Ausgabe 
7.9.1932 Erstes Blatt
 
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Berliner Hochschulen, das Studentenwerk Berlin, e. V. ist seine Gründung, der er noch heute vor­steht. Michaelis spielt schließlich auch im kirchlichen Leben als Mitglied der Evangelischen Generalsynode eine Rolle.

personalentlaffungen bei Reichsbahn und Äeichspost.

Berlin. 6. Sept. (WTB.) 2m Zusammen­hang mit der neuen Verordnung zur Belebung der Wirtschaft haben Meldungen über umfang­reiche Entlassungen bei der Reichs­bahn g e s e l l s ch a f t in der Oeffentlichkeit Be­unruhigung hervorgerufen. Von der Reichs­bahnhauptverwaltung wird erklärt, daß es sich bei diesen Entlassungen zum Teil um : saisonmähig bedingte Entlassungen handelt, und daß darüber hinaus der st a r k e I

Verkehrsrückgang weitere Entlassungen notwendig macht. Die Reichsbahnhauptverwal­tung hat lange gezögert, ehe sie zu diesen Ent­lassungen geschritten ist. Sie ist sich der Härte der Maßnahme durchaus bewußt und hat mit den Entlassungen bis zum letzten Augenblick ge­wartet. Es ist der Abschluß einer wirtschaft­lichen Entwicklung, die keine andere Lösung mehr offen lieh.

Zur Einschränkung des Personals bei der R e i ch s p o st wird vom Reichspostministerium betont, daß« nur ein ganz geringfügiger Teil des Personals zur Entlassung kommen wird, der in dem gesamten Personalapparat der Reichs­post keine Rolle spielt. 3m übrigen sind sowohl hinsichtlich der Höhe der Personalentlassungen bei der Reichsbahn wie auch bei der Reichspost noch keinerlei endgültige Entschei­dungen getroffen.

Aus aller Wett.

Oer Schnellzug paris-Marseille entgleist.

Acht Schwerverletzte.

Paris, 6. Sept. (TU.) Der S ch n e l l z u g Paris Marseille Ventimiglia, der Paris am Montag um 21.40 Uhr verlassen hatte, entgleiste am Dienstag gegen 10 Uhr in der Nähe von Marseille. Einer der aus den Schienen gesprungenen Wagen stürzte um und ging voll­kommen in Trümmer. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sollen keine Todesopfer zu beklagen sein. Acht Reisende wurden durch Holzsplitter und Quetschungen so schwer verletzt, daß sie in hoffnungslosem Zu st and in ein Kranken­haus übergeführt werden mußten. Die Zahl der Leichtverletzten ist noch nicht bekannt. Von Marseille ist sofort ein Hilfszug an die Unglücksstelle ent­sandt worden, um den Verletzten die erste Hilfe zu bringen. Die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gange.

Die Entgleisung des D-Zuges ereignete sich, einer ergänzenden Meldung aus Marseille zufolge, an einer Stelle, wo man in der kurzen Pause zwischen der Durchfahrt zweier Züge daran gegangen war, die alten Schienen durch neue zu er­setzen. Als der Unglückszug heranrollte, waren die ausgewechselten Schienen zwar schon' eingepaßt, aber noch nicht fest geschraubt, und der Zug geriet dadurch aus den Gleisen. Der Lokomotiv­führer behauptet überdies, daß die rote War- nungsfahne nicht, wie vorgeschrieben, weit genug von der Gefahrenstelle entfernt aufgestellt worden war, sondern so nahe, daß er nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte.

schadens ins Schleudern und st ü r z t e um, wo­bei er die Fahrtteilnehmer unter- sich begrub. Einer von ihnen war sofort t o t. Der Führer erlitt schwere Kopfverletzungen, während der dritte In­sasse einen Oberschenkelbruch davontrug. Die beiden Verletzten wurden ins Neunkirchener Kran­kenhaus gebracht.

57. Deutscher Gaslwirletag.

3n Münster wurde die 5 7. Tagung des Verbandes Deutscher Gastwirte mit der geschlossenen ordentlichen Hauptversammlung eröffnet. Es waren 554 Delegierte erschienen. Die Begrüßungsansprache hielt Präsident Koester. Wie aus dem Jahresbericht hervorging, hatte das deutsche Gastwirtsgewerbe, im Jahre 1931 608 Zusammenbrüche zu verzeichnen. Don diesen Konkursen muhten 208 mangels Masse ab­gelehnt werden. Der Fremdenverkehr hat einen Rückgang von rund 20 Prozent erfahren. Der Jahresbericht wurde einstimmig gebilligt, desgleichen der Kassenbericht: dem Vorstand wurde Entlastung erteilt. Der Antrag aus Grün­dung einer Altersversicherung für das Gastwirts­gewerbe wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Kraftwagen überfährt einen Kinderwagen. Vater und zwei Kinder getötet.

Dieser Tage ü b e r f u h r auf der Staatsstraße von Freiberg (Sachsen) nach Brand-Erbisdorf ein in Dresden wohnender Reifender einer Leipziger Firma mit seinem Kraftwagen den 26jährigen

Oer eiserne Anzug.

Eine Prager Anekdote.

Von Hans Reimann.

Elf Jahre ist es her, da hatte ich meinen ersten Vortragsabend in der Urania in Prag. Während der Pause kam ein Mann mit Spitzbart, faßte mich am Jackett und sagte, indem ers zurückschlug:An- ständige Arbeit. Von Qureit?" Es war ein Jackett von Jureit in Frankfurt.Aber kein Stoff für Sie, Herr Reimann. Seien Sie morgen elf Uhr bei mir. Arn Wenzelsplatz."Morgen kann ich nicht. Ich muß nach Brünn."Wenn Ihnen das wichtiger ist? Nahmen Sie einen Zug später." Er ging. Ich fragte:Wer war das?" Das war Orlik.

Arn nächsten Vormittag war ich bei ihm. Kein Guten Tag, kein nichts. Er faßt mich dorthin, wo ich kitzlig bin und sagt:Sie sind ein Schenkel­reiber. Sie brauchen einen eisernen Anzug." Bitte nicht!" wehrte ich ab. Er:Haben Sie keine Angst. Mit eisernem Boden. Nehmen Sie den hier. Das ist ein Stofs für Sie." Der Stoff, lang­weilig grau, gefiel mir ganz und gar nicht. Ich zögerte. Er:Seien Sie nicht halsstarrig. Den haben Sie fürs Leben." Ich:Ich habe schon einen ähnlichen fürs Leben. Auch so grau." Orlik lächelte verächtlich und rief etwas Tschechisches. Man brachte Dutzende von Stoffballen. Ich wählte etwas Dunkel- grünes. Und ließ mir Maß nehmen. Von Orlik per­sönlich. Und fragte dann nach dem Termin der An­probe.Morgen um dieselbe Zeit."

Ich war pünktlich zur Stelle. Ein Schneider brachte byi Rock. Natürlich den grauen. Orlik hatte über meinen eigensinnigen Kopf hinweg den grauen Stoff gewählt. Murrend schlüpfte ich hinein. Orlik:Ich lassen Ihnen für die Hälfte. Zahlen Sie, wenn Sie bei Kasse sind." Rief wieder etwas Tschechisches, und man brachte denselben Rock in Dunkelgrün.Für olle Fälle", sagte Orlik.Und die Hosen?"erlaubte ich mir zu fragen. Orlik zuckte die Achseln. Napoleon kann nicht besser stezuckt haben. Als ob das nötig sei! Aber er ließ den Hosenschneider anschwirren und mir die Hosen zeigen wie man im feinen Lokal die Schleien präsentiert bekommt, ehe sie zubereitet werden. Ich warf einen Blick auf die Hosen zumal auf die graue mit dem eisernen Boden. Orlik be­obachtete mich. Dann steckte er mir heimlich etwas

Wirtschaftsgehilfen M i ß b a ch aus Brand-Erbis­dorf, der einen Kinderwagen mit zwei Kindern vor sich herschob. Mißbach und der Kinderwagen wurden in den Straßengraben geschleudert. Der Kraftwagen fuhr an einen Baum und wurde zer­trümmert. Mißbach und sein zweijähriges Kind waren sofort tot, das andere Kind st a r b auf dem Wege nach dem Krankenhaus.

Vater und Sohn vom Zuge ersaht.

Auf der Eisenbahnbrücke zwischen den Statio­nen Elsaff und Wiedmühle der Strecke Reu- wiedAltenkirchen wurden dieser Tage der Mon­teur Heinrich Kregel und dessen Sohn von einem Personenzug erfaßt. Der Vater war sofort t o t, der Sohn erlitt schwere Ver­letzungen und mußte dem Krankenhaus zu­geführt werden. Der .Unfall ist um so trauriger, als Vater Kregel acht unmündige Kinder hinter­läßt.

Schweres Linslurzunglück. Drei Tote.

Aus Passau wird gemeldet: In der Gemeinde Gründobl bei Hohenstadt hat^ sich ein schweres U n - glück ereignet. In der Scheune der Frau Meinl war Feuer ausgebrochen, durch das die gesamten Erntevorräte sowie die landwirtschaftlichen Geräte in kurzer Zeit vernichtet wurden. Bei den Auf­räumungsarbeiten stürzte plötzlich eine Mauer der ausgebrannten Scheune ein und begrub mehrere der Arbeiter unter sich. Zwei junge Burschen und ein Mann konnten nur a l s Leichen geborgen werden. Ein Mann wurde lebensgefährlich, mehrere andere Personen leichter verletzt.

Tödlicher Unfall.

3n den Riederrheinischen Oelwerken in G o ch waren Arbeiter damit beschäftigt, Getreide mit einem sog. Exhaustor zu befördern. Während der Arbeit hatte sich nasses Getreide an der Innenwand des Exhaustors festgesetzt, was den Durchlauf der Oelsaat erschwerte. Der Arbeiter Thomas wurde an einem Strick in den Cxhaustor gelassen, um das festgesetzte Getreide zu lösen. Plötzlich stürzten etwa 15 Zentner Oelsaat in den Cxhaustor, die Thomas unter sich begruben. Er konnte nur noch als Le i«ch e geborgen werden.

Kraftwagen in den Fluh gestürzt. Fünf Insassen ertrunken.

Nach einer Meldung aus Tiflis ist in den letzten Tagen ein mit acht Personen besetzter Kraftwagen von einer Brücke ins Wasser gestürzt. Fünf Insassen ertranken. Als Grund des Unglücks wird sinnlose Trunkenheit des Fahrers ange­geben.

Drittes Todesopfer der Wurstvergiftung in Braunschweig.

Der 17jährige Sohn Heinz des Reichsbahnassisten- ten Hillers in Braunschweig ist, wie fein Vater und sein Bruder, im Marienstift der vor einigen Tagen gemeldeten Wur ft Vergiftung ebenfalls erlegen.

Zwei tödliche Abstürze am Predigtstuhl.

An der Rordkante des Predigtstuhls im Wil­den Kaiser sind der 19jährige Däckergehilfe E t - te n Huber und der 24jährige Buchhändler

in die Hand. Einen Hundertkronenschein.Geben I Sie 's ihm", flüsterte er,der Mann freut sich." Ich schenkte dem Hosenschneider die geschenkten hun­dert Kronen. Dann war ich entlassen. Die beiden Anzüge sind zu Staub zerfallen, aber der graue Hosenboden existiert noch. In der Küche. Als Koch­untersatz. Er hält besser als mancher Asbestteller.

Schwarze Katze und weiße Naus.

Sonderbare Tierfreundschasten.

Die Zeiten, daber Löwe friedlich bei dem Lamm schlummerte", gelten gewöhnlich als die sagenhaften, der Dichtervhantasie entstammenden eines goldenen Zeitalters. Daß aber solche Freundschaften zwischen Tieren, die wir als natürliche Feinde anzusehen gewohnt sind, sehr gut möglich sind, das wurde durch das friedliche Zusammenleben solcher Tiergruppen in einer jüngst von «dtem russischen Gelehrten Dr. Alexis Durow in Berlin veranstalteten Aus­stellung den erstaunten Besuchern vor Augen geführt. Da sah man die liebenswürdige schwarze Katze Wanja am anmutigen Spiel mit einer ©cpar weißer Mäuschen: einen Fuchs, der es sich ruhist gefallen ließ, daß ein Hahn auf seinem Rucken umherspazierte: einen Wolf und ein Kalb die vor lauter Liebe ihre Rasen zärtlich anein­ander rieben, einen Affen und eine Katze als lustige Spielgefährten und noch manch andere Freundschaft, die dem Laien ganz unmöglich erschien. Richt so demjenigen, der sich mit den historischen Ursachen der Feindschaften zwischen den Tieren auseinandergeseht hat und weiß, daß sie sich nur als eine Folge ber Lebensbedingun­gen, als eine Begleiterscheinung des Kampfes um das Dasein herausgebildet haben. So regt sich z. B. in unseren Katzen, wenn sie auf die Mäuse» jagb gehen, das Blut einer langen Ahnenreihe, die alle Fleischfresser gewesen sind. Aber selbst einer der blutgierigsten Vorfahren ber Katze, der urweltliche Tiger, hätte niemals feine ursprüng­liche Gewohnheit ber Pflauzennahrung auf ge­geben, wenn nicht im Preistozän und schon früher, als diese Tierart lebte, ein Mangel an pflanz­licher Rahrung eingetreten wäre; denn dem reich­lichen Appetit der damals lebenden riesenhaften Mammuts und vieler Dinosaurier-Arten, die sich

Wendt aus Lauba in Schlesien tödlich ab­gekürzt. Die Leichen wurden getforgen und zu Tal gebracht.

Autounglück. Lin Toter, zwei verlehte.

Ein Kraftwagen mit drei Insassen, die an einem in Hühnerfeld (Saar) veranstalteten Fußballspiel teilgenommen hatten, geriet auf der Rückfahrt in der Nähe von Neunkirchen irckolge eines Reifen-

Kunst und Wissenschaft.

Spinoza-Gedenkfeier und Internationaler Philofophenkongreß im Haag.

Aus Anlaß des 300. Geburtstages des in Am­sterdam geborenen Philosophen Spinoza fand im Haag ein internationaler Philoso­phenkongreß statt, der eine starke Beteiligung aus dem 3n- und Ausland aufzuweisen hatte. Eingeleitet wurde die Tagung am Geburtstage des Philosophen mit einer Gedenkfeier, in der u. a. auch der deutsche Gesandte Graf v. Zech teilnahm. Die Feier sand übrigens in dem glei­chen Saal statt, in dem seinerzeit von dem Ober­sten Gerichtshof der Riederlande das Verbot des theologisch-politischen Traktats von Spinoza ausgesprochen wurde. Die Veranstaltung wurde von Prof. Dr. Leo Polak eröffnet, der unter Hinweis auf das erwähnte Verbot den Gegensatz zwischen der damaligen Zeit und ber Gegenwart hervorhob. Hieran schlossen sich Gedenkanfpra- chen von Sir Pollock (Lonbon), Prof. Leon Drunschvigg (Paris) unb Dr. Carl Geb­harb t (Frankfurt), der betonte, daß Spinoza in der gegenwärtigen Krise viel lehren könnte. Er würdigte Spinozas Lehre über das Verhältnis zu Gott und Mensch und über den Staat unb hob zum Schluß den Einfluß des Philosophen auf Goethe hervor. Die eigentliche Festrede hielt Dr. Earp (Haag) über die Bedeutung des Spinozis- mus für die Gemeinschaftsidee.

Internationaler TNathematikerkongreh in Zürich.

3n ber Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich ist dieser Tage ein (Internationa­ler Mathematikerkongreh eröffnet Wor­ten. Er wird von etwa 800 Teilnehmern aus 41 Ländern Europas, Afrikas, Amerikas und Asiens besucht. Prof. Dr. Füter (Zürich), ent- , bot den Teilnehmern den Willkommengruh. Re- |

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gierungspräsibent Dr. A. S t r o u l i überbrachte den Gruß der Behörden, und Prof. Dr. Pan - ch e r e l, Rektor ber Technischen Hochschule, be­grüßte bie Versammelten im Rainen ber An­stalt. Auf Vorschlag von Prof. P i n ch e r l e (Bo­logna) würbe Pros. Füter zum Kongrehpräsi- denten gewählt. Dieser übermittelte bie besten Wünsche des Ehrenvorsitzenden, des schweizeri­schen Bundespräsidenten Motta. Prof. S h n ge (Toronto) begründete eine Anregung des verstor­benen Prof. F i e l d s in Toronto, zwei Medaillen im Werte von etwa je 1000 Francs zu schaffen und diese durch den alle vier 3ahre tagenden Kon­greß zwei jungen Mathematikern zu verleihen, die sich ansgezeich. et haben. Die wissenschaftlichen Ar­beiten des Kongresses umfassen eine große Anzahl von Vorträgen.

Internationale Tuberkulosekonferenz im Haag.

In den letzten Tagen wurde im Haag in An- 1 Wesenheit der Königinmutter Emma die 8. Tagung der Internationalen Vereinigung ! gegen die Tuberkulose durch den holländi­schen Ministerpräsidenten eröffnet. An der Konfe- ? renz nehmen über 700 Vertreter aus 30 Ländern teil. Der Kongreß siedelt dann nach Amsterdam über, wo als letztes Thema die Fürsorge für ge­heilte Tuberkulose zur Sprache kommt.

Die erste deutsche Aerztin gestorben.

In Eßlingen starb dieser Tage bie e r ft e b e u t - sch e Aerztin, Frl. Dr. med. Breitinger im Alter von 81 Jahren. Die Verstorbene war bie Vor­kämpferin für bie Erschließung bes ärztlichen Berufs für bie Frau. Sie hat ihre Praxis bis zum 80. Le­bensjahr ausgeübt. Zu ihrem 80. Geburtstag würbe sie in ber beutfchen Presse sowie in ber deutsch- sprachigen Presse Amerikas gebührenb gefeiert.

Geheimrat Professor Dr. Parlsch f.

Der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Karl P a r t s ch ist im Alter von 77 Jahren in Breslau geftorben. Parstch ist als Begründer der neuen Zahnchirurgie anzusprechen. Er hat auf diesem Gebiete eine Reihe wissenschaftliche. Standardwerke verfaßt. Mit feinem Tode verliert auch die deutsche Turnbewegung einen bedeutenden Förderer. In der Deutschen Turner- schafl spielte der Verstorbene eine hervorragende Rolle. Er war lange Jahre Vorsitzender des Haupt­ausschusses der Deutschen Turnerschaft.

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Aus -er provinzialhaupista-t.

Gießen, den 7. September 1932.

Zwischen Zisch und Braten.

Ein witziger Mann hat einmal festgestellt, daß jedes Schweigen, das bei Tisch ausbricht, um 25 Minuten vor oder 25 Minuten nach voller Llhrzeit stattfindet.

Er hat es verschmäht, diesem Satz eine Be­gründung beizugeben. Er hat ihn als Axiom aufgestellt. Aber das Wesen des Axiomes ist es ja gerade, sich selbst fortgesetzt durch die Wirklichkeit zu beweisen und keines Beweises, außer dem des gesunden Menschenverstandes, zu bedürfen.

Gesunder Menschenverstand hin, gesunde Logik her wenn Ihnen bei Ihrer Mittagstafel zwischen Fisch und Braten ein solches Schweigen in die Quere kommen sollte, dann schauen Sie unauffällig auf die LIHr. Sie werden sehen: es stimmt immer.

Woher das nur kommen mag? Woher dieser tote Punkt, der unweigerlich in jedem Gespräch eintreffen muh, sich gerade auf diesen Zeitpunkt verlagert? Das ist ein Rätsel der Ratur, wie die Schwingungen der Elektrizität. Wir müssen es hinnehmen. Wir müssen verzichten, darüber nachzugrübeln. Rebenbei gesagt, der Vergleich mit den elektrischen Schwingungen ist zwar nur ein Vergleich, und Vergleiche hinken bekanntlich von Berufs wegen. Aber das Phänomen einer Unterhaltung, die sich als Luxus während einer an sich völlig ausfüllenden Beschäftigung, wie das Essen ist, entwickelt, läßt sich wahrscheinlich ebenso auf Schwingungen, Strahlungen, Wellen­gänge zurückführen.

Es wäre die Aufgabe einer neuen Wissenschaft, festzustellen, welche Speise die Unterhaltung in einer bestimmten Richtung beeinflußt. Wir wissen, daß Wasser zum Beispiel, oder daß gewisse

Bäume die Elektrizität in Form eines Blitze- anziehen. Wir müßten im Rahmen dieser neuen Wissenschaft nun erforschen, welche Gedanken­verbindungen beispielshalber Spinat bei Tisch erzeugt, ob eine Kalbsbrust gesprächig macht und ein Pudding den Fluß der Rede verstopft.

Wichtig wäre es ferner, zu wissen, in welchem Verhältnis diese Speisen mit ihren rätselhaften Eigenschaften zu der Stunde und der Minute stehen, in der sie den Weg alles Irdischen gehen. Denn genau so, wie die Jahreszeit entscheidenden Einfluß auf die Speisekarte ausübt, müßte dies auch bei der Tageszeit der Fall sein.

Einer neuen Alchemie der Küche wäre also Tür und Tor geöffnet. Sämtliche Liebestränke des Mittelalters erschienen wieder auf dem Menü, in Form von Ochsenschwanzsuppe oder Apfelmus wenn es gelänge, diese Vorgänge der Ge­dankenübertragung durch Rahrungsmittel rest­los zu klären. Man könnte dann einem Ge­schäftsfreund. mit dem man einen wichtigen Ab­schluß tätigen will, die richtige Speise zur richtigen Zeit geben. Man könnte ... Aber von den ur­sprünglichen Funktionen der Liebestränke wollen wir in diesem Zusammenhang lieber ganz schweigen.

Auf jeden Fall jedoch darf man nicht vergessen, diese Speisen dem Gast, bei dem man etwas er­reichen will, nicht um 25 Minuten nach 7 Ahr oder 10 Minuten später anzubieten. Hades.

Oer Marsch der Kaufmannsjugend!

Am Sonntag fanden im Gaugebiet Main-Weser des DHV. Gepäckmärsche des Bundes der Kauf- mannsjpgend statt. Viele Kaufmannslehrlinge und Fahrende Gesellen" unterzogen sich dieser Lei- stungsprüfung. Die Iugendgruppe Gießen führte gemeinsam mit den umliegenden Gruppen den Marsch von Lich aus durch. Der Veranstaltung ging

von Gras und Laub ernährten, war der Pflanzen­wuchs nicht gewachsen. Da setzte bei vielen die Umstellung auf die Fleischnahrung ein, und der Kampf des Stärkeren gegen den Schwächeren, der ihm als Rahrung dienen mußte, begann.

Von den Einflüssen dieser historischen oder eigentlich prähistorischen Entwicklung wurde aber die Katze Wanja von Dr. Durow auf das sorg­fältigste ferngehalten, und so geschah es, daß bei ihr dienatürliche" Feindschaft gegen Mäuse nicht zum Ausbruch kam. Von zartester Jugend an war sie ihren Artgenossen entzogen worden, und keine sorgliche Mutter hatte sie durch ihr Beispiel gelehrt, wie sie Mäuse fangen sollte, um sich einen Braten zu schaffen.» Von früh auf war sie mit Milch, Suppen, kaltem Braten, kurzum mit allem, außer frisch getötetem blutwarmem Tier- fleisch gefüttert worden, und so war in ihr nie­mals der Gedanke rege geworden, Mäuse zu fangen und zu fressen. Als man ihr eine kleine weiße Maus zur Gefährtin gab, sah sie in ihr nur einen willkommenen Spielgenossen und dehnte diese Freundschaft allmählich auf eine ganze Schar weißer Mäuschen aus, die man ihr zu- gefellte. Wanja hätte sich aber sicher genau so mit grauen Mäusen befreundet, wenn nicht ihr Herr, um die schwarze Schönheit des Kätzchens besser zur Geltung zu bringen, diesen Farben­kontrast gewählt hätte. Eine ähnliche Loslösung von den Gewohnheiten des Elternhauses haben auch die anderen von Dr. Durow vorgeführten Tiere durchgemacht, wobei Sorge getragen wurde, daß sie niemals Hunger litten; denn wer weih, ob des Fuchses zärtliche Freundschaft für den Hahn bei knurrendem Magen standgehalten hätte. Der Hahn dagegen war ebenfalls von früher Kindheit an dem Einfluß des Hühnerhofes ent­zogen worden, so daß ihn keine Henne, kein be­sorgter Hahn vor der Blutgier des Fuchses hatte warnen und ängstlich machen können. Eine merkwürdige, auch durch den Alterunterschied zwischen ben beiden Genossen bemerkenswerte Tierfreundschast besteht zwischen einem Alligator und einem Hunde auf einer Alligatorenfarm zu Los Angeles. Obwohl es nichts gibt, was ein Alligator lieber zum Frühstück verspeist, als Hundefleisch, kommen dem 135jährigen Panzer- träger, den seit acht Jahren eine unzertrennliche | Freundschaft mit einem an feinem Alter ge- 1 messen Hundebaby verbindet, niemals so fre- I

yentliche Gedanken. Sehr seltsam ist auch die zärt­liche Zuneigung zwischen einem Hunde und einer jungen Katze: sie empfängt ihre Rahrung aus einer Milchflasche, die ihr der gutmütige Reu­fundländer im Maule hinhält. J. L.

Zeitschriften.

West er manns Monatshefte (Verlag Georg Westermann, Braunschweig) beginnen mit dem Septemberheft einen neuen Jahrgang. Das Heft zeigt in feiner sorgfältigen und vielseitigen Zusam- menfteUung, die alle Gebiete kulturellen Lebens mit wertvollen Beiträgen berücksichtigt, welche anregende und fordernde Lektüre die Monatshefte darstellen. Den Kern des Heftes bildet der Beginn des neuen Romans von Max Halbe. Naturfreunde werden dem Aufsatz Eippers -In deutschen Elch-Revieren" In­teresse entgegenbringen; dem Deutschtum im Aus- lande ist ein mit Gemälden von Eduard Morres illustrierter Aufsatz von Manna Eopony über fieben- bürgische Menschen, Dörfer, Städte und Berge ge­widmet. An die beginnenden Herbstjagden erinnert ber Beitrag G. von Finnettis über die Entwicklung des Reitsports. Ebenfalls kulturelles Interesse hat eine Untersuchung über Student und Studentin von heute. Zahlreiche eingestreute Bildbeilagen und wei- tere kleinere Aufsätze, Novellen und Gedichte oorvoll- ftanbigen den vielseitigen Inhalt des Heftes.

^Lu * * e r und Kind, Zeitschrift für Ernäh- rung, Pflege und Erziehung des Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. H. Vierteljährlich (drei Hefte) 1,65 RM. einschließlich Porto. Mit einem A^ikelEin Rundgang durch das Kaiserin-Augusta- Victoria-Haus" leitet Professor Dr. L. Langstein das Septemberheft ein. Dr. F. H. Eberhard behandelt das Thema:Darf das eben krank gewesene Kind heute wieder ausstehen?" Ueber des Kindes Feingefühl berichtet Maada Trott, Erika Lange überMutter- sorgen aus Afrika". Weitere interessante Beiträge sind z. B. überschrieben:Auch das Kleinkind hat Ehrgefühl",Mode und gesunde Kinderkleidung", Wodurch das Kind eigensinnig wird",Praktische Winke über Säuglingspflege",Die erste Kinderstadt der Welt",Der praktische Haushalt" usw. Alle diese Aufsätze werden jungen Müttern, Säuglings- und Kleinkinderpflegerinnen und Kindergärtnerinnen gute Dienste leisten.

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