1. April 1 933 i n fünf Raten zu zahlen sind. Das Dilemma besteht aber darin, daß die ursprüngliche Absicht, diesen preußischen Anspruch, vielleicht durch Einschaltung der Reichsbank, vor- z u f i n a n z i e r e n , sich nicht d u r ch f ü h r e n läßt, während auf der anderen Seite der Betrag zur Ausbalancierung des Etats für 1932/33 unbedingt erforderlich ist. Danach bleibt der ge- schästsführenden Staatsregierung nichts anderes übrig, als den Etat durch Abstriche und entsprechende neue Steuern auszu- gleichen. Diesem Problem galt nun die Abendsitzung des Staatsministeriums. Das Kabinett hat sich indessen auf Mittwoch vertagt, weil die Ausschreibung umfangreicher neuer Steuern größeren Schwierig, feiten begegnet als man zunächst angenommen hatte. Das Kabinett wird inzwischen mit den hinter dem geschäftsführenden Kabinett stehenden Parteien Rücksprache nehmen.
Die Bemühungen um den Etatsausgleich sind schon deshalb außerordentlich ernst, weil man sich darüber klar ist, daß ihr Fehlschlagen zwangsläufig zu der Einsetzung eines Reichs- k o m m i s s a r s führen müßte. Die Aussichten für diese Lösung gewinnen um so mehr an Boden, als nach der Erklärung der Nationalsozialisten, für sie komme nur ein Ministerpräsident aus ihren eigenen Reihen in Betracht, die parlamentarische Lösung für die nächste Zeit als ausgeschlossen gelten muß. Nachdem Reichskanzler v. P a p e n heute einen Beauftragten der NSDAP, empfangen hat, wird er im Laufe des Mittwochs noch eine Aussprache mit dem Führer der preußischen Landtagsfraktion des Zentrums, dem Abg. Sieger, haben.
AaiionalsoziaWsche Angriffe gegen das Zentrum.
Oas Zentrum wird beschuldigt, einen
Berlin, 7. Juni. ($11.) Der nationalsozialistische .Angriff" wendet sich unter der Heber» schrift „Brüning-Koalition droht mit offenen Separatismus! Schwarze Wühlmäuse am Werk!" zunächst gegen Aeußerungen deS bayerischen Dauernführers Dr. Georg Heim, der u. a. gesagt habe, er könne sich ganz gut denken, daß einzelne Länder unbeschadet der Interessen des Reiches sich eine selbständige Staatsform a u s f u ch t e n. Diese Sähe könnten nichts anderes bedeuten, als daß die zentrümliche Bayerische Dolkspartei gegebenenfalls plane, in offenem Separatismus sich gegen die Reichseinheit zu stellen. Sodann zitiert der .Angriff" ein Mittagsblatt, das sich zu der Ungeheuerlichkeit versteige, zu melden, man spreche in Kreisen Süddeutschlands angesichts des Regimes Papen-Schleicher ganz eindeutig von der Notwendigkeit eines süddeutschen Zusammenschlusses mit Oe st erreich unter Bildung eines auf diesen Grundlagen zu errichtenden neuenDtaatesals Gegengewicht gegen die Tendenzen der preußisch-norddeutschen Reichsregierung. Hierzu bemerkt der .Angriff", daß die Reichsregierung sich diese schamlosen Drohungen nicht gefallen lassen könne, ohne sich selbst aufzugeben; denn daß hinter diesen Plänen die alte französische Donauföderation stehe, wisse jedes Kind. Es werde außer»
süddeutschen Separatismus zu fördern.
halb gewisser Kreise des Zentrum-, dessen Tendenzen sich hier wieder einmal auf das schlagendste enthüllen, keinen Menschen in Deutschland geben, der der Reichsregierung nicht zur Seite stehe, wenn sie auf das allerschärfste schon den Anfängen des Emporkeimens eines neuen Separatismus entgegentritt.
Das Blatt kommt sodann auf die E i n se h u n g eines Reichskommissars in Preußen zu sprechen und sagt dazu, die Verantwortung dafür, daß man solche Maßnahmen überhaupt in Erwägung ziehen müsse, treffe das Zentrum, das bisher die Regierungsbildung in Preußen aus Anhänglichkeit an die SPD. zu verhindern verstanden habe. Wenn sich das gleiche Zentrum heute gegen diese selbstverschuldete Lage mit Drohungen der Verletzung der Reichseinheit wende, so sei dies eine parteipolitische Niedrigkeit und Gewissenlosigkeit der Gesinnung, die in der parlamentarischen Geschichte Deutschlands tatsächlich ihresgleichen suche. Das Blatt ist zum Schluß der Ansicht, daß der preußische Konflikt verhältnismäßig einfach zu lösen sei. Die Reichsregierung brauche sich nur auf den Standpunkt zu stellen, daß die Wahl de- preußischen Ministerpräsidenten mit einfacher Mehrheit nach f rü h e ren M u st e rn vorgenommen werden könne, was theoretisch ohne weiteres möglich sei.
ausgenommen werden soll. Der Vertreter Italiens, General P i c c o, sprach sich sehr scharfgegendiesenDericht aus. Er wies nach, daß nach diesem Bericht es nicht möglich sein werde, eine Demarkationslinie zur Bestimmung solcher Flugzeuge, die verboten werden sollen, und solcher, die beibehalten werden sollen, ziehen. Der deutsche Vertreter betonte, daß der Ausschuß Fragen, die ein eingehendes kriegswissenschaftliches Studium erforderten, sachlich falsch und oberflächlich in ein paar Stunden erledigt habe. Er müsse es infolgedessen ablehnen, daß diese Arbeit in den Gesamtbericht ausgenommen werde. Die Abstimmung ergab, daß dieser Teilbericht in den Gesamtbericht des Ausschusses ausgenommen wird. Gegen die Aufnahme stimmten außer Deutschland noch zehn Staaten, darunter Italien, Rußland und China, dafür stimmten 23 Staaten, darunter Frankreich, Amerika und England.
Nachdem der Ausschuß bereits den deutschen Antrag, die gesamte Militärluftfahrt und den Abwurf von Kampfmitteln als Offensive zu bezeichnen, abgelehnt hat. geht aus der heutigen Stellungnahme des Ausschusses unzweideutig hervor, daß die MehrheitdesNusschusses es ablehnt, Ziffern für die technische Kennzeichnung solcher Flugzeuge, die unter ein Verbot zu fallen hätten, anzugeben. Der deutsche Vertreter erklärte, daß er gegen den Gesamtbericht sei und infolgedessen die w e i t e r e M i t - arbeit an diesem Teilbericht ab lehne. Dasselbe erklärten die Vertreter Rußlands und Italiens.
Wer wird Ministerpräsident?
Eindeutige Ltcllungnahmc der NSDAP.
B e r I i n, 7. Juni. (TU.) Der „Preußische Presse- dienst der NSDAP." teilt mit: Die von verschiedenen Seiten in Erörterung gezogene Kandidatur des deutschnationalen Fraktionsvorsitzenden Abg. Dr. v. Winterfeld für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten dürfte wohl nur eine haltlose Kombination (ein. Ohne zu der Person des Herrn von Winterfeld Stellung zu nehmen, erklären wir Nationalsozialisten, daß wir für keinen deutsch- nationalen Ministerpräsidenten ft i turn e n würden. Abg. Kube hat den Preußischen Pressedienst der NSDAP, ermächtigt, zu erklären, daß für die Nationalsozialisten nur b i e Kandidatur eines Nationalsozialisten zum Ministerpräsidenten in Frage kommt. Die National- sozialisten lehnen es ab, ihre Stimme fürirgenb- einen anderen Kandidaten abzugeben, da sie der Auffassung sind, daß der Willensbildung des Volkes Rechnung getragen werden muß und die stärkste Partei, nämlich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, den Ministerpräsidenten zu stellen hat.
Dazu wird von deutschnationaler Seite erklärt: Seitens der DNDP. ist ein Anspruch auf das Amt des preußischen Ministerpräsidenten nicht erst o b e n worden. Berhandlunaen über die Bildung des neuen Preußenkabinetts sind unsererseits w e - der mit der NSDAP, noch mit dem Zentrum geführt worden. Warum die NSDAP, es für nötig gehalten hat, auf Grund leerer Pressekombinationen eine deutschnationale Ministerpräsi.- dentschaft im voraus grundsätzlich abzulehnen, entzieht sich unserer Kenntnis. Wenn, wie es den Anschein hat, die NSDAP, eine Aenderung der Verhältnisse in Preußen mit Hilfe des Zen- t r u m s erreichen will, so sieht die DNVP. keine Veranlassung, dem Ergebnis dieser Bestrebungen oorzugreifen.
Keine Aufhebung der Sicherungsverordnung.
Berlin, 7. Juni. (WTD. Amtlich.) Don unverantwortlicher Seite werden auf dem Lande Nachrichten verbreitet, daß die Aufhebung der Sicherungsverordnung vom 17. November 1931, Vie zwecks Sicherung der Ernte für landwirtschaftlicheBetriebe unter bestimmten Voraussetzungen einen Schutz gegen Zwangseingriffe der Gläubiger sowie eine Dilanzbereinigung durch Akkorde im Entschuldungsverfahren vorsieht, bevorstehe. Wie
von der Regierung amtlich mitgeteilt wird, entsprechen derartige Gerüchte keineswegs den Tatsachen. Die Aufhebung der Sicherungsver- vrdnung ist weder jetzt, noch nach der Ernte beabsichtigt. Die Reichsregierung hält an den Grundsätzen der O st Hilfegesetzgebung durchaus fest und wird dafür Sorge tragen, daß in der Abwicklung der Entschuldungsverfahren keinerlei Stockung eintritt.
Oie NGOAp.
und das Kabinett Popen.
München, 7. Juni. (WTB.) Die Nationalsozialistische Parteikorreiponbenz nimmt zur Frage der Haltung der NSDAP, zur Regierung von Papen Stellung. Sie erklärt, btes Kabinett sei nicht von der NSDAP, gebildet worben. Wie die bisherigen Regierungen, so werde sie -auch das neue Kabinett nach seinen Taten beurteilen. Die nationalsozialistische Bewegung werde nicht zulassen, daß der klare Sinn des Wahlkampfes durch plumpe Ablenkungsmanöver verdunkelt wird, sondern die Schül- bigen in das hellste Scheinwerferlicht der Oeffent- lichkeit ziehen. Bei dieser Reichstagswahl könne nicht abgestimmt werden über die Taten einer Re- gierung, deren Arbeit kaum begonnen und die dieses Volksgericht lediglich verfassungsmäßig ermöglicht hat, nicht über Taten, die ihr die November- möchte unterschieben möchten, sondern über die Taten jener Regierungen und Parteien, die verant- wörtlich seien für das Nooemberverbrechen von 1918 und die von da ab bis heute als „System" die Verantwortung für den größten historischen Zusammenbruch der letzten Jahrhunderte vor dem deutschen Volke zu tragen haben. Was nach diesem Volksgericht zu geschehen habe, werbe Sache ber- jenigen fein, die vom Vertrauen des Volkes zur Führung berufen werden.
Oie Wirtschaftspakte» ruft zur bürgerlichen Sammlung auf.
Berlin, 7.3uni. (DDZ.) Die Wirtschafts- Partei veröffentlicht folgenden Beschluß: Parteivorstand und Reichstagsfraktion der Wirtschaftspartei stehen einmütig auf dem Standpunkt, daß die politische Lage das nationale freiheitliche deutsche Bürgertum gegen jede Unterdrückung, gegen die Gefahr der Dina» tur über alle Parteischranken hinweg in eine große Einheitsfront zwingen muß. Die Wirtschaftspartei ruft daher in Erkenntnis
dieser Sachlage in Erneuerung diese- Beschlusses von Leipzig daS nationale, freihettliebende, Unterdrückung und diktatorischen Terror verachtende und bekämpfende Bürgertum auf, sich über alle Parteibindungen hinweg in der neuen Front der schaffenden nationalen deutschen Menschen zusammenzufinden.
Oer Christlich-Soziale Volksbienst bleibt selbständig.
Berlin, 7. 3uni. (DDZ.) Die Reichstagsfraktion des Christlich-Sozialen Dolksdienstes beriet über die Stellung des Dolksdienstes zum neuen Reichskabinett und über die Vorbereitungen aut Reichstagswahl. Die entscheidenden Beschlüsse werden von der am • Samstag und Sonntag in Kassel zusammentretenden Reichsleitung und dem Reichsvorstand gefaßt werden. Ohne diesem Entschluß vorzugreifen, wurde insbesondere durch anwesende Mitglieder der Reichs- leltung der festen lleberzeugung Ausdruck gegeben, daß der Dolksdienst in EntschlossenAit «und in voller Selbständigkeit als eine rein evangelische Gruppe in den Wahlkamps eintreten werde.
Oie sozialdemokratische Wahlparole.
Berlin, 7.Juni. (WTB.) Der Parteiausfchuß ber Sozialdemokratischen Partei befaßte sich, wie parteiamtlich mitgeteilt wird, unter dem Vorsitz von Otto Wels mit den jüngsten politischen Ereignissen, über die Abg. Dr. Breitscheib ein eingehenbes Referat erstattete. Die Aussprache, bie insbesonbere den bevorstehenben Wahlkampf betraf, zeigte hinsichtlich ber Führung bes Kampfes gegen ben Faschismus völlige Ueberclnftimmung unb entschlossenen Kamp- feswillen. In seinem Schlußwort gab ber Parteiführer Otto Wels ber lleberzeugung Ausbruck, baß die Sozialbemokratie auch bie bevorstehenben Kämpfe erfolgreich überstehen bürste.
Neuer Zusammenstoß im Genfer Lustfahrtausschuß.
Der französische Fragebogen im Gesamtbericht ausgenommen.
® e n f, 7. 3uni. (WTD.) Der Lustfahrtausschuß der Abrüstungskonferenz hat seine Arbeiten abgeschlossen. Es handelte sich darum, ob die in dem Gutachten des Unterausschusses vorgenommene Beantwortung des französischen Fragebogens von dem Luftfahrtausschuß angenommen und in den Gesamtbericht
Oie Revolutionsregierung in Chile nicht zurückgetreten. Einberufung einer Nationalversammlung.
London, 7. 3uni. (TU.) Nach der Auflö- funadesKongresses durch die (Junta teilte der Chef des Dreimänner-Ausschusses, Dr. Da - Vila, nach hier vorliegenden Meldungen aus Santiago de Chile mit, daß die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung, sowie Die Ausschreibung von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen geplant sei. Meldungen von einem Rücktritt der sozialistischen Regierung in Chile haben sich nicht bestätigt. Vereinzelt finden jedoch noch Kundgebungen gegen die neue chilenische Regierung statt. So hat der Oberste Gerichtshof in Chile die Schließung aller Gerichte im Lande als Protest gegen die neue Regierung verfügt. Entgegen den Versicherungen Davilas wird als sicher angenommen, daß die neue Regierung die großen Vermögen und Güter bis zum äußer ft en Maß mit Steuern belasten werde. Es hat den Anschein, daß sich die neue Regierung in ihrer Stellunghalten wird. Die Junta nahm eine Reihe von Neubesetzungen hoher Regierungsposten vor und ernannte viele neue militärische Oberbefehlshaber. Dr. Davila verneinte alle Gerüchte, daß in Südchile eine Gegenrevolution aus- gebrochrn sei. Auch die Behauptungen, daß eine Auflösung der religiösen Orden beabsichtigt sei, wurde amtlich als unbegründet bezeichnet.
Kleine politische Nachrichten.
Staatssekretär Dr. G e i b vom Reichsarbeitsminl- fterium hat dem stellvertretenden Reichsarbeitsminister feinen Wunsch übermittelt, zur Disposition gestellt zu werben.
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Der Führer der nationalsozialistischen Fraktion in Bayern, Dr. Buttmann, hat in einem Antwortschreiben auf ben Brief bes Aog. Dr. Wohlmuth über bie Frage ber Regierungsbtlbung erklärt, baß bie nationalsozialistische Fraktion den von ber Bayrischen Dolkspartei oorgeschlagenen Weg nicht für geeignet halte, ein Gesamtmtnisterium zu bilben.
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Der Berliner Polizeipräsibent hat bie „Sozialistische Arbeiterzeitung" bis zum 14.9unt verboten, wegen zweier Artikel mit ber lieber- schrift „Revolutionärer Wiberstanb gegen ben Staats-
Küllenfänger.
Don Georg von der Dring.
In der Nähe unserer Stadt liegt ein Fischerdorf, es heißt Quallenpiel. Die Einwohner des Dorfes heißen bei uns von alters her: die Füllenfänger. Das kam so:
Die Quallenpieler fischten einst im Siel. Sie fingen eine Menge Aale. Es war beschlossen, daß der letzte Fischzug dieses Tage- den Armen des Dorfes gehören sollte. Als gegen Abend alle Korbe gefüllt waren, warf man zum letzten Fang aus. Da man ans Einholen ging, erwies sich das Reh al- so schwer, daß man eine Atempause einlegen mußte. Alle aber riefen: Dat is to väl för de Armen! (Das ist zu viel für die Armen!) Worauf man beschloß, auch diesen letzten Fang für sich zu behalten.
Das Retz wurde nach vieler Mühe geborgen, und darin lag — ein ersoffenes Füllen. „Füllenfänger" heißt also Geizkragen.
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Zeichenstunde in Untertertia. Ich habe den „Alten Turmhahn" vorgelesen, und jetzt gilt es, die Geschichte zu illustrieren. Der Hahn ersteht trotz seiner 113 schicksalsschweren Jahre in feurigstem Chromgelb ... das Dach des Turmes wie flüssiges Blut ... Sara, als Ofenfigur, steht da auf dünnen blauen Beinen, einen grünen Glockenhut auf dem Kugelkopse. Und viele Vögel sind tDc^ sie so leicht zu machen sind.
Plötzlich weint irgendwo jemand. Es ist Dodo Adden. Er sitzt über seiner Malerei und weint verzweifelt, seine Tränen fließen dem Herrn Pfarrer Mörike auf den schwarzen Rock. Ich frage: Adden, was hast du?
Er schweigt, schluckt — Tränentropfen glänzen und fallen. Dann: Sie ... nennen mich immer... Füllenfänger!
Wer nennt dich so?
Alle! Die ganze Klasse sagt e-I
Protest auf allen Bänken. Einer steht auf und erklärt: Es ist nicht wahr, wir haben ihn nicht so genannt.
Run, Adden?
Adden, nach einer Pause, indem er wieder -um Pinsel greift: Horstmann war es.
Ich sage: Horstmann, steh auf.
Auf der letzten Bank erhebt sich ein rundlicher Dreikäsehoch, rot bi- unter die Haarwurzeln
Weshalb nennst du ihn „FÜNenfänger". Horstmann?
Er ist ja aus Quallenpiel ...
Ist er so geizig?
Geizig? — Rein.
Dodo Adden springt auf, dreht sich um, schwingt den Pinsel durch die Lust und ruft: Immer sagt er es, und er meint es auch so!
Horstmann: Ich meine es nicht so!
Ich frage: Wie meinst du es denn, Horstmann?
Ich meine es nur s o.
Also, ich beruhige Adden, daß der Horstmann eS ja nur s o meine, so ganz ohne Nebengedanken; weil er, Adden, eben aus Quallenpiel sei; übrigens ein hübscher Ort. Horstmann, setzen!
Dodo Adden lehrt still zu seiner schwarzen Sarben-Lache, bie den Pfarrer und Dichter Mörike bedeuten soll, zurück; offenbar nicht ganz überzeugt. Aber der Vorwurf „Geizkragen" kann chn ja gar nicht treffen, denn seine ganze Malerei, heute wie immer, bedeutet: Reichtum! Freude! Ja, unerhörte Verschwendung!
„Wenn jemand eine Reife tut.. /'
Gute Ratschläge aus der posikutschenzeit.
Vor 200 Jahren war bas Reisen eine Arbeit, die man „zur Vermehrung ber Qualitäten" wohl auf sich nehmen mußte, bie aber durchaus nicht als Vergnügen gewertet würbe. Den jungen Leuten, bie damals auf bie große „Tour" gingen, würbe immer roieber eingeschärft, baß sie sich nicht bloß Lustbarkeiten hingeben dürften, nicht bloß Curiosa, allerlei Merkwürdigkeiten, sondern nützliche und notwendige Dinge anschauen und erlernen müßten. Gar manches Buch bot sich den Reisenden als guter Ratgeber an, und aus einem dieser bekanntesten dieser Reiseführer, ben „Politisch-Moralischen Maximen" bes Magisters Johann Georg Neukirch, die 1726 zu Braunschweig erschienen, wollen wir einige wohlmeinende Lehren und Erfahrungen mit- teilen, da sie anschaulich die ungeheure Kluft vor Augen führen, die zwischen der Reifekultur von heut und damals liegt. Mit beweglichen Worten wendet sich der gelehrte Professor gegen die schiech- ten Reisenden „welche einige tausend Thaler In auswärtigen Staaten verzehren, und davor nicht mehr mit nach Hause bringen, als fremde Sitten, fremde Moden, fremde Laster, etliche Wörter Französisch Italienisch ober Englisch; nicht feiten- o theure Wahre vor so viel Gelt! einen ungesunden Leib und ein böses Gewissen". Der rechte Reisende braucht „einen gesunden unb geschärfften Verstaub,
damit er ben benen auf Reisen vielfältig vorkom- menben Sachen unb Meynungen das Wahre von ben Falschen, das Nützliche von den Schädlichen und das Gute von den Bösen wohl zu unterscheiden wisse"; er darf auch „kein Ignorante" sein, weil er sonst „bie Sachen ansiehet, wie bie Kuh bas neue Thor". Wer aber richtig zu reifen versteht, ber wird nicht nur „geschickter in ber Conversation, erlernet viele Sprachen unb erhält einen großen An- wachs in ber Gelehrsamkeit", er gewinnt auch Nutzen für seine Gesunbheit. „Die Erfahrung ist ber beste Zeuge, baß bie Veränberung ber Luft, bereu man in fremben ßänbern genießet, nicht selten aus den kränklichsten unb schwächsten Personen die ge- funbeften Leute gemacht, so baß man sie in Betrachtung ihrer vorigen elenden Gestalt und jetzo wegen ihres muntern unb blühenben Wesens kaum zu kennen vermag; zu geschweigen, daß die erfahrensten Meister ber Natur tiefes als bas vornehmste Mittel zur Vermehrung ber Gesundheit unb natur- ließen Kräffte oorzuschlagen pflegen."
Unter ben Maximen, die man auf ber Reise befolgen muß, steht in tiefem Iahrhunbert des Zeremoniells „Höflichkeit, (Ehrerbietung unb ßeutfeelig- feit" an erster Stelle. „Wer sich auf Reifen vor andern was heraus nehmen will, sich klüger, geschick- ter, gelehrter unb vornehmer zu seyn düucket, als seine Mit-Passagier, da er es doch nicht ist, noch davor ertant werden kann, der bleibe mit seiner unbefugten unb ungegrünbeten Praetension immer ZU Hause, wo er sich nicht muthwillig, vieler Ver- brießllchkeit unb Gefahr aussetzen will." „Rede wenig!" so lautet die zweite Maxime, „jedoch auch das Wenige mit Bedacht". Man kann sich, meint Neukirch, „durch allzu freyen Discours von Personen von Diftinctton, von Staats- und Krieges- Affairen und sonderlich von der Religion" die schlimmsten Unannehmlichkeiten zuziehen. Dagegen beteilige man sich eifrig an „guten Discourfen , die andere führen. Besonders soll man sich vor dem Ewig-Weiblichen „auf Posten, in den Quartieren und allenthalben" in Acht nehmen: „Siehe dem Frauenzimmer nicht so tieff in die Augen, daß dein Hertz nicht gefangen werde, denn ein solcher Magnet hält offt an einem Ort länger auf als bie gesetzte Reise-Zeit unb bie elnlauffenben Wechsel oerftatten wollen."
Als Logis wähle man nur ein „renommiertes Wirthshaus", „benn bet) Beziehung eines lieber- ließen Wirthshaufes verliehret man viel von ber guten Dptnion unb Hochachtung". Der Besuch bei ansehnlichen unb gelehrten Leuten, das Anschauen
merkwürdiger unb nützlicher Oegenftänbe, bas Studium in Bibliotheken wirb empfohlen. Vor allem vergesse man nie „bie berühmtesten Buchläben" aufzufuchen, „worinnen man nicht nur bie galantesten Schriften in allen Künsten und Wissenschaften antrifft, sondern auch den Sammel-Platz der gelehrtesten Leute, die von diesen und jenen gelehrten Sachen Gespräch halten". Des Nachts „vagire nicht auf den Straßen herum, denn aus dem nächtlichen Herumfchwarmen auf den Gaffen, sonderlich in großen volkreichen Städten kann nicht selten große Leibes- und Lebensgefahr erwachsen. „Reisen kosten Geld", so läßt sich unser Weisheitsmann zum Schluß über den auch heute noch nicht veralteten Kardinalpunkt vernehmen, „wer sich nicht mit guten Wech- gln versehen kann oder doch ben feinem schönen ermögen fein guter Haushalter ift, der stelle sein unzeitiges Reisen ein". Doch man fei auch nicht zu sparsam, „am wenigsten muß man das Geld allzu Heb haben und die Gulden zwölffmal in ben Händen herumkehren unb vor Liebe brücken, wenn man bafür an Wissenschaften unb guten Künsten eine merckliche Zufluß erhalten kann." Vor Dieben, Betrügern unb Räubern wirb gewarnt: „Es muß ein Passagier alleine wissen, baß er Gelb habe, nicht aber anbere Leute." O. H.
Eine neunjährige Erfinderin.
Aetger über ein Stück Seife, das ihr beim Baden aus der Hand glitt, hat die 9jährige Katharina Feibusch zur jüngsten Erfinderin gemacht, die ihr Patent auf der 4. Internationalen Patent-Ausstellung in Neuyork zeigt. Während sie eines Morgens in der Badewanne stand uni> sich abseifte, fiel ihr die Seife aus der Hand und glitschte außer Reichweite. „Ich wollte nicht aus der Wanne heraussteigen und dem Stück nachlaufen", so erzählte sie mit großem Ernst. „Aber ich konnte auch niemandem rufen, er möchte mit die Seife holen, denn ich bin die einzige Frau in der Familie. Meine Mutter starb vor vier Jahren und ich habe nur drei Brüder. Ich muß also für mich selbst sorgen." Damit ihr dieses unangenehme Ereignis nicht wieder passiere, bohrte die kleine Erfinderin in die widerspenstige Seife mit der Stricknadel zwei Löcher und zog durch diese einen Bindfaden, an dem sie die Seife bequem halten konnte. Diese Maßnahme erwies sich als so praktisch, daß sie von Verwandten und Bekannten nachgeahmt wurde, bis sich der Vater entschloß» sie als Patent seiner Tochter anzumelden.


