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Die Maßnahme sei doppelt notwendig gewesen, nachdem von marxistischer Seite für den 13. März im Falle eines Sieges Hitlers offen der Bürgerkrieg angekündigt worden sei. Daß jede große Organisa- kion über die Tätigkeit ihrer Gegner sowohl wie ihrer Verbündeten unterrichtet sein müsse, sei eine Binsenweisheit. Roehm verweist in diesem Zusammenhang auf den Nachrichtendienst des Reichsbanners und der KPD. Eine Ueberwachung oder Bespitzelung der Organe des Staates (Reichswehr, Polizei ufw.) habe er grundsätz­lich untersagt. Das R e i ch s r c l ai s sei be­reits am 2.9.1931 eingerichtet worden und stehe mit der Reichspräsidcntenwahl in keinem Zusam­menhang. Zu dem Vorwurf des Landesverrats er­klärt Roehm, die bisherigen Erhebungen hätten bereits dievöllige Haltlosigkeit dieser' Anschuldi­gungen" ergeben. Er sehe daher dem Verfahren vor dem höchsten deutschen Gerichtshof mit absoluter Ruhe entgegen.

Oie Revisionen im Hamburger Totschlagsprozeß Henning verworfen.

Leipzig, 7. April. (WTB.) Das Reichs­gericht hat heute die R e v i s i on e n der drei wegen Totschlags an dem kommunistischen Ham­burger Dürgerschaftsmitgliede Ernst Henning, 'Verurteilten, des früheren Hamburger Polizei­majors Jansen, des Handlungsgehilfen B a m -

m e l und deS aus Bayern stammenden Hoeck - meyer, als unbegründet verworfen. Damit ist dos nach achttägiger Verhandlung vom Schwurgericht Hamburg verkündete Urteil rechtskräftig geworden, nach dem diese drei SA.-Leute der RSDAP. wegen gemeinschaft­lichen Totschlags, wegen gemeinschaftlich verübten versuchten Totschlags, gemeinschaftlicher Rötigung und verbotenen Waffenbesitzes, und zwar Hoeck- meyer und Jansen zu je sieben und Bammel zu sechs Jahren Zuchthaus verur­teilt worden sind.

Es handelt sich um die in einem Hamburger Nachtomnibus begangene politische Bluttat, die eigentlich dem Kommunisten Andreas gegolten hatte. Durch die insgesamt 15 Schüsse, die die angetrunkenen Attentäter abgegeben hat­ten, war weiter noch eine Lehrerin durch fünf Schüsse in den Oberschenkel schwer ver­letzt worden: einer zweiten Frau aus Ham­burg wurde der Daumen abgcschossen, während der zweite im Wagen anwesende Kom­munist C a h n b l e h nur einen leichten Streifschuß am Kopf erhielt. Mit ihrer Revision bemängelten die Angeklagten in ver- fahrensrcchtlicher Hinsicht ohne Erfolg, daß sechs Siebentel der Schöffen Sozialdemokraten gewesen seien, wie in materieller Hinsicht ergebnislos, daß ihnen als Jugendlichen zu Unrecht mildernde Umstände versagt worden seien.

Präsidenten. Reben der weltgeschichtlichen Größe Hindenburgs verschwindet Hitler zu einem Richts. Hitler hat noch nichts Positives geleistet, wohl aber Hindenburg. Hitler hat bisher nur Versprechungen über Versprechungen ge­macht, aber wenn es positiv zu arbeiten galt, sind seine Anhänger aus dem Reichstag aus­gezogen. Sie haben damit wieder bewiesen, daß ihnen jeder Wille zur Mitarbeit am deutschen Volke fehlt, denn sonst waren sie nicht immer bei den entscheidenden Abstimmungen im Reichs­tag, der doch die Verwaltung des deutschen Volkes Ist, ferngeblieben. Wir alle glauben fest an Hindenburg und seine Größe. Für uns gibt es keinen anderen, der uns selbst ein Vorbild sein kann.Wenn mich das deutsche Volk ruft, werde ich zur Stell» sein!" hat er mehr als einmal gesagt, und er hat dem deutschen Volke in den sieben Jahren seiner Amtszeit ein Beispiel seiner heldenmütigen Selbstverleugnung gegeben als oberster Diener des deutschen Volkes. Deshalb kommt für und keine andere Kandidatur als die Hindenburgs in Betracht.

Eine Rede Arthur Mahrauns.

Der Jungdeuische Orden im Kampf für Hindenburg.

Braunschweig, 8.April. (END.) Auf einer Kundgebung des Hindenburg-Ausschusses sprach vor zahlreichen Zuhörern Arthur M a h r a u n , der Reichsführer des Iungdeutschen Ordens. Er hob in seiner Rede insbesondere die großen weltanschaulichen Gegensätze zwischen Hindenburg und Hitler hervor. Bei Hin- denbura sei der Begriff der Treue und der Volks­gemeinschaft, dagegen erscheine Hitler als der Nutz­nießer der Auflösung aller bürgerlichen Begriffe und der Verhetzung der Massen. Es sei ein welt­anschaulicher Kampf, der heute in Deutschland aus- aetragen werde, ein Kampf der germani- schen Auffassung von Volk und Staat gegen die römische und slawische. Von diesem Standpunkte aus sei der Kampf um das System zu betrachten. Die Nöte der Zeit könnten nicht durch Phrasen und Versprechungen beseitigt werden, sondern nur durch einen neuen Staat, der mit dem Volk wieder ver­bunden sei, der nicht bloß ein Untertanentum kenne, sondern eine Nation. Auf dem Wege zur Einheit von Volk und Staat, auf dem wir seien, d o m Untertanentum zum Staatsbür­ger, gebe es Marschkrankheiten und Wegekrank­heiten. Die Wegekrankheit beim Proletariat sei der Marxismus, beim Bürgertum der Natio­nalsozialismus. Auch der Begriff der Füh­rung sei bei Hindenburg und Hitler weltanschau­lich entgegengesetzt. Hindenburgs Begriff von der Führung werde den deutschen Menschen anziehen, weil er das Volk als solches achte. Hitlers Begriff von Führung sei letzten Endes die Dik­tatur. Dem Derantwortungsbewußtsein Hinden- burgs und seiner Methode, keine Verspre­chungen zu machen, stehe Hitlers Werben für das Reichspräsidentschaftsamt gegenüber, das nicht an die Pflicht, sondern an die Leiden­schaften im Menschen appelliere. Mahraun schloß mit dem Bekenntnis, daß wir als Deutsche uns auf uns selbst besinnen müßten gegen Bol­schewismus und Faschismus für Hin- d e n b u r g.

EineKan-idaturdesKronprinzen

Am Widerspruch des Kaisers gescheitert.

Berlin, 7. April. (CNB.) Der Herausgeber der ZeitschriftFridericus" R. E. Holtz, gibt in seinem Blatt eine Schilderung von Bemühungen der Führer dernationalen Opposition", den früheren Kronprinzen zum Gemeinschaftskan­didaten für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl auszurufen. Nach langer sach­licher und ernsthafter Aussprache zeigte sich der .Kronprinz bereit, sich dem Volk, wenn es ihn.zur Reichspräsidentschaft berufe, nicht zu ver­sagen. Bedingung sei jedoch, daß d c r K a i s e r nicht auf Grund des Hohenzollernschen Hausgesetzes ein Kandidaturverbot an den Kronprinzen ergehen lasse. Adolf Hitler hatte sich daraufhin bereit er­klär t, den Kronprinzen auf den Schild zu erheben. Aber derKaiserwarmitderKandidotur nicht einverstanden. Daraufhin erklärte der Kronprinz, daß er unter diesen Umständen nicht kandidieren wolle. Bis zum letzten Tag der Anmeldung der Kandidaten, bis zum 31. März, war- 1

tete man auf eine Sinnesänderung aus Doorn. Sie trat aber nicht ein.

Keine^undfunkanspracheHin-enburgS zum zweiten Wahlgang.

B e r l i n, 8. April. (CNB.) Wie dieDAZ." von unterrichteter Seite erfährt, steht nunmehr fest, daß vor dem zweiten Präsidentschaftswahlgang keine Rundfunkansprache des Reichspräsi­dent e n mehr erfolgt. Die Reichsregierung be- schränkt sich auf die Rundfunkübertragung der Königsberger R^de Dr. Brünings am Samstag, die nach einigen Schwierigkeiten nun- mehr gesichert ist.

Oie Regierungsbildung in Mecklenburg-Strelitz.

Schwerin^ 7. April. (TU.) Die Fraktionen der Deutschnationalen Volkspartei und der Nationalsozialistischen Deutschen Ar­beiterpartei teilen mit:

In einer Verhandlung der Fraktionen der DNVP. under der NSDAP, unter ihren Vorsitzenden Abg. Dr. Everling und Abg. v. Lingelsheim ist heute die Regierungskoalition und die Regierungsbil- düng in Mecklenburg-Strelitz vollzogen worden. Vereinbart wurde folgendes:

1. Die beiden Parteien schließen sich zu einer Zusammenarbeit im Interesse des vom Marxismus völlig zu reinigenden Staates zusammen.

2. Staatsminister Dr. v. M i ch a e l wird in seinem Amt ohne Neuwahl bestätigt.

3. Abg. Dr. S t i ch t e n r o t h tritt als Staatsrat in die Regierung ein mit einer vereinbarten, die nationale Zusammenarbeit gewährleistenden Ge­schäftsordnung.

Abg. Stichtenroth ist Mitglied der nationalsozia­listischen Fraktion, Dr. o. Michael ist deutschnational.

Deutscher Handwerks­und Gewerbekammertag.

In Dresden fand in Anwesenheit von Ver­tretern der Reichs- und Staatsregierung sowie zahl­reicher Berufsorganisationen die Vertreterversamm­lung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekam­mertages statt. Nach kurzer Begrüßung durch den Präsidenten Pflugmacher (Magdeburg) behan­delte Universitätsprofessor Dr. P a s s o w (Göttingen) das ThemaFreie und gebundene Preise" und Uni­versitätsprofessor Dr. Rößler (Bonn) das Thema Der berufsständische Gedanke im Handwerk". Ein- stimmig gelangte sodann eine Entschließung zur Annahme, in der es u. a. heißt: Die Versamm­lung fordert eine grundsätzliche Wandlung der deut­schen Wirtschaftspolitik in ihrem Verhältnis zum gewerblichen Mittelstand. Sie erinnert die Reichs­regierung an die furchtbare Verantwortung, die sie mit ihrer Einstellung zum Handwerk gegenüber der Volksgemeinschaft trägt. Die Reichsregierung wird aufgefordert, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen, um eine organische Vereinheitlichung der Spitzen­kreditinstitute des gewerblichen Genossenschaftswesens bei der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse her­beizuführen.

Großfeuer in der MünchenerZnnenstadt

M ü n ch e n, 8. April. (WTB. Funkspruch.) Heute früh gegen 3 Uhr brach in der im Zentrum der Stadt gelegenen großen Schrannenhalle Feuer aus, das sich mit ungeheurer Schnelligkeit über das ganze Gebäude ousdehnte und auf einige Nachb ar Häuser über­trat. Die gesamte Münchener Berufsfeuerwehr mußte zur Bekämpfung des riesigen Feuers heran- gezogen werden. Die Bekämpfung des Feuers ge­staltete sich ä u ß e r st schwierig, da der Rauch durch den Wind in die Straße geführt wird, in der die Feuerwehr Aufstellung genommen hat und diese sehr behindert. Gegen 4 Uhr früh bot die Halle ein Bild vollkommener Verwüstung. Sie ist vollkommen ausgebrannt. Die Schrannenhalle hatte früher als Markthalle gedient und wird jetzt als Lagerraum für Speditionsfirmen und als Fleischfreimarkt benutzt. In der Halle sollen in der Hauptsache alte Möbel und Automobile untergebracht gewesen sein. Um 6.15 Uhr brannte noch der Dachstuhl eines Hauses in der Utzschneider- straße und die Fleischbank. Bis jetzt wurden vom Roten Kreuz 82 Personen, die bei dem Brand verletzt wurden, behandelt, darunter 65 Feuerwehrleute. Zwei Feuerwehrleute haben durch Absturz schwere Verletzungen erlitten. Die übrigen holten sich meist Rauchvergiftungen oder Riß- und Schnittwunden.

ZesmndmÄaisberMngenimHessischenLandtag

Zinanzminister Kirnberger spricht im Finanzausschuß.

Landvolk und Präsidentenwahl.

Die Hessische Landvolkpartei wendet sich mit einer Erklärung ihres Vorsitzenden Glaser an die Oeffentlichkcit, in der es u. a. heißt:

Durch die Verwechslung der Ramen Reichs« landbund, Hessischer Landbund, sowie Landvolk­partei wurde in letzter Zeit des öfteren starke Verwirrung in die landwirtschaftliche Bevöl­kerung hineingetragen. Wenn zum Beispiel die Presse zur jetzigen Reichspräsidentenwahl die Er­klärung des Herrn Grafen Kalckreuth bringt, daß der Reichslandbund für Hitler eintritt und zur gleichen Zeit wird be­richtet, daß die Deutsche Landvolkpar­tei für Hindenburg eintritt, dann ent­spricht dies der Sachlage, wenn aber ein ge­wisser Teil der Presse schreibt:Das Landvolk wählt Hitler", dann ist es für den einfachen Bauer eine Irreführung und eine Auf­klärung ist meines Erachtens unbedingt erforder­lich. Zur Klarstellung möchte ich nun folgendes bekarmtgeben: Der Reichslandbund und die Deutsche Landvolkpartei sind zwei voll st än * dig getrennte freie Organisationen und haben in ihrer gesamten Tätigkeit, sowie in ihren Verwaltungen keine näheren Verbindun­gen, sind also vollkommen unabhängig vonein­ander.

1. Der Reichslandbund ist eine freie be- rufsständische Organisation. Rach einem Be­schluß seines Vorstandes hat sich der Reichs­landbund für politisch neutral er­klärt. Wenn jetzt durch den geschäfts- führenden Präsidenten Graf Kalckreuth ein einseitiges Eintreten für Hitler bekannt-

gegeben wird, dann kann dies nur als B r u ch der Reutralität bezeichnet werden.

2. Der Hessische Landbund ist eine Unter* Organisation des Reichslandbundes. Ein Mehrheitsbeschluß über politische Reutralität wurde vor einigen Wochen bekanntgegeben. Auch zur jetzigen Reichspräsidentenwahl wurde vom Vorstand Neutralität be­schlossen und für die Mitglieder bleibt dadurch frei, für Hindenburg oder Hitler zu stimmen.

3. Die Deutsche Landvolkpartei ist eine politische freie Organisation auf nationaler berufsständischer Grundlage, ist gleich dem Reichsland* bund über ganz Deutschland verbreitet. Im Vorstand der Partei, sowie in dem erwei­terten Vertretertag wurde zur Reichspräsi­dentenwahl einstimmig beschlossen, für Hindenburg einzutreten.

4. Die Hessische Landvolkpartei wurde erst gegründet infolge des politischen Reu* tralitätsbeschlusses des Hessischen Landbun­des. Die Hessische Landvolkpartei ist e 6 e n- falls freie Or ganif afrion auf na­tionaler konserv ativer berufs- ständischer Grundlage. Die Organi- satton ist der ReichsparteiDeutsches Landvolk" angeschlossen und steht mit dieser in guter Zusammenarbeit.

Die Hessische Landvolkpartei tritt gleich der Reichsorganisation auch am 10. April für die Wahl des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg als Reichspräsident ein.

Darmstadt. 7. April. (WHP.) Der Finanz­ausschuß des Landtages begann mit der Beratung des Staatsvoranschlages 1932. Finanzminister Kirnberger leitete die Beratungen mit einem Lieberblick über die Finanz- und Kassenlage des Landes ein. Die im Etat sich auswirkende Spar­samkeit werde wohl von keinem anderen deut­schen Land übertroffen. Es sei nicht mehr wie in normalen Zeiten möglich, Fehlbeträge auch nur vorübergehend in Kauf zu nehmen, denn bei der Unmöglichkeit der Kreditbeschaffung sei das Land ausschließlich auf seine eige­nen Einna hm en angewiesen. Dadurch werde die Kassenlage natürlich äußerst ange­spannt.

Der Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 108 542 Mill. Mk. Die Entwicke­lung der letzten Jahre zeige, daß die Fehl­beträge vis 19 2 8 gedeckt sind, die Fehl­beträge von 1929 und 1930 sind im wesentlichen eine Folge der neuen Desoldungs- o r b n u n g gewesen, die, wie von anderen Län­dern, auch von Hessen aus der begründeten Er­wartung durchgesührt wurden, daß das Reich für die Mehraufwendung Ersatz schaffe. Das sei jedoch nicht der Fall gewesen und der Ausgleich müsse durch eigene Maß­nahmen des Landes herbeigeführt werden.

Die Sachausgaben seien nunmehr bis an die äußerste Grenze herabgesetzt worden. Sie gingen von 55,3 Millionen im Jahre 1929 auf 49,1 Millionen (1930) und 50,7 Millionen (1931) auf jetzt 37,7 Millionen zurück. Die persön­lichen Ausgaben zeigten nach dem An­wachsen durch die neuen Desoldungssätze von 73 Millionen im Jahre 1925 auf 89,9 Millionen im Jahre 1930 einen auf Grund der Reichsnot­verordnung bewirkten Abstieg auf 87,7 Mil­lionen im Jahre 1931 und auf 70,8 Millionen im vorliegenden Etat. Hier wirke sich außerdem die Personalverminderung seit 1924 aus. Ms zum Schluß des Jahres 1927 waren abge­

baut worden 804 Planstellen, 431 Staatsdienst* ar.toärter und 355 Angestellte. Von da ab seien weitere 7 9 2 Stellen abgebaut worden. 2m Voranschlag 1932 sei nachgewiesen, daß wei­tere 332 Stellen ausfallen und 253 auf den In­haber gesetzt worden sind.

Außerordentlich erschwert werde die Sanierung der Staatsfinanzen durch die großen Finanz* sorgen der Gemeinden, die auch die Sorge des Staates sind. Die angespannte Finanz­lage hemme den Staat in seiner Fürsorgetätig­keit. Er müsse aber mit den Gemeinden verlangen, daß das Reich, nachdem es durch seine an sich gerechtfertigte Gesetzgebung für die Erwerbslosen die Gemeindefinanzen schwer getroffen hat, auch die Mittel bereitstellen, damit die Gemeinden die schwere Krise überwinden könnten. Der Land­tag habe mit Mehrheit die Verlängerung des Etats abgelehnt. Damit wäre die Re­gierung gezwungen, auf Grund des Artikels 55 der Verfassung die Geschäfte weiterzu-- führen. Das bedeute für die Regierung ernste Sorgen und große Verantwortung. Zugleich fei ihr aber dadurch eine gewisse Macht in d i e Hand gegeben, von der sie allerdings nur vorsichtig und gewissenhaft Gebrauch machen werde. Der Minister bat abschließend, diesem zwar gesehesmäßigen, aber unnatürlichen Zustand im Interesse des hessischen Volkes und im Interesse der Wirtschaft bald ein Ende zu. machen.

Der Ausschuß begann darauf nut der all­gemeinen Aussprache, in der von dem Vertreter der nationalsozialistischen Fraktion erklärt wurde, daß man der Mehrheit des Land­tags nicht verübeln könne, wenn sie die Erstreckung des Finanzgesehes für 1931 auf einige Monate des Jahres 1932 ablehnte, da sie ja keinen Ein­fluß auf die Geschäfte der Regierung besitze. Grundsätzlich werde die nationalsozialistische Frak­tion int Ausschuß sachlich Mitarbeiten und den Voranschlag nicht nach parteipolittschen Gesichtspunkten beurteilen.

Bayern und die NSDAP.

Auch die bayrische Regierung veröffentlicht Material.

München, 6. April. Wie der preußische Jn- nenminifter, so gibt auch die bayerische Staats­regierung in einer ausführlichen Darlegung Ma­terial bekannt, das sich auf das Verhalten der RSDAP. beim ersten Wahlgang der Reichspräsi­dentenwahl bezieht. Es heißt darin u .a.:

Was dem Volke von Beamten des bestimmt er­warteten Dritten Reiches nach dem 13. März be­vorstand, das zeigen Beispiele, wie das Schrei­ben an einen Bäckermeister in Weilheim vom 8. März 1932. In diesem heißt es:<5ie werden hiermit verwarnt, weiterhin über unsere Frei­heitsbewegung abfällig zu sprechen. Wenn Sie noch einmal in derart gemeiner Weise schimpfen, kommen Sie auf die schwarze Liste. Als Geisel sind Sie vorgemerkt. Rach unserem Sieg, der unausbleiblich ist, werden Sie erschossen. Mer­ken Sie sich dies. Heil Hitler." Im Bezirk Aibling wurden Marken, das Stück für 50 Pf. verkauft. Dabei wurde den Leuten erklärt, daß man sich durch den Besitz dieser Marken im Dritten Reich Stellen sichern könne. Wer keine solchen Marken besitze, der erhalte auch keine Stellung. Was sich Hitler-Wähler verschiedent­lich von einem Sieg Hitlers erhofft haben, das beweist die Wahrnehmung, daß in der letzten Zeit vor der Reichspräsidentenwahl Schuldner ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkom­men wollten und die Zahlungen bis nach der Wahl am 13. März verzögerten. Ein Gruppen­führer der Rationalsozialisten aus der Gegend von Schrobenhausen erklärte in einer Versammlung: »Wenn Hitler siegt, dann bekommt jeder 50 Tag­werk Grund und 20 000 Reichsmark Geld."

Eine neue Veröffentlichung der Bayerischen Amt­lichen Pressestelle erklärt, daß für die Veröffent­lichung die Tatsache bestimmend gewesen ist, daß draußen im Lande fast in jeder Gemeinde Namen und Fälle bekannt waren, wie die National- sazialisten am Tage nach der Wahl verfahren wür­den, wen sie als Beamte verhaften, absetzen und durch nationalsozialistische Ortsgrößen ersetzen wer­den. Äoß alle die vielen Anwärter auf einen Posten an diese Aussichten glaubten und durch die Hoff­nung auf die Erfüllung ihres Glaubens zu allem für die Partei fähig gemacht wurden, das habe jene Terror st immung und jene Angst und Panik in der Bevölkerung erzeugt, die unbestreit­bar tagelang vor dem 13. März fast über jeder Ort­schaft lag. In einer SA.-Sitzung habe der Gau- sturmfuhrer von München-Oberbayern erklärt, wenn Regierung zusammengebrochen sei und die N«DAP. die Macht im Staate übernommen hätte, bann hatte die SA. zunächst 24 Stunden Frei­heit. Da könne sich dann jeder SA.-Mann den von ihm notierten Gegner vorfangen und erledigen.

Eine scharfe Rede Helds im Landtag.

München, 7. April. (WTB.) Im Plenum DeS Landtages erklärte Ministerpräsident Dr. Held bei der Veröffentlichung der bayerischen amtlichen Pressestelle über Absichten von Ratio* nalfMialiften, nach einem Siege Hitlers handele es sich nicht um Spihelberichte, sondern um ernstes amtliches Material. Die Dinge seien unhaltbar

geworden, weil man mißbräuchlicherweise einen Druck auf die Bevölkerung auszuüben versuche, insbesondere auf die Deam- t e n, daß keiner mehr sich getraue, seine Pflicht zu tun und die Staatsinteressen draußen zu ver­treten. Die Zahl der Briefe sei Legion, die an ihn gekommen find und in denen es heiße, daß sich kein Mensch mehr über die Straße traue und keiner mehr wage, seine Meinung in der Oeffent» lichkeit zu sagen, daß man gesellschaftlich und ge­schäftlich boykottiert werde, ja das Wort vom Köpferollen" werde draußen den Leuten jeden Tag vorgehalten. (Lebhaftes hört, hört!) Das sei eine Methode und ein System, das bekämpfens­wert und bekämpfensnotwendig sei, da man die übrige Bevölkerung Bayerns unter einen un­erhörten Terror sehe, wie man ihn noch nie erlebt habe. Dabei sagt man: Wir sind die Deutschen, wir sind allein das deutsche Volk und wir können allein Deutschland wieder zur Freiheit führen. Um deutsch zu sein, muß man in erster Linie wahrhaftig sein (Lebhafter Beifall) und deutsch sein, heißt, dem Rebenmen- schen gegenüber anständig sein. Ich habe dafür zu sorgen, daß unsere friedliebenden und an­ständigen Leute sich anständig im politischen Leben betätigen können, und habe weiter dafür zu sorgen, daß die Beamten unter allen UmständenausdemDruckundTerror herauskommen, in den man sie versehen will, damit andere mit Gewalt bei uns die Macht ergreifen können.

Oer Frontkämpfer Adolf Hitler

Auf die Zuschrift aus nationalsozialisti­schen Kreisen unserer Leserschaft erhalten wir folgende Erwiderung:

Der Frontkamerad Adolf Hitlers legte beson* beren Wert auf bie Tat, burch bie Hitler einigen Kameraben das Leben rettete. Warum er gerabe das so hervorhebt, ist mir nicht begreiflich, denn es haben doch Tausende andere die glei­chen und noch viel größere Heldentaten voll­bracht. Wäre Herr Hitler heute nicht Führer der RSDAP., so würde kein Hahn nach seinen früheren Heldentaten krähen. Aber die Ver­öffentlichung sollte offensichtlich eine Wahl­propaganda für Hitler fein. Wenn alle anderen Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl auch ihre Heldentaten während des Krieges veröffent­lichen wollten, da könnte man ganz anderes hören und lesen. Der Herr Reichspräsident v. Hindenburg hat sich bei Kriegsbeginn freiwillig dem deutschen Volke zur Verfügung gestellt und er hat die deutschen Farben sieg­reich im Osten verteidigt. Wenn Reichspräsident v. Hindenburg seine Heldentaten veröffentlichen wollte, was könnte man da Bücher und aber­mals Bücher schreiben. Aber der Herr Reichs­präsident hat es nicht nötig, mit solchen Mitteln in den Wahlkampf einzugreifen. Für ihn war es eine Selbstverständlichkeit, daß er dem deutschen Volke diente. Er betrachtet sich selbst als obersten Diener der deutschen Re­publik. Kein anderer Rame hat im In- und Aus­lande so viel Geltung, wie der des Herrn Reichs*