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Nr. 85 Zweites Blatt

Samstag, 9. April 1952

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

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bleiben sie wieder an dem alten verblichenen Stück Marmor hängen, das vom Later ererbt ist und auf dem in verblaßtem Gold die Worte stehen:Ora et labora! Bete und arbeite!

Die Rede geht zu Ende:Ich erinnere an den Gei st von 19 14 und an die Frontgesinnung, die nach dem Mann fragt und nicht nach dem

klopft Hindenburg dem Manne aus die Schulter und sagt:Run rasch das Ding da wieder vom Ich habe heute noch eine ganze beiten!"

gegebene Christine Weiring dieses zarte Ge­schöpf, das von Schnitzler mit allem Zauber einer eben erwachten großen Liebe umgeben ist: sie begann leise, verhalten, fast schüchtern und blühte aus im Ansturm eines glückzitternden, zu jedem Opfer bereiten, von allen Ahnungen und Aengsten heimgesuchten Gefühls: ergreifend der verzweifelte Zusammenbruch vor der grau­samen Erkenntnis eines unerbittlichen Endes.

Hehlers Spielleitung hatte eine sehr ab­gerundete, allen feinen Ruancen des Schauspiels liebevoll nachgehende Ausführung herausgebracht, mit Lerständnis für richtige Besetzung, schwe-

Die Not verging, die Not begann, Gott, gib uns einen, einen Mann, So rief ein Volk, noch ungewiß Des Wunders in der Finsternis.

Ob auch der Orkus widerhallt:

Das Licht, es ward in dir Gestalt: Man wußte wieder, daß man liebt. Daß Demut cs und Treue gibt.

Du warst Soldat du bist Soldat, Aus deinem Wort erwuchs die Tat.'

Des Opfers letzten Sinn versteht. Wer treu in dir mit Deutschland geht!

Man wird auch in diesem Stück aufs neue be­kräftigt finden, daß mit seinem Schöpfer ein echter Dichter dahingegangen ist, ein Kenner des menschlichen H^ens. dem es gegeben war, lebendiges Leben in aller Unmittelbarkeit und Fülle des Gefühls einzufangen in seinen Stücken und in wirklichen, atmenden Gestalten auf seine Bühne zu stellen.

Alles in diesem Drama ist charakteristisch für seinen Schöpfer wie für die Umwelt, aus der es hervorgegangen ist: ein leiser Hauch von der längst rx^flogenen Atmosphäre des alten Wien: Figuren, die den Dichter immer wieder beschäf­tigt haben, und die typischen Motive, die er immer wieder in seinen Dramen und RoveUen aufgegriffen und neu geformt hat.

Die alte Weise von Liebe und Tod. vom süßen Mädel und vom jungen Herren, von der echten Leidenschaft eines großen Herzens und vom ver­spielten Stundenglück eines zerflottcrnden Ge­fühls. Mit sicherster Beherrschung lind die drei Akte gebaut, aneinandergereiht, innerlich und

theatralisch gesteigert: die leichtsinnig-ausgelassene Fröhlichkeit eines Frühlingsabends, in den jäh­lings der Schatten des nahen Verhängnisses ein- bricht: die schmerzlich-süße, kurze Abschiedsstunde der Liebenden: die graue Verzweiflung des trost­losen und unwiderruflichen Ausklangs.

Das heitere Widerspiel, der andere Typus des süßen Mädels ist die Mizi Schlager: Elisabeth W i e l a n d e r gab diese naive, gutmütig-un­bedenkliche und lustige Person in voller Ratür- lichkeit und Leichtigkeit, unverfälscht in Tonfall und Haltung, unmittelbar aus wienerischem Tem­perament und Gemüt.

S ch e l ch e r als Lobheimer traf geschickt die sehr Schnitzlersche Figur des fahrigen und ober­flächlichen, zwischen echten und halbechten Emp­findungen schwankendenjungen Herrn", der weder der Liebeskraft des Mädchens noch dem über ihn hereinbrechenden Verhängnis innerlich gewachsen ist.

Ians check als Theodor: netter Kerl, guter Kamerad, vergnügt, unbekümmert und hilfsbereit. Eine sehr hübsch ausgetüftelte, treffsichere Charge war die Frau Binder der Agathe Walther- Lederer: eine richtige kleinbürgerliche Ratsche mit hemmungslosem Mundwerk und instinktiver Witterung. Geiger gab warmherzig und be­hutsam den Violinspieler Weiring, Hauer knapp und scharf pointiert denHerrn".

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lüißvijniche, Blumen- eine anläßlich unserer Hvrechenwirunieren en Dank aus 022,8 »MM UM

Als Vorspiel sah man den anläßlich des Theater- Werbetages im vorigen Herbst bereits besproche­nen Rokoko-EinakterDer verwandelte Komödiant" von Stefan Zweig unter Kühnes Regie und mit Brucks prächtiger Leistung in der Titelpartie.

Beide Aufführungen fanden reichen Beifall, hth.

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Gießener Gtadttheater.

Arthur Schnitzler:Liebelei".

Den verstorbenen Wiener Dichter zu ehren, war kaum ein Werk besser geeignet, als dieses Schauspiel, das immer zum Besten und Bleiben­den in Schnitzlers künstlerischem Schaffen gehören wird. Es ist schon bald vierzig Jahre alt (1894 geschrieben) aber wenn man auch anfangs noch gelächelt haben mag über die Mode des ausgehenden vorigen Jahrhunderts, mit der es angetan ist. über die verschollenen Schoßröcke, Mantillen. Hüte und Bänder -: es ist. dies wird man im Ablauf der drei Akte immer mehr ge- spürt haben, aller wehmütige Glanz, die zarte und traurige Anmut der versunkenen Welt alten Oesterreich^kumes darüber ausgegossen.

bende Stimmung, theatralische

Löfflers Bühnenbilder gaben

am Main ww tat 4.M- it3.Okt.1932 Auftrieb 700 Pferde alL liachtpferde. größte Aos- jeleieflheit für Ked oder Äeser Märkte^ npfehlen. 2'MV Sonntags rerboten.

Wenn das Alter ist wie die Jugend, gewinnen achtzig Jahre erst wahre Bedeutung. Die mögen dem Menschen manches nehmen, eines geben sie ihm: sie heben ihn heraus aus der Ebene und führen ihn auf einen hohen Berg, nicht als auf ein Postament der Heiligenverehrung, sondern zu einem ileberblid und Ausblick. Von der Höhe des Alters und der Erfahrung sieht die Welt anders aus als von der Plattform des täglichen Ringkampfes. Die Unterschiede der Dinge und Menschen vermindern sich oder ver­schwinden. Wer so oft gesehen hat, wie Großes klein wird, wer so viel hat stürzen sehen und auch so vieles neu wachsen, wer durch Sieg und Rie- derlage hindurchgegangen ist. urteilt über das Tagesereignis mit ruhigerGelassenheit. Wer so diele Menschen sah, unterscheidet die Einzelnen nicht mehr allzu kritisch voneinander. So gibt das Alter dem Charakter Hindenburgs die letzte Reife, die Ruhe, die Sicher­heit. So wird er uns zum Symbol des Blei­benden im Wechsel der Zeit.

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Wie Hindenburg zum deutschen Volke sprach.

Ein Au.ieiizenqcn-Bcrlcht

ans dem Meichspräsidcntcn-Palais.

(Rachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Don besonderer Seite erhalten wir die folgende Darstellung aus dem Reichs- präsidenten-Palais. Sie berichtet, wie Hindenburg in seiner großen Rund­funkrede vor dem ersten Wahlgang zum * ganzen deutschen Volke sprach.

Mehr sein, als scheinen!"

Rachdcm die Studenten und Handwerker, ine Offiziere und Gewerkschaftler gegangen sind, nach­dem die Vertreter aller Schichten des deutschen Volkes ihm Aug in Aug gegenubergestanden haben ist es im Palais des Reichspräsidenten D. Hindenburg ruhiger geworden

Die Rächt, bevor er zum deutschen Volke spre­chen will ist er allein in seinem Arbeitszimmer. Er entwirft die Rede. Als am nächsten Morgen die Herren seiner Umgebung bei ihm eintreten, liegt vor ihm ein kleiner Stoß Manu- 'kriptpapier. mit festen, ruhigen Schriftzügen ^ deckt. Zu seiner Linken auf dem Schreibtisch steht, seltsamer Kontrast zu den beiden Telephon­apparaten. d i e B i b e l, mit schönem Goldschnitt verziert, ein Geschenk der Mutter das if)n fein ganzes Leben begleitete. Zu seiner Rechten mahnt ein Bild des großen Schweigers Moltke und eine Widmung:Wehr fein als scheinen.

Hindenburg reicht das Manuskript herüber und lagt freundlich: ..Lesen Sie! Es finö Worte'" Die Mitarbeiter verbeugen numm. Sie wissen es: Hindenburg gestattet nicht. daß an seinen eigenen Worten etwas geändert w r .

Schnee und Sonne füllen den Garten des Pra- fidenten-Palais. Während oben das Mikro­phon auf dem Schreibtisch aufg^baut wird, geht Hindenburg im kurzen Pelzund mit grünem Iägerhut. so wie er es am liebsten hat auf den verschneiten Wegen auf und aK Die beiden Enkeltöchterchen an der Hand: ..Groß­papa. erklär' uns doch mal, wie das mit dem Radio ist!"Kinder, da kann man viel er­klären. das versteht ihr noch nicht ganz!

Die Kinder haben sich von der Hand des Großvaters losgemacht und werfen mit e-chnee- bällen von denen einer auch den Pelz des Groß vaters' trifft.Ra wartet mal!", ruft der: greife Feldmarschall, und für einen kleinen Augenblick überzieht fein sonst so ernstes Gesicht ein Schmun­zln Und er bückt sich, als wolle auch er einen Schneeball aufheben m

'©ine Stunde später. Alle ^uten *m Pra sidenten-Palais werden sorgfältig geschlossen Eine feierliche Stille liegt über dem Ar-

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Hindenburgs Bild.

Don Hans von Seeckt, Generaloberst a. D. und ehem. Chef der Heeresleitung.

Seeckt gilt als ein schweigsamer Mann. Das hindert nicht, daß er als Militär- schriftsteller, wie feine großen Vorgänger Moltke und Schlieffen, eine glänzende Feder schreibt. Eine Reihe feiner Studien ist unter dem TitelGedanken eines Soldaten" im Verlag für Kulturpolitik erschienen. Dieses Buch eines Mannes, der als Heer­führer wie als Reorganisator des deutschen Heeres nach dem Zusammenbruch von glei­chem Erfolge war, enthält auch diesen Auf­satz über Hindenburg? der gerade in diesen Tagen besonders interessieren wird.

Bei der Begegnung mit einer Persönlichkeit von weltgeschichtlicher Bedeutung drängt sich dem Beobachter die Frage auf, in welcher Form das Bild dieser Gestalt der Rachwelt am wahrsten erhalten, der nicht mit eigenen Augen schauenden Mitwelt am reinsten dargestellt werden kann.

Die Schilderung und Würdigung des General- foldmarschalls von Hindenburg durch die Feder des Geschichtsforschers wird kommenden Jahren überlassen bleiben müssen. Sein Charakterbild wird zwar schon heute kaum von der Parteien Gunst und Haß verwirrt: aber die Wellen der wechselnden Zeitströmungen, die Tageseinflüsse des politischen Kampfes, trüben zu leicht noch den Blick der Gegenwart.

Das Bild des Feiernden und damit den Men­schen selbst abschließend, erschöpfend mit dem Pinsel oder der Radel festzuhalten und zu ver­ewigen, scheint schwer. Alles drängt in der Ge­stalt und dem Wesen zur Plastik: hier ist nichts Malerisches, ober bedeutende Form.

Sehen wir uns nach dem Material um, in dem wir Hindenburgs Züge gestaltet wissen möchten, so ist es nicht der Marmor, in dem uns Griechen­land seine großen Männer, Rom seine Cäsaren übermittelte. Unter der feinen Haut des Steins jagen Gedanken, toben Leidenschaften. Richt an italienische Bronzen dürfen wir denken, die das Rätsel problematischer Raturen ungelöst lassen. Wir wollen näher, wollen auf eigener Erde den Stoff suchen, in *bcm wir uns das Bild dieses deutschen Mannes formen. In unseren alten Tomen, unter den Schätzen unserer Museen finden wir die wunderbaren Holzskulpturen des Mittel­alters. Fest geschnitzt und doch leicht ae^-nt, be­stimmt und klar das Gebäude des Leibe Z. alle Flächen durch den Ton gemildert, die ocele aus dem Innern leuchtend, nicht stark, aber ruhig. Könige und Heilige sind es zumeist, die nie eines Lebenden Auge auf Aehnlichkeit prüfte, die aber

Mythos Hindenburg.

Äon Wilhelm von Scholz.

Die meisten von uns werden sich noch leben­dig erinnern, welch ein erschütternder Eindruck die zuerst als ein Blitz aufzuckende. dann immer höher, immer heller zu einem ungeheuren Leuchten an­wach sende, immer größere, weitere Folgen ver­heißende Rettungstat von Taniienberg in uns allen hervorrief: welche Stürme von Ge­fühl. gleichzeitig von Dank wie von Schauder und graufenbem Erkennen der eben überwundenen To­desgefahr durch Deutschland yergingen.

Und inmitten dieses Gefühls, dieses Aufatmen« aus gepreßter Angst, dieses Sicheinswissen vieler Millionen Deutscher zum erstenmal der unbe­kannte. neue Ramc: Hi ndenburg ! Für da« Volk und die vielen: wie aus dem Richts entstan­den, schicksalgesandt. aus Wolken bervorgetreten, Retter in höchster Rot.

Dann, um Wochen später, kam fein Bild, das zu dem dunkelklingenden Ramen und der mit je­dem Tage größer erscheinenden, für die Lage be­deutsamer werdenden Tat gut stimmte: eine mäch­tige, ungefüge, schwere Gestalt kein eleganter, schneidiger General ein quadratischer, wie au« Stein gemeißelter Kopf. fiug. urteilsstark, doch kindhaft: ein Mann, nicht nur führend, sondern auch geführt, sicher innerlich und unbewußt: irgend­wie deutscher Tßp. Held aber Held der Sage mehr als des mobernen Krieges, gerade des­halb so die Herzen des Volkes gewin­nend. die ihn mit längst zu reinen Sagengestal­ten gewordenen Männern, die auch einst wirkende Personen waren, wie dem getreuen Eckehart, in eins sahen: mit solchen Gestalten, die nicht bloß klug und groß sind, sondern and) volkhaft, dunkel, dumpf, in Treue, in Rechtlichkeit befangen und immer fest, unerschütterlich.

Hindenburg kam uns gleich mythisch zu Bewußt­sein in jenen Wochen, die mit der Folge beti Heeresberichte über Tannenberg in rascher, phan­tastischer Steigerung sein Bild im Volke schufen. Unb eher ist später fein Dilb vom Mythischen wie­der zum Menschlichen. Irdischen ein wenig zu­rückgeglitten. seit er als Oberhaupt und Repräsentant der Ration vielfältig in Erscheinung trat und der Allgemeinheit gewohnt wurde. Gewählt aber hat das Volk zum Reichs­präsidenten damals den mythischen Mann, der er noch Tannenberg, der dem Volk einmal als vom Schicksal gesandt, begegnet war Das Volk fragte nicht nach Politik, nach Rechts oder Links bei dieser Wahl, sondern war sich in seinem Tiefsten gewiß, daß es nicht einen kleinen Parla­mentarier und Politiker wollte mit einem Partei­programm, wenn ein Führer da war, der au« tieferem, dunklerem Wurzelgrund aufstand als au« kleinen Einsichten. Eine alte Frau wurde ge­fragt, wen sie zum Präsidenten wählen würde. Sie sagte als ganz selbstverständlich:Hinden­burg". Dann auf die Frage, warum gerade ihn und nicht einen der anderen Kandidaten:Hin­denburg ist der einzige von ihnen, den ich kenne." Das Doll kennt den mythischen Menschen, den Schicksalsmenschen, wenn es von ihm einmal ge­hört hat: denn es ist ihm dunkel verwandt, näher verwandt als dem geschickten Manne, der den Vor­teil des Volkes will, der klug ist und die Zeit versteht, aber nichts Schicksalhaftes, Großes an sich hat. Die alte Frau kannte von den Kandi­daten nur den Hindenburg, den sie nie gesehen hatte leiblich, aber der vor ihrer Seele stand, vor der Seele des Volkes stand, wie seine Gestalt in den ungeheuren Erregungen der ersten Kriegszeit als die Gestalt des Hüters, des Ret­ters, des Beschützers entstanden war. Denn, da«

fomSlojkerwlefenen danlen wir herzlich

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doch Menschen waren und sind und zu noch mehr wurden, zu Symbolen.

Den kraftvoll und lebendig, durch achtzig Jahre ungebeugt unter uns stehenden Mann heute zum Bildnis zu machen oder gar zum Heiligen zu erhöhen, liegt dem Gedanken fern.

Doch wenn wir heute die Persönlichkeit Hinden­burgs betrachten, so erscheint es wichtiger und an gerne) jener, als Charaktereinzelheiten zu suchen und Taten zu preisen. die Bedeutung

des Mannes im Leben unseres Volkes

zu prüfen. So nennen wir ihn ein

Symbol unserer Zeit, das Symbol der Hin­gabe an den Dienst, die Pflicht, den Staat. Er wuchs hinüber aus dem alten Preu­ßen. wo die Wurzeln feiner Kraft lagen und noch liegen, in das neue Reich unserer Tage. Er hat sich im Wesen nicht verändert und nicht zu ver­ändern brauchen, weil wohl die Aufgaben wechsel­ten, nicht der Grund, von dem aus er zu ihrer Lösung schritt. Gegenüber dem Muß der Pflicht wird Wesentliches zu Erscheinungsformen.

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beitsraum des ersten Mannes vonDeutschland. Auf I Stühlen an der Wand haben einige Herren aus | dem engsten Kreis des Reichspräsidenten Platz genommen. Rur der Mann vom Rundfunk be­findet sich in der Rähe des Schreibtisches. Hin­denburg siyt am Schreibtisch. In seinem Gesicht, dessen Züge von einem großen und schweren Leben der Pflicht erzählen, zuckt und wettert es.

Einen Augenblick atemlose Stille, Hinden­burg ist bereit. Leise tritt der Rundfunk-Inspi- zient auf ihn zu und flüstert:Roch etwas mehr Abstand vom Mikrophon, Herr Reichspräsident!'

Deutsche Männer und Frauen!"

Dann leuchtet eine rote Lampe auf dem Schreibtisch auf. Hindenburg beugt sich etwas vor. Der Schäferhund Rolf zu seinen Füßen, der allzeit treue Begleiter, spitzt die Ohren ...

Und mächtig hallt es durch den Raum: Deutsche Männer und Frauen! Wuch­tig, schwer und doch von kristallener Klarheit ist ' diese Stimme, befehlsgewohnt, oh, man kennt sie so gut in diesem Raum! Wie oft ist sie hier erklungen, wenn es sich um eine Ent­scheidung in schwerster Stunde handelte? Jetzt ballt sich die Hand zu einer Faust, hebt sich, um wuchtig auf die Schreibtischplatte herunterzu- sinken:Ich kann nicht glauben, daß Deutsch­land im inneren Hader und im Bürgerkrieg ver­sinken soll!"

Wie oft haben sich im Laufe der letzten sieben Jahre in diesem Zimmer Parteienzank und Par­teienhader in Einigkeit verwandelt! Hindenburg spricht .. . Immer freier wird seine Rede.

Irgendwo in einer Zelle sitzt ein Rundfunk­techniker. der den Verstärker bedient und die Stimme auszugleichen hat. Er ist Spezialist für große Politiker, und arbeitet fieberhaft, um na­mentlich in den tiefen Lagen der Stimme Hinden­burgs gerecht zu werden. Auch anderswo Und die Techniker bei der Arbeit. Die Rede, die aus der Wilhelmstraße kommt, wird ja gleichzeitig auf Schallplatten aufgenommen.

Der nächste Lautsprecher steht nur ein paar Räume weiter, in der Wohnung der Hindenburgs. Die kleinen Enkelkinder sind beson­ders sachverständige Hörer. Als später die Stimme im Lautsprecher anschwillt: ..... daß ich nicht gewillt bin. die in letzter Zeit über mich verbreiteten Unwahrheiten unwiderlvro- chen zu lassen!", sagt eines der kleinen Mädchen: Horch, jetzt ist Großpapa böfe!" Und zur gleichen Zeit zieht sich Wohl der Schäferhund Rolf im Arbeitszimmer von den .-süßen des Reichspräsidenten zur Türe hin zuruck Er weiß es. in solchem Augenblick ist mit dem alten Herrn nicht gut Kirschen essen .

Schon zehn Minuten spricht Hindenburg. Das Glas Wasser vor ihm ist unberührt, die Stimme voll ungeminderter Kraft. Von Zeit zu Zeit hasten die Augen auf dem Bild Moltkes. Dann

Stande oder der Partei ..."

Die rote Lampe verlöscht. Hindenburg lehnt sich zurück. Die Herren treten auf ihn zu, schüt­teln ihm stumm die Hand ...

Eine Weile herrscht Stille in dem Raum. Dann vom Rundfunk

Oben links: Der erste Bürger des Staates bei der Erfüllung feiner Wahlpflicht. Oben rechts: Das Staatsoberhaupt empfängt die Vertreter der fremden Mächte. Unten links: Der Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht. Unten rechts: Freund und Vorbild der Jugend.

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