Ausgabe 
8.7.1932 Frühausgabe
 
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vertreten sind (Sozialdemokraten und Zentrum), als befriedigend empfunden wurde, so kam der schnelle Situationswechsel doch überraschend. Es war aufgefallen, daß die Nationalsozialisten nicht in Uniform erschienen waren und auch das gegen­seitige Verhalten zwischen Nationalsozialisten und Zentrum eine starke Verschiebung ins Zivile aus­wies. Die von dem Zentrum vorgelegte Entschlie- stung,das Land erwarte von den großen Frak­tionen alsbald, spätestens nach den Reichstags- Wahlen eine neue Negierung", war zwar etwas zögernd von den Nationalsozialisten abgelehnt worden, doch ihr Fraktionsführer Lenz beeilte sich, sofort zu erklären, dah von seiner Fraktion die entsprechenden Schritte zur Negierungsbildung schon in den nächsten Tagen erfolgen würden.

Die Sitzung des Aeltestenausschusses zog sich überraschend in die Länge und endete mit dem be­kannten Beschluß. Von den Beteiligten wird heute abend noch strengstes Stillschweigen über die Situation bewahrt, wenn auch verlautet, daß von den Nationalsozialisten Pros. Werner als Kan­didat für den Staatspräsidenten- p o st e n präsentiert werden soll.. Das Zentrum

hielt heute abend noch eine längere Fraktions­sitzung ab, in der das Programm für Freitag fest­gelegt wurde. Eine Mitteilung über die Sitzung wurde nicht ausgegeben. Bor der Plenarsitzung am Freitag find neue Fraktionssitzungen vorge­sehen. Jedenfalls wäre es eine Ucberraschung, wenn die Verhandlungen zwischen Nationalsozia­listen und Zentrum schon vor der Reichs- tags wähl zu einer Koalition in Hessen führen würden. In den sachlichen Fragen dürften unüber­windliche Schwierigkeiten für ein Zusammengehen der beiden Parteien nicht bestehen, vielleicht, daß in den Pcrsonalfragen noch eine kleine Sensation bevorsteht.

In der Donnerstagssitzung des Landtags haben sich die K o m m u n i st e n außerordentlich zurück- yaltend betragen, um anscheinend jeden Anlaß für einen Ausschluß eines ihrer Mitglieder zu verhin­dern und so bei einer Ministerpräsidentenwahl ganz klare Verhältnisse zu schaffen. Ausgefallen ist im übrigen, daß am Freitag die beiden Mitglieder der Bürgerlichen Einheitsliste die Wahl des früheren Landtagspräsidenten Delp (Soz.) zum stellvertretenden Präsidenten verhindert haben.

Der englische Abrüstungsvorschlag

Statt Verminderung der Schiffszahl, Herabsetzung der Einzeltonnage und der Geschühkaliber.

London, 7. Juli. (WTB.) Auf das Er­suchen des Führers der Opposition, Lansburh, der um eine Erklärung über die Abrüstungs­konferenz bat, sagte Baldwin: Die Negie­rung des Vereinigten Kbnigsreichs begrüht d i e Erklärung des Präsidenten Hoover, weil sie ein wirklich substantielles Matz der Abrüstung fordert und weil sie versucht, die beiden Grundsätze qualitativer und quantitativer Beschränkung anzuwenden. Präsident Hoover fragt, was für Verminde­rungen durchgeführt werden sollen nicht nur durch weitere allgemeine Herabsetzung der Nüst ungen, sondern durch die Erhöhung der v e r h ä l t n i s m ä h i g e n Verteidi­gungskraft im Detail einer Herabsetzung der Offensivkraft. Wir wünschen, uns diesen Auf­fassungen anzuschliehen und alles zu tun, was wir beitragen können, um ihre praktische Anwendung zu erreichen. Da Großbritannien ebenso wie die Bereinigten Staaten seine stärkste Waffe in der Flotte findet, muß der Beitrag, der es am me sten berührt, auf diesem Gebiet gefunden werden, auf dem Bei­träge zur Abrüstung in größtem Maße bereits vor der Allgemeinen Abrüstungskonferenz ge­macht worden sind. Trotzdem bietet die Regierung jetzt einen weiteren Beitrag als Teil einer all­gemeinen Weltregelung an.

In bezug auf die Stärke des Land Heeres hat die Negierung die Prüfung von Maßnahmen für die Herabsetzung der E f f e k t i v st ä r k e auf den niedrigsten mit der jeweiligen nationa­len Sicherheit erträglichen Stand in den Vor­dergrund ihrer Landabrüstungsoorfchläge gerückt. Der amerikanische Vorschlag, die Landstreitkräfte in einePolizeikomponente* und eineVerteidi- gungskomponente" zu teilen, wird einer sehr sorg­fältigen Prüfung bedürfen. Die britifchen Land­streitkräfte sind bereits wesentlich unter die Ziffer herabgesetzt worden, die für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung als notwendig anerkannt wird. Auch bezüglich der Landgeschütze und Tanks sieht sich die britische Regierung in allge­meiner Uebereinstimmung mit den Vorschlägen der amerikanischen Regierung. Es sollte der Grundsatz durchgeführt werden, daß besonders offen­sive Waffen zu verbieten sind.

Die britischen Vorschläge zur Flottenabrü- st u n g nehmen den meisten Raum in der Erklä­rung Baldwins ein. Unter Berücksichtigung der weit verstreuten Verantwortlichkeiten der britischen Flotte fei es für England nicht durchführ­bar, die Zahl der Flotteneinheiten unter einen gewissen Punkt zu vermin­dern. Die numerische Herabsetzung in der britischen Flotte sei bereits in einem sehr großen Maße

durchgeführt worden: es sei jedoch möglich und in höchstem Grade wünschenswert, durch andere Mit­tel di« Herabsetzung in den Flottenrüstungen, die von allen bezweckt wird, zu erreichen. Die auaen- blicklichen Vertragsgrenzen der Gröhe und des Geschützt alibers seien bei wei­tem zu hoch und die Regierung sei der Auffas­sung, daß sehr große Verminderung bis zu etwa einem Drittel sowohl bei Grohkampfschisfen, als auch bei Kreuzern im künftigen Bau vorge­nommen werden können. Mit Bezug auf Groh- kampfschiffe würde der amerikanische Vorschlag die Gröhe dieser riesig kostspieligen Schiffe und der kaliberschweren Geschütze bei jedem künftigen Dau unberührt lassen.

Der Vorschlag der Regierung, der keine geringere Verminderung in der Gesamttonnage herbeiführe, vermeide diese Lücken durch Herabsetzung der Gefchützgröße und der Schiffsgröhen. Die Regierung unterbreitet zur sofortigen Annahme durch internationale Vereinbarung folgende Vor­schläge für die Flotten der Welt:

1. Verminderung der Maximalgröhe jedes künftigen Grohkampsschtffs auf 22 000 Tonnen und des Maximalkaliber» der geführten Geschütze auf 11 Zoll.

2. Verminderung der rNaximalgröhe von künftig gebauten Kreuzern auf 7000 Tonnen und de» Maximalgeschühkalibers auf 6,1 Zoll.

3. wenn eine internationale Vereinbarung über Punkt 2 nicht erzielt werden kann, so würde die Regierung de» vereinigten Königreich» weiter­hin darauf dringen, dah die Maximalgröhe von Grohkampsschiffen auf 25 000 Tonnen herab­gesetzt wird und die ihrer Geschütze auf 12 Zoll.

4. Verminderung der höchstgröhe von Flug­zeugmutterschiffen auf 22 000 Tonnen mit b.lzölligen Geschützen. *

5. Abschaffung der U-Boote und in diesem Fall

6. Verminderung der Zerstörertonnage um ungefähr ein Drittel.

7. wenn U-Boote nicht völlig abgeschafft werden können, eine Festsetzung ihrer Maximalüber- wasserverdrängung auf 250 Tonnen mit einer strikten Beschränkung sowohl der Gesamtton­nage als auch der Zahl der Einheiten.

In der Frage der ßuftabrü ft ungen schlägt die Regierung vor:

1. Das oöHige Verbot jede» Bomben­abwurf» innerhalb von Grenzen, die so genau wie möglich durch eine Internationale Konvention niedergelegt werden sollen. Angriffe

Realpolitik.

Don Hans Riebad.

Die vier Männer, die sich da am Tisch des Speise- wagens zusammengefunden haben, kommen ins Ge­spräch. Das Gespräch beginnt, nachdem der Erste Blumenkohl mit Butter (und sonst gar nichts) zum Abendbrot bestellt und der Zweite Leipziger Aller­lei, logiaten, grünen Salat und Radieschen auf seinen Teller gehäuft hat,Aha", lächelte der Erste, auch Vegetarier?"

Jawohl", nickte der Zweite und schneidet eine Tomate in den grünen Salat,schon seit zwanzig Jahren."

Merkwürdiges Zusammentreffen!" greift da der Dritte ein,auch ich bin Vegetarier, wenigstens ein Fünfzigprozentiger."

Wieso fünfzigprozentig?" fragte der Erste.

Ich esse selbstverständlich weder Fleisch noch Fisch", sagte der Dritte,wohl aber Eier, Milch- speisen und hin und wieder etwas Schmalz."

Pfui Teufel", schüttelte sich der Zweite, Schmalz?' Wie können Sie nur Schmalz essen? Vegetarismus ist doch schließlich keine Küchen- angelegenheit, sondern eine Welt- und Lebens­anschauung. Wenn Sie nicht den tiefen ethischen Sinn begriffen haben, der darin liegt, die Opfer eines organisierten Massenmordes mit aller Bewußt- heit nicht auszuessen ..."

Aber, aber!" hebt da der Dritte die Hand.Ich bin Arzt. Sie müssen sich schon damit abfinden, daß mein Weg zur vegetarischen Ernährung ein anderer ist als Ihrer. Der Mensch ist, wie der Affe, von Natur aus Pflanzenfresser. Das einzig ordnungs­mäßige Nahrungsmittel ist also die Pflanze. Wenn ich die Konsequenzen aus dieser einfachen lieber- legung ziehe, so hat das mit Ethik uno mit Welt­anschauung ebenso wenig zu tun, wie etwa das Problem, ob man abends besser Helles oder dunkles Bier trinkt."

Na, na!" entrüstet sich der Erste.So ganz ernst ist es Ihnen wohl doch nicht mit diesem Vergleich? Ob der Mensch früher einmal Pflanzenfresser war -- ich bezweifle das sehr stark ist im Grunde gleich- gültig. Das einzig Entscheidende ist, dah die vege­tarische Kost das Vorrecht oder vielmehr die Dor­pflicht des geistigen Menschen ist. Die Pflanzenkost ist darüber sind wir uns wohl einig ist gesund. Darüber hinaus aber ist sie gottbegnadet. Die Lebenssäfte der Natur, in tausend Medikamenten industriell verwertet, werden uns unmittelbar zu­

geführt. Die Schäden des Körpers und des Geistes werden am laufenden Band repariert, wenn wir unserem Blut Vitamine, unserem Darm Zellstoff und unseren Nerven jenes geheimnisvolle Etwas geben, das nur der Pflanze, nicht aber dem tierischen Fleisch innewohnt."

Die drei offenbar ein wenig erschöpft, schweigen. Da rührt sich der Vierte. Er ist ein alter Herr, und der Rock, den er trägt, ist hoch geschlossen.Ader meine Herren", sagt er,Sie machen sich das Leben zu schwer. Sie definieren zu viel. Und empfinden zu wenig. Wie einfach ist doch im Grunde das Problem! Was mich betrifft, so gibt es nur eins: Mitleid. Nächstenliebe wie zum Menschen, so auch zum Tier. Ich habe Mitleid. Mitleid mit dem Kälb­chen, das auf der Wiese herumspringt und nun dem Schlächter zugeführt werden soll. Mitleid mit dem Reh, das durch das Grün des Waldes äugt, Mitleid mit dem Fisch, der springlebendig im Wasser hin- und herschießt. Ist das nicht genug? Brauchen wir zu definieren? Brauchen wir Theorien? Mitleid, meine Herren, Mitleid ist alles ..."

Hören Sie mal", räuspert sich da der Erste, und seine Stirn überzieht sich, indes er die Teller und Schüsseln auf dem Tisch mustert, mit einem tiefen Rot.Sie sprechen von Mitleid? Und haben, wäh­rend wir uns über die Probleme der Vegetarier unterhalten, eine Ochsenschwanzsuppe gegessen, einen Karpfen und einen Rehbraten? Wollen Sie sich bitte--"

Aber meine Herren", sagt der Vierte und guckt die drei anderen mit Augen an, in denen sich Ver­ständnislosigkeit mit dem Gefühl absoluter lieber- legenheit paart, das den Realpolitiker vom Phan­tasten scheidet,aber meine Herren! Natürlich habe ich das alles gegessen. Ader die Tiere, die Opfer dieser Tafel geworden sind, waren doch nun schon einmal geschlachtet."

Oer Manu

mit dem strahlenden Lächeln ...

3n diesen Tagen werden viele Mädchen wei­nen ... all« di«, di« in der Blütezeit des stum­men Filmes noch im Flügelkleide in die Mädchen­schule gingen, di« Bruno Kastner abendelang auf der Leintoand bewunderten, ihn liebten, ihn vergötterten, fein« Photographie gemeinsam mit der ganzen Untersekunda auf einem Butterbrot verspeisten ihr Schmerz wird heute, obwohl ihr Abgott sich schon seit Jahren vom Film zu­rückgezogen hart«, ohne Grenzen sein.

auf die Zivilbevölkerung würden vollkommen untersagt werden.

2. Strenge Beschränkung des Leerge­wichts aller Militär- und Marineflugzeuge, ausgenommen Truppenbeförderungsflugzeuge und Flugboote.

3. Line Beschränkung in der Zahl jeder Art Militär- und Marineflugzeuge.

Rücktritt

der thüringischen Negierung.

Weimar 7. Juli. (WTV.) Nach einer heute nachmittag abgehaltenen Kabinettssitzung richtete die thüringische Landesregierung an den Präsidenten des Thüringischen Landtages folgendes Schreiben:

Bei der Beratung des Staatshaus­haltsplanes für 1932 sind vom Landtag Be­schlüsse gefaßt worden, died urchzuführen die Landesregierung nicht in de r La g e ist. Wir treten deshalb als Mitglieder der Landes­regierung zurück.

Eingeweihten Kreisen kam der Rücktritt nicht unerwartet. Seit Tagen hielt sich das Ge­rücht, das die Regierung die Verantwor­tung für d ies ch w erwiegendenfinan- ziellen und politischen Belastungen deS Haushaltsplanes nicht werde tragen können. Doch hatte man immer noch gehofft, den Rücktritt vermeiden zu können. Durch Zufalls­abstimmungen im Landtag war die Regierung ge­zwungen, einenDetrag von2,8Millio- nen an di« Gemeinden abzuführen. Weiter war die Konsumverein - Steuer gefallen. Diese Zufallsmehrheit kam dadurch zustande, daß die Nationalsozialisten in der ent­scheidenden Sitzung zum Teil nicht anwesend, zum Teil ausgeschlossen waren. Eine dritte Belastung stellte die vom Landtag geforderte Aufhebung de r Lo cke r u n g s v e r o r dnun g zumMie- tersteuergesetz dar.

Nach den Mehrheitsverhältnissen im Landtag kämen für eine Negierungsneubildung nur die gleichen Parteien mit neuen Männern in Frage, so daß mit dem Zustande­kommen einer neuen Regierung nicht zu rechnen ist. Seit Wochen wird bereits von nationalsozialisti­scher und kommunistischer Seite die sofortige Landtagsauflösung gefordert, obwohl der Landtag im Spätherbst sowieso aufgelöst werden würde. Es ist nunmehr damit, zu rechnen, dah sich auch die Sozialdemokraten diesen Standpunkt zu eigen machen und die bisherigen Regierungsparteien nicht mehr tolerieren werden.

Oie Kandidaten der OVp. auf der deutschnationalen Reichsliste. 'Berlin, 7. Juli. (END.) Wie dieBörsen­zeitung" hört, sollen auf Grund der bekannten Listenverbindung zwischen DBP. und DNBP. folgende B o l k s p a r t e i l e r auf der deutschnationalenNeichsliste kandidie­ren: Dingeldeh, Dr. Hugo, Geheimrat Dr. Zapf, Bankdirektor von Stauß, Frau Dr. Matz und Postdirektor M o r a t h- Bis auf Geheimrat Dr. Zapf gehörten alle auch dem letzten Reichstag als Mitglieder der volkspartei­lichen Fraktion an.

Oie Staatspartei geht ohne Listenverbindung in den Wahlkampf.

D e r l i n, 7. 3uli. (CNB.) Der Gesamtvorstand der Deutschen Staatspartei hat heute mit 29 gegen 13 Stimmen bei 6 Enthaltungen beschlossen, im ganzen Reiche selbständig und ohne Listenverbindung in den Wahl­kampf zu treten. 3n der Vorstandssitzung der Deutschen Staatspartei wurde weiter beschlossen, folgende Neichsliste aufzustellen: Reichsfinanz­minister a. D- Dr. Dietrich, Lemmer, Frau Dr. Marie Elisabeth Lüders und Finanzminister a. D- Dr. Höpker-Aschoff.

Alle jungen Mädchen, die in einer heimlichen Schublade ihres heimlichen Nachttisches «ine Photographie des großen Meisters beherberg­ten, mit einem Autogramm auf der Rückseite oder auf der Heldenbrust,für Elfriede",für Paula", für Ottilie" all diese Mädchen, die heute vielleicht gar keine Backfische mehr sind, weil dies schon lang«, lange Jahr« her ist, werden das Photo beim Schein ihrer Nachttischlampe an­starren, das glatte Haar, den gut sitzenden Ä, di« berühmten, teuer bezahlten Mause- n und werden es nicht fassen ...

Bruno Kastner! Welch ein Begriff aus der guten alten Zeit des stummen Filmes! Welche Eleganz wird uns da ins Gedächtnis zurück- gerufen, welcher Charme, welche L'.edenswürdig- keit, welches Lächeln ach, welches Lächeln! Er mochte den Othello spielen, oder den Grafen Traft, den Götz von Derlichingen oder den leise dämonischen Verführer im Salon der eleganten Damen er hat nicht alle diese Rollen gespielt, hätte er sie all« gespielt, dann wären sie alle, Szene für Szene, unter bezauberndem Lächeln von seinen Lippen geflossen.

Früher gab eS ihn in allen Lebenslagen auf Postkarten in jedem besseren Papiergeschäft zu laufen. 2m Frack, im Reitanzug, im hellen Sakko, mit oder ohne Strohhut, mit oder ohne Melone, mit oder ohne Bärtchen immer lächelte er uns unverändert an. Gr hatte damals guten Grund, so viel zu lächeln, denn es ging ihm ausgezeich­net. Ein« eigene Filmgesellschaft stellteDruno- Kastner-Schlager" her. Die besten Regisseure ver­suchten mit großem Erfolg, sein Lächeln so in Filmen unterzubringen, daß diese Filme nur die Staffage für dieses Lächeln bildeten. Dann aber Krach der Tonfilm aus. Bruno Kastner vermochte nicht, sich in sein« neue Welt einzuordnen. Er lief von Filmagent zu Filmagent. Ein Engage­ment! Ein Engagement! Ach, niemand wollte ihn. Hnb jetzt ...

Er hat immer Bonvivants gespielt, reiche Her­ren aus gutem Hause, Grafen, Barone, Kaffee- könia« ... And in den letzten Jahren hat er viel­leicht sich mehr als einmal überlegen müssen, woher er das Geld für das morgige Essen her­nehmen sollt«. Unter der Notiz, di« in der Zei­tung seinen Selbstmord ankündigt, steht trocken und kurz:Die Ursachen sind wirtschaft­lich« Sorgen". Keine Vergötterung, keine Be­rühmtheit, nicht sein schönstes Lächeln hat ihn vor diesen Sorgen bewahren können. Irgendwo, in einem dunklen Zimmer. liegt heute dieser

Nationalsozialistische Angriffe gegen die frankfurter Polizei.

WSN. Frankfurt a. M., 7. Juli. Die Vor­gänge bei der Anti-Versailles-Kundgebung der Deutschen Studentenschaften der Universität Frankfurt a. M., bei denen b ie Polizei die Teilnahme nationalsozialistischer Studenten in Uniform verhinderte und auch nicht zuließ, dah die Studenten mit ent­blößtem Oberkörper in dem Zug marschierten, hat die nationalsozialistische Landtags­fraktion veranlaßt, in einem Urantrag einen Beschluß des Landtages zu fordern, wonach der Preußische Landtag der Deutschen Studentenschaft in Frankfurt a. M. seinen Gruß entbietet mit der Versicherung, alsbald nach erfolgtem Shstemwech- fel den Frankfurter Polizeipräsidenten und den Oberst Leon zu schärfster Verantwor­tung zu ziehen. Die Staatsregierung wird in / dem Antrag aufgefordert, den Frankfurter Poli­zeipräsidenten und den Obersten Leon sofort ihres Dienstes zu entheben und eine öffentlich« Entschuldigung der Staatsregie­rung gegenüber der Frankfurter nationalsozialisti­schen Studentenschaft auszusprechen.

Aus aller Well.

Zwei deutsche Kommunisten aus Sowjetruhland geflüchtet.

An der polnisch-sowjetrussischen Grenze im Wil- naer Gebiet wurden von einem polnischen Grenz­posten zwei deutsche Flüchtlinge aus Sowjetrußland angefyalten. Es handelt sich um die Reichsdeutschen Johann Unger und Alfred La - nepern, beide aus Bayern, die ihren An­gaben gemäß aus b e m PGU.-Gefängnis in Minsk geflüchtet find, wo sie seit etwa einem halben Jahr gefangen gehalten wurden. Sie ge­hörten als Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands einer Abordnung an, die sich im ver­gangenen Jahre zur Feier der Ottoberreoolution nach Moskau begeben hatte. Auf dem Heimwege waren sie in Polozka abgestiegen, um dort Be­kannte aus der Zeit des Weltkrieges zu besuchen. Dort sind sie von PGU.-Agenten verhaftet und in das Gefängnis nach Minsk überführt worden. Die beiden Flüchtlinge befinden sich zunächst im Ge­wahrsam des polnischen Grenzkommandos, das die notwendigen Nachforschungen eingeleitet hat.

Schweres Aulomobilun^lück in Bayern.

Eine in Riemsting zur Erholung weilend« Ge­sellschaft wollte mit einem schweren Merced« S- Kompressor einen Ausflug nach Traunstein un­ternehmen. In dem Magen befanden sich der Buchhändler Hans Volkmar aus Leipzig und seine Gattin sowie die Majorsgattin Emilie S ch i l l e aus Leipzig, der Chauffeur und noch «in Insasse. Im Eichenwald bei Ising über­schlug sich aus bisher noch nicht festgestellter Ursache der schwere Wagen. Di« Insassen wur­den herausgeschleudert. Die Majorsgattin Schill« wurde sofort getötet, Volkmar und seine Gat­tin erlitten schwere Verletzungen, die be>* den anderen Insassen kamen mit leichteren Ver­letzungen davon. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus in Traunstein eingeliefert. Wie ver­lautet, soll der Unfall durch das Platzen eines Reifens verursacht worden sein.

Auch eine Antwort!

In einem ländlichen Gasthaus in der Nähe des Bodensees traf kürzlich ein auf Reisen befindlicher Norddeutscher mit zwei Männern zusammen, von denen der eine aus der Gegend von Lörrach im südlichen Baden, der andere aus einem toürttem- bergischen Städtchen stammte. Im Laufe des Ge­sprächs über die Reisepläne des Norddeutschen er­zählte der Lörracher viel von den Reisen, die er als junger Mensch gemacht habe und bediente sich dabei im heimatlichen alemannischen Dialekt häu­fig der Wendung3 bi g si" (gewesen). Als er das Gastzimmer verlassen hatte, fragte der Nord­deutsche den Württemberger, er könne den Dia­lekt des Lörracher so schlecht verstehen, was denn vor allem dasgfi bedeuten solle. Darauf erwi­derte der Württemberger mit treuherziger Miene:

Sell 's e schiechts Deitsch, sell soll heiße: I b e n g w ä."

elegante Mensch mit den zweiunddreißig schönen Zähnen und lächelt nicht mehr.

Ouell mit Autos.

Zwei feindliche Möimer in Blackridge (USA.) sind kürzlich auf den Gedanken gekommen, eine kleine Meinungsverschiedenheit in folgender Weise auszu- tragen. Jeder setzte sich in sein Automobil denn die feindlichen Herrschaften waren vornehme Leute und fuhr mit Höchstgeschwindigkeit auf den Wagen des Gegners los. Sie hatten sich vorher geschworen, das Turnier so lange auszudehnen, bis entweder die Automobile oder einer ihrer Insassen zu einem un­kenntlichen, unbrauchbaren Stückchen Elend gewor­den wären. Diese neumodische Errungenschaft knüpft in auffälliger Weise an die Technik des Zweikamp, fes zu den Zeiten der alten Griechen an. Wenn auch nicht bekannt ist, ob sich die Widersacher vor ihrem Duell die nötigen Schimpfworte zuriefen, um sich Appetit zum Kampf zu machen, so hat doch ein Wagenkampf in Saus und Braus und mit vielen Pferdekräften einiges mit den Schlachten der Ilias gemeinsam. Es ist bloß nicht gesagt, daß ein solches Duell wegen der Neumodischkeit seiner Waffen ge­fährlicher zu sein braucht als ein antiker Zweikampf, was der Erfolg auch beweist denn die beiden bit­terbösen Amerikaner wurden bei ihrem Autoduell nur leicht verletzt...

Wallfahrt nach Europa.

Deutschland hat gegenwärtig fremden Besuch, es sind amerikanische Wallfahrer und nennen sich die Columbus-Ritter. Es sind fromme amerikanische Katholiken, die sich unter der Bezeichnungknighis of Columbus zu einer religiösen nationalen Orga­nisation zusammengetan haben. Columbus haben sie sich zu ihrem Patron erwählt, weil der große Eni- beeter ihres Vaterlandes Katholik war. Die ameri- kanische Organisation zählt etwa eine halbe Million Mitglieder, und diese wieder ist ein Teil einer kath. Riesenorganisation, deren einzelne Gruppen ihren nationalen Charakter betonen und nur im Glauben miteinander verbunden sind. Die Mitglieder der australischen Gruppe nennen sich die Ritter vom Kreuz des Südens. Die Amerikaner, die jetzt Ber- lin besucht haben und nach Köln weitergereist sind, betrachten ihre Europareise als eine Wallfahrt. Sie kommen von Irland, wo sie an dem eucharistischen Kongreß teilnahmen. Don Köln geht die Reise nach Rom zum Besuch des Vatikans und von dort nach Lourdes. Ehrengast der Pilgerfahrt ist der bekannte amerikanische Jesuitenpriester, Facher Taylor.