zn« großen Schlacht fn $raivfcctc6. — es war nur möglich, weil Hindenburgs unerschütterliche Festigkeit und Klarheit die notwendige Ruhe und Siegesgetoihhcit ausstrahlte! Sr war der Treuhänder für alles und alle? DaS blieb er auch nach dem Zusammenbruch, als es letzten Endes nur seiner Persönlichkeit zu verdanken blieb, das; die zermürbte, aber im Kern noch immer wunderbare deutsche Armee das^llnmögliche möglich machte, - die deutsche Grenze in fester Haltung überschritt und die deutsche Heimat vor dem Bolschewismus bewahrte?
Und doch, trotz dieser unauslöschlichen Verehrung des Feldmarschalls, werde ich ihm bei
der bevorstehenden Wahl nicht aus Treue, nicht aus Dankbarkeit meine Stimme geben, — sondern nur aus vaterländischem Empfinden und Denken heraus, nur, — — weil die Vernunft, die mir Gott gegeben hat, dies fordert, nur weil ich glaube und fest davon durchdrungen bin, dast wir Deutschen uns den Luxus einer anderen Wahl beim besten Willen jetzt nicht leisten können! llnserm Herrgott müssen wir auf den Knien dafür dankbar sein, daß Hindenburg wieder bereit ist, seinem Volk ein Opfer zu bringen. Innen- und außenpolitische Gründe zwingen mich, den alten Soldaten, den Richtparteimann, zu dieser Einstellung!
Än Wer Ausruf des Hindeuburg-Ausschufses.
Berlin, 8. April. (TU.) Die Hauptgeschäftsstelle der Hindenburg-Ausschüsse veröffentlicht einen Aufruf, in dem es u. a. heißt:
.Der Verlauf des vor dem Abschluß stehenden zweiten Wahlkampfes um die Reichspräsidentschaft hat dem Ausland die Bedeutung der Wahl am 10. April klar vor Augen geführt. Millionen und aber Millionen fühlen sich in diesen Tagen von einer gewaltigen Welle der nationalen Leidenschaft erfaßt. Niemand denkt mehr daran, sich der Wahlpflicht etwa deshalb zu entziehen, weil er die Wahl des Reichspräsidenten v. Hindenburg für gesichert hält. Ieder weih jetzt, daß es um viel größere Dinge geht. Es geht um die Geschlossenheit der Volksgemeinschaft gegenüber der Welt, um die Einigkeit der Ration in einem Augenblick, wo die entscheidenden Schlachten des deutschen Freiheitskampfes bevorstehen.
Gewiß verbürgen die 18,5 Millionen Stimmmr, die sich am 13. März auf den ehrwürdigen Ra- men Hindenburg vereint haben, den Sieg am zweiten Wahltag. Aber es wäre ein tief beschämendes Bild, das Deutschland der Welt zeigen würde, wenn es seinen besten Mann, dem .ersten im Kriege", dem ersten im Frieden und dem ersten im Herzen seiner Mitbürger an diesem Tage nicht eine ganz überwältigende Vertrau-
enskündgebung bereiten würde. Führende Politiker, die im ersten Wahlgang Hindenburgs Gegner waren, wie der Kammerherr von Olden- burg-Ianuschau, haben ihre freudige Genugtuung darüber ausgesprochen, daß sic nunmehr unbeschadet ihres Standpunktes in Fragen der Innenpolitik, ihrer tiefen Verehrung für die Persönlichkeit Hindenburgs Ausdruck geben können.
Wer sich der Dankesschuld gegenüber unserem besten Mann und wer sich der politischen Rotwendig ke itdergroßenStunde bewußt ist, und wer dennoch aus Gleichgültigkeit oder falscher Sicherheit der Wahl fernbleibt, der handelt charakterlos, der schaltet sich aus von der Front der pflichtbewußten und deutschempfindenden Männer und Frauen, der schädigt den deutschen Freiheitskampf!
Riemand darf sich die überragende Bedeutung dieser Stunde verdunkeln lassen. Es darf keine Stimme bei der Wahl fehlen! Greise, Kranke und Gebrechliche finden bereitwillige Wahlhilfe. Ohne Wahlschein darf niemand, auch nicht auf die dringendste Reise gehen. Wer will sich später schämen, daß er an diesem Ehrentag der Ration, daß er bei dieser bedeutungsvollen nationalen Kundgebung nicht dabei gewesen ist?"
Heuer Scheringer-Prozeß vor dem Reichsgericht.
Leipzig, 8. April. (WTB.) Unter großem Publikumsandrang begann vor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts die Verhandlung gegen den 28jährigen Reichswehrleutnant a. D. Richard Scheringer wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Unterstützung einer staatsfeindlichen Verbindung. Aus dem Lebenslauf Scheringers ergibt sich, daß Sch. während der Ruhrbesehung vom französischen Kriegsgericht in contumaciam zu zehn Iahren Zwangsarbeit verurteilt worden ist. Er lieh sich bei der sog. Schwarzen Reichswehr anwerben und beteiligte sich am Küstriner Putsch. 1928 wurde er Leutnant. Im Oktober 1930 wurde er vom Vierten Strafsenat des Reichsgerichts wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Iahr sechs Monaten Festung verurteilt, lieber den dann eingetretenen Gesinnungswandel Scheringers erklärte der Angeklagte u. a.: Wir hatten von der Ra-- tionalsozialistischen Partei die Vorbereitung zur Revolution zu erwarten. Das konnte in dem damaligen Prozeß nicht zum Ausdruck kommen, weil er in dem trüben Licht der beschworenen Legalität stand. Wir folgten Hitler noch einen Schritt in den Sumpf, obwohl er damals schon an der Partei zweifelte. In der Untersuchungshaft hatte ich mich bereits mit den ökonomischen Lehren von Karl Marx befaßt und daraus ersehen, daß die Befreiung der Arbeiterschaft, von der die Befreiung der Ration abhängt, nicht von ein paar Reformen abhängig sein könne. Die Rationalsozialistische Partei ist nicht eine sozialistische, nicht eine Arbeiterpartei, sondern sie ist der Ausfluß revolutionär gewordener Mittelschichten, die auf eine Besserung hoffen. Weil Hitler in das Fahrwasser des Bürgertums und damit der Privatwirtschaft geriet, mußte er national und sozial versagen.
Scheringer ist nach seiner Darstellung Mitte Februar nach Berlin gefahren und hat dort versucht, sich über die damalige politische Stellungnahme der Rationalsozialistischen Partei zu unterrichten. Auf der Eisenbahnfahrt nach München hätte er dann Goebbels die Kernfrage vorgelegt: .Wie will man die Zinsknechtschaft breche n?" Goebbels habe gesagt: .Das mit der Brechung der Zinsknechtschaft, das ist ja ein Federscherz. Unsinn, da kriegt ja der das Brechen, der das lesen muß." Auf seine Frage, wie die Partei an die Macht kommen werde, habe Hitler erklärt: Die Partei wird den legalen Weg einhalten und auf legalem Wege zur Macht kommen. H. habe sich auf weitere politische Fragen nicht eingelassen und sodann auf den stolzen Dau des Braunen Hauses hingewiesen, vor dem Bonzen in ihren Regierungsgebäuden vor Reid erblassen müßten. Run habe Sch. klar erkannt, daß die RSDAP. nicht die Arbeiterschaft vertrete.
Im weiteren Verlauf des Prozesses wandte sich die Verhandlung sodann den einzelnen Erklärungen und Schreiben Scheringers aus der Festungshaft zu. Mit Rachdruck erklärte der Angeklagte, daß jeder einzelnen Veröffentlichung ein besonderer Anlaß zugrunde liege und daß sie nicht, wie die Anklage behaupte, miteinander in systematischem Zusammenhang stehen und den hochverräterischen Zielen der Agit-Prop-Abteilung der KPD. dienen sollten. Durch seine Erklärung an die kommunistische Reichstagsfraktion im besonderen habe er lediglich seine Meinung kundtun wollen. Die KPD. bekenne sich zur Revolution, aber nicht zur Verhetzung.
Am zweiten Taa des Hochverratsprozesses stellt der Verteidiger, der kommunistische Abgeordnete Rechtsanwalt Obuch, den AntragaufH asten t las sung Scheringers. Zur Begründung führt er aus, daß man den Gegenstand der Anklage in dem Begriff .literarischer Hochverrat" zusammenfassen könne. In derartigen Fällen literarischen Hochverrats sei es bisher immer üblich gewesen, daß die Angeklagten auf freiem Fuße blieben. Es liege auch weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr vor. Der Reichsanwolt widersprach dem Antrag. Es sei bekannt, daß zahlreiche Kommunisten sich durch die Mucht nach Rußland der Verantwortung entziehen. DerSenat beschloß, die Aufhebung des Haftbefehls gegen Scheringer abzulehnen.
Es wurde dann in die Zeugenvernehmung eingetreten. Oberleutnant a. D. Wendt,
der im Ulmet Reichswehroffizierprozeh zusammen mit Scheringer und Ludin verurteilt worden war und mit Scheringer eine Zeit lang die Zelle in Gollnow teilte, äußerte sich über die' Absichten, die Scheringer mit seinen Kundgebungen von Gollnow aus verfolgt habe. Die Verhandlung wurde dann auf Samstag, 9.30 Uhr, vertagt.
Ein nationalsozialistisches Dementi zu Scheringers Aussage.
Berlin, 8.April. (TU.) Die „Lüyenabwehr- stelle" der NSDAP, verbreitet eine Erklärung, wonach die von Scheringer in seinem Hochverratspro- zeß vor dem Leipziger Reichsgericht aufgestellte Behauptung, Dr. Goebbels habe ihm gegenüber die Brechung der Zinsknechtschaft als „Federschen Unsinn" bezeichnet, nicht der Tatsache entspreche, vielmehr habe Scheringer auf der Reise von Berlin nach München Goebbels seine Auffassung über das Zinspro - blem dargelegt, die in den Hauptzügen schon stark von kommunistischen Gedankengängen beeinflußt gewesen sei, und diese Auffassung habe Goebbels als der Federschen Widerspichend und unsinnig bezeichnet.
Etatsberatung im hessischen Landtag.
Darmstadt, 8. April. (WHP.) Der Finanzausschuß des Landtags besprach heute die Vorbemerkungen zum Etat, die angenommen wurden mit Ausnahme einer Ziffer 5, wonach beim Abbau von Inhaber stellen eine Inhaberstelle durch zwei der nächstniederen Laufbahn erseht werden kann. Don den allgemeinen Anträgen wurde zunächst der nationalsozialistische auf Neuordnung der Staatsleitung besprochen. Die Mehrzahl der Punkte dieses Antrags wurden zurückgestellt. Mit 7 Stimmen der Rationalsozialisten und Kommunisten gegen 3 Stimmen bei 2 Enthaltungen wurde der Absatz des Antrags angenommen, der eine Kommission zur Rachprüfung für weitere Ersparnisse in der Verwaltung aus vier Mitgliedern des Landtags und vier Deamten eingesetzt wissen will. Gemeinsam behandelt wurden noch Anträge der Rationalsozialisten, das Gehalt des Staatspräsidenten auf 12 000 Mk. und die Ministerpenfionen und Höchstgehälter auf die gleiche Höchstgrenze herabzusehen, sowie der sozialdemokratische Antrag, der die Vorlage eines hessischen Besoldungsgesetzes nach folgenden Gesichtspunkten verlangt: Höchstbetrag für Gehälter 12 000 Mk., Schonung der unteren Beamtengruppen, Prüfung, ob eine Zusammenlegung von Besoldungsgruppen und eine Verringerung der Stufen innerhalb der Gruppen einen gerechten Ausgleich der zahlreichen Besoldungsmißstände schasst, und Anpassung der Pensionen an die geänderten Gehaltssätze. Rach einem Gutachten des Justizministeriums widerspreche der Antrag der Reichsverfassung. Der sozialdemokratische Antrag wurde in feinen einzelnen Teilen bei 7 Enthaltungen angenommen. Die übrigen allgemeinen Anträge wurden zurückgestellt.
Oie Spitzenkandidaten der Nationalsozialisten in Preußen. Berlin, 7. April. (VDZ.) Wie der Pressedienst der RSDAP. mitteilt, hat Hitler in einer letzten Unterredung mit dem preußischen Wahlleiter der Partei, Kube, die Spitzen- kandidaturen für den Landeswahlvorschlag endgültig festgelegt. An der Spitze marschieren die vier alten preußischen Abgeordneten: Kube, Haake, Lohse und Kerrl. Ihnen folgen die beiden im Oktober 1930 an Stelle der in den Reichstag gewählten Landtagsabgeordneten Rach- gerüdten: Hinkler und Wei mich. Dann folgt Prinz August Wilhelm von Preußen. Die übrigen Kandidaten entsprechen dem Wunsch und dem Willen des Führers der Partei, insgesamt werden 50 Kandidaten auf dem Landeswahlvorschlag angeführt werden. Außerdem sind in den 23 preußischen Wahlkreisen rund 600 Wahlbewerber auf den Listen verzeichnet. Erwähnt fei noch, daß auf der Landesliste als Achter der bekannte Oberleutnant Schulz steht.
Das Ende derLondonerKonferenz.
Das Gchlußprotokoll.
Gegenseitiger Meinungsaustausch wird fortgesetzt.
London, 8. April. (2DIB.) Die viermächke- fonferenj trat heule vormittag unter dem Vorsitz Macdonalds im Foreign Office zusammen. Rach Schluß der Sitzung wurde folgendes (Kommunique ausgegeben: Die auf der Konferenz vertretenen Regierungen find darüber einig, daß die finanzielle und wirtschaftliche Lage der vonauländer raschefl planmäßiges handeln sowohl seilens der Donauländer als auch anderer Staaten erfordert, wenn sie auf eine gesunde Grundlage gestellt werden soll. Sie sind ferner darüber einig, daß ein solches handeln im Interesse der wirtschaftlichen Wiederherstellung Europas liegt und ein erster Schritt auf diesem Wege fein kann. Als Ergebnis der Beratungen der Konferenz find eine Anzahl wirtschaftlicher Punkte aufgetaucht, die weitere Prüfung und weitere Erhebungen erfordern. Die bevorstehenden Genfer Tagungen würden in der nächsten Woche auf alle JäUe die Fortsetzung der gegenwärtigen Beratungen verhindern. Unter diesen Umständen hat jede der vier Regierungen zugesagt, den drei anderen sobald als möglich eine eingehende Darstel- lung ihrer Auffassungen über die zurück- gestellten Punkte und über die beste Art des weiteren vorgehens zuzustellen.
Oie Auffassung der deutschen Delegation.
London, 8. April. (ERD.) Wie aus dem Kommunique hervorgeht, hat die Konferenz kein greifbares Ergebnis gehabt. Von deutscher Seite war bekanntlich von Anfang an daran gezweifelt worden, daß in der kurzen Zeit von drei Tagen ein genügendes Resultat zustande kommen werde. Die Erörterungen haben f o weitgehende Meinungsverschiedenheit e n in der Frage der Zusammensetzung einer Donaukonferenz, der Meistbegünstigungen, sowie in der 5rage der Präferenzen ans Licht gebracht, daß eine gründliche Vorber ei tung im Sinne des veröffentlichten Kommuniques notwendig ist, bevor eine endgültige Lösung des Donauproblems in Aussicht gestellt werden kann. Es ist zu erwarten, daß der Faden in wenigen Tagen in Genf weitergesponnen werden wird. Don deutscher Seite ist in London alles bis an die Grenze der Vereinbarkeit mit lebenswichtigen deutschen Interessen getan worden, um eine Lösung herbeizuführen.
Don deutscher Seite wäre ein etwas hoffnungsvollerer und freundlicherer A u s g a n g gewünscht worden, der den Donauländern einige Aussicht auf eine baldige Regelung geboten hätte. Die Memoranden, die die vier Regierungen ausarbeiten sollen, werden sicherlich technischer Ratur sein; denn das Prinzipielle sei bereits gesagt worden. Die deutsche Delegation habe sich heute wiederholt gegenVorschläge wenden müssen, die daraus hinausliefen, daß mit Deutschlands Beteiligung und aus deutsche Ko st en Experimente mit ungewissem A u s g a n g unternommen würden, die erheblichen Schaden oder Opfer von Deutschland fordern.
Wann eine Donau - Konferenz kommen wird, und wie sie aussehen wird, könne heute noch nicht gesagt werden. Die Frage, ob Dul- garten mit einbezogen werden soll ober nicht, bleibe vollkommen offen. Cs bleibt abzuwarten,
wie der Völkerbundsrat Dulgarien im Rahmen der Berichte des Finanzkomitees behandeln wirX In der Sitzung, die heute morgen stattfand, hat Flandin eine formulierte Erklärung abgegeben, in der behauptet wurde, die starreHaltung der Staaten, die nicht bereit sind, auf ihre Rechte der Meistbegünstigung zu verzichten, sei an dem Mißerfolg der Konferenz schuld. Von deutscher Seite wurde Flandin mit entsprechendem Rachdruck erwidert und ihm bedeutet, daß man eine solche Mißdeutung der Lage nicht hinnehmen könnte.
Pariser Echo.
Deutschland sott am Scheitern der Konferenz schuld sein.
P a r i s, 9. April. (ERD. Funkspruch.) I o u r - na l erklärt zur Londoner Konferenz: Wir Franzosen werden alles in allem dieses Abenteuer nicht zu bedauern haben, wenn wir daraus die Lehre zu ziehen verstehen für die Rotwendigkeit und Möglichkeit der französisch-englischen Zusammenarbeit. — „Cre Rouvelle" schreibt: Deutschland hat sich unzugänglich gezeigt und Italien ahmte ihm nach. — „Iournee Industrielle" will melancholisch feststellen können, daß jedesmal, wenn Frankreich sein Europaprogramm hervorhole, es auf Widerstand stoße. Ieht werde Tardieus Erfolg mit einer Forderung Deutschlands verhindert. — „L'Orbre" erklärt, Deutschland werde natürlich nach dem Scheitern der Konferenz den Rumänen erklären: Seht, ihr habt nichts von Frankreich zu erwarten, das eure landwirtschaftlichen Erzeugnisse doch nicht kaufen kann. Kommt also zu mir!‘‘ — „Quotidien" schreibt: Wir haben einen Erfolg Deutschlands erleichtert, den es uneingeschränkt für sich ausschlachtet. Wir haben die Perspektive Mitteleuropa ganz entgegen unseren Absichten wieder in Erscheinung treten lassen.
Der sozialistische „Populaire" schreibt: Die Viereickonserenz ist in Wirklichkeit erledigt. Der letzte „große" Plan Tardieus hat das gleiche Schicksal erlebt, wie alle seine früheren Pläne. Man konnte nichts anderes erwarten. — Das Gewerkschaftsblatt „Le Peuple" erklärt, in Frankreich werde man den Mißerfolg derKonferenz Deutschland und Italien zu- schreiben, und das werde nicht gan$ falsch sein. Aber man dürfe nicht vergessen, tote viele Irrtümer und Ungeschicklichkeiten dem Tar - dieuplan zugrunde lägen. — In der „Vic- toire“ erklärt Gustave Herve: Der Donauplan ist erledigt, da Italien und Deutschland ihn um keinen Preis wollen. Wären wir an Deutschlands Stelle, dann würden wir genau das gleiche tun.
Englische Bläiierstimmen.
London, 9. April. (WTB. Funkspruch.) „Daily Expreß" schreibt: Zusammenarbeit ist oft ein Wort auf den Lippen der französischen Staatsmänner. Aber ehe es nicht etwas anderes bedeutet als Unterstützung französischer politischer Anditionen und Interessen, wird es keine Begeisterung bei anderen Nationen erwecken. — „Financial News" urteilt: Berauscht von Tardieus Londoner Erfolg hätten die französischen Delegierten eine Haltung angenommen, die an sich schon jede Verständigung ausschloß. Der französische Plan habe fast jeden Fehler enthalten, den man sich vorstellen könne. Ist es tatsächlich vorstellbar, so fragt das Blatt, daß Deutschland und Italien bei den Schwierigkeiten, in denen sie sich befinden, auf ihre Meistbegünstigungsrechte verzichten können? Kann Deutschland es sich leisten, der Tschechoslowakei ein freies Feld auf dem südosteuropäischen Markte zu überlassen? Die Moral ist, daß England eine eigene europäische P o - l i t i k braucht, und keine französische, keine aus zweiter Hand.
Oie NSDAP, in Hessen.
WSR. Darmstadt, 8. April. Die hessische Regierung verbreitet nun ebenfalls ein sehr umfangreiches amtliches Kommunique über die Betätigung der SA.- und SS.» Formationen in Hessen, in dem es u. a. heißt: Die SA - und SS.-Formationen (Sturmabteilungen und Schuhstaffel) bilden den Kern der natio- nalfozialistischen Partei, erfüllen aber, tote aus ihrem gattzen Wesen, ihrer Tätigkeit und ihrer Organisation hervorgeht, ganz andere Zwecke als die einer politischen Partei. Sie sind auch in Hessen nach einem straff-militärischen Schema organisiert und in Anlehnung an die frühere Standort-Verteilung des Heeres in der Vorkriegszeit in Hessen gegliedert. Unter den Führern der Stürme befindet sich eine Reihe von bekannten und namhaften früheren Kommunisten. So ist mit der Führung des Offenbacher Sturm- Dataillons 1/168 der frühere Kommunist K. Beuke betraut. Und so ist auch Sturmführer des in Alsfeld liegenden Sturmes der frühere Ortsgruppenführer der KPD. in Alsfeld.
Die Schutzstaffeln (SS) stehen „z. b. V." (zur besonderen Verwendung) des SS-Standarten- bzw. Gruppen- und Reichsführers und sind als eine Art Spezialpolizei des Dritten Reiches gedacht. Sie werden ausgebildet nach einem Exerzier-Reglement (SS-Uebungsvorschrift (SS. Ue. V.), letzte Ausgabe vom 20. Rovember 1931) im Format des Exerzier-Reglements der früheren preußischen Armee, von dem es sich auch sonst in nichts unterscheidet. Diese straffmilitärische Organisierung der SA. und SS. ist um so bedenklicher, als sie sich in der Hand von Führern befinden, die teilweise, und zwar auch in den höheren Stellen wegen ehrenrühriger Delikte vorbestraft sind. Auch das Verhalten der SA- und SS.-Formationen bei dem ersten Wahlgang zur Reichspräfidentenwahl gibt zu ernster Besorgnis Anlaß. Offenkundig nach einheitlichem Plan erfolgte ihre Zusammenziehung an verschiedenen Plätzen des Landes. Sv waren nach den amtlichen Berichten die SA- unb SS.»Formationen der Umgegend von Darmstadt an den verschiedensten Plätzen außerhalb von Darmstadt zusammengezogen. Sie waren feldmarschmäßig ausgerüstet und hatten Befehl, bis Montag, dem 14. vormittags, dort zu verbleiben. Ieder SA.-Mann war versehen mit Tornister bzw. mit Rucksack, Eßwaren, Kochgeschirr, gerollten Mänteln, wollenen Decken. Sie erklärten, in Bereitschaft zu liegen, „falls in Darmstadt etwas vorkomme". In Darmstadt selbst waren im
Braunen Haus und im SS.-Heim etwa 80 SS.- unb SA-Leute konzentriert. Bei ihnen befand sich der Standarten-Arzt, der bereits drei Tage vor der Wahl für die SA.-Leute Verbandspäckchen ausgegeben hatte.
Aus Rheinhessen und Oberhessen liegen gleichlautende Rachrichten vor über diese Zusammenschließungen und Standortsverschiebun- gen der SA - und SS.- Formationen. Der Alarm- befehl bes Sturmführers des Sturmes 23 vom 11. März lautete: „Ieder SA.-Mann hat feinen Tornister oder Rucksack mit all seinen Uniformstücken, Armbinden, Verbandpäckchen, einem Zivilhemd, zwei Paar Strümpfen, Seife, ein Handtuch, einen Brotbeutel, eine Feldflasche, für einen bis zwei Tage Verpflegung mitzubringen, auch Taschenlampen."
In Gießen waren im Gießener SA.-Heim etwa 80 ortsfremde SA.- und SS.-Leute von den Stürmen 95 und 116 konzentriert. Die Mitglieder der Motorradstaffel waren besonders alarmiert. In Hungen (Kreis Gießen) waren etwa 45 Mann des Sturmes 87 zusammengezogen. In Alsfeld waren 70 bis 80 SA.-Leute des Sturmes 38 aus Alsfeld und der näheren Umgebung im dortigen SA.-Heim zusammengezogen. In Lauterbach (Oberhessen) versammelten sich die SA.-Männer feldmarschmäßig mit gepacktem Tornister und gerolltem Mantel aus den umliegenden Ortschaften. Sie trugen Feldspaten und auch eine Tragbahre bei sich.
Am 12. März fand ein Appell der Starkenburger SS.-Standarte durch den Reichs-SS.- Führer Himmler statt. Der Reichs-SS.-Füh- rer brachte zum Ausdruck, daß sie am Vorabend eines gewaltigen Sieges stünden, der darin gipfele, daß der oberste Führer Adolf Hitler Präsident des Deutschen Reiches werde. Er hoffe, daß die 33- SS.-Standarte die größten Opfer zu bringen wisse für die Freiheit der Ration. Wenn er wieder vor ihnen stehe, würden viele nicht mehr unter ihnen weilen. Er wolle nicht hoffen, daß ihm zu Ohren komme, die 33. SS.- Standarte habe versagt.
Höchst bedenklich stimmt die Tatsache, daß die SA- und SS-Leutc bestrebt sind, sich um jeden Preis und auf jede Art und Weise indenDe - sitz von Waffen zu sehen. Typisch dafür ist der Fall des Waffenhändlers Alfred Hack aus Osthofen, der jahrelang beängstigende Oltengelt von Schußwaffen aller Art beschafft und nach Ausfeilen der Fabrikmarken und Rummern auf schwarzem Wege weitervertrieben hat. Es stellt


