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Sünder.

Martin Luther.

Nachdruck oerboten

11 Fortletzung

Vornan von Elotilde von Stegmann-Stein.

Copyright by Martin Feuchtwange r. Halle.

einzelnen Verfehlmigen zu unterlassen, und es Erlangung deS Trostes des Evangeliums unb der Sündenvergebung genug sei mit einem all­gemeinen Sündenbekenntnis. Don allem, was sonst bei uns vorgeht, wird Dir der Lieberbringer dieser Zeilen berichten. Aus Flandern erhielten wir gute Botschaft, bah nämlich zwei unserer Brüder (Boes und Esch) aus dem Marktplatz zu Brüssel für das Wort Gottes vor allem Bolke den Feuertod erlitten haben. Gott sei gedankt in Christus! Lebe wohl und bete für mich sündigen

Wittenberg, am Sonntag nach Jacobi 1523.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 7. Jan. Auf Veranlassung der Baseler Mission führte am Mittwochabend in der hiesigen Kirche Missionar Lauck (Frankfurt am Main) den M i s s i o n s f i l mMlan, die Tochter des Oeomanten" vor. Der Film gab ein anschauliches Bild von den Sitten und Gebräuchen in China, zu­gleich auch einen Einblick in die Arbeit der evan­gelischen Mission. Das finanzielle Ergebnis des Abends in Höhe von 75 Mark kommt der Basler Mission zugute.

)( Lich. 7. Jan. Gestern nachmittag wurde der alte st e Mann unserer Stadt, der Schäfer Heinrich Becker, zu Grabe getragen. Er war zu Dieder-Ohmen geboren, von 1867 bis 1870 lebte er in Paris, 42 Jahre versah er in Treue das Amt des Gemeindeschäfers, davon 23 Jahre in der Gemeinde Saasen. Seit 26 Jah­ren lebt« er in unserer Gemeinde im Hause seiner Tochter, leider war er in den letzten zehn Jahren völlig erblindet. Er hat ein Alter von fast 92 Jahren erreicht und war wegen seiner Treue und seines Fleißes sehr beliebt. 7 Kinder, 17 Enkel und 38 Urenkel gehören zur Dachkom­menschaft des alten Mannes.

Kreis Schotten.

Y Gedern, 5. Jan. Im abgelaufenen Jahre war die Bautätigkeit in unsererStadt sehr rege. Fünf neue Wohnhäuser konnten vollständig fertiggestellt, zwei weitere Wohnhäu­ser im Rohbau erstellt werden. Der Dachstock der Apotheke wurde ausgebaut und ein Wohnhaus in der Seestrahe bedeutend vergrößert. Eine Feld- scheuer und zwei Werkstätten wurden neu errich­tet. Die bei zwei Bränden vernichteten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Der Turnverein hat den Ausbau seiner bisherigen Turnhalle (des ehemaligen fürstlichen Schafstalles) abgeschlossen. Die Turnhalle ist 36 Meter lang und 9 Meter breit. Der vor etwa drei Jahren begonnene Llm- und Erweiterungsbau unseres Bahnhofes wurde nahezu fertiggestellt. Außerdem wurde ein modern eingerichtetes Stellwerk gebaut. Alle diese Ar­beiten haben den Bauhandwerkern und anderen Erwerbszweigen manche Arbeitsgelegenheit ver­schafft. Leider lag aber die Steinbruchindu- st ri e still, und viele Arbeiter sind dadurch ar­beitslos geworden. Die Stadt war stets be­müht, durch Wegebau- und Meliorationsarbeiten den Erwerbslosen Beschäftigung zu geben.

1 Gedern, 7. Jan. Seit 14 Tagen wird der hiesige Kaufmann Samuel Strauß ver­mißt. Trotz eifrigster Bemühungen d r Polizei­behörde ist bis jetzt noch keine Spur von dem Der- mißten entdeckt worden. Ein schwerer Un- gl ü ck s f a l l ereignete sich heute mittag hier in einem Steinbruch. Der 17jährige Maurerlehrling Karl H o f hantierte in unvorsichtiger Weise mit einem geladenen Flobert, das sich ent­lud. Die Kugel drang dem Schützen in den Leib. Der junge Mann muhte in die Gießener Klinik überführt werden. Dem Berunglückten geht es den Umständen entsprechend gut. da zum Glück lebens­wichtige Teile nicht verletzt wurden.

Kreis Alsfeld.

-er. Homberg, 7. Jan. Die Hessisch-Wal- deckischen Durchgangsstrecken sind von dem Der- kehrsverband für Hessen und Waldeck in Der- bindung mit der Arbeitsgemeinschaft hessischer

Dielleicht aber machte sie sich wirklich unnötige Gedanken? Hans Egon war ein lebenslustiger Mann. Er hatte nie ein Hehl daraus gemacht, daß er Gesellschaft und fröhliche Freunde brauchte. Jetzt, da der Arzt ihr anstrengende Geselligkeit im Hause und häufige Fahrten in die Stadt auf Einladungen verboten hatte, durfte sie sich nicht wundern, daß Hans Egon der Einsamkeit des Hauies mitunter zu entfliehen suchte. Im Grunde genommen war es wohl nichts anderes als sein Unterhaltungstrieb, dem der Verwöhnte nachgab.

Wenn erst und ein zartes mütterliches Lächeln trat um ihren blaffen Mund das Kind da sein würde, würde alles wieder anders wer­den ; was ihr nicht gelungen, würde, so Gott es wollte, vielleicht zwei unschuldigen Kinderhänd­chen gelingen.

Mit leisem Lächeln auf den Lippen ging sie die Treppe hinunter, um ihren gewohnten Mor­genspaziergang in den Park zu machen, der sie täglich von neuem entzückte.

Der herbe Geruch der frühlingshaften Erde stieg belebend zu ihr empor. Schon glaubte sie den Duft erster Veilchen zu spüren, und wirklich dort schimmerte es schon lila zwischen welkem Laub und kleinen hellgrünen Blättchen dicht an der besonnten Mauer, die das Parkgrundstück von dem Mühlengrundstück trennte.

Sie bückte sich und begann die kleinen Blüten zu pflücken, wobei sie sich immer weiter entfernte bald war sie auf der Birkenbrücke angelangt, die den Park mit dem Mühlgarten verband.

Plötzlich schrak sie zusammen: vor ihr, abge­wandt, stand eine hohe Männergestalt, die, wie in tiefe Gedanken versunken, in das schäumende Wasser des Flusses blickte. Es war Gras Friedrich.

Ehe Birgit sich lautlos entfernen konnte, schlug Menta, die Jagdhündin, mit einem freudigen Bläfflaut an. Graf Friedrich wandte sich um und stand seiner Schwägerin gegenüber.

Ein heißes Rot flog über das gebräunte Männergesicht, als er den Lodenhut tief vor Birgit zog.

Birgit streckte ihm mit einer bittenden Gebärde die Hand entgegen:

Tresfe ich dich endlich einmal, du Einsiedler? Dun aber lasse ich dich nicht so schnell los. Schon lange war es mein Wunsch, mir deine Mühle und deinen Betrieb anzusehen. Hättest du wohl Zeit und Lust, mich einmal herumzuführen?"

Ich stehe ganz zu deinen Diensten, Schwägerin." Lächelnd wehrte sie ab.

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rungen die Zustimmung der Konferenz. Diese Konfirmationsordnung wird nun im Dekanat eingeführt.

Grünberg fand am Dienstag hier statt Andacht hielt Pfarrer Strack, Münster. Begrüßung durch Dekan Schmidt, Grünk der besonders den Superintendenten D. W ne r und Privat-Dozenten Lic. Brunner kommen hieß, hielt letzterer einen Vortrag Politische Verantwortung und christliche scheidung". Der tiefgründige Vortrag, der zwei Stunden dauerte, löste eine bewegte Dcb aus, an der sich der größte Teil der Pfa' und auch der Superintendent beteiligte. D Schmidt dankte Lic. Brunner für sc Vortrag. Dach einer Pause wurde in die ledigung der geschäftlichen Dinge eingetreten Entwurf der Konfirmationsordnu vorgelegt von Pfarrer Dies, Ettingshau fand abgesehen von kleinen formalen Aen

alarmierte der Inhaber die Polizei, die auf die oben beschriebene Weise die Ordnung wiederher- stellte. Die beiden verletzten Zimmerleute mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Kreis Biedenkopf.

WSN. Biedenkopf, 7. Jan. In Wolz­hausen wurde ein Landwirt dadurch empfindlich geschädigt, daß im Stall zwei seiner besten Kühe der schadhaften Lichtleitung zu nahe kamen. Der elektrische Strom tötete die Tiere auf der Stelle.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. M., 7.Jan. Der zehn­jährige Schüler Ludwig Schelling spielte vorgestern mit Kameraden, wobei es zu einem Streit kam, in dessen Verlauf einer der.Schüler dem kleinen Schelling einen Stein an den Kopf warf. Der Junge brach blutüberströmt zusammen und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo es jetzt der schweren Verletzung erlegen ist.

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Mein lieber Sibelius ich war gerade, als ich von Gut Kummerow kam, auf einem Spru ig bei Ihrer Birgit. Einen Zwetschenlikör habe ich da bekommen... Ich sag' Ihnen alle Achtung. Da, und so im Gespräch erzählte mir Birgit allerlei. Die blassen Wangen haben eine sehe natürliche und, wie ich annehme, sehr erfreuliche Ursache."

Ist es wahr?" fragte der Konsul bewegt. Dun, bann..

... bann brauchen Die sich wahrhaftig feine Sorgen zu machen, lieber Freunb. Die Sibelius- schen Frauen haben ja ihre natürlichen Pflichten immer gut erfüllt, unb unsere Birgit ist trotz ihre« äußeren Zartheit ein ganz zähes Geschöpfchen."

Auf biese gute Dachricht hin müssen wir wirk­lich eine Flasche Wein leeren", meinte der Konsul, und nötigte den Ueberbringer der frohen Bot­schaft ins Haus.

Ich habe gerade eine Probesendung von Ebecke bekommen. Sie können also gleich Ihr Urteil ab­geben. Ich will aber noch heute nachmittag zu Birgit hinausfahren. Ich hab' mir, weih Gott, auch einmal ein paar freie Stunden verdient."

Dirgit geriet in freudige Unruhe, als ihr bet Vater telephonisch feinen Besuch ankündigte. Seit­dem sie auf Rat des alten Arztes nicht mehr so viel in die Stadt fuhr, sah sie den Vater nut mehr am Sonntag. Freudig eilte sie in die Küche, wo Mamsell Stülpnagel über einem neuen Pa­stetenrezept brütete, indes die Köchin und das Zugehemädchen beratend dabeistanden.

Mamsell!" rief Birgit noch in der Tür.Heute haben wir hohen Besuch. Mein Vater kommt. Bereiten Sie bitte recht schöne belegte Toaste vor und holen Sie auch etwas von Ihrem guten Quittengelee herauf, das Väterchen neulich so tobte."

Das ist eine Freude, gnädige Frau!" versetzte die treue Seele.Wie schade nur, dah der Herr Graf nicht zu Hause ist, um den Herrn Konsul zu begrüßen."

Ein Schatten flog über bas eben noch so freudig betoegte Gesicht der jungen Frau. Welch feines Gefühl hatte diese einfache Frau!

Aber als der Konsul am Dachmittag mit seinem Wagen vorfuhr, ließ sich Birgit nichts von ihrem Kummer merken. Sie eilte die Stufen der Frei­treppe hinunter und umarmte Öen Vater zärtlich. Eng umschlungen gingen sie beide hinauf zur Glasveranda, deren Fenster, nach Süden gelegen, zum ersten Male hochgeschoben waren.

Warm flutete die Frühlingsfonne in den lichten Raum, der von blühenden Hyazinthen und ersten Treibhaus-Maiglöckchen duftete. Birgit winkte dem Diener, zu gehen.

Diese kurze Stunde, Väterchen, muh uns allein gehören. Lind nun lah mich für dich sorgen, wie früher."

(Fortsetzung folgt.)

Kirche und Schule.

Landkreis Gießen.

I H a u f e n, 5. Jan. Die K i»che n st a t i st i k für die Gemeinde Haufen vom Jahre 1931 weist folgende Zahlen auf: Getauft wurden 10 Kin­der: konfirmiert 1 Knabe und 2 Mädchen: das ist der durch den Krieg verursachte größte Tief­stand. Getraut wurden 3 Paare: kirchlich beer­digt 4 Personen. Die Gottesdienste wurden von 2063 Männern, 2991 Frauen und 752 Kindern besucht. Am heiligen Abendmahl nahmen 737 Ge­meindeglieder teil. Im Lause des Winters wurde ein Frauenverein gegründet, indem der bestehende Frauenchor sich zu einem solchen erweiterte und regelmäßig an einem Abend in der Woche tzu- fammentommt. Der Frauenverein hat es sich zur besonderen Aufgabe gestellt, die Winterhilfe wirksam zu unterstützen.

I Garbenteich, 5. Jan. Dach den Kir­chenbüchern wurden in der Gemeinde Gar­benteich im Jahre 1931 getauft 9 Kinder, kon­firmiert 7 Kinder. Es fanden 9 kirchliche Trau­ungen statt. Beerdigt wurden 9 Personen. Die Gottesdienste wurden besucht von 6499 Männern, 7171 Frauen und 1248 Kindern, das ist ein durch­schnittlicher Besuch von 259 Erwachsenen und 47 Kindern für den Sonntag. Zum Abendmahl gin­gen 1306 Gemeindeglieder; 644 Männer und 662 Frauen. Der im Ianuar.vorigen Jahres gegrün­dete Frauenverein kommt jeden Mittwoch regel­mäßig auf dem Rathaus zusammen. Die Abends sind durchschnittlich von 80 Mitgliedern besucht. Dank einer Stiftung des Beigeordneten Kissel mit 300 Mk. und des Bäckermeisters Stumpf mit 100 Mk. konnte der Zugangsweg zur Kirche gepflastert werden. Der noch fehlende Betrag soll durch freiwillige Gaben aufgebracht werden.

©rünberg, 7. Jan. Die Deujahrs- konferenz derPfarrer desDekanalcs

Gebirgsvereine neu festgelegt worden. Die Be­schilderung der Strecken Dr. 1 (Sternweg) und Dr. 13 (Studentenpfad) ist von den Zweigvereinen des Oberhessischen Gebirgsvereins durchgeführt: der Homberger Verschö­ne r u n g s v e r e i n hat sich an der Anbringung der Schilder beteiligt. Der Sternweg (Dr. 1) sein roter Stern in weißem Felds nimmt u. a. folgenden Verlauf: Kölb« Marburg Amöne­burg Brückermühle Schweinsberg Hom­berg Dieder-Gemünden Lllrichstein Hohe- rodskopf Didda. Der Studentenpfad (Dr. 13) [ein roter Etudentenkopf im weihen Felds ver­bindet die drei Llniversitätsstädte Göttingen Marburg Gießen: er berührt die Städte Kassel Bad Wildungen und läuft über Mar­burg Frauenberg Staufenberg bis Giehen. Vielfach besteht über die Bedeutung und den Wert dieser Beschilderung noch große Llnkenntnis. Wurden doch die den Sternweg kennzeichnenden Schilder hier und da als Sowjetstern bezeichnet und kamen deshalb in Mißkredit. Dubenhände bewarfen sie sogar mit Steinen oder entfernten sie gewaltsam. Im In­teresse des Fremdenverkehrs sei auch an dieser Stelle gebeten, Beschilderungen und Markierun­gen unter allen Umständen zu schonen.

Starkenburg.

Von der Hessischen Handwerkskammer.

WSN. Darmstadt, 7. Jan. Auf Grund einer Sitzung zwischen dem Vorstand ber Hessischen Handwerkskammer und den Vertretern der Bezirksverbände Bensheim, Hgppenheim, Darmstadt und Groß-Gerau ist die Kündigung des Syndikus Dr. Ko Ubach mit sofortiger Wir­kung zurückgenommen worden. Es wurde eine Kommission bestimmt, die die ganze Angelegenheit nochmals prüfen soll

preutzen

Kommunale Tarifsenkung in Frankfurt.

WSD. Frankfurt a. M., 7. Jan. Der Ma­gistrat hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, neue Vorschläge für d ie Tariffen - kung der Straßenbahn auszuarbeiten, da die zuerst vorgeschlagene Senkung dem Reichs­

kommissar für Preisüberwachung für den Erlaß der Desörderungssteuer nicht genügt. Man hofft die neuen Vorschläge so zu beschleunigen, daß die Tariftenkung spätestens am 1. Februar in Kraft treten kann. Weiter hat der Magistrat be­schlossen, die Markthallenstandgebüh­ren ab 1. Januar um 10 Prozent zu ermäßigen. Ein Schwindler als Gerichtsbeamter.

WSD. Frankfurt a. M.. 7. Jan. Durch einen Schwindler, der sich den DamenHer* g e t beilegte, ist eine hier wohnende Dame auf raffinierte Art und Weise geschädigt worden. Sie hatte vor einiger Zeit eine Angehörige durch den Tod verloren. Der Schwindler erschien bei ihr mit dem Vorgeben, er fei G e r i ch t s b e a m t e r und fjabe eine Aufstellung des Dachlaffes zu machen. Er legitimierte sich mit einem Ausweis auf den Damen Herget und ging dann an die Arbeit. Zum Schluß versiegelte er die Pakete mit einem echten S tempel des hiesigen Amtsgerichts und nahm die Pakete mit, indem er der Dame bedeutete, daß ihr vom Amtsgericht wei­tere Mitteilungen über den Dachlah zugehen wür­den. Die Betrogene wartete aber vergeblich, und schließlich stellte sich heraus, daß sie einem raffi­nierten Schwindler zum Opfer gefallen war. Er hat in diesem Fall Schmuckfachen im Werte von etwa 300 Mk. erbeutet. Die Kriminalpolizei warnt dringend vor diesem Schwindler.

Kampf der Polizei mit Hamburger Zimmerleuten.

WSD. Frankfurt a. M., 7. Jan. In der Dacht zum Donnerstag kam es in der Altstadt zwischen drei Polizeibeamten und drei Hamburger Zimmerleuten, zu denen sich schließlich noch fünf weitere Zimmer­leute gefeilten, zu einem Kampf, in dessen Ver­lauf die Beamten die Schußwaffe ziehen und Feuer geben muhten. Zwei der Zimmer­leute wurden dabei niedergefchossen, drei andere konnten fest genommen werden, wäh­rend die übrigen entkamen. Die Burschen haben in den letzten Tagen dauernd Gaststätten aufge­sucht und Krach gemacht. Als sie gestern nacht in dem KabarettZum Clou" ohne jeden Grund Händel suchten, sollten sie aus dem Lokal ge­wiesen werden. Da sie nicht freiwillig gingen,

Zu meinen Diensten nicht, mein lieber Schwa- er; i ch bin es, die dich bittet, mir diese yreube zu machen."

Schweigend trat er neben sie, unb gemeinsam Ingen sie dem groben- Hofe zu, auf betn zu »ieser Stunbe schon reges Leben herrschte. Wagen, mit Mehlsäcken hoch beloben, von Lanbleuten ge­lenkt, fuhren über den Hof. Eine Gruppe von Arbeitern war damit beschäftigt, Stapel von Heu in die Stallungen zu schaffen. Llnablässig rollten Säcke unter leisem Dröhnen einen Holzschacht hinab, unb bie Motoren der Mühle fangen das gleichmäßig starke Lied ber Arbeit.

Unwillkürlich straffte Birgit ihren zuerst noch zagen unb müben Gang. Diese Atmosphäre ber Arbeit war ihr vertraut unb weckte alle ihre Energien. Mit sachverstänbiger Miene folgte sie ben Darlegungen des Schwagers, stellte Fragen unb überraschte ben gesprächiger Werbenden durch ihr kluges Verständnis.

Längst war die Steifheit aus dem Wesen Graf Friedrichs gewichen. Mit lebhafter Stimme und leuchtenden Augen erklärte er Birgit die Einzel­heiten seines Betriebes, führte sie durch Kontore, Kornspeicher, Mahlkammern und Maschinen­räume und zuletzt hinunter zum Flusse, wo in einem Extramaschinenhause über ber Brücke am Wehr die großen Turbinen sausenb schwangen.

Ein schöner Betrieb", sagte Birgit, tief auf­atm enb unb bewundernd zu dem großen Manne aufblidenb.Wie befriedigend muh doch dein Leben fein, wie schön deine Arbeit!"

Sie wäre schön", sagte Graf Friedrich, ber unwillkürlich aus sich herausgegangen war,hätte man mehr Bewegungsfreiheit unb lasteten nicht alte Schulden auf dem Werk."

Lind warum", fragte Birgit und strich zart über bie braune, feste Männerhanb, bie lose neben ihr hing,warum lehnst du alle fremde Hilfe ab? Cs ist doch kein Geschenk, das man dir machen will, wenn man deine ehrliche Arbeit, dein Ringen um deinen großen Besitz, den du doch nicht schuldenfrei übernommen hast, mit etwas Kapital unterstützt?"

Er sah Birgit mit einem rätselhaften Blick an:

Liebe Birgit" auf einmal schwang jener Ton in seiner Stimme, den sie vor langer Zeit schon einmal gehört hatte.liebe Birgit, verdirb mir diese schöne Stunde nicht, in der ich seit langer Zeit einmal wieder zu jemandem spre­chen konnte, der mich versteht. Berühre nicht einen Punkt, der mir schmerzlich ist, in dem ich aber unnachgiebig sein muh. Wie geht es dir, Birgit?", fuhr er hastig fort, als wollte er auf alle Fälle das Gesprächsthema wechseln.Wie fühlst du dich bei uns auf dem Lande? Ist es dir hier auch nicht zu einsam? Ihr Stadtmenschen seid mehr Geselligkeit gewöhnt!"

Leise erwiderte sie:

.Es würde mir nicht so einsam fein, wenn**

Aber sie brach ab, als sie einen finsteren Blick in feinen Augen sah: ohne weiterzusprechen, wußte sie, daß er ihre Dot erkannt hatte unb um Hans Egons häufiges Fernfein von Hause wußte.

Jetzt muß ich aber an bie Arbeit", murmelte er und wollte sich mit seltsamer Hast verabschieden.

Birgit, einem warmen Impuls folgend, streckte ihm das kleine Veilchensträuhchen entgegen:

Zum Andenken an die erste Stunde unserer Kameradschaft hier, Friedrich, und zum Dank für jene Stunde, in der du mein Beschützer warst. Es sind die ersten Veilchen in diesem Jahre nimm sie und denke immer, dah du in mir eine wirkliche Schwester unb einen Kameraben hast, wann immer bu es brauchst."

Mit weichem Lächeln, das ihn wunderbar ver­schönte, nahm Graf Friedrich die Blumen, deren Stengel noch die Zarte Wärme von Birgits Hand trugen:

Ich danke dir, Birgit! Deine Worte bleiben in meinem Herzen. Wisse auch du, bah bu an mir einen Bruder besitzest, ber zu jeber Stunbe bereit ist, alles für bich zu tun.

Unb als hätte er schon zuviel gesagt, wandte er sich rasch ab unb verschwand hinter bem Mühlen- gebäube, ohne sich umzusehen.

*

Graf Friedrich war nicht der einzige, ber sich über Birgits Leben auf Schloß Tannenaue Ge­danken machte.

Dem Konsul Sibelius war es schon feit einigen Wochen auf gefallen, wie blaß unb still seine Bir­git in ber letzten Zeit geworben war. Sollten seine Befürchtungen, bie er von Anbeginn in bezug auf diese Ehe gehegt, sich nur allzuschnell erfüllen? Ernste Sorge war in seinem Herzen.

Einer vorsichtigen Frage war Birgit scheu aus­gewichen, von ihr aus würbe ihm keine Aufklä­rung kommen. Dazu kannte er fein stilles unb stolzes Kinb zu gut. Eine Frau aus bem Hause Sibelius klagte nie.

So war er denn erleichtert, als er um diese Mittagsstunde, wie gewöhnlich vor fein Haus tretend, von weitern den alten Sanitätsrat Sie­wert die Hafenstrahe entlangkommen sah. Fröh­lich schwenkte der alte, joviale Herr seinen grauen Schlapphut, als er des Konsuls ansichtig wurde.

Sie kommen mir wie gerufen, Siewert", sagte der Konsul, dem alten Hausarzt und Freund herzlich die Hand schüttelnd.

Wo fehlt's denn, Sibelius? Sie sind mir doch nicht krank?"

Ich nicht, aber Birgit ist es, die mir Sorgen macht."

Lind neben dem aufmerksam Zuhörenden in der warmen Sonne auf unb abgehend, vertraute er bem Hausarzt feine Befürchtungen an.

Der alte Herr zwinkerte vergnügt hinter feinen goldenen Brillengläsern.

Das auf allen Seiten vom Wasser eingeschlossene städtische Wasserwerk in Bochum-Stiepel ragt wie eine Wasserburg aus dem Ueberschwemmungsgelände hervor.