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Deutsche Erzähler.

Josef Ponten, Rhein und Wolga. (Volk auf dem Wege. Roman der deutschen Unruhe, Zweites Buch.) Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. In Leinen gebunden 4,80 Mark. (592) Schick­salsstunden deutscher Geschichte werden in Pontens Erzählung von neuem lebendig. Eines Stammes sind die Deutschen am Rhein und an der Wolga, deren Voreltern die brennende Pfalz zur Wegfackel wurde auf der Suche nach neuem Lebensraum. Rhein und Wolga haben in diesem Buche ein ge­meinsames Ziel: den Ozean des Deutschtums in der Heimat und in der Welt. Schon zu vielen Malen hat der deutsche Wandertrieb zwar seine romantische Verklärung gefunden: hier aber wird der deutschen Unruhe ihre geschichtliche Erklärung gegeben. Der deutsche Schullehrer Christian Heinsberg von der Wolga ist am Rhein ein gelehriger Schüler der Schicksale, die seine Vorfahren vor drei Jahrhun­derten und länger aus den Städten und Dörfern der Pfalz vertrieben haben. Wandernd in der Reben-, Fluß- und Waldlandschaft am Rhein und Neckar, von den Lauten der Heimatsprache um- klungen, durchströmt von Heimatluft, beseelt von Blut und Geist der eigenen alten unverlierbaren Herkunft, wird ihm die Vergangenheit in großen Gesichten lebendig. Die Zerstörung der Pfalz im Jahre 1689 der Brand von Speyer, die Aus- trcibung aus Schwetzingen, die Verwüstung Heidel­bergs und im Hintergründe dieser Geschehnisse der Kriegsrat zu Versailles und die Gestalt der Lise­lotte von der Pfalz: es ist eine Strophe des deutschen Schicksalliedes, das hier gesagt und ge­sungen wird.

Die Hochzeit von Quedlinburg. Roman von Enrica von Handel-Magzetti. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet, München. Gcbd. 9 Mark. (568) Mit diesem Buch, in dem sich das Schicksal der Quedlinburger Kanonissin Maria von Bronnen in dramatischer und tiefergrei­fender Weise vollendet, steht die Dichterin auf der Höhe ihres Schaffens. Auf Befehl der Aebtiffin wird der verbrecherische Schubarth an das Krankenlager der jungen Kanonissin geführt; der Anblick des Mörders soll die Verwundete von ihrem Vorhaben abschrecken, das verwirkte Leben des Unholds durch die Heirat mit ihm zu retten. Allen Widerständen zum Trotz erklärt sich Maria dennoch für ihn; in der Nacht vor ihrem Tode schließt sie mit dem Landläufer die Ehe, in Gegenwart des Jesuiten Harras, der als Gesandter August des Starken nach Quedlinburg gekommen ist, um für seinen Souverän um die Hand der Todgeweihten anzuhal- ten. Noch ehe sich die Gruft über Maria von Bronnen schließt, erscheint der Polenkönig im Stift, wo er die Auslieferung Schubarths verlangt. In dem Kampf zwischen der Aebtissin und der Majestät um das Leben des Attentäters offenbart die Dich­terin die Kraft, das wirkende Charisma zu gestal­ten. Maria vermählte sich dem Mörder aus Liebe zu seiner Seele. In ihrer Hand war sein Herz weich wie Wachs; die vermeintlichen Wohltaten der Aeb­tissin dageaen verhärten es erneut. Obwohl Schubarth in ihre Macht gegeben ist, vermag sie nichts über ihn; nur Maria, die im Tod durch Liebe Trium­phierende, führt den Verwilderten zu seelischer Läu­terung und einem neuen Leben. Als Meisterin des historischen Romans, dessen Stoff sich naturnotwen- dig in einer Welt entfaltet, die längst vergangen ist, offenbart Enrica von Handel-Mazzetti wie lebens­nah und ewiggültig ihr Thema von der erlösenden Liebe ist.

Die Mädchen vom Marienhof. Ro­man von Auguste Supper. Gebd. 5,75 Mark. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart. (594) Es handelt sich bei diesem Roman aus dem Schwarz­wald, wie meist bei Auguste Supper,, um eine Lö­sung schwerer menschlicher Konflikte. Da ist ein ein­samer Bauernhof zwei durch die Inflation ver­armten Geschwistern, Bruder und Schwester, den Kindern eines Architekten, als letztes Stück des zer­ronnenen väterlichen Besitzes verblieben: der Marien­hof. An dem Hofe hängt noch die Tochter des letzten Pächters, äußerlich betrachtet nur eine arme Magd und das Kind eines Lumpen und Nichts­teuers, mit großer Liebe. Das Ringen um die Er­haltung des Hofes ist nichts anderes, als auf einem kleinen Raum, die Geschichte eines Neuaufbaus aller sittlichen Kräfte, aus dem Zerfall der alten Welt. Mit wundervoller Zartheit führt die Fabel heraus aus der allgemeinen Verwirrung des Gefühls, die irrenden und leidenden Menschen des Romans schaffen sich festen Boden unterm Fuß und nehmen am Ende gemeinsam ihr Geschick in die Hände. Es ist ein Buch von erzieherischer Kraft, eine Erzählung für ringende Menschen, fest auf dem Grund der Wirklichkeit stehend und umströmt von Lebenslust.

Osternothafen. Roman von Heinrich Zerkaulen. Dolksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlot­tenburg. Gebd. 2,90 OHL (578.) Das ur­alte und doch ewig-junge Problem der Liebs eines Mannes, zu zwei Frauen, von denen er gleich­stark wiedergeliebt wird, entwickelt sich in die­sem modernen Roman aus innerster Aufrichtig­keit, tiefstem Verantwortungsgefühl, Versuchen aufopfernder Ausgleiche und seelischer Selbst­erhaltung. Hier zeichnet die Hand eines Künst­lers Schicksale von Menschen, die nach außen hin in glänzenden wirtschaftlichen Verhältnissen und scheinbarer Harmonie leben, denen jedoch infolge innerlich unlösbarer Verstrickungen Seelenkämpfe erschütterndster Tragik durchzuleben bestimmt ist. Ein wertvolles Buch, das aufs beste zu emp­fehlen ist.

Gina Kaus: Die Lieberfahrt. Ro­man. 320 Seiten. Geh. 4,50 Mk., Leinen 5,50 Mk. Verlag Knorr und Hirth, München. (6.) Der Roman der Wienerin Gina Kaus ist im klei­nen die Geschichte eines Mannes, dem seine Frau davonlief und der ihr über den Ozean folgt, uinl sie aufs neue zu gewinnen; im großen: der Ro­man eines neuen Ozeanschiffes, das beladen ist mit tausend lebendigen Herzen, mit Glück und Trauer, mit Gelächter und Tränen. 2m Vor­dergründe, immer (tarier verbunden mit ande­ren Schicksalen, die sich auch auf dieser Lleber- fahrt erfüllen, das Schicksal des Arztes. Thomas Wohlmut, der heimlich der Frau und ihrem Ge­liebten auf dieses Schis* gefolgt ist und für den die Lieberfahrt von Kontinent zu Kontinent schließlich zur großen Wandlung seines 2chs, zur Wende seines Lebens wird. Geschickte Technik und flüssiger Stil machen den Roman zu einer angenehm lesbaren, fesselnden Anterhaltungs- lektüre.

Robert Allmers: Kamps um Th u - rant. Ein Roman aus dem 13. Jahrhundert. 271 Seiten. Seinen 5 Mark. Deutsche Verlags-Anstalt, «Stuttgart, Berlin. (30) Wilde Fehde zerriß

Für den Büchertisch.

im Jahre 1246 das Deutsche Reich. Weltliche und geistliche Mächte Kaiser und Erzbischöfe ran­gen um die Herrschaft, uneins auch untereinander. Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, der treu zu dem vom Bannfluch betroffenen Hohenstaufenkaiser Friedrich hält, hat zum Schutz des Landes und der kaiserlichen Ansprüche den Ritter Zorno von Bulach auf seiner mächtigen Burg Thurant an der Mosel als Statthalter eingesetzt. Gegen diesen versucht die Geistlichkeit vergeblich einzuschreiten. Er hat die Burg zu einer gewaltigen Festung ausgebaut, von der aus er plündert und gefangennimmt, was des Weges zieht. So hat er die Nichte des Trierer Herrn als Geisel zurückgehalten, auch gelingt ihm ein UeberfaU auf den Gesandten des gleichen Erz- bischofs, den Prälaten Gottfried von Schönborn,

den er ebenfalls auf die Feste schleppt. Ursache ge­nug für offenen Krieg. Dieser und sein Verlauf bilden den dramatisch bewegten Stoff des Romans.

Fedor v. Zobeltitz: Llnruhige Mädchen. Roman. Ganzleinen 1,85 Mk. Ull­stein Verlag, Berlin. (22.) Der frische lebens­bejahende Roman des siebzehnjährigen Zobeltih führt in das in vielen Farben schillernde Milieu russischer Cmigrantenkreise in Berlin. Vier unter­nehmungslustige Schwestern, die als Studentin, Tänzerin, Fliegerin und Buchhändlerin ihren Mann stehen, landen trotz oft abenteuerlicher Lebensführung als rechte deutsche Backfische nach mancherlei spannenden Verwicklungen in den Ar­men der dazugehörigen Männer. Ein heiteres und liebenswürdiges Buch für Ferientage.

Goethe-Literatur im Zubiläumsjahr.

Goethe und feine Welt. Unter Mit- | Wirkung von Ernst Beutler herausgegeben von Hans Wahl und Anton Kippenberg. | 580 Abbildungen. Leinen 4,50 Mk. 2m 2nsel- Derlag, Leipzig 1932. (61.) Die Strecke, die Goethe in einem langen, unvergleichlichen Leben durchmaß, begleitet das BuchGoethe und seine Welt" in Bildern. Don Lukas Cranach, dem Ur­ahn, bis zum letzten Goethe-Enkel, von der Ge­burtsanzeige bis zur letzten Unterschrift des mit dem Tode Ringenden, vom Vaterhaus bis zum Sterbezimmer, vom Schulheft des Knaben bis zumChorus mysticus, von den Jugend­freunden bis zu den Getreuen, die den Greis umgaben, und den letzten Besuchern, vom alten Frankfurt über Leipzig, Straßburg, Wetzlar Weimar, 2ena, die Schweiz, Rhein, Main und Neckar, 2talien, die böhmischen Bäder und viele andere Stätten, in denen Goethe geweilt oder die sein Auge gesehen hat, bis zu den häus­lichen Stätten, in denen sein Leben sich voUendete, führt der Weg. Die bedeutendsten Porträts Goethes und derer, die ihm durch das Blut, durch Liebe und Freundschaft verbunden waren oder mit denen er in geistigem Austausch stand, erscheinen im Bilde nach Oelbildern, Stichen, Zeichnungen, Lithographieen, Silhouetten, Plasti­ken; Handschriften aus den größten Dichtungen Goethes, Handzeichnungen von ihm, Titel seiner Werke nebst zeitgenössischen 2llustrationen werden wiedergegeben, aus vielen Steinen wird hier ein leuchtendes Mosaik gestaltet der Goetheschen Welt und zugleich einer Epoche, die, wie Goethe gewußt und vorausgesagt hat, mit ihm zu Ende ging und so bald nicht wiederkehren wird.

Georg Witkowski: Das Leben Goethes. Mit 10 Bildnistafeln in Kupfer­tiefdruck. Umfang 500 Seiten. Ganzleinen 2,85, Halbleder 3,75, Ganzleder 4,80 Mk. Th. Knaur Nachf. Verlag. Berlin W50. (20.) Als will­kommene Ergänzung zu ihrer zweibändigen Goethe-Ausgabe bringt die Firma Th. Knaur Nachf. die nach den neuesten Forschungen ver­änderte und erweiterte Reuausgabe der be­rühmten Biographie des namhaften Leipziger

Literarhistorikers zu populären Preisen heraus. 2n allgemein verständlicher Sprache läßt der Biograph das lange Leben seines Dichters am Leser vorbeiziehen, erschließt in eingehenden Ana­lysen tieferem Verstehen und Genießen die Werke und leuchtet hinein in die großen Probleme von Goethes Stellung zu Religion und Deutschtum. Besondere Beachtung schenkt er auch dem natur­wissenschaftlichen Denken Goethes, das gerade heute wieder als die geniale Prophetie später erst bewiesener Erkenntnisse angesehen wird. Der kundige Führer läßt zugleich die Umwelt, die Zeit und die große Zahl wertvoUer Menschen, die den Weg des Dichters kreuzten, lebendig werden.

Klara Hofer: Frühling eines deutschen Menschen. Die Geschichte des jungen Goethe. 376 Seiten. Kart. 5,00, Leinen 7,50 Mk. Leipzig. Hesse & Becker Verlag. (47.) Der junge Goethe war namentlich seit der Straßburger Zeit nach dem einstimmigen Zeug­nis der Mitlebenden von einem hinreißenden Zauber der Persönlichkeit: begeistert und be­geisternd, allem Schönen aufgeschlossen, ein treuer, hilfsbereiter Freund seiner Freunde, ein leiden­schaftlicher Verächter des Standesdünkels und alter Vorurteile. Liebebedürftig wie selten ein Ausnahmemensch, h mgt er sein Herz an Mädchen, denen er, zur Einsamkeit vorherbestimmt, die Treue nicht halten kann. Feinfühlig und von zartem Gewissen, leidet er selber am meisten Darunter und gestaltet in seinen Dichtungen immer wieder den Mann, der sich in Reue über seine Treulosigkeit verzehrt. Zum Dichter und Schrift­steller geboren, bringt er doch nur zu Papier, was ihm das Herz bedrängt und die Ruhe raubt. Diese Zeit des Werdens und Reifens hat Klara Hofer in dem vorliegenden Roman mit einer erstaunlichen Gabe der Einfühlung dem Leser nahegebracht. Aus diesem Buche kann man den jungen Goethe besser kennenlernen als aus mancher Biographie. Auch die Verwandten und Freunde des Dichters weih Klara Hofer meister­haft hinzusteUen. Das Buch ist eine schöne Gabe zum Goethe-2ahr.

Schriften zur Politik.

türme der Küstenfestungen, aufgelöst ist der große Generalstab, aus den Kasernen sind Finanzämter geworden. Verboten sind Tanks, Flugzeuge, schwere Artillerie, Flammenwerfer und Maschinenpistolen,

Ernst Robert Curtius: Deutscher Geist in Gefahr. Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart. Preis broschiert 2,25 Mk. (43.) Der bekannte Bonner Romanist, dessen Buch über Barres und die geistigen Grundlagen des fran­zösischen Rationalismus zum Verständnis des modernen Frankreich wesentlich beigetragen hat, untersucht in dieser temperamentvollen, glänzend geschriebenen Schrift unsere kulturpolitische Si­tuation. Seine scharfe Kritik gilt dem Abbau der bürgerlichen Bildungsschicht, dem er die Forde­rung nach einer innigen Verschmelzung der natio­nalen und humanistischen 2dee als Grundlage einer neuen Volksbildung entgegenstellt. Curtius untersucht bann die geistige Situation der natio­nalen Bewegung und wendet sich entschieden gegen einen geistigen Protektionismus, der die Verbindung mit der klassischen und christlichen Substanz des abendländischen Geisteserbes lösen würde. Ein wichtiger Abschnitt des Buches gilt der Krisis der deutschen Universität. Der Ver­fasser bespricht die Gefahr der Verschulung als Folge der preußischen Kulturpolitik und die För­derung des Aufstiegs der Unbegabten als Folge der Parteienwirtschaft und politischen Aemter- besehung. Er fordert als dringlichste Universi­tätsreform, um Uebersüllung und Niveausenkung zu unterbinden, die Zulassung zur Universität zu erschweren und Elitenbildung statt Massen­bildung zu treiben. Das Buch, dessen vielfache Anregungen und Betrachtungen in einem kurzen Referat nur lückenhaft aufgezeigt werden konnten, kämpft für einen lebensvollen Humanismus als Bewahrer der kulturellen Tradition und als schöpferische Triebkraft künftiger Entwicklung.

Männer und Mächte. 1. Band: Brüning von Dr. Alphons Nobel. Kartoniert 1,50 Mark, Seinen 2,50 Mark. R. Kittler Verlag, Leipzig. (14) Dr. Alphons Nobel steht als Chefredakteur desDeutschen" des Organs des Deutschen Gewerkschaftsbundes Brüning politisch nahe. Das schließt aber nicht aus, daß Nobel Brü­nings Wirken und Wollen mit Distanz beurteilt. Er bleibt immer objektiv. Nobel redet um nichts her­um, er vermeidet Worte der Kritik nicht, wenn auch in dem ganzen Buch der warme Unterton eines politischen Freundes mitschwingt. Da Nobel dis zahlreichen politischen Artikel, die Brüning im Deutschen" anonym veröffentlicht hat, kennt, er­halten wir durch das Buch zum erstenmal bedeu­tungsvolle Ausschlüsse über die Entwicklung der poli­tischen und wirtschaftlichen Ideen des Kanzlers. Mit Ueberraschung sehen wir, daß Brüning das, was er feit 1924 als richtig erkannt hat, allmählich konse­quent zu realisieren versucht. Indem uns dieses Buch die Kenntnis von der geistigen Vergangenheit Brü­nings vermittelt, bietet es uns den Schlüssel zu seinen Zukunftsplänen. So ist es ein Buch von großer Aktualität.

Der Kampf um die Abrüstung. Von Albert B e n a r y. 3,80 Mark. Verlag Tradition, Wilhelm Kolk, Berlin SW 68, Wilhelmstraße 9. Mit 80 Bildern. (21) Deutschland hat abgerüftet! Auseinandergeschweißt sind die schweren Geschütze, gesprengt und zerstört sind die Waffenwerkstätten, geschleift sind die Festungen, abgewrackt und ver­senkt ist die Flotte, zerschnitten sind die Panzer-

gebheben ist ein Hunderttausendmannheer, dessen Bewaffnung nicht über diejenige einer Polizeitruppe hinauskommt. Tankatrappen werden bei den deut- schen Manövern hin- und hergeschoben, Holzkanonen ersetzen die verbotenen Tankabwehrgeschütze. Heber- all auf der Welt marschieren ungeheure Kriegsheere auf. UeberaU sind die Generalstäbe am Werk. Es stehen die Tankregimenter bereit, startfertig sind die Bombengeschwader, einbetoniert liegen die Giftgas­behälter, morgen schon können sie einen tödlichen Schleier über die großen Städte ziehen. Es häufen sich in den Mobilmachungszentralen die Stamm­rollen. Bewaffnet sind auch Frauen und Kinder. Ungeheuerliche Ausmaße nimmt die militärische Jugendausbildung an. Die Festungsgürtel ziehen sich rings um die Grenzen. In den Saboratorien rüstet man zum chemischen Krieg. Man führt die Worte vom Völkerfrieden im Munde und ist zum Kriege bereit, mehr als jemals zuvor. Dieses große Unrecht zeigt dies Buch, herausgegeben vom Ar- beitsausschuß deutscher Verbände, auf. Es wird an Hand dokumentarischen Bildmaterials gezeigt, wie weit die Dinge schon geraten sind. Pflicht jedes Deutschen ist es, dieses Buch auch außerhalb unse­res Vaterlandes, nicht nur in deutschfreundlichen Kreisen, sondern gerade beim Andersdenkenden, ver­breiten zu helfen.

Kampf um Preußenland. Volk und Reich-Bücherei Bd. I. Herausgegeben von Fried­rich Heiß und A. Hillen Ziegfeld. Kart. 3,00, Leinen 4,C0 Mk. Verlag Volk und Reich G. m. b. H., Berlin W 30. (608 ) Es ist dies die erste politische Landschaftsmonographie des Preußen­landes, die in der Verbindung von Einzelauf- sätzen hervorragender Persönlichkeiten aus Poli­tik, Wirtschaft und Wissenschaft mit einem ge­schlossenen Kartenwerk einen vollkommen neuen Tvv eines modernen Heimatbuches darstellt. An­gesichts d:s schweren Kampfes unserer Ostgebiete uno namentlich Danzigs und Ostpreußens um Selbstbehauptung und Sicherung der deutschen Stellung im Rordosten wird gerade ein solches Buch sich als ein Kampfmittel bewähren, denn es gibt dem Laien wie auch dem Wissenschaftler ganz neue Einblicke in die geschichtlichen und po­litischen Zusammenhänge, faßt verstreutes Wissen zusammen und gibt vielleicht erstmalig eine durch eine eindrucksvolle neue kartographische Methode bildhaft gemachte Zusammenschau der Entwick­lung, der Kämpfe und der Leistung des Preuhen- landes.

Hans Grimm: Von der bürger­lichen Ehre und bürgerlichen Nvt - wendigkeit- Verlag Albcrt Langen, München. Preis geb. 1 Mkk. (46.) Der Verfasser von Volk ohne Raum", der in diesem Winter auch in Gießen gesprochen hat, hat kürzlich in Berlin einen viel erörterten Vortrag gehalten, in dem er sich mit dem Aationalsozialismus auseinander­setzte. Die vorliegende Schrift enthält den Wort­laut dieses Vortrags und die Antworten, die Hans Grimm feinen Kritikern erteilt hat.

Neue Geschichtsbücher.

Professor Dr. Gustav Krüger: Das Papsttum, seine 2dee und ihre Trä­ger. 2. Auflage. Verlag 2. C. B. Mohr-, Tü­bingen. Preis geb. 5,70 Mk. (25 ) Das Buch, das hier in neuem schmucken Gewand erscheint, hat als Bestandteil derReligionsgeschichtlichen Volksbücher" während eines Vierteljahrhunderts bei der für geschichtliche Darstellungen empfäng­lichen Leserwelt dauernde Beachtung gefunden. Da die Vorräte einer ungewöhnlich starken Auf­lage zu Ende gingen, benutzte der Verfasser die Gelegenheit, daran zu bessern, was zu bessern war, vor allem aber den letzten Abschnitt zu ergänzen und so das Bild abzurunden, wozu sich angesichts der Fülle der Ereignisse, die die letzten 2ahrzehnte brachten, die Notwendigkeit immer stärker aufgedrängt hatte. Die Zeit, in der wir leben, bedeutet einen Einschnitt in der Geschichte des Papsttums, der auf lange hinaus feine Be­deutung behalten wird.

Hans Gmelin: Politische Abhän­gigkeit von Staaten. Verlag^T. L. Hirsch­feld, Leipzig CI. (40.) Der Staatsrechtslehrer der UniDcrfität Gießen untersucht in diesem für die Festgabe zum 70. Geburtstag Rich. Schmidts, Leipzig, bestimmten Aufsatz alle Möglichkeiten des gegenseitigen Verhältnisses von Staaten, wo­bei besonderer Wert darauf gelegt wird, neben der rechtlichen Abhängigkeit auch die tatsächliche Abhängigkeit als Auswirkung politischer, geo­politischer und wirtschaftlicher Verhältnisse in Betracht zu ziehen. Der klar gegliederte, durch zahlreich herausgezogene Beispiele auch dem Laien leicht verständliche Aufsatz gibt interessante und durchaus treffende Hinweise auf die staatsrecht­liche Lage Deutschlands und im Zusammenhang mit der Konstruktion und politischen Wirksamkeit des Völkerbundes auch eine Erläuterung des Souveränitätsbegriffs unter dem Einfluß bet tatsächlichen Abhängigkeiten.

Veit V alentin: Geschichte der deutschen Revolution von 1 8 48 bis 1 8 49. Band II. Preis broschiert 19 Mark, Ganzleinen 22 Mark. Verlag UHftein, Berlin. (599) Professor Veit Valentin schließt mit diesem Bande von fast 800 Seiten feine um­fassende und auf die Wurzeln zurückführende Darstellung einer der interessantesten deutschen politischen Geistesgeschichte ab. Ohne eine Aus­einandersetzung mit den 2deen der Revolution von 1848 bleibt das Begreifen unserer staatlichen Cntwicktung ein Torso. Deshalb darf dieses Buch nicht in der Bibliothek des Fachgelehrten bleiben, sondern gehört in die Hand eines jeden, der für das politische Geschehen der Gegenwart eine historische Grundlage sucht. Die lebendig und fes­selnd geschriebene Darstellung Valentins ist da­für besonders geeignet, weil sie auf Grund eines ungeheuer zeitgenössischen Quellenmaterials zwar auch kleinste Details der Wiedergabe für wert erachtet, aber aus der Fülle dieser einzelnen Striche ein sinnvoll gegliedertes Gesamtgemälde gestaltet, das die großen Linien der Entwicklung klar heraustreten läßt. Der vorliegende zweite Band schildert die Revolution von den Anfängen des Frankfurter Parlaments, dessen markante Köpfe uns in liebevoller Nachzeichnung näher­gebracht werden, bis zum Ende der Volksbewe­gung mit dem Zusammenbruch des badischen Auf­standes im Sommer 1849. Dazwischen liegt die Gegenrevolution von oben, der Versuch der Re­gierungen, der revolutionären Bewegung Herr zu werden. Auch hier sind die führenden Per­sönlichkeiten, so z. B. Schwarzenberg, Branden­burg, Manteuffel eindrucksvolle Portraits. Das Werk enthält zum «Schluß eine wertvolle Biblio­graphie, genaue Belege und Zeittafeln, damit alles notwendige Rüstzeug zur weiteren Ver­tiefung in diese vielleicht interessanteste Epoche moderner deutscher Geschichte.

E. Czech-2ochberg: Paris oder Doorn. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg in Oldenburg. Preis geb. 4,80 Mk. (7.) Der Verfasser sucht die Wegscheide im Weltkrieg. 2n welchen Stunden der Entscheidung neigte sich die Waagschale tief herab zugunsten der Sieger, wann verloren wir endgültig dies gigantische Völkerringen? 2n packenden Skizzen greift der Verfasser einige wichtige Fragen heraus, die ihm für den Fortgang und Ausgang des Krieges entscheidend dünken: den von uns mit ungenügen­der Rüstung begonnenen Ubootfricg, die nicht durchgekämpfte Marneschlacht, chie mit unzuläng­lichen Mitteln ausgeführten Zeppelinangriffe auf England, die ungenützt gelassene Chance der Nivelle-Revolte im französischen Heer Früh­jahr 1917, schließlich die Verkennung der Bedeu­tung der Tankwaffe und den Nichteinsah der Schlachtflotte, alles Unterlassungssünden, die, jede einzelne für sich folgenschwer genug, zusammen­genommen mit dafür gesorgt haben, daß nicht Paris, sondern Doorn für uns das Symbol deS Kriegsausgangs wurde.

Ningelnah.

2oachim Ringelnatz: Gedichte dreier 2ahre. 134 Seiten. Kart. 3,00 Mk., Leinen 4,50. Rowohlt, Berlin 1932. (51.) 2n diesem, vom unübertrefflichen Olaf Gul- bransson mit einer witzigen Llmschlagzeichnung ge­schmückten Bändchen findet der Leser das unver­fälschte Bild des Autors derTumgedichte" und desKuttel-Daddeldu", des skurrilen Seefahrers 2oachim Ringelnatz, welcher eigentlich Hans Bötticher heißt und neuerdings auch mit einem «SchauspielDie Flasche" auf die Bühne gekom­men ist. Die leidenschaftlichen Bewunderer Rin- Öens werden die Sammlung vermutlich in

_> und Bogen begrüßen; andere werden eine gewisse, von Selbstkritik geleitete Auswahl ver­missen und finden, daß hier, wie so oft, weniger erheblich mehr gewesen wäre. Einen Gesamtein­druck zu formulieren, ist angesichts der Fülle und der inneren Lingleichwertigkeit dieser Gedichte sehr schwierig; sie sind bald nachdenllich, bald ausge­lassen, bald von barockem und verspieltem Hu­mor, der gelegentlich aus den geistigen Bezirken Morgensterns herzukommen scheint, obwohl eine eigene oder doch eigenartige Haltung nirgends zu verkennen ist. Lyrik im strengen (vielleicht alt­modischen, aber am Ende doch für alle Wertung entscheidenden) Sinne findet man im Verhält­nis zum Gesamtumfang nicht sehr viel:Troff an eine Mutter" und einige Strophen zum Ge­dächtnis toter Freunde haben uns den stärksten Eindruck hinterlassen, y