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Nachdruck verboten.
15. Fortsetzung.
Tür aufmachst nach dem Gartenzimmer, kann ich es gut hören."
Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L. Bernard
„Jetzt in der Nacht, mein Herz? Denke, wenn J jetzt die Schwester Elisabeth käme und fände mich statt hier auf meinem Posten, im andern Zimmer , Musik machen!" Eva-Marie mochte nicht sagen, j daß sie sich nicht vom Bett wagte, daß sie Re-s I
nate unsäglich elend fand.
Die Kranke verzog schmollend den Mund. 6ie ; war gar nicht gewöhnt, daß Eva-Marie iht etwas versagte. „Willst du auch streng werden, wie die graue Motte?" fragte sie unzufrieden.
„Nein, Liebling!" schmeichelte Eva-Marie und küßte die Kranke zärtlich auf die Stirn. „Ich will so gern alles tun, was du willst. Ich mag nur in der Nacht nicht Klavier spielen. Es könnte die Nachbarn stören, und ich möchte auch gern bei dir bleiben! Ich mache dir einen Vorschlag du nimmst brav deine Tropfen, sieh, ich habe sie dir so schön süß gemacht, und ich singe dir leise das Lied hier an deinem Bett. Ist dir das rechts
(Fortsetzung folgt.)
12.
Die Koffer wurden gepackt, die Fährt ging landeinwärts. Frau Nenate kam ermüdet zu Hause an. Sie zog wieder in das lichte Gartenzimmer mit den goldenen Seidenvorhängen.
Die Tage vergingen wieder wie vor der Rügen- reise, einer wie der andere und doch ein wenig artbcDd wie vorher. Die Kranke war stiller und sanfter, sie war verträumt und mochte dann niemand weiter um sich haben, als Eva-Marie oder ihre kleine Tochter.
Es gab Tage, an denen die Kräfte sie verliehen und Eva-Marie spürte mit ihrem feinen Empfinden, daß ihre liebe Kranke der Unendlichkeit näher war als sonst. Sie spürte, daß dre.e liebe, feine Seele den schmalen Pfad der Dollendung gichen wollte, und dann war Eva-Marie still. Sie legte das Buch weg, aus dem sie vielleicht gerade vorgelesen hatte, oder sie hielt im Plaudern inne. Sie nahm das lebhafte kleine Mädchen an die Hand und führte es hinaus, blieb still an Renates Lager sitzen, und es tat ihr weh, wenn die Pflegerin ohne Empfinden rücksichtslos an die Zeit für die Arznei oder das Essen erinnerte, dann erschrak Renate und seufzte.
Unaufhaltsam verrann die Zeit und mit ihr die Kräfte der Kranken: ihre Glieder wurden schlaff und reglos, und selten nur hob sie noch die matte Hand, um ihr Kind oder Eva-Marie zu streicheln.
Doch kamen auch Stunden, in denen heihe Rote in ihrem immer noch schönen Gesicht flackerte. Dann sprach sie mit Eva-Marie von ihrem Klaus, den sie doch wiederhaben sollte! „Er wird bald nachkommen, Eva-Marie! Gib acht! Darum muht du eilen, dah er von mir weih, daß ich nicht treulos war. Ich gehe bald! Nur diese müde Erdenschwere hindert mich noch, das Höchste zu schauen! Ich glaube, Evalein, uns allen begegnet auf Erden das Glück! Es ist uns nur nicht gegeben, es für immer zu halten. Aber wir wissen, wo es zu suchen ist und wohin das Herz verlangt, wo alle Stürme ruhen! Nimm einmal den Goethe, Evalein, wo steht das doch: „Ich besah es doch einmal, was so köstlich ist!" Nicht wahr, das ist schön und köstlich! Für manchen bleibt es nur ein tausendfaches Sehnen!"
Andere Tage wieder sah sie zweifelnd und verloren über sich. Dann hielt sie Eva-Maries Hände fest und stellte Fragen, die ibr niemand beantworten konnte: „Woher kommt man, wohin
lige Haar.
„3a, ich weih es, aber ich mag es so gern> wenn du es spielst und singst! Wenn du dis
geht man wohl? Wozu dieses Lebens buntes Rätselspiel, wenn es schon zu Ende ist. eh' man es lösen kann?
Sei nur niemals traurig, Eva-Marie! Wenn man soweit ist, wie ich heute, sieht man alles nur mit einem müden Lächeln an! Nichts ist dann noch schwer oder leicht!"
In diesen Tagen hatte sie für den Gatten eine müde, wehrlose Freundlichkeit. „Es ist ja nun alles gleich, Evalein!" entschuldigte sie sich bei der Freundin. „Alles, was er mir Böses tat, tat er doch wohl, weil er mich auf seine Weise geliebt hat! Ich muh es ihm verzeihen, damit er Ruhe findet! Diel Glück hat es ihm nicht gebracht! Es bringt kein Glück, wenn wir andere täuschen!"
Dann wunderte sich Eva-Marie, wie klar und gut diese Seele war. „Ich sollte so denken, wie sie!" dachte das Mädchen. „Es ist schwer für Schwester Elisabeth, wenn er, den sie liebt, sich einer anderen zuwendet und sie übersieht, wie Heinrich es tut! Es ist kein Wunder, wenn sie mich nicht gern sieht! Aber sie braucht mich nicht so bitter zu hassen! Es ist doch nicht mein Werk, dah ich die Glückliche bin! Es ist auch nicht Karl Andresens Schuld, dah die beiden, die mit Leib und Seele zueinander gehören, soviel leiden muhten. Das rächt sich nun bitter!"
Der Herbst war früh gekommen, und vor den hohen Fenstern des Gartenzimmers.wehten purpurrote Ranken. Die Vögel schrien in den gelben und rostbraunen Kastanienblättern.
Renate lag still und freundlich in ihren seidenen Kissen auf dem Liegestuhl. Ihr Gesicht sah wächsern aus auf dem leuchtenden Rosa der Damastseide. Sie hatte wieder mit den kostbaren Andenken aus ihrer glücklichen Zeit gespielt und wie so oft ihre Bitte an Eva-Marie wiederholt.
„Niemand soll die kleine silberne Truhe öffnen außer dir!" sagte sie zu ihrer Freundin: „Du nimmst den Ring heraus, der für dich ist, und von meinem eigenen Reisegeld ist soviel übriggeblie- ben, dah b^in Freundschaftsdienst dir keine Ausgaben macht, die dir schwer werden. Das liegt oben in dem Kuvert, du hast es gesehen, Evalein! Denn ich weih, dah du rechnen muht, Und wohin die Reise geht, wenn du Klaus suchen muht, das weih ich nicht! Zuletzt wohnte er in Bremen."
„Mach dir nicht so viele Sorgen, liebes Herz! Du weiht, dah du dich auf mich verlassen kannst!" bat Eva-Marie.
„Ia, das weih ich? Und es ist so schön, es zu wissen!" Renate sattele die Hände und sah still und zufrieden aus. „Schwester Elisabeth wird heute abend fortgehen. Kgrl hat ihr auf meinen Wunsch ein Opernbillett geschenkt, und ich habe ihr gesagt, dah sie einmal eine Ablenkung braucht. Wenn sie mich zurechtgemacht hat, kann sie gehen! Du versorgst mich schön, Evalein!"
„Gern!" versicherte das Mädchen.
Frau Renate fand fetten Schlaf und bekam schon seit längerer Zeit Schlafmittel. Schwester Elisabeth ging umher und machte den Verband zurecht für Frau Renate. Dann gab sie in der ihr eigenen, überhebenden, wichtigtuenden Art Eva- Marie Anweisung.
„Richt mehr, keinesfalls mehr als zehn Tropfen! Eine halbe Stunde vor der Nachtruhe! lind danach ist cs am besten, nicht mehr mit der Patientin zu sprechen", ordnete sie an. „Und spätestens um 9 Uhr 30 Minuten! Temperaturmessen ist nicht mehr erforderlich. Nur falls sich wieder Hitze einstellen sollte. Ich finde aber den Zustand seit Tagen so unverändert, dah nichts Besonderes zu erwarten ist! Sonst würde ich nicht von der Aufmerksamkeit des Herrn Andresen Gebrauch machen können!"
„Gehen Sie ohne Sorgen, Schwester Elisabeth! Ich gönne es Ihnen gern! Ich habe so viele schöne Opern gehört, und die „Stumme von Portici" ist musikalisch so wertvoll. Ich bin doch dazu da, Sie einmal vertreten zu können!" Eva- Marie sagte das ohne jede Unfreundlichkeit. Aber die Schwester machte schon wieder ein abweisendes Gesicht.
„Um mich vertteten zu können, müssen Sie Wohl etwas mehr gelernt haben als die Kunst der Unterhaltung!" antwortete sie spöttisch. „Aber heute abend ist ja nicht mehr nötig!"
Eva-Marie antwortete nichts. Was hätte es für einen Zweck gehabt.
Frau Renate bekam chre Milch und wurde in ihr Schlafzimmer gebracht, das einige Stufen höher lag als das Gartenzimmer. Sorgsam stellte Eva-Marie sich die kleine Flasche mit den Morphiumtropfen zurecht und ging dann, sich ein weiches Hauskleid anzuziehen. Sie fand die Kranke durchaus nicht so unverändert, wie die Pflegerin meinte. Hätte sie es aber irgendwie zu äuhern gewagt, so wäre ihr eine verächtliche Antwort sicher gewesen. Elisabeth wuhte immer alles besser.
Herr Andresen hatte auch die Absicht, zu einer Sitzung zu gehen, ausgesprochen. Als Schwester Elisabeth sich entfernt hatte, wagte Eva-Marie Herrn Andresen ihre Meinung über das Befinden Renates und ihre sichtliche Schwäche zu sagen.
Der stand schon in seinem Ledermantel, um wegzufahren. „Schwester Elisabeth mutz das doch besser verstehen!" antwortete der Mann. „Sie findet nichts Bedenkliches an meiner Frau! Die Schwäche, nun ja, das ist ja kein Wunder! Aber ich darf heute nicht fehlen. Und wozu halte ich schließlich zwei weibliche Wesen? Sie find ja da, Fräulein von Diemen, und werden Ihre Instrukttonen haben, und im übrigen ist ja auch das Telephon da! Guten Abend!" Er neigte den Kopf, nahm seine Aktentasche und ging.
Eva-Marie war mit der Schwerkranken allein * Sie war so seltsam Ml heute, die blasse Renats
„Ich glaube, Eva-Marie, heute brauchst dst mir kein Schlafmittel zu geben. Heute schlafe ich . so!" sagte sie freundlich und sah die Freundiq | müde an.
„2lber di« graue Elisabeth schilt mich, wenn ich nicht ihr« Vorschriften genau befolgt fcafcer antwortete Eva-Marie lächelnd.
„Sie sind so bitter, so gräßlich bitter, di« braunen Tropfen!" klagte Renate.
„Ich tue dir ein bißchen Himbeersaft darauf!* schlug das Mädchen vor.
Renate hatte wieder ein mattes Lächeln. „Sieh^ . so bist du immer, Eva-Marie! Immer suchst du einem das Bittere süß zu machen!"
„Das ist Frauenpflicht! * sagte Eva-Marie. I „Wie gut für Heinrich!" lächelte die Kranke. Eva-Marie wurde rot bis hinter die kleinen, zierlichen Ohren. Dann klingelte sie und bat das I Mädchen um etwas Himbeersaft. Aber Renate ‘ legte den Kopf auf die Seite und schlummerte ein, ehe sie die Tropfen bekam.
Eva-Marie stellte alles behutsam auf die Platte des Rachtttsches, nahm ein Buch und versuchte zu lesen. Das Licht hatte sie abgeblendet, daß es den j Schlaf der Kranken nicht stören sollte.
Um neun Uhr erwachte Renate. „Du!" rief sie leise. „Bist du da, Evalein?"
„Ich bin bei dir!" antwortete Eva-Marie und legte daS Buch weg.
„Spiel doch noch einmal das Lied: Wenn ich wüßte, ich könnte dich Wiedersehen!"
„Du weißt es doch, Renate!" Eva-Marie deckte sie zärtlich zu und streichelte daS schöne, wcl-
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