Einzelbild herunterladen

Aus der Provinzialhauptüadt.

Gießen, den 8. März 1932.

Oie Mädchen und die Ehe.

Man hört immer die Behauptung, daß ein Mädchen di« Ehe herbeifehnt. nur um versorgt zu sein.

Selbst heute, wo die Zahl der Drotverdiener sich erschütternd von Tag zu Tag verringert, wo das Tieftraurige Ereignis wurde, daß wegen Rot Ehen kaum noch geschlossen werden können, glaubt man nicht an die Echtheit der Versicherung, daß die meisten Mädchen wahrlich nicht um dec Ver­sorgung willen heiraten wollen.

Man braucht nur die Millionen verdienender Mädchen zu betrachten, die yern bereit sind, den Arbeitsplatz mit einem bescheidenen eigenen Haus­stand zu vertauschen.

Selbst das Mädchen in gehobener Stellung würde gern feinen Schreibtisch verlassen, um am eigenen kleinen Gasherd kochen und Wirtschaften zu können. Lind selbst, wenn sie härter arbeiten müßte und nicht die vielen Freiheiten genießen könnte, die Dermf und Gehalt ihr gewähren.

Man wird einwenden: Diese Zeiten sind vor^ bei! Das war der Fall, als die Mädchen noch nach dem Herzen oder dem Magen des Mannes zielten. Heute zielen sie nur nach den Augen. Schminke und Lippenstift sind ihre Waffen, mit denen sie den Mann besiegen oder verwirren wol­len. Das trifft alles nicht den Kern der Frage. . Aus dem tiefen Gemeinsamkeitsgefühl heraus rst jedes natürliche Mädchen auch heute noch bereit. Beruf und Einkommen aufzugeben, um Sorgen, Liebe und Leid zu teilen, um für jemanden, der zu ihr gehört, arbeiten zu können, um für je­manden, den sie liebt, leben zu können. Alle« an­dere ist Geschwätz. , , _

Auch weiß das Mädchen von heute, daß em Glück, das in einer bescheidenen Zweizimmerwoh­nung beginnt, im allgemeinen länger vvrhält, als wenn das junge Paar in sorgloser Pracht sein gemeinsames Leben beginnen kann, was heute ver­einzelt ja auch noch vorkommt.

Darum sind die Mädchen mit wenigem zu­frieden, wenn das Wenige nur das Eigene ist. Und letzten Endes alles um Liebe.

Ob wir uns noch so hoch dünken in all unserer Weisheit, ob wir noch so tief leiden in all un­serer Rot, ob wir klug oder dumm, Helden oder Sklaven von unserer selbst sind: es gibt nur einen endgültigen Grund des Lebens, im Anfang und im Fortschritt: Es geht alles um die Liebe eine- Mannes, oder um die Liebe einer Frau. M. QL

Gietzener Wochenmarktpreise.

Gießen, 8. März. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 130 Pf.. Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing 10 bis 20 (pro Zentner 12 bis 15 Mk), Weißkraut 10 bis 12 (pro Zentner 6 bis 6,50 Mk.), Rotkraut 10 bis 15 (pro Zentner 8 bis 10 Mk.). Kartoffeln 4 (pro Zentner 3 bis 3,50 Wk.), gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 30, Unterkohlrabi 6 bis 8. Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 30, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 50 bis 70. Zwiebeln 18 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Dörrobst 25 bis 30, Birnen 10 bis 12, Aepfel 8 biS 15, Rüsse 35 bis 40, Honig 40 bis 50, Suppenhühner 80 bis 90, junge Hähne 80 bis 90 Pfennig pro Pfund: Tauben 60 bis 70, Eier 8, Blumenkohl 30 bis 70, Oberkohlrabi 8 bis 10, Endivien 15 bis 30, Salat 25 bis 30. Lauch 5 bis 10. Rettich 10 bis 15. Sellerie 10 bis 40, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: .... Vater sein dagegen sehr!", 20 bis 22.30 Uhr. Hindenburg-Ausschuß für Ober­hessen und Gießen, 20 Uhr, Eafö Leib, Kundge­bung. TV., imAugustine?' Monats-Ver­sammlung. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Vik­toria und ihr Husar".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, Erstauf­führung des Lustspiels ..... Vater sein dagegen

sehr!" von Edward C h i l d s - Carpenter in der deutschen Bearbeitung von Sil-Vara. Ein neues Stück, das überall großen Erfolg hatte. Die Aufführung steht unter Spielleitung von Karl Heys er. Mitwirkende: Damen: Koch. Sachse, Schubert-Oüngling, Wielander. Herren: Bruck, Geiger, Hauer, 3anscheck, Kühne. Schelcher. 21. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Be­ginn: 20 Uhr, Ende: 22.30 Uhr. Morgen. Mittwoch, 9. März, 19 Uhr, Sondervorstellung des deutschen Märchens von Carl Zuckmaher Der Hauptmann von Köpenick". Auswärtige Besucher erhalten gegen Vorzeigung ihrer Sonn­tagsrückfahrkarte, die auch am Mittwoch für Theaterbesucher ausgegeben werden, zum Aus­gleich ihrer Fabrtunkosten ermäßigte Preise. Die Rückfahrt der Gäste ist gesichert, da die in Frage kommenden Züge der Reichsbahn, sowie die Wa­gen der Kraftpost am Bahnhof auf das Ein­treffen de- Theateromnibusses warten. Gut­scheine haben Gültigkeit. Spielleitung: der Inten­dant: Titelrolle: Peter Fassott. Ende: gegen 23 Uhr.

DaS Kammerorchester der Volks­hochschule schließt das diesjährige Winter­semester mit einem musikalischen Volkskunstabend ab, der Werke von Mozart, Stamih und 3. ©. Bach bringt. Don Mozart eine Sinfonie vom Jahre 1769, also vom 13jährigen Meister, dann eine Sinfonie von 3oh. Stamih, dem berühmten Mannheimer Virtuosen. Schließlich ein humor­volles Stück von 3. S. Dach, das den Meister von der lustigsten Seite zeigt: die Kantate:Mer Han en neue Oberkeet", die eine Huldigung deS Gutspersonals an seinen neuen Herrn, den Kam­merherrn Karl Heinrich v. Dieskau, darstellt. 3n Rezitativen und Arien bringen die beiden So­listen, Sopran und Baß, allerlei gute Ratschläge und Bitten an, bis sie zum Schluß in einem Duett zum Gang in die Schenke auffordern, um das freudige Ereignis der Begrüßung eines neuen Herrn gebührend zu begießen. Da dieses Werk selten aufgeführt wird, dürfte sich der Besuch lohnen. Die Solopartien werden von Frau Minna Wolf (Sopran) und Herrn Paul Schmidt (Daß) gesungen. Die Leitung hat Musiklehrer Franz Bauer jr. (Siehe heutige Anzeige.)

Der Hindenburg - Ausschuß für Gießen und Oberhessen lädt im heutigen Anzeigenteil noch einmal zu der öffentlichen Ver­sammlung heute abend im Caf6 Leib ein. Mini­sterialrat von Keudell -Berlin und Pfarrer V e i t h - Frankfurt a.M. werden über das Thema Hindenburg oder Hitler?" sprechen.

Christliche Vorträge von Pfar­rer R. Waldschmidt. Heute, Dienstag, und morgen, Mittwoch, finden im Gasthof »Zum Ha-

Oie Jagd

Mag auch im März die Witterung manchmal, wie z.D. im Vorjahr, noch recht winterlich sein, so tritt dem Weidmann doch draußen im Revier schon überall Frühlingsweben entgegen.

3m Rotwildrevier werfen die starken Hirsche ab. Kahlwild und geringe Hirsche stehen meist im Rudel zusammen.

3m Schwarzwildrevier trennen sich bk tragenden Dachen von der Rotte, um in ruhigen, großen Dickungen zu frischen. Der weidgerechte Jäger kennt den Schuß auf die führende Dache nicht, der die armen kleinen Frischlinge zum Hungertod verurteilen würde.

Das Rehwild findet in Laubwaldrevieren noch überall Sicheln, aber wenn die Sonne die junge Saat frisch ergrünen läßt, tritt es auch gern auf die Felder aus. Rach den trüben Er­fahrungen des Vorjahre- ist dann das Vor­handensein reichlich beschickter und häufiger Salz- lecken eine zwingende Rotwendigkeit, um sich vor Schaden zu bewahren.

Für das Riederwildrevier ist der Witterungs­verlauf des Monat« von besonderer Bedeutung, denn der erste Sah 3unghasen wird nun ge­fetzt, der trockene Kälte ganz gut übersteht, aber unter einem nassen Frühjahr außerordentlich leidet.

Die starken Schofe der Enten lösen sich auf, soweit es sich nicht etwa um nordische Arten auf dem Zuge handelt, und die März- oder Stockente tritt in die Reihzeit.

Der Schnepfen strich kann morgen» und abends ausgeübt werden, während man von anderen 3agdarten im Frühjahr unbedingt ab- sehen sollte. Auf nassen Wiesen liegt die Sumpf- schnepfe und reizt zu schnellem Schuß.

Der Fasanenhahn tritt in die Balz. Sind Hähne in der Ueberzcchl vorhanden (man rechne etwa fünf Hennen auf einen Hahn), dann ge­stattet das Gesetz noch den Hahnenabschuß, der bei starkem Mißverhältnis auch durchgeführt werden sollte, wenn das Brutgeschäft nicht starke Störun­gen erfahren soll.

Die Rebhühner beginnen mit der Paarung. Wo der Heger in kleinen Remisen für Schutz

im März.

sorgte, seht die Legetätigkeit meist früh ein, be­sonders nach mildem Winter.

Gegen Monatsende treten auch Auer - und D i r k w i l d in die Balz.

Die Raubvögel beginnen zu horsten.

3m Fuchsbau finden sich oft schon Junge, auch der Dachsbau, dessen Bewohner Schon­zeit haben, hat sich in eine Kinderstube ver­wandelt.

UeberaH wächst junges Tierleben heran. Das legt dem Revierinhaber oder seinem Schuh- personal die Pflicht auf, besonders eifrig hinter den Feinden feiner 3agd her zu fein. Denn Ge­fahr droht gerade jetzt in der mannigfachsten Gestalt. Es fei deswegen vor allem darauf hin­gewiesen, daß das Beschneiden, Ausroden und Abbrennen der Hecken, sowie das Absengen der Bodendecken auf Wiesen, Hängen, Oedland usw. zum Schuhe der Vogelwelt und der Riederjagd ab 1. März laut Artikel 8 des Hessischen Ratur- schuhgesetzes verboten ist. Man bringe jeden Täter zur Anzeige und sorge vor allem dafür, daß die Väter für ihre meist als Brandstifter in Betracht kommenden Kinder einzutreten haben. Denn der entstehende Schaden ist für Obstbau, wie 3agd gleich empfindlich. Dann achte man auf Katzen, die sich draußen Herumtreiben. Das er­wähnte Gesetz gibt aus gleichen Gründen das Recht zu ihrem Abschuß. Besonders gefährlich für das Jungwild sind jagende Hunde. Auch die Krähe, der schlimmste Feind der Riederjagd, beginnt mit dem Restbau. Die meisten Revier­inhaber ahnen nicht, wieviel 3unghäschen oder Enten-, Fasanen- und Hühnergelege ihre Opfer werden. Abschuß am Horst oder Bekämpfung mit Phosphoreiem müssen helfen, den Schaden einigermaßen zu verhüten. Schließlich sei noch das Hermelinwiesel erwähnt, das man in Kasten- fallen unschwer erbeuten kann. Wer alle diese Mühen nicht scheut und auch zur Zeit, wenn Rutzwild fast durchweg Schonzeillhcll, sein Revier begeht, wird auch in sonst sch echten Jahren immer mit erträglichen Strecken rechnen dürfen. Auch hier heißt es:Sich regen, bringt Segen!"

Hubertus.

berkasten" (Landgraf-Philipp-Platz 9) christliche Vorträge statt. Das, Thema für den Vortrags­abend am DienStaä lautet:Das Ende des Mammons", für Mittwochabend:Der wahre Gottesdienst". Räheres ist auS der heutigen An­zeige ersichtlich.

** Die Preisüberwa ch u ng in Hessen und Hessen-Nassau. Mit Wirkung vom 7. März hat der Reichskommissar für Preisüber­wachung die Befugnisse zur Ueberwachung der Preise den obersten Landesbehörden übertragen. Ausgenommen ist das Gebiet des Landes Hessen und der preußifchen Provinz Hessen-Nassau. Hier bleibt im Einvernehmen mit den beteiligten Landes­regierungen der zur Zeit bestehende Zustand zu­nächst aufrechterhalten. Die Befugnisse des Reichs- kommifsars für Preisüberwachung werden sonach hier bis auf weiteres von dem bisherigen Beauf­tragten, Stadtrat a. D. Dr. Langer in Frankfurt, wahrgenommen

** Forftperfonalie. Der Amtsoorstand des Forstamts Ulrichstein, Forstmeister Karl D e s ch In Ulrichstein, wurde in gleicher Diensteigenschaft vom 1. März ab in das Forstamt Eberstadt versetzt.

** Die Reifeprüfung beftanben. Die am 5. März unter dem Vorsitz des Ministerialdirek­tors Urstadt an der hiesigen Oberrealschule abge­haltene Reifeprüfung bestanden sämtliche Prüflinge des Gießener Pädagogiums.

**Sexuelle Röte und ihre Heilung." lieber dieses Thema sprach wie man uns berich­tet Dr. Hermann Heisler im überfüllten Hör- fna( 33 der Universität. Er behandelte das schwierige Thema mit vornehmen Takt und reifer Menschlich­keit. Die Schwächen des Paragraphen 218 wurden aufgewiesen, um zu zeigen, wie hier Gesetzesvara- graphen nicht helfen können, sondern nur die Pflege und Erziehung zur Menschenwürde. Dieser Ruf nach Verantwortlichkeit gilt vor allem den Frauen, die etwas in ihrer Frauenwürde verletzen, wenn sie die Hand dazu bieten, keimendes Lebenau töten. Das Kind kann und darf nicht von dem Wesen der Ehe gelost werden, sonst sinken die Menschen auf die Stufe nur geschlechtlicher Wesen herab. Deswegen kann die sog.Kameradschaftsehe", wie sie der Ame­rikaner Lindsey empfiehlt, keine Lösung fein; bei Lindsey wird der Mensch vornehmlich als leibliches Wesen betrachtet, Seele und Geist treten zurück. Weckung des Geistesbewußtseins ist die wirksamste Waffe tm Kampfe gegen eine die Uederhand ge­winnende Leiblichkeit und gegen ihre Triebe. Das gilt es vor allem in der Pädagogik anzuwenden. Der Redner erläuterte die Erziehungsart der Freien Walddorffchule in Stuttgart, wie dort die Kinder in den Entwicklungsjahren nicht in einseitiger Weife aufgeklärt" werden, sondern der ganze Aufbau des Unterrichts so ist, daß die Kinder zum Erleben des geistigen Wesens des Menschen und zur Erfahrung geistiger Mächte und Ideen geführt werden, fo daß auf diese Weise das Gegengewicht geschaffen wird zur chaotisch wirkenden Triebwelt. Aus der Fülle der Ausführungen fei nur noch erwähnt, wie Dr. Heisler dem religiösen Leben eine wichtige Rolle im Streben nach Verwirklichung der Menschenwürde zuwies. Ein religiöses Leben, das bloß gefühls­mäßig eingestellt fei, könne allerdings in der Aus­einandersetzung mit der Triebnatur des Menschen nicht helfen, wohl aber ein solches, das auch Denken und Wollen des Menschen ergreift und erzieht. Die­ses religiöse Leben wird allein in der kultischen und sakramentalen Gestalt gepflegt werden können, dem von diesem Gesichtspunkt aus gesehen eine große Wichtigkeit zukommt. Eine Aussprache schloß sich an den Vortrag an.

Oberheffen.

Lanorreis Gießen.

± Leihgestern, 7. März. Einen interessan­ten Vortrag hielt in unserem Frauenverein Fürsorgeschwester Lotte E i ch m e i e r überSäug­lings- und Kinderpflege". An Hand sehr guter Lichtbilder zeigte sie daS Werden und Wachsen des Kindes im ersten Lebensjahr, überall auf die Gefahren hinweisend, die dem Säugling durch unsachgemäße und verkehrte Behandlung drohen, ja vielleicht fein ganzes Leben nachteilig beein­flussen können. Wie erfolgreich auf oiesem Gebiet gewirkt worden ist, ging daraus hervor, daß die Kindersterblichkeit im ersten Lebensjahr seit etwa 20 3ahren von 20 v. H. auf 5 v. H. zurückge- gangen ist. Es kann deshalb der Besuch derartiger Vorträge nicht genug begrüßt und auch empfohlen werden. Mit einem kurzen Dank an die Rednerin

und Rektor L o tz, der den Lichchilderapparat zur Verfügung gestellt, schloß der Abend.

--- Lang-Göns, 7.März- Am Samstag­abend entstand im Hause des Händlers Karl Weiß ein Schadenfeuer, verursacht durch einen Kaminbrand, das glücklicherweise vom Hausbesitzer bald bemerkt und mit Hilfe einiger beherzter Rachbarn gelöscht werden konnte. Als die Feuerwehr, die gerade Hebung hatte, an* rückte, war das Feuer fast ganz gelöscht. 3mmer- hin entstand ziemlicher Schaden am Dach, auch sind Waren verbrannt.

P Birklar, 7. März. Bei der gestrigen Dei- geordnetenwahl stimmten von 322 Wahl­berechtigten 289 ab; das sind 90 v.H. Es er­hielten Landwirt Heinrich Wagner 155, Ar­beiter Wilhelm Wolf 132 Stimmen, zwei Stim­men waren ungültig. Ein dritter Wahlvorschlag, auf Landwirt Heinrich Schneider lautend, wurde vor der Wahl zurückgezogen. Landwirt Heinrich Wagner ist mithin gewählt.

Wr. Odenhaufen, 7. März. Am Sonntag hielt der Kriegerverein feine Generalver­sammlung ab. Der Vorsitzende, Bahnhofsmeister i. R. Weber, erstattete den Tätigkeitsbericht über das verflossene 3ahr und gedachte des ver­storbenen Kameraden Lehrer Höchst. Rach Er­ledigung der Kassengeschäfte fand die Vorstands­wahl statt. Da der zweite Vorsitzende, Kamerad Konrad, zum Ehrenmitglied ernannt worden war, wurde sein Sohn an dessen Stelle, und als neuer Rechner Wilhelm Peter gewählt. Der übrige Vorstand wurde wiedergewählt.

Kreis Friedberg.

0 Gambach, 7. Märh. Der hiesige Gesang­vereinHarmonie" und der Turnver­ein hielten gemeinsam einen Familienabend ab. Rach dem einleitenden Marsch einer Kapelle von Schülern des Hochschen Konservatoriums zu Frankfurt und einem Dorfpruch (Frl. Meta R ä ck), hielt der Vorsitzende des Gefangvereins eine kurze Begrüßungsansprache. 3m weiteren Verlaufe des Abends wechselten musikalisch« und gesangliche Darbietungen miteinander ab. Der GesangvereinHarmonie" fing unter der Leitung seines Dirigenten Rern einige Lieder, die von guter Schulung der Sänger Zeugnis ablegten. Eine Riege deS Turnvereins zeigte unter der Leitung des Turnwarts Otto Decker prächtige Leistungen am Barren und neue Freiübungen, die im Laufe des Abends mit Mufikbegleitung wiederholt wurden. Der zweite Gauvertreter der DT. K.Schneider (Butzbach) hielt eine sehr beifällig aufgenommene Ansprache. Die Mitglie­der bed Gesangvereins 3. Ph. Metzger und K. Kretzmüller wurden für langjährige treue Dienste zu Ehrenmitgliedern ernannt. Mit einem Schlußwort deS langjährigen Vorsitzenden des Turnvereins, Karl Ohlemuh, fand der schöne Abend seinen Abschluß.

Kreis Alsfeld.

II. M e r l a u, 7. März. Am Samstag fand hier di« 3ahreshauptverfammlung der Elektrizi * tätsgenossenschaftMerlau statt. Da der 1.Vorsitzende Schneidmüller auf eine Wie­derwahl verzichtete, wurde für ihn O. Kauf­mann gewählt. Durch Rechner Schlosser wurde die Bilanz vorgelegt, die von der Ver­sammlung genehmigt wurde. Der Strompreis wurde von 35 auf 30 Pf. pro Kilowattstd. ermäßigt.

Kreis Spotten

V Gedern, 7. März. Der Gesangver­einLiederkranz" hielt dieser Tage feine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Anton Hoffmann erstattete den Geschäftsbericht, aus dem zu ersehen war, daß sich der Verein weiter* hin gut entwickelt hat. Die Rechnungsablage, von Vereinsrechner Heinrich Erk erstattet, wies ein Guthaben von 200 Mk. aus und wurde ge­nehmigt. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt. Die Vorstandswahl brachte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Krankenkafsenrechner A. Hoff­mann, 2. Vorsitzender Wagnermeister K. Bie­ge r jun., 1. Schriftführer K. Funk, 2. Schrift­führer W. Hoffmann, Rechner H. Erk, Bei- fitzev Gg. Haas, W. Diehl und Gg. O s - ner, Archivar Heinrich Höhl, Rechnungsprü­fer 3. Oberhe i m und H. Hagel. Für regel­mäßigen Besuch der Gesangsstunden wurde wie­der eine Anzahl Sänger ausgezeichnet. So bekam Otto Hoffmann bereits den dritten Ghren- 6rief mit einer Ehrennadel überreicht; den zwei­ten Ehvenbrief erhielten Hermann Reichert,

Hermann Haas II., Kurt Gregor und Äarl Buß. Zum erstenmal wurden Anton Hoff» mann, Heinrich Erk, Heinrich Höhl, Hein­rich Ising, Hermann Ober he im, Hein- rid) Schmidt, Wilhelm Ruhl, Wilhelm Dieger (Schlosser), Wilhelm Bieger (Schnei­der), Richard Henkel, Reinhard Ober heim, Rudolf Ober he im, Heinrich Sinn, Otto 3 ä g e r, Heinrich Grüning, Wilhelm Firn- ges und Wilhelm Hämmerle mit dem Eh­renbrief bedacht. Zum stellvertretenden Chorlei­ter wurde Hennann Oberheim bestimmt. Der Leiter unserer Volksschule, Lehrer Georg Riedel, wurde zum Rektor ernannt. Dis durch den Tod des Postmeisters Göllner frei­gewordene Po st Verwalter st eile am hie­sigen Postamt wurde dem neuen Vorsteher Bruno Schmöker, Gießen, übertragen.

preutzen.

Kreis Wetzlar.

cf Vetzberg 5.März. In der jüngsten Ge- meinderatssltzung wurde die Gemeinderech- nung von 1930 abgenommen. Die Rechnung schließt in Einnahme mit 30 528,48 Mark, in Ausgabe mit 28 319 Mark ab, der Bestand beträgt 2209,48 Mark, die Einnahmereste belaufen sich auf. 2429,14 Mark. Die Vertretung beschloß ferner, dem Arbeiter-Turn« und Sportverein auf einem abgeholzten Wald- grundstück das für die Anlage eines-»Sportplatzes erforderliche Gelände zur Verfügung zu stellen.

0 Groh-Rechtenbach, 5. Marz. 3n der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde einem Antrag auf Ermäßigung des Strom­preises entsprochen. Der Gemeinderat beschloß« den Preis für Licht- und Kraftstrom um 5 Pf. pro Kilowattstunde herabzufehen. Die Zähler­miete soll bestehen bleiben. Der Ausbau eines Brandweihers soll nach einem an­deren, billigeren Projekt als dem vorgesehenen vorgenommen werden.

Amtsgericht Gießen.

Eine Verhandlung wegen Körperverletzung ent­behrte nicht eines politischen Hintergrundes. Sie griff zurück auf eine in der Gesindestube eines benachbarten Hofs zwischen einem Fuhrknecht und einem Arbeiter geführte Unterhaltung über hessische Politik, insbesondere über die Doxhei- mer Affäre und ihre politischen Folgen. Der an* geklagte Knecht geriet wegen der Aeuherungen des Arbeiters, durch die er sich persönlich an­gegriffen glaubte, in eine derartige Erregung, daß er zu feinem Taschenmesser 'griff und seinem Widersacher in die linke Brustfelle einen Stich beibrachte, der aber schliistme Folgen nicht nach sich zog. Doch vermochte das Gericht, da es sich um den Gebrauch eines Messers mit seinen nie voraussehbaren Folgen handelte, der Angeklagte auch schon vorbestraft war, trotz feiner Erregung und feines reuemütigen Geständnisses ihm mil­dernde Umstände nicht zuzubilligen. Es erkannte auf eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Es ist dies die geringste Strafe, die das Gesetz für derartige Körperverletzungen im Falle des Ver­sagens mildernder Umstände vorsieht.

Roch eine andere Körperverletzung stand zur' Verhandlung. 3hre Beglellumständeließen sie als eine ganz besonders rohe Mißhandlung erscheinen. Ein Viehhändler aus dem Hinterland besuchte den hiesigen Viehmarkt. Beim Führen und Halten deS Viehs war ihm eine junge Frau behilflich, dis auch das Ausmelken des verkauften Viehs übernommen haben wollte, auch bereits einen Eimer Milch gcmollen hatte und diesen gerade trug, als der Angeklagte erschien und einen Wort­wechsel mit der Frau anfing, der schließlich da­mit endete, daß er in seiner Erregung dieser mit feinem Stock einige Hiebe und Stöße in die Un- terleibsgegend versetzte, die eine Reihe von Stria* men hinterließen und sie zwei Wochen lang nahe­zu arbeitsunfähig machten. Die Frau befand sich m anderen Umständen. Ein entrüsteter Zu­schauer wies den Angeklagten hierauf hin. Dieser erwiderte aber zynisch, der Zustand der Frau sei ihm ganz egal. Der seither unbestrafte Ange­klagte erhielt unter Annahme mildernder Um­stände eine Geldstrafe von 60 Mk.

Ein Autofahrer, der drei Fahrgäste mit sich führte, schnitt mit feinem Personenwagen scharf die Kurve SüdanlageFrankfurter Straße an­statt, wie dies Vorschrift, einen weiten Bogen nach links zu machen, so daß ein entgegenkommen­des Auto nur durch starkes Bremsen und Halten einem Zusammenstoß entging. Er erhielt die üb­liche Strafe. Um freigesprochen zu werden, berief er sich auf das Zeugnis feiner Fahrgäste, das von denjeingen einiger Zeugen, die den Unfall von der Straße aus beobachtet hatten, abwich. Auf Grund gemachter Erfahrungen legte aber das Ge­richt auf die Aussagen der Letzteren das größere Gewicht in der Erwägung, daß Zuschauer von der Straße aus besser in der Lage find, di« Situation zu übersehen als Wageninsassen, deren Aufmerksamkeit zudem durch andere Dinge, wie Unterhaltungen und dgl. leicht abgelenkt zu werden pflegt.

Kleine Strafkammer Gießen.

* G i e fj e n, 4. März. An der Wegkreuzung Lie- bigstraße-Ludwiastraße waren ein Lastkraftwagen und ein kleines Auto zusarnmengestoßen. Der Last­wagen war von der Frankfurter Straße hergekom- men, das Auto fuhr, von der Stadt kommend, den Berg hinaus. Durch den Zusammenstoß waren di« beiden 3nsassen des Autos leicht verletzt und der Wagen beschädigt worden. Gegen das frei* sprechende Urteil des Amtsgerichts ver­folgten die Staatsanwaltschaft und der Reben­kläger Berufung. Rach eingehender Verhandlung wurde das erste Urteil bestätigt. Ein Verschulden des angeklagten Lastkraftwagenführers konnte nicht festgestellt werden. Er hatte Signal gegeben und war, wenn auch nicht auf der rechten Seit«, so doch auch nicht zu well links gefahren. Da nach der Ansicht des Gerichts, die allerdings von einem Autosachverständigen nicht geteilt wird, Liebig- und Ludwigstraß« nicht Im Verhältnis von Hciupt* und Rrbenstraße stehen, sondern gleichgeordnet sind, hatte er außerdem das Vorfahrrecht. Danach wurde das erste Urteil bestätigt.

Ein Gemeinderatsmitglied hatte einem Kreis­direktor und einem Beamten der Kreisdirektion in einer Wirtschaft nachgesagt, sie hätten Unter­schlagungen begangen. Wenn er wolle, könne er sie vor den Staatsanwalt bringen. Den Beweis für die Wahrheit seiner Behauptungen konnte er nicht erbringen, machte auch keinen ernstlichen Ver­such dazu, sondern suchte sich darauf hinauszu- reden, er habe eigentlich etwas anderes gesagt. Durch die Beweisaufnahme wurde er jedoch über­führt und seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts, durch das er wegen übler Rach­rede zwei Wochen Gefängnis erhallen hall», als unbegründet gutüdgetolef en