Ausgabe 
8.7.1932 Frühausgabe
 
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Schatzgräber vor die $ronf!

Welche Aussichten eröffnet der Kund des.piraienfchahes"?

Don A. S. 3.

Die sensationellen Bemühungen moderner Ingenieure, den auf den Kokosinseln ver­grabenen Schatz des Seeräubers Davis aufzufinden, haben jetzt mittels der elektrischen Wünschelrute zu einem erfolgreichen Ende geführt. Diese aben­teuerliche Nachricht läßt die Hoffnung auf* kommen^ daß viele andere Schätze, von deren Vorhandensein wir durch alte lieber» lieferungen wissen, in Zukunft leicht gebor­gen werden können.

Oie Goldsee bei Bogota.

Weit weniger phantastisch als die Entdeckung des ,Piratenschatzes", der nach planmäßi­ger wissenschaftlicher Arbeit zutage gefördert werden konnte, hört sich ein Plan an, der seit längerer Zeit die Gemüter der Schatzgräber be­wegt. Auf dreihundert Millionen wird der Wert Goldes geschätzt, das ganz nahe von Bogota, der Hauptstadt Columbiens, liegt. 3mGoldsee", einem kleinen Wasserloch hoch oben in den Cor- dilleren, zweitausend Fuß höher als Bogota.

Der Goldsee war das Heiligtum der C h i b ch a s , der Ureinwohner Columbiens. Er ist das berühmteste Wasserloch Südamerikas. Denn Jahrhunderte hindurch, vielleicht schon durch Jahrtausende, hat man hier Gold geopfert, ind kostbare Ringe und kunstvolles Geschmeide in das Wasser des Sees versenkt worden. Die Chibchas waren hochkultiviert. Als Pizarro zu ihnen drang, fand er Berge von Gold. Er wollte noch mehr, darum marterte er die Führer. Aber, was er erreichte, war nur, daß alles noch versteckte Gold in den See wanderte.

Zweimal im 3ahr badete der Hohepriester der Chibchas im Goldsee. Genau im Mittelpunkt des runden Sees wurde ein prächtiges Doot ver­ankert. Nackt, mit Oel gesalbt, mit Goldstaub ge­pudert, wartete der Priester auf den ersten Strahl der aufgehenden Sonne. Sein Leib leuchtete auf im ersten Licht. Dann tauchte er unter, und im gleichen Augenblick warfen die Tausende, die am Ufer standen, ihre Opfer in das dunkle Wasser. Jahrhundertelang ging das so.

Dieser Goldfee mußte Berge von kostbarstem Schmuck bergen. Pizarro wollte sie heben. Und er lieh von Tausenden von Indios einen Kanal graben, um das Wasser abzuleiten. Jahrelang wurde gegraben, immer neue Arbeiter wurden eingesetzt, immer tiefer wurde der Kanal. Q u e- sada, der spanische Eroberer der'Chibchas-Pro- vinzen, war unerbittlich, er lieh Hunderte zu Tode peitschen, um das Gold des Goldsees zu heben. Aber die Ufer des Sees find aus solidem

Fels. Man durchbrach sie, ohne Sprengmittel damals und ohne Gesteinsbohrmaschinen. Der Kanal war fast fertig, als seine Wände ein* stürzten. Wieder begann die Arbeit, und wieder stürzten die Kanalwände ein, wenn das Wasser zu laufen begann. Die Spanier gaben den Kamps auf, der Goldsee behielt feine Schätze, behielt und verteidigte sie bis heute.

Ein Spiel für Millionäre ...

Trotzdem wurde zu Beginn unseres 3ahrhun* derts ein englisches Syndikat gegründet, das erfahrene Ingenieure und modernste Maschinen nach Südamerika schickte. Qualvoll waren die Transporte auf den Gebirgspfaden, endlos die Arbeit im Fels. Siebzig Fuß unter dem Wasser* spiegel sollte ein Kanal in den See stoßen. Man oohrte den Tunnel in den Fels, man brach durch, bas Wasser floh ab... Aber in der Mitte des Seebeckens blieb tiefes Wasser, nur die Ränder waren trockengelegt. Trotzdem, schon dieser Rand* schlämm barg Schätze von ungeheurem Wert man barg Kunstwerke erlesenster Schön* heit, goldene Geschmeide aus der Frühzeit der Inka-Kultur, die heute in den Museen Londons und Neuhorks ausgestellt sind. Man bekam fast die ganzen Spesen herein. Sechs Jahre hatte man gearbeitet.. und nun war kein Geld mehr da. um auch den Mittelgrund trockenzulegen, den goldreichsten Punkt des Sees.

Gold ist schwer... das Wertvollste mußte in dem tiefsten Teil liegen...

Eben als das Syndikat Geld genug hatte, um die Arbeiten fortzufehen, kam eine neue Regie- rung in Columbien ans Ruder. Die Konzession wurde verweigert. Nach Jahren des Kampfes um diese Konzession sollte die Schahgräberei wieder beginnen... Da kam der Weltkrieg, lind dann stürzte der Tunnel ein, und heute ist der See wieder vollgelaufen, wieder deckt dunkles Wasser die Goldschätze der Inkas, Schätze, deren Vorhan­densein unzweifelhaft ist, die man schon gesehen hat, deren Proben jeder in den Museen bewun­dern kann...

Gewiß: ungewöhnlich großes Kapital ist nötig, um den Goldsee auszutrocknen, ungewöhn­liche technische Schwierigkeiten sind vorhanden... Aber der Tunnel ist leicht wieder freizulegen, in den fünfzehn Jahren seit dem letzten Versuch ist die Pumptechnik weit fortge­schritten, die Ingenieurkunst unglaublich weiter­gekommen ... Die Milliarden im Goldsee also sind nähergerückt als je.

Wer will sie heben? Es ist ein Spiel für Mil­lionäre mit einer Chance von Milliarden...

Aus der provinzialhcmpistadt.

Gießen, den 8. Juli 1932.

AGOAP. und Haus- und Grundbesitz.

In einer öffentlichen Versammlung der Orts­gruppe Gießen der NSDAP, sprach gestern abend im Lass Leib Herr Bartholomäus von hier über das ThemaDeflation oder Raub durch un­gerechte Steuern am Haus-, Grund- und Boden­besitz." Der Redner beschäftigte sich zunächst kurz mit dem Verbot derOberhessischen Volkszeitung" und polemisierte dann ebenfalls kurz gegen die Sozialdemokratie, die heute erkläre, sie wolle für eine gerechte Verteilung der Lasten kämpfen, wäh­rend sie das in den legten 13 Jahren nicht getan habe.

Zu Beginn der Betrachtungen über sein Thema erinnerte er an das Werk der Bauernbefreiung durch den Frhr. vom Stein, dessen Wort vom Freien Bauer auf freier Scholle" auch heute wie­der Geltung erlangen müsse, allerdings mit dem ZusatzFreier Herr im eigenen Heim". Vor dem ftriege habe der Eigentümer Freude an seinem Besitz gehabt, daraus sei Deutschland stark und mächtig geworden, wer ,aber wolle heute noch das Risiko auf sich nehmen, Grundbesitz zu bebauen oder gar einen Neubau zu errichten? Der Grund­besitz sei der Prügelknabe der gegenwärtigen Wirt­schaftspolitik geworden. Durch die kalte Sozialisie­rung und die Inflation seien Diele Volksgenossen, Unternehmer und Arbeiter, um ihren Besitz ge­bracht worden, insbesondere auch um ihr Eigen- tum an Grund und Boden. Der Landwirtschaft habe man durch die Belastung zur Sicherung der Ren­tenmark eine schwere Bürde auferlegt, um die Er­leichterung dieser Hypothekenlast habe man sich aber nicht bemüht.

Der Redner nahm bann gegen den überaus hohen Zinssatz bei der Weitergabe von Auslandanleihen an die einzelnen Wirtschaften Stellung, er wies auf die steigende Zahl der Konkurse und Geschästsaussichten sowie auf das starke Anwachsen der Arbeitslosen­ziffer und die steigende Not des Haus- und Grund­besitzes hin. Durch die steigende Arbeitslosigkeit seien immer größere Steuerausfälle, gleichzeitig aber auch ständig wachsende Soziallasten für die Ällegemein- heit entstanden. Gleichzeitig habe der Staat mit dem Besitz der Scholle in den letzten Jahren immer mehr Schindluder getrieben und durch die riesige Steuer­last dem Besitzer die Freude an seinem Grundeigen­tum genommen. Der Redner kritisierte hierauf die Verwendung der Erträge aus der Sondergebäude- fteuer und betonte, wenn diese Steuer anstatt mit zum weit überwiegenden Teile für alle möglichen staatlichen Zwecke nur zu dem Zwecke verwandt wor­den sei, für den man sie geschaffen habe, bann gebe es heute keinen arbeitslosen Bauarbeiter, ebenso hätten das Weißbindergewerbe und andere Berufe der Bauwirtschaft Arbeit. Er trat dann für die Ver­wirklichung des nationalsozialistischen Wirtschafts. Programmes nach den Vorschlägen von Feder ein und erklärte, auf diesem Wege könnten in wenigen Monaten Hunderttausende wieder Arbeit finden. Mit Entschiedenheit sei zu fordern, daß der Ertrag aus der Sondergebäudesteuer zur Herstellung der Wohn­häuser und zu den übrigen Hausreparaturen ver­wandt werde. Durch die Deflation und die unge­rechte steuerliche Belastung habe man den Besitz ent­wertet, und dadurch werde jeder von dem Erwerb von Grundbesitz abgeschreckt. Unerhört sei es, daß der Staat die Grundstücke nach einem Wert versteuere, dessen Höhe in Wirklichkeit nur auf dem Papier stehe und der in der Praxis überhaupt nicht zu erreichen sei. Die Ursache für diese ganze verhängnisvolle Ent­wicklung sei in dem Klassenkampfgedanken zu er­blicken. Es sei ein Verbrechen an der Einigkeit des Volkes, wenn der Staat eine Volksschicht gegen die andere hetze, anstatt alle Schichten zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufassen.

Um die Möglichkeit des Bauens wieder zu schaffen, forderte der Redner die Beseitigung der Ungerech­tigkeiten bei der Wertzuwachssteuer. Die Spekulation mit Grund und Boden müsse gründlich unterbunden werden. Der Grund und Boden, der Deutschland heiße, dürfe fein Objekt für Schiebungen sein. Bei den großen Terraingesellschaften sei vor allem die gleiche Wertzuwachssteuerberechnung vorzunehmen, wie bei dem kleinen Besitzer, der jetzige steuerliche Vorzug der Großen gegenüber den Kleinen müsse 1 verschwinden.

Zum Schlüsse forderte der Redner eine klare, ein­fache und gerechte Steuerverteilung, das bisherige schädliche Stiftern müsse nach dieser Richtung hin gründlich geändert und dafür gesorgt werden, daß in Deutschland jedermann wieder Freude und Stolz an seinem Besitz gewinne. Das sei aber nicht durch Hausbesitzer- oder Mietervereine zu erreichen, son­dern nur auf dem Wege, den die NSDAP, weise, in der sich alle zusammenfinden müßten, die keine Trennung vom Eigentum haben wollten, weil eine solche Trennung zugleich Trennung vom Daterlande bedeute. Es gelte auch hier, alle Deutschen zu- sammenzufassen für Freiheit und Gerechtigkeit. (Leb Hafter Beifall.)

Unruhe» am Kirchenplah.

Gestern abend und im Verlaufe der Nacht bis gegen Mitternacht tarn es am Kirchenplah und am Walltor zu Reibereien und Schläge­reien mit politischem Hintergrund, bei denen die Polizei wiederholt eingreifen mußlc. Schon vor Beginn der nationalsozialistischen Vei- fammlung im Cafe Leib wurden am Kirchenplah Versammlungsbesucher der NSDAP, von politi­schen Gegnern mit allerlei Zurufen bedacht. Nach dem Vortrage des Redners der NSDAP, im Cafe Leib wurde plötzlich die SA. aus dem Saale auf die Straße gerufen, auf der vom Walltor bis zum Kirchenplah lebhafter Betrieb herrschte. Versammlungsbesucher, die unmittelbar nach der SA. das Versammlungslokal verließen, konnten unter den herumstehenden Menschen vor dem Cafe Leib ziemliche Erregung feststellen, die durch Rei­bereien am Kirchenplah veranlaßt worden sein sollte. Wenige Minuten später kamen barm zahl- rcicr;c ^A.-Leute in scharfem Laufschritt vom Lin- denplah her nach dem Cafe Leib gestürmt, hinter- dre'.n eine Anzahl Schupobeamte mit dem Gummiknüppel in der Hand. Genaueres konnte man im Augenblick nicht feststellen, jedoch hatte es den Ar ch.n, als ob die Polizei vor allem darauf bebaut war, di« feindlichen Gruppen auseinander zu bringen. Gegen 23 Uhr mar­schierte dann die SA. im geschlossenen Zuge, dem sich viele Versammlungsbesucher anreihten, vom Caf6 Leib in der Richtung nach dem Kirchen­plah zu ab. Hiscbei kam es dann am Kirchenplah Su einem ernsten Zwischenfall, bei dem nach Mit­teilung der Kriminalpolizei ein junger National- fosialift aus Gießen auf einen jungen Jnann einen Schuß abgab. Der Angeschossene ist der an den Vorgängen angeblich völlig unbetei- j'Ste 18 Jahre alte Handlungsgehilfe Fritz Fi­scher, Weserstrahe 8 wohnhaft, dem die Kugel

kn fort rechte Schulterblatt eindrang und in glattem Durchschuß am Rücken wieder aus trat. Die Polizei griff unverzüglich ein, woraus der Schutze nach Angabe der Polizei sofort in der Marschkolonne der SA. verschwand und weiter flüchtig ging, jedoch an der Engel-Apotheke von einem Polizeibeamten ergriffen und verhaftet tourbe Der Mann wurde in polizeilichen Gewahrsam genommen, wo er sich heute vor­mittag noch befand. Bei seiner Deimehmung heute Nacht hat er eingestanden, daß er den Schuß abgegeben hat. Ferner wurde ein weiterer jun­ger Nationalsozialist verhaftet, bei dem man «in« Schußwaffe gesehen haben will: vermutlich hat es sich hierbei um die Schußwaffe gehan­delt, di« der ersterwähnte junge Nationalsozialist nach der Schießerei von sich geworfen haben soll und di« bis jetzt noch nicht gefunden wurde, während man am Tatort das Revolvermagazin mit 6 Patronen und «ine abgeschoffene Hülse vorfand.

Während des Zusammenstoßes am Kirchenplah entstand ein großer Tumult, in dessen Verlauf mit Steinen und Flaschen geworfen wurde, vor allem auch gegen die Polizei, die tatkräftig ein- schritt und den Platz säuberte, während die SA. unter polizeilicher Bedeckung ihren Marsch fort* setzte. Die Erregung unter der Menschenmasse hielt noch lang« an, jedoch kam es erfreulicher­weise im weiteren Verlaufe der Nacht zu keinem neuen Zusammenstoß. Die Vorgänge am Kirchen* platz unterliegen zur Zeit der polizeilichen Unter- suchung.

Wie wir auf Anfrage bei der Chirurgischen Klinik erfahren, ist das Befinden des Fischer ernst, man hofft jedoch, ihn, wenn keine Kompli­kationen eintreten, am Geben zu erhalten. Die Kugel ging dem Angeschossenen 2 Zentimeter vom Herzen entfernt durch die Brust

OHV.-proiest gegen dieNoiverordnung

Gauvorsteher Auerbach-Frankfurt weilte gestern abend bei der Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Derbandes zu Gast. Geschäftsführer Schwarz begrüßte den Gast und die zahlreichen Mitglieder, die sich zur Versammlung eingefunden hatten.

Nach einigen geschäftlichen Mittellungen sprach Gauvorsteher Auerbach über das ThemaDer DHV. und die Notverordnung". Weite Kreise des Volkes hofften, so führte er u. a. aus, daß nach dem Sturze des Kabinetts Brüning des­sen Nachfolger neue Wege zur Konsolidierung der Reichsfinanzen finden würden. Diese Hoffnung sei bisher enttäuscht worden. Die neue Regierung habe keine Maßnahme zur Behebung der Arbeitslosig­keit getroffen, die Arbeitsdienstbewegung nicht ge­fördert, das Siedlungsprogramm des Ostens auf ge­geben, nichts fei gegen die Doppelverdiener unter­nommen worden und ein weiterer großer Mangel fei, daß in der neuen Notverordnung keine Maß­nahme zur Verbilligung der Verwaltung vorgesehen und von einer Reichsreform schon gar nicht ge­sprochen werde. Die in der neuen Notverordnung zum Ausdruck kommende Taktik, die Arbeitnehmer erneut zu belasten, andere Kreise dagegen zu ver­schonen, könne nicht anders als im höchsten Grade unsozial bezeichnet werden. Die neue Notverord­nung habe die Fehler der bisherigen Notverord­nungen nicht gut gemacht, sondern sie sogar ver­stärkt. Auf der ganzen Linie sei eine Bevorzugung der besitzenden Kreise festzustellen, während sich die Lage der breiten Massen der Arbeitnehmer in kras­sem Ausmaß verschlechtert habe. Aus der neuen Notverordnung ergebe sich die Tatsache, daß die be- stehenden Tarifverträge nur sehr schwer aufrecht­zuerhalten fein werden und es für die Angestellten­schaft wieder gelte, um Tarife zu kämpfen. Wenn hinsichtlich der Lage des Arbeitnehmers nicht grund­legend Wandel geschaffen werde, dann müsse man mit einer weiteren eminenten Radikalisierung der breiten Massen unseres Volkes rechnen.

Mit besonderer Erbitterung müsse man die Feststellung machen, daß mit' den neuen Bestim­mungen die Industrie nicht nur geschont, sondern sogar entlastet werde und insbesondere auf dem Gebiet« des Kartellwesens Lockerungen Platz grei­fen, die der Industrie weiten Spielraum lassen. Leider sei keinerlei Revision des dringend ab­änderungsbedürftigen Aktienrechtes vorgesehen, geschweige denn erfolgt. Das Bedenllichste an der Notverordnung der gegenwärtigen Regierung fei aber die Tatsache, daß sich die neue Regierung Ermächtigungen hab« geben lassen, die eine Reihe der zu erlassenden Ausführungsbestimmungen völlig außerhalb der Kontrolle des Reichstages stelle.

Scharfer Protest müsse gegen die ungerecht­fertigten Eingriffe in die verschiedenen Zweige der Sozialversicherung erhoben werden. Der künf­tige Reichstag und die Parteien müßten sich da­für einsetzen, daß die Notverordnung mit ihren unsozialen, tief einschneidenden Bestimmungen wieder aufgehoben werde. Die NSDAP., auf die in diesem Zusammenhang viele Augen ge­richtet seien, habe sich hierzu noch nicht partei­amtlich geäußert. Man müsse unbedingt ein« ge­recht« Lastenverteilung fordern. Für die in der neuen Notverordnung zum Ausdruck kommende Bevorzugung, insbesondere auch der Beamten, habe man gar kein Verständnis.

In feinen weiteren Ausführungen erklärte der Redner die Notverordnung in ihren wesentlichen Punkten. Insbesondere nahm er zu den Ab­wandlungen der Sozialversicherungsgesehgebung, der Angestelltenversicherung und der Arbeits­losenhilfe Stellung. Wenn die Arbeitslosenver­sicherung nicht auf ihre ursprüngliche Form der Versicherung zurückgeführt werd«, dann fei die Beitragsleistung nichts anderes mehr als eine Sonderbesteuerung, die abgelehnt werden müsse. Die Nivellierung, die neuerdings auf Grund der Notverordnung hinsichtlich der Arbeitslosen­unterstützung durchgeführt werde, bedeute eine Vermassung, wie sie die Marxisten nicht radi­kaler fordern könnten. Der dabei vorgenommene Leistungsabbau bringe viele Volksgenossen an den Rand der Existenzmöglichkeit. Der Redner gab weiter das Ausmaß der Rentenkürzungen bekannt und schilderte die dabei zutage tretenden Härten. Angesichts dieser Umstände werde der DHV. beim Reichstag die Forderung einbringen, die Notverordnung aufzuheben und sozialere Maßnahmen zu treffen. (Lebhafter Beifall.)

Anschließend berichtete Kreisgeschäftsführer Schröder über den gegenwärtigen Stand der Tarifverhältnisse zwischen der Angestelltenfchaft und dem Gießener Einzelhandel. Mit einer kurzen Aussprache über den Vortrag des Gau- vorstehers fand die Versammlung ihr Ende.

Das Hessische Heimatwer? in Oberhessen. In Anlehnung an die Arbeits­

am t-N«benstellen ist die Organisation der Betreu* ungsbezirke durch dasHessische Heimatwerk' (Ab­teilung Oberhessen) erfolgt. Männer der Praxis, deren Namen nachstehend aufgeführt sind, warten nun auf die Hilfe von allen, die den freiwilligen Arbeitsdienst durchführen helfen wollen. Tech­niker, Forstleute, Aerzt«, Juristen, auch Studen­ten und Junglehrer werden gebeten, sich bei einem der nachstehenden Vertrauensleute zu melden: Be­zirk Alsfeld-Homberg. Rektor Rudolph, Alsfeld; Bezirk Büdingen-Altenstadt: Kreisschulrat Dr. Weigand, Büdingen; Bezirk Butzbach-Nauheim: Prof. Dr. Weide, Butzbach; Bezirk Friedberg: Di­rektor des Polytechnikums, Direktor Dr. Schäfer, Friedberg; Bezirk Gedern: Rektor Riedel, Ge­dern; Bezirk Giehem-Eich: Hess. Heimatwerk, Abt. Oberhessen. Gießen; Bezirk Grünberg-Lich: Leh­rer Dr. Kammer, Dillingen; Bezirk Lauterbach- Altenschlirf: Stadtbaumeister Braun. Lauterbach; Bezirk Londorf: Lehrer Müller, Reinhardshain; Bezirk Nidda-Kohden: Dekan Scriba, Nidda; Be­zirk Ruhlkirchen: Kaplan May, Ruhlkirchen; Be­zirk Schotten-Köddingen: Hess. Heimatwerk, Abt. Oberhessen, Gießen.

** ©in Siebzigjähriger. Werkmeister i. R. Otto Müller, wohnhaft Liebigstraße 64, kann am heutigen Freitag in geistiger und kör­perlicher Frische feinen 70. Geburtstag feiern.

** Wieder falsche Zwanzigm ark- scheine inllmlauf. Die Frankfurter Polizei warnt vor falschen Reichsbanknoten über 20 Mk., Ausgabe 11. Oktober 1924. In Frankfurt sind be­reits falsche Scheine angehalten worden. Das Pa­pier ist weicher als bei den echten, die Pflanzen­fasern durch braune Druckstriche vorgetäuscht, Was­serzeichen nur teilweise nachgeahmt und das weib- lid>e Bild in schmutzigem Druck; hinterBerlin" ist der Beistrich mit dem Buchstaben verbunden. Cs wird vor Annahme und Weiterverbreitung die­ser Scheine gewarnt.

Buntes Allerlei.

Geschichten von Kuno Fischer.

Kuno Fischer, der einst so gefeierte Geschichts­schreiber der Philosophie, der lange Zeit eine Zierde der Heidelberger Unwersität war, war zugleich eine höchsteigenartige Persönlichkeit und der Held zahl­loser Anekdoten, an die man sich gern erinnert, da sie die menschlichen Züge dieses großen Gelehrten scharf beleuchten. Er war eine ßerrschernatur und duldete nicht, daß ihm jemand den Rang als der ersten Berühmtheit Heidelbergs streitig machte. Als ein junger Professor, der selbst auch etwas gelten wollte, sich gegen diese Tyrannei auflehnte und so­gar einige despektierliche Aeußerungen über Kuno Fischer machte, war der jugendliche Stürmer für den großen Mann Luft. Doch das Unglück wollte es, daß sie einmal zusammen eingeladen wurden. Kuno beachtet den andern nicht, er sieht ihn nicht, er hört ihn nicht. Aber bei Tisch wendet er sich zu seiner Nachbarin und fragt, mit dem Kopfe nach dem anderen hinweisend, laut und vernehmlich:Wer ist dieser Gymnasiast?" Fischer, der ein hinreißender Redner war und dadurch die ganze Universität in seine Vorlesungen lockte, hielt natürlich bei der 500- jährigen Jubelfeier der Heidelberger Hochschule die große Festansprache in der Stadtkirche. Volle drei Stunden sprach er. Das wurde schließlich einem Bru­der Studio zu Diel; er weckte den eingeschlummerten Küster und bat ihn, ihm die Kirchentüre aufzuschlie­ßen. Der aber lehnte entschieden ab und erklärte: Nee, Herr Studiosus, das geht wirklich nicht. Wenn ich erst einen raus lasse, bann wollen sie alle raus". Der berechtigte Stolz des Philosophen auf seine Leistung nahm bei ihm Formen an, die man bei einem gewöhnlichen Sterblichen als Eitelkeit bezeich­nen wurde. Als ihm der TitelExzellenz" verliehen wurde, war ihm diese Titulatur eine Labsal fürs

Herz, von der er nie genug bekommen konnte. Die Studenten wußten das und überstürzten sich in der beständigen Wiederholung dieser Auszeichnung, so daß es schließlich selbst Fischer zuviel wurde und er einem seiner Schüler, der sich mit Exzellenz hinten und vorn nicht genug tun konnte, begütigend zu­rief:Nicht immerfort Exzellenz, bitte nur so hin und wieder!" Wenn man ihm aber diesen Titel nicht gab, dann konnte er recht ungemütlich werden. Ein Besucher, der sich im Flur danach erkundigte, ob Herr Dr. Fischer zu Hause sei, erhielt von der Exzellenz, die im Nebenzimmer die Frage hörte, die ärgerliche Antwort:Sie wollen wohl zum Arzt ? Dr. Fischer wohnt gegenüber. Seine Sprechstunde ist von 2 bis 3".

Das kostbarste Pferd der Wett.

Das RennpferdSolorio", «in jetzt zehnjähriger Hengst, der als das kostbarste Pferd der Welt gilt, wird demnächst zu Newmarket in England versteigert, da fein früherer Besitzer, Sir John Rutherford, der den Einjährigen für 56 000 Mark kauft«, g«ftorben ist. Das edle Tier hat in seiner Laufbahn als Renner Preise im Werte von gegen 320 000 Mark gewonnen und ist jetzt der gesuchteste Deckhengst. In einem Londoner Blatt wirft Robin Goodfellow bi« Frage nach dem Wert Solarios auf. Seit der Hengst seine Lauf­bahn zu Zuchtzwecken im Jahre 1927 begann, hat der Deckpreis immer 500 Guineen betragen, also etwa 7800 Mark. Für das nächste Jahr sind bereits 37 Verträge abgeschlosfen, in denen er seine Obliegenheiten erfüllen muß. Dazu ist aber unbedingt nötig, daß Solorio in England bleibt; «in ausländischer Käufer müßte erst die Züchter entschädigen, die sich ein Recht auf die Dienste des Hengstes gesichert haben. Es ist daher sehr unwahrscheinlich, daß der Hengst außer Landes geht. Die durch diese Verträge als sein Verdienst gesicherte Summe beträgt für das kommende Jahr gegen 300 000 Mark. Da es dem berühmten Hengst zweifellos niemals an Kunden fehlen wird, so dürfte er nun mindestens sechs weitere Jahre in der Lage sein, diese Summe jährlich zu ver­dienen. Die Versicherung für dieses kostbare Tier beläuft sich jährlich auf 150 000 Mark. Der Sach­verständige kommt zu dem Ergebnis, daß der Wert Solarios gegenwärtig mit mindestens 6 0 0 0 0 0 Mark zu veranschlagen ist. Da eine solche Summe ein Einzelner kaum wird aufbrin­gen können, so dürft« ein Syndikat von Züchtern den Deckhengst erwerben, wie dies auch bei ähn­lichen Gelegenheiten schon früher geschehen ist.

Langfristige Wettervoraussage.

2Dif(erungsoorausfage für Norddeutschland, westlich der Oder, West-, Mittel- und Süddeutschland für die Zett vorn 8. bis 17. Juli 1932.

Herausgegeben von der Staatl. Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorhersage in Frankfurt a. M.

Das Wetter wird zunächst leicht unbeständig und zu Regenfällen geneigt, wenn auch im großen und ganzen nicht unfreundlich sein. Späterhin ist mit vor- wiegend warmer und ziemlich trockener, jedoch immer noch nicht ganz störungsfreier Witterung zu rechnen.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen.

Anzelgenauslräge sind lediglich an die Geschäfts stelle zu richten.

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