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8.8.1932 Erstes Blatt
 
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daß untere an den Straßen verlaufenden Jem« sprechlustkabel durch Schrotschüsse beschädigt wor­den sind. Die Ersatzpflichtigen sind zur Tragung der Instandsetzungskosten herangezogen worden. Auch kommt u. 11. eine Verfolgung der Schützen auf Grund der §§ 317 und 318 des RStrGD. in Frage." Es wird sich dementsprechend empfehlen, bei der ausgehenden Jagd auf Flugwild die Warnung der Oberpostdirektion zu beachten."

Dom hessischen und deutschen Tierschutzverein. Der Tierschutzverein für Hessen, dem auch eine ganze Reihe Gießener Einwohner als Mitglieder angehören, hält am 15. September seine diesjährige, die 51. ordent­liche, Hauptversammlung in Alzeh ab. Im Mittelpunkt der Tagung steht ein Vortrag von Kreisschulrat Dechtolsheimer (Offenbach am Main) über Raturschutzgesetz und Schule. An frei­willigen Beiträgen und Zuwendungen für Errich­tung oder Ermietung eines Tierheims in Darm­stadt gingen seither 2273,30 Mark ein. Zum 50. Male wandert der Deutsche Tierschuhkalender (Würzburger Kalender) im kommenden Jahr hin. aus, um für die Verbundenheit zwischen Mensch, Tier und Ratur zu toerben. Der Iubiläumsaus- gäbe verliehen namhafte Mitarbeiter literarischen und künstlerischen Wert.

des Weltspartags geht zurück auf eine 1924 in Mailand getroffene Vereinbarung der Sparkassen der Welt.

** Förderung des Sparsinns durch b i e Schulen. Der hessische Kultusminister weist in einer Verfügung an die Schulämter und die Direktionen der höheren Schulen darauf hin, die Schüler zum Sparsinn zu erziehen. In der gegen­wärtigen Zeit, wo zum Teil infolge mangelnden Verständnisses für die Zusammenhänge in der Volks- und Gelbwirtschaft die Erfolge der Spartätigkeit der vergangenen Jahre ernstlich bedroht sind, mutz es Aufgabe der Schule sein, soweit als möglich auf­klärend zu wirken. Der Mathematikunterricht an höheren Schulen sowie der Rechenunterricht an Volks, und Berufsschulen geben dazu genügend Ge­legenheit. daß sich die Einführung eines besonderen oolks- und geldwirtschaftlichen Unterrichts, wie ihn die deutschen Sparkassenoerbände beantragen, er­übrigt.

** Achtung auf Fe rnsprech kabel bei der Flugwildjagd. Der Landesverein Hes­sen des Allgemeinen Deutschen Jäger-Vereins gibt ein Schreiben der Oberpostdirektion Darm­stadt zur Kenntnis, um die Jäger vor Schaden zu bewahren: .Es ist in, den letzten Jahren bei Einzel- und Treibjagden häufiger vorgekommen,

ii.JL-'fport

Die Sieger über 400 und 5000 Beter.

Der Amerikaner (Tarr (links), der in neuer Welt« Der Finne Lehtinen wurde Sieger im 5000-m- rekordzeit den 400-rn-Lauf vor seinem Landsmann Lauf. Die Amerikaner erhoben Protest, da Lehtinen E a ft m a n (rechts) gewann. den Amerikaner Hill behindert haben soll.

Oie Deutschen im Zehn- und $ünffampf.

Auch am Samstag wurde die deutsche Mannschaft i» Los Angeles nicht vom Mißgeschick verschont. Im Z c h n k a m p f, dem 60 000 Zuschauer ihre stärkste Aufmerksamkeit schenkten, lag der prächtige deutsche Athlet Sievert nach der 7. Uebung klar in Front. Eine goldene Medaille und ein Weltrekord waren in Sicht, als sich der Deutsche beim Stabhochsprung eine Fußverletzung zuzog, die ihn um alle Aus­sichten brachte.

Zur allgemeinen Ueberraschung kam dafür der zweite Deutfche, der Freiburger Eberle, der auf private Kosten nach Oos Angeles gefahren ist (!), plötzlich in Front,

um den großen Erfolg eines dritten Platzes zu er­ringen. Eberle überbot noch den deutschen Rekord und auch Sievert kam trotz seiner Verletzung als Fünfter noch über seinen eigenen alten Rekord. Die­ter unerwartet große Erfolg unserer Zehnkämpfer macht so manche Enttäuschung der letzten Woche wieder wett. Der erste Platz fiel mit der neuen Welt- rekordleistung von 8462,230 Punkten an den Ame­rikaner Bausch.

Das Ergebnis des Zehnkampfes war: 1 Bausch-USA. 8462,230 Punkte (100 Meter in 11,7 Set.; Weitsprung 6,95 Meter; Kugelstoßen 15,32 Meter; Hochsvrung 1,70 Meter, 400 Meter 54,2 Se­kunden; 110 Meter Hürden 16,2 Sek.; Diskus 44,68 Meter; Stabhoch 4 Meter; Speer 61,91 Meter; 1500 Meter (5,1 Min ). 2. Achilles Järoinen-Finn- land 8292,48 P.; 3. Eberle- Deutschland 8030,80

B; 4. Eharles-USA. 7985 P; 5. Sieve r t>Deutsch­land 7941,07 P.; 6. Yrjölä-Finnland 76-58,09 P.; 7. Cosfmann-USA.; 8. Tisdall-Irland; 9. Wegener- Deutschland; 10. Dacsalmasy-Ungarn; 11. Hart- Südasrika.

Der Moderne Fünfkampf hat den Deutschen ebenfalls einen Achtungserfolg gebracht.

R e m e r und Mierfch waren unter den ersten Sechs. Der Sieg fiel an einen Schweden. Das Er­gebnis lautete: 1. Oxenstierna-Schweden 32 P., 2. Lindmann-Schweben 35,5 P.; 3. Mayo-Schweden 38,5 P., 4. Thofeldt-Schweden 39 P.; 5. Remer» Deutschland 47 P.; 6. M i e r s ch - Deutschland 48 P.; 7. Somfay-Ungarn; 8. Legarde-England (24 Teil­nehmer).

Bei den Staffel-Dorläufen kam Deutsch­land sowohl mit der 4 mal 100-, wie mit der 4 mal 400-Tleter-6taffel in den Endlauf. Unsere 4 mal 100-Meter-Staffel gewann in der Besetzung Körnig, Hendrix, Borchmeyer, Ionath ihren Dorlauf in 41,2 Set., vor Japan, England, Indien und Griechen- land. Unsere 4 mal 4OO-Meter-Staftel beschräntte sich in der Aufstellung Büchner, Rehb, Dr. Peltzer, Metzner darauf, in ihrem ersten Dorlauf den voll- auf genügenden dritten Platz zu halten. Amerika lief in beiden Staffeln schon bei den Vorläufen Welt­rekord, und zwar über 4 mal 100 Meter 40,6 Sek. und über 4 mal 400 Meter 3:11,8 Minuten.

Die letzte leichtathletische Konkurrenz des Tages war das 3OOO-Meter-Hindernislaufen, bei dem aber versehentlich eine Runde zuviel ge­laufen wurde. Die Strecke war also 3450 Meter lang. Sieger blieb der Finne IsohoIo in 10:33,4 Minuten vor Evenson-England (100 Meter zurück), Gluskey-USA., Matttle'men-Finnland. Bailey-Eng- land und Dawson-USA

Deutschlands Spnntei-staffel gewinnt eine Silbermedaille.

Der Sonntag brachte die Staffelentscheidungen. Deutschland belegte über 4 mal 100/Mieter einen schönen zweiten Platz. Die deutsche 4 m a 1100- Meter-Damenstassel kam über den 6. Platz nicht hinaus. In der Hochsprungentscheidung für Da­men gab es einen Weltrekord. In den Schwimm- wettkämpfen wurden neue Olympiarekorde ausge­stellt. Die Amerikaner stellten in der leichtathle­tischen 4 mal 100-Meter-Staffel mit 40 Sekunden einen sensationellen Weltrekord auf.

Oberheffen

Landkreis Gießen.

ch Lich, 7. Aug. Die Bestrebungen des hiesigen Verkehrs- und V e r s ch ö n e r u n g s v e r- eins um Herausgabe einer Wege- karte von Lich und Umgebung sind von Erfolg gekrönt gewesen. Die Karte, die jetzt er- schienen ist, gibt genauen Aufschluß über das gegenwärtige Wegenetz, das ja durch die nach Kriegsende fertiggeftellte Feldbereinigung in vielen Fällen Qlenbcrungen erfahren hatte. Die Karte bietet aber nicht nur dem landschaftlichen Schönheiten nachstrebenden Einheimischen und Fremden alles, was sie suchen, sie zeigt auch dem an der reichen Geschichte unserer Stadt und ihrer Umgebung interessierten Vesucher wichtige Ein­träge über geschichtliche Geschehnisse und der­gleichen. Auch für die Landbevölkerung unserer Stadt und der Umgegend gibt sie genauen Auf­schluß über die Waldgebiete und Fahrwege, so daß das Suchen der Holznummern und Zufahr­wege mit Hilfe der Karte wesentlich erleichtert wird. Der Verkehrs- und Verschönerungsverein hat mit der Herausgabe der Karte der Fremden­werbung für unsere Stadt einen wertvollen Dienst erwiesen.

w.Muschenhcim, 7. Aug. Der Sport­platz, das Schmerzenskind des Turnvereins, ist endlich f e r t i g g e ft e 111. Er wurde von dem hiesigen freiwilligen Arbeitsdienst hergerichtet. 26 Mann waren 11 Wochen lang beschäftigt. Die meisten Arbeitsdienstwilligen sind nach Dorf-Güll überwiesen, wo nun am Wegebau gearbeitet wird.

Kreis Friedberg.

* Wölfersheim, 7. August. Zur Förderung des Untertagebetriebes läßt das hiesige Schwelkraftwerk in der benachbarten Gemarkung Weckesheim einen neuen Färbers ch a ch t errichten. Bei einer Tiefe von rund 50 Meter wird er 4,70 Meter breit und 5,30 Meter lang werden. Es ist bereits eine Tiefe von etwa 25 'Die­tern erreicht. Um die Ausschachtungsarbeiten be­schleunigt durchzuführen, wird in drei Schichten gearbeitet. Die Probebohr versuche in dem Mu­tungsgebiet Weckesheim sind nun beendet. Das Er­gebnis ist zufriedenstellend. Teilweise haben die Braunkohlen nur eine Deckschicht von knapp fünf Metern. Die Stärke des Kohlenflözes be­trägt bis zu 50 Metern. Die reichen Braun- kchlenmengen in diesem Abbaugebiete vermögen das Werk auf Jahre hinaus zu versorgen.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

O Aus dem Kreise Wetzlar, 8.Aug. Die Aemter bzw. die Gemeinden deS Kreises be- schäftigt zur Zeit eine Vorlage der Kreisver­waltung, die teilweise eine andereBesehung der Handarbeitslehrerinnen st eil en cm den Landschulen Vorsicht. Man hat vor, den bisherigen Handarbeitslehrerinnen den Hand­arbeitsunterricht zu entziehen und dafür stel­lenlose technische Schulamtsbewer­berinnen anzustellen. Ztz diesem Zweck sollen mehrere Gemeinden zusammengefaßt und von einer technischen Schulamtsbewerberin ver­sorgt werden. Diese Maßnahmen sollen auf An­ordnung des Ministers für Volksbildung durch­geführt werden, und zwar einerseits um die stellenlosen technischen Schulamtsbewerberinnen unterzubringen, zum anderen aber, um die Qua­lität des Radelarbeitsunlerrichts zu heben. Die Anordnung der Regierung findet wenig Gegen­liebe bei den Gemeinden. Diese stehen auf dem Standpunkt, daß es eine große Härte bedeute, den jetzigen Handarbeitslehrerinnen den Unter­richt au entziehen; auch befürchtet man, daß späterhin bei Anstellung einer technischen Schul­amtsbewerberin bedeutend höhere Kosten ent­stehen. Einzelne Gemeinden haben sich für die Beibehaltung der bisherigen Handarbeitslehrerin­nen entschieden.

Kreis Marburg.

WSR. Marburg, 7. Aug. Die Stadt Mar­burg hat den bekannten Hessenkunstmaler Pro­fessor h. c. Karl Danher, der gestern seinen 75. Geburtstag begehen konnte, in dankbarer An­erkennung seines künstlerischen Wirkens für die hessische Heimat und seiner treuen Sorge für die Erhaltung der romantischen Schönheiten der Stadt zum Ehrenbürger ernannt. Der Künstler, ein Mitbegründer der Willingshäuser Malerkolonie in der Schwalm, ist in weitesten Kreisen unseres Volkes besonders durch seine Gemälde aus dem Volksleben der Schwalm be­kannt geworden. Trotz seiner 75 Jahre ist er noch heute tätig.

zolgenschwere^utounfall-ilSBerlehte

Sängerautomobil fährt in eine Menschenmenge.

Darmstadt, 7. Aug. (WSN.) 7. Aug. Heute gegen 19.30 Uhr ereignete sich in dem Odenwald- Bad Bad König ein folgenschwerer Autounfall. Ein mit Sängern besetzter sechssitziger Kraftwagen fuhr in der Nähe des Gesundbrunnens in die dort­stehende Menschenmenge. Dadurch wurden 18 Perso­nen verletzt, davon zwei schwer. Die Verletzten stammen fast alle aus König selbst. Eine Frau mußte in schwer verletztem Zustande inzwischen in das städtische Krankenhaus nach Darmstadt über­führt werden. Die Insassen des Wagens kamen mit dem Schrecken davon. Die Ursache des folgen- schweren Unfalls wird zur Zeit durch den Erken- nungsdienst der LandeskriminalpoUzei untersucht.

Verantwortlich für Lokales, Provinz, Sport und Wirtschaft i. V.: H. L. Neuner.

Ar oetirefile NAI.

Original-Roman von Anny von panhuys.

Copyright by Verlag A. Bechihold, Braunschweig.

28 Fortsetzung. Rachdruck verboten I

Werner Sturm fügte dann noch hinzu:fiil hat das Haus, das man verkaufte, wieder an sich ge­bracht. Hunderttausende hat das verdrehte Mädel zusammengeschafft, das macht ihr keine von denen nach, die siedas verdrehte Mädel" schimpfen."

Frau von Welv erwiderte ein wenig gereizt:Sie begeistern sich als Celias Verlobter etwas zu sehr für Lil Körner, verehrter Doktor. Ich rate Ihnen, es in Celias Gegenwart nicht zu tun, sie könnte eifer­süchtig werdend Werner Sturm lächelte gequält.

Indessen stand Celia in ihrem Wohnzimmer wie auf glühenden Kohlen. Ihr Besucher machte keine Anstalten, ihr nachzugeben und sich zu entfernen. Den Scheck, den sie ihm reichte, nahm er zwar, aber er lachte dabei:Das ist ein kleiner Vorschuß, mein Lieb, das andere bringst du mir mit in die Ehe. Und jetzt will ich einen Kuß, Celia! Tu nicht so, als wenn wir uns noch nie geküßt hätten."

Er kam ihr ganz nahe, sein Atem streifte sie, und jetzt begriff die Gräfin, warum Stefan Brauner lo dreist und über alle Maßen rücksichtslos auftrat. So rücksichtslos, wie sie es ihm gar nicht zugetraut hätte. Er roch nach Alkohol, er mußte stark getrun­ken haben, ehe er sie aufgesucht. Sie duldete seinen Kuß mit Widerwillen, aber sie hatte auch einge­sehen, wenn sie nicht sehr diplomatisch vorging, bedeutete Stefan Brauner eine furchtbare Gefahr für sie. Beim Himmel, wie gelang es ihr nur, den Menschen in Güte loszuwerden. Er schien beim ersten Kuß auf den Geschmack gekommen zu fein, und faßte Celia fester, küßte sie immer von neuem, bis ihr der Fuseldunst so widerwärtig geworden, daß sie sich mit Gewalt losriß.

Sie versetzte dabei dem Mann einen Stoß, der ihn ins Taumeln brachte. Er stürzte und schlug schwer mit dem Hinterkopf auf die scharfe Kante einer ganz niedrigen geschnitzten Truhe, lag dann unbeweglich auf dem hellen Teppich.

Benommen vor Schreck, starrte Celia auf den Stegungslofen. Es dauerte Sekunden, bis sie sich bückte und ihn leicht zu rütteln wagte. Er rührte sich nicht, aber ihre entsetzten Augen sahen jetzt Blut auf dem hellen Teppich, dort wo der Kopf lag, und der eben noch so winzige Blutfleck vergrößerte sich schon, unter dem dunklen Haar mußte das Blut heroorsickern.

War Stefan Brauner tot? Die Frage drängte sich

ihr zunächst auf und zugleich war die Hoffnung da: Wenn er nur tot wäre!

Sie überlegte, was sollte sie jetzt tun. Viel Wahl blieb ihr nicht. Aber ehe sie sich noch zu entscheiden vermochte, klopfte es an und gleich darauf ging schon die Tür auf. Frau von Welp stand auf der Schwelle. Sie hatte Celia sagen wollen, Werner wäre gekommen.

Mit immer fassungsloser werdendem Gesicht blickte sie nun von Celia auf den regungslos am Boden Liegenden und von ihm wieder auf Celia. Die machte ihr ein Schweigezeichen, aber die erschreckte Frau beachtete es nicht. Sie schrie plötzlich überlaut und gellend auf.

Celia biß sich auf die Lippen, aber sie erkannte auch, ganz still ließ sich das fatale Vorkommnis nicht aus der Welt schaffen. Sie wünschte fast inbrünstig, wäre er nur tot, dieser Mensch, der ihr nie gefähr­lich schien, an den sie kaum noch gedacht und der nach langer Zeit jählings wie ein Sput wieder vor ihr auftauchte und Unerhörtes, Unalaubliches von ihr forderte. Haß glomm in ihren Augen, die den Mann am Boden streiften.

Frau von Welp hatte noch in der offenen Tür gestanden, als sie den Schrei ausgestoßen und Celia rechnete damit, daß jetzt Meta herbeistürzen würde, nur Meta. Soviel sie wußte, war das Hausmädchen, die auch zugleich die Küche besorgte, fortgegangen, um Einkäufe zu besorgen. Sie hatte keine Ahnung, daß inzwischen Werner Sturm gekommen und Meta auf die Post geschickt worden war, ein Paket dorthin zu bringen.

Sie fuhr zusammen, als jetzt statt der von ihr er­warteten Zofe ihr Verlobter neben der Tante stand und das seltsame Bild, das sich ihm bot, verständ­nislos betrachtend, fragte:Was ist hier geschehen?"

Jetzt hatte sich Celia wieder vollständig in der Gewalt. Sie stürzte auf ihn zu, erwiderte hastig, dabei auf den Regungslosen deutend:Er war früher Chauffeur bei meinem Mann und später noch bei mir, heute kam er, mich um Geld zu bitten, weil er in Not wäre. Ich versprach ihm zu helfen. Er machte ein paar Schritte rückwärts, als er sich dan­kend verneigen wollte und stolperte, fiel hin und schlug mit dem Kopf auf die Truhenecke. Weiter weiß ich nichts. Ehe ich noch um Hilfe rufen konnte, kam Tante, die schrie dann." Sie klammerte sich an Werner.Was ist fehl zu tun? Er bewegt sich nicht. Ich habe schreckliche Angst, er könnte tot sein." Sie schob ihn vorwärts.Du bist ja Arzt, du kannst mir die entsetzliche Frage beantworten. Werner, lieber Werner, ich leide gräßlich vor Angst."

Sie begann zu schluchzen Es war nur ein er» quältes Weinen. Sie hatte keine Träne für das Ge­schehene. Sie dachte nur: Wäre er doch nur tot! Sie würde, wenn man sie polizeilich befragte, genau bas»

I selbe erklären, was sie eben Werner Sturm erklärt.

Werner machte sich von ihr frei, und ohne -in I Wort zu erwidern, ging er auf den am Boden Lie­genden zu, neigte sich über ihn.

Mit angehaltenem Atem verharrte Celia auf der Stelle, wo sie stand, während Frau von Welp schwei­gend an der Tür lehnte und mit frampfig ver­schlungenen Händen alles verfolgte, was im Zim­mer vorging.

Celia fühlte die Spannung, die sie beherrschte, wie eine würgende Hand am Halse.

Jetzt kniete Werner nieder, sein Kopf neigte sich tief. Endlos schien Celia die Zeit, bis er den Kopf wieder hob, endlos schien ihr die Zeit, während er sich mit dem Regungslosen beschäftigte.

Endlich richtete er sich auf. Endstck! nach ihrer Meinung. In Wahrheit hatte alles nur Minuten gedauert.

Ihr war zumute wie einem Menschen, der auf den Richterspruch wartet, bei dem es um Leben und Tod geht. Hart schlug ihr Herz gegen die Rippen.

Der Mann liegt in schwerer Bewußtlosigkeit", erklärte Werner,und meines Erachtens besteht große Gefahr, daß er überhaupt nicht mehr daraus erwacht. Die Kopfwunde halte ich für sehr gefährlich. Ich brauche schnellstens Wasser und Leinentücher, Frau von Welp, und du, Celia, telephoniere meine Nummer an. Mein Assistenzarzt, Dr. Perlmann, soll sofort hierherkommen und Tasche zwei mitbringen " Er machte eine abwehrende Handbewegung.Bitte, stelle jetzt keine Fragen mehr, Celia, das stört mich sehr. Eile dich und telephoniere Dr. Perlmann an "

Er beschäftigte sich schon wieder mit Stefan Brau­ner, der starr wie eine künstliche Figur dalag und keinen Odem mehr zu haben schien.

Frau von Welp stürzte hinaus, langsamer verließ Celia das Zimmer.

Nebenan befand sich eine Badestube, Werner brauchte nicht lange auf Wasser zu warten. Auch Leinenzeug war schnell zur Stelle. Und nun tat Werner alles, was er vorläufig für Stefan Brau­s'er tun konnte. Aber so sehr er sich auch anftrengie, ihn ins Leben zurückzurufen, gelang es ihm nicht. Sein Assistenzarzt kam, er brachte die Handtasche mit, in der sich allerlei ärztliche Hilfsmittel und Instrumente befanden. Jetzt mühten sich beide und mußten dann nach langem vergeblichem Mühen den Tod feststellen. Dr. Perlmann übernahm es, die Polizei zu benachrichtigen.

Stefan Brauner war gar nicht mehr auf ein Bett gelegt worden, und es war gut so, weil die Polizei nun alles ziemlich unverändert vorfinden würde.

Frau von Welp schrie laut auf, als sie hörte, der regungslose Mann am Boden wäre tot Sic zeterte:Die Polizei im Hause, o Gott, was das für ein Aufsehen gibt!"

Celia stürzte hinaus mit dem Ruf:Wie furcht« bar, ich ertrage den Anblick nicht mehr!" Werner hatte das befremdende Gefühl, der Ausruf hätte eher freudig wie entsetzt geklungen, und er blickte Cekia verwundert nach. Frau von Welp stürmte hinter Celia her.

Da befand sich nun Werner Sturm allein mit dem Toten, von dem et nur das wenige wußte, was ihm Celia vorhin überstürzt berichtet. Aber sie wußte ja selbst nicht mehr.

Er stand dann neben dem Toten, blickte auf ihn nieder. Ein hübscher Mensch war es, stellte er fest, ein seht hübscher Mensch. Schade um ihn. Er hatte in diesem Hause um Geldhilfe bitten wollen und fand den Tod. Tragisch war sein Schicksal. Armer Teufel! entfuhr es Werner unwillkürlich. Er überlegte jetzt erst näher, was ihm Celia erklärt. Als sich der Chauffeur dan­kend vor ihr verneigen wollte und ein paar Schritte rückwärts machte, stolperte er und fiel. Fiel so unglücklich. Werner sah sich um und überlegte. Der Teppich war ganz glatt und fest angespannt, keine Ecke oder Falte war da, die für die Füße zum Hindernis hätten werden kön­nen. Er dachte: Wenn Celia den Mann unver­mutet gestoßen hätte, wäre dies Zurücktorkeln, Schwanken und Fallen erklärlicher. Aber wes­halb hätte ihn Celia fortstohen sollen? Sie war ja nicht einmal ärgerlich über die Geldbitte und hatte sie gewährt.

Frau von Welp steckte den Kopf durch die Tür.

Hoffentlich holt die Polizei den Menschen so schnell wie möglich fort, die arme Celia ist ganz fassungslos."

Er nickte:Die Polizei ist schon benachrichtigt, gehen Sie nur wieder zu Celia. Ich bleibe bei dem Toten."

Frau von Welp, noch immer an allen Glie­dern bebend, entfernte sich.

Celia saß indessen in ihrem Schlafzimmer und rieb sich mit Kölnischem Wasser seyr energisch die Augen rot. Es sah nun aus, als hätte sie ge­weint. Sie war zufrieden, sehr zufrieden, besser hätte ihr das Schicksal gar nicht helfen können. Das so plötzlich aufgetauchte Hindernis Stefan Brauner war schnell beseitigt worden.

Er hatte sich erst tüchtig Mut angetrunken, ehe er sie ausgesucht, ihr kräftiger Stoß hatte ihn umgeworfen, und der Zufall hatte weiter gehol­ter

-Eie prägte sich noch einmal genau ein, was sie zu Werner gesagt hatte. Davon durfte sie in nichts abweichen, wenn man sie polizeilich be­fragen würde.

I Fortsetzung folgt)