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8.8.1932 Frühausgabe
 
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zung gegenüber einem Minderhei­tenangehörigen vor kurzer Zeit zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, für die ihm aber eine Bewährungsfrist zugebil- ligt worden war, die mm durch die neue Ver­urteilung hinfällig geworden ist.

Vorerst keine Gihung -es preußischen Landtags.

Die für den 16.'August anberaumte Sitzung fällt aus.

Berlin, 6. 2lug. (WTB.) Der Präsident des Preußischen Landtags Kerrl hat auf Er­suchen des nationalsozialistischen Fraktionsführers Kube die für den 16. und 17. August vorgesehene Landtagstagung ab­gesagt. Den Fraktionen soll Enoe nächster Woche Mitteilung darüber zugehen, wann die Sitzung stattfinden soll. Abg. Kube habe den Wunsch nut Vertagung der Landtagsberatungen damit begründet, daß in der übernächsten Woche eine große Tagung aller national­sozialistischen Abgeordneten aus Reichstag und Landtagen abgehalten werde. Da die letzte Landtagssihung aufgeflogen und nicht ordnungsmäßig abgeschlossen war, hat der Präsident ohne weiteres das Recht, den Ter­min der nächsten Tagung festzusehen, und er kann daher auch auf Grund des letzten Beschlusses des Aeltestenrates eine Aen derung des Ter­mins vornehmen. Der Präsident ist der Mei- nung, daß in diesem Falle der Wunsch einer gro­ßen Fraktion vorliege, dem stattzugeben der LIebung des Landtages entspreche.

Der Kurs -es Zentrums.

AeutzcrunücnderKölnischen'Äolkszei1untt".

Köln, 6. Aug. (TLl.) DieKölnische Volks­zeitung" schreibt über den Weg des Zentrums u. a.: Die Zentrumspartei wird nicht billigen, was gegen Legalität verstößt und sie wird nicht

für Handlungen zu haben sein, die auf verfas­sungswidrige Diktatur hinauslaufen. Sie wird mit Hartnäckigkeit prüfen, was mit Legalität zu vereinbaren ist und wird sich nicht imponieren lassen durch Stimmkraft oder Säbelaufftoßen. Vorläufig ist für das Zentrum nichts eilig. Eile ist nur für eine Regierung not­wendig, die viel versprochen hat und vor allem zusehen muß, wie sie das seit Aufhebung des Llnisormverbots schwer erschütterte Vertrauen in die Staatsautorität wiederherstellen kann. Diese Regierung muß ernst machen mit den Maßnahmen, die sie angekündigt hat, um den Terror zu brechen, von dem nun feststeht, daß er in Ostpreußen von SA.-Leuten ausgeübt wurde. Hier gilt es Farbe zu bekennen. Hier ist Gelegenheit, zu beweisen, ob man in gleicher Weise nach rechts wie nach links vor­gehen will. Das Zentrum hat keine Veranlassung denen, die es auf seine Vernichtung abgesehen hatten, irgend einen Dienst zu tun. Das Zentrum wird natürlich nicht in den wärmenden Strahlen eines Wahlerfolges sitzen bleiben: es wird streng prüfend umhergehen und nach dem Rechten sehen. Aber jeder, der gesehen, wie übel man ihm mitzuspielen versucht hat, wird verstehen, wenn es skeptischer als sonst ist und alles dar­auf anlegt, diejenigen mit Verantwortung zu belegen, die so heftig danach gedrängt haben und diejenigen, die sie schon besitzen.

Oer freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt.

Dessau, 7. August. (WTB.) Das anhaltische Staatsministerium erklärt, daß der staatliche Freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt, der erste dieser Art in Deutschland, s i ch ausgezeich­net bewährt habe. Es werden Angehörige aller politischen Parteirichtungen e i n g e st e l l t. Der Arbeitsdienst werde jedoch auf einer gesunden nationalen Grundlage durchgeführt. Nicht nur aus Anhalt, sondern aus dem gan- den Reiche gingen täglich Anmeldungen ein, so daß sich das Ministerium zu einer Erweiterung des Arbeitsdienstes entschlossen habe.

Schwierigkeiten in Ottawa.

Das kanadische Vorzngszollangeboi für England ungenügend.

Ginnfeiner-Atientai auf den britischen Oominion-Minister verhindert.

Ottawa, 6.Aug. (TU.) Die kanadische Polizei

Ottawa, 7. Aug. (TU.) Die englischen Sachver­ständigen haben die Nachprüfung der kanadischen Vorschläge beendet. Sie haben dabei festgestellt, daß die kanadischen Schätzungen, über die der englischen Industrie eröffneten neuen Ausfuhrmöglichkeiten gewaltig übertrieben sind. In diesem Sinne wurde der kanadische Ministerpräsident Bennett ver­ständigt.-In den Kreisen der englischen Abordnung wird erklärt, daß die kanadischen Vorschläge n o ch nicht einmal die Mindestforderungen Englands hinsichtlich des Absatzes von Eisen und Stahl, Baumwoll- und Wollwaren erfüllten. Wäh­rend die Kanadier amtlich die Erhöhung der Aus­fuhrmöglichkeiten englischer Waren nach Kanada mit 11 Millionen Pfund angegeben hatten, berechnen die nglischen Sachverständigen diese Zahl auf w e n i g e r a l s 4 Millionen Pfund.

Die Arbeit der Konferenz konzentriert sich nun­mehr auf die Auseinandersetzungen zwischen Eng. land und Kanada. Biel wird davon abhängen, wie­weit Bennett sich von den Bindungen an die kana­dischen Industriellen freimachen und sie zu einem großzügigen Standpunkt etwa in der Form über- zeugen kann, daß weitergehende Zugeständnisse an England eine Belebung des Gesamthandels mit sich bringen würden.

Lord Beaverbrok bringt in seinerSunday Expreß" einen scharfen Angriff gegen Baldwin und die englische Regierung. In dieser Woche werde das Schicksal des englischen Weltreichs entschieden. Sollten Baldwin und seine Minister­kollegen nach England zurückkehren, ohne ihr Ziel erreicht zu haben, so würde Die Regie­rung in Stücke gehen. Es gehe um die Wahl zwi­schen dem Macdonaldschen Internationalismus und dem Erbtum des englischen Weltreiches.

hat einen Linnfeiner-Anfchlag auf das Leben des englischen Ministers für die Dominien, Thomas, entdeckt und in Verbindung hiermit einen Iren namens danMalone in Toronto festgenom- m e n. Der Anschlag sollte während der Feierlich­keiten zur Eröffnung des welland-kanals stattftn- den. Die Polizei hatte Malone überwachen taffen und dabei eine Besprechung abgehört, in der er seine verbrecherische Absicht darlegte. 100 Detektive waren aufgeboten, um Thoma» zu be­wachen, da schon vor Beginn der Konferenz hart­näckige Gerüchte über beabsichtigte Anschläge auf englische Minister im Umlauf waren und sie hat jetzt den Schuh für Thomas und Baldwin noch ver­stärken lassen. Gleichzeitig wurde eine Anzahl von Kommuni st en in Hamilton am Ontario- See verhaftet, wo über 100 Mitglieder der Vttawaer Konferenz zur Eröffnung des Kanals ein­getroffen waren.

Oer irische Konflikt.

De Valera verteidigt Seine Politik.

Dublin, 7. Aug. (TU.) Das Parlament des Irischen Freistaates genehmigte mit 58 gegen 43 Stimmen den von de Valero eingebrachten Rötst andskredit in Höhe von 2 Millionen Pfund de Valero war während der Verhand­lungen Zielscheibe heftiger Angriffe. Der Führer der mit ihm verbündeten Arbeiterpartei warf

Oie neue Verwaliungseinteilung in Hessen-Nassau.

lleberall Proteste der betroffenen Kreise.

WSR. Kassel, 7. Aug. Die starke Erregung in den von der Reueinteilung betroffenen kur­hessischen Kreisen hält unvermindert an. Scharfe Proteste werden eingelegt und die wirtschaftlichen Schäden für die Kreisinsassen in den Vordergrund gestellt.

Vertreter der zwölf Gemeinden des Kreises Biedenkopf, die nach Frankenberg einb er Iei6t werden sollen, sind in Datten­berg zusammengekommen, um gegen diese Maß­nahme zu protestieren. Trotz der mehrfachen Zusicherungen seien die Krei skörperscha f - ten nicht gehört und die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der Bevölkerung nicht be­rücksichtigt worden. Was Volkstum und Stamm­verwandtschaft anbelange, so sei dos Edertal ein unteilbares Ganzes mit dem hessis chen Hinterland und habe in diesen Punkten nichts Gemeinsames mit der kurhessischen Frankenberger Bevöl­kerung. Wirtschaftlich und berufsständisch fei es nach Frankfurt a. M. und Wies­baden orientiert. Weitere Schritte gegen die Aufteilung des Kreises Biedenkopf sind an­gekündigt.

In Frankenberg ist man natürlich von der in Aussicht stehenden Erwerbung des Amtes Fra-nkenbevg, das sowohl geographisch wie auch geschichtlich und ethnologisch mit dem Kreise Fran­kenberg eine zusammengehörige Einheit bilde, sehr erfreut.

Die Bemühungen zur Erhaltung der Selbständigkeit des Kreises Kirch­hain werden weiter fortgesetzt. Rachdem die nach Berlin entsandte Kommission zurückgekehrt ist, mußte man erfahren, daß an einer Zusam­menlegung der beiden Kreise Marburg-Land und Kirchhain nichts mehr zu ändern sein wird. Man versucht nun, den S itz des neu z u bildenden Kreises nach Kirchhain zu bekommen. Kreisausschuh, städtische Körper­schaften, Kreisbauernschaft nahmen einmütig ge­gen die Reuregelung Stellung.

Der Vorsitzende und die Mitglieder des Kreis­ausschusses W o l s h a g e n veröffentlichen eine Mitteilung, wonach sie einmütig der Auffassung sind, daß die Zusammenlegung des Kreises Wolf­hagen mit dem Landkreis Kassel für den Kreis Wolfhagen und seine Bevölkerung in jeber Rich­tung unerträgliche Folgen haben wird. Sie sind daher willens, auf Grund eingehenden und erschöpfenden Materials bei den zuständigen Staatsbehörden vorstellig zu werden, um diese Lösung rückgängig zu machen.

Vertreter des Kreises Homberg, an der Spitze der Landrat Freiherr von Funck, sind in Berlin wegen der Zusammenlegung der Kreise Homberg und Fritzlar vorstellig geworden. Aus dem Innenministerium wurde ihnen der Bescheid, daß an der Zusammenlegung der Kreise Homberg und Fritzlar nichts zu ändern sei.

Der Kreisausschuß des Kreises Gersfeld hat in einer Entschließung Einspruch gegen die Auflösung des Kreises Gersfeld erhoben.Die Zu­sammenlegung der Kreise Fulda und Gersfeld bringt für Gersfeld überwiegend Nachteile mit sich. Eine etwaige geringe Einsparung in der Dermal- tung wird durch die Mehrkosten aufgehoben, die den einzelnen Kreiseingesessenen im Verkehr mit dem neuen Landratsamt erwachsen. Der Einfluß der Kreiseingesessenen auf die Erledigung ihrer An­gelegenheiten im Rahmen der Selbstverwaltung wird ganz gering. Das ist umso bedauerlicher, als der Kreis Gersfeld durch feine geschichtliche Ent- Wicklung und in seiner durch die Höhenlage beding­ten Bodenbeschaffenheit und Wirtschaftsweise e i n in s i ch völlig abgeschlossenes Gebilde darstellt, das durchaus anders geartet ist, als der Kreis Fulda. Sehr nachteilig muß sich die Zusam- menlegung für d i e kleine Kreisstadt Gersfeld und ihre Bewohner auswirken, die mit dem Verlust des Landratsamtes einen erheb- lichen Ausfall an Bedeutung und an Kauf- und Steuerkraft erleidet."

Briefmarken - weri-efiän-ig!

Zeder zehnte Deutsche interessiert sich für Briefmarken. fester internationale? Kurswert. Oer Schah in der Bodenkammer.

Eine Reportage von Liliom.

Es gibt in Deutschland ungefähr tausend Brief­markenhandlungen und 17 6 Briefmarken- sammleroereine. Das heißt, daß allein in Deutschland sich Tausende und Abertausende für Briefmarken interessieren müssen, daß Tausende sammeln, daß Tausende heute noch erhebliche Sum­men für Briefmarken ausgeben. An saft allen Briefmarkenläden steht angeschrieben:Wir kaufen guterhaltene Einzelstücke und ganze Sammlungen." Das deweißt, daß die Nachfrage vorhanden ist, daß ständig das Lager aufgefüllt werden muß, daß also gut verkauft wird.

Stimmt das? Der Inhaber eines in den acht­ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründeten Geschäfts gibt bereitwillig und freundlich Auskunft.

Jeder zehnte Mann in Deutschland interessiert sich für Briefmarken. Oder vielleicht müßte man genauer sagen: jedes zehnte männliche Wesen, denn die Herren sind ja oft noch in sehr jugendlichem Alter. Von fünfzig Menschen, die an meinem Schaufenster vorbeigehen, bleibt mindestens einer stehen und sieht sich die Marken an unter ihnen viel Frauen. Und trotzdem geht natürlich das Geschäft nicht so gut wie m früheren Jahren. Aber das liegt bestimmt nicht an einem Erlahmen des Interesses, sondern einfach an der wirtschaft­lichen Lage. Das Interesse für dieses Sammelgebiet wächst sogar. Welche Arten von Marken wir ver­kaufen? Die ganz billigen und die ganz teuren. In geringem Maße werden auch ganze Sammlungen verkauft."

Man möchte gerne erfahren, ob die neue Leiden­schaft, Autogramme von Filmlieblin- g e n zu sammeln, ob das Sammeln von Zigaretten­bildern und ähnlichen Dingen dem Briefmarken- händler nicht gerade einen großen Teil der jugend­lichen Kundschaft weggenommen habe. Er verneint. Denn Automatenbilder habe es früher in seiner Jugend auch gegeben, man habe sie gesammelt, aber si« seien nie zu einer wirklichen Leidenschaft gewor­den wie das Briefmarkensammeln. Vor allem aber: sie stellen ja keine wirklichen Werte dar. Mit Brief­marken aber kann man sich langsam ein kleines Vermögen, ein wertbe ständiges Vermö­gen sogar, zusammenholen.

Wieso wertbeständig? Sei eine Sammlung denn auf alle Fälle und immer loszuschlagen? Ja, wenn nicht bei den großen Händlern, dann bei den staat­lichen Briefmarken-Versteigerungsunternehmen, der Salle de Venie" in Paris, demDorotheum" m Wien und einer ähnlichen Anstalt in London. Briefmarken haben einen genau notierten internationalen Wert. Sie werden immer ihre Preise erzielen, genau wie Kunstwerke. Wir wissen ja aus unserer kindlichen Sammelzeit noch recht genau, welche Unterschiede es zwischen Brief­marke und Briefmarke gibt. Da spielen Färb- nuancen eine große Rolle, da muß auf die U n - verletztheit des gezackten Randes ge­achtet werden, Wertunterschiede sind oft gewaltig

zwilchen gestempelten und ungestempelten, und auch woher dieser Stempel stammt, und welches Datum er trägt, ist keineswegs ohne Bedeutung. Es gibt hier, genau wie bei Kupferstichen, besonders schöne, klare, alte Stücke, d i e sehr hoch bezahlt werden. Umso mehr, als die wirklich alten Briefmarken ja nur in verhältnismäßig geringer Anzahl vorhanden sind. Ob es vorkomme, daß man noch alte Stücke ausgrabe? Ja, mitunter, aber es sei eine Seltenheit.

Und der Briefmarkenhändler erzählt eine Anek­dote: Da kam eines Tages zu ihm ein verarmter pommerscher Adeliger, der ihm, gegen eine gewisse Provision, einen guten Tip gab. Seine Familie hatte seit Hunderten von Jahren einen Grundstücksstreit mit der Marienkirche in Berlin geführt, und die ganze Korrespondenz, die inzwischen längst einge- schläfen war, mußte sich noch in den Archiven der Kirche befinden. Man stelle sich die Ausbeute an alten deutschen Marken vor! Es ge­lang dem Briefmarkenhändler auch, bis zu dem Boden oorAubringen, auf dem der Küster die ganze alte Korrespondenz in Kisten untergebracht hatte, aber nachdem er einen ganzen Tag lang zwischen Staub und altem Gerümpel herumgesucht hatte und die Briefe endlich entdeckte, mußte er sehen, daß bei ihnen allen die Marken bereits ausge­schnitten waren. Dor Jahren schien da jemand auf die gleiche gute Idee gekommen zu sein ... vielleicht ein leidenschaftlicher Sammler.

Wenn die alten Marken auch rar sind und sich kaum noch durch Entdeckungen vermehren, so wer­den doch von gewissen kleinen Staaten ständig neue Marken ausgegeben, und zwar hauptsächlich zum Zweck der Hebung der Staatsfinanzen. Denn jedesmal stürzen sich die Sammler natürlich auf diese neuen Stücke. Aber gerade dieses System hat in letzter Zeit zu vielem Mißbrauch geführt. Das allzuhäufige Herausgeben von Neuheiten droht den Briefmarken-Markt zu überschwemmen, Kontrollen sind kaum mehr möglich, und schon wenden sich die organisierten Briefmarkenhändler in einem Feldzug gegen dieseR a u b - N e u h i t e n". Sie wollen sie boykottieren und damit würden diese Neuausgaben ja ihren Sinn verlieren.

Die Leidenschaft für diesen Zweig des Sammelns ist übrigens noch nicht allzu alt. Erft 1865 hat man richtig angefangen, Briefmarken zu sammeln, und wenige Jahre später wurde die erste Handlung ge­gründet. Nun gibt es über tausend, und man hört nur selten davon, daß eine von ihnen eingeht. Die Geschäfte scheinen, auch wenn sie der Zeit ent­sprechend ein bißchen flau sind, doch nicht allzu schlecht zu sein.

Der Briefmarkenhändler ist hoffnungsvoll. Sam­meln ist eine zu menschliche Eigenschaft, als daß man mit ihrem baldigen Verschwinden rechnet! müßte. Und warum sollten die Leute ausgerechnet aufhören, Dinge zu sammeln, die wertbeständig sind?

ihm Mangel an einer entschiedenen Politik und das Fehlen eines Planes zur Bekämpfung der Rotstandslage vor. Die Oppo­sition hielt ihm vor, daß es nur an ihm liege, wenn es zu keiner Einigung mit Eng­land komme, aber de Valero sehe lauter Räuber. Er wolle aus Irland ein zweites Me­xiko machen.

de Valera erklärte in seiner Antwortrede, daß Irland für seine Rechte eintreten müsse. Gebe es nach, werde England ihm seinen Willen aufzwingen. Die Iren hätten das Recht, in voller Freiheit ihre Beziehungen zu anderen Mächten zu regeln. Er wies bann darauf hin, daß Bel­gien trotz seiner engen Rachbarschaft mit Frankreich und Dänemark ungeachtet seiner Angrenzung an Deutschland unabhängige Länder seien, der irische Freistaat aber läge viel weiter von England ab, als Belgien und Dänemark von ihren großen Rachbarländern. Er würde eine Unabhängigkeit, wie sie Dänemark und die Schweiz haben, einer Partnerschaft vorziehen, die. wenn sie auch Vorteile, so doch viele Rachteile habe. Wenn England dem Vorschlag eines in­ternationalen Schiedsgerichts nicht vor­ziehe, so müsse es dazu gezwungen werden, de Valero erklärte dann mehrfach die Behaup­tung für unrichtig, daß in den letzten Monaten Waffen nach Irland eingeführt worden seien.

Aus aller Welt.

Eröffnung der Autostraße KölnBonn.

Rach einer zeitgemäß schlichten aber eindrucks­vollen Feier wurde die m-o dernste Auto­straße Europas der Oeffentlichkeitübergeben. Die vierspurige, kreuzungsfreie, nur dem Kraft- wagenverlehr dienende Straße von Köln nach Bonn ist mit einem Kostenaufwand von 8,6 Millionen erstellt worden. Landeshauptmann Dr. H e r i o n übergab die Straße an die Provinz und an den ADAC, zur freien Benutzung. Ober­präsident Dr. Fuchs nahm unter anerkennenden Worten für die Provinz und alle am Bau Beteiligten die Straße in die Obhut der Provinz und zerschnitt das Band mit den Worten:Möge diese Straße einen neuen Weg eröffnen in die Zukunft des Rheinlandes und des deutschen Vaterlandes." Hierauf setzte sich eine lange Auto­kolonne über die neue Straße in Bewegung. An demStrohenbahnhof" Wesseling wurde Halt gewacht. Hier gaben die am Bau beteiligten Dauräte der Rheinprovinz nochmals technische Erläuterungen über die Auf- und Abfahrts­rampe, die einzige Zwischenrampe auf der 21 Kilometer langen Strecke KölnBonn. Dann begann der Großverkehr in beiden Richtungen.

Wegen Erbstreitigkeiten erschossen.

Wegen Ermordung des 20jährigen Fabrik- arbelters Otto Thieme wurden der zwanzig­jährige Schmied Willi Berndt und der öierunb- zwanzigjährige Fabrikarbeiter Otto P i e t s ch k e verhaftet und in das Wittenberger Unter- suchungsgeifängnis eingeliefert. Die Verhafteten haben bereits gestanden, In der Nacht zum 8. Juli den Thieme wegen Erbstreitigkeiten er­mordet zu haben. Thiemes Schwester war die Braut von Berndt. Ebenfalls in das Gerichtsgefäng- nis eingeliefert wurde die Mutter des Ermordeten, die der Anstiftung zurErmordung ihres Sohnes beschuldigt wird. Die Täter sind außer­ordentlich geschickt vorgegangen. Da Thieme sich am 10. Juli wegen eines Diebstahls vor Gericht zu ver­

antworten hatte, beschlossen die Mörder, ihn kurz vorher zu ermorden, um den Verdacht entstehen zu lassen, Thieme sei durch Komplizen beseitigt wor- den, die durch ihn vor Gericht belastet zu werden fürchteten. In der Mordnacht ging Berndt mit Thieme zum Angeln, worauf Pietschke den tödlichen Schuß abgab.

Mutter und Kind vom Motorrad überfahren.

In Kassel ereignete sich in der Leipziger Straße ein schwerer Berkehrsunfall. Eine Mutter, die mit ihrem Kinde den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde von einem Motorrad­fahrer aus Groß-Almerode erfaßt und zu Boden geworfen. Die Frau trug eine schwere Ge­hirnerschütterung und einen komplizier­ten Bruch der Schädeldecke davon, wäh­rend das Kind mehrere Armbrüche erlitt. Die beiden Verletzten wurden einem hiesigen Krankenhaus zugeführt. Die Schuldfrage muh noch geklärt werden.

Schwere Explosion bei einem Trinkgelage.

In Klein-Go rschüh (Ober-Schlesien) hielt eine Anzahl Bauern m't dem im dortigen Kreis als Getränk beliebten Aether ein Trinkgelage ab. Durch einen unglücklichen Zufall explo­dierte plötzlich die auf dem Tisch stehende Flasche. Vier der Teilnehmer erlitten schwere Brandwunden, so daß sie ins Kranken­haus gebracht werden mußten. Einige weitere Zechgenossen kamen mit leichteren Ve r letzun- g e n davon. Da Aether in Polen nicht im freien Verkauf zu haben ist, herrscht in Ost- Oberschlesien ein blühender Schmuggel mit die­sem Detäubungsmittel aus der Tschechoslowakei.

Drei Frauen durch Kohlenoxydgas getötet.

Drei aus Oberschlesien stammende junge Ernte­arbeiterinnen, die auf dem Dominium Scheidel- wih beschäftigt waren, hatten sich zusammen ein Stübchen gemietet und führten gemeinschaftlich den Haushalt. An einem der letzten Abende heizten sie nach der Arbeit den eisernen Ofen, um ihre Kleider zu trocknen, worauf sie zu Bett gingen. Durch unvorsichtiges Hantieren am Ofen ist ver­mutlich Gas ausgeströmt. Am anderen Morgen fand man zwei der Arbeiterinnen bereits tot, die dritte wurde in hoffnungslosem Zustande in das Knappschaftslazarett nach Reurode überführt, wo sie bald darauf starb. Als Todesursache wurde Vergiftung durch Kohlenoxyd- gas festgestellt.

14. Internationaler Studentenkongreh in Riga.

In R i g a eröffnete der lettisch« Außenminister Z a r i n s dieser Tage mit einer Begrüßungsan­sprache den 14. Kongreß des Internatio­nalen Studentenverbandes, der von 200 Delegierten aus 20 Ländern beschickt ist.

40 Wagenladungen Obst ins Meer geschüttet.

2ln der spanisch-französischen Grenze in derbere wurden, einem Funkspruch aus Paris zufolge, 4 0 Eisenbahnwagen-Ladungen mit fpa- n i schern Obst ins Meer gestürzt, weil sie nicht nach Frankreich eingeführt werden durften. Das Obst stammte aus Südspanien und traf erst an der Grenze ein, als das französisch-spanische Abkom­men über die Kontingentierung des Obstes bereits in Kraft getreten war. Da ein Verkauf in den Grenzorten sich als aussichtslos erwies, stürzte man die ganze Ladung, die einen Wert von etwa einer Million Franken hatte, ins Meer.