Nr. 82 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Zreitag, 8. April M2
Hindenburg im Bürgerrock.
Mit dem^eichspräfidenten auf derpirsch.-Hindenburg als ostpreußischer Gutsherr
(Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die meisten unter uns kennen Hindenburg nur aus der Ferne, und auch diejenigen, die zu den Empfängen im Neichspräsidentenpalais zugclassen werden, sehen nur den repräsentativen Hindenburg. Doch alle wollen gern wissen, wie unser, Reichspräsident sein Privatleben führt, wie er die Stunden zubringt, „jenseits der Wilhelm- straße". 7 Linser bl. V.-Mitarbeiter hat nun einen interessanten Versuch gemacht: er hat einige Persönlichkeiten in Hindenburgs nächster Nähe befragt, wie sie den Reichspräsidenten „privat" sehen.
Der Förster in der Schorfheide:
Die Schorfheide am Werbellinsee. Auf diesem idyllischen Flecken Erde, der kaum eine Stunde von der Reichshauptstadt entfernt ist, liegt das Jagdgebiet der großen Politik- Ministerpräsidenten und Minister sind hier die Herren. Auf der Wanderung am Werbellinsee entlang kommt man an ein einsames Blpckhaus, im Schweizer Stil gebaut. Rund herum ist ein Rasenplatz, und dann beginnt der Wald. Auf einer kleinen Treppe erscheint ein bärtiger Mann im grünen Rock, ein wenig verschlossen, aber mit guten treuen Augen. Es ist ö e r F ö r st c r, der Hindenburg auf seinen Jagden begleitet.
Der Förster führt mich zum See herunter. „Dies ist die Lieblkngslindc des Reichspräsidenten. Hier liegt er, wenn die Arbeitsstunden und die Jagd beendet sind, oft ein paar Stunden im Grase und schaut der Abenddämme- rung zu." Und nach einer Pause fügt er hinzu: „Wenn ich dann in seiner Nähe sein darf, dann erlebe ich etwas, was das deutsche Volk sonst wohl nicht sieht: die erhabene Ruhe und Verschlossenheit des Gesichtes verschwindet, und es tritt an seine Stelle ein Ausdruck tiefen E r n st e s. Erst ganz allmählich kehrt in der Natur, mit der finkenden Sonne, die Ruhe und Abgeklärtheit in dos Gesicht Hindenburgs zurück."
Dann führt der brave Förster mich in das Innere des Vlockhauscs- „Fremde Besucher haben gesagt, das; kein anderes Staatsoberhaupt der Welt so lebt, wie der Herr Reichspräsident. Lind lachend hot Hindenburg erwidert: Er fühle sich nicht als ein bevorzugtes Staatsoberhaupt, sondern als ein einfacher Soldat, als einer aus der groben Kameradschaftsfront, und ein schlichtes Feldbett sei gerade gut genug für ihn."
Wir sehen das Arbeitszimmer im Blockhaus. Es ist eine bunt bemalte Bauernstube, der winzige Schreibtisch, der einfache, unbequeme Sessel, die alte Bauerntruhe, 'm der wichtigste Staatsakten schlummern, — alles ist mit bunten Blumen bemalt „Wenn Hindenburg hier ist", sagt der alte Förster, „dann müssen überall Blumen sein. Wir brauchen uns nicht darum zu sorgen, denn jeden Tag kommen aus allen Teilen des Volkes Blumengrüße für den Reichspräsidenten — wunderbare Sträuße und Körbe, ober auch bescheidene, billige Blümchen, Di6 irgendeiner, der nicht über große Geldmittel verfügt, dem Herrn Reichspräsidenten schickt. Lind über diese Blumengrüße, die so richtig zeigen, wie das Bild Hindenburgs imHerzen des Volks lebt, freut sich der alte Herr so, daß ihm oft die Tränen in den Augen stehen." Der Förster zeigt auf den Schreibtisch. „Hier sitzt der Herr Reichspräsident oft, er kennt keine Ferien. jlnD dennoch liebt er dieses Haus am Werbellinsee. Er sagte einmal zu mir: In diesen vier Wänden kann ich, wenigstens über dos Wochenende, so leben, wie ich es mir mein ganzes Leben lang geträumt habe. Leider wird das bald ganz aufhören, denn die Telegramme und Staatsakten verfolgen mich immer
mehr auch über das Wochenende in diesen Zufluchtsort. Mein Leben aber gehört der Arbeit — ich brauche keine Ferien!"
Ich bewundere einen wunderschönen Kronleuchter, der in der Diele des Blockhauses hängt. Er ist vollständig aus Geweihen her- gestellt. „Hindenburg hat diesen Kronleuchter stets mit sich gesührt, schon seit dem Weltkrieg. Er ist ihm nach Tannenberg von einer ost- preußischen Förstcrfamilie geschenkt worden Mit diesem Förster korrespondiert der Reichspräsident heute noch, ebenso mit zahlreichen Kriegsinvaliden, und so behält er auch schriftlich den Zusammenhang mit dem Volke Es ist stets ein großes Glück für mich, wenn der Herr Reichspräsident hier draußen seine paar freien Stunden verbringt, und ich ganz allein mit ihm aus Pirsch gehen kann."
Der Znspettor aus Gut Aeudeü:
Von dem guten Neudeck, dem Familiengut des Reichspräsidenten, ist gerade ein Inspektor in Berlin, der den Reichspräsidenten von einer Seite kennt, die uns allen unbekannt sein dürfte: Hindenburg als Gutsherr. Mit leuchtenden Augen erzählt er von dem Menschen Hindenburg.
„Der 84jährige geht durch unser Dorf, kehrt beinahe in jedem Haus ein und erkundigt sich nach dem Schicksal der Dorfbewohner, von denen er beinahe jeden seit Jugend kennt und mit vielen gut Freundschaft hält. Wir sind so glücklich, daß er so oft gerade hier, mit uns einfachen Landleuten über Politik und über feine Sorge für das Staatswohl spricht. Der Dorfschulze sagte neulich zu ihm: „...' aber mit den Reparationen, da muß nun richtig Schluß gemacht werden". Hindenburg antwortete: „So einfach, wie Du Dir das vorstellst, ist das ja nun nicht. Aber ich werde den Ministern in Berlin jedenfalls sogen, wie Du darüber denkst."
Hindenburg kann es nicht vertragen, wenn man ihn neugierig anstarrt. An einem Morgen geht er, Gewehr an der Seite und Feldstecher über der Brust, mit mir auf Jagd. Ein paar Amerikaner, die extra noch Neudeck gereist sind, stehen am Wege und gaffen uns an. „Was die sonderbaren Leute nur wollen! Als ob wir nicht ebenso zwei Beine und einen Kopf hätten wie sie. Als die Amerikaner weitergaffen, geht Hindenburg plötzlich lächelnd auf sie zu, eine Zigarette in der Hand und bittet um Feuer. „Oh", sagt einer der Amerikaner, „es ist der traurigste Augenblick meines Lebens. Ich habe kein Feuer bei mir." Hindenburg bittet: „Ach, dann holen Sie mir doch bitte ein Streichholz dort drüben aus dem Wirtshaus." Llnd während die Amerikaner eifrig davonstürzen, eilt der Reichspräsident mit mir im Sturmschritt weiter — und d t e Amerikaner sind w i r los.
Wenn Hindenburg hier bei uns in Neudeck ist, dann hat er immer einen Haufen Kintz e r u m s i ch. Selbst wenn er am Nachmittag ein halbes Stündchen im Sessel sitzt, will er die Kinder nicht missen. Sie hocken dann um seinen Sessel herum, sitzen auf seinen Knien, die Enlel- kinder und ein paar Spielgefährten aus dem Dorf, mit denen sie innig befreundet sind. „Ohne Kinder wäre ich ein alter Mann“, sagte Hindenburg vor kurzem einmal im Freundeskreis."
Oer Kammerdiener im präsidenienpalais:
Auch in Berlin genießen einige wenige den Vorzug, unmittelbar in der Nähe Hindenburgs leben zu dürfen. Der Berichterstatter spricht mit
Brunnen der Tiefe.
Von Ernst Wiechert.
Ich war hinausgegangen auf die Felder v or meiner Stadt. Zuweilen brauche ich ein wenig Erde an meinen Schuhen statt des Staubes der Straßen. Das Licht erlosch im westlichen Raum. Die letzte Meise verflog sich im Tannenwald, die letzte Wolke glitt feierlich hinter den Erdenrand. Ich stand am kühlen Stamm einer Birke und wartete auf den ersten Stern, um heimzukehren mit der Tröstung seines Lichts. Llnd als ich wartete, geschah es, daß das Bibelwort sich erfüllte: „Llnd die Brunnen der Liefe brachen auf“. Als ich ein Kind war, erschauerte ich unter diesem Wort. Ich verstand es nicht. Aber es war mir, als sähe ich die Hände Gottes einen grauen Stein vom Eingang einer Höhle heben und nun breche das Schlafende heraus: Ströme des Segens und der Gnade, die die verlassenen Betten des Paradieses füllten.
Nichts dergleichen geschah. Nichts als ein leise rieselnder Laut erfüllte das Schweigen der Stunde, vernehmlicher werdend, je tiefer der Tag sich begrub. Eine leise strömende Melodie, sich hebend und senkend Über einem Grundton, sich eilend und wieder verzögernd, ein stilles Lebendigsein, das unbekümmert und tapfer durch das erstarrte Schweigen ging. Ich näherte mich ihm, als sei es ein Mensch oder einer der Unterirdischen, die im Feierabend heimlich vor ihrer welle schafften Aber was ich sah, war nichts als ein kleines Wasser, das in hellen Fäden aus einem braunen, toten Abhang riefelte. Es war nicht die Mündung einer Ader oder ein eingegrabener Regen- gang. Es war eine braune Wand mit totem Gras, und mitten aus der Wand brach das Leben leise rieselnd heraus, in Tropfen, in Fäden, in kindlichen Strömen, floh zusammen durch zerbröckelnde Erde, brach sich langsam und geduldig durch kleine Mauern und Dämme, erreichte die Ebene, die Wurzeln der Dirken, Moos und Geflecht, und Dcrricfelte im welken Laub.
Nichts anderes geschah. Kein Kranichheer zog rauschend und stolz über mich dahin. Der Schrei der Wildgans war noch fern über freundlicherer Erde. Keine Anemone blühte aus kaltem Grund, und in den Höhlen der Erde schlief das Getier noch den winterlichen Schlaf. Aber ich stand vor der Ewigkeit der. Welt. Ich hatte nicht an einen Felsen geschlagen. Aber das Wunder Mose lag vor mir. Aus der Erstarrung des Todes brach das Leben. Die Schöpfungsgeschichte begann. Da
war keine Großartigkeit des ersten Schauplatzes, kein Chaos von Land und Meer. Da war nichts als ein paar Birken über einem Abhang, toter Zweige Geflecht und ein erster mühsamer Stern über verdunkelter Welt. Aber der Geist Gottes schwebte über den Wassern, über dem Fall der spärlichen Tropfen, in denen die Erde sich löste und auferstand. Ich fing die Tropfen auf meiner Hand. Demütig, als komme es mir nicht zu. Ich ließ sie sich sammeln über meiner warmen Haut, und dann neigte ich meine Lippen über sie. Das Wasser war kühl und bitter und der Geruch der Wurzeln lebte noch in ihm, die tief unter der Erde sich in feine Feuchte getaucht hatten. Aber es war das Wasser der Auferstehung.
Irgendwo im Dunkeln hatte Gottes Hand leise an den Stein des Grabes gerührt. Und die Brunnen der Tiefe waren aufgebrochen und tränkten mich. Der Wald schwieg und Die Erde schwieg. Aber ich wußte, daß die Schöpfung-wieder begann, daß die Verheißung noch bestand: „Solange die Erde steht, soll nicht aushören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." Cs verwandelte mich, und in einer Verwandlung ging ich heim. Ich lauschte zurück, und noch immer riefelte es leise durch die einsame Welt. „Sieh, wie still das Große ist“, dachte ich auf meinem Weg. „Zeugenlos und ganz für sich allein. Es wird erweckt und wandert. Nichts weiter, aber alle Gröhe der Welt liegt Darin beschlossen: erweckt zu werden und zu wandern. Wo ist die Hand, die es geschrieben hat. „Und die Brunnen der Tiefe brachen auf?“ Seine Augen mögen aufgeleuchtet haben über dem Glück dieses schönen Bildes und sind lange erloschen und vermodert, wie alles was von ihm lebendig über die Erde ging. Aber dieses sein Wort ist einig geblieben, unverlierbar und nie erblindend und ewig geblieben ist der Sinn seines Wortes." Und es ist ja auch so. dah in dieser Nacht an jener einzigen Stelle der Welt das Wunder der aufbrechenden Tiefe geschah. Daß nur aus jenem braunen Abhang das Wasser des Lebens in die schöpfenden Hände rann.
Es ist ja so, daß alle Welt in unsrer Seele still beschlossen liegt: Die Schöpfung und die Erweckung, Die Kreuzigung und Die Grablegung, die Auferstehung und die Herrlichkeit. Und wenn es eines so Geringen bedarf wie dieses Abendganges zu Den Brunnen Der Tiefe, wie vertraut muh das Göttliche in uns sein, wie wenig fremd und geschieden, so gar nicht wie ein König, der zu Den Bettlern kommt, sondern wie ein Kind, das beschlossen liegt in seiner Mutter Leib, bis es auf-
Dem Kammerdiener des Reichspräsidenten. „Nennen Sie bitte meinen Namen nicht, denn ebenso wie Der Herr Reichspräsident, wollen auch wir nicht hervortreten.“ Und Dann erzählt er: „Nicht nur, dah Der Herr Reichspräsident jeden Morgen um 6 oufsteht... Es geht so weit, daß er von niemandem geweckt wird, sondern von allein, ohne eine Uhr am Bett, jeden Morgen Punkt 6 aussteht und um 6.30 auf der Terrasse zum Morgenspaziergang fertig gerüstet ist. -- Seine Selbstbeherrschung ist für uns immer wieder das große Wunder. Vor kurzem überraschte er mich eines Morgens mit folgender Nachricht: „Gestern und vorgestern habe ich ein bißchen Fieder gehabt. Ich habe Euch aber nichts gesagt, denn sonst wäre das Lamentieren losgegangen und Ihr hättet mich womöglich von der Arbeit abgehalten.“
So ganz einfach ist es oft nicht, mit unserem verehrten und von uns allen so geliebten Herrn Reichspräsidenten Was kostet es z. B. für Kämpfe, ehe er sich einen neuen Anzug machen läßt: „Für die schlechten Zeiten ist das alte Jackett
noch immer gut genug I ch bin ein Preuße — wir Preußen sind sparsam — nur keinen Luru s'' Und wenn ich ihm vorstellig mach», daß der schwarze Anzug nicht mehr gut genug wäre, um einen Botschafter zu empfangen, Dann schneidet er jede Diskussion kurz und bündig ab „Deutschland braucht seine Armut nicht zu verleugnen!" Gar nicht gern hat es der Herr Reichspräsident, wenn man ihm in Der Wilhelmstraße zuviel Besuch aufhalst. „Ich habe doch gar feine Zeit — ich muß doch arbeiten!“ Tatsächlich finden ja bei uns, abgesehen von zwei oder drei unumgänglichen Gelegenheiten, das ganze Jatzr über keine Diners statt. Einige Hobe ausländische Diplomaten waren zuerst Darüber ein wenig erstaunt, aber sie haben sich sofort beruhigt, als Hindenburg einigen von ihnen kürzlich einmal mit seiner ganzen persönlichen Liebenswürdigkeit sagte „Erzellenzen müssen mich schon entschuldigen: das deutsche Volk hat heute wirklich weder Zeit n 0 d) Geld, um mehr als Suppe. Fleisch und Nachsveise zu essen... Und davon werden Sie doch nicht satt."
9er Voranschlag des Kreises Gießen für 1932.
Keine Erhöhung der Steuern. — Weitgehende Ersparnisse in allen Abteilungen des Etats.
'Der Kreistag des Kreises Gießen wird sich morgen nachmittag mit der Beratung und Beschlußfassung über den Haushaltsvoranschlag Der Kreis- verwaltung f ü r das Rechnungsjahr 1 9 3 2 beschäftigen. Bon der Gießener Kreisverwaltung, die als erste aller hessischen Kreisbehörden ihren Haushaltsplan herausbringt, erhalten wir zu Dem Voranschlag Die nachstehenden Darlegungen. D. Red.
Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1932 wurde so frühzeitig in Angriff genommen, daß eS dem Kreisausschuß vor Beginn des Rechnungsjahres möglich war, Den Etat in feinen wesentlichsten Zügen zu verabschieden. Die Kreis- verwaltung lieh sich auch in diesem Jahre von der Auffassung leiten, daß die Öffentlichkeit, und im besonderen Die Steuerzahler, ein Anrecht Darauf haben, frühzeitig über Inhalt und Umfang des Kreishaushalts informiert zu werden. Diese Auffassung der Kreisverwaltung wurde von dem Kreisausschuß vollkommen geteilt, Der in ernster, pflichtbewußter Arbeit den Etat in seinen Einzelheiten in zahlreichen Sitzungen prüfte und Die erforderlichen Beschlüsse faßte.
Eine frühe Verabschiedung des Voranschlages des Kreises Gießen liegt wiederum, wie im Vorjahr, auch im Interesse der Gemeinden des Kreises Gießen, die frühzeitig über den Umfang der freiwilligen Leistungen des Kreises im Interesse der Verabschiedung ihres Gemeindehaushaltsplans für das Rj. 1932 Bescheid wissen müssen. Außerdem entspricht die möglichst frühzeitige Ausstellung Der Voranschläge Der Gemeinden und Ge- meindeverbände einer Verfügung des Herrn Ministers des Innern, der großen Wert auf eine fristgemäße Vorlage Der einzelnen Etats legt.
Der Voranschlag des Kreises Gießen enthält auch für 1932 keinerlei Steuererhebungen.
Auch in diesem Jahre konnte dieses Ziel nur unter Einstellung verfügbarerMittel und durch äußerste Sparsamkeit erreicht werden. Alle irgendwie vermeidbaren Ausgaben wurden unterlassen. Die Personalkosten des Kreises wurden weiterhin sehr erheblich gesenkt. Gegenüber dem Vorjahr wurde im ganzen eine rund lOprozentige Ersparnis im Per- sonalaufwand durchgeseht. Bedauerlicherweise ist in den Ueberweisungen aus der Einkommen- und Körperschaftssteuer und Der Umsatzsteuer ein sehr erheblicher Ausfall in Rechnung zu stellen. Es ist mit mindestens 2 7 v. H. Kür
zung der Kreisanteile aus Der E i n- kommen - u n D Körperfchastssteuer zu rechnen. Die Umsatz st euer bietet trotz der in Der Zwischenzeit ftattgcfunDencn Sieuererhöhung ebenfalls kein Mehrauskommen, vielmehr ist auch hier ein leichtes Qlbfinfcn des Steuerertrages zu erwarten. Der Ausfall aus Reichssteuerüberweisungen ist so erheblich (22 568 Mark), daß zur Vermeidung einer unerträglich erhöhten Inanspruchnahme versügbarer Restmittel Der Ausgleich auf andere Weise gesucht werden mußte. Der Kreisdirektor des Kreises Gießen hat dieser Erkenntnis schon mit Verfügung vom 15. Januar 1932 Rechnung getragen, in der aus Grund des § 2 Der Verordnung des Hessischen Gesamtministeriums zur Sicherung Der Haushalte von Gemeinden und Gemeindeverbänden und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts vom 25. September 1931 Die Bestimmungen des § 4 Der Kreissahung ausgehoben wurden, wonach Der Bezirksfürsorgeverband des Kreises Gießen seither unterschiedslos die Hälfte Der Kosten für Geisteskranke usw. übernommen hat. Der Kreis- ausschuh wird nunmehr von Fall zu Fall entscheiden, in welchem Verhältnis sich Der Kreis Gießen im Einzelfall an den Kosten für Geisteskranke usw. beteiligt. Diese Maßnahme individueller Fürsorge gründet sich auf die Finanzlage des Kreises und auf die durchaus verschiedenartige Finanzlage der eigentlichen Kostenträger des genannten Fürsvrgezweiges, Der Gemeinden. Cs ist in Der heutigen Zeit nicht angängig, daß eine kostspielige Kreisbeteiligung absolut einheitlich Durchgeführt wird, richtig ist vielmehr die Berücksichtigung Der örtlichen Verhältnisse, der besonderen Notlage der einzelnen Gemeinde und der Zwang, keine neuen Kreis- fteuem zu erheben.
Die Möglichkeit zur Erhebung neuer Kreissteuern wäre trotz der Rcalffeuerfperre insoweit gegeben, als die Ausschlagsätze des Kreises Gießen an den Landesdurchschnitt der Hess. Kreissteuern noch nicht heranreichen. Ls soll aber mit Bewußtsein von einer solchen Lr- schließung neuer Einnahmen in dieser Notzeit abgesehen werden.
Der Aufwand für Amtskosten wurde auf das Mindestmaß beschränkt. Die Leistungen Des Kreises für landwirtschaftliche Schulen, für die Gewerbeschule Gießen, für Die Alices chule Gießen und die D o lk s h o ch - schule bleiben unverändert. Der freiwillige Dei-
steht aus der Tiefe des Blutes und uns anblickt: ein anderer und doch wir selbst. Und als ich heim- ging unter den wachsenden Sternen, ging ich wie Der Königssohn, Der das Wasser des Lebens in seinen Händen trug. In mein Dachzimmer werde ich treten, wo ich selbst am Schreibtisch sitze, müde und winterkrank und mir entgegensehe. Meine Hände werde ich unter seine Lippen heben und lächeln. „Tie Welt ist wieder neu“, werde ich sagen. „Die Brunnen der Tiefe öffnen sich. Die Erde steht auf, und hier ist das Wasser, Das unter Den Wurzeln war. Nun trinke, unD trinke es Dir zur Auferstehung!"
Der Kampf des Fliegers mit dem Schlaf
Der englische Flieger Mollison, Der in der Rekordzeit von weniger als fünf Tagen nach Kapstadt geflogen ist, hatte auf der Fahrt einen Unglücksfall bei einer Zwangslandung, die durch seine völlige Erschöpfung veranlaßt wurde und glücklicherweise noch gut ablief. Ader damit wird die Frage beleuchtet, die sich bei allen langen Rekordflügen einstellen muß: „Wie lange kann sich der Flieger in der Luft halten, ohne aus Mangel an Schlaf abzusturzen?" Zum Fliegen braucht man bekanntlich seine sämtlichen Sinneskräfte. und ein schwer ermüdeter Mensch ist dazu nicht geeignet. Der Kampf mit Dem Schlaf kann für den Helden der Luft furchtbar werden. „Ich machte einmal einen viertägigen Flug", erzählt ein Pilot in einem Londoner Blatt, „bei Dem ich kaum Drei StunDcn Schlaf hatte. Am vierten Morgen war Das ohrenzerreißenDe Hämmern Der Maschine für mich ein süßes WiegenlieD. Einen Augenblick schloß ick meine schweren AugenliDer. Die Maschine flog sicher und ruhig in einer Höhe von 900 Meter. Wieder schloß ich Die Augen. Da — ein furchtbares Zittern. Der Motor heulte. Ich war in meinem Hin- Dösen beruntcrgefaUen und Die Maschine steuerte geradezu auf einen Wald hin mit atemraubcnDer Schnelligkeit. Ich Dachte, Die Propeller roürDen zerbrechen. als ich Das Steuer emporriß, aber sie hielten aus. WährenD ich wähnte, meine Augen für eine SekunDe zu schließen, war ich im Schlummer über 400 Meter heruntergefallen. Wie viele unerklärliche Unglücksfälle mögen wohl Durch einen solchen Schlaf für wenige SekunDen heroorgerufen werden? Ein Fliegertag ist sehr ermüdend, fünf, sechs solcher Tage mit kurzen Ruhepausen lähmen Den ganzen Mrn- schen. Die Versuchung, sich Dem Schlaf hinzugeben, und Die Schwierigkeit, ihr zu wiDerstehen. ist außer- orDentlich groß. Ein so DahinDäsenDer Mensch kann sich vielleicht noch in Der Luft halten, aber alle Versuche einer Landung oDcr gar einer Zwangslandung
bringen große Gefahr. Jedes Flugzeug, das zu Derartig langen Fahrten aussteigt, lallte mit zwei Piloten bemannt fein und eine Ausrüstung für das Senden und den Empfang drahtloser Rachrichten besitzen. Dann könnte die Maschine ununterbrochen Tag und Nacht fliegen, und Der eine Flieger könnte sich durch eine genügende Menge Schlaf erfrischen, um Dann Den anDercn abzulösen. Solange Der Flieger Dem furchtbaren Kampf mit Dem Schlaf ausgesetzt ist, beDeutet Dies eine Quelle ftänDiger Gefahr.“
Zeitschriften.
— Fünf Millionen Stimmen sind am 13. März 1932 dem Kandidaten einer Partei zugefallen, die nach der Weisung Moskaus immer offener und ungehemmter ihre Volks- und staatsfeindliche Tätigkeit entfaltet. Zum Abstoßendsten und Verderblichsten der roten Massenpropaganda gehört die systematische Vergiftung der Kinderseele. Es ist deshalb besonders dankenswert, daß die Süddeutschen Monatsheste (München) ihr neuestes, illustriertes Sonderheft unter dem Titel „Rote Kindererziehung" diesem Problem widmen. Zum ersten Male werden vielen die Augen darüber aufgehen, wie weit Moskau seine Ziele in Deutschland schon verwirklicht hat. Wir erhalten einen umfassenden Einblick in die kommunistische Kinderpresse. — Auf die Gottlosen-Pro- paganda legt die rote Kindererziehung natürlich auch den größten Wert. Unzählig sind die Gedichte, Reime und Lieder, die sich gegen die Religion wenden. Eine ganze Reihe von Proben werden gebracht, und man erschrickt vor dem Zynismus und der Wildheit dieser auf die Kinderseele losgelassenen, zum Teil raffiniert und geschickt gemachten Wort- und Tongebilde. Wiederum wird allen, die es hören wollen, aus dieser grundlegenden Veröffentlichung bestätigt, daß wir in Deutschland den Bolschewismus bereits im Lande haben und daß er bereits seine Krallen nach dem höchsten und sichersten Zukunftsgut unseres deutschen Volkstums ausgestreckt hat, nach der Kinderseele. und daß unverzüglich und überall der Gegenkampf einfetzen muß gegen die rote Kindererziehung.
Sochschulnachnchten.
Professor Dr. I. Schacht von der Universität Freiburg i. B. wurde zum ordentlichen Professor Der semitischen Philologie an der Universität Königsberg ernennt.


