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erst in den Nachmittagsstunden allmählich bekannt wurden, erhebliches Befremden ausgelöst. An sich und nach der Rechtslage ist Deutsch­land nicht autorisiert, wegen dieses lieber- grisfes des litauischen Gouverneurs Merkys Maß­nahmen zu ergreifen. Das vielmehr Sache der vier Signatarmächte der Memelkonvention. Diese Konvention, am 30. Juli 1924 abgeschlossen, besagt in Artikel 17, daß der Präsident vom Gouverneur ernannt wird und solange im Amt bleibt, als er das Vertrauen des Landtages besitzt. Die­ses Vertrauen hat Präsident Böttcher im vollen Umfange besessen, was ihm noch unlängst durch ein mit Zweidrittelmehrheit erfolgtes Vertrauens- votum bestätigt worden ist Es stellt also einen Bruch des Memel st atuts dar, wenn von litauischer Seite bzw. von dem Gouverneur Bött­cher aus dem Amt entfernt wurde, obwohl weder ein Rechtsgrund, noch auch nur ein stichhaltiger Vorwand dafür bestand.

Die Unterzeichner der Konvention sind Großbritannien, Frankreich. Ita­lien und Japan. An diesen Mächten liegt es deshalb, mit jeder denkbaren Beschleunigung ein Verfahren herbeizuführen, das den Rechts­bruch in Memel torregiert und die Verantwort­lichen zur Rechenschaft zieht. Da das Ereignis auch in Genf größtes Befremden und eine ziemliche Erregung ausgelöst hat, darf erwartet werden, daß ein Eingreifen des Völker­bundsrates sofort herbeigeführt wird, wozu erforderlichenfalls eine besondere Rats» sitzung notwendig sein dürfte Schon die Be­mühungen, die Ereignisse zunächst dadurch der Außenwelt gegenüber geheimzuhalten, daß die telephonischen und telegraphischen Verbindungen Memels mit den Plätzen jenseits der Grenze län­gere Zeit unterbrochen waren, deuten nicht auf ein starkes Rechtsbewußtsein der litauischen Machthaber hin, wenn auch nachträglich, nachdem die Vorgänge bekanntgeworden waren, in dem Kommunique ein lahmer Rechtferti­gungsversuch für den Gewaltstreich versucht wurde.

Litauen sucht Vorwände für seinen Rechtsbruch.

Kowno 6. Febr. (WTB.) Zu den Vorgängen im Memelgebiet wird von der litauischen Regie­rung erklärt, der Präsident des Memel-Direkto- riums, Böttcher, habe dem memeUändischen Landtag am 25. Januar erklärt, daß er als Privatperson an den Verhandlun­gen im Reichsernährungsministeri. um in Berlin teilgenommen habe. Rach litauischen Angaben habe es sich jetzt jedoch her- ausgestellt, daß Böttcher als amtliche Per- f o n an den -acr^iulangen teügenonunen habe. Die litauische Regierung stehe daher auf dem Standpunkt, Böttcher habe gegen dieSouve- ränität des li tauischen Staates ver­stoßen. Dies wäre ein außergewöhnlicher Vor­fall, derimMemel-Statutnicht berück- s i ch t i g t sei. Böttcher hätte sich geweigert, dem Befehl des Gouverneurs nachzukommen und wäre daher verhaftet worden. Einer Kandida­tur eines neuen Präsidenten aus den Reihen der Mehrheitsparteien stände nichts im Wege.

Entgegen dieser Auffassung der litauischen Re­gierung erklärt die deutsche Gesandtschaft, daß die gewaltsame Entfernung Böttchers als ekla­tanter Rechtsbruch des Memel-Sta­tuts, Artikel 17, gewertet werden muß und daß diese Angelegenheit den Völkerbund be­schäftigen dürfte. (Artikel 17 des Memel- Statuts, Absatz 2, lautet: Der Präsident wird vom Gouverneur ernannt und bleibt so­lange im Amt, als er das Vertrauen des Landtags hat.) Das Vorgehen des Gou­verneurs Merkys gegen Präsident Böttcher soll auch dadurch eine Llnterstützung gefunden haben, daß die Ansichten derSignatarmächte der Memel-Autonomie in der Interpretation des Art. 17 des Memel-Statuts nicht einheit­lich seien. In der Stellungnahme des für Li­tauen freundlichen Standpunktes habe man li­tauischerseits geglaubt, eine Rückendeckung für die Maßnahmen gegen Böttcher gefunden zu haben. Demgegenüber wird festgestellt, daß eine Gewaltanwendung in keinem Falle gutgeheißen werden soll. Wenn Böttcher der Abberufung nicht Folge leistete und sich auf die Bestimmungen des Memeler Statuts berief, so habe es der litauischen Regierung freigestan­den, die Entscheidung des Völker­bundes herbeizuführen. Nachdem Merk s sein Ziel vorläufig erreicht habe, sei die litauische Staatsregierung bestrebt, die Reubildung des Direktoriums auf dem Wege der Legali­tät zu vollziehen.

Das Memelland abgesperrt.

Starke Kontrolle des Verkehrs nach Deutschland.

Berlin, 7. Febr. (TU. Funkspruch.) Wie der Montag" aus Tilsit, der Stadt an der Grenze zum Memelland, berichtet, sind neue Rach­richten über die Vorgänge im Memelgebiet nur schwer zu bekommen. Die Grenz­sperre ist verstärkt worden und die Telephon­verbindungen sind nach wie vorg e st ö r t". Litauische Spitzel behorchen sämtliche Telephon­gespräche. Der deutsche Generalkonsul in Memel mußte nach Tilsit kommen, um von hier aus ein Gespräch mit Berlin führen zu können. Rach dem, was aus Memel durchsickert, patrouillieren dort Soldaten durch die Stadt. Sie achten ängstlich darauf, daß sich keine Ansammlungen bilden. Harmlose Pas­santen, die im Gespräche stehenbleiben, werden auseinandergetrieben. Außerdem hat man im Memelgebiet Ja g d auf die Inhaber deutscher Pässe gemacht und ihnen diese abgenommen. 3m übrigen herrscht Ruhe. Trotz­dem aber hat man in Tilsit für die Deutschen im Memelland die schwersten Befürchtungen. Bei Pogegen, der ersten Station im Memelland, steht Militär am Bahnhof und die politische Polizei kontrolliert alle Pässe. Präsident B ö t t- cher soll am Sonntag nach Kowno ab- transportiert worden sein. Der Chau­vinismus der Litauer habe bereits über Bött­cher und den Pfarrer Podzus, den zweiten Verhafteten, das Urteil gesprochen. Beide sollen nach Gornh verbannt werden. Gorny ist ein Derbannungslager, in dem die Sträf­linge untergebracht werden.

Frankreichs neuer plan:

Der Völkerbund als Wachhund für Versailles.

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Tardieu:Gutes Tierchen, das Beißen wirst Du bei uns schon noch lernen!"

Zronische Ablehnung in MI en.

Rom, 7. Febr. (WTB.) Der französische Vor­schlag zur Bildung eines Völkerbundsheeres wird in der ganzen italienischen Presse als absurd abgelehnt.Corriere della Sera" meint, jede Diskussion über diesen Vorschlag sei nur Zeitoer., lüft. Wenn etwas daran interessieren könne, so seien es die Gründe, die Tardieu zu seinem Vorschlag ver- anlaßt hätten, mit dem eine internationale Polizei zur Ueberwachung des Ver­trages von Versailles geschaffen werden solle. Das einzige Interessante an dem Vorschlag sei die ewig sich gleichbleibende Mentalität der Franzosen und ihre Versteifung auf d i e Garan­tierung des status quo gegen jede mög­liche Aenderung, d. h. internationale Garantien zu- gunsten Frankreichs als Voraussetzung für jede Einleitung der Abrüstung und damit, wie das Blatt ironisch hinzusetzt, die Eröffnung des Wett­rüstens im Interesse des Friedens. Popolo d'Italia" sieht in dem französischen Vor- schlag einen neuen Versuch, um mit Hilfe des Völ­kerbundsheeres und eines bewaffneten Ueberstaa- tes Die Hegemonie Frankreichs in Europa aufrechtzuerhalten und yleichzeitig di,e Abrüstungskonferenz mit diesem Vorschlag zu torpedieren.

Auch Amerika gegen Tardieus Projekt.

Washington, 6. Febr. (WTB.) Die ameri­kanische Regierung ist aus zahlreichen Gründen gegen Tardieus Vorschlag einer Welt­polizei. Die Regierung wird Tardieus Vorschlag nicht offiziell kommentieren, sondern dies der amerikanischen Delegation überlassen. Der Aus­wärtige Ausschuß des Senates ist fast einmütig gegen den Vorschlag. Senator Feh, der Vor­sitzende der Republikanischen Partei, lehnte den Plan als völlig ungangbar ab; die Sena­toren Walsh, Moses, Glenn, Lafollette bezeich­

neten Tardieus 3dee als u n d i s k u t i e r b a r. Washington Post" erklärt: Der Plan ist le­diglich der Versuch, die übrige Welt als Panzer zum Schuhe Frankreichs ge­gen Deutschland zu benutzen. Tardieu hat die Konferenz sabotiert, bevor sie noch richtig in Gang gekommen war.

Starte Veden! en in England.

London 8. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zu dem französischen Vorschlag sagt »Times": er fei zwar ein ernstlicher Versuch, den Frieden und internationale Sicherheit zu fördern, doch weist das Blatt auf die Gefahr hin, die im Falle einer Meinungsverschiedenheit zwischen dem neuenLleberstaat undWashing- t o n entstehen würde. Auch würde ein derartiger Versuch die britischen Dominien unter eine zentrale Autorität zu bringen, zu einem Verfall des briti schenReiches führen. Die Rationen könnten nur veranlaßt werden, ein neues Gesetz anzuerkennen und durchzuführen, wenn ein Apparat zur Revision des internatio­nalen Rechtes und zur Dertragsrevision geschaf­fen werde. Roch entschiedener in der Ableh­nung äußert sich »M orning P o st", die sagt, daß der Plan die Sache des Friedens nicht fördere. Es sei schließlich kein Un­terschied, ob von den Flugzeugen des Völker­bundes oder von den Flugzeugen einer einzelnen Ration mit Bomben geworfen werde. Daily Telegraph" urteilt, der Plan habe trotz vieler anziehender Einzelheiten nicht mehr Aussicht auf Annahme durch Großbritannien als das Genfer Protokoll oder Driands Paneuropa, plan.Rews Chronicle" hält den Vor­schlag der Beseitigung des Gift- und Baztllenkrieges und der Beschießung oder Bombardierung von Städten weit hinter derGefechtszoneals wertvoll und annehmbar.

Oer Reichskanzler in Genf.

Genf, 7. Febr. (WTB.) Reichskanzler Dr. Brü- n i n g ist mit dem Berliner Schnellzug um 16.50 Uhr in Genf eingetroffen. In seiner Begleitung befanden sich der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Bülow und Reichspressechef Ministerialdirektor Dr. Zechlin. Der deutsche Gesandte in Bern Dr. Adolf Müller war dem Reichskanzler bis Frei­burg entgegengefahren. Beim Empfang hatten sich am Bahnhof die deutsche Delegation, an ihrer Spitze Botschafter R a d o l n y , vollzählig eingefunden, fer­ner der Untergeneralsekretär Dufour-Feronce, Ge­neralkonsul Dr. Völkers und zahlreiche Pressevertce- ter. Die deutsche Kolonie war ebenso wie die deutsche Studentenschaft außerordentlich stark vertreten. Eine zahlreiche Menschenmenge, darunter viele ausländische Journalisten, erwarteten mit ge­spanntem Interesse die Ankunft des deutschen Staats­mannes. Als Dr. Brüning den Zug verließ, brachte ihm die anwesende Menge begeisterte Kundgebungen dar, die sich bei seiner Abfahrt zum Hotel immer mehr verstärkten. Immer wieder wurden Rufe laut: Hoch Brüning!" Der Reichskanzler konnte sich nur mit Mühe den Weg zum Kraftwagen bahnen, der ihn mit seiner Begleitung zum Hotel Metropol brachte.

Auf der Fahrt nach Genf war der Reichs­kanzler verschiedentlich Gegenstand besonderer Be- grüßungskundgebungen. 3n Bern, wo ein kur­zer Aufenthalt erfolgte, erschienen zahlreiche Ver­treter der deutschen Kolonie und der deutschen Gesandtschaft. 3n Freiburg in der Schweiz hatte sich eine große Abordnung der deutschen Studentenschaft am Bahnhof eingefunden, um den Reichskanzler zu begrüßen.

Unmittelbar nach der Ankunft des Reichskanz­lers Im Hotel begannen innerhalb der Dele­gation die Beratungen. Der Reichskanzler stattete gegen Abend dem Präsidenten der Ab­rüstungskonferenz, Henderson, einen Besuch ab. Zur glichen Zeit hatte Staatssekretär v. B ü l o w Unterredungen mit dem englischen und mit dem italienischen Außenminister.

Eine Abrüstungskundgebung der Weltöffentlichkeit.

Genf, 6. Febr. (WTB.) Die Abrüstungskon­ferenz bot in ihrer Samstags-Vollsitzung, die der Entgegennahme privater Petitio­nen gewidmet war, den Anblick einer großen Kundgebung der Weltöffentlichkeit für Frieden und Abrüstung. Bei Beginn der Sitzung bewegte sich ein Zug von etwa 100 Vertreterinnen der verschiedenen Frauenorganifationen der ganzen Welt in den Konferenzsaal, wo Miß Mary Dingman im Ramen von 45 Millio­nen organisierten Frauen, und Frau Steen- X-e ® N g e ring (Holland) im Ramen der 25 Millionen Mitglieder der katholischen Frauen- vrganisationen sprachen und die gesammelten Un­terschriften - über 8 300 000 auf den Tisch des Hauses niederlegten. Danach sprach Dr Ooachim aXftllet (Deutschland) für die Gen­

fer Gruppe internationaler christlicher Organisa­tionen und nationaler Kirchen und Kirchenbünde. Lord Cecil sprach für die internationale Ver­einigung der Völkerbundsligen. - Er beschränkte sich auf die Erläuterung der im vorigen Jahr auf der Budapester Tagung angenommenen Ent­schließung, die eine 25prozentige Herabsetzung der Rüstungsausgaben fordert.

Don starkem Beifall begrüßt, verlangte der ehemalige belgische Minister Vandervelde die vollständige, allgemeine und kontrollierte Ab­rüstung, Aufhebung der Unterscheidungen zwi­schen Siegern und Besiegten, Aufrechterhaltung der aufgezwungenen Abrüstung, aber Ausdeh­nung auf alle Länder und schließlich internatio­nale Kontrolle, das seien die Gedanken, die der Aktion des internationalen demokratischen So­zialismus für die Abrüstung die Richtung geben. Als Vertreter des Internationalen Gewerk- schaftsbundes trat als letzter Redner der Franzose Jvuhaux entschieden für die allgemeine Ab­rüstung ein und betonte, daß Sicherheit schon bestehe.

Erbitterter Kampf um die Wusung-Forts.

Die Chinesen halten gegen japanische Angriffe stand.

Paris, 7. Febr. (WTB.) Wie die Agen­tur Jndo Pacifique aus Schanghai meldet, weht die chinesische Flagge immer noch über den Wusung-Forts, die von ja- panifchcsa Flugzeugen neuerdings bom­bardiert wurden. Man vermutet, daß ein Teil der 10. chinesischen Armee sich in dem Ford verschanzt hat. Zwei neue japanische Kriegs­schiffe sind vor Wusung aufgetaucht. Die Vor­hut der von Tokio auf den Weg gebrachten Di­vision, 900 Mann, wurde außerhalb der Wu- fungs-Forts gelandet. Kurz darauf wurde von den japanischen Zerstörern mit Unterstützung der gerade an Land gesetzten Mannschaften sowie meh­rerer Panzerautos das Feuer auf die Ortschaft Wusung eröffnet. Infolge der zerstörten Brücke über den Wusung-Bach konnten die Panzerautos nicht bis in das Dors Vordringen; sie beschränkten sich auf eine heftige Beschießung der von den Chinesen mit äußer­ster Tapferkeit verteidigten Ortschaft. Die Zivil­bevölkerung, zumeist arme Fischer, flüchtete panik­artig.

Die Verluste der Besatzung der Wu- fung-Forts durch daS japanische Geschützfeuer be­liefen sich in den letzten drei Tagen auf 30 Tote und 50 Verletzte. Zur Verteidigung, dieb i s auf den letzten Mann" fortgesetzt wer­den soll, verbleibt noch eine Besatzung von 250 Mann. Das Gelände gleicht einem Trichterfeld. Ein großer Teil der Fortgeschütze ist bereits aus­gefallen. Ein bei den Forts liegendes englisches Hotel wurde von japanischem Feuer schwer be- schädigt.

Aus aller Welt.

Tagung des RMchwirtschaftlichen Reichsverbande».

Der Deutsche Milchwirtschaftliche Reichsverband veranstaltete auch in diesem Jahre während der .Grünen Woche" eine Wintertagung. Der Vor­sitzende Staatsminister a. D. Prof. Dr. Fehr leitete die Verhandlungen. In der öffentlichen Hauptver­sammlung sprach Prof. Dr. Ritter von der Land­wirtschaftlichen Hochschule Berlin überDie Aus­sichten der deutschen Landwirtschaft". Im volkswirt­schaftlichen Ausschuß wurde eine Entschließung gefaßt, in der folgende Forderungen aufgestellt wer­den: Erhebung von Ausgleichszuschlägen für Käse­einfuhr aus Ländern mit Valuta-Entwertung ent­sprechend der jeweiligen Dalutaentwertung. Verdop­pelung der autonomen Käsezölle und Milchdauer­warenzölle. Freistellung des Milch- und Milchpro­duktenverkehrs von der Erhöhung der Umsatzsteuer, jedenfalls Streichung der ausländischen Milchpro­dukte von der Freiliste und Auflage einer Umsatz­steuer auf die Einfuhr von Milchprodukten in Höhe des inländischen Umsatzsteuersatzes bei Erhebung deL Zolles. Erhebung ausreichender Zölle auf Die Roh­stoffe der deutschen Margarineindustrie. Verteilung oer zollbegünstigten Butterkontingente auf Die Zeit Der knappen einheimischen Produktion, zum minde­sten auf das ganze Jahr.

Zwei Kinder im Auto verbrannt.

Ein schweres Drandunglück ereignete sich in Wandsbeck bei Hamburg auf einem Lager­platz, auf dem mehrere alte Lastkraftwagen stan­den. Zwei sechs- bis siebenjährige Jungen hatten auf einem Führerhäuschen eines der Automobile gespielt und dort anschei­nend auch Feuer gemacht. Plötzlich ereigneten sich hintereinander zwei schwere Explo­sionen des Benzintanks, durch die d a s Ä u t o in Brand geriet. Das Feuer ergriff das Führ er Häuschen mit solcher Schnelligkeit, daß die Kinder sich nicht mehr retten konnten. Beide Jungen wurden von der Feuerwehr, die sofort alarmiert worden war, überhaupt nicht bemerkt. Erst beim Aufräumen nach dem Ab­löschen des Automobilbrandes sand man die Leichen der beiden Kinder, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren.

Das Goldmacherexperlment in Paris mißglückt.

Der polnische Ingenieur D u n i k o w s k i hat in einem Pariser Laboratoium vor dem Unter- suchungsrichter und Sachverständigen seine Ver­suche, durch ein besonderes Verfahren Gold her- zustellen, ausgenommen. Bisher sind diese Ver­suche jedoch ergebnislos geblieben und konn­ten, da an den Apparaten gewisse Defekte auf­traten, nicht mehr zu Ende geführt werden. Dunikowski verlangt jetzt, daß ihm die Apparate zur Verfügung gestellt werden, mit denen er in Südfrankreich angeblich Erfolge er­zielt hatte, doch sind diese Apparate ver­pfändet.

2Hit dem gestohlenen Polizeipräsidentenauta auf Diebesfahrt.

In Wiesbaden wurde das Auto des Polizei­präsidenten Froitzheim gestohlen. Der Wagen ist ein Adler-Standard-Achtzylinder mit Golde- Schiebedach und dunkelgrünem Anstrich. Es führt die Rümmer I T 51 661 M. D. J. 365 331. Mit ^m gestohlenen Wagen fuhren die Diebe nach Lim­burg wo sie in der Filiale der Mainkraftwerke einen Einbruch verübten. Dabei wurden vier Radioapparate im Werte von 500 Mark gestohlen. Mit einem mit Putzwolle umwickel­ten Hammer zertrümmerten sie die Fensterscheibe während sie den Motor des Autos mit höchster Tourenzahl laufen ließen, um den Schlag zu übertönen. Außer den gestohlenen Apparaten wurde noch erheblicher Schaden an anderen Ap­paraten verursacht. Es wird angenommen, daß die Einbrecher in Richtung Koblenz geflohen sind.

600 Schafe bei einem Gutsgrohfeuer umgekommen.

Ein größeres Feuer kam in der Nacht auf dem Gute Ramelow bet Friedland in Mecklenburg zum Ausbruch (Segen 1 Uhr nachts wurde bemerkt, daß Der große Schaf, u n D Schweine st all, Der in einem GebäuDe vereinigt war, in belieft Flammen ftanD. An eine Rettung Des Ge- bäuDes war nicht mehr zu Denken. Etwa 600 Schafe und 150 Schweine tarnen in Del Flammen um. Man vermutet Brandstiftung.

Weitere Unterzeichner des Hindenburg-Ausrufs.

Berlin, 6.Febr. (TU.) Der Hindenburg« Ausschuß teilt mit: Dem Hindenburg-Ausschuß sind in den letzten Tagen zahllose Zustimmungs­erklärungen aus allen Gegenden Deutschlands zu­gegangen. Eine große Anzahl von Trägern bedeu­tender Namen hat sich bereiterklärt, den am 1. Fe­bruar beschlossenen Aufruf des Hindenburg-Ausschus­ses noch nachträglich zu unterzeichnen, von denen wir heute folgende bekanntgeben:

Dr. Adenauer, Oberbürgermeister von Köln; Geheimrat Prof. Dr. Aereboe; Geheimrat Prof. Dr. Anschütz-Heidelberg; Prof. Dr. Aubin, Rektor der Universität Halle; Staatssekretär a. D. Dr. Brügger- Berlin; Prof. Ernst Robert C u r - t i u s; Dr. Adolf Damaschke; Prof. Dr. Salz- mann-Berlin; Dr. Dieckmann, Oberbürger­meister von Minden; Justizrat Dr. Drucker- Leip­zig: Rektor Foerster, 1. Vorsitzender des Reichs­oerbandes der Kleingartenbauvereine in Deutschland; Universitätsprofessor Dr. Harms-Kiel; Fürst Hatzfeld; Georg H a x, Vorsitzender des Deutschen Schwimverbandes; Geheimrat Dr. Ludwig Hepp- Berlin; Prof. Dr. Otto H o e tz s ch - Berlin; Geheim­rat Prof. Dr. Wilhelm Kahl; Präsident Dr. Kaufmann, Vorsitzender des B?rb»ndes der Rheinländer, Berlin; GrafHermann Kayser- l i n g - Darmstadt; Dr. Otto Liebmann, Heraus­geber derDeutschen Juristenzeitung"; Prof. Dr. E. M a r cf s Berlin; Geheimrat Mittelstein- Scheid, Wuppertal-Barmen; Walter von Molo- Berlin; Prof. Poschmann, Rektor der Uni­versität Breslau; Dr Paul Rohrbach-München; Geheimrat Prof. Dr Max S e r i n g - Berlin; Prof. Max S l e v o g t - Berlin; Botschafter a. D. Solf- Berlin; Prof. Dr. Karl Straube, Thomas-Kan­tor in Leipzig; Bergrat Professor Dr Tübben, Rektor der Technischen Hochschule Charlottenburg; Geh. Rat W a e tz o l d, Generaldirektor der ftaatL Museen in Berlin; Geh. Justizrat Wildhagen, Vorsitzender des Vorstandes der Anwaltrkammer beim Reichsgericht; Joachim von Winterfeld« M e n k i n , Berlin.

Das Büro des Hindenburg-Ausschusses wird in den nächsten Tagen noch weitere Namen bekannt­geben.