.30 bis nach 21 Uhr. Oberhessischer Kunstverein: Turmhaus am Brandplatz. 11 bis 13 Uhr. Tischbein-Ausstellung. Kurzschriftoerein von 1861: 16 Uhr.Karlsruhe", WerbeoeranstaUung. Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: 11.15 Uhr,Tabu"; ab 15 UhrWer nimmt die Liebe ernst ...?". Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: Giftgas" undDie Launen einer schönen Frau".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen. Sonntag, 10. April:Mor­gen geht's uns gut". Der Riesenerfolg des Stadt- theater's als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Ope­rettenpreisen. Den Tert dieser Schlagerooerette schrieb nach einer alten Wiener Posse Hans Müller. Die Musik dazu komponierte Ralph Benatzky. Spiel­leitung und Hauptrolle Heinrich Hub. Musikalische Leitung Walter Moehl, tänzerische Gesamtleitung und Soli Ewald Bäulke. Die Rolle der Franzi singt als Gast Eva Herms. Im Rahmen der Ausführung findet eine Frühjahrs-Modenschau von Gießener Firmen statt. Beginn 18.30 Uhr, Ende nach 21 Uhr. Montag, 11. April, geschlossene VorstellungDie tolle Lola". Beginn 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr.

Tab u. Die letzte Filmschöpfung des großen Regisseurs M u r n a u, der FilmTabu", lauft am morgigen Sonntagvormittag auch in der Kulturfilmvorstellung des Lichtspielhauses Bahnhofstraße. 3n glücklicher Vereinigung von Spielfilm und Kulturfilm ist ein Werk geschaffen worden, das die Anerkennung vieler Kinobe­sucher in uneingeschränktem Maße gefunden hat. Der prächtige Bildstreifen fuhrt in die Sudsee, zu jenen lange Zeit unbeschwerten Völkern, die in paradiesischer Raturnähe, in ihrer Unberührt­heit, fremd aller abendländischen Zivilisation ihre Tage lebten und ihren Göttern opferten. Der Film erzählt von der Liebe eines jungen Mannes zu einem jungen Mädchen, dastabu ist, ein Mädchen, das die Ehre des Stammes in sich ver­körpern soll und nicht von einem Manne berührt werden darf. Das Schicksal der beiden jungen Menschen ist in klarer Handlung ausgezeichnet und schlicht wiedergegeben. Vor dem Hintergrund einer lichterfüllten paradiesischen Landschaft spielt sich eine Tragödie ab, die tief berührt. Die Kul- turftlmvorstellung, deren Besuch sehr zu emp­fehlen ist, beginnt um 11.15 Uhr.

Der Gießener H i n d e n b u r g - Au s- schuß veranstaltet heute, Samstag, 20.30 Uhr, im Cafe Leib eine Wahlkundgebung, in der Frau Dr. Schwarzhaupt, Frankfurt a. M., Reichs­tagsabgeordneter Otto Dornemann, Berlin, und Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. Riepoth, Schlitz, über das Thema:Hinden­burg oder Hitler? sprechen werden. Räheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich.

DieRationalsozialistische Deut­sche Arbeiterpartei hält heute, Samstag, 20.30 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine öffentliche Versammlung ab. Der thüringische Landtagsabgeordnete Gunst spricht über das ThemaVorwärts mit Adolf Hitler!" Räheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich

den Fortbildungs-, Redeschrift-, Praktiker- und Liktatkurse in allen Geschwindigkeiten Gelegen­heit. Fachlich vorgebildete und in langjähriger Unterrichtstätigkeit erprobte Lehrkräfte gewähr­leisten eine gründliche Ausbilduncr Ten Kurz- . schriftlern steht die umfangreiche Vereinsbiblio­thek kostenlos zur Verfügung. Räheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen.

Warnung vor Aufkäufern von alten Lebensversicherungen. Der Deutsche Versicherungs-Schuhverband in Berlin schreibt uns: Die Lebensversicherungsgesellschaf- ten sind bekanntlich berechtigt, die Befriedigung fälliger Aufwertungsansprüche und die Aus­zahlung des Rückkaufswertes für Aufwertungs­versicherungen vor dem 1. Januar 1933 zu ver­weigern. Dies hat seinen Grund darin, daß für derartige Zahlungen nur der in der Hauptsache aus Aufwertungshypotheken bestehende Auf- Wertungsstock zur Verfügung steht. Unter den heutigen Wirtschaftsverhältnissen sind aber die Aufwertungshypotheken, ohne schwere Schädigung der Hypothekenfchuldner, nur schwer flüssig zu machen, und es liegt auch nicht im 3nteresse der Versicherten, die vorhandenen Werte etwa zu verschleudern. Das Recht der Gesellschaften zur Hinausschiebung der Zahlungen hat also seine guten Gründe. Bemerkt muh jedoch werden, daß die Gesellschaften den Auszahlungsanträgen der Versicherten im Rahmen der im Aufwertungs­stock vorhandenen flüssigen Mittel stattgeben. Alle Wünsche können sie leider nicht befriedigen. Dies machen sich Leute zunutze, die mit den Altver­sicherten in Verbindung zu treten suchen, um innen die Aufwertungsansprüche abzukaufen. Trotz wiederholter Warnungen fallen leider noch viel­fach die Versicherten auf die Angebote herein.

welche Betrage die Versicherten dabei ge­schädigt werden, ist aus einem kürzlich zur Kennt­nis gebrachten Fall zu ersehen. Der Aufkäufer hatte dem Versicherten 68 bis 70 Mark für seine Versicherung geboten, die die Gesellschaft, da sie über flüssige Mittel im Aufwertungsstock ver­fügte, mit 189.90 Mark zur Auszahlung brachte. Es sei deshalb nochmals dringend vor den Auf­käufern alter Lebensversicherungen gewarnt.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

z Rödgen, 8. April. Auf Veranlassung des Vorstandes des hiesigen Ob st bau Vereins wurde die Schädlingsbekämpfung in den Ob st gärten tatkräftig in Angriff ge­nommen. 3n einem Gemarkungsteil konnten sämtliche Zwetschenbäume mit Obstbaumkarboli- neum bespritzt werden. 3m nächsten Jahr soll der übrige Bestand an die Reihe kommen.

/ Lich, 8. April. Am 1. April trat Lehrer Schneider in den Ruhestand. 42 Jahre wid­mete er seine Dienste der hiesigen Schule. Durch seine hohe Berufsauffassung, sein umfassendes Wissen und seine trefflichen Charaktereigenschaf­ten war er sowohl bei seiner vorgesetzten Behörde, als auch bei seinen Kollegen und den Kindern sehr beliebt. Reben feinem Beruf als 3ugcnb- erzieher beschäftigte er sich besonders mit der Erforschung der Geschichte der Stadt Lich und ihrer Umgegenb. Er darf wohl als einer der besten Kenner der Heimatgeschichte angesprochen werden. Der Verkehrs- und Derschünerungsver- ein, dessen Vorstand er schon lange angehört, ernannte ihn zum Ehrenmitgied. Am Schlüsse des Schuljahres veranstaltete die Schulklasse zu Ehren des scheidenden Lehrers eine sinnige Abschieds- feier

Kreis AlSfelv.

ll. Flensungen, 8. April. Am Mittwoch konnte Frau S p r a n k e l auf eine 2 5 j ä h - rige Tätigkeit als Hebamme zurück- blicken. Der Jubilarin wurden zahlreiche Glück­wünsche zuteil. Die hiesigen Frauen übermittel­ten ihr außerdem ein schönes Geschenk.

ll. Rieder-Ohmen, 8. April. Dieser Tage sand hier ein Vieh- und Krämermarkt statt. Für Ferkel wurden ziemlich hohe Preise bezahlt. Es kosteten Tiere im Alter von 6 bis 8 Wochen 18 bis 20 Mk., 8 bis 10 Wochen alte 20 bis 25 Mk. Der Handel war ziemlich flott.

Kreis Schotten.

* Eichelsdorf, 8. April, liniere Gemeinde beginnt in den nächsten Tagen in Zusammen­arbeit mit dem Arbeitsamt Gießen mit Ent­wässerungsarbeiten in freiwilli - g e m Arbeitsdienst. Durch Drainage eines Teiles derWeide", der unterhalb unseres Dorfes im Riddatale gelegenen feuchten, zum Teil stark versumpften Gemeindewiesen, sollen 25 Arbeits­lose unseres Ortes etwa 20 Wochen Beschäftigung finden. Die Ländereien, die zur Zeit als saure Wiesen wenig einbringen und kaum begehrt sind, sollen nach der Trockenlegung in Ackerland- um­gewandelt werden. Mit dieser Arbeit wird das Bestreben unserer Gemeindeverwaltung fortgesetzt, die großen Wassermassen abzuleiten, die in den tieferen Lagen der Gemarkung Cichelsdorf als hoher Grundwasserstand und ungewöhnlich starke Quellen auftreten und aus landwirtschaftlich schlecht ausnuhbarem, vorzüglichem Boden wert­volles Kulturland zu schaffen.' Leider ist die Drainage sämtlicher Gemeindewiesen unter den jetzigen Verhältnissen nicht durchzuführen, so sehr dies die Sorge um bessere Bodenausnuhung, sowie die Lage vieler Arbeitsloser und Arbeit suchender Kleinbauern unseres Dorfes wünschens­wert erscheinen lassen.

V ® e b e r n, 8. April. 3n der Generalversamm­lung des Pferdeversicherungsvereins Gedern erstattete der erste Vorsitzende Land­wirt Karl Franz III. den Tätigkeitsbericht für 1931. 3m ersten Halbjahr waren 266 Mitglieder mit 348 Pferden, im zweiten Halbjahr 270 Mit­glieder mit 352 Pferden versichert. Zum Ende des Jahres hatten sich aus finanziellen Gründen 17 Mitglieder abgemeldet, so daß der Mitglieder­stand am 1. Januar 1932 «= 253 betrug. 3m Laufe des Geschäftsjahres mußten für 11 Pferde und hwei Fohlen an 13 Mitglieder Entschäbigun- gen in Höhe von 5376,50 Mark gezahlt werden. Die Rechnungsablage erstattete der Vereinsrech­ner Landwirt Karl Franz IV. Bei einer Taxa- tionssumme im Herbst 1931 von 254 100 Mk. wurde am Ende des Geschäftsjahres eine Ein­nahme von 9080,59 Mk. und eine Ausgabe von 7328,86 Mk. festgestellt. Als Vertrauensmann für Gedern wurde Karl Gerl ach III., für Kaulstoh Karl Lahmer, für Wenings Karl ReunV. und für Burkhards Theodor Scha­ler II. bestimmt. Auf Vorschlag des Vorstandes werden in Zukunft für dämpfige Pferde 60 v. H. Entschädigung gezahlt.

Preußen.

Zm Laboratorium tödlich verunglückt.

WSR. Frankfurt a. M., 8. April. Der 50- jährige Chemiker Dr. Rothschild war in fei-' nem chemischen Laboratorium damit beschäftigt ein Zyankali » Präparat herzustellen. Er lieh dabei die nötige Vorsicht außer acht und verunglückte tödlich, indem er sich ver­giftete. Als die Angehörigen nach ihm suchten, lag er tot auf dem Boden des Laboratoriums.

Kreis Wetzlar.

> Wißmar, 8. April. Aus der Ge­meindevertretung: Die Verpachtung der Frühjahrsnuhung der Gemeindewiesen ergab 27,20 Work gegenüber 46 Mk. im Vorjahr. Bei der Prüfung der Wasserliste für 1932 wurde be­schlossen, den Zuschlag für Gewerbetrei­bende von 25 auf 15 Mk. zu ermäßigen. Die Grundtaxe von 8 Mk. ist geblieben, ebenso die Gebühr für Reben- (Garten-) Anschlüsse mit 10 Mark. Für jeden Haushaltsangehörigen über 14 3af>rc und jedes Stück Großvieh werden 1 Mk. zusätzlich erhoben. Auf ,Antrag des Ge­meindevorstehers wurde in seiner Ab­wesenheit beschlossen, seine D i e n st u n k/v st e n - entschädigung für ben Kopf ber Detwlkerung ab 1. April 1932 um 10 Prozent herabzu- sehen. Das frühere OeblanbSchaf- Weibe" ist durch die Reuanlage von 10 Weite­ren Grundstücken bis auf die Kiesgruben vollstän­dig urbar gemacht worden.

^ Krofdorf, 8. April. 3m Freundschen öaale fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Drockmeier eine Sitzung ber Amtsver­tretung bes Amtes Atzbach statt, zu ber auch "Qanbrat Miß (Wetzlar) erschienen war. Heber bie Wieberbesetzung ber Am t s a s s i - st enten stelle entspann sich eine längere De­batte. Es würbe beschlossen, bie Stelle vorerst bestehen zu lassen, sie aber jetzt nicht zu besehen, sondern lediglich einen Lehrling einzustellen. Die Am tsrechnung für 1930 war bereit« durch die Finanzkommission ohne Beanstandung vorgeprüft worden. Die Vertretung setzte die Rechnung in Einnahme und Ausgabe auf 136 397,12 Mk., Sonderrechnung Amt Atzbach 4427,70 Mk., Sonberrechnung für Atzbach und Launsbach gemeinsam 5827,67 Mk. fest. So­dann stand der Haushaltsplan des Am­tes Atzbach für 1932 zur Beratung. Unter Berücksichtigung der Fürsorgelasten erhöhen sich die Amtsumlagen des Amtes Atzbach von 53 000 Mark auf 98 500 Mark, die des Amtes Launsbach von 21 600 Mark auf 55 000 Mark. Der Haus­haltsplan wurde in Einnahme und Ausgabe auf 231 500 Mark festgesetzt. Der durch Amtsumlage aufzubringenbe Fehlbetrag des Haushaltsplanes Atzbach für 1932 im Betrag von 98 500 Mark soll hinsichtlich ber Fürsorgelasten nach bem Ver- teilungsmahstab des Steuersolls hinsichtlich der übrigen Amtslasten nach dem von dem Kreis­ausschuß festgesetzten Verteilungsmodus auf die einzelnen Gemeinden umgelegt werden. Der Vorsitzende wies auf das an ber Berufs­schule in Gießen beginnende neue Schuljahr und auf die für die jungen Leute des Amtsbezirks bestehende Schulpflicht in Gießen bzw. Wetzlar hin. Die Daupolizeigebühren sollen, da der Kreis bei Abführung dieser Gebühren auf 10 v. H. verzichtet, ab 1. April um 10 v. H. gesenkt und ein entsprechender Rachtrag zu der Gebührenordnung erlassen worden. Der Bür­germeister teilte mit, daß ber Hessische Staat für 1931 ben Beitrag be« Amtes zur Berufsschule in Gießen von 2000 Mark auf 1000 Mark ermäßigt hat. Auf Antrag des Verordneten 3 u n g wurde beschlossen, an die