Ausgabe 
8.9.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt

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Das Volk in Waffen

Oie Propheten der allgemeinen Wehrpflicht.

Don Dr. Kurt Haack.

Um dieVeiremmg der Arbeitsdienstwilligen

Oie Lehrer als wertvollste Helfer.

Eine südwestdeutsche Büroausstellung in Frankfurt.

WSN. Frankfurt a. M, 7. Sept. Die in Ver­bindung mit der WanderausstellungArbeitssitz und Arbeitstisch" vorgesehene Büreauauvstellung fällt aus. da voraussichtlich im Frühjahr 1933 eine große Südwestdeutsche Bureauausstellung ausgezogen wer­den wird. Die Wanderausstellung ..Arbcitssig und Arbeitstisch" wird in der Zeit vom 18. bis 21. Sep­tember 1932 im Bachsaal desHauses der Moden" wie vorgesehen gezeigt werden.

Großfeuer in Altenkirchen.

WSN. Altenkirchen (Westerwald). 7. Sept. Gestern gegen 7 Uhr brach aus visher unbekannter Ursache im Anwesen des Landwirts und Bierver­legers Karl Schäfer ein Brand aus. der in kür­

zester Zeit den ganzen Gcbäudekomplex erfaßt hatte. Da Scheune und Stallungen nicht mehr gerettet werden konnten, beschränkten sich die Wehren aus den Schutz des großen Wohnhauses, ohne jedoch Der« hüten zu können, daß der Dachstuhl ein Raub der Flammen wurde. Die Unglucksstelle bietet ein B i l d troftlofer Zerstörung: hier und da ragt aus den Trümmerhaufen eine Mauer hervor. Die gesamten großen Erntevorräte sind Der« nlchtet, während da» Vieh gerettet wurde.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Beligionsgesellschast. Sabbatfeier den 10. oeptember. Freitag abend 6.25 Uhr . Samstag vormittag 8: nachmittags 4; Sabbatausgang 7.40. Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 6.30 Uhr.

Sn Thina. das so lange al- das friedliebendste aller Völker galt, soll jetzt auch die Militärdienst- Pflicht eingeführt werden. Wenn so dieser Ge­danke sich allmählich die ganze Welt erobert, be­rührt es uns besonders tragisch, daß dem deut­schen Volk diese Heeresform, die als die Einheit von Heerbann und Gemeinschaft der Männer bei den alten Germanen die Grundlage der ganzen Verfassung war, versagt sein soll. 3ft der Be­griff des .Volkes in Waffen'^ doch erst in der Zeit der Freiheitskriege von Scharnhorst, Gnei- fenau. Doyen und den anderen Reformern recht eigentlich verwirklicht worden, wenngleich die Forderung der allgemeinen Wehrpflicht schon öfters auf gestellt worden war.

Die Leidenschaft für die Antike lenkte in der Renaissance die sehnsüchtigen Blicke nach dem krie­gerischen Ideal der Alten, nach der Aushebung der gesamten Bürgerschaft und der Verteidigung des Vaterlandes durch das ganze Volk, zurück. Der erste, der es mit dieser »Wiedererweckung des Altertums" ernst nahm, der große Historikr Macchiadelli, wurde zugleich der erste Pro­phet der allgemeinen Wehrpflicht. 3m ersten Buche seiner »Kriegskunst" vertritt er die An­schauung, daß ein weiser Fürst die Soldaten nicht in der Fremde anwerben dürfe, sondern im eige­nen Lande ausheben müsse. »Gin König, welcher

die Ehrfurcht vor dem Gesetz, und so entsteht eine heilsame Wirkung von Zwang und Freiheit, welche die Llnzufriedenheit in enge Grenzen einschlieht." Für den Bürger sei dieser Soldatendienst die beste Schule der Körperstählung, das beste Mittel gegen Verweichlichung und Schwelgerei. Für die na­tionale Wiedergeburt Italiens, sein höchstes Ziel, erschien ihm eine vollständige militärische Reorga­nisation die wichtigste Grundbedingung. Deshalb hat er als Staatssekretär der Republik Florenz (1498 bis 1512) eine Volkswehr aufgestellt, bei der die Bürger ausnahmslos zum Waffendienst verpflichtet waren. Freilich war diese allgemeine Wehrhaftigkeit des flvrentinischen Volkes nur von kurzer Dauer, aber sie bleibt denkwürdig als erste Durchführung des Gedankens in der neueren Ge­schichte. Macchiavellis Ideen fanden in dem durch Söldnerwesen zerrütteten und verwüsteten Deutsch land bald Widerhall. Den frühesten Vorschlag, die Wehrkraft unserer Ration in einer würdigeren Weise zusammenzufassen, machte der Feldzeug­meister Michael Ott von Achterdingen,der in seinem »Adels- und Kriegsbuch" (1526) für die Errichtung eines stehenden Ofsizierkorps als Kern eine« geordneten HeereS eintrat. Rach ihm verfocht der Feldhauptmann Lazarus von Schwendi die Volksbewaffnung, »denn die fremden Söldner sind schier nimmer so treu, ge­horsam und fertig als die Untertanen und kosten viel mehr aufzubringen und zu unterhalten."

Es war dann um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts, daß zwei einflußreiche Fürsten und Strategen auftraten, die die allgemeine Wehr­pflicht auf ihre Fahne schrieben: Graf Johann von Rassau-Siegen, der Förderer deS von seinem Vater begründeten nassauischen Volksaus- gebodes, und der Landgraf Moritz von H e f s e n, der in demselben Sinne für die Be­waffnung seiner Untertanen wirkte. Die Erzie­hung des ganzen Volke- zum Kriegsdienst das ist das Leitmotiv, das alle Schriften Johanns durchzieht; »Die Untertanen aber haben ManneS- herzen so gut wie die Söldner: fie sind immer zur Hand und kehren, auch wenn sie, was Gott verhüte, geschlagen wären, wieder in die Hei­mat zurück, während man geschlagene Krieg s- knechte nie wieder sieht. Ihr Vaterland werden Untertanen nie verraten und auch nicht verwüsten. Dazu sind sie weit anspruchsloser als Söldner unb gewöhnt, gelegentlich auch einmal mit schmaler Kost vorlieb zu nehmen." Ebenso meint Landara Moritz, die Verteidigung durch die eigenen Lan­deskinder sei das beste Mittel, den Frieden zu sichern und die Feinde im Zaum zu halten, »denn feiner gern mit einem Ochsen anbindet, solange derselbe feine Hörner hat." Solche Versuche zur

Landrettung" durch die eigene Dolkskraft wur­den durch den Triumph der geworbenen Solda- teska während des Dreißigjährigen Krieges im Keime erstickt. Die praktischen Kriegsmänner tra­ten energisch für das stehende Söldnerheer ein, und nur die Träger der Ideale, die Philosophen, hielten an dem höheren Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht fest. Spinoza in seinem »politi­schen Traktat" (1670) fordert, daß das Kriegs- Heer »bloß aus den Bürgern, keinen ausgenom­men, und aus niemandem andern" bestehen soll: Bei jeder andern Heeresbildung vermögen die Bürger ihre Freiheit nicht zu behaupten und wird das Heereswesen zur Quelle eines ewigen Krie­ges. Denn wenn die Bürger dulden, daß der Kö­nig Söldner wirbt, deren Gewerbe der Krieg ist, so wird bei Zwietracht und Aufstand die Macht in deren Hände fallen." Leibniz, der geniale Denker, der in seiner allumfassenden Tätigkeit sich auch mit einer Systematik der Kriegswissenschaften beschäftigt hat, findet das beste Mittel der Hee- resreform in der Ausbildung der Ration zum Kriege und arbeitet auf Errichtung eines stehenden Heeres, ja in Fällen dringender Rot auf das allgemeine Aufgebot, den Landsturm, hin.

sicher regieren will, muß seine Truppen aus Leuten bilden, die sich aus Liebe zu ihm bei Kriegszeiten willig einstellen, mxb lieber jedoch beim Frie- densschluh nach Hause gehen. Solche Leute sind aber nur die Bürger des Vaterlandes. Diese treten weder ganz wider Willen, noch auch voll­kommen freiwillig unter die Waffen: es ist der großen Ganzen, der sie zu den Fahnen :yr als die Drohung vor Strafe wirkt

Gießen, den 8. September 1932.

Zuhrwerlsbesiher, achtel aus die Eibe-

Immer wieder kommt eS vor, daß Zugtiere plötzlich eingehen, ohne daß man sich über die Todesursache im klaren ist. Erst bei späterer Untersuchung stellt sich bann heraus, daß bie Tiere den Dergiftungstod durch die Eibe, auch Taxus genannt, gefunden haben. Die Eibe ist alS Schmuckstrauch in Gärten und Parkanlagen anzutreffen und wegen ihre- immergrünen Radel­werkes sehr beliebt. Am meisten findet sie zu Umzäunungen Verwendung, da sie jeden Schnitt leicht verträgt. Als Baum ist die Eide fast völlig ausgerottet, weil sie sehr langsam wächst und mehrhundertjährige Stämme nur einen Durch­messer von einem viertel Meter erreichen. Q3hl zu wenig ist leider bekannt, daß das Grün der Radeln ein gefährliches Gift für unsere Haus­tiere enthält, daS schon in geringen Mengen den Tod herbeiführt. Auch der Same, nicht aber die sie umschließende rote Fruchthülle, ist stark gifthaltig. Jeder Fuhrmann sollte deshalb achtgeoen, feine Zugtiere niemals unbewacht in der Rühe solcher Taxushecken oder -sträucher stehen zu lassen.

Dem Menschen kann eigentlich nur die Frucht zwn Verderben gereichen. DaS darin enthaltene betäubende Gift greift die inneren Organe an, lähmt Herz und Lunge und führt den Tod durch Ersticken herbei,

Sichert euch ein The ate r - Abon­nement. Wie man unS mitteilt, bietet ein Abonnement im Stadttheater große Vorteile und Erleichterungen: große Preisermäßigung (20 bis 25 Prozent gegenüber den Kassenpreisen), erleich­terte Zahlungsbedingungen (8 Raten), keine Zeit­verluste bei der Beschaffung der Karten, Sicher­heit eines festen Platzes, engste Verbindung mit dem Spielplan (durch regelmäßigen Theaterbesuch äleberblick über das Gesamtschaffen der Dühnen- kunst in Schauspiel, Oper und Operette), und viele andere Vorteile. Die künstlerischen Leistungen des Dtadtthealers werden von allen Seiten in steigendem Maße anerkannt. Daher sollte jeder, der mit dem geistigen Leben unserer Tage in Verbindung bleiben will, dem die kulturelle und künstlerische Entwicklung der Stadt Gießen am Herzen liegt und der wirtschaftlich dazu in der Sage ist, es für seine Ehrenpflicht hal­ten, durch Bestellung eines Abonne­ments die Arbeit unserer Bühne in der 25- jährigen IubiläumSspielzeit zu stützen und für die Dauer sicherzustellen. Wollen Sie zu­rückstehen? Rein! Anmeldungen für Abon­nements werden schriftlich oder an der Tageskasse ab 25. September täglich in der Zeit von 10 bis 13 Uhr entgegengenommen.

Fundsachen. DaS Verzeichnis über die im Monat August 1932 gefundenen bzw. abgelie­ferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des PolizeiamtS, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte inner­halb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen.

♦♦ Fortfall von Renten bei der land- und for st wirtschaftlichen Berufsge­nossenschaft Hessen. Auf Grund der in der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. 7. 1932 l.Teil, Kap. 2 Art. 4 $4 erteilten Ermächtigung hat der hessische Innenminister (Abt. Arbeit und

Seine Ideen berühren sich mit denen des größ­ten Kriegshelden der Zeit, des Prinzen Eu­gen, dec 1713 in der höchsten Rot des Kampfes gegen die Franzosen den Plan einer allgemeinen Volksbewaffnung faßte. Dem Kursürsten-Grz- kanzler setzte er damals auseinander: Mit einem Heerbanne von 200 000 deutschen Männern, die keiner anderen Bewaffnung als Sensen undDresch- legel bedürfen würden, getraue er sich, in Ver­bindung mit einer geregelten Armee, die Fran­zosen zurückzutreiben in die Grenzen deS pyrenäi- chen Friedens. AlS darauf der Kurfürst »sehr betreten" erwiderte, das seien fromme Wünsche, rief Eugen leidenschaftlich aas: »Rein, nicht von rammen Wünschen, von Gut und Blut ist die, Rede! Man hat das Volk dahin gebracht, seine Stärke zu verleugnen, um unterzugehenI" TiefeS Schweigen folgte diesen Worten. Die deutschen Großen hatten keine Vorstellung mehr vom beut* scheu Volk. Während der »edle Ritter" durch bie* en seiner Zeit weit vorauSeilenden Vorschlag alle Perücke der Wiener Hofburg in ein bedenkliches Wackeln versetzte, ließ ein anderer Feldherr daS leuchtende Bill) eines »Volke- in Waffen" auf­steigen, allerdings nur im Traume. Der Marschall Moritz von Sachsen, der Sohn Augusts des Starken, dem damals Frankreich seine besten mili- tärischen Srsolge zu danken hatte, wurde in seinem berühmten, vielgelesenen Werk »Meine Träume­reien", das er während dreizehn schlafloser Rächt« hingeworfsn hatte, zum Lobredner der allge­meinen Wehrpflicht. Die furchtbar strengen Maß­regeln, mit denen man damals die Truppen zu­sammenhielt und von der Flucht abschreckte, dies« Grausamkeiten, die auch Friedrich der Große noch für unumgänglich notwendig hielt, erregten den Abscheu deS Marschalls. »Wäre es nicht besser", fragt er, »ein Gesetz aufzustellen, durch das jedes Mann, welches Standes er auch sei, verpflichtet werde, seinem Fürsten und seinem Daterlande fünf Jahre zu dienen? Diese Art der Truppenergän- zung würde eine unerschöpfliche Quelle für gut« und kräftige Soldaten bilden, die nicht in die Ver­suchung kämen, zu desertieren. Man würde sogar allmählich den Dienst als eine ehrenvolle Pflicht betrachten; aber bann dürfte man keinen Stand aus nehmen, müßte in diesem Punkt streng fein und keine Adligen oder Reichen bevorzugen: niemand würde noch murren und sich beklagen, wenn der arme Bürger sich mit dem Beispiel des Reichen trösten und der Reiche den Edelmann bienen sehen würde. Der Krieg wird ein ehrenhafter ©taub!

Von solchen »Träumereien" zur Tat fortge­schritten <yu sein, war der Ruhm König Fried­rich Wilhelms I., den Scharnhorst ausdrück­lich als einen Dorläufer seiner Ideen anerkannte der den Grund zu dem von Blücher gepriesenen Zustand legte,daß man in Preußen nicht sagen könne, wo der Bürger aufhöre und der Soldat an­fange". Er führte als erster Fürst in Europa die geregelte Konskription nach dem Grundsatz durch, daß alle Einwohner des Landes für bis Waffen geboren feien. Aber von der »Kanton­pflicht" waren noch ganje Klaffen befreit, und fv kommt das Verdienst, die allgemeine Wehrpflicht zuerst wirklich, wenn auch in ganz kleinen Ver­hältnissen durchgeführt zu haben, einem andern deutschen Fürsten zu, dem Grafen Wilhelm zur L ippe, von dem Gneisenau sagte: »iln« fere ganze Volksbewaffnung vom Jahre 1813, Land­wehr und Landsturm, das gaiue neuere Kriegs­wesen, hat der Mann ausführlich bearbeitet, von den größten Ilmriffen bi« auf das kleinste Ein­zelne, alles hat er schon gewußt, gelehrt, auS- geführt. Denken Sie nun, was daS für ein Mann gewesen, auS dessen Geiste so weit in der Zeit voraus zwiefach die größten Kriegsgedan­ken sich entwickelt, an beten späterer Verwirk­lichung zuletzt die ganze Macht Rapoleons eigent­lich zusammengebrochen ist!" In seinem Lande Schaumburg waten bereits mehr als 6 Prozent der ganzen Bevölkerung unter Waffen bei einer sechsjährigen, durch Urlaub abgekürzten Dienst­zeit. Seitdem mehrten sich die Stimmen, die die­sem System die Zukunft verhießen. Mon­tesquieu forderte, daß das Heer das Volk fei und denselben Geist wie das Volk habe. Der eng­lische Rathmalökonom Adam Smith stellte das Ideal auf: »Das ganze Volk in Waffen geübt und ein stehendes Berufsheer, das ihm im Frieden als Schule, im Kriege als Rückhalt dient", unb Justus Möser, bet Verkünder eines neuen Geistes, weissagte in seinen »Patriotischen Phan­tasien" :Richts ist gewisser als daß bei der Wen­dung, welche die Sachen nehmen, in hundert Jah­ren die Rationalmiliz überall das Hauptwesen ausmachen unb unsere Verfassung von neuem be­festigen wird!"

So wat bet geistige Boden für eine Saat bear­beitet, die, von klugen Patrioten in Preußens dun­kelster Zeit gesät, 1813 aufging. Zwar hat es schon vor dem preußischen »Volk in Waffen" ein­zelne größere Heere gegeben, beten Organisation sich dem System der allgemeinen Wehrpflicht näherte. Die Miliz der schweizerischen Eidgenos­senschaft, die Rapoleon bewunderte, war und ist auf diesem Gedanken aufgebaut, aber fie ist kein »stehendes Heer". Die französischen Revvlutions- auneen beruhten wohl kurze Zeit (nach 1793) auf bet allgemeinen Wehrpflicht, aber unter Ra­poleon überwogen doch wieder die Formen des alten Söldnetwesens. Die Volkserhebungen in Tirol unb Spanien zeigten zwar bereits »ein Volk in Waffen", aber es war nur ein kurzes Aufflackern der Empörung. Gin stehendes Heer auf bet Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht als dauernde Einrichtung das ist die neue Er­scheinung, die die preußische Erhebung der Ge­schichte geschenkt hat.

Wirtschaft) mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 ab verordnet:Den in der land- und forstwirtschast- lichen Berufsgenossenschaft für Hessen versicherten Unternehmern oder den ihnen nach §559, L. Abs. 2 der Reichsversicherungsoerordnung Gleichgestellten werden Unfallrenten nicht gewährt, wenn die Er­werbsfähigkeit des Verletzten infolge des Unfalls um weniger als ein Drittel gemindert ist."

** Kreis-, Obst- und Gartenbauver­ein. Der Vorstand des Streis«, Obst, und Garten» bauoereins Gießen hielt gestern im Regierungs- Sebäube eine außerordentliche Sitzung unter Leitung es stellvertretenden Vorsitzenden, Garteninspektor Rehn eit, ab. Als wichtigster Punkt stand die Wahl eines neuen Kreisvorsitzenden auf der Tages­ordnung, die durch den Wegzug und die Beförde­rung des Polizeidirektors Wolf zum Kreisdirektor in Alzey nötig wurde. (Einmütig wurde Regierungs- rat Dr. Krüger vom Kreisamt Gießen in Dor- schlag gebracht, der durch eine Kommission herbei­gebeten, erschien und sich zur Annahme des Amtes bereiterklärte. Der neue Vorsitzende wies in feiner Begrüßungsansprache auf die Verdienste feines Vorgängers um die Hebung des heimischen Obst­baus hin und versprach, seine ganze Kraft für För­derung der Dere'.nsinteressen einzusetzen. Im Ver­laufe der weiteren Beratungen wurde noch ein Gesuch des Obst, und Gartenbauvereins Gießen anläßlich seiner am kommenden Sonntag statt­findenden Blumen-, Gemüse- und Obstausstellung im Sinne des Antragsstellers erledigt und beschlof- fen bei der Provinzialverwaltung und den Ge­meindebehörden des Kreises anzuregen, vor dem 26. September keine allgemeinen Obstversteigerungen des Spätobstes vorzunehmen, lieber einen Antrag, ausgangs Winter eine Prämiierung der bestgepsleg- testen Baumanlagen durchzuführen, soll in einer späteren Sitzung endgültig Beschluß gefaßt werden. Nachdem noch Obstbauinspektor E n k l e r vom Land- wirtschastskammerausschuß Gießen über das neue Obstsortiment der Provinz Oberhessen, die in Aus- sicht genommene Obstbaumzählung im Lande Hessen und die neue Schorfkrankheit der Sauerkirschen und ihre mögliche Bekämvfung berichtet hatte schloß der Vorsitzende mit Dankesworten die anregend Der- laufene Tagung.

DaS Hessische Heimatwerk, bas Kreisamt unb bas KreiSichulamt hatten zu einer Zusammen­kunft eingeladen, an der die Lehrer bes Landkrei­ses Gießen sehr zahlreich teilnahmen. Die Zu­sammenkunft galt der Beratung der zu ergreifen­den Maßnahmen zur Betreuung bet im freiwilli­gen Arbeitsdienst beschäftigten jungen Menschen. Schulrat Fischer, Gießen, begrüßte die Teil­nehmer. Er wies auf den Ernst der angestrebten Arbeit hin.

i Die materielle Rot unter den Jugendlichen fei groß, die seelische Not noch größer.

1 Sie zu lindern würden viele Hände gebraucht. Die Detreuungsarbeit werbe nicht nur eine Ar­beit für Wochen ober Monate, sondern für Jahre sein. Wer die Kraft in sich fühle, mitzuhelfen, dürfe sich dem Werke nicht versagen.

Oberregierungsrat Ritzel führte u. a. aus, daß bas Kreisamt in vielfältiger Weise an ber Be­treuung ber Arbeitsbienstwilligen interessiert sei. Man werde das Möglichste zur Förderung deS freiwilligen Arbeitsdienstes tun. Mit den Bür­germeistern des Kreises werde man eng zusam- menarbeiten, um auch den seelischen Röten zu steuern. Der Lehrer aber müsse mithelsen, wo er nur könne, um ber Iugenb wieder Vertrauen zu sich selbst zu vermitteln, fie zur Bejahung ber Gemeinschaft zu führen.

Für diefe Arbeit werde viel Idealismus verlangt.

Es gelte Spannungen unter den Jugendlichen zu mildern und zu beseitigen. Er gebe dem Wunsche Ausdruck, daß es im Rahmen bes Hessischen Hci- matwerkeS gelingen möge, bie Grunblage für diese Arbeit zu schaffen.

Schulrat Fischer betonte, daß das ganz« Volk an die Mitarbeiter appelliere.

Sodann sprach zur Darlegung der Ziele des Hessischen Heimatwerkes der Geschäfts­führer dieser Organisation, Herr Seid, über bie Gedanken bes Aufbaues ber Betreuungsarbeit für die Arbeitsbienstwilligen. Er gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung des Frei- willigen Arbeitsdienstes und stellte zwei Thesen als ben Sinn des Arbeitsdienstes herauS:

1. in selbstloser Arbeit müßten Werte geschaffen werden:

2. die Arbeitsbienstwilligen müßten fortgebllbet, körperlich ertüchtigt unb in bie Gemeinschaft ein- gegliedert werben, bas Bewußtsein der Rotwen­digkeit der Pflichterfüllung für die Gemeinschaft müsse geweckt unb gefördert werden. Der Jugend­liche müsse aber auch wissen, daß die Gemeinschaft seiner nicht vergesse.

In weiteren Ausführungen erörterte ber Red­ner die früheren und jetzigen Bestimmungen, die für die Genehmigung eines Arbeitsdienstwerkes die Voraussetzung bildeten und noch bilden. Die Arbeit, die durch den freiwilligen Arbeitsdienst geschehe, müsse in erster Linie gemeinnützig sein.

Die private Wirtschaft dürfe nicht geschädigt wer­den. Träger der Arbeit müßten Gemeinden, Ver­bände, Vereine sein. Die Betreuung werde durch gesinnungsmähige Organisationen in bie Wege ge­leitet

Arbeitsdienst und Betreuung seien ein untrennbares Ganzes.

In Oberhessen habe ber Freiwillige Arbeitsdienst breiten Raum gewonnen. Im August waren über 4 4 00 Jugendliche im Arbeitsdienst tätig. Bisher wurden in Oberhessen allein ins­gesamt über 8000 Jugendliche im Arbeitsdienst beschäftigt. Das bedeute ein Drittel aller ober hessischen älnterstützungSemp- f ä n g e r. Der Arbeitsdienst habe auf die Wirt­schaft belebend gewirkt. Der zugrundeliegende Ge­danke sei gesund. Die Arbeitsdienstwilligen seien über die Arbeitsmöglichkeit sehr befriedigt. Die Meldungen mehrten sich. Gelockerte gesetzliche Be­stimmungen förderten die Arbeitsdienstbewegung nicht unwesentlich. Der Zweck des Hessischen Hei­matwerkes bestehe darin, die Jugend unparteiisch in engen Zusammenhang mit Heimat, Boden und Arbeit zu bringen, bai Ziel sehe man darin, in sinnvollem Zusammenwirken gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Der Gemeinschaftssinn müsse durch die Betreuung wachgerufen werden.

Lichtbildervorträge, Wanderungen, Liederabende, Gemeinschaftsabende, allgemeinbildende Vorträge, Ausspracheabende usw. müßten die Mittel fein, die gesteckten Ziele zu erreichen. Auf die tätige Mitarbeit der Lehrerschaft könne man dabei nicht W?e? Vortrag löste eine außerordentliche rege Aussprache aus. Tie Herren Rektor Keller (Lollar), Lotz (Leihgestern), Schmidt (Gießen), die Herren Lehrer Sommes ^roßen-Linden), Leisenheimer (Rödgen), Kraufch (Gie­ßen) u. v. a. beteiligten sich Die Aussprache brachte manche wertvolle Anregung. Lehrer Sommer (Grohen-Linden) äußerte sich über bie Vorbedingungen der zu leistenden Arbeit, Lehrer Krau sch (Gießen) schilderte seine man­nigfachen Erfahrungen auf dem Gebiete der Be­treuung der Arbeitsdienstfreiwilligen und wies darauf hin, daß die Arbeit dankbar sei. Rektor Lotz (Leihgestern) forderte dazu auf, mitzuhelfen und sich nicht auszuschließen.

Mit Worten des Dankes schloß Schulrat Fi­scher die Zusammenkunft. Die Teilnehmer, so- oweit fie zur Mitarbeit bereit waren und sich berufen fühlten, hatten sich inzwischen in eine Liste eingezeichnet, bte dem Hessischen Hemmt- werk übergeben wurde, das sich nun semersetts an die einzelnen Herren wenden wird um die praktische Arbeit der 'Betreuung vorzuberetten. Die Zusammenkunft war von einem tiefen Ernst aetraaen und von dem DewuhtfelN der Der- anttoortung für die Zukunft der Jugend erfüllt.

Zlugzeugabsturz auf die Oorsstraße.

MSN. Wörrstadt, 7. Sept. Am Montag um die Mittagszeit erschien über Wörrstadt ein Flug­zeug, das auf dem Flugplatz Wiesbaden gestartet war und hier Reklamezettel abwarf. Plötzlich stürzte die Maschine aus etwa 20 Meter Höhe mitten im Ort ab, beschädigte ein Scheunendach und demo­lierte einen angrenzenden Hühnerstall. Der Apparat ging völlig in Trümmer. DiePiloten" kamen mit leichten Verletzungen und dem Schrecken davon Wie sich herausstellte, hatten sie weder Zulassungsgenehmigungcn noch Flug­zeugführerscheine. Der Schwarzflug wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

(Srasschast Erbach

unter Zwangsverwaltung.

WSN. Erbach, 7. Sept. Das Amtsgericht hat jetzt die Zwangsverwaltung über den hessischen Teil der Grafschaft Erbach-Erbach verhängt. Dr. Fun- k e l wurde zum Zwangsoerwalter bestellt. An die Grafschaft dürfen keinerlei Zahlungen mehr geleistet werden.