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DiskontsenkiingderReichsbankvon7aus6prozeni.

Weiterer Rückgang von Kapitalanlage und Banknotenumlauf/ aber immer noch unbefriedigende Oevisenlage.

Berlin, 8. März. Die Rcichsbank hat mit Wirkung ab Mittwoch, den 9. März, den Dis­kontsatz von 7 auf 6 Prozent und den Lombardsatz von 8 auf 7 Prozent herabgesetzt.

Im Zentralausschuß der Reichsbank begründete Reichsbankpräsident Dr. Luther die Diskont­senkung. Seit Jahresbeginn hat der Status der Reichsbank eine weitgehende Entlastung erfahren, die zwar zum Teil saisonbedingt ist, aber doch nach der besonderen Krediterschütterung des zweiten Halbjahres 1931 in gewissem Umfang auch als Ausdruck einer Wiederkehr ge­ordneterer Kreditverhältnisse aufge­faßt werden darf. Die gesamte Kapitalanlage der Reichsbank in Wechseln und Schecks, Lombards und Reichsschatzwechseln ist von 4487 Millionen RM. Ende Dezember 1931 auf 3671 Mill. RM. Ende Fe­bruar d. I., d. h. u m 8 16 Millionen R M. zurückgegangen und hat sich nach dem letzten Ultimo weiter um 15 1 Millionen RM. ver­mindert. Auch der Banknotenumlauf zeigt eine rückläufige Bewegung; er hat in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres um 508 Millionen von 4776 Millionen auf 4268 Millionen RM. abgenommen und ist seit Anfang März noch um etwa 90 Millionen RM. zurück­gegangen.

Die Devisenlage istfreilich werter we­

nig befriedigend. Nachdem in den letzten Wochen ein Nachlassen und zeitweiliges Ab- stoppen der Devisenabflüsse eingetreten war, bringt die erste Märzwoche neue Abgänge, die zum weitaus größten Teil mit der bereits be­kannten lOprozentigen Rückzahlung des 100-Millionen-Dollar-Kredi- t e s Zusammenhängen. Dennoch glaubt das Reichsbankdirektorium, sich den in der letzten Zeit an wichtigen Plätzen des Auslandes vor­genommenen Ermäßigungen der offiziellen Dis­kontrate anschließen zu können, ohne dadurch den Gleichgewichtszustand am Devisenmarkt in gefähr­licher Weise zu beeinträchtigen. Den Ausschlag gibt für das Reichsbankdirektorium wieder der Gesichtspunkt, daß angesichts der ungewöhnlichen Schwere und Dauer der Wirtschaftskrise der darniederliegenden Wirtschaft je de nur mögliche Erleichterung auch von der Seite der Zinslasten zugewandt werden muß. Die Reichsbank hält eine Diskont­senkung zugleich aus dem Grunde für vertretbar, weil durch die inzwischen durchgeführte große Bankenreorganisation der deutsche Kre­ditapparat selbst wieder auf eine gesunde Basis gestellt worden ist, welche verbesserte kreditmäßige Voraussetzungen für die Herein­nahme von geeigneten Wechseln schafft.

Das Mlandseschäst der deutschen Industrie.

Förderung der Ausfuhr. - Rußlands passive Handelsbilanz. Gefahren für die deutsche Oel-, Holz- und Landwirtschaft.

Berlin, 8. März (ERB.) Im Interesse der Förderung des deutsch-russischen Wirtschaftsverkehrs und insbesondere der deutschen Ausfuhr nach Rußland hat die Reichsregierung der In­dustrie weitere Garantiehilfe für neue russische Aufträge zur Verfügung zu stellen sich bereiterklärt. Diese Garantiehilfe soll in der Form erfolgen, daß die zur Finanzierung der im vergangenen Jahre erteilten und teilweise bereits durchgeführten Aufträge ausgestellten Wechsel, die bisher noch nicht rediskontiert waren, jetzt von der Reichsbank rediskontiert werden. Es handelt sich dabei um 120 Millionen Reichsmark aus dem vergangenen Jahre und einen weiteren kleineren Betrag aus dem Anfang dieses Jahres. Wenn auch darüber hinausgehende Wünsche ange­sichts der Höchstgrenze des Garantiefonds von ins­gesamt einer Milliarde Reichsmark nicht berücksich­tigt werden können, so kann doch angenommen wer­den, daß auf Grund der in Form von Rediskonk- krediten an eine Reihe von Firmen zurückfließenden Mittel diese auf eigenes R i s.i k o russische Auf­träge hereinnehmen können.

Im laufenden Jahre ist damit zu rechnen, daß durch Rückzahlung etwa 400 Millionen RM. für Rediskontkredite frei werden. Die russischen Zah­lungsverpflichtungen sehen folgende Rückzahlungen vor: Im ersten Vierteljahr 50 Millionen, im zwei­ten Vierteljahr 78 Millionen, im dritten Vierteljahr 82 Millionen und im vierten Vierteljahr 165 Mil­lionen Mark.

In unterrichteten Kreisen ist man der Auffassung, daß eine wesentliche Voraussetzung für die

ordnungsmäßige Durchführung der russischen Zah- lungen eine Steigerung des russischen Exports nach Deutschland ist. Man ver­hehlt sich keineswegs die Schwierigkeiten, die diese Exportsteigerung für wesentliche Teile der deutschen Wirtschaft, insbesondere fürdieWald - und For st wirtschaft, die Oel-Jndustrie und Landwirtschaft bedeutet, anderseits, darf aber die Tatsache nicht außer acht gelassen werden, daß eine ganze Reihe deutscher Industriezweige zum Erliegen kommen müßte, wenn die russischen Aufträge auffjören. Rußland hat im Dor- jähre bis z u 300 Millionen R M. einge­führt, was immer noch eine Passivität der russischen Handelsbilanz im Hinblick auf den deutsch- russischen Geschäftsverkehr bedeutet. Diese Passivität hat Rußland durch Ausfuhrüberschüsse nach England und Italien und zum Teil auch durch Edelmetalle ausgeglichen. Was England angeht, so wird zweifellos das Guarantee- Departement weitere Kredite bis zur Höchstgrenze von zwölf Monaten bewilligen. Die englische Re­gierung drückt aber darauf, daß die Russen d i e Pfunderlöse aus dem Geschäft mit England auch wieder in russische Bestellungen umwandeln. England hat vorerst etwa 15 Mil­lionen Pfund Kredite für das Ruffengeschäft geschaf­fen, schon um der eigenen Arbeitslosigkeit abzuhel­fen. Der Zwang für Rußland, seine Handelsbilanz im Warenverkehr mit Deutschland auszuglei - chen, wird daher immer dringlicher.

Ein Tag mit dem Reichspräsidenten. Das Leben im Hause Wilhelmstraße 73.

Auf dem Schreibtisch des Reichspräsidenten in der Wilhelmstr. 73 befindet sich in schlichtem Holz­rahmen unter Glas ein vergilbtes Papier, auf dem in großen lateinischen Buchstaben die drei Worte stehen:Ora et labora! Das ist ein An­denken aus dem persönlichen Besitz Herrn von Hindenburgs, er hat es von seinem Vater gs- erbt und aus der Villa in Hannover im Mai 1925 mit nach Berlin gebracht. Ein bezeichnendes An­denken, das auf den Charakter des Feldmarschalls seine Beziehung hat: Beteundorbeite! Das ist der Wahlspruch des Reichspräsidenten, der uns an treuer Pflichterfüllung ein hohes Vorbild gibt. Jedem von uns, denn kaum einer findet sich in der Menge des deutschen Volkes, der mit vierj- undachtzig Jahren noch so unermüdlich seinen Aufgaben nachgeht, die zudem so umfangreich und anstrengend sind wie die des ersten Beamten des Deutschen Reiches.

Soldaten sind in der Jugend allerdings meist zu ihrem Leidwesen Frühaufsteher. All­mählich geht das in Fleisch und Blut über, und die Zeit kommt, in der man sich so an das recht­zeitige Aufstehen gewöhnt hat, daß es auch nicht anders geht, selbst wenn man es »besser" haben könnte. Das Tagewerk des Reichspräsidenten be­ginnt früh, zwischen sechs und sieben steht er bereits auf. Spätestens bis acht Ahr ist das Frühstück eingenommen, und dann ist gerade noch Zeit, um einen Spaziergang durch den sehr schö­nen Park hinter dem Palais zu machen, der von der Wilhelmstrahe bis zur Friedrich-Ebert-Strahe reicht und dazu von einem kleinen Hügel einen hübschen Blick auf die Straße zuläßt, ohne daß Herr von Hindenburg von den Passanten gesehen werden kann. Wie das so ist bei den Berlinern: Würden die hier ihr Reichsoberhaupt erwischen, sie blieben stehen, versperrten den Verkehr und kämen zu spät zu ihrer Arbeitsstelle. Hinden­burg bevorzugt es, diesen morgendlichen Spa­ziergang ohne Begleiter durchzuführen.Doch nein das ist nicht ganz richtig: sein treuer; SchäferhundRolf" ist auf alle Fälle dabei. Ist das Wetter allzu schlecht, so muh es freilich bei einer kurzen Promenade auf der Veranda sein Bewenden haben.

Dann erst kommt der Reichspräsident wieder in die Zimmer des Palais zurück. Am Schreib­tisch erwartet er seinen Staatssekretär, der pünkt­lich um 9.30 Ahr zum Vortrag erscheint. Es gibt sehr viel durchzusprechen, und da sich der Reichspräsident durchaus nicht mit der Kennt­nisnahme der vielen schriftlichen Eingänge be­gnügt, sondern sehr genau prüft und erwägt, dauert der Vortrag des Staatssekretärs recht lange Zeit. Im Vorzimmer wartet derweile schon der Ministerialrat Döhle, einer der beiden Hauptreferenten, im Bureau des Reichspräsiden­ten, der die innerpolitischen Angele­genheiten bearbeitet und täglich vvrträgt. ihm folgt der ständige Vertreter des Auswärti­gen Amtes beim Reichspräsidenten, gegen­wärtig der LegativnSrat Huene. Der Verbin­

dungsoffizier des Reichswehrministe­riums ist gleichfalls ein täglicher Besucher im Palais und wird stets zum Vortrag vorgelassen. Auch er muh sich sputen, rasch und gründlich be­richten, Anregungen entgegennehmen und aus­zeichnen draußen wartet bereits wieder der Chef der Presseabteilung der Reichs­regierung; er will den Reichspräsidenten über die wichtigsten Nachrichten der in- und ausländi­schen Presse unterrichten. Darüber ist es dann ungefähr 12 ilfjr geworden. And das ist eine Zeit, in der mit Vorliebe der Reichskanzler oder einer der Reichsminister zum Vortrag er­scheint, ost ist auch um diese Stunde eine Mi­nisterbesprechung angeseht. Fast täglich sind ir­gendwelche Deputationen angemeldet und zum Empfang zugelassen, in aufgeregten Zeiten häufen sich diese Anmeldungen derartig, daß es oft unmöglich ist, die Besucher alle beim Reichs­präsidenten vorzulassen. Alle paar Wochen mel­det sich auch ganz sicher ein Botschafter oder Gesandter beim Reichspräsidenten ab und ein neuer will fein Beglaubigungsschreiben überreichen: ein Vorgang, der mit einem feier­lichen Akt nach strengem Zeremoniell durchgesührt werden muh.

Wenn es irgend einzurichten geht, dann wird im Hause des Reichspräsidenten um 13.30 Ahr gegessen. Dara nnehmen teil der Sohn des Reichspräsidenten, der bei seinem Vater Adju­tantendienste versieht, die Schwiegertochter Frau von Hindenburg, geborene Freiin von Maren- Holtz, die dem Reichspräsidenten den Haushalt führt, und, da der Reichspräsident seit 1922 Wit­wer ist, gleichzeitig als Dame des Hauses re­präsentiert. Zu diesem Mittagessen ist häufig der eine oder andere prominente Gast gebeten; durch­reisende Verwandte oder alte Freunde haben hier Gelegenheit, den Reichspräsidenten zu sehen.

Eine kurze Zeit der Ruhe folgt dem Essen, das, wenn nicht gerade Gäste anwesend sind, recht ein­fach,gut bürgerlich" ist. And schon seht der Dienst wieder ein. Der Staatssekretär Dr. Meiß­ner erscheint erneut zum Vortrag, vom Bureau aus werden Mappen mit Driesen zur persön­lichen Anterschrift vorgelegt, und ruhig vollzieht der Reichspräsident ein Schriftstück nach dem an­deren, nicht ohne genauen Einblick in ba8 vor­gelegte Material gehalten zu haben.

Ob Sommer, ob Winter gegen Abend, auch noch nach Eintritt der Dunkelheit wird wieder ein Spaziergang durchdenGarten ge­macht. Bei diesem Gange begleitet der Ad­jutant den Reichspräsidenten, unterhält ihn mit allerlei Neuigkeiten aus der Hauptstadt und aus dem Lande. Oft ist auch die Schwiegertochter bei diesem Spaziergang, und im Sommer trifft der Großvater Hindenburg ganz gewiß auf seine En­kelkinder, die sich irgendeine Ecke des Parkes nach ihrem sehr persönlichen Geschmack zurecht gemacht haben. Dann geht eszum Abendessen, das pünktlich um 19.30 Ahr eingenommen wird. Ge­sellschaftliche Verpflichtungen werden anschließend erfüllt, und ist wirklich einmal ein Abend frei, bann liegen sicher wichtige Akten für den Reichs­präsidenten bereit, die studiert werden müssen. Ge- §en 23 Ahr begibt sich der Reichspräsident zur tuhe, und nur selten ist diese Stunde einmal überschritten worden.

SlarkesAnziehendeSpfmidkurseS

-vertrauen des Auslandes in die englische Währung.

De r I i n, 8. März. (END.) D reits in den letz­ten Tagen zeigte vas englische Pfund eine be­merkenswert feste Haltung und konnte fast täglich an Doden gewinnen. Diese langsam an­steigende Bewegung des Pfundes ging aber heute in eine ausgesprochene Haussebewegung über. Als Gründe hierfür werden zunächst die starken Rückflüsse englischer Kapi­talien aus dem Ausland angeführt, aber auch ausländische Kapitalien suchen in verstärktem Maße Anlage am englischen Markt. Man führt ferner an, daß die vorzeitige Rückzah­lung des gröhtenTeils des 80 - Mil­lionen - Pfund - Kredites, der erst im September fällig war, die Stärke der englischen Finanzlage zeigt, und daß hierdurch das Ver­trauen des Auslandes in Englands Währung erneut gefestigt wurde.

Die heutige außerordentlich starke Aufwärts­bewegung des Pfundes soll aber, wie aus Lon­don berichtet wird, auch darauf zurückzuführen sein, daß die Banik von England heute keine In­te r v en t i o n s käu s e in Dollars und französischen Franken borgenommen hat. Die Schwäche des französischen Franken dem Pfund gegenüber ist jedenfalls ein Zeichen dafür, daß umfangreiche englische Kapitalien heute aus Paris abgezogen worden sind. Das englische Pfund hat seinen Stand vom Ende No­vember wieder erreicht und stellte sich heute auf 3,61 gegen den Dollar, nachdem es ge­stern noch 3,53 notiert hatte; es hat also in einem Tage acht Dollarcents auf­holen tonnen. Gegen die Reichsmark notierte das Pfund 15,15, also auf 27 Reichspfennig höher als gestern, gegen den französischen Franken zog es aus 92,56 nach gestern 90,15 an.

Oie französisch-italienische Annäherung.

Tardieu in der Kammer.

Paris, 8. März. (WTB.) Die Kammer begann die Beratung des Budgets für auswärtige Ange­legenheiten. Die Abg. Falcoz und Pbarnägaray forderten eine französisch - italienische Aussprache zur Beseitigung der zwischen beiden Ländern vorhandenen Mißverständnisse. Der Ab­geordnete Marnägaray zählte die Punkte auf, in denen Meinungsverschiedenheiten zwi­schen Italien und Frankreich bestehen: adriatische Frage, lydische Grenze, Flottenparität, Statut der Italiener in Tunis, Mandatsfrage und namentlich italienische Expansion. Er vertrat die Ansicht, daß alle diese Fragen, sobald man sie einmal in An­griff nehme, auch eine Lösung erhalten könnten. Wenn das Deutschland Hitlers oder Hindenburgs bedrohlich werden sollte, meinte der Redner, würde Italien zweifellos wieder an Frankreichs Seite stehen. 12 Jahre lang habe Frankreich eine Versöhnungspolitik mit Deutschland betrieben. Wenn man nur einen ge­ringen Teil der Deutschland bewilligten Opfer Ita­lien gebracht hätte, würde man heute anders da­stehen. Tardieu müsse erklären, daß Frankreich die Freundschaftsbande zu Italien wieder herzustellen suche.

Dieser Appell an den Ministerpräsidenten wurde mit starkem Beifall ausgenommen.

Wenig Erholung gibt es in dem arbeitsreichen Leben des Reichspräsidenten: Mal ein Abstecher zu Verwandten nach Groh-Schwülper, die jährliche Reise nach Dietramszell in Ober­bayern oder das gelegentliche Wochenende im Blockhaus am Werbellinsee in der Schors- Heide. And hier ist dem Reichspräsidenten b i e Jagd bie schönste Ausspannung.

Gießener StadWeater.

Edward Childs Carpenter:

... Bater sein dagegen sehr!"

Es handelt sich hier nicht, wie nach dem Titel vermutet werden könnte, um eine vorzeitige angel­sächsische Huldigung an den Humoristen, Zeichner und Maler Wilhelm Dusch aus Wiedensahl, dessen 100. Geburtstag man am 15. April b. 3. be­gehen wirb; sondern um ein heiteres englisches Stück in drei Akten (sechs Bildern) von Car­penter, für bie deutsche Bühne bearbeitet von S i l - D a r a, worin bie merkwürbige Geschichte von Sir Basil Winterton und seiner (illegitimen) Nachkommenschaft berichtet wird.

Dieser Winterton, ein älterer, aber gut fonfer- vierter lustspielmähig reicher und von keiner Krise des Pfundes angekränkelter Herr war in seinen jüngeren 3ahren ein für englische Verhält­nisse bemerkenswerter Casanova. Er hatte Lieb­schaften in aller Welt, seine schnöde verlassenen Frauen hat er mit einer Rente abgefunden. Er hat sich im übrigen weder um sie noch um seine Kinder gekümmert; seine zahlreiche und weitläu­fige Familie, wenn man so sagen darf, existiert für ihn nur in der Erinnerung an schöne Zeiten und in den so diskret wie fachmännisch geführten Kontobüchern seines Anwalts, der für die Ver­sorgung der nebelhaften Verwandtschaft verant­wortlich ist. Ein delikates Thema, das muh man sagen.

Hausarzt und Anwalt bringen den angejahrten und von der Gicht gezwickten Sonderling eines Tages auf die scharmante 3dee, spät aber immerhin ein trautes Familienleben zu entfalten und seine Kinder mit Hilfe stattlicher Schecks um sich zu versammeln. Der Rechtsanwalt wird mit der Mission betraut, reift durch Europa und bringt drei Spröhlinge auf8 Schloß: zwei junge Mädels und einen jungen Herrn. (Don den drei Müttern ist eine inzwischen verstorben, bie beiben andern tauchen nur an der Peripherie der Ereignisse auf.)

Die erste Begegnung im Schloß ist alles andere als, frei nach Dusch, eine schöne, rührende Fa­milienszene. Die drei Kinder sind schon reichlich selbständig und erwachsen, sie übersehen schnell die ungewöhnliche Situation, halten zusammen wie die Kletten, stellen dem verblüfften Papa De- bingungen, und es gibt erst mal einen ausgewach­senen Krach.

Aber das kommt noch besser. Der gar nicht angelsächsische Witz dieses Stückes wirb mit einer wirksamen Dosis originalenglischer Sentimentalität durchschossen: die Vatergeschichte wird ganz ruh-

Ministerpräfident Tardieu erklärte darauf: Ich schließe mich den Rednern, die von unseren Be­ziehungen zu Italien gesprochen haben, an, nichts wäre nichtiger, als über die Vergangenheit disku­tieren zu wollen. Ich bin mit der gesamten Kammer der Ansicht, daß ein allgemeines internationales Abkommen zwischen Frankreich und Italien m ö g - l i ch ist. Seit acht Tagen werden nicht nur zwischen Frankreich und Italien, sondern auch mit anderen Mächten Verhandlungen über d i e Wirt­schaftslage Mitteleuropas geführt." Die Herstellung des Gleichgewichts der Dinge und der Geister in Mitteleuropa ist wichtig genug, damit ein jeder Opfer seiner persönlichen Wünsche bringe. Das au erreichende Ziel ist hoch genug, damit alle Welt seine Zustimmung gibt.

Aus aller Welt.

MillionendiebstahlauseinemGöttinger Llniverfitätsinstitut.

Aus dem Ethnographischen Institut der Aniversität Göttingen wurde ein Feder- mantel aus Hawai gestöhlen. Ferner wurde ein ebenfalls aus Federn angefertigter Feberhelm gestohlen. Als Wert bet beiden Gegenstände werben 2 MillionenJIR art an­gegeben. Der Febermantel sowie ber Federhelm stammen aus dem Nachlaß des Welt- umseglers Cook, ber 1779 auf Hawai von Eingeborenen erschlagen wurde. Ehe der Nach­laß Cooks nach London kam, gelang es Hofrat Dlumenbach aus Göttingen, bie beiben für bie Aniversität Göttingen zu erwerben. Bevor Cook bas Prunkgewand erwarb, war das Volk, dessen König Mantel und Helm getragen hatte, läng st ausgestorben.

Der Königsmantel besteht aus einem Dast- gesiecht, das so hervorragend gearbeitet ist, daß es fast einem feinen Seidengespinst gleichkommt. In diesem Gewebe sind tausende kleiner Dogelfedern bineingearbeitet. Bei dem gestohlenen Mantel handelt es sich um Federn von roter und gelber Farbe des Baumläufers, eines ausgestorbenen Vogels, wasdaS Stück besonders wertvoll macht. Von besonders hohem Wert ist ber Mantelkragen. Zu bem Mantel gehört noch ein Feberhelm, der aus dem­selben Material gearbeitet ist und gleichfalls ge­stohlen wurde. Gleiche Stücke können heute nicht mehr hergestellt werden, *ba die Volksstämme, die derartige Mäntel früher herstellten, ausge­storben sind.

Der Dieb des kostbaren Königsmantels ist nach den bisherigen Feststellungen der Kriminalpolizei der 1907 in ßöfüngen bei Ulm geborene S lud ent der Völkerkunde, Arthur Pfleghar, der feit Montag verschwunden ist. Er war im Besitz eines Auslandspasses. Falls er nicht schon vor Ausführung der Tat mit Interessenten in Verbin­dung gestanden hat, ist anzunehmen, daß er sich i n 5 Ausland begeben hat, um dort das Diebesgut zu veräußern. Bei dem Einbruch scheint Pfleghar Verletzungen an den Händen davongetra­gen zu haben. In Profesforenkreisen ist man der Meinung, daß es angesichts des außerordentlichen Wertes der geraubten Gegenstände schwer halten dürfte, sie in Europa au verkaufen. Es könnte höch­stens Amerika für den Erwerb in Betracht kommen.

renb. Papa, ber anfangs grollte, entsetzt und fassungslos war, entdeckt sein Herz für bie brei, wirb wieder vergnügt und jung mit ihnen, und sie sind ein Herz und eine Seele.

Die heitere Binsenweisheit des Dusch-Verses bekommt indessen einen bitteren Beigeschmack, als das späte Vaterglück durch einen abermaligen Ver­lust der Kinder bedroht scheint: bie eine Tochter, junge Sängerin, kriegt eine Rolle an ber Großen Oper und reist eilends ab. Die andere macht sich als Fliegerin selbständig, hat einen Zusammen­stoß in ber Luft unb stürzt ab. And obendrein stellt sich heraus, daß der Junge gar nicht Win­tertons Sohn ist. Aber es geht alles gut: die Fliegerin ist unverletzt geblieben, sie bekommt den tüchtigen Anwalt, unb ber Junge, ber sich gleich in die Sängerin verliebt hat, kann sie auch unbe­denklich heiraten, da sie ja nicht Geschwister sind. Happy end auf der ganzen Linie.

Cs wird unter der Regie von Karl Hehser sehr sauber und angeregt gespielt, bie Leitung milderte bie etwas handgreifliche Drastik ber Si­tuation durch gut dosierte Heiterkeit und erzielte in kräftiger Steigerung mit dem gleichzeitig auf die Lachlust und aufs Gemüt zielenden Schlußakt einen einmütigen Publikumserfolg. Herr Löff­ler unterstützte die gelungene Aufführung mit gefälligen Dekorationen.

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Sir Basil Winterton. den Vater, spielte Jochen Hauer als einen weißhaarigen älteren Kavalier von gesunder Rotweinfarbe, grob, tmtrrig und polternd mit versteckter Rührung und unwirscher Zärtlichkeit; übrigens erschien er in einer wohl- gelungenen Lloyd George-Maske.

Von den drei Kindern darf die von Elisabeth W l e l a n d e r sehr lustig und frisch gegebene Tony Kratochwill an erster Stelle genannt werden: die Rolle liegt ihr entschieden sehr, ihr Angeborenes wienerisches Temperament unb ihre heimatliche Munbart kommen ber überdies mit den besten Pointen audgeftatteten Figur vortrefflich zustatten; sie gibt hier eine ihrer besten und persönlichsten Stiftungen.

Den Sohn George, der sich als der falsche er­weist, gab Schelcher mit viel Natürlichkeit und jungenshaften Allüren, bie ihm nicht übel stehen; auch brachte er ein prächtiges Klaviersolo im Stile des berühmten Virtuosen von Busch als Einlage. Maria Sachse als bie hoffnungsvolle Sän­gerin Maria Credaro spielte ihre Partie, vor allem im italienischen Dalkonduett, sehr niedlich.

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Albert Ianscheck als diplomatisch vermitteln­der, beflissener Rechtsanwalt, Kühne ols gallig moralisierender Onkel Doktor, Druck in einer hübschen wienerischen Episode, Maria Koch, Diel damenhafter, als man unter so betoanbten Am- ständen erwarten konnte. Frau Schubert- Jüngling als trillernde Sängerin-Mutter,Gert Geiger als distinguierter Kammerdiener und Gertrud Donau rundeten das Ensemble ange­nehm ab.

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DaS amüsierte Publikum spendete ausdauernd Beifall» hth»