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ir 1932. Sermei|te

Nr. 7 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, Januar (952

SOZahre Kolonialbewegung.

Don Adolf Znednch, Herzog zu Mecklenburg, ehem. Gouverneur von Togo.

Das eben anhebende Jahr 1932 wird menschlicher Boraussicht nach für Deutschland noch ein Jahr der Not sein. Es ist zugleich aber auch ein Jahr der Erinnerung an die Zett, in der das deutsche Volk im damals noch so jungen Reich erstmals d i e allzu große Enge des deutschen Le- bensraumes erkannte. Obwohl der 7Oer Krieg siegreich verlaufen war, machte sich doch infolge wirtschaftlicher Umwälzungen nach einiaen Jahren in Deutschland ein empfindlicher wirtschaftlicher Not­stand bemerkbar, der seinen stärksten Ausdruck sand in einem ungeheuren Anschwellen der Auswandererzahlen. Die Hunderttausende Deutscher, die damals das Vaterland verließen, wur­den jenseits- der Meere zumVölkerdünger", und als dann 1881 die Auswanderung ihren Höhepunkt erreicht hatte, ging durch Deutschland dasSehnen nach eigener überseeischer Ergänzung des deutschen Bodens. Die deutsche Kolo- nialbewegung kam in Fluh.

Im Jahre 1932 vollendet sich ein halbes Jahr­hundert seit der Gründung des Deutschen Ko­lonial-Vereins. Freilich hatte sich dieser Ver­ein zunächst nur recht theoretisch das Ziel gesteckt, die Geister in Deutschland für die Bedeutung des kolonialen Gedankens zu wecken, ohne jedoch ge­willt zu fein, praktisch schon in naher Zeit die Er­werbung von Kolonien zu fördern. Sehr rasch aber fanden sich tatkräftige deutsche Führerpersönlichkeiten mit wesentlich größerer Entschlußkraft und schon zwei Jahre nach Gründung des Deutschen Kolonialoer­eins, der dann in die Deutsche Kolonial-Ge- sellschaft entschlossenerer Richtung übergeführt wurde, setzte die positive deutsche Kolonialpolilik ein.

Die Not unserer Zeit ist ungleich größer als jene, in der dieser Ausweg aus wirtschaftlicher Beengtheit gesucht und gefunden wurde. In unserer düsteren Gegenwart werden wir gut tun, daran zurückzu­denken, daß schon vor 300 Jahren in den Zeiten allerschwerster deutscher Zerrissenheit in dem genialen Kopf Friedrich Wilhelms, des späteren Großen K u r f ü r ft e n, geschult durch die Beobachtung blühenden Lebens der kleinen Niederlande, der Ge danke heranzureifen begann, dereinst seinem durch die Kriegsnöte verwüsteten Lande einen neuen und starken wirtschaftlichen Auftrieb zu geben durch ko­loniale Betätigung auf zentralafrikanischem Boden. Jenes afrikanische Gebiet, das Kurfürst Friedrich Wilhelm, zur Herrschast gelangt; für die Verwirk­lichung seiner Ziele ausersah, ist heute eine der blühendsten Kolonien in ganz Afrika, die bri­tische G 0 l d k ü ft e, der stärkste Versorger der Welt mit Kakao.

Wenn wir in unserer Gegenwart inmitten der furchtbarsten wirtschaftlichen Bedrängnisse eine ge­rade in dieser Zeit um so schwerer tragbare innere Zerrissenheit des deutschen Volkes beobachten müssen, so haben wir sie im tiefsten Grunde zurück- zuführen auf den Kampf zwischen Materialismus und Idealismus.

Nun sollte sich aber bei auch nur etwas gutem Willen in unserer Notzeit ein Feld finden lassen, auf dem sich alle Kräfte vereinigen können, ein deutsches Hochziel, für das ebenso gut aus mate­riellen wie -aus ideellen Kräften gestritten werden muß. Und dieses Ziel ist das der W i e b e r e r I a n gung deutschen Kolonialbesitzes. Es ist bei der heutigen Bevölkerungszahl und dem heutigen Kulturstand Deutschlands schwer, an die deutsche Autarkie auf unserem fo furchtbar eingeengten mitteleuropäischen Raum glauben zu können. Auch wenn es gelingt, diesen Lebensraum in Mitteleuropa durch Sühnung begangenen Unrechts zu erweitern, wird es unmöglich (ein, alle Lebensbedürfnisse aus dem Boden eines gemäßigten ober gar harten Klimas zu becken. Ein großenteils schon Indu- ftrielanb geworbenes Gebiet unserer Zonen b c darf tropischer Ergänzung. Die einfachste volkswirtschaftliche Erwägung zeigt, daß ein stark

zusammengedrängtes Volk dieser Zonen angewiesen ist auf zusätzliche innere und äußere Erwärmung, und die hierfür benötigten RohstoffefürKlei. düng und Nahrung wachsen in reicher Fülle unter der Sonne der Tropen. Es sind die pflanz- llchen Spinnstoffe und die Pflanzenfette, deren wir nicht entraten können. Zugleich bedarf die deut­sche Industrie dringend erweiterter und ge- sicherter A b s a tz m ä r k t e, wie der koloniale Boden sie bei seiner heutigen starken Vorwärtsentwicklung zu bieten vermag, aber wohlverstanden nur für das Land, dessen Flagge über diesem kolonialen Boden schwebt: denn nirgends bewahrheitet sich der alte Satz:Der Handel folgt der Flagge" so offensichtlich wie in den eigenen Kolonialgebieten.

An solchen Gründen für die Notwendigkeit deut­schen Kolonialbesitzes unter eigener Flagge ist nicht zu deuteln. Sie sollten allen Volkskreisen offenbar fein. Aber in nicht geringerem Grade ist aus ideellen Beweggründen jene Weitung des deutschen Horizonts zu fordern, die verbunden ist mit volkseigenen überseeischen Ausweitungsmöglichteiten. Wenn der Blick des Volkes sich weitet über die Enge

Sei einer amtlichen Sitzung, die unlängst einen KreiS von Fachleuten aus verschiedenen Lagern und aus verschiedenen Arbeitsgebieten zu einer Aussprache über jene Maßnahmen zusammen­führte, die in diesem Winter noch finanziell mög­lich sind, um die erwerbslose Jugend zu be­treuen, wurde von einer Seite das charakteristische WortB e d e n ke n h a f t i g ke i t" in die De­batte geworfen. Es galt jenen übervorsichtigen Leuten, die gegenüber jedem Vorhaben, mit dem irgendeiner irgendwo einen Versuch machen will, um der Aot zu steuern, nureinen Wallvon Schwierigkeiten sehen, und die alle prak­tischen Vorschläge von vornherein als undurch­führbar bezeichnen. Der lähmende Einfluß dieser Mißmutigen und Miesmacher hemmt heute in der Tat an vielen Orten die frische Initiative. Und diese geistige Sabotage, wie man die in unserer Situation höchst gefährliche Haltung fast nennen könnte, trägt viel dazu bei, daß das Eis des er­starrten Wirtschaftslebens einstweilen nur an sehr wenigen Stellen die ersten schwachen Aisse zeigt. Es würde gewiß an viel mehr Orten schon kra­chend bersten, wenn nicht überall diese trüben Sitter von der Dedenkenhaftigkeit die aktiven Menschen zu hindern suchten.

Zum Glück ist der Optimismus in einigen deutschen Herzen noch immer ein dauerhaftes und widerstandsfähiges Gewächs. Auch der Lebens­mut der besten Clemente unter den Erwerbs­losen geht so leicht nicht zugrunde. Und daher sieht man denn an verschiedenen Plätzen des Vaterlandes allerlei Siedlungen in so primi­tiver Form, wie die Aot unserer Tage sie ge­bietet. wie unscheinbare Pflänzchen aus der Mutter Erde hervorwachsen. Solch eine schlichte Selbsthilfe-Siedlung ist im Laufe dieses Som­mers in Brandenburg a. H. entstanden. Die aufgewandten Kosten sind so gering und ihre Verteilung auf öffentliche Stellen und Sied­ler erscheint so glücklich, daß das Vorbild Nach­ahmung verdient.

Außerhalb von Brandenburg sind auf städti­schem Grund und Boden in zwei Siedlungen ins­gesamt 96 kleine Anwesen erstellt worden. Etwa 80 Prozent der ter der hier angesetzten Fa­

der Heimat hinaus, wenn Raum geschaffen wird zu überseeischer Betätigung, bann wirb bes Deutschen Auge wieber heller glänzen, wirb er auch sceujch wieber genesen. Gewiß, wir können, wenn wir in ben Wieberbesitz eigener Kolonien gelangen, nicht mit einem Schlage bie Arbeitslosigkeit besei­tigen, können nicht bas ganze Riefenheer bes atabe- mischen Proletariats braußen auf kolonialem Boben unterbringen; aber es werben sich immerhin beträcht­liche Möglichkeiten bieten, Kolonialbeamte jeber Art, vor allen Dingen Kulturbeamte, Aerzte, Techniker ufw. braußen günstig zu beschäftigen. Der deutsche Siebter unb ber deutsche Kaufmann werben neue Betätigungsfelder finben. Es wirb eine Bresche gelegt in bie Mauer ber heute zur Untätigkeit Gezwungenen. Es kommt Licht unb Luft herein in bas bumpfc beutfche Dasein. Die ideellen Wirkungen einer starken deutschen Verbundenheit mit über­seeischen Gebieten, bie weit außerhalb unseres heute viel zu beengten Horizonts liegen bie auf allen Ge­bieten förbernbe unb fruchtbare Anregung, bie aus freier Betätigung eines Teils ber Söhne unseres Volkes auf überseeischem 'Boben unter beutscher Flagge zurückströmen in bie Heimat, werden noch wertvoller unb wichtiger sein als bie für sich allein schon hinlänglich zwingenben wirtschaftlichen Gründe, die uns bas Verlangen nach Rückgewinnung beut- fchen Kolonialbesitzes bittieren.

mUien sind zur Zeit arbeitslos. Die Siedlungs­stellen, die je 600 Quadratmeter umfassen, be­decken in dem einen Komplex einen ungefähr rechteckigen Saum, der von mehreren kurzen Straßen durchzogen ist. Die später entstandenen Häuschen und Gärten der zweiten Anlage sind zu beiden Seiten einer langen Straße aufgereiht. Häuser, Straßen, Zäune, Gärten sind fast gänz­lich von den Siedlern selbst mit ihrer eigenen Hände Arbeit geschossen worden. Aus diese Me­thode ist die Stadt nicht von sich aus verfallen. Die Anregung ist dem zuständigen Stadtbaurat Erbs vielmehr aus den Seihen solcher Kleinst­siedler am Stadtrande gekommen, die sich eigen­händig und aus eigenen Geldmitteln auf geräu­migem Laubenland ihre Häuschen erstellten, und denen der Baurat gelegentlich bei dieser Arbeit als Fachmann seinen guten Sat zuteil werden ließ. Aus den Seihen der Erwerbslosen hat man unter Hinzunahme einiger noch in Arbeit stehen­der Familienväter geeignete und siedlungsluftige Leute ausgewählt und zu genossenschaftlichem Tun für die beiden neuen Siedlungen vereinigt. Die Grenzen der einzelnen Grundstücke und die Straßenanlagen sind von der Stadt nach einheit­lichem Plan feftgelegt, für die kleinen Häuser ist ein im großen und ganzen einheitlicher Nor- mal-Grundriß entworfen worden. In dem be­scheidenen Nahmen, der mit der Wirtschaftlich­keit des Ganzen gegeben ist. läßt man dem ein­zelnen Siedler als Bauherrn die Freiheit, die Innenlage des Hauses seinen besonderen Wün­schen gemäß abzuwandeln. Das Normalhaus, das teilweise unterkellert ist, beherbergt in seinem Kern außer einem Vorraum und Küche zwei Stuben von je 3.4 Meter. Ein auf der Nückseite des Hauses eingebauter Flügel enthält die Wasch­küche. einen Schuppen oder Stall und den Abort. Der Bauplan sieht für die Zukunft weitere An­bauten zur Erweiterung des Wohnraumes vor. Aus Sparsamkeitsrücksichten hat man auf Wasser­leitung, Kanalisation und Gas verzichtet. Die Wasserversorgung geschieht durch Brunnen und zwar hat jedes Grundstück einen eigenen. Elek­trisches Licht können die Siedler auf Wunsch von dem Elektrizitätswerk (Privatbetrieb) für

Selbsthilfe von Erwerbslosen.

Bilder von einer Stadtrandsiedlung bei Brandenburg a. H.

Don Dr. Hertha (3i:mering.

Gießener Stadtthearer.

(Herhari Hauptmann: Hannelcs Himmelfahrt".

1893, ein Jahr nach demBiberpelz", zwei Jahre vor demFlorian Geyer", erschien bie Traumdich- tungHanneles Himmelfahrt" im Berliner König­lichen Schauspielhaus zuerst auf der Bühne. Haupt­manns Biograph Paul Schlenther hat seinerzeit dar­auf aufmertfam gemacht, daß der Dichter hier bas Motiv eines älteren, jetzt längst vergessenen Wer­tes, berMonbbraul" aus bemBunten Buch" von 1885, wieder aufgenommen unb zu breiter unb volkstümlicher Wirkung geführt hat; ber heute kaum noch begreifliche, erbitterte Streit der Meinungen und Weltanschauungen, der um saft alle frühen Stücke Hauptmanns getobt hat unb auch bem Hannele" nicht erspart blieb, schon ebenso ver­schollen wie jenes Gedicht vom traurigen Schick­sal des Bettelmädchens Bergliese

*

Die Kinder pflücken roten Klee, rupfen die Blütenkrönchen behutsam aus unb saugen an ben blassen feinen Schäften. Eine schwache Süßigkeit kommt auf ihre Zunge. Wenn Du nur fo viel Süße aus meinem Gebicht ziehst, so will ich mich meiner Gabe nicht schämen": mit bieten Worten hat Hauptmann seiner Frau bas Stück in bie Hänbe gelegt.

Zum ersten Male in biefer entschiebenen unb künstlerisch bewältigten Form vollzog sich mit bemHannele" ber Schritt vom unbedingten Natu­ralismus zu einer auf ben ersten Blick überraschen- ben Romantik so zwar, daß ber ursprüngliche, meisterlich beherrschte Stil nicht etwa aufgegeben unb verleugnet wurde, sondern indem er eine über­aus markante unb schon äußerlich höchst wirksame Kontrapunktierung erfuhr in einer Kunstweise, deren epigonisch blasse Nachläufer man erst in der de- rüP.nten literarischen Revolution ber achtziger Jahre mit unerhörtem Elan über ben Hausen geworfen hatte.

*

So verschwistern sich Naturalismus unb Roman­tik in der überbrückenden, schwebenden, ver­schleiernden Bühnenform des Traumspiels; so wirb das irdische Jammertal des winterlichen Armen­hauses von einem mit aller Glückseligkeit erfüllten Märchenhimmel überwölbt; so wechselt der aus ben Webern" unbDor Sonnenaufgang" schon oer- traute schlesische Dialekt mit ben sehr zarten Versen von der wunderschönen Stadt, mit welchen ber Fremde" dem Tode des Mädchens präludiert:

sie gehören zum Reifsten, was Hauptmann je in gebundener Rede geschaffen hat.

Wie alles, was vom großen Werk des nun bald Siebzigjährigen Bestand und Dauer haben wird, ist auch die Traumdichtung aus jenen beiden starken und unoersieglich strömenden Quellen gespeist, die bem Geschaffenen inneren Halt unb Würbe geben: aus ber bobenftänbigen Fülle heimatlich-ver­trauten Volkstums und aus tiefem Mitleiben mit ber gequälten Menschenkreatur.

Hauptmann ist zu sehr Realist, um den dürftigen und traurigen Tatbestand seiner episodischen Fabel zu fälschen: die letzten Worte des Arztes und der Schwester bestätigen karg, daß der Leidensweg des armen Kindes mit einem frühen Tode geendet hat; der sachliche Dramatiker ist auch vor der Elends- schilderung nicht zurückgeschreckt, wie bie mutterlose Vierzehnjährige von einem viehisch rohen, versoffenen Vater gequält wirb, bis sie verängstigt unb verzwei feit in ben Dorftcich rennt.

Aber ber Dichter Hauptmann versöhnt mit der Unerbittlichkeit des kleinen Proletarierschicksals, in­dem er der Sterbenden in letztem Traum und visio­nären Fiederphantasien bie Glückserfüllung zuteil werben läßt, bie ihr auf Erben versagt geblieben ist.

Die Spielleitung von Peter Fassott schuf eine abgewogene Inszenierung mit sicherem Gefühl für bie wesensfremden unb sehr verschiedenartigen Stil­elemente, bie durcheinanderflutend bie Szenenfolge bes Traumspiels bilben. Aus der realistisch lärmen­den Zustandsschilderung im Halbdunkel der Armen­häuslerstube entwickelten sich in gedämpften lieber- gängen die gespenstigen Erscheinungen und Bilder des Fiebertraumes mit Eindringlichkeit und starker Stimmung Zumal die Szene am gläsernen Sarg im zweiten Teil war vortrefflich aufgebaut; das ;u- fammengerüefte Menschenhäufchen der dörflichen Leidtragenden wirkte wie eine Gruppe aus den Holz­schnitten der Käthe Kollwitz. Das Bühnenbild von Löffler traf die winterlich-düstere Aermlichkeit und Trostlosigkeit des Schauplatzes mit kennzeichnen­der Schärfe; ebenso war die Beleuchtung (Keim) ben wechselnben Stimmungen bes Spiel schmiegsam angepaßt.

Die Gestalt ber kleinen Hannele Mattern gab Eli­sabeth Wielanber mit Hingabe unb feiner Ein­fühlung in bas rührenb-traurige Schicksal, bas aus Traum unb Wirklichkeit, aus kinblicher Frömmigkeit unb schlesisch-pietistischer Himmelssehnsucht wunder- lich unb märchenhaft-übersinnlich Gestatt gewinnt. Die Rolle kommt chrer barstellerischen Eigenart unb

ihren Fähigkeiten besonders entgegen; sie wußte die hilflose Angst und Verstörtheit des armen Kindes wie seine Entrücktheit in bie lichte unb beglürfenbe Welt seines Himmelstraumes überzeugenb zum Aus- bruck zu bringen.

Jochen Hauer gab sehr schlicht, einfach unb mit warmem Gefühl den Lehrer Gottwald und sprach später, in der Verwandlung des zweiten Teils, mit wirksamer Steigerung die berühmt gewordenen Verse vom Paradies. Sehr fein unb still, eine fürforgenbe, beruhigenbe und tröstende Frauenge- stalt war bie von Edith Berger gespielte Schwester Martha, die bas Hannele auf seinem Krankenlager mütterlich betreut.

Eine sorgsam ausgearbeitete Chargenleistung bot Hub mit ber bobenftänbig-bieberen Figur bes Waldarbeiters Seidel. Kühne charakterisierte knapp und scharf den Amtsvorsteher, der hier viel einfacher und minder satirisch angelegt ist als sein hochnäsiger Kollege imBiberpelz". V 0 lcks Dr. Wachler war eine mit sparsamen Mitteln bargebotene tüchtige Leistung; ganz realistisch bie unterschiedlichen Nacht asyltypen aus bem 'Armenhaus: Agathe Walther Lederer (Hedwig); Gert Geiger (Pleschke); Luise Schubert-Jüngling 1 Tulpe); Hans Paeksch (Hanke). Auch bie irdischen unb über­irdischen Erscheinungen und Stimmen in Hanneles Fiebertraum (das Programm führt bie Darsteller nicht namentlich auf) waren insgesamt sehr treffenb unb stilsicher roiebergegeben.

Die Aufführung fanb wohloerbienten Beifall, hth.

Arbeiter verbessern den Betrieb.

Da ber 21rbeitenbe bie kleinsten Kleinigkeiten sei­ner Tätigkeit genau kennt und viele Erfahrungen sammelt, so ist er nicht selten in der Lage, Ver­besserungen im Betriebe vorzuschlagen. Diese Fähig­keiten sucht man nun durch die Aussetzung von Prämien zu wecken unb hat bamit recht gute Er­folge gemacht, über bie Dr. W. Ruffer an Hanb von Statistiken in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau" berichtet. Das Vorschlagwesen ist am meisten verbreitet in der amerikanischen Industrie. Hier bewegt sich nach einer neueren Zusammenstel­lung der Prozentsatz ber angenommenen Vorschläge burchschnittlich zwischen 23 unb 25 Prozent; bie Höhe der dafür gezahlten Prämien schwankt zwischen 5 unb 100 Dollars. Bei einer kürzlich abaehaltenen Sparwirtschaftswoche" einer Werftgesellschaft würbe

160 Mark, die langfristig zu tilgen sind, erhalten.

Der Ausbau der Siedlung bat sich unter der ständigen Beratung des städtischen Bauamtes vollzogen. Die Arbeiten sind unter Leitung eines der Siedler durchgesührt worden. Bei ben Ausschachtungen unb beim Zuführen deS Baumaterials sind die ungeeigneten Clemente von selbst abgefprungen. Die Maurer» und Zim­mererarbeiten an den massiven Häusern haben die Siedler selbst ausgeführt, die Fach­arbeiter unter ihnen haben dabei wie auch bei den sonstigen Handwerkerarbe ten die Anwei­sungen der städiiichen 5aul*eamten unterstützt. Nur wenige Arbeiten, die der Laie nicht aus­zuführen vermag, wie beispielsweise die des Bau- klempners. des Dachdeckers und Glasers, sind aus Zweckmähigkettsgründen an Brandenburger Firmen in Lohn vergeben worden. So sind die kleinen Häuser nach und nach fertig geworden, als letztes ein Zeichen für den Geist bet Gemeinschaftsarbeit das des Führers. Jetzt, da schon alles bewohnt ist und nur hier und da noch einige Derschönerungsarbeiten aus­geführt werden und die ersten Obstbäumchen be­reits im kahlen Gartenland stehen, wird die Straße wieder auf dem Dege der Selbst­hilfe befestigt.

Das Land hat die Stadt den neuen Haus­eigentümern in Erbpacht gegeben. Die ein­zelnen Häuser, bei deren Erstellung der Posten Arbeitslohn saft gänzlich fortfällt, haben je einen Aufwand von 2500 bis 2800 Mark erfordert. Dieses Geld ist int wesentlichen für Baumate­rialien, die wiederum die Stadt im großen be­schafft unb zu günstigen Preisen abgegeben hat, aufgetoanbt worben. Einzelne Familien, auch von ben Erwerbslosen, haben ein bescheibenes Kapital, das sie noch besaßen, einige Hundert Mark, in einzelnen Fällen sogar erheblich mehr, für ben Hausbau verwandt. Soweit es erforderlich war, hat bie Städtische Sparkasse je Haus ein Darlehn von 1000 Mark gegeben, weitere 1000 Mark sind aus Hauszinssteuermitteln hinzugekommen Die Leistungen ber Siedler, bie wenig ober gar kein eigenes Geld auszubringen vermochten, belaufen sich auf 11 bis 16 Mark monatlich. Die Pacht für das Land, auf dem das Häuschen steht unb für ben Garten, der es umgibt, ist außer den Zinsen für das Baukapital in diesen Betrag einbegriffen. Die für das Wohnen in ber Siedlung erforderliche Geldleistung liegt also weit unter dem Preis einer Wohnung von Stube unb Küche, somit auch unter ber Summe, die ber Erwerbslose mit seiner Familie für Wohn­zwecke in ber Stabt minbestens auftoenben müßte.

Nun wirb man fragen: was soll künftig aus diesen Siedlern werden? Soll ihr Wohnen unb womöglich ihre ganze Existenz für Zeit und Ewigkeit auf dem Genuß einer öffentlichen Unterstützung aufgebaut fein? Das ist nicht der Fall. Die geistigen Väter dieser Stadtrandsied­lung haben die Hossnunq, daß deren Insassen allmählich wieder in der Brandenbur­ger Industrie Arbeit finben werben. Können sie künftig nur als Kurzarbeiter be­schäftigt werden, so rechnet man damit, daß ihre außerdem aus die Erträgnisse des Gartens ge­gründete Existenz in der Weise gesichert sein wird, wie das Adolf Wilbrandt in dem be­kannten Plan vorsieht, ben er im Herbst 1930 auf ber Königsberger Tagung des Verein- für Sozialpolitik entwickelt hat. Der Siedler, ber besonderes Geschick im Gartenbau, vielleicht auch in ber Kleintierzucht entfaltet, soll späterhin Gelegenheit haben, weiteres Land für einen billigen Zins von ber Stadt hinzuzupach­ten. Vielleicht kann der eine ober andere unter ben Siebtem burch den Verkauf der überschüssigen Produkte aus Garten und Stall feinen vollen Lebensunterhalt dem kleinen Stück Erde abringen. Unb schließlich, das meint man, wenn die Fa­milien, die heute da dranßen wohnen, nicht für alle Zeit bleiben können, dann werden sich in Brandenburg andere finden, die mit ihrem Arbeitsleben und dessen Bedürfnissen in di"se

ein Vorschlagswettbewerb durchgesührt, der von «41 Urhebern 2770 Anregungen bei einer Gesamtarbsi terzahl von 5300 brachte. 677 Vorschläge wurden ge­nehmigt und 73 Preise verteilt; die dadurch erzielten Ersparnisse im Betrieb werden auf über 260 000 Dollar geschätzt. In Deutschland hat zuerst die AEG- Prämien für Verbesserungsvorschläge aus­gesetzt. und zwar schon vor 30 Jahren Wie sehr sich diese Einrichtung eingebürgert hat, zeigen die Zahlen für 1927 28- Von 1382 Vorschlägen wurden 732 prämiiert und dafür 29 600 Mk ge­zahlt. Die meisten Verbesserungsvorschläge gehen von Arbeitern ein. In Frankreich wurden bei einer großen Elektrizitätsgesellschaft von Ende 1926 bis April 1928 547 Vorschläge gemacht, unb 306 bavon prämiiert, wobei eine Summe von 25 000 Franc in Prämien zwischen 25 und 100 Franc ausgegeben wurde. Interessant sind die Versuche der Osram-Gesellschast, bie in den letzten drei Jahren sich die Ideen ihrer Angestellten unb Arbeiter nutzbar machte Nachbem ein Aus­ruf erlassen und Geld-Prämien ausgesetzt waren, zeigte sich zunächst nur geringe Beteiligung, näm­lich 40 Vorschläge im ersten Jahr, von denen acht prämiiert wurden. Im zweiten Jahre aber waren es 233 und im dritten 149 Vorschläge. Von den sämtlichen 422 Vorschlägen wurden 56 als brauch­bar erkannt also etwa 13 Prozent, und 1320 Mk. wurden in Prämien zwischen 10 und 100 Mk. verteilt. Jedesmal nach der Veröffentlichung btt prämiierten Vorschläge stieg die Zahl der neu­eingehenden stark an, ein Zeichen dafür, daß die Verteilung der Prämien einen Hauptanreiz bildet Unter den prämiierten Vorschlägen be­fanden sich 66 Prozent von Männern und 34 Pro­zent von Frauen; der Wert der männlichen Vorschläge war größer als der der weiblichen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die weib­lichen Arbeitskräfte an weniger wichtigen Posten stehen unb daher auch weniger Gelegenheit haben, Beobachtungen zu machen.

Lochschulnackrichten.

Der Privatdozent für forstliche Betriebs- unb Produktionslehre in der Staatswirtfchaftlichen Fa­kultät der Universität München, Forstmeister Dr. oec. publ. Anton Röhrl ist auf sein Ansuchen aus dem bayerischen Hochschuldienst entlassen wor­den; er folgt zum 1. April 1932 einem Rufe nach Dresden als Ordinarius der Forstwissenschaft in der Abteilung Forstliche Hochschule Tharandt der dorttgen Technischen Hochschule und wird zugleich Mitglied der Sächsischen Forstlichen Versuchsanstalt Tharandt.