vertreten sind (Sozialdemokraten und Zentrum), als befriedigend empfunden wurde, so kam der schnelle Situationswechsel doch überraschend. Es war aufgefallen, daß die Nationalsozialisten nicht in Uniform erschienen waren und auch das gegenseitige Verhalten zwischen Nationalsozialisten und Zentrum eine starke Verschiebung ins Zivile auswies. Die von dem Zentrum vorgelegte Entschlie- stung, „das Land erwarte von den großen Fraktionen alsbald, spätestens nach den Reichstags- Wahlen eine neue Negierung", war zwar etwas zögernd von den Nationalsozialisten abgelehnt worden, doch ihr Fraktionsführer Lenz beeilte sich, sofort zu erklären, dah von seiner Fraktion die entsprechenden Schritte zur Negierungsbildung schon in den nächsten Tagen erfolgen würden.
Die Sitzung des Aeltestenausschusses zog sich überraschend in die Länge und endete mit dem bekannten Beschluß. Von den Beteiligten wird heute abend noch strengstes Stillschweigen über die Situation bewahrt, wenn auch verlautet, daß von den Nationalsozialisten Pros. Werner als Kandidat für den Staatspräsidenten- p o st e n präsentiert werden soll.. Das Zentrum
hielt heute abend noch eine längere Fraktionssitzung ab, in der das Programm für Freitag festgelegt wurde. Eine Mitteilung über die Sitzung wurde nicht ausgegeben. Bor der Plenarsitzung am Freitag find neue Fraktionssitzungen vorgesehen. Jedenfalls wäre es eine Ucberraschung, wenn die Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum schon vor der Reichs- tags wähl zu einer Koalition in Hessen führen würden. In den sachlichen Fragen dürften unüberwindliche Schwierigkeiten für ein Zusammengehen der beiden Parteien nicht bestehen, vielleicht, daß in den Pcrsonalfragen noch eine kleine Sensation bevorsteht.
In der Donnerstagssitzung des Landtags haben sich die K o m m u n i st e n außerordentlich zurück- yaltend betragen, um anscheinend jeden Anlaß für einen Ausschluß eines ihrer Mitglieder zu verhindern und so bei einer Ministerpräsidentenwahl ganz klare Verhältnisse zu schaffen. Ausgefallen ist im übrigen, daß am Freitag die beiden Mitglieder der Bürgerlichen Einheitsliste die Wahl des früheren Landtagspräsidenten Delp (Soz.) zum stellvertretenden Präsidenten verhindert haben.
Der englische Abrüstungsvorschlag
Statt Verminderung der Schiffszahl, Herabsetzung der Einzeltonnage und der Geschühkaliber.
London, 7. Juli. (WTB.) Auf das Ersuchen des Führers der Opposition, Lansburh, der um eine Erklärung über die Abrüstungskonferenz bat, sagte Baldwin: Die Negierung des Vereinigten Kbnigsreichs begrüht d i e Erklärung des Präsidenten Hoover, weil sie ein wirklich substantielles Matz der Abrüstung fordert und weil sie versucht, die beiden Grundsätze qualitativer und quantitativer Beschränkung anzuwenden. Präsident Hoover fragt, was für Verminderungen durchgeführt werden sollen nicht nur durch weitere allgemeine Herabsetzung der Nüst ungen, sondern durch die Erhöhung der v e r h ä l t n i s m ä h i g e n Verteidigungskraft im Detail einer Herabsetzung der Offensivkraft. Wir wünschen, uns diesen Auffassungen anzuschliehen und alles zu tun, was wir beitragen können, um ihre praktische Anwendung zu erreichen. Da Großbritannien ebenso wie die Bereinigten Staaten seine stärkste Waffe in der Flotte findet, muß der Beitrag, der es am me sten berührt, auf diesem Gebiet gefunden werden, auf dem Beiträge zur Abrüstung in größtem Maße bereits vor der Allgemeinen Abrüstungskonferenz gemacht worden sind. Trotzdem bietet die Regierung jetzt einen weiteren Beitrag als Teil einer allgemeinen Weltregelung an.
In bezug auf die Stärke des Land Heeres hat die Negierung die Prüfung von Maßnahmen für die Herabsetzung der E f f e k t i v st ä r k e auf den niedrigsten mit der jeweiligen nationalen Sicherheit erträglichen Stand in den Vordergrund ihrer Landabrüstungsoorfchläge gerückt. Der amerikanische Vorschlag, die Landstreitkräfte in eine „Polizeikomponente* und eine „Verteidi- gungskomponente" zu teilen, wird einer sehr sorgfältigen Prüfung bedürfen. Die britifchen Landstreitkräfte sind bereits wesentlich unter die Ziffer herabgesetzt worden, die für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung als notwendig anerkannt wird. Auch bezüglich der Landgeschütze und Tanks sieht sich die britische Regierung in allgemeiner Uebereinstimmung mit den Vorschlägen der amerikanischen Regierung. Es sollte der Grundsatz durchgeführt werden, daß besonders offensive Waffen zu verbieten sind.
Die britischen Vorschläge zur Flottenabrü- st u n g nehmen den meisten Raum in der Erklärung Baldwins ein. Unter Berücksichtigung der weit verstreuten Verantwortlichkeiten der britischen Flotte fei es für England nicht durchführbar, die Zahl der Flotteneinheiten unter einen gewissen Punkt zu vermindern. Die numerische Herabsetzung in der britischen Flotte sei bereits in einem sehr großen Maße
durchgeführt worden: es sei jedoch möglich und in höchstem Grade wünschenswert, durch andere Mittel di« Herabsetzung in den Flottenrüstungen, die von allen bezweckt wird, zu erreichen. Die auaen- blicklichen Vertragsgrenzen der Gröhe und des Geschützt alibers seien bei weitem zu hoch und die Regierung sei der Auffassung, daß sehr große Verminderung bis zu etwa einem Drittel sowohl bei Grohkampfschisfen, als auch bei Kreuzern im künftigen Bau vorgenommen werden können. Mit Bezug auf Groh- kampfschiffe würde der amerikanische Vorschlag die Gröhe dieser riesig kostspieligen Schiffe und der kaliberschweren Geschütze bei jedem künftigen Dau unberührt lassen.
Der Vorschlag der Regierung, der keine geringere Verminderung in der Gesamttonnage herbeiführe, vermeide diese Lücken durch Herabsetzung der Gefchützgröße und der Schiffsgröhen. Die Regierung unterbreitet zur sofortigen Annahme durch internationale Vereinbarung folgende Vorschläge für die Flotten der Welt:
1. Verminderung der Maximalgröhe jedes künftigen Grohkampsschtffs auf 22 000 Tonnen und des Maximalkaliber» der geführten Geschütze auf 11 Zoll.
2. Verminderung der rNaximalgröhe von künftig gebauten Kreuzern auf 7000 Tonnen und de» Maximalgeschühkalibers auf 6,1 Zoll.
3. wenn eine internationale Vereinbarung über Punkt 2 nicht erzielt werden kann, so würde die Regierung de» vereinigten Königreich» weiterhin darauf dringen, dah die Maximalgröhe von Grohkampsschiffen auf 25 000 Tonnen herabgesetzt wird und die ihrer Geschütze auf 12 Zoll.
4. Verminderung der höchstgröhe von Flugzeugmutterschiffen auf 22 000 Tonnen mit b.lzölligen Geschützen. *
5. Abschaffung der U-Boote und in diesem Fall
6. Verminderung der Zerstörertonnage um ungefähr ein Drittel.
7. wenn U-Boote nicht völlig abgeschafft werden können, eine Festsetzung ihrer Maximalüber- wasserverdrängung auf 250 Tonnen mit einer strikten Beschränkung sowohl der Gesamttonnage als auch der Zahl der Einheiten.
In der Frage der ßuftabrü ft ungen schlägt die Regierung vor:
1. Das oöHige Verbot jede» Bombenabwurf» innerhalb von Grenzen, die so genau wie möglich durch eine Internationale Konvention niedergelegt werden sollen. Angriffe
Realpolitik.
Don Hans Riebad.
Die vier Männer, die sich da am Tisch des Speise- wagens zusammengefunden haben, kommen ins Gespräch. Das Gespräch beginnt, nachdem der Erste Blumenkohl mit Butter (und sonst gar nichts) zum Abendbrot bestellt und der Zweite Leipziger Allerlei, logiaten, grünen Salat und Radieschen auf seinen Teller gehäuft hat, „Aha", lächelte der Erste, „auch Vegetarier?"
„Jawohl", nickte der Zweite und schneidet eine Tomate in den grünen Salat, „schon seit zwanzig Jahren."
„Merkwürdiges Zusammentreffen!" greift da der Dritte ein, „auch ich bin Vegetarier, wenigstens ein Fünfzigprozentiger."
„Wieso fünfzigprozentig?" fragte der Erste.
„Ich esse selbstverständlich weder Fleisch noch Fisch", sagte der Dritte, „wohl aber Eier, Milch- speisen und hin und wieder etwas Schmalz."
„Pfui Teufel", schüttelte sich der Zweite, „Schmalz?' Wie können Sie nur Schmalz essen? Vegetarismus ist doch schließlich keine Küchen- angelegenheit, sondern eine Welt- und Lebensanschauung. Wenn Sie nicht den tiefen ethischen Sinn begriffen haben, der darin liegt, die Opfer eines organisierten Massenmordes mit aller Bewußt- heit nicht auszuessen ..."
„Aber, aber!" hebt da der Dritte die Hand. „Ich bin Arzt. Sie müssen sich schon damit abfinden, daß mein Weg zur vegetarischen Ernährung ein anderer ist als Ihrer. Der Mensch ist, wie der Affe, von Natur aus Pflanzenfresser. Das einzig ordnungsmäßige Nahrungsmittel ist also die Pflanze. Wenn ich die Konsequenzen aus dieser einfachen lieber- legung ziehe, so hat das mit Ethik uno mit Weltanschauung ebenso wenig zu tun, wie etwa das Problem, ob man abends besser Helles oder dunkles Bier trinkt."
„Na, na!" entrüstet sich der Erste. „So ganz ernst ist es Ihnen wohl doch nicht mit diesem Vergleich? Ob der Mensch früher einmal Pflanzenfresser war -- ich bezweifle das sehr stark — ist im Grunde gleich- gültig. Das einzig Entscheidende ist, dah die vegetarische Kost das Vorrecht oder vielmehr die Dorpflicht des geistigen Menschen ist. Die Pflanzenkost ist — darüber sind wir uns wohl einig — ist gesund. Darüber hinaus aber ist sie gottbegnadet. Die Lebenssäfte der Natur, in tausend Medikamenten industriell verwertet, werden uns unmittelbar zu
geführt. Die Schäden des Körpers und des Geistes werden am laufenden Band repariert, wenn wir unserem Blut Vitamine, unserem Darm Zellstoff und unseren Nerven jenes geheimnisvolle Etwas geben, das nur der Pflanze, nicht aber dem tierischen Fleisch innewohnt."
Die drei offenbar ein wenig erschöpft, schweigen. Da rührt sich der Vierte. Er ist ein alter Herr, und der Rock, den er trägt, ist hoch geschlossen. „Ader meine Herren", sagt er, „Sie machen sich das Leben zu schwer. Sie definieren zu viel. Und empfinden zu wenig. Wie einfach ist doch im Grunde das Problem! Was mich betrifft, so gibt es nur eins: Mitleid. Nächstenliebe wie zum Menschen, so auch zum Tier. Ich habe Mitleid. Mitleid mit dem Kälbchen, das auf der Wiese herumspringt und nun dem Schlächter zugeführt werden soll. Mitleid mit dem Reh, das durch das Grün des Waldes äugt, Mitleid mit dem Fisch, der springlebendig im Wasser hin- und herschießt. Ist das nicht genug? Brauchen wir zu definieren? Brauchen wir Theorien? Mitleid, meine Herren, Mitleid ist alles ..."
„Hören Sie mal", räuspert sich da der Erste, und seine Stirn überzieht sich, indes er die Teller und Schüsseln auf dem Tisch mustert, mit einem tiefen Rot. „Sie sprechen von Mitleid? Und haben, während wir uns über die Probleme der Vegetarier unterhalten, eine Ochsenschwanzsuppe gegessen, einen Karpfen und einen Rehbraten? Wollen Sie sich bitte--"
„Aber meine Herren", sagt der Vierte und guckt die drei anderen mit Augen an, in denen sich Verständnislosigkeit mit dem Gefühl absoluter lieber- legenheit paart, das den Realpolitiker vom Phantasten scheidet, „aber meine Herren! Natürlich habe ich das alles gegessen. Ader die Tiere, die Opfer dieser Tafel geworden sind, waren doch nun schon einmal geschlachtet."
Oer Manu
mit dem strahlenden Lächeln ...
3n diesen Tagen werden viele Mädchen weinen ... all« di«, di« in der Blütezeit des stummen Filmes noch im Flügelkleide in die Mädchenschule gingen, di« Bruno Kastner abendelang auf der Leintoand bewunderten, ihn liebten, ihn vergötterten, fein« Photographie gemeinsam mit der ganzen Untersekunda auf einem Butterbrot verspeisten — ihr Schmerz wird heute, obwohl ihr Abgott sich schon seit Jahren vom Film zurückgezogen hart«, ohne Grenzen sein.
auf die Zivilbevölkerung würden vollkommen untersagt werden.
2. Strenge Beschränkung des Leergewichts aller Militär- und Marineflugzeuge, ausgenommen Truppenbeförderungsflugzeuge und Flugboote.
3. Line Beschränkung in der Zahl jeder Art Militär- und Marineflugzeuge.
Rücktritt
der thüringischen Negierung.
Weimar 7. Juli. (WTV.) Nach einer heute nachmittag abgehaltenen Kabinettssitzung richtete die thüringische Landesregierung an den Präsidenten des Thüringischen Landtages folgendes Schreiben:
Bei der Beratung des Staatshaushaltsplanes für 1932 sind vom Landtag Beschlüsse gefaßt worden, died urchzuführen die Landesregierung nicht in de r La g e ist. Wir treten deshalb als Mitglieder der Landesregierung zurück.
Eingeweihten Kreisen kam der Rücktritt nicht unerwartet. Seit Tagen hielt sich das Gerücht, das die Regierung die Verantwortung für d ies ch w erwiegendenfinan- ziellen und politischen Belastungen deS Haushaltsplanes nicht werde tragen können. Doch hatte man immer noch gehofft, den Rücktritt vermeiden zu können. Durch Zufallsabstimmungen im Landtag war die Regierung gezwungen, einenDetrag von2,8Millio- nen an di« Gemeinden abzuführen. Weiter war die Konsumverein - Steuer gefallen. Diese Zufallsmehrheit kam dadurch zustande, daß die Nationalsozialisten in der entscheidenden Sitzung zum Teil nicht anwesend, zum Teil ausgeschlossen waren. Eine dritte Belastung stellte die vom Landtag geforderte Aufhebung de r Lo cke r u n g s v e r o r dnun g zumMie- tersteuergesetz dar.
Nach den Mehrheitsverhältnissen im Landtag kämen für eine Negierungsneubildung nur die gleichen Parteien mit neuen Männern in Frage, so daß mit dem Zustandekommen einer neuen Regierung nicht zu rechnen ist. Seit Wochen wird bereits von nationalsozialistischer und kommunistischer Seite die sofortige Landtagsauflösung gefordert, obwohl der Landtag im Spätherbst sowieso aufgelöst werden würde. Es ist nunmehr damit, zu rechnen, dah sich auch die Sozialdemokraten diesen Standpunkt zu eigen machen und die bisherigen Regierungsparteien nicht mehr tolerieren werden.
Oie Kandidaten der OVp. auf der deutschnationalen Reichsliste. 'Berlin, 7. Juli. (END.) Wie die „Börsenzeitung" hört, sollen auf Grund der bekannten Listenverbindung zwischen DBP. und DNBP. folgende B o l k s p a r t e i l e r auf der deutschnationalenNeichsliste kandidieren: Dingeldeh, Dr. Hugo, Geheimrat Dr. Zapf, Bankdirektor von Stauß, Frau Dr. Matz und Postdirektor M o r a t h- Bis auf Geheimrat Dr. Zapf gehörten alle auch dem letzten Reichstag als Mitglieder der volksparteilichen Fraktion an.
Oie Staatspartei geht ohne Listenverbindung in den Wahlkampf.
D e r l i n, 7. 3uli. (CNB.) Der Gesamtvorstand der Deutschen Staatspartei hat heute mit 29 gegen 13 Stimmen bei 6 Enthaltungen beschlossen, im ganzen Reiche selbständig und ohne Listenverbindung in den Wahlkampf zu treten. 3n der Vorstandssitzung der Deutschen Staatspartei wurde weiter beschlossen, folgende Neichsliste aufzustellen: Reichsfinanzminister a. D- Dr. Dietrich, Lemmer, Frau Dr. Marie Elisabeth Lüders und Finanzminister a. D- Dr. Höpker-Aschoff.
Alle jungen Mädchen, die in einer heimlichen Schublade ihres heimlichen Nachttisches «ine Photographie des großen Meisters beherbergten, mit einem Autogramm auf der Rückseite oder auf der Heldenbrust, „für Elfriede", „für Paula", „für Ottilie" — all diese Mädchen, die heute vielleicht gar keine Backfische mehr sind, weil dies schon lang«, lange Jahr« her ist, werden das Photo beim Schein ihrer Nachttischlampe anstarren, das glatte Haar, den gut sitzenden Ä, di« berühmten, teuer bezahlten Mause- n und werden es nicht fassen ...
Bruno Kastner! Welch ein Begriff aus der guten alten Zeit des stummen Filmes! Welche Eleganz wird uns da ins Gedächtnis zurück- gerufen, welcher Charme, welche L'.edenswürdig- keit, welches Lächeln — ach, welches Lächeln! Er mochte den Othello spielen, oder den Grafen Traft, den Götz von Derlichingen oder den leise dämonischen Verführer im Salon der eleganten Damen — er hat nicht alle diese Rollen gespielt, hätte er sie all« gespielt, dann wären sie alle, Szene für Szene, unter bezauberndem Lächeln von seinen Lippen geflossen.
Früher gab eS ihn in allen Lebenslagen auf Postkarten in jedem besseren Papiergeschäft zu laufen. 2m Frack, im Reitanzug, im hellen Sakko, mit oder ohne Strohhut, mit oder ohne Melone, mit oder ohne Bärtchen — immer lächelte er uns unverändert an. Gr hatte damals guten Grund, so viel zu lächeln, denn es ging ihm ausgezeichnet. Ein« eigene Filmgesellschaft stellte „Druno- Kastner-Schlager" her. Die besten Regisseure versuchten mit großem Erfolg, sein Lächeln so in Filmen unterzubringen, daß diese Filme nur die Staffage für dieses Lächeln bildeten. Dann aber Krach der Tonfilm aus. Bruno Kastner vermochte nicht, sich in sein« neue Welt einzuordnen. Er lief von Filmagent zu Filmagent. Ein Engagement! Ein Engagement! Ach, niemand wollte ihn. Hnb jetzt ...
Er hat immer Bonvivants gespielt, reiche Herren aus gutem Hause, Grafen, Barone, Kaffee- könia« ... And in den letzten Jahren hat er vielleicht sich mehr als einmal überlegen müssen, woher er das Geld für das morgige Essen hernehmen sollt«. Unter der Notiz, di« in der Zeitung seinen Selbstmord ankündigt, steht trocken und kurz: „Die Ursachen sind wirtschaftlich« Sorgen". Keine Vergötterung, keine Berühmtheit, nicht sein schönstes Lächeln hat ihn vor diesen Sorgen bewahren können. Irgendwo, in einem dunklen Zimmer. liegt heute dieser
Nationalsozialistische Angriffe gegen die frankfurter Polizei.
WSN. Frankfurt a. M., 7. Juli. Die Vorgänge bei der Anti-Versailles-Kundgebung der Deutschen Studentenschaften der Universität Frankfurt a. M., bei denen b ie Polizei die Teilnahme nationalsozialistischer Studenten in Uniform verhinderte und auch nicht zuließ, dah die Studenten mit entblößtem Oberkörper in dem Zug marschierten, hat die nationalsozialistische Landtagsfraktion veranlaßt, in einem Urantrag einen Beschluß des Landtages zu fordern, wonach der Preußische Landtag der Deutschen Studentenschaft in Frankfurt a. M. seinen Gruß entbietet mit der Versicherung, alsbald nach erfolgtem Shstemwech- fel den Frankfurter Polizeipräsidenten und den Oberst Leon zu schärfster Verantwortung zu ziehen. Die Staatsregierung wird in / dem Antrag aufgefordert, den Frankfurter Polizeipräsidenten und den Obersten Leon sofort ihres Dienstes zu entheben und eine öffentlich« Entschuldigung der Staatsregierung gegenüber der Frankfurter nationalsozialistischen Studentenschaft auszusprechen.
Aus aller Well.
Zwei deutsche Kommunisten aus Sowjetruhland geflüchtet.
An der polnisch-sowjetrussischen Grenze im Wil- naer Gebiet wurden von einem polnischen Grenzposten zwei deutsche Flüchtlinge aus Sowjetrußland angefyalten. Es handelt sich um die Reichsdeutschen Johann Unger und Alfred La - nepern, beide aus Bayern, die ihren Angaben gemäß aus b e m PGU.-Gefängnis in Minsk geflüchtet find, wo sie seit etwa einem halben Jahr gefangen gehalten wurden. Sie gehörten als Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands einer Abordnung an, die sich im vergangenen Jahre zur Feier der Ottoberreoolution nach Moskau begeben hatte. Auf dem Heimwege waren sie in Polozka abgestiegen, um dort Bekannte aus der Zeit des Weltkrieges zu besuchen. Dort sind sie von PGU.-Agenten verhaftet und in das Gefängnis nach Minsk überführt worden. Die beiden Flüchtlinge befinden sich zunächst im Gewahrsam des polnischen Grenzkommandos, das die notwendigen Nachforschungen eingeleitet hat.
Schweres Aulomobilun^lück in Bayern.
Eine in Riemsting zur Erholung weilend« Gesellschaft wollte mit einem schweren Merced« S- Kompressor einen Ausflug nach Traunstein unternehmen. In dem Magen befanden sich der Buchhändler Hans Volkmar aus Leipzig und seine Gattin sowie die Majorsgattin Emilie S ch i l l e aus Leipzig, der Chauffeur und noch «in Insasse. Im Eichenwald bei Ising überschlug sich aus bisher noch nicht festgestellter Ursache der schwere Wagen. Di« Insassen wurden herausgeschleudert. Die Majorsgattin Schill« wurde sofort getötet, Volkmar und seine Gattin erlitten schwere Verletzungen, die be>* den anderen Insassen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Die Verletzten wurden in das Krankenhaus in Traunstein eingeliefert. Wie verlautet, soll der Unfall durch das Platzen eines Reifens verursacht worden sein.
Auch eine Antwort!
In einem ländlichen Gasthaus in der Nähe des Bodensees traf kürzlich ein auf Reisen befindlicher Norddeutscher mit zwei Männern zusammen, von denen der eine aus der Gegend von Lörrach im südlichen Baden, der andere aus einem toürttem- bergischen Städtchen stammte. Im Laufe des Gesprächs über die Reisepläne des Norddeutschen erzählte der Lörracher viel von den Reisen, die er als junger Mensch gemacht habe und bediente sich dabei im heimatlichen alemannischen Dialekt häufig der Wendung „3 bi g si" (gewesen). Als er das Gastzimmer verlassen hatte, fragte der Norddeutsche den Württemberger, er könne den Dialekt des Lörracher so schlecht verstehen, was denn vor allem das „gfi“ bedeuten solle. Darauf erwiderte der Württemberger mit treuherziger Miene:
„Sell 's e schiechts Deitsch, sell soll heiße: I b e n g w ä."
elegante Mensch mit den zweiunddreißig schönen Zähnen und lächelt nicht mehr.
Ouell mit Autos.
Zwei feindliche Möimer in Blackridge (USA.) sind kürzlich auf den Gedanken gekommen, eine kleine Meinungsverschiedenheit in folgender Weise auszu- tragen. Jeder setzte sich in sein Automobil — denn die feindlichen Herrschaften waren vornehme Leute — und fuhr mit Höchstgeschwindigkeit auf den Wagen des Gegners los. Sie hatten sich vorher geschworen, das Turnier so lange auszudehnen, bis entweder die Automobile oder einer ihrer Insassen zu einem unkenntlichen, unbrauchbaren Stückchen Elend geworden wären. Diese neumodische Errungenschaft knüpft in auffälliger Weise an die Technik des Zweikamp, fes zu den Zeiten der alten Griechen an. Wenn auch nicht bekannt ist, ob sich die Widersacher vor ihrem Duell die nötigen Schimpfworte zuriefen, um sich Appetit zum Kampf zu machen, so hat doch ein Wagenkampf in Saus und Braus und mit vielen Pferdekräften einiges mit den Schlachten der Ilias gemeinsam. Es ist bloß nicht gesagt, daß ein solches Duell wegen der Neumodischkeit seiner Waffen gefährlicher zu sein braucht als ein antiker Zweikampf, was der Erfolg auch beweist — denn die beiden bitterbösen Amerikaner wurden bei ihrem Autoduell nur leicht verletzt...
Wallfahrt nach Europa.
Deutschland hat gegenwärtig fremden Besuch, es sind amerikanische Wallfahrer und nennen sich die Columbus-Ritter. Es sind fromme amerikanische Katholiken, die sich unter der Bezeichnung „knighis of Columbus“ zu einer religiösen nationalen Organisation zusammengetan haben. Columbus haben sie sich zu ihrem Patron erwählt, weil der große Eni- beeter ihres Vaterlandes Katholik war. Die ameri- kanische Organisation zählt etwa eine halbe Million Mitglieder, und diese wieder ist ein Teil einer kath. Riesenorganisation, deren einzelne Gruppen ihren nationalen Charakter betonen und nur im Glauben miteinander verbunden sind. Die Mitglieder der australischen Gruppe nennen sich die Ritter vom Kreuz des Südens. Die Amerikaner, die jetzt Ber- lin besucht haben und nach Köln weitergereist sind, betrachten ihre Europareise als eine Wallfahrt. Sie kommen von Irland, wo sie an dem eucharistischen Kongreß teilnahmen. Don Köln geht die Reise nach Rom zum Besuch des Vatikans und von dort nach Lourdes. Ehrengast der Pilgerfahrt ist der bekannte amerikanische Jesuitenpriester, Facher Taylor.


