Ausgabe 
8.8.1932 Frühausgabe
 
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Dnirf vn- Verlag: vrühl'sche Univerfriäls-Vvch' uv- 5tein-ruckerei H. Lange in Sietzen. Zchriftlettung «n- Sefchaftrstelle: Zchulftratze 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich fürPolitik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Oie Bekämpfung des politischen Terrors.

Keine Meinungsverschiedenheit zwischen Reich und Preußen.

Schwerste Ltrafcn fürSprengstoffatteniäter

Berlin, 6. Aug. (III.) Amtlich. Zu den von einem Berliner TNorgenbiatt gemachten Ausführun- gen, wonach zwischen dem Bevollmächtigten des Beichskommissars für Preußen, Dr. Bracht und der Beichsregierung Meinungsverschieden­heiten über die Wege zur Abwehr der rechtsradika­len Terrorakte entstanden fein sollen, erklärt Dr. Bracht, daß diese Mitteilung frei erfunden ist. Durch tägliche persönliche Fühlungnahme wird im Gegenteil völlige Uebereinstimmung mit dem federführenden Be i ch sinnenmi- nister von Gayt gewährleistet. Auch durch die ständige Zusammenarbeit der Sachbear­beiter des kommissarischen preußischen Innen­ministers mit denen der Reichsregierung wird das ständige Einvernehmen bewirkt und ge­sichert. Der Zeitpunkt und das Ausmaß für weitere Maßnahmen hängen in der Hauptsache davon ab, ob die jetzt im Lande mehr und mehr eingetretene Beruhigung von Dauer i ff. Aus besondere vorbeugende Vorkehrun­gen wird jedoch voraussichtlich nicht verzichtet werden können.

Es wird sich voraussichtlich vor allem um eine neue Durchführungsverordnung zu den bestehenden Notverordnungen zum Schuhe gegen politische Ausschreitungen handeln. Es ist anzuneh­men. daß in dieser neuen Verordnung keine neuen Strafbestimmungen für Spreng­stoffanschläge enthalten sein werden, angesichts der Tatsache, daß bereits die ordentliche Gesetz­gebung gerade für Sprengstoffaktentate die h ä r - Iesten Strafen vorsieht. So bedroht bekanntlich dos Sprengskoffgeseh Sprengstosfanschläge, auch wenn keine Verletzungen dabei erfolgt sind, mit Zucht­haus von fünf b i s 15 Iahren und für den Fall, daß Personen dabei verletzt werden, m i f lebenslänglichem Zuchthaus, bei Todes­folge, auch wenn diese nicht gewollt ist, m i t Todes st rase.

Parteien und Polizei.

Keine Parteiformaiionen als .Hilfspolizei.

Berlin, 6. Aug. (CAB.) Die Besprechungen des Reichsinnenministers mit den Ministerpräsidenten von Oldenburg, Meck­lenburg.Schwerin sowie mit dem Innen- Minister von Braunschweig haben, wie amt­lich erklärt wird, sichergestellt, daß keinerlei Parteiformationen in staatlichen Funktionen verwendet werden dürfen. Die Verwendung von Formationen, denen poli­zeiliche Befugnisse übertragen werden, ist nicht zulässig.

Unter der Ueberschrift:Polizei und SA. Gemeinsam für Deutschland" berichtet der natio­nalsozialistischeA n g r i f f" von einem kamerad­schaftlichen Abend der Führer der Untergruppe West, zu dem etwa 50 Polizeibeamte in Uniform erschienen feien und in dessen Verlauf ein Polizeioffizier das Beisammensein als erstes sichtbares Zeichen für gemeinsamen Kampf für ein nationales Deutschland bezeichnet habe. Zum Schluß sei ein Vorbeimarsch aller 3C0 Teilnehmer einschließlich der Polizeibeamten vor dem Gruppenführer Graf Helldorf er­folgt. Wie amtlich mitgeteilt wird, wird dieses Vorkommnis dem preußischen Etaatsministerium Anlaß geben, in einem Erlaß erneut zu betonen, daß Polizeibeamte sich jeder parteipoliti­schen Betätigung zu enthalten hätten.

Reue Ausschreitungen in Ostdeutschland.

(In 2 öhen wurde derReichsbannerfüh. rer Kurt Kotzan vor demDürodes2and- arbeiterverbandes erschossen. Kohan war mit mehreren anderen Aeichsbannermitglie- dern am Abend aus dem Büro gekommen und durch die Straßen gegangen. Hierbei traf er auf SA.-Leute, mit denen die Reichsbannerleute in Auseinandersetzungen kamen. Während der Reichsbannermann Piontek zum Büro zurücklief, um Polizei herbeizurufen, krachte ein Schuß hin- ter ihm her. P. konnte jedoch das Büro erreichen und die Tür hinter sich verschließen. Kotzan, der ihm gefolgt war, wurde von einem zweiten Schuß zu Boden ge st reckt und war a u f der Stelle tot. 3n Königsberg wurden unter dem Verdacht der Mittäterschaft des Mordüberfalls auf den Chefredak­teur Wyrgatsch und den kommunistischen Führer Schütz sieben Rationalsozialisten d e m E r - mittlungsrichter vorgeführt. Sechs von ihnen sind wieder freigelassen wor­den, da der Verdacht der Täterschaft unbegründet erscheint. Die Untersuchung gegen den in Hast be­findlichen Rationalsozialisten schwebt noch.

Sn Anklam wurde a uf die Wohnung eines nationalsozialistischen Füh­rers ein Feuerüberfall verübt. Unbekannt gebliebene Täter gaben fünf bis sechs Schüsse'ab, die jedoch nicht in die Wohnung deS Rational- sozialisten trafen, sondern in die Wohnung

eines SPD.-Mannes gingen. Der lljäh- rige Sohn des Sozialdemokraten erhielt einen Schenkelschuß, seine Tochter wurde durch Glassplitter verletzt. Die im gleichen Zimmer schlafenden Großeltern wurden ebenfalls ver­letzt. Die Polizei hat einen Kommunisten fest» aenommen. Sn Stolp (Pommern) wurden Revolveranschläge auf die Wohnun­gen linksgerichteter Person en verübt. Gegen 2.30 Uhr fielen im Grünen Weg mehrere Revolverschüsse, die auf die Wohnung des Reichsbannersührers Donnke gerichtet waren. Eine der Kugeln durchschlug zwei Schei­ben eines Doppelfensters. Der Täter entkam an­scheinend in einem Auto, denn wenige Minuten später wurden die Bewohner der am anderen Ende der Stadt liegenden Präsidentenstraße durch meh­rere futA hintereinander fallende Schüsse geweckt. Es wurden fünf Schüsse auf d i e Wohnung des Kommuni st en Meier abgegeben. Die Schüsse trafen aber nur die Hauswand. Verletzt wurde niemand.

In R a t i b o r mürbe auf die Hauptgeschäftsstelle des ZentrumsblattesOberschlefische Rund­schau" eine Eierhandgranate geschleu­dert, die die große Schaufensterscheibe der Ge­schäftsstelle' völlig zertrümmerte. Der Täter isk un­erkannt entkommen. In L i e g n i tz wurden auf die erleuchteten Fenster des Braunen Hauses von unbekannten Tätern mehrere Pistolen­

schüsse abgegeben; Personen wurden nicht ver­letzt. Kurz darauf wurde auf ein anderes Haus, in dem sich die Unterkunft der NSDAP, be- findet, mehrere Pistolenschüsse abgegeben. Auch hier wurden Personen nicht verletzt. In Groß-Neudorf bei Brieg wurde auf die Woh­nung des SPD.-Mitgliedes und Reichsbannerfunk­tionärs Wenzel mehrere Pistolenschüsse abge­geben. Die Kugeln gingen in die Wand; verletzt wurde niemand. Kurz vorher war in Moselache in die Wohnung des SPD.-Mitgliedes Kalle mit Pisto­len geschossen worden. Auch hier wurde niemand verletzt. In Hindenburg warfen etwa 20 Kommunisten Steine-gegen das S A. - H e i m und zertrümmerten die Fensterscheiben. Als darauf­hin etwa 20 SA.-Leute aus dem Hause heraus- kamen, zogen sich die Kommunisten zurück. Dabei fielen etwa acht Schüsse, die, wie die SA.- Leute aussagten, von den Kommunisten abgegeben wurden. Beim Eintreffen der Polizei ergriffen die Kommunisten die Flucht. Es gelang der Polizei einen von ihnen f e st z u n e h m e n. Ein National­sozialist wurde durch einen Steinwurf verletzt.

Die Revolverhelden im Chemnitzer Kaffeehaus Herold", wo ein Dentist getötet wurde, gehören der KPD. an. Es gelang, einen von ihnen fest,zu- nehmen. Es handelt sich um den 28 Jahre alten tschechoslowakischen Staatsangehörigen Ferdinand Bartl, der in Chemnitz wohnt.

Kabineilskrisis in Schweden.

DerKreugerfkandal zieht seine Kreise. Ministerpräsident Ekman zurückgetreten

Stockholm, 6. Aug. (WTD.) Ministerpräsi­dent Ekman hat im heutigen Kronrat dem König sein Rücktrittsgesuch übermittelt. Ueber die Beweggründe zu diesem Schritt heißt es in einer amtlichen Regierungserklärung: Der Grund zu dem Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Ekman ist. daß er außer der Summe von 50 000 Kronen, die er im September 1931 von Kreuger entgegen­nahm, Anfang Februar d. S. noch ein zwei­tes Mal 5 0 0 0 0 Kronen für die frei­sinnige politische Organisation von Spar Kreuger erhielt. Dieser Betrag ist jetzt a n d i e Konkursverwa11ung zurückge- z a h 11. Wie die Schwedische Telegraphen­agentur hierzu erfährt, hat Ekman die letzt­genannte Summe aus eigenen Mitteln zurückgezahlt.

Die plötzliche Abberufung des Ministerpräsi­denten hat großes Aufsehen erregt. An Stelle Ekmans ist der bisherige Finanzminister H a m - rin zum Ministerpräsidenten er- n a n n t worden. Er behält vorläufig das Finanz­ministerium weiter. Die Regierung ist ferner durch die Ernennung des Unterstaatssekretärs im Finanzministerium T. P. 3. Petersson zum Minister ohne Portefeuille ergänzt worden.

Die amtliche Erklärung über die Gründe des Rücktritts Ekmans wird durch eine Auslassung von Generaldirektor Strindsbevg und Rechts­

anwalt Forßner, die den Kreuger-Rachlaß ver­walten, ergänzt. Sie teilen mit, dah Kreuger während seines Aufenthalts in Reuyork im Sa» nuar oder Februar d. 3. einen Scheck von 50 000 Kronen in der Chase Rationalbank hat kaufen lassen. Auf die eingeschriebene Sendung hatte Kreuger persönlich die Adresse des Ministerpräsidenten Ekman ge­schrieben. Als die beiden Rachlahverwalter im Beisein eines Kabinettsmitgliedes am letzten Donnerstag den 4. 8. Ekman aussuchten, ver­neinte er den Empfang des Schecks. Die Bank lieferte jedoch den Scheck aus, und als dann die beiden Rachlahverwalter noch­mals am Donnerstag Ekman aufsuchten und den Scheck zeigten, erklärte Ekman, daß die Unterschrift auf dem Scheck nicht von ihm stamme. Die Rachlahverwalter erklärten hierauf, dah sie gegen den Ministerpräsidenten Regreßklage anstrengen müßten. Die Rach­lahverwalter informierten mehrere Mitglieder des Kabinetts, worauf beschlossen wurde, dem Kö­nig die Angelegenheit zu unterbreiten. Ekman gab dann zu, daß er den Scheck erhal - t e n habe. Er habe es am Tage vorher bestrit­ten, weil Kreuger ausdrücklich ver­langt habe, dah der Absender nicht genannt werden dürfe. Ekman erklärte sich schließlich bereit, die Summe zurückzuzahlen, was auch geschehen ist.

Einweihung des Beinhauses von Douaumont.

Das Ehrendenkmal für die französischen Gefallenen der Schlachten um Verdun.

Paris, 7. August. (TU.) Tausende von Be­suchern trafen am Samstag in dem auf Tributkonto vollkommen neu erbauten, verschönerten und er­weiterten Verdun ein, um an den Gedächtnis­feierlichkeiten für die französischen Gefallenen teil- zunehmen. Don allen Gebäuden weht die Trikolore, und die alte Festung prangt in kriegerischem Schmuck. Nicht weit von Verdun, auf der Höhe von Douaumont, wurde die mit einem hohen Turm ver­sehene T o t e n h a 11 e errichtet. Am Samslagvor- mittag fand bereits eine Pontifikalmesse in der Kathedrale statt, worauf Schulkinder aus allen Gegenden der Provinz einen Umzug veranstalte­ten und auf den französischen Kriegergräbern Blu­men niederlegten. Nachmittags fand auf dem Na­tionalfriedhof von Douaumont an den Gräbern der Kolonialtruppen ein mohammedanischer Gottesdienst statt. Um 18 Uhr marschierten die Fahnenkompagnien der Regimenter auf, die an den Feierlichkeiten teilnehmen.

Am Sonntag wurde dann das Beinhaus von Verdun, das die sterblichen Ueberrefte von 300 000 französischen Soldaten enthält, die bei den Kämpfen um Verdun den Tod gefunden haben, vom Präsidenten der französischen Republik im Beisein des Kriegsministers, des Pensionsministers und einer Reihe anderer Mitglieder des Kabinetts ein- geweiht. Die Garnison von Verdun, der Große Generalstab und Tausende aus der Bevölkerung nahmen an der Feier teil, die mit einer großen Truppenschau endete. Präsident Lebrun begab sich am Sonntagoormittag nach einer Kranznieder­legung am Siegesdenkmal zum Rathaus, wo Be­grüßungsreden ausgetauscht wurden. Am Vormit­tag fand ferner am Fort Douaumont die Ein- I weihung einer Erinnerungstafel statt, die folgende | Inschrift hat:Am 24. Oktober 1916 wurden vom I Kolonial-Infanterieregiment von Marokko, verstärkt

durch das 43. Bataillon Senegalesen und Zwei Kom­pagnien Somalis in einem bewundernswerten An­griff die ersten deutschen Stellungen erobert. Un­ter «dem Befehl des energischen Kommandanten Reg­nier konnte der Widerstand des Feindes gebrochen und zwei Kilometer in die feindlichen Reihen vor­gedrungen werden."

Sn den Rachmittagsstunden folgte die feier­liche Einweihung des Deinhauses. Marschall P e - t a i n erinnerte an die furchtbaren Kämpfe und lobte das heldenmütige Verhalten der französi­schen Truppen, das den kommenden Generationen als Vorbild dienen müsse. Kriegsminister P a u l- B o ncour gab dem Wunsch Ausdruck, daß das Ringen um Verdun das letzte gewesen sein möge, das Frankreich je erlebt habe. Der fran­zösische Soldat habe fein Leben dem Vaterland geopfert, weil er in dem Sieg Frankreichs die einzige Möglichkeit gesehen habe, die Wieder­holung eines derartigen Krieges unmöglich zu machen. Er glaube nicht, dah es sich bei dieser Hoffnung um eine nie erfüllbare Sllufion han­dele. Der Kriegsminister erinnerte dann an die verschiedenen internationalen Abkommen zur Ver­hinderung des Krieges und bezeichnete es als Gefühlsduselei, wenn man nach Frieden schreie, ohne ihn zu organisieren. Es sei ein Hirngespinst, zu glauben, den Krieg unmöglich zu machen, so­lange der Schiedsrichter feinen Schieds­spruch nicht aufzwingen könne. Dor den Toten von Verdun habe Frankreich die Pflicht, mit doppelter Energie an der eigenen Sicher­heit und der Organisierung des Friedens zu arbeiten.

Präsident Lebrun bezeichnete das Schlachtfeld von Verdun als den Friedhof Frankreichs. Er erinnerte an die 400 000 Soldaten, die bei der Verteidigung der Stadt ihr Leben lassen muh­

ten. Sahre würden vergehen, bis die Ralur wie­der das Vortriegsgesicht angenommen habe, so­weit dies angesichts der unzähligen weißen und schwarzen Kreuze überhaupt möglich sei. Es sei jedoch ein Trost, daß diese Kreuze als Zeugen und gleichzeitig alsWarnungfürdiek o m- wende Generation errichtet worden seien, um sie vor ähnliche,n Wahnsinn zu' bewahren. Cs gebe wohl kaum einen Menschen auf der Erde, ob Sieger oder Besiegter, der vor einem ähn­lichen Anblick nicht mit Abscheu vor den Greueln des Krieges zurückschrecke. Das republikanische Frankreich, das das traurige Vorrecht habe, auf eigenem Boden die Rachwehen des Krieges zu bewahren, habe keine Lehren nötig. Die Opfer, die es feit Beendigung des Völkerringens her­gebracht habe, seien der beste Beweis hierfür. Auf diesem Wege werde es auch in Zukunst fortfah­ren. Aber man dürfe nicht verlangen, daß es seine Sorge um die eigene Sicherheit a u f g e bc, so lange der Geist des Friedens nicht überall durchgedrungen sei und so lange nicht die Grundlagen einer all­gemeinen Sicherheit geschaffen worden seien, auf denen alle Staaten eine Zuflucht fän­den. Sm Anschluß an die Einweihungsrede des Staatspräsidenten wurde eine Minute Stille gewahrt, worauf die Truppen der Garnison Ver­dun vorbeimarschierten. Präsident Lebrun begab sich darauf im Kraftwagen zu seinem Sommersih.

Bombenanschlag bretonischer Separatisten. 40v-Zaßrseier des Zusammenschlusses der Bretagne mit Frankreich.

Paris. 7. Aug. (TU.) Ministerpräsident Herriot nahm am Sonntag an der 400-3ahr-> feier des Zusammenschlusses der Bre­tagne mit Frankreich in Vannes teil. Herriot betonte u. a., daß Frankreich bei den Reparations- und auch bei den Abrüstungs­verhandlungen imGeisteBriands gehandelt und das erreicht habe, was in den jetzigen Zeiten, in denen noch sehr viel Verwirrung herrsche, überhaupt möglich fei. Herriot benutzte die Ge­legenheit, um noch einmal allen Staaten zu danken, die mit Frankreich durch diegleiche Liebe zur Freiheit" verbunden seien. Die fran­zösische Regierung werde sich durch keinen Zwi­schenfall beirren lassen, sondern auch in Zukunft als Beispiel für die Vernunft und den gesunden Menschenverstand dastehen.

3n engem Zusammenhang mit diesen Feierlich­keiten steht nach Ansicht der zuständigen Be­hörden ein Bombenanschlag, der in den frühen Morgenstunden des Sonntags auf das Denkmal des Vorkämpfers des fran­zösisch-bretonischen Anschlusses. Sean Boucher, verübt wurde. Gegen 5 Uhr wurde die Bevölkerung durch einen furcht­baren Knall aus dem Schlafe gerissen. Der Platz vor dem Rathaus war in eine dichte Rauch­wolke gehüllt. Als sich der Rauch verzogen hatte, sah man einen wüsten Trümmerhaufen. Das Denkmal ist völlig zertrümmert wor­den. Man nimmt an, daß der Anschlag von bretonischen Separatisten verübt worden ist. Zwei Personen wurden verhaftet.

Amerika gegen

die französische Handelspolitik

Paris, 6. August (WTB.) Der vor kurzem wieder auf seinen hiesigen Posten zurückgekehrte amerikanische Botschafter Edge hat ein Memo­randum am Quai d'Orsay überreicht, das den amerikanischen Standpunkt in der Frage der ame­rikanisch-französischen Wirtschaftsbeziehungen im all- meinen und die Wünsche Amerikas nach 2lusarbeitunfl eines neuen Handels­vertrages im besonderen behandelt. Die Ver­einigten Staaten wenden sich darin sowohl gegen die französische Kontingentierungs­politik als auch gegen den vor einiger Zeit er­folgten Abschluß eines französisch-belgi­schen Handelsabkommens, das das Kongo-Kupfer im Gegensatz zum amerikani- schen mitVorzugszöllen bedenkt. Washington erblickt darin eine Diskriminierung feiner Handels- interefsen, während man hier die Ansicht vertritt, daß eine Vorzugsbehandlung gewisser amerikanischer Erzeugnisse Konzessionen Amerikas auf finanziellem Gebiete voraussetzen würde.

Aufständischenführer wegen Mißhandlung eines Deutschen verurteilt

Siemianowih, 5. Aug. (CRD.) Der Füh­rer der früheren Siemianowitzer Aufständischen Felix K u r c z h k, der sich wiederholt schwerer Terrorakte gegen Angehörige der deutschen Minderheit schuldig gemacht hatte, stand wegen eines ähnlichen Vorfalles er­neut vor dem Kattowitzer Gericht. Er hatte ohne jeden Grund einen deutschgesinnten Bergarbeiter überfallen und schwer verletzt. Trotz der außerordentlichen Roheit der Tat hatte sei­nerzeit die polnische Polizei den Ueberfallenen auf den Weg der Privatklage verwie­sen. Vor dem Gericht konnte der Angeklagte die Ausschreitungen nicht bestreiten, bat aber trotz­dem um Freispruch mit der Begründung, daß er ein guter Patriot" und ein »tüchtiger Auf. ständischer" sei. Das Gericht gab auf dieseAr­gumente" nichts, sondern erkannte auf zehn Tage Gefängnis. Diese Strafe ist für den Verurteilten insofern empfindlich, als er, eben- falls wegen einer Kötperverlet-