Ausgabe 
8.9.1932 Erstes Blatt
 
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Berlin. Reichsvereinigung des Personals für das Gastwirtsgewerbe. Sih Berlin, Reichsverband Deutscher Klein- und Straßenbahner, Sih Berlin, Berussverband Deutscher Buchdrucker und Hilfs­arbeiter, Sitz Berlin. Außerhalb dieses Haupt­ausschusses bestehen in der Industrie und im Bergbau keine wirtschaftlichen Vereinigungen bzw. Organisationen der nationalen Arbeiter, so daß im Hauptausschuh eine weitgehendst große Ein­heitsfront der nationalen Arbeiterschaft geschaf­fen wurde.

Oer Kampf gegen die deutsche Schule in polen.

D i r s ch a u, 8. Sept. (2U.) Obwohl auf Be­schluß des Burggerichts die Exmission des Deutschen Schulvereins aus dem Sankt- Georgenhospital eingestellt und die gericht­liche Entscheidung der Angelegenheit auf den 8. Rovember festgesetzt wurde, ist die Dirschauer polnische Handelsschule in die vom Deut­schen Schulverein gepachteten Räume eingezogen und hat alle dem Schulvercin gehörigen Ein­richtungen mit Beschlag be l e g t. Es er­weckt den Anschein, daß die Exmission des Deut­schen Schulvereins nur deshalb beabsichtigt ist, um die Räume für die polnische Handelsschule freizubekommen. Das deutsche Privat- g y m n a s i u m wurde seinerzeit geschlossen, weil die Räume angeblich nicht genügten. Für die polnische Handelsschule aber sind sie jetzt aus­reichend!

Südwestafrika braucht deutsche Siedler

Johannesburg, 7. Sept. (TAI.) Der süd­afrikanische Ministerpräsident General H e r h o g hatte eine Alnterredung mit dem Gründer der Afrikanisch-deutschen Arbeitsgemeinschaft, Wer­ner Schmidt, Pretoria. General Herhog er­klärte, das Schicksal Südwestafrikas werde sich bei der demnächst stattfindenden Abstimmung entscheiden. Möge das Abstimmungsergebnis ausfallen wie es wolle, er, Herhog, werde immer den Standpunkt vertreten, daß das frühere deutsche Schutzgebiet nur dann wieder zu wirt­

schaftlicher Blüte kommen könne, wenn es I die Besserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage vorausgesetzt von deutschen Sied­lern und Bauern bevölkert werde.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsarbeitsminister besprach mit den Spitzenverbänden der Arbeitgeber die Maßnah­men, die sich für die Durchführung der Deschäftigungsprämie und der Doll­zugsverordnung über Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit eignen. Die Spihenver- bände werden die Reichsregierung bei der Durchführung unterstützen und erwarten von den Maßnahme,: eine Belebung der Wirtschaft. Am Donnerstag empfängt der Reichsarbeitsminister zu demselben Zweck die Gewerkschaften.

In Schanghai haben 70 örtliche Handelsgilden, zu denen die Inhaber des größten Teiles der chinesischen Kaufläden von Schanghai gehören, ein Manifest ver­öffentlicht, in dem sie einewirtschaftliche Blockade gegen Japan" erklären und die ganze Nation au'ffordern. sich daran zu beteiligen.

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Der Prager Ministerrat hat das Gesuch Trotzkis um Einreisebewilligung in die Tschechoslowakei zustimmend erledigt, jedoch wird gefordert, daß sich Trotzki zur Ein­haltung gewisser Bedingungen verpflichte. Al. a.. daß er die Tschechoslowakei nicht zum dauernden Aufenthalt wählt, daß er sich jeder politischen Tätigkeit enthält und erst nach Schluß der Kur­saison nach Bad Pisthan komme, wo er sich einer Kur zu unterziehen gedenkt.

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Die brasilianische Bundesregierung hat eine Verschwörung, die den Sturz der Re­gierung des Staates Minas Geraes herbeiführen sollte, vereitelt und zahlreiche Beteiligte oer- haftet. Die Verschwörung, deren Führer der frühere Präsident Bcrnardes war, hatte bereits auch in Rio de Janeiro Fuß gefaßt.

Einigung Im belgischen Bergarbeiterstreik.

In der Gemischten Bergbaukommission ist es dieser Tage zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu einem Vergleich gekommen, der auch vom Aus­schuß des sozialistischen Kohlenarbeiterverbandes ge­billigt wurde. Dagegen behielt sich der Verband der Kohlenzechenbesitzer seine endgültige Entscheidung noch vor. Sachlich enthält die Einigungsformel eine allgemeine Lohnerhöhung von allerdings nur einem Prozent ab 1. Oktober 1932. Im Bari- nagegebiet wird nach Möglichkeit das gesamte Per­sonal wieder eingestellt, wobei ein System des A r - beitswechsels zur Vermeidung der völligen Arbeitslosigkeit eingeführt wird. Auch in den anderen Kohlenrevieren soll eine ähnliche Arbeitsweise an­geordnet werden.

3n Südtirol abgestürzt.

In der Brentagruppe, oberhalb von Molveno, stürzte, wie aus Bozen gemeldet wird, der Dresdner Apotheker P e t r u s ch über eine 150 Meter hohe Wand tödlich ab. Seine Leiche wurde zu Tal geschafft.

Sprengstoffanschlag auf einen litauischen Zugführer.

Auf den litauischen Zugführer des zwischen Kownv und Cydtkuhnen verkehrenden Personen­zuges 24 ist dieser Tage ein Anschlag verübt worden. In Kowno wurde ihm ein an seine Adresse gerichtetes Paket überreicht' als er es öffnete, explodierte der Inhalt. Der Zug­führer wurde vom Zugpersonal in lebens­gefährlich verletztem Zustande aufgefun­den. Der Wagen wurde ebenfalls beschädigt. Aleber die Gründe zu dem Anschlag ist noch nichts be­kannt.

Die Ueberschwemmungen in Texas.

Dos Hochwasser in Texas hat sich zu einer Katastrophe entwickelt. Der Rio Grande ist über die Ufer getreten. Auf der mexikanischen Seite sind die Dämme geborsten, wäbrend sie auf amerikanischer Seite standgehalten Haven. Mehrere tausend Hektar Landes stehen unter Wasser. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Dollar ge- schätzt. DieZahlderOpfer beträgt bisher zwölf. Zahlreiche Dörfer sind jetzt ohne Verbindung mit der Außenwelt.

Schluß mit der Arbeitslosigkeit!

Dem Verstand der Richtpolitiker leuchtet es nicht ein, daß es richtig war und ist, Milliarden in Form von Alnterstühungen auszugeben, ohne auch nur den Versuch zu machen, mit diesem Geld Arbeit und Werte zu schaffen. Daher auch die vielen Vorschläge aus allen Kreisen der Richtpolitiker. Sie sind meistens deshalb un­brauchbar, weil sie nicht bis zum Letzten durch­dacht und auf längere Sicht hin angelegt sind. Mit bis ins kleinste ausgearbeiteten allgemein verständlichem Plan tritt Dr. Ludwig Reiners im neuesten Sonderheft derSüddeutschen Monatsheft e", München, das den Titel trägt Schluß mit der Arbeitslosigkeit", hervor. Der hier spricht, ist ein Mann des praktischen Lebens. Er hat als Angehöriger der Frontgeneration nach dem Kriege in jungen Jahren im In- und Ausland seine wirtschaftlichen Fähigkeiten be­wiesen und steht jetzt an leitender Stelle eines großen Alnternehmens, das auch in den letzten 1 schweren Jahren erfolgreich gearbeitet hat.

Der Hauptinhalt seiner Ausführungen ist fol­gender: Die Versorgung der Arbeitslosen mit Rahrung, Kleidung, Hausrat ist einkaufkräfti­ger Markt", sofern man diese Millionen nur wie­der an ihre Arbeitsstellen schickt, damit sie selbst erzeugen können, was sie so bitter entbehren. Alles kommt darauf an, daß es gelingt, das Dreieck: arbeitslose Menschen, unbeschäftigte Ma­schinen und ungestillte Bedürfnisse zu schließen.

Mit Hilfe der Arbeitsdienstpflicht lassen sich die Kosten der Arbeitsbeschaffung sofort erheb­lich verringern. Die Finanztvrung erfolgt durch Wiederbelebung der Rentenmark, welche schon 1923 unsere Wirtschaft gerettet hat. Sie tritt in dem begrenzten Almfange von rund einer Mil­liarde als Binnenwährung neben die bestehende Währung.

Alles kommt darauf an, daß der erste Anstoß der staatlichen Arbeitsbeschaffung sich auf die übrige Wirtschaft überträgt, d. h, daß auch die gesamte Privatwirtschaft wieder Arbeitskräfte ein­stellt. Alm dies zu gewährleisten, verlangt der Verfasser, daß jeder Unternehmer, welcher die Zahl seiner Arbeitskräfte vermehrt, für eine bestimmte Zeit einen Zuschuß zum ' Lohn der Mehrbeschäftigten erhält. Zusammen mit der er­höhten Rachfrage, welche von dem Arbeitsbe­schaffungsprogramm ausgeht, wird dieser Anreiz genügen, um die allmähliche Wiedereingliederung der Arbeitslosen zu bewirken. Diese Schritte müssen im Rahmen eines Gesamtprogramms durchgesührt weroen, das einen klaren Schluß­strich unter die Vergangenheit zieht. Punkt für Punkt zeigt der Verfasser, welche Schritte hier­für nötig sind.

Zahresfest im Knabenerziehungsheim Hühnlein.

* Darmstadt, 7. Sept. Das Knabenerzie­hungsheim zu Hühnlein, das im Jahre 1851 zur Erziehung gefährdeter Knaben gegründet wurde, feiert am Sonntag, 11. September, sein 81. Iah- resfest. Es soll in etwas größerem Rahmen ge­feiert werden, da in diesem Jahr die beiden bewährten Erzieher dieser Anstalt Hausvater D a ck e und Lehrer Tröger 2 5 Jahre im D i en st e der An st alt stehen. Durch vor­bildliche Treue und Zuverlässigkeit und durch große Liebe zu den ihnen anvertrauten Kindern haben sie dem Werke große Dienste geleistet. Am frühen Rachmittag findet ein Gottesdienst in der Kirche des Dörfleins statt. Festprediger wird der Superintendent von Starkenburg, Herr Oberkirchenrat Dr. Müller, sein. An diese kirch­liche Feier wird sich eine entsprechende Ver­anstaltung in dem Heim anschließen, wo der Vorsitzende der Stiftung, der Vizepräsident der Kirchenregierung und des Landeskirchenamtes. Dr. Dahlem, eine Ansprache halten wird. Hieran werden sich Spiele und Wettkämpfe der Knaben anschließen.

Oer Raunheimer Lleberfall aufgeklärt?

Raunheim, 7.Sept. (WSN.) Unter dem Ver­dacht, den Raubüberfall auf Baron von Behr am Sonntagabend ausgeführt zu haben, wurden hier vier Arbeiter im Alter von 19 bis 25 Jahren ver­haftet. Sie wurden heute dem Amtsgericht Groß- Gerau oorgeführt.

Eine neue Hitler-Rede über den politischen Kurs der RSOAp.

Aus aller Welt.

Deutscher Pfarrertag in Jena.

Der Verband Deutscher evangelischer Pfarrer-Vereine, der 38 Pfarrer-Vereine mit 17 143 Mitgliedern zählt, hielt in Jena seinen aus allen Teilen Deutschlands gut besuchten Pfarr^- tag ab. Nachdem neuerdings auch der bayerische Pfarrerverein seinen Beitritt beschlossen hat, stellt der Verband die Vertretung der gesamten deutschen evangelischen Pfarrcrschaft dar. Die Versammlung stimmte dem bayerischen Antrag auf Anschluß an den Verein einmütig zu. Der bayerische Vertreter hob hervor, daß die starke Verbundenheit zwischen dem bayerischen Pfarrerstand und dem des übrigen Reiches auch in der Vergangenheit bestanden habe. Der Rektor der Universität Jena, Pros. Dr. Es au, betonte die Zusammengehörigkeit zwischen Theologie und Naturwissenschaften. Der Dekan der Theolo­gischen Fakultät, Prof. Dr. Fascher, sprach über Das seelische Ringen der heutigen Jugend". Lau- desobcrpsarrer D. Reichardt wies auf die ver­trauensvollen Beziehungen zwischen den Kirchen­behörden und dem Pfarrerverein in Thüringen hin. Professor D. Dr. Schmid-Japing (Bonn) hielt einen Vortrag über die geistige Lage der Gegenwart und die Kirche. Ein weiterer Vortrag von Prof. Dr. Giese (Frankfurt a. M.), befaßte sich mit der weltlichen Rechtsstellung der Religionsgesellschaften in Deutschland. Der nächste Pfarrertag soll in Frankfurt a. M. stattfinden.

Tagung der Psychoanalytiker in Wiesbaden.

Der im Wiesbadener Kurhaus tagende und aus allen Ländern Europas und aus Amerika besuchte 12. Internationale Psycho­analytische Kongreß hat eine Reihe interessanter Vorträge gebracht. Der Präsident des Kongresses, Dr. E i t i n g o n , Berlin, forderte bei der Eröffnung der Sitzungen, daß die Psycho­analytiker die Analyse ohne Zugeständnisse in jene Zeiten hinübertragen müßten, die ihr zu­gänglicher und offener gegenüberstehen würden. Auf dem Kongreß wurden etwa 40 wissenschaft­liche Vorträge gehalten. In der geschäftlichen Sitzung wurde Dr. Jones, London, zum Zen­tralpräsidenten gewählt. Von den neugegründe­ten Lehrinstituten Boston und Reuyork wurden verschiedene deutsche und sonstige europäische Ge­lehrte in den Lehrkörper berufen. Erwähnens­wert ist noch, daß der Kongreß einheitliche Richt­linien für alle internationalen psychoanalytischen Lehrinstitute aufgestellt hat.

Dom Deutschen Gastwirtetag in Münster.

Auf dem, wie bereits gemeldet, in Münster ab­gehaltenen 5 7. Deutschen Gastwirtetag betonte Präsident Köster, daß das Gastwirts­gewerbe nicht durch eigene Kraft aus der Rot- tage herauskommen könne: es müsse ihm Hilfe durch die Gesetzgebung zuteil werden. Eine Sperre neuer Konzessionen sei nur wirksam, wenn die Anzahl der Betriebsstätten wesentlich gesenkt und keine Mammutbetriebe und Konzerne zugelasfen würden. Wenn die Reichsregierung mutig genug sei, allen Widerständen zum Trotz dem Vaterlande zu dienen und die Sanierung der Wirtschaft vorzunehmen, werde das Gastwirts- gewerbe ihr die Änterstühung nicht versagen. Oberpräsident Granowski und Oberbürgermei­ster Dr. Zu Horn hielten Begrüßungsanspra­chen. Eine Reihe von Anträgen, die den W e g - fall der Gemeindebier st euer und Ge­meindegetränkesteuer sowie die Herabsetzung der Almsatzsteuer und der Vergnügungs­steuer fordern, wurde angenommen. Vorschläge zur Abänderung desGaststättenge- setzes sollen dem Reichstag unterbreitet weroen.

12. Hauptbundestag der Bäckergesellen.

Der Hauptbundesvorsihend« G. Wischnövski be­grüßte den Präsidenten des Germania-Verban­des, die Ehrenmitglieder und weitere zahlreiche Gäste unb Ehrengäste. Hierauf hielt der Haupt- bundesvorsihende einen Dortrag über das Thema «Alnfete Aufgaben in der heutigen Wirtschaftsnot unter besonderer Berücksichtigung der Tages­arbeiten". Aleber das Thema Lehrlingsfragen, Dolontärwesen und Jugenderziehung sprachen der Zweigbundesvorsihende Stein, Dresden, und F. Tvlksdorf, Berlin. Beide verlangten eine Ein­schränkung der Lehrlingshaltung, Beseitigung des Dolvntärunwesens und ein« sruchtbare Jugend­erziehung. Das Thema «Werbearbeit" behan­

delten der Zweigbundesvorsihende G. Müller, Bremen, M. Pehold, Leipzig, Sekretär des Bun­des, sowie Dobe, Bochum, gleichfalls Sekretär des Bundes. Als nächster Tagungsort wurde für den 13. Hauptbundestag Braunschweig gewählt. Am Dienstag fand eine rege Aussprache über die Dor­träge statt. Abends fand ein Bierabend statt, wo zugleich die Preisverteilung für die Beteiligten im 5. Wettstreit in der Dackkunst vorgenommen wurde.

Unter Kindesmordverdacht verhaftet.

Die Waldenburger Kriminalpolizei hat, Ber­liner Dlättermeldungen zufolge, den früheren kom­munistischen Landtagsabgeordneten Schulz unter dem Verdacht des Mordes an seinem zehnjährigen Sohn verhaftet. Schulz, der als brutaler Mensch befaimt ist, mißhandelte seine beiden 10- und 11jährigen Kinder schwer. Die Polizeibeamten fanden den Elfjährigen in der Wohnung mit erheblichen Verletz ungen am ganzen Körper vor. Auf die Frage nach sei­nem 10jährigen Sohn gab Schulz an, er hätte ihn einer unbekannten Frau mit nach Rußland gegeben. Da die Polizei den Ver. dacht hegt, daß er das Kind zu Tode miß­handelt und dann beseitigt hat, verhaftete sie ihn. Schulz lebt in zweiter Ehe von seiner Frau ge­trennt mit den Kindern allein. Seine erste Frau hatte sich wegen der dauernden Mißhandlungen von ihm scheiden lassen. Seine zweite Frau lebt aus demselben Grunde getrennt von ihm. Schulz wurde vor kurzem aus der kommunistischen Par­tei ausgeschlossen. Er gilt als überaus brutaler Mensch. Als er einmal eine sozialdemo­kratische Abgeordnete beleidigt hatte, wurde er von ihren Söhnen vor dem Parlament mit einer Hundepeitsche verprügelt. Seither führt er den SpitznamenHundepeitschen-Schulz".

Dom Sondergerichl zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt.

Das Sondergericht Liegnitz verurteilte den 19- jährigen Schornsteinfegerlehrling Walter Bit­te r m a n n aus Bunzlau wegen schweben Diebstahls in zwei Fällen, versuchten Totschlags und unbefugten Waffen­besitzes zu acht Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust. Bittermann hatte am 15. August d. I. in Dobrau bei Bunzlau in einem Gasthaus «ingebrochen. Als er dort von zwei Frauen überrascht wurde, schoß er aus einem Revolver und verletzt« dabei ein« Frau schwer. Er wurde einige Tage später in Bunzlau verhaftet und legte ein umfassendes Geständnis ab. Bereits am 21. Juli hatte er in derselben Gastwirtschaft «inen schweren Einbruchsdiebstahl verübt und dabei etwa 80 Mark erbeutet.

Falschmünzerbande verhaftet.

Seit einiger Zeit tauchten in Berlin auffällig viel falsche Fünf - und Zweimarkstücke sowie Fünfzig-Psennigstücke auf. Die Kriminal­polizei ermittelte jetzt als Haupttäter einen wegen Falschmünzerei bereits mehrfach vorbestraften Mann namens Kaiser, der seinen Strafurlaub aus einem mitteldeutschen Gefängnis erneut zur Herstellungvon Falschgeld benutzt hatte. Kaiser und mehrere Helfershelfer, die ebenfalls sämtlich vorbestraft sind, konnten festgenom- men werden. Auch gelang es, die Schlupfwinkel der Täter auszuheben. Man fand zahlreiches Falschgeld und Gerätschaften, die zur Herstellung der Falschstücke gedient hatten. Die Täter sind weitgehend geständig.

Grohfeuer in der Laubenkolonie. Ein Mann verbrannt.

In einer Berliner Laubenkolonie brach in einer der letzten Rächte ein Grohfeuer aus, durch das in ganz kurzer Zeit drei Wohnlauben, vier Stallgebäude und mehrere Bretterstapel i n Asche gelegt wurden. Mit fünf Schlauch­leitungen wurde bis in die frühen Morgenstunden gelöscht. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde die Leiche des Händlers Ferdinand Richter verkohlt aufgefunden. Eine 59jährige Händlerin, Emilie Ober, wurde so schwer verletzt, daß sie unverzüglich ins Krankenhaus gebracht wer­den mußte Mitverbrannt sind ferner ein Pferd, zwei Schweine, zwei Hühner und zahlreiche Ka­ninchen. Die Brandurfache konnte noch nicht ge­klärt werden.

M ü n ch e n, 7. Sept. (TU.) Im überfüllten Zirkus Krone sprach am Mittwochabend Adolf Hitler über die innerpolitische Lage. Unter stürmischem Bei­fall erklärte Hitler: Wir lassen Euch nicht zur Macht kommen, und wenn Ihr den Reichstag zehnmal auf­löst. Diese alten Exzellenzen werden pns nicht mut­los machen können. Ich bleibe bei meinem Eid. zu dem Ihr mich gezwungen habt. Ich bleibe streng verfassungsmäßig. Das könnte Euch passen, uns von der Verfassung wegzulocken. Wir bleiben bei der Verfassung. Allerdings, wir werden sie auch ab- ändern, aber verfassungsmäßig. Wenn Ihr uns vorwerft, daß wir den Parteistaat erhalten wollen, so antworten wir: Wir wollen den deut­schen Volks st aat retten. Mit dem neuen Rettungsprogramm Papens rettet man nicht das deutsche Volk, sondern höchstens ein paar Banken.

Scharf wandt« sich Hitler gegen Papen wegen der Verurteilung der Beuthener S A. - L e u t«. Hitler erklärte:Dreihundert­fünfzig Rationalsozialisten sind getötet worden. Auch nicht ein Mörder wurde dafür geköpft. 40 000 sind verletzt worden. Mir ist nichts davon bekannt, daß man jemanden dafür mit dem Tode bestraft hätte. Es ist mir nicht bekannt, daß in Polen jemals fünf Personen zum Tode verurteilt wurden, weil sie einen Deutschen erschlagen haben, der zahlreiche Polen gemordet hat und den polni­schen Staat vernichten wollte. In unserem Reich, das wir errichten, werden nicht fünf Deutsche wegen eines polnischen Mörders zu>m Tode ver­urteilt. (Stürmischer Beifall.) Herr von Papen hat von Gerechtigkeit gesprochen. Das ist in meinen Augen nicht Gerechtigkeit, sondern Wahn­sinn. Bei mir erlischt die Kameradschaft nicht, auch wenn die Kameraden einmal einen Fehlgriff machen. Glaubt ihr, daß man im Kampfe eure Paragraphenregister immer dabei hat? Aleber Soldaten können nur Soldaten zu Gericht sitzen und über Kämpfer in einer Freiheitsbewegung können nur Mitkämpfer zu Gericht sitzen. Die anderen verstehen das gar nicht. Erst belegt man die Beuthener SA.-Leute mit einem Todes­urteil und dann kann man dieses Air teil nicht aufrecht erhalten. Run begnadigt man sie zu ^lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Glaubt ihr wirk­lich, daß dieser Spruch bleibt, daß es so lange dauert, bis wir in Deutschland zur Macht kom­men? Wir werden zur Macht kommen (stürmischer Beifall) und werden unsere Kame­raden vor ein Tribunal stellen und untersuchen, wie weit sie wirklich gefehlt haben. Dabei werden wir ausgohen von dem fundamen­talen Grundsatz, daß das Leben der Ration wich­tiger ist als'alles andere. Mit dieser politi­schen Führung in Deutschland können wir nie­mals zusammengehen. Herr von Papen be­greift nicht, warum die SA.-Leute auf mein Telegramm an die Beuthener Verurteilten nicht sofort von mir Weggehen. Wenn Herr von Papen im Kriege gewesen wäre, anstatt auf der Bot­schaft in Reuyork, wenn er in den dreizehn Jah­ren statt im Herrenklub bei uns gewesen wäre, würde er dies verstehen. Polen hat über 900 000 Deutsche ausgrwiesen. Wieviel« Polen hat Deutsch­land ausgewiesen? Es hat Hunderttausend« hineingelassen.

Wenn Herr von Papen glaubt, die Nationalsozia^ listische Partei wächst nicht mehr, so erwidern mir ihm: Die Partei wächst, bis der letzte Deutsche erwacht ist. Wenn sie morgen den Reichstag auflösen, so freue ich mich heute schon auf den Kampf, der dann beginnen wird. Man wirft uns vor, wir wollten jetzt plötzlich mit an­deren Parteien eine Koalition bilden. Darauf sagen wir: Wir wollen mit anderen Par­teien die Rechte des Volkes wahren, wenn es schon nicht anders geht. Wir schrecken vor gar nichts zurück. Wenn Hugenberg sagt bann geben Sie (Hitler) Ihre heiligen Parteigrundsätze preis, so er­widere ich: Ich habe sie immerhin 13 Jahre lang hochgehalten und ich halte sie auch im 14. Jahre hoch. Nur will ich nicht, daß wegen unserer Grund­sätze vielleicht heute ein System zur Macht kommt, das am Ende alles zerstören würde. Und wenn an­dere sagen, Sie hätten annehmen müssen, warum taten Sie das nicht?, so sage ich: Ja, meinen Sie denn wirklich, daß unsere Bewegung für ein paar Ministerstühle feil ist? Glauben Sie, daß ich über­haupt um einen Titel buhle? In meinem Testament wird einmal stehen, daß ich mir verbitte, daß auf meinem Grabstein etwas anderes steht, als Adolf Hitler". Meinen Titel schaffe ich mir mit meinem Namen und mit meiner Eigenart, von nie­manden verlangt und geschenkt. Auch Herr Hin­denburg kann mir nicht einen Titel geben. (Stürmischer Beifall.) Was heißt für mich schon ein Titel, oder was heißt für mich das Wort Reichs­kanzler? Ich buhle nicht um einen Titel, den vor mir Herr Müller getragen hat. I ch strebe nur nach der Führung. Der Titel ist mir einerlei. Die Ehre, der Führer der Partei zu fein, ist für mich größer, als ein Kanzler in der bekannten Reihenfolge £u fein. Ich verkaufe die Partei nicht für einen Ministertitel, für einen Titel, den sie mir anbieten. Da kämpfe ich lieber weiter, ein Jahr, zwei Jahre, wenn es fein muß, drei Jahre, und wenn die Herren sagen, wir werden es nicht aus­halten, so sage ich, mein großer Gegenspieler, der Herr Reichspräsident, ist 85 Jahre alt und i ch bin 43 Jahre alt und ich fühle mich ganz gesund. Das kann ich den Herren ver­sichern, ich habe die Ueberzeugung, daß mir nichts zustößt, weil ich daran glaube, daß m i ch die Vorsehung für eine Arbeit bestimmt h a t. Ich kann ihnen weiter sagen, daß meine Zähig- teit und Beharrlichkeit durch nichts erschüttert wird, und bis ich einmal 85 Jahre alt bin, lebt Hinden­burg schon längst nicht mehr. Wir kommen ein­mal an die Reihe. Nachgeben werde ich nicht. (Stürmischer Beifall.) Die NSDAP, nimmt den Fehdehandschuh auf, den ihr Herr von Pa- pen hingeworfen hat. Wenn andere sagen, die Ver­fassung sei überlebt, dann sage ich, die Ver­fassung hat jetzt erst ihren Sinn, denn jetzt komme ich und der Nationalsozialismus durch diese Verfassung zur Macht. Unter stürmischem Bei­fall der Versammlung schloß Hitler:Wir wollen den Kampf durchfechten und wollen sehen, auf wen Deutschland hört, ob auf den Befehl des Herrn von Papen: Das Ganze kehrt: oder auf unser Kom­mando: Junges Deutschland vorwärts!"