trag für Handwerkerschulen hat sich auf natürliche Weise um einige Hundert Mark verringert. Entsprechend dem Antrag der Verwaltung hat ein« Mehrheit des Kreisausschusses den Z u - schuh zum Gießener Stadttheater in Höhe von 3000 Mark wiederum bewilligt in der Absicht, auf diese Weise zur Erhaltung des Gießener Stadttheaters aus den in der Oesfentlichkeit genügend bekannten Gründen beizutragen. Anders«^ haben Kreisverwaltung und Kreisausschuh die freiwilligen Pistungen für sonstige Organisationen soweit wie nur möglich gemindert. Don dieser Erspamismaß- nahme wurden nicht betroffen die Kreisleistungen für verschiedene Rinderzuchtvereine und den Kreisziegenzuchtverein, sowie den Ob st- und Gartenbauverein. Hier bleiben die seitherigen Bewilligungen unverändert bestehen. Zum Gehalt des Obstbau- Inspektors ist der Kreis bereit, einen Zuschuh von 1000 Mark zu leisten.
Zur Rubrik Feuerlöschwesen ist besonders hervorzuheden die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für den Transport der Kreismotor- spritze. Die Gesamtmotorsprihe stellt nunmehr, einschließlich Schlauchmaterial, einen Anlagewert von rund 20 000 Mark dar. Die Anschasfungs- kosten für das neue Fahrzeug konnten aus Rücklagen bestritten werden, außerdem konnte der Kreis über einen Zuschuß der Drandversiche- rungskammer in Höhe von 3500 Mark quittieren.
Die Kreisabdeckerei gibt in diesem Jahre zu besonderen Bemerkungen keinen Anlaß. Der Betrieb der Abdeckerei leidet unter der Lln- gunst der Zeitverhältnisse: eine endgültige Regelung des Pachtverhältnisses kann erst nach einer Beruhigung und Klärung der wirtschaftlichen Situation eintreten.
Die sachlichen kosten des Kreises wurden nach Möglichkeit eingeschränkt.
Die Tagegelder der Beamten des Kreises richten sich bei Dornahme auswärtiger Dienstgeschäfte nach den staatlichen Anordnungen. Es ist nicht wertlos, bei dieser Gelegenheit einmal zur Berichtigung irriger Meinungen in der Oef- fentlichkeit auf die Hohe der staatlicherseits gewährten Tagegcldsätze hinzuweisen.
Die Tagegeldsätze für Staats- und somit auch für die Kreisbeamten betragen gemäß ministerieller Derfügung:
bei eintägigen Dienstgeschäften bei einer Dauer der Dienstreise Besoldungs» bis zu über 6 über 8 über 12 gruppe 6Shin- bis 8 bis 12 Stunden
den Stunden Stunden
A 4b — 4o, 5 kein Ta- 1,51 Mk. 2,52 Mk. 4,03 Mk. gegelb
A 1b, 1c, 2, 3, 4a „ 2,16 „ 3,60 „ 5,76 „
C2.
Der Kreisausschuh des Kreises Gießen hat für sich die seither gültigen Tagegeldsähe seit langer Zeit freiwlllig zurückgeseht, so daß auch hier mit einem geringeren Aufwand zu rechnen ist. 3m ganzen sind für Tagegelder und Reisekosten für Mitglieder des Kreisausschusses und Kreistages, für Beamte und Angestellte des Kreisamts gegenüber dem Vorjahr zur Einsparung 830 Mark vorgesehen.
Zur Einnahmeseite des Kreishaushalts ist noch darauf hinzuweisen, daß aus Kreisumlagen das gleiche Aufkommen wie seither erwartet wird. Es soll auch, sobald die endgültigen Zahlen vorliegen, in genau der gleichen Weise wie seither die Verteilung der einzelnen Aus- schlagsätze vorgenommen werden.
Da auf der Tagesordnung der Sitzung des Kreistags auch die Frage der Erhebung der Hundesteuer steht, sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß der Kreis seither schon «ine Hundesteuer für Hunde erhebt, die in selbständigen Gemarkungen innerhalb des Kreises Gießen gehalten werden. Eine WiAlelMMkiim
Zftoman von Z. Schneider-Foerfil.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag 0. Meister, Werdau.
22. Fortsetzung. Rachdruck verboten I
Knapp zwei Minuten später stand er im dunklen Anzug und sorgfältig geknüpfter Krawatte vor ihr. Er warf einen raschen Blick nach der Türe, hinter welcher er Margret wußte und hatte ein wenig gutes Gewissen, als er die jüngste Reckliichauserin die Treppe hinabgeleitete.
Als Margret gleich darauf die Türe öffnete, fand sie den Korridor leer. War es am Ende doch nicht Suses Stimme gewesen? — Die Brauen noch immer verärgert zusammengeschoben, begab sie sich nach dem Saal, wo die Kleinsten in ihren Dettchen sahen und ihr mit erwartenden Augen entgegenblickten.
AuS einem der Mittelgänge kam Lenore auf fte xa. «Hast du Suse schon begrüßt?"
«Sie ist also wirklich da?" fragte Margret.
«3a, doch! — Sie promeniert mit Wander unten im Garten. 3ch habe solche Sorge, daß sie Dummheiten macht!"
«Aehnlich sähe es ihr!"
»Soll ich nach ihr schauen?"
«Es wird gut sein", stimmte die Aeltere zu.
Als Lenore über die bekiesten Wege eilte, kam ihr das Paar in angeregtem Gespräch entgegen. Suses Augen strahlten förmlich. «3ch habe den Herrn Chefarzt soeben eingeladen, uns auf Reck- linhausen zu besuchen. Er sagt, du hättest kommenden Samstag ohnedies frei. Es wäre nett, wenn wir Sonntags zusammen sein könnten, dann wäre es wenigstens nicht so furchtbar langweilig."
Doktor Wander hatte ein herzliches Lachen bereit. Lenores Mundwinkel zuckten. Sie lächelte verzeihend. Die Suse blieb doch ewig das Kind, das gleich in Worte umsetzte, was als Wunsch in ihrer Seele keimte.
Als eine der Pflegerinnen kam, um Doktor Wander zu holen, sahen ihm beide Schwestern nach.
„Er gefällt mir!" Suse drückte das Gesicht verlegen an die Schulter der Schwester.
«Er ist sehr sympathisch!" stimmte diese zu.
»Wie alt?"
«Sechsunddreihig l" «Verheiratet?" »Rein!"
«Dann ist er also noch zu haben!"
Lenore nickte ahnungslos.
„Vielleicht glückt es mir! — 3ch mochte ganz gerne Frau Chefarzt Doktor Wander teerten r Ganz impulsiv sagte es Suse.
Lenore fuhr herum, „lind Malnote?" „Ach!" Ein geringschätziges Heben ter Schul
Hundesteuer für Hunde, die in Gemeinde- gemarkungen gehalten teerten, erhebt der Kreis Gießen nicht. Zu dieser Frage ist lediglich ein formeller Beschluß des Kreistags zu fassen. Eine Mehrerhebung von Hundesteuer ist keineswegs geplant.
Der krelvwohlfahrkselak ist von ter Absicht getragen, die notwendige Fürsorge trotz der Einschränkung ter verfügbaren Mittel unter allen Umständen sicherzustellen.
Der Voranschlag des Kreisfürsorgeamts und des Kreisjugendamts schließt mit einer Ausgabe von 371 520 Mk. und mit einer Einnahme von 146 084 Mk., so daß die Kreisleistung zugunsten der Fürsorge 225 436 Mk. beträgt. Der Aufwand für die Kleinrcntnerfürsorge verringert sich naturgemäß infolge des Wegfalls von Kleinrentnern durch Todesfall. Der Aufwand des Kreises für Geisteskranke usw. soll um 17 700 Mk. verringert werden. 3n der Crholungs- und Tuberkulosefürsorge ist wiederum beabsichtigt, 50 bis 60 erholungsbedü'.ft'ge Kinder nach Anhörung des Schularztes zu einer Kur zu entsenden. Für Kuren für tuberkulöse Kinder ist eine Mehrausgabe von 500 Mk. eingesetzt. 3n der Fürsorgeerziehung lassen sich etwa 4000 Mk. einsparen. Die Fürsorge für Waisenkinder wird in dem seitherigen Umfang wieder vorgesehen, obwohl die Zahl der in öffentlicher Fürsorge stehenden Vollwaisenkinder gesunken ist. 3edoch ist anderseits mit einer Zunahme der Llnterstühungs- falle für Enkelkinder und Stiefkinder durch den Wegfall der Waisenrente bei den über 15 3ahre alten Kindern zu rechnen. Der Fürsorgeetat leidet in verschiedener Hinsicht unter Kürzungen von staatlichen Lleberweisungen, so daß auch hier der Ausgleich in der obengeschilderten Weise her- gestellt werden mußte.
Zu der dem Voranschlag beigegebenen Vermögensübersicht ist zu bemerken, daß es durch den Ankauf von günstig im Kurs stehenden Pfandbriefen gelungen ist, eine alte Schuld des Kreises Gießen abzudeckcn und hierbei über 6000 Mark zugunsten der Kreiskasse einzusparen.
3m Interesse einer Gesundung der öffentlichen Finanzen kann am Schluffe der Betrachtung nur ter Hoffnung Ausdruck gegeben werten, daß recht bald ein vernünftiger, allen Gesichtspunkten Rechnung tragender Finanz- und Loflen- ausgleich im Reich und in Hessen eintreten möge.
♦
Die wichtigsten Zahlen des Voranschlages.
Der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1932 schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 858 748 Mark, gegen 983 771 Mark im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung 634 719 Mark, gegen 758 627 Mark im Vorjahre, auf die Vermögcnsrechnung 224 029 Mark, gegen 225 144 Mari.
3n ter Detriebsrcchnung schließen die einzelnen Abteilungen wie folgt ab: Allgemeine Verwaltung: Einnahme 4215 Mark (im Vorjahre 2215 Mark», Ausgabe 20 421 Mark (20 775 Mark im Vorjahre): Polizeiwesen: Einnahme 23 366 Mark (23 370 Mark), Ausgabe 25 246 Mark (26 372 Mark): Schulwesen: Einnahme nichts, Ausgabe 4675 Mark (5375 Mark): Kunst und Wissenschaft: Einnahme 200 Mark (200 Mark), Ausgabe 4620 Mark (5000 Mark): Bauwesen: Einnahme 3390 Mark (4016 Mark), Ausgabe 13112 Mark (15 824 Mark): Allgemeine Förderung der Wirtschaft: Einnahme nichts, Ausgabe 4308 Mark (5355 Mark): Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen einschl. Erwerbslosen- und Wohnungsfürsorge: Einnahme 152 442 Mark (242 532 Mark), Ausgabe 384 698 Mark (495 628 Mark): Anstalten und Einrichtungen: Einnahme 5350 Mark (5590 Mark), Ausgabe 9465 Mark
tem. „Das ist vorbei! — Bitte, tu jetzt nicht den Mund auf und laß mich reden. Ich habe dir schon einmal gesagt, ich würde es nicht machen wie du, wenn mich einer betrügt. Ich suche mir einen anderen! Iawohl! — Mach nur nicht um Gottes willen so ein entsetztes Gesicht! Malnow hat mich belogen! Lind zwar in so unverschämter Weise, daß ich wirklich genug von ihm habe."
„Suse!" Lenore zog die blonde Schwester mit sich fort und zwang deren Finger in die ihren. Erst, als der Garten sich verengte und eine hohe Mauer das Ganze umfriedete, ließ sie sich mit der Iüngeren auf eine Steinbank nieder. Ihr war so wirr im Kopfe, daß sie kein Wort für das fand, was ihr die Schwester anvertraut hatte. „Wieso hat er dich belogen?" brachte sie endlich mühsam hervor.
„Gott, frag mich nicht darum, Lenore! Die Sache ist reichlich schmutzig", wehrte sie und als Lenore voll quälender Angst in sie drang, gestand sie widerwillig: „Es ist ein Kind da! Du verstehst mich doch?--Ich mag nicht deutlicher
darüber sprechen. Aber das siehst du doch ein, daß ich mit meinen siebzehn Iahren nicht schon Stiefmama spielen kann!"
„Suse!" Das Gesicht der Aelteren war jetzt leicht gerötet. „Du mußt immerhin in Betracht ziehen, daß er schon dreißig ist. Vielleicht läßt sich die Sache regeln.“
„Ich danke!" fuhr die blonde Recklinhauserin auf. „Möglich, daß ich darüber hinweggesehen hätte, wenn er ehrlich zu mir gesprochen haben würde. So aber füttert er mich mit Schwüren, er habe niemand außer mir, ich wäre das Einzige, das er liebe und das Anspruch auf feine Person habe. Lind so weiter! Lind so weiter!"
„Woher weißt bu’8 denn?" fragte die Aeltere resigniert.
„Ich habe einen Brief gelesen, den er an das Kind geschrieben hat." Lind auf Lenores mahnenden Blick hin gestand sie das Eindringen in sein Zimmer.
„Das war unschön!" tadelte diese.
„Sag doch gleich, was du dir denkst!" ereiferte sich Suse. „Cs war gemein! Richt wahr! Aber ich bereu's nicht! Richt im mindesten. Ich wollte und mußte Gewißheit haben!" Lind, plötzlich den Kopf gegen die Brust der Schwester drückend, weinte sie haltlos. „Ich habe ihn so lieb gehabt. Er war ter erste, den ich küßte. Ich habe den besten Willen gehabt, ihm eine gute Frau zu werden!"
„Kind!" tröstete Lenore und streichelte die nervösen Hände der Schwester, „vielleicht sprichst du doch mit ihm darüber."
„Rie! — Ich würde mich totschämen, auch nur ein Wort darüber mit ihm zu wechseln. Lieber alles andere könnte ich mit ihm reden! Lieber das nicht! — Ich bin schon seit vier Tagen von Groh- Steinach zurück. Wir haben uns noch nicht einmal „Grüß Gott" gesagt. Er liegt auf der Lauer
(12 270 Mark): Finanz- und Steuerwesen: Einnahme 441 246 Mark (470 639 Mark), Ausgabe 164 244 Mark (164 558 Mark): Grundstücksverwaltung: Einnahme 310 Mark (210 Mark), Ausgabe 10 Mark (20 Mark): Kapitalvermögen und Kapitalschulten: Einnahme 4200 Mark (9855 Mark), Ausgabe 3920 Mark (7450 Mark).
In der Dermögensrechnung ist folgendes vermerkt: Reste- und Ausgleichsstock: Einnahme und Airsgab« je 213 275 Mark (207 976 Mark): Ka
pitalien und Erneuerungsfonds: Einnahme und Ausgabe je 10 754 Mark (17168 Mark).
Die Kreisumlagen sollen die Summe von 220 000 Mark erbringen.
Oer Vermögens stand am 1. Januar.
In ter Derrnögensütersicht nach dem Stande vom 1. Ianuar 1932 ist das Vermögen des Kreises mit 388 902,30 Mark verzeichnet, die Schulden sind mit 169 699,80 Mark angegeben.
SieHesWeWanderausstellMommImchSießen!
Von Präsident Or. h. c. Reumann, Darmstadt.
Selten hat eine Ausstellung in unserem Lande so Anklang gefunten, wie dieHessischeWan- derausstellung für Gesundheitspflege und s oziale Fürsorge. Dor fünf Iahren ins Leben gerufen, wandert sie seit dieser Zeit durch unser Hessenland, und sie kommt nunmehr auch nach Gießen, wo sie am Samstag 16. April, nachmittags im Saale des »Einhorn'^ am Kirchenplatz eröffnet wird.
Die Ausstellung dient, wie schon ihr Rame sagt, der Volksgesundheit und der sozialen Fürsorge. Ihr Zweck ist, Aufklärung zu schaffen über die wichtigsten Volkskrankheiten, sowie den Menschen Dau und Tätigkeit des menschlichen Organismus verstehen und kennen zu lernen. Es wird in ihr gezeigt, was ter Gesundheit schadet, was ihr nützt und wie dieLehren ter gesundheitsgemäßen Lebensführung auszuführen sind. Weiter wird gezeigt, wie sich ter Mensch vor Krankheiten schützt und wie er, wenn er von solchen befallen ist, geheilt werden kann.
Zur Erreichung dieser hohen Ziele soll die Wanderausstellung helfen. Plastisches Anschauungsmaterial, Dildtaseln und Schaukästen sind ihre Hilfsmittel. Führungen durch die Ausstellung und Vorträge über einzelne Krankheiten ergänzen das Ausstellungsmaterial. Lichtbilder und Filme werden zur Aufklärungsarbeit mit herangezogen. Selbstverständlich fehlt es auch nicht an geeigneten Broschüren und Flugschriften. Während der Zeit, da sich die Ausstellung an einem Ort befindet, heißt die Parole: Rur für die Gesundheit! Die Gesundheit ist der größte Reichtum.
Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.
Der Mensch hat ein Recht auf Gesundheit, er hat aber auch die Pflicht, alles zu tun zu ihrer Erhaltung. Er muß so leben, daß er von Krankheiten verschont bleibt. Die Ausstellung mit ihren Veranstaltungen zeigt den Weg dazu.
Wir sehen in der Ausstellung die verheerenden Wirkungen ter Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten. Gewa'.tige Wunden werden unserem Volkskörper durch diese beiden Krankheiten geschlagen. Wohl sind sie in den letzten Iahren durch den intensiven Kampf, ter gegen sie geführt wurde, etwas zurückgegangen, aber noch immer stirbt in Deutschland cllle sieben Minuten ein Mensch an Tuberkulose. Roch immer tragen viele Menschen eine ansteckende Geschlechtskrankheit mit sich. Sie wissen nicht oder wollen nicht wissen, wie gefährlich diese Krankheit für sie selbst und ihre Mitmenschen ist.
Weitere soziale Krankheiten, die am Marke unseres Volkes zehren, sind Alkvhvlismus und Geisteskrankheiten. Manches Familienglück und manche frohe Zukunftshoffnung ist von ihnen in grausamer Weise zerstört worden. Viel Sehenswertes zeigt die Ausstellung über diese vier sozialen Krankheiten. Lichtbilder aus hessischen Heilstätten ter alten und neuen Zeit liefern den Beweis, daß die hessischen Einrichtungen für Krankheitserkennung, -bekämpfung und -Heilung mit an erster Stelle in Deutschland stehen.
Zu ten Volkskrankheiten zählen auch die Krebskrankheiten.
In ter Ausstellung ist ihnen eine besondere Abteilung eingeräumt. In Deutschland sterben jährlich 75 000 Menschen an Krebs. Die Sterblichkeit an Krebs hat die an Tuberkulose bereits überschritten. Llngefähr 23 000 Frauen werten alljährlich durch den Gebärmutterlrebs dahingerafft. Die Gefahr des Krebses ist für die Frau im allgemeinen größer, wie für den Mann. Geschützt vor dem Krebs ist niemand», leuir Mann jede Frau kann von ihm befallen werden. Kein Organ des menschlichen Körpers jft vor ihm sicher. Mit zunehmendem Alter wächst die Gefahr ter Er- franfung. Wenn man heute auch noch nicht alle Llrfachen des Krebses kennt und es ter Forschung noch nicht gelungen ist, den Erreger ter Krankheit zu finden, so ist aber die Wissenschaft doch soweit vorgeschritten, daß sie den Krebs heilen kann. Das gilt insbesondere in den Frühfällen. Die Ausstellung klingt deshalb aus in die Mahnung:
Gehe rechtzeitig zum Arzt, denn krebs ist heilbar.
Durch Säuglingssterblichkeit und Krüppeltum wird Iahr für Iahr ein großes Volksvermögen vernichtet. Die Menschen sind ter Reichtum einer Ration. Aber nur d i e zählen die Aktivposten, die gesund und leistungsfähig sind. Wer sich nicht selbst erhalten fann, von der Allgemeinheit erhalten werten muh, ter ist sowohl für die einzelne Familie, wie für die Allgemeinheit eine Last. Die ärztlich« Wissenschaft hat Mittel gefunten, auch den von Geburt aus oder in den ersten Lebensjahren verkrüppelten Menschen zum schaffenden und damit nützlichen Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu machen. Auch hier zeigt die Ausstellung, wie unh wo geholfen werten kann. Die Bedeutung der Klein- und Schulkinderfürsorge, sowie der große Wert der systematischen Zahnpflege ergänzen dieses Kapitel.
Bilder und Tafeln aus -der Vererbungslehre wecken das Verantwortungsgefühl in dieser für unsere Zukunft als Volk entscheidenden Frage. Auch der Sport und seine Wirkungen auf die Gesundheit werden dargestellt. Ernährung und Wohnung sind nicht vergessen. Es folgen noch Verkehrsunfälle und Brandgefahren, sowie Gewerbehygiene. Eine besondere Abteilung über Gesundheitspflege i m Ausland bildet den Schluß der reichhaltigen Ausstellung. Sie bringt Vieles und wird dadurch jedem etwas bringen. So wird auch kaum ein Besucher unbefriedigt ihre Räume verlassen.
Doch nicht nur für die Erwachsenen ist dieses alles zusammengetragen und in organischer Weise aufgebaut.
Die Ausstellung dient auch der Aufklärung der Jugend.
Auf diese Aufklärung wird sogar besonderer Wert gelegt. Zn den Vormittagsstunden finden regelmäßige Führungen für d i e Schulkinder statt. Ausstellungsgegenstände, die für das kindliche Auge nicht geschaffen sind, werden verhängt oder weg-
wie ein Falke. Aber er hat mich noch nicht einmal zu fassen gekriegt."
«Wie du dich ausdrückst!" entsetzte sich Lenore.
„Gott, ja! Du mußt nicht immer gleich daS Schlimmste denken. Er wartet vom Morgen bis zum Qtbenb auf eine Gelegenheit, mit mir zu- sammenzutreffen. Aber ich stelle es schon so klug an, ihm das zu vereiteln. Rur wenn ich ihn nach den Fluren gehen sehe, wage ich mich hinaus. Sonst bleibe ich immer hübsch zwischen meinen vier Wänden, so schwer es mir auch ankommt. Zu Weihnachten will er um mich anhalten. Vorher muß ich es ihm natürlich noch zu wissen tun, daß ich nichts mehr mit ihm zu schaffen haben mag!“
„Soll ich mit ihm sprechen?" erbat sich Lenore. „Er tut mir so furchtbar leid!“
„Ratürlich! Er tut dir leid! Ich bin nebensächlich! Heirate ihn doch! Dann hat er einen Engel Mr Frau und für sein Kind eine zärtliche Mutter."
„Suse?" Lenores schmales Gesicht glühte.
„Würdest du ihn nehmen, wenn dir das passierte?"
„Wenn ich ihn liebte, ja!“
„Das habe ich erwartet." Sie fuhr sich rasch über die Augen und zupfte ihr Kleid zurecht, als Doktor Wander auf sie zukam.
Dieter hatte ihr weh getan, so weh, daß sie noch lange würde daran zu tragen haben. Warum sollte sie ihm nicht auch eine Enttäuschung bereiten? Die Männer brüsteten sich immer, daß sie die stärksten seien! Gut! Das würde sich ja nun zeigen. Wenn er sah, daß sie ihre Zuneigung einem anderen schenkte, würde er wohl von selber zurücktreten. Wenn nicht, mußte er eben dazu gezwungen werden. Ein bindendes Versprechen hatte sie ihm übrigens noch nicht gegeben. Man war nicht einmal öffentlich verlobt.
Mit einem Lächeln streckte sie Doktor Wander die Hand entgegen und schritt zwischen ihm und der Schwester tem Hause zu, wo er ein kleines Frühstück für sie hatte bereitstellen lassen.
Aber in all die Minuten ter folgenden Stunde drängte sich Malnows Bild und ließ sie zu keiner reinen Freute kommen, ilm ganz, ganz glücklich zu sein, mußte sie ihn erst restlos vergessen haben.
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Malnow erhob sich beim ersten Hahnenschrei und fühlte, daß sein Körper schlapper war als abends, da er sich todmüde zur Ruhe gelegt hatte. Heute war Samstag. Seit drei Wochen hatte er das Dorli nicht mehr gesehen. Vielleicht benützte er den morgigen Feiertag, um wieder nach ihr zu schauen.
Das Kind hing mit einer Liebe an ihm, gegen die es kein Widerstreben gab. Dorli hatte es fertiggebracht, sein Herz ganz für sich zu gewinnen. Er war ihr nicht nur brüderlich, sondern mehr noch wie ein Vater zugetan. Alles, was
sie betraf, war von Interesse für ihn. Er konnte sich bis zur Lleberängstlichkeit sorgen, wenn er einmal einen Tag keine Rach richt von ihr bekam und sich maßlos freuen, wenn ein Brief mit ihrer Kinderhandschrift auf seinen Schreibtisch flatterte.
Sie fühlte sich nun wieder ganz wohl, hatte sie ihm gestern mitgeteilt, und doch konnte er nicht froh darüber werten. Suses Benehmen, feit sie von Groß-Steinach zurück war, ertötete jede Freute im Keim. Er hatte sich selbst mit aller Strenge äu Gericht gezogen, aber nicht das mindeste gefunden, wodurch er sie gekränkt haben konnte. Es war unrecht von ihr, ihn durch Launen zu quälen.
Sie wich ihm aus. So sehr er auch jede Gelegenheit zu nützen suchte, es war ihm bis heute nicht einmal geglückt, zwei Worte mit ihr zu reden, geschweige denn mehr. Dis Weihnachten waren noch acht Wochen. Vielleicht bat er schon früher um ihre Hand. Dann wollte er Frau von Recklinhausen auch von seiner kleinen Schwester sprechen. Suse würde nicht eifersüchtig sein auf das Kind. Wenn sie nicht mit ihrerLlnterbringung auf Recklinhausen einverstanden war, blieb das Dorli eben wieder in ter Pension, in welcher es sich jetzt befand.
Seine Toilette beendend, trat er auf den Hof und schritt zu den Stallungen hinüber. Dettermann stand bereits zwischen den beiden Stuten und legte ihnen die silberbeschlagenenGeschirre an.
„Will Frau von Recklinhausen wegfahren?" erkundigte er sich erstaunt.
„Das nicht! Aber das Fräulein Suse kommt mit tem Acht-Llhr-Zug von München. Ich glaube, sie bringt auch einen Gast mit Einen Doktor oder so, hat mir. die gnädige Frau gesagt. Das Fräulein Lenore ist auch mit dabei. Vor zehn Llhr bin ich jedenfalls nicht zurück. Da ist dann der ganze Vormittag schon wieder zum Teufel."
Malnow hatte keine Erwiderung. Aber er spürte sein Herz klopfen. Run würde sie hoffentlich wieder hierbleiben. Er würde die erste beste Minute ergreifen, sich mit ihr auszusprechen, und sie fragen, wodurch er sie verletzt habe. Vielleicht hatte er ihr zu wenig Zärtlichkeit geschenkt. Sie war kaum achtzehn Iahre. In diesem Alter erwartet jedes Mädchen, daß der Mann ihrer Liebe ihr wie ein Sklave zu Füßen liegt. Er lächelte und nahm sich vor, sein ganzes Herz aufzutun. Sie sollte wissen, daß sie für ihn der Inbegriff alles Glückes war.
All seine Rlüdigkeit war plötzlich verflogen. Lim die Zeit, da ter Wagen in Sicht kommen muhte, machte er sich auf den Wiesen, die an die Chaussee grenzten, zu schaffen. Der Zug mußte pünktlich eingelaufen sein, denn fast auf die Minute bog die Kutsche um die große Kurve und rollte den verstaubten Weg entlang.
(Fortsetzung folgt.)


